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Mittwoch, 22. November 2023

Warum ist Cäcilia Patronin der Kirchenmusik?

 

Blick über die Stadt Linz vom Linzer Dom

Fenster der hl. Cäcilia hinter der Orgel

 

In der Passio Sanctae Caeciliae aus dem 5. Jahrhundert heißt es: „Während Instrumente spielten sang Cäcilia dem Herrn mit den Worten: Möge mein Herz unbefleckt sein, damit ich nicht verderbe.“ Da der lateinische Ablativ „cantantibus organis – zum Spiel der Instrumente“ auch „Instrumente spielend“ gedeutet werden kann, wurde Cäcilia immer mehr selbst als Musikerin dargestellt und mit der Verbreitung der Orgel dann auch als Organistin.

Heilige Cäcilia, bitte für uns!

Freitag, 9. August 2019

Franz Jägerstätter (Stele im Linzer Dom)


Franz Jägerstätter Stele im Linzer Dom,
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi, Römerbrief


Franz Jägerstätter wird am 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich (Diözese Linz), als Kind der ledigen Bauernmagd Rosalia Huber geboren.
Die Mutter heiratete 1917 den Bauern Heinrich Jägerstätter, der bei der Hochzeit das Kind seiner Frau adoptiert.
1933 wird er Vater der Tochter Hildegard. 1935 lernt er Franziska SchwaningerBauerntochter aus dem benachbarten Hochburg, kennen und sie heiraten am Gründonnerstag 1936. Sie bewirtschaften gemeinsam den Leherbauernhof. Franz Jägerstäter ist ab 1941 Mesner in St. Radegund.
Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor, Rosalia (*1937), Maria (*1938) und Aloisia (*1940).
Den Nationalsozialisten verweigert Jägerstätter von Anfang an jede Zusammenarbeit, denn Christentum und Nationalsozialismus sind für ihn völlig unvereinbar.
1940 wird Jägerstätter zum Militärdienst einberufen, aber zweimal unabkömmlich gestellt. Einer weiteren Einberufung leistet er nicht mehr Folge, denn "mitzukämpfen und zu töten, dass Hitler die ganze Welt beherrschen könne", sieht er als Sünde und persönliche Schuld an.
Am 1. März 1943 erklärt er nach seiner erneuten Einberufung bei der Stammkompanie in Enns, "dass er auf Grund seiner religiösen Einstellung den Wehrdienst mit der Waffe ablehne, dass er gegen sein religiöses Gewissen handeln würde, wenn er für den nationalsozialistischen Staat kämpfen würde und er könne nicht gleichzeitig Nationalsozialist und Katholik sein."

Jägerstätter wird in das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis im Linzer Ursulinenhof gebracht und Anfang Mai in das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin-Tegel überstellt. Am 6. Juli 1943 wird Franz Jägerstätter wegen "Wehrkraftzersetzung sowie zum Verlust der Wehrwürdigkeit und der bürgerlichen Ehrenrechte" verurteilt.

Am 9. August 1943 wird er in Brandenburg/Havel enthauptet.

Ab 1989 werden im Auftrag von Diözesanbischof Maximilian Aichern Personen, die Franz Jägerstätter gekannt haben, als Zeugen einvernommen. 1997 wird der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter offiziell eröffnet und am 21. Juni 2001 auf diözesaner Ebene abgeschlossen.
Der Vatikan bestätigt am 1. Juni 2007 offiziell das Martyrium. Die Seligsprechung erfolgt am 26. Oktober 2007 im Linzer Mariendom.

Als liturgischer Gedenktag wurde der 21. Mai, Jägerstätters Tauftag, festgesetzt, da an seinem Todestag, dem 9. August, das Fest der hl. Edith Stein begangen wird.
(Quelle: Diözese Linz)

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Die von Herbert Fried gestaltete Stele befindet sich in der Kapelle „Maria – Königin der Märtyrer“. In die Stahlstele eingearbeitet ist ein Glaszylinder, in dem sich eine Reliquie sowie ein Autograph Jägerstätters vom Januar 1938 befinden.

Die Stele wurde im Rahmen der Seligsprechung Franz Jägerstätters am 1. November 2007 errichtet.





Aus Aufzeichnungen des Seligen Franz Jägerstätter, Familienvater und Märtyrer, im Gefängnis
(Juli/August 1943)

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?

Werde hier nun einige Worte niederschreiben, wie sie mir gerade aus dem Herzen kommen. Wenn ich sie auch mit gefesselten Händen schreibe, aber immer noch besser, als wenn der Wille gefesselt wäre. Offensichtlich zeigt Gott manchmal seine Kraft, die er den Menschen zu geben vermag, die ihn lieben und nicht das Irdische dem Ewigen vorziehen. Nicht Kerker, nicht Fesseln, auch nicht der Tod sind es imstande, einen von der Liebe Gottes zu trennen, ihm seinen Glauben und den freien Willen zu rauben. Gottes Macht ist unbesiegbar. Seid gehorsam und untertänigst der Obrigkeit, diese Worte fliegen einem heute schon bald von allen Seiten zu, ja sogar von Menschen, die ohnehin fast nichts mehr glauben, was in der Hl. Schrift steht und was Gott uns zu glauben befohlen hat. Wenn man für jeden Menschen sich solche Mühe geben möchte, von der schweren Sünde und daher vor dem ewigen Tode zu erretten, als man mit mir sich Mühe gibt, vom irdischen Tode mich zu erretten, so müsste wahrlich schon der Himmel auf dieser Welt sein. Immer wieder möchte man einem das Gewissen erschweren betreffs Gattin und Kinder. Sollte die Tat, die man begeht, dadurch vielleicht besser sein, weil man verheiratet ist und Kinder hat? Oder ist deswegen die Tat besser oder schlechter, weil es Tausende anderer Katholiken auch tun? Ist vielleicht jetzt auch das Rauchen eine Tugend geworden, weil es Tausende von Katholiken tun? Dürfte man deswegen auch lügen, weil man Gattin und Kinder hat und selbe noch dazu mit einem Eide bekräftigen? Hat nicht Christus selbst gesagt, wer Gattin, Mutter und Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert? Aus welchem Grund bitten wir denn dann Gott um die sieben Gaben des Hl. Geistes, wenn wir ohnedies blinden Gehorsam zu leisten haben? Zu was hat denn Gott alle Menschen mit einem Verstande und freien Willen ausgestattet, wenn es uns, wie so manche sagen, gar nicht einmal zusteht, zu entscheiden, ob dieser Krieg, den Deutschland führt, gerecht oder ungerecht ist? Zu was braucht man dann noch eine Erkenntnis zwischen dem, was Gut oder Böse ist?

Ich glaub, man kann auch ruhig blinden Gehorsam leisten, aber nur dann, wenn man niemand andren dabei schädigen muss. Wären die Menschen heutzutage noch aufrichtiger, so glaub ich, müsste doch noch so mancher Katholik dabei sein und müsste sagen; „Ja, ich sehe ein, dass die Tat gerade nicht gut ist, die wir da begehen, aber ich bin einfach noch nicht bereit zum Sterben."

Hätte mir Gott nicht die Gnade und Kraft verliehen, für meinen Glauben auch zu sterben, wenn es verlangt wird, so würde ich halt vielleicht dasselbe tun, wie die Mehrzahl es tut. Gott kann eben jedem soviel Gnaden geben, wie er will. Hätten andre diese vielen Gnaden empfangen, wie ich sie schon erhalten habe, sie hätten vielleicht schon weit mehr Gutes geleistet wie ich. ...

Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.


RESPONSORIUM    vgl. Röm 8.35.37-39

R Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? * All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.
R Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. * All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

Heute gedenkt die Kirche auch der hl. Edith Stein, einer Patronin Europas:
 

Franz Jägerstätter Stele bei der Kapelle "Maria - Königin der Märtyrer", Linzer Dom

Freitag, 22. Juni 2018

Paulinus von Nola, Patron der Glockengießer

Weihe der Domglocken des Linzer Doms


Das zweite Fenster links im Linzer Dom zeigt die Weihe der Domglocken am 30. April 1902. Eine der sieben Glocken wird gerade von Bischof Franz Maria Doppelbauer nach der Waschung abgetrocknet. In der Mitte des Bildes erhebt sich der Turm noch ohne Zubauten (Lang- und Querhaus waren noch nicht fertiggestellt). Eine große Glocke steht symbolisch für den Weiheakt.


Neben der hl. Barbara, die als Patronin der Bergleute für Erzgewinnung steht, findet sich in den unteren Feldern auch der hl. Paulinus, Bischof von Nola und Patron der Glockengießer. Er soll schon Anfang des 5. Jahrhunderts Glocken geweiht haben.

Im Maßwerk sind die Patrone der sieben Glocken angeführt: zentral Maria (für die Immaculata und die Rosenkranzglocke), umgeben vom hl. Michael (oben), dem hl. Maximilian (rechts) und der hl. Agnes (links), darunter der hl. Petrus (links) und der hl. Josef (rechts).
(Kirchenführer)

Patrone der sieben Glocken, Darstellung der Glockenweihe, Linzer Dom

Paulinus von Nola, Bischof. Paulinus wurde 354 bei Bordeaux geboren und kam aus einer vornehmen christlichen Senatorenfamilie, sodass er eine umfassende Ausbildung erhielt. Paulinus empfing bald nach seiner Heirat 385 in Bordeaux die Taufe. Nach dem frühen Tod seines Sohnes wandte er sich einem vollkommenen und enthaltsamen Leben zu und empfing 394 zu Barcelona die Priesterweihe. Danach zog sich Paulinus nach Nola in die süditalienische Region Kampanien zurück, wo er am Grab des hl. Felix eine klösterliche Gemeinschaft gründete. Um 411 wurde Paulinus zum Bischof von Nola geweiht. Dort übte er eine hochgerühmte Gastfreundschaft aus, trug Sorge für die Armen und linderte nach Kräften die durch den Einfall der Goten Alarichs entstandene Not. Paulinus stand mit den bedeutendsten Männern seiner Zeit im Briefwechsel. Er starb am 22. Juni 431 zu Nola und wurde beim Grab des hl. Felix beigesetzt.
(Martyrologium Sancrucense)

Katechese von Papst Benedikt XVI. über Paulinus von Nola vom 12. Dezember 2007:

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Kirchenvater, dem wir heute unsere Aufmerksamkeit zuwenden wollen, ist der hl. Paulinus von Nola. Paulinus war ein Zeitgenosse des hl. Augustinus, mit dem ihn eine lebendige Freundschaft verband, und übte seinen Dienst in Kampanien in Nola aus, wo er Mönch, dann Priester und Bischof war. Er war jedoch gebürtig aus Aquitanien, im Süden Frankreichs, genauer aus Bordeaux, wo er einer vornehmen Familie entstammte. Dort wurde ihm eine gute literarische Ausbildung zuteil, insofern sein Lehrer Ausonius war.

Seine Heimat verließ er ein erstes Mal, um frühzeitig die politische Laufbahn einzuschlagen, die ihn noch in jungen Jahren zur Funktion des Statthalters in Kampanien aufsteigen sah. In diesem öffentlichen Amt erregten seine Begabungen der Weisheit und Milde Bewunderung. In dieser Zeit ließ die Gnade in seinem Herzen den Samen der Umkehr aufkeimen. Zum Ansporn dazu gereichte ihm der einfache und innige Glaube, mit dem das Volk das Grab eines Heiligen, des Märtyrers Felix, im Heiligtum des heutigen Cimitile verehrte. Als staatlicher Verantwortlicher interessierte sich Paulinus für dieses Heiligtum und ließ ein Hospiz für die Armen sowie eine Straße bauen, um den zahlreichen Pilgern den Zugang zu erleichtern.

Während er sich dafür einsetzte, die irdische Stadt zu errichten, entdeckte er den Weg hin zur himmlischen Stadt. Die Begegnung mit Christus war der Ankunftsort eines beschwerlichen Weges voller Prüfungen. Schmerzhafte Umstände, angefangen mit dem Verlust der Gunst der öffentlichen Autorität, ließen ihn die Hinfälligkeit der Dinge erfahren. Einmal zum Glauben gekommen wird er schreiben: „Der Mensch ohne Christus ist Staub und Schatten“ (Carmen X,289).

Mit dem Wunsch, auf den Sinn des Daseins Licht zu werfen, begab er sich nach Mailand, um sich in die Schule des Ambrosius zu begeben. Er vervollständigte dann seine christliche Bildung in seiner Heimat, wo er aus den Händen des Bischofs Delphin von Bordeaux die Taufe empfing. Zu seinem Glaubensweg gehörte auch die Ehe. Er heiratete nämlich Therasia, eine fromme adelige Frau aus Barcelona, von der er einen Sohn hatte.

Er hätte sein Leben als guter christlicher Laie fortgesetzt, wenn ihn nicht der Tod des Kindes wenige Tage später aufgerüttelt und ihm gezeigt hätte, dass der Plan Gottes für sein Leben ein anderer war. Er fühlte sich in der Tat dazu berufen, sich Christus in einem strengen asketischen Leben zu weihen.

In voller Übereinstimmung mit seiner Frau Therasia verkaufte er seine Hab und Gut zu Gunsten der Armen und verließ zusammen mit ihr Aquitanien, um nach Nola überzusiedeln, wo die beiden Eheleute neben der Basilika des Hl. Schutzpatrons Felix Wohnstatt nahmen, wobei sie nunmehr in keuscher Geschwisterlichkeit entsprechend einer Lebensform lebten, der sich auch andere anschlossen.

Der Rhythmus des Gemeinschaftslebens war typisch monastisch, Paulinus aber, der in Barcelona zum Priester geweiht worden war, begann, sich im priesterlichen Dienst für die Pilger einzusetzen. Das brachte ihm die Zuneigung und das Vertrauen der christlichen Gemeinde ein, die ihn nach dem Tod des Bischofs um das Jahr 409 als Nachfolger auf den Bischofsstuhl von Nola wählen wollte. Sein pastorales Wirken verstärkte sich, wobei es sich durch eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Armen auszeichnete.

Er hinterließ das Bild eines echten Hirten der Nächstenliebe, wie ihn der hl. Gregor der Große im dritten Kapitel seiner Dialoge beschrieb, wo Paulinus in der heldenhaften Geste festgehalten ist, als er sich anstelle des Sohnes einer Witwe als Gefangener anbot. Die Episode ist in ihrer Geschichtlichkeit diskutiert, es bleibt jedoch die Gestalt eines Bischofs von großem Herzen, der es verstand, seinem Volk während der traurigen Umstände der Invasionen der Barbaren nahe zu stehen.

Die Bekehrung des Paulinus beeindruckte die Zeitgenossen. Sein Lehrer Ausonius, ein heidnischer Dichter, fühlte sich „verraten“, und er wandte sich an ihn mit harschen Worten, mit denen er ihm zum einen die „Verachtung“ der materiellen Güter, was er für unsinnig hielt, zum anderen die Aufgabe seiner Berufung zum Literaten vorwarf. Paulinus erwiderte, dass seine Schenkungen an die Armen keine Verachtung für die irdischen Güter bedeuten, sondern vielmehr ihre Aufwertung zum höchsten Zweck der Nächstenliebe.

Hinsichtlich der literarischen Anstrengungen hatte sich Paulinus nicht von seiner dichterischen Begabung verabschiedet, die er weiterhin pflegte, sondern von den poetischen Vorlagen, die sich an der Mythologie und den heidnischen Idealen inspirieren. Eine neue Ästhetik beherrschte nunmehr seine Empfindsamkeit: Es war die Schönheit des fleischgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Gottes, zu deren Sänger er sich jetzt machte. In Wirklichkeit hatte er nicht die Dichtung aufgegeben, sondern entnahm nun dem Evangelium seine Inspiration, wie er in diesem Vers sagt: „Einzige Kunst für mich ist der Glaube, und Christus ist meine Dichtung“ („At nobis ars una fides, et musica Christus”: Carmen XX, 32).

Seine Carmina sind Lieder des Glaubens und der Liebe, in denen die alltägliche Geschichte der kleinen und großen Ereignisse als Geschichte des Heils erfasst wird, als Geschichte Gottes mit uns. Viele dieser Gedichte, die so genannten Carmina natalicia, sind mit dem jährlichen Fest des Märtyrers Felix verbunden, den er zum himmlischen Schutzherrn erwählt hatte. Indem er des Felix gedachte, beabsichtigte er, Christus selbst zu verherrlichen, da er überzeugt war, dass die Fürsprache des Heiligen ihm die Gnade der Umkehr erwirkt hätte: „In deinem Licht, Freudiger, habe ich Christus geliebt“ (Carmen XXI, 373).

Denselben Gedanken wollte er zum Ausdruck bringen, indem er das Heiligtum mit einer neuen Basilika erweiterte, die er so ausgestalten ließ, dass die mit geeigneten erklärenden Titeln versehenem Gemälde für die Pilger eine mit den Augen zu erfassende Katechese bildeten. So erklärte er sein Vorhaben in einem Carmen, das einem anderen großen Katecheten, dem hl. Niketas von Remesiana, gewidmet war, während er ihn beim Besuch seiner Basiliken begleitete: „Jetzt will ich, dass du die Bilder betrachtest, die sich in einer langen Reihe entlang der Wände der ausgemalten Säulengänge entwickeln… Uns erschien es ein nützliches Werk zu sein, mit Malereien heilige Inhalte im ganzes Haus des Felix darzustellen, dies in der Hoffnung, das beim Betrachten dieser Bilder die gemalte Gestalt das Interesse der erstaunten Geister der Bauern erwecke“ (Carmen XXVII, VV. 511.580-583).

Noch heute können die Reste dieser Werke bewundert werden, die den Heiligen von Nola zurecht zu den Hauptgestalten der christlichen Archäologie zählen.

Im Asketerium von Cimitile verlief das Leben in Armut, Gebet und völlig vertieft in die „lectio divina“. Das Lesen, Betrachten und Aufnehmen der Heiligen Schrift war das Licht, unter dessen Strahl der Heilige von Nola seine Seele in ihrem Streben nach der Vollendung erforschte.

Wer seine Entscheidung, die materiellen Güter aufzugeben, bewunderte, den erinnerte er daran, dass diese Geste noch weit davon entfernt war, die volle Umkehr zu sein: „Die Aufgabe oder der Verkauf der zeitlichen, in dieser Welt besessenen Güter ist nicht die Erfüllung, sondern nur der Beginn des Laufes im Stadion; sie sind sozusagen nicht das Ziel, sondern nur der Ausgangspunkt. Der Athlet nämlich gewinnt nicht in dem Moment, in dem er sich entkleidet, denn er legt seine Kleider ab, um den Kampf zu beginnen, während er der Siegskrone nur dann würdig ist, wenn er gebührlich gekämpft hat“ (vgl. Epistula XXIV, 7 an Sulpicius Severus).

Neben der Askese und dem Wort Gottes steht die Nächstenliebe: in der monastischen Gemeinschaft waren die Armen stets zugegen. Paulinus beschränkte sich nicht darauf, ihnen Almosen zu geben: er nahm sie auf, als seien sie Christus selbst. Für sie hatte er einen Teil des Klosters reserviert, und indem er so tat, schien es ihm nicht so sehr zu geben als vielmehr zu empfangen, im Austausch der Gaben zwischen der angebotenen Aufnahme und der betenden Dankbarkeit derjenigen, denen Beistand zuteil wurde.

Die Armen nannte er seine „Schutzpatrone“ (vgl. Epistula XIII,11 an Pammachius), und indem er anmerkte, dass sie im Erdgeschoss Aufnahme fanden, liebte er es zu sagen, dass ihr Gebet das Fundament seines Hauses darstellte (vgl. Carmen XXI, 393-394).

Der hl. Paulinus schrieb keine theologischen Abhandlungen, seine Carmina jedoch sowie sein ansehnlicher Briefwechsel sind reich an gelebter Theologie, die vom Wort Gottes durchtränkt ist, stets erforscht als Licht für das Leben. Insbesondere geht der Sinn der Kirche als Geheimnis der Einheit hervor. Er lebte die Gemeinschaft vor allem durch eine ausgeprägte Praxis der geistlichen Freundschaft. In ihr war Paulinus ein wahrer Meister, indem er aus seinem Leben einen Treffpunkt erwählter Geister machte: von Martin von Tours zu Hieronymus, von Ambrosius zu Augustinus, von Delphin von Bordeaux zu Niketas von Remesiana, von Victricius von Rouen zu Rufinus von Aquileia, von Pammachius zu Sulpicius Severus und vielen anderen, mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten.

In dieser Atmosphäre entstehen die tiefsinnigen Seiten, die er an Augustinus schrieb. Jenseits des Inhalts der einzelnen Briefe beeindruckt die Wärme, mit der der Heilige von Nola die Freundschaft selbst als Offenbarwerdung des einzigen, vom Heiligen Geist beseelten Leibes Christi besingt.

Hier ein bedeutsamer Abschnitt zu Beginn der Korrespondenz zwischen den beiden Freunden: „Es darf nicht verwundern, wenn wir – trotz der Entfernung – einander nahe sind und uns kennen, ohne uns kennen gelernt zu haben, denn wir sind Glieder des einen Leibes, wir haben ein einziges Haupt, uns überflutet eine einzige Gnade, wir leben von dem einem Brot, wir gehen auf einer einzigen Straße, wir wohnen in demselben Haus“ (Epistula 6,2).

Wie man sieht: eine sehr schöne Beschreibung dessen, was es heißt, Christ zu sein, Leib Christi zu sein, in der Gemeinschaft der Kirche zu leben. Die Theologie unserer Zeit hat gerade im Begriff der „communio“ (Gemeinchaft) den Schlüssel dafür gefunden, sich dem Geheimnis der Kirche zu nähern.

Das Zeugnis des hl. Paulinus von Nola hilft uns, die Kirche – wie sie uns das II. Vatikanische Konzil vorstellt – als Sakrament der innigen Vereinigung mit Gott und so der Einheit unter uns allen und schließlich des ganzen Menschengeschlechts zu empfinden (vgl. Lumen gentium 1). In dieser Perspektive wünsche ich euch allen eine gute Adventszeit.