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| Dominikanerkirche zu den Heiligen Paulus und Franz Xaver, Bordeaux |
Liebe Brüder und Schwestern!
Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Priesters Dominikus de
Guzmán, Gründer des Predigerordens, genannt Dominikaner. In einer vorhergehenden
Katechese habe ich bereits seine hervorragende Gestalt und den grundlegenden
Beitrag, den er zur Erneuerung der Kirche seiner Zeit geleistet hat, erläutert.
Heute möchte ich einen wesentlichen Aspekt seiner Spiritualität beleuchten:
sein Gebetsleben. Der hl. Dominikus war ein Mann des Gebets. Er war verliebt in
Gott und hatte kein anderes Bestreben als das Heil der Seelen, besonders jener,
die in die Fänge der Irrlehren seiner Zeit geraten waren; in der Nachfolge
Christi verkörperte er radikal die drei evangelischen Räte, indem er die
Verkündigung des Wortes mit dem Zeugnis eines armen Lebens verband; unter der
Führung des Heiligen Geistes schritt er auf dem Weg der christlichen
Vollkommenheit voran. In jedem Augenblick war das Gebet die Kraft, die seine
apostolischen Werke erneuerte und immer fruchtbarer machte.
Der sel. Jordan von Sachsen, der 1237 starb, sein Nachfolger in der
Ordensleitung, schreibt: »Bei Tag zeigte sich niemand geselliger als er… Bei
Nacht hingegen wachte niemand eifriger als er im Gebet. Den Tag widmete er dem
Nächsten, die Nacht aber schenkte er Gott« (vgl. P. Filippini, San Domenico
visto dai suoi contemporanei, Bologna 1982, S. 133). Im hl. Dominikus
erblicken wir ein Beispiel der harmonischen Ergänzung der Betrachtung der
göttlichen Geheimnisse und der apostolischen Tätigkeit. Den Zeugnissen der
Personen zufolge, die ihm am nächsten standen, »sprach er immer mit Gott oder
von Gott«. Diese Beobachtung verweist auf seine tiefe Gemeinschaft mit dem
Herrn und gleichzeitig das ständige Bemühen, die anderen zu dieser Gemeinschaft
mit Gott zu führen. Er hat keine Schriften über das Gebet hinterlassen, aber
die dominikanische Überlieferung hat seine lebendige Erfahrung gesammelt und
weitergegeben in einem Werk mit dem Titel Die neun Gebetsweisen des
Dominikus. Dieses Buch wurde zwischen 1260 und 1288 von einem
Dominikanerbruder verfaßt; es hilft uns, etwas vom Innenleben des Heiligen zu
verstehen, und es hilft auch uns, mit allen Unterschieden, etwas darüber zu
lernen, wie man beten soll.
Dem hl. Dominikus zufolge gibt es also neun Gebetsweisen, und jede von
ihnen, die er stets vor dem gekreuzigten Christus pflegte, bringt eine
körperliche und eine geistliche Haltung zum Ausdruck, die einander tief
durchdringen und die Sammlung und den Eifer fördern. Die ersten sieben Weisen
folgen einer aufsteigenden Linie, wie Schritte eines Weges, zur Gemeinschaft
mit Gott, mit der Dreifaltigkeit: Der hl. Dominikus betet stehend mit gesenktem
Haupt, um die Demut zum Ausdruck zu bringen, auf die Erde hingestreckt, um die
Vergebung seiner Sünden zu erbitten, auf Knien, um in Teilhabe an den Leiden
des Herrn Buße zu tun, mit offenen Armen auf den Gekreuzigten hinschauend, um
die höchste Liebe zu betrachten, mit dem Blick zum Himmel gerichtet, wo er sich
von der Welt Gottes angezogen fühlt. Es gibt also drei Formen: stehend, kniend,
auf die Erde hingestreckt; aber stets auf den gekreuzigten Herrn hinschauend.
Die letzten beiden Weisen jedoch, bei denen ich kurz verweilen möchte,
entsprechen zwei Frömmigkeitsübungen, die der Heilige gewöhnlich lebte. Vor
allem die persönliche Betrachtung, wo das Gebet eine noch innigere,
leidenschaftlichere und Zuversicht schenkende Dimension annimmt. Am Ende des
Stundengebets und nach der Feier der Messe verlängerte der hl. Dominikus das
Gespräch mit Gott, ohne sich zeitliche Grenzen zu setzen. Er saß ruhig da und
sammelte sich innerlich in einer hörenden Haltung, las ein Buch oder heftete
den Blick auf den Gekreuzigten.
Er lebte diese Augenblicke der Beziehung zu Gott so intensiv, daß man seine
freudigen oder traurigen Reaktionen auch äußerlich wahrnehmen konnte. Er hat
also in der Betrachtung die Wirklichkeit des Glaubens in sich aufgenommen. Die
Zeugen berichten, daß er manchmal in eine Art Verzückung eintrat, mit verklärtem
Gesicht, aber sofort darauf demütig seine täglichen Tätigkeiten wiederaufnahm,
mit neuer Energie aus der Kraft, die aus der Höhe kommt. Dann das Gebet auf den
Reisen von einem Kloster zum anderen; er betete die Laudes, die Mittagshore,
die Vesper mit den Gefährten, und während er die Täler und Hügel durchquerte,
betrachtete er die Schönheit der Schöpfung. Dann ging aus seinem Herzen ein
Gesang des Lobes und des Dankes an Gott hervor für die vielen Gaben, vor allem
für das größte Wunder: die von Christus gewirkte Erlösung.
Liebe Freunde, der hl. Dominikus erinnert uns daran, daß am Ursprung des
Glaubenszeugnisses, das jeder Christ in der Familie, am Arbeitsplatz, im
sozialen Einsatz und auch in Augenblicken der Entspannung geben muß, das Gebet,
der persönliche Kontakt mit Gott steht; nur diese echte Beziehung zu Gott gibt
uns die Kraft, jedes Ereignis tiefer zu leben, besonders die Augenblicke des
größten Leidens. Dieser Heilige ruft uns auch die Bedeutung der äußeren
Haltungen bei unserem Beten in Erinnerung. Knien, vor dem Herrn stehen, auf den
Gekreuzigten hinschauen, schweigend innehalten und sich sammeln sind nicht
nebensächlich, sondern helfen uns, uns innerlich, mit der ganzen Person in
Beziehung zu Gott zu stellen. Ich möchte noch einmal die Notwendigkeit für
unser geistliches Leben in Erinnerung rufen, täglich Augenblicke zu finden, um
in Ruhe zu beten; wir müssen uns diese Zeit besonders in den Ferien nehmen,
etwas Zeit haben, um mit Gott zu sprechen. Es wird ein Weg sein, um denen, die
uns nahe sind, zu helfen, in den leuchtenden Strahl der Gegenwart Gottes
einzutreten, der den Frieden und die Liebe bringt, derer wir alle bedürfen.
Danke.
(B16, 8. August 2012, Generalaudienz)
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Maria überreicht Dominikus den Rosenkranz Dominikanerkirche in Bordeaux |