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Montag, 15. September 2025

Vom Schwert durchbohrte Mutter, bitte für uns

 

das durchbohrte Herz Mariens, Dom zu Graz

Herr, erbarme Dich unser
Christus, erbarme Dich unser
Herr, erbarme Dich unser
Christus, höre uns
Christus, erhöre uns
Gott Vater vom Himmel, - erbarme Dich unser
Gott Sohn, Erlöser der Welt, - erbarme Dich unser
Gott Heiliger Geist, - erbarme Dich unser
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, - erbarme Dich unser
Heilige Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns
Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns
Mutter Christi, bitte für uns
Mutter unseres gekreuzigten Erlösers, bitte für uns
o schmerzhafte Mutter, bitte für uns
o tränenreiche Mutter, bitte für uns
o betrübte Mutter, bitte für uns
o verlassene Mutter, bitte für uns
o trostlose Mutter, bitte für uns
Vom Schwert durchbohrte Mutter, bitte für uns
Du Königin der Märtyrer, bitte für uns
Du Mutter der Bedrängten, bitte für uns
Du Trösterin der Betrübten, bitte für uns
Du Helferin der Notleidenden, bitte für uns
Du Schutz der Verlassenen, bitte für uns
Du Stütze der Witwen und Waisen, bitte für uns
Du Hoffnung der Bekümmerten, bitte für uns
Du Stärke der Kleinmütigen, bitte für uns
Du Zuflucht der Sünder, bitte für uns
Du Heil der Kranken, bitte für uns
Du Hoffnung der Sterbenden, bitte für uns
Du Mutter der Barmherzigkeit, bitte für uns
Durch deine Armut im Stalle zu Bethlehem, bitte für uns
Durch deinen Schmerz bei der Weissagung Simeons, bitte für uns
Durch deine traurige Flucht nach Ägypten, bitte für uns
Durch dein angstvolles Suchen nach dem verlorenen Kinde, bitte für uns
Durch deine Betrübnis bei der Verfolgung deines göttlichen Sohnes, bitte für uns
Durch deine Angst und Not über Jesu Gefangennahme, bitte für uns
Durch deinen Schmerz über Judas' Verrat und Petri Verleugnung, bitte für uns
Durch die schmerzliche Begegnung mit deinem Sohne auf dem blutigen Kreuzwege, bitte für uns
Durch die Marter deines Herzens bei Jesu Kreuzigung, bitte für uns
Durch deinen Todesschmerz bei Jesu Sterben, bitte für uns
Durch das Schwert des Schmerzes, das deine Seele durchdrang, als das Herz Jesu durchbohrt wurde, bitte für uns
Durch deine Klage um den heiligen Leichnam in deinem Schoße, bitte für uns
Durch deine Trauer am Grabe, bitte für uns
Durch deine trostlose Verlassenheit nach dem Begräbnisse, bitte für uns
Durch die Tränen, die du um deinen geliebten Sohn vergossen hast, bitte für uns
Durch die wunderbare Ergebung, mit der du all dein Weh ertragen hast, bitte für uns
o Königin des Friedens, bitte für uns
In all unseren Trübsalen, bitte für uns
In Krankheit und Schmerz, bitte für uns
In Kummer und Bedrängnis, bitte für uns
In Elend und Verlassenheit, bitte für uns
In Ängsten und Gefahren, bitte für uns
In allen Versuchungen, bitte für uns
In der Stunde des Todes, bitte für uns
Im letzten Gericht, bitte für uns
O Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. - Verschone uns, 0 Herr!
O Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. - Erhöre uns, 0 Herr!
O Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. - Erbarme Dich unser!
Christus, höre uns - Christus, erhöre uns
Herr, erbarme Dich unser
Christus, erbarme Dich unser
Herr, erbarme Dich unser
Bitt für uns, o schmerzensreichste Jungfrau.
Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten: 0 Herr Jesus Christus, die geheiligte Seele der seligsten Jungfrau Maria, Deiner geliebten Mutter, wurde in der Stunde Deines Leidens vom Schwert der Schmerzen durchbohrt. Wir bitten Dich, laß sie jetzt und in der Stunde unseres Todes unsere Fürsprecherin bei Deiner Barmherzigkeit sein; der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
 
Pieta, St. Agidius Dom, Graz

Sonntag, 14. September 2025

Vom Holz herab herrscht unser Gott

 

Kreuzkapelle im Grazer Dom St. Agidius
 

Seinen Ursprung hat das Fest Kreuzerhöhung in Ierusalem: Am 13. September 326 fand hier die Hl. Helena, Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, das Kreuz Christi. Genau neun Jahre später (13. September 335) wurde ebenfalls in Ierusalem die Konstantinische Basilika über dem Heiligen Grab Christi („Grabeskirche“) eingeweiht und einen Tag später, also am 14. September, ließ Patriarch Makarius das Kreuz Christi erstmals auf dem Felsen Gologotha zur öffentlichen Verehrung aufstellen. Hier entspringt auch der Name des Festes „Erhöhung des Kreuzes“. Im Jahr 614 wurde das heilige Kreuz durch den Perserkönig Chosroes geraubt, aber wenige Jahre später von Kaiser Heraklius dank eines Sieges über die Perser zurückgeholt und am 14. September 628 wieder feierlich auf seinem ursprünglichen Platz aufgestellt.

Steinrelief, Kathedrale von Como

Mosaik San Clemente, Rom 

Mose in der Wüste, Glasfenster, Saint Aignan, Chartres 

Musee beaux arts, Rennes

Kreuzerhöhung - in diesem Zeichen wirst du siegen (Baptisterium von S. Giovanni in Laterano)

Die Kreuzreliquie in S. Croce in Gerusalemme

Altarbild der Auffindung des Kreuzes durch Helena, Pfarrkirche zur hl. Notburga, Eben, Aachensee

Die Kreuzauffindungskapelle in der Grabeskirche 

Apsismosaik in S. Croce in Gerusalemme (Kreuzauffindung)

1) Der König siegt, sein Banner glänzt,
geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,
an dessen Balken ausgestreckt
im Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt.

2) Geschunden hängt der heil’ge Leib,
vom scharfen Speere roh durchbohrt,
uns rein zu waschen von der Schuld,
strömt Blut und Wasser von ihm aus.

3) Erfüllt ist nun, was David einst
im Liede gläubig kundgetan,
da er im Geiste prophezeit’:
Vom Holz herab herrscht unser Gott.

4) O edler Baum im hehren Glanz,
von königlichem Purpur rot,
du werter, du erwählter Stamm,
du trägst den Lösepreis der Welt.

5) O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüßt,
du einz’ge Hoffnung dieser Welt.
Den Treuen schenke neue Kraft,
den Sündern tilge alle Schuld.

6) Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit,
lobsinge alles, was da lebt;
du hast uns durch das Kreuz erlöst:
Bewahre uns in Ewigkeit.


Grazer Dom St. Ägidius

Freitag, 16. Mai 2025

Wahrer des Beichtgeheimnisses

 

Johannes von Neopomuk; Mosaik bei der Anbetungskapelle der Grazer Stadtpfarrkirche
die Hand vor dem Mund steht für die Wahrung des Beichtgeheimnisses

 Johannes Nepomuk war 1369 Notar in Prag, stand ab 1370 in den Diensten des Prager Erzbischofs, begann das Jusstudium an der Universität Prag, erhielt 1380 die Priesterweihe und schloss sein Studium 1382-1387 an der Universität Padua ab (Doktorat des kanonischen Rechts). Nach Prag zurückgekehrt, wurde er 1389 Generalvikar des Erzbistums Prag.

In den Streit zwischen Erzbischof Johann von Jenstein und dem böhmischen und römisch-deutschen König Wenzel um die Besetzung der Abtei Kladrau (die in ein Bistum umgewandelt werden sollte) verwickelt, stellte Wenzel (weil der Erzbischof ihm bei dieser Besetzung zuvorgekommen war) ihn und seine engsten Mitarbeiter unter Anklage.

Dem Erzbischof gelang die Flucht, hingegen wurde der Generalvikar Johannes Nepomuk am 20. März 1393 unter persönlicher Mitwirkung des Königs schwer gefoltert und schließlich durch Sturz von der Moldaubrücke ertränkt. Dass Wenzel durch die Tortur Johannes Nepomuk zur Preisgabe von Informationen über Königin Sophie, zu deren Vertrauten Johannes Nepomuk zählte, zwingen wollte (Verletzung des Beichtgeheimnisses), war, wie aus einem Bericht des Thomas Ebendorfer von 1433 hervorgeht, in Prag bekannt. Quelle

Brückensturz in der Johann Nepomukkapelle in Bregenz

Die Johannes Nepomuk Skulptur in der Wiener Franziskanerkirche



Johannes Nepomuk


Mittwoch, 3. März 2021

Liberat-Gedenkstätte in der Grazer Franziskanerkirche

 

 

Liberatus Weiß und zwei Gefährten, Märtyrer in Äthiopien. Liberatus Weiß wurde 1675 in Konnersreuth geboren und bei den Zisterzienserinnen von Waldsassen erzogen. Mit 18 trat er in Graz in den Franziskanerorden ein und wurde nach seiner Priesterweihe 1704 für die Mission in Äthiopien bestimmt. 1704 brach Liberatus mit seinen Begleitern auf, aber auf dem Weg über Ägypten und den Sudan wurde er in Khartum vom König aufgehalten und ausgeraubt; acht seiner neun Begleiter starben durch die Strapazen. In Jerusalem wartete Liberatus dann auf eine neue Gelegenheit zur Mission in Äthiopien, 1711 folgte er der Anweisung aus Rom und traf 1712 in Begleitung von Michael Pius Fasoli und Samuel Marzorato in Gonder, der damaligen Hauptstadt Äthiopiens ein. Liberatus litt unter dem ständigen Misstrauen der Kopten, gewann aber das Vertrauen des äthiopischen Königs. Zwar durfte er nicht predigen, aber er konnte lehren und sogar ein kleines Hospital aufbauen. 1715 schlug er der äthiopischen Kirche die Wiedervereinigung mit der katholischen Kirche in Rom vor. Doch es kam im Volk zur Revolte gegen ein solches Vorhaben, Liberatus und seine Begleiter mussten flüchten, der König als ihr Förderer sogar abdanken. Der neue König stellte die drei Franziskaner vor Gericht, sie wurden zum Tod durch Steinigung verurteilt. Liberatus Weiß, Michael Pius Fasoli und Samuel Marzorato fanden am 3. März 1716 unter dem Steinhagel einer aufgebrachten Volksmenge den Martertod. Johannes Paul II. hat sie am 20. November 1988 selig gesprochen.
(Martyrologium Sancrucense)

Glasfenster in der Grazer Franziskanerkirche


Heute gedenkt die Kirche auch des sel. Kapuziners Innozenz von Berzo.


Franziskanerkirche Graz

Freitag, 18. Oktober 2019

Petrus von Alcantara

Petrus von Alcantara, Kloster der Grazer Franziskaner


Petrus von Alcántara, Franziskaner, Priester und Asket. Petrus wurde 1499 aus dem Adelsgeschlecht derer von Alcántara geboren und trat als Fünfzehnjähriger bei den Franziskanern ein. Als Priester wurde er ein gefragter Prediger. Bald wurde er an den portugisischen Königshof berufen, wo ihm die Bekehrung einiger bedeutender Persönlichkeiten gelang, unter ihnen die Schwester des Königs. Danach machte sich Petrus an die Reform seines Ordens und gründete die strenge Gemeinschaft der „Discalceaten“, die nur barfuss gingen, auf Brettern schliefen und vegetarisch lebten. Petrus selbst hungerte und fastete ohne Maß, er kniete stundenlang und geißelte sich täglich. Er trug ein Hemd aus scharfkantigem Blech – und das alles, um demonstrativ gegen die Leibesvergötzung zu protestieren. Im hohen Alter lernte ihn Theresia von Avila kennen – und schätzen. Petrus kannte ihre Erlebnisse der seelischen Bedrängnis aus eigener Erfahrung. Petrus starb 63-jährig in Arenas in Spanien. Theresia berichtete, Jesus sei ihr erschienen und habe ihr versichert, er werde keine Bitte abschlagen, die man im Namen des Petrus von Alcántara an ihn richte. Papst Clemens IX. sprach Petrus von Alcántara 1669 heilig. Petrus ist Patron der Nachtwächter, weil er täglich nicht mehr als eineinhalb Stunden schlief. Er ist auch der Patron Brasiliens.
(Martyrologium Sancrucense)

Heute gedenkt die Kirche auch des Evangelisten Lukas:
Evangelium für jeden, der Gott lieben möchte (S. Vitale, Ravenna)
Lukas und das Gebet (S. Croce in Gerusalemme)
Lukas mit dem Stiersymbol
Die Reliquien des Evangelisten Lukas in Padua

Sonntag, 3. März 2019

Liberat Weiss

Steinigung des sel. Liberat Weiss, Franziskanerkirche Graz


Ordenspriester, Märtyrer
Namensdeutung: der Großzügige (lat.)
Namenstage: Liberat, Liberatus
Gedenktag: 3. März
Lebensdaten: geboren am 4. Januar 1675 in Konnersreuth, Oberpfalz, gestorben am 3. März 1716 bei Gonder, Äthiopien
Lebensgeschichte: Johannes Laurentius Weiß ging in Waldsassen zur Klosterschule, trat mit 18 Jahren in Graz in den Franziskanerorden ein, erhielt den Namen Liberat und wurde 1698 zum Priester geweiht. 1705 wurde er nach Äthiopien entsandt, wo die altehrwürdige Kirche dem irrigen Glauben an eine in Christus vermischte gottmenschliche Natur anhing (Monophysitismus), den jüdischen Sabbat hielt und die Beschneidung pflegte. Mit neun Gefährten erreichte er mit einer Handelskarawane den Sudan, wo die Missionare aber festgesetzt und ausgeraubt wurden. Nur Pater Liberat und sein Mitbruder Michele Pio Fasoli überlebten diese Expedition. 1711 machten sich Liberat, inzwischen zum Apostolischen Präfekten für Äthiopien ernannt, Pater Fasoli und Pater Samuele Marzorato wieder auf die Reise und gelangten 1712 in der äthiopischen Hauptstadt Gonder an.
Die drei Franziskaner durften unter dem Schutz des Negus, dem wegen der islamischen Umzingelung seines Landes an guten Kontakten zur römischen Kirche gelegen war, eine kleine Niederlassung gründen; sie machten sich mit der Sprache sowie den Gebräuchen vertraut und widmeten sich der Krankenpflege und der Armenfürsorge, wobei sie sich hohes Ansehen erwarben. Als sie jedoch 1715 begannen, für den katholischen Glauben zu werben, geriet das aufgewiegelte Volk so in Wut gegen die Missionare, dass der Kaiser sie in einer anderen Provinz in Sicherheit bringen musste. Nachdem aber der Monarch erkrankte und abgesetzt wurde, ließ sein Nachfolger sie vor Gericht stellen und zum Tod verurteilen, falls sie sich nicht beschneiden lassen und den äthiopischen Glauben annehmen. Nachdem alle drei abgelehnt hatten, wurden sie am 3. März 1716 zum Hang des Berges Ambo Abo bei Gonder geführt und gesteinigt – der Überlieferung nach verstarb Pater Liberat Weiß um 16 Uhr und als erster.
Verehrung: 1988 sprach Papst Johannes Paul II. die drei Märtyrer selig und hob in seiner Predigt hervor, dass sie beispielhaft die Wahrheit in Liebe verkündigten und vorlebten. Das Oratorium des Grazer Franziskanerklosters ist Liberat geweiht. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche, die sich selber nicht als monophysitisch versteht, sondern gegen ein möglicherweise duales Missverständnis die Einheit Christi betont, unterhält ökumenische Beziehungen zur katholischen Kirche.


Franziskanerkirche Graz

"Ich bin bereit, den letzten Tropfen Blut im Dienste Gottes zu opfern
für die Kirche und das Heil der Seelen in Äthiopien"
(aus einem Brief des Sel. Liberat).


Franziskanerkirche Graz

Freitag, 8. Dezember 2017

Erlösung im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu




Großer und heiliger Gott,
im Hinblick auf den Erlösertod Christi
hast du die selige Jungfrau Maria
schon im ersten Augenblick ihres Daseins vor jeder Sünde bewahrt,
um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.
Höre auf ihre Fürsprache:
Mache uns frei von Sünden
und erhalte uns in deiner Gnade,
damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gegenüber der Befürchtung einer Schmälerung der Stellung Christi und der Erlösung ist wohl zu erkennen: Christus wird in diesem seinem Werk an Maria als der alle Zeiten und die ganze Geschichte der Menschheit souverän umgreifende Erlöser offenbar. Er vermochte nämlich die Wirkung der Erlösung auch schon vor dem Ablauf seiner endgültigen Heilstat einem Menschen zuzuwenden, um ihn für eine bestimmte Heilsaufgabe innerlich auszustatten. Wie alles an Maria, so weist auch ihre "Vor"- und "Ersterlösung" auf Christus hin und stellt die Virtuosität seines erlöserischen Handelns in ein strahlendes Licht.

Die "Vorerlösung" Marias kann die Erlösungstat Christi also nicht schmälern, sie muß sie vielmehr erhöhen. Das meint auch die Dogmatisierungsbulle, wenn sie erklärt, daß Maria "durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts", von der Erbschuld befreit wurde.

Mit einer solchen Befreiung Marias wird das Erlösungswerk Christi keineswegs außer Kurs gesetzt, sondern gerade in seiner vielgestaltigen Kraft und seiner Virtuosität ins volle Licht gestellt. Dieses Werk ist eben so umfassend und die Zeiten übergreifend, daß seine Wirkungen von Gott auch schon vor seinem geschichtlichen Ablauf einem Menschen (Maria) zugedacht werden konnten. Dieses Mariengeheimnis bekräftigt und unterstreicht also auch wieder das Erlösungsgeheimnis Christi. Es führt nicht von Christus fort, sondern leitet (wie alle Mariengeheimnisse) zu Ihm hin. Christus hat sich mit der an Maria gleichseim vorausgenommenen Erlösungstat den menschlich-mütterlichen Raum für seine Menschwerdung in einer Ihm angemessenen Weise zubereitet. Er hat damit nichts von seiner Erlösungsvollmacht preisgegeben, sondern sogar in einer unübertrefflichen Weise dokumentiert, daß es keine Selbsterlösung für die Menschen gibt, selbst nicht für den Menschen, der zur Gottesmutterschaft berufen war.
(L. Scheffczyk, Maria - Mutter und Gefährtin Christi, 135f)


Maria, unbefleckt empfangen im Hinblick auf den Erlösertod Christi, Lourdeskapelle, Mariatrost, Graz

Maria und die Schlange


Gott, der Herr, sprach zur Schlange:
Feindschaft stifte ich zwischen dir und der Frau,
zwischen deinem Spross und ihrem Spross.
Sie wird dir den Kopf zertreten.
Benediktus-Antiphon zum Hochfest 


Statue des Unbefleckten Empfängnis, Basilika Mariatrost, Graz

Freitag, 23. Oktober 2015

Johannes von Capestrano

Sandalen, Habit und Stola des hl. Johannes von Capestrano, Franziskanerkloster Frauenkirchen



Johannes von Capestrano, Ordenspriester und Wanderprediger. Johannes wurde 1386 zu Capestrano bei Aquila geboren, wirkte um 1412 als Richter in Perugia, wo er 1415 bei den Franziskaner-Observanten eintrat.
Er begann eine vierzigjährige Predigttätigkeit, die ihn durch ganz Italien und Mitteleuropa führte, auch mehrmals nach Österreich. Johannes von Capestrano war der größte Prediger seines Jahrhunderts, er predigte fast täglich und hatte enormen Beichtzulauf. Aber Johannes war auch Friedensstifter, Gründer karitativer Einrichtungen und Ratgeber von Päpsten und Fürsten. Ab 1451 war er um die Rückgewinnung der Hussiten in Böhmen bemüht.
Anschließend predigte er das Kreuz gegen die Türken, die damals eine ernste Bedrohung darstellten. Seiner Beredsamkeit ist die Rettung Belgrads 1456 vor den Türken zuzuschreiben. Johannes starb bald nach dem Sieg über die Türken am 23. Oktober 1456 zu Ilok an der Donau, nordwestlich von Belgrad. Sein Leib ist verschollen. Johannes von Capestrano wird im Franziskanerhabit mit Kreuzfahne dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)


 


Licht strahlt nicht für sich selbst, sondern ergießt sich nach allen Seiten und macht so alles sichtbar. Wer mit der Sorge für andere betraut ist, muß mit seinem eigenen Leben den anderen den Weg in das Haus des Herrn weisen. (Johannes von Capestrano)

Johannes v. Capestrano, Franziskanerkirche Granz

Sonntag, 4. Oktober 2015

Beginn der Familiensynode: Wird Franziskus die Wölfe zähmen?

Franziskus zähmt den Wolf, Franziskanerkloster Graz




Der Wolf von Gubbio 
Zu der Zeit, als Sankt Franziskus in der Stadt und dem Bezirk Gubbio weilte, erschien dort ein ungeheuer schrecklicher und wilder Wolf, der nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen fraß. Darob lebten alle Bürger in Furcht und Schrecken, denn oftmals lief er durch die Stadt. Alle gingen schließlich nur bewaffnet, wenn sie ihr Haus verließen, gerade, als wenn sie in den Kampf zögen, und doch hätte ein einzelner, wenn er dem Wolf begegnet wäre, sich nicht gegen ihn wehren können. Zuletzt kamen die Leute von Gubbio so weit, dass niemand es wagte, auszugehen.
Der heilige Franziskus aber hatte Mitleid mit den Bewohnern dieser Stadt, und er beschloss, den Wolf aufzusuchen, obwohl die Städter es ihm widerrieten. Er machte das Zeichen des Kreuzes, ging mit seinen Gefährten durch die Gefilde, voller Zuversicht auf Gottes Hilfe. Und da die anderen nach einer Weite zögerten, ihn zu begleiten, so ging er allein nach jener Gegend, wo der Wolf hauste. Und siehe es geschah vor den Augen vieler Bürger, die gekommen waren, das Wunder zu sehen, dass jener Wolf mit offenem Rachen auf Sankt Franziskus losrannte; doch als er sich ihm näherte, machte Sankt Franziskus über ihm das Zeichen des heiligen Kreuzes, rief ihn zu sich und sprach zu ihm also: "Komm her, Bruder Wolf, ich gebiete dir im Namen Christi, nimmer Böses zu tun, weder mir noch irgendeinem anderen." O Wunder! Sowie Sankt Franziskus das Zeichen des Kreuzes gemacht hatte, schloss der fürchterliche Wolf den Rachen und hemmte seinen Lauf. Und als er den Befehl vernommen hatte, kam er sanftmütig wie ein Lamm heran und legte sich dem Sankt Franziskus zu Füßen nieder.
Da sprach Sankt Franziskus also zu ihm. "Bruder Wolf, du hast allhier viel Böses getan und mancherlei arge Missetat, indem du Gottes Geschöpfe gegen sein Gebot vernichtet und getötet hast, und nicht nur die Tiere hast du ums Leben gebracht und gefressen, du hast auch gewagt, die Menschen zu töten, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind. Deshalb verdienst du den Tod durch den Galgen als ein schuldbeladener Dieb und Mörder. Und alle Welt schreit und murrt wider dich und alle Lande hier sind dir feind. Ich aber, Bruder Wolf, ich will Frieden stiften, zwischen dir und diesen. Du sollst ihnen fürderhin nicht mehr schaden, sie aber werden dir all deine früheren Missetaten vergeben und weder die Menschen noch die Hunde sollen dich künftig verfolgen!"
Als der Wolf diese Worte vernommen hatte, wedelte er mit dem Schweif und gab durch seine Blicke, durch Bewegungen und durch Neigen seines Kopfes zu verstehen, dass er einverstanden sei mit dem Vorschlage des heiligen Franziskus und ihn annehme. Und Sankt Franziskus sprach wiederum: "Bruder Wolf, da du eingewilligt hast, diesen Frieden zu schließen und zu halten, so verspreche ich dir, ich will dafür sorgen, dass dir, solange du lebst, diese Männer deine Kost darreichen, dass du künftig nicht mehr Hunger leidest; denn ich weiß wohl, dass du nur, weil du Hunger littest, alles Böse getan hast. Doch da ich diese Gunst dir erwirkte, so will ich, Bruder Wolf, dass du mir versprechest, nimmermehr weder Mensch noch Tier Schaden zu tun versprichst du mir das?"
Und der Wolf gab durch Neigen des Kopfes deutlich kund, dass er es versprach. Und Sankt Franziskus redete weiter zu ihm also: "Bruder Wolf, ich will dein feierliches Gelöbnis für dieser Versprechen, damit ich dir vertrauen kann!" Und Sankt Franziskus streckte ihm seine Hand entgegen, um sein Gelöbnis zu empfangen, und der Wolf erhob seine Tatze und legte sie freundlich in die Hand des heiligen Franziskus und gab, so gut er es vermochte, sein Treuegelöbnis.
Da sprach Sankt Franziskus: "Bruder Wolf, ich befehle dir im Namen Jesu Christi, ohne Zögern mit mir zu kommen. Wir wollen gehen und diesen Frieden im Namen Gottes bekräftigen." Und der Wolf ging mit ihm, gehorsam wie ein sanftes Lamm.

Quelle: Fioretti 21, in der Übersetzung von Max Kirschstein, Franz von Assisi, Die Werke, Hamburg 1958



Franziskanerkloster Graz