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Mittwoch, 13. März 2024

Und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten

Jüngstes Gericht, Kathedrale von Coutances

 

Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 5

In jener Zeit

17entgegnete Jesus den Juden: Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am Werk.

18Darum waren die Juden noch mehr darauf aus, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte.

19Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn.

20Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut, und noch größere Werke wird er ihm zeigen, so dass ihr staunen werdet.

21Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will.

22Auch richtet der Vater niemand, sondern er hat das Gericht ganz dem Sohn übertragen,

23damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

24Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.

25Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben.

26Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben.

27Und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.

28Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören

29und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht.

30Von mir selbst aus kann ich nichts tun; ich richte, wie ich es vom Vater höre, und mein Gericht ist gerecht, weil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.


Dienstag, 12. März 2024

Willst du gesund werden?

steh auf, nimm deine Bahre und geh!
St Mary Abbots, London

 

Sofort wurde der Mann gesund

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 5

1Es war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.

2In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Betesda.

3In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte.

5Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war.

6Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden?

7Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.

8Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh!

9Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat.

10Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen.

11Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh!

12Sie fragten ihn: Wer ist das denn, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Bahre und geh?

13Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nämlich weggegangen, weil sich dort eine große Menschenmenge angesammelt hatte.

14Später traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt.

15Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.

16Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.


Mittwoch, 28. Februar 2024

Oswald von Worcester

 

links Oswald von Worcester, Worcester Cathedral

 

Oswald von Worcester, Erzbischof von York. Oswald war ein Neffe Erzbischof Odos von
Canterbury im 10. Jahrhundert, wurde schon in jungen Jahren Kanoniker, dann Dechant des
Domkapitels zu Winchester.
 

Da er nach einem vollkommeneren Leben strebte, trat er als Mönch in die berühmte Abtei Fleury in Frankreich ein. 959 nach England zurückgekehrt, wurde Oswald 961 Bischof von Worcester und 972 zugleich Erzbischof von York. Oswald gründete mehrere Klöster, darunter Sankt Maria in Worcester und Ramsay. In anderen Klöstern führte er behutsam Reformen im Geist von Fleury durch. Auch das Leben des Weltklerus suchte er zu verinnerlichen. Die Verwaltung der bischöflichen und klösterlichen
Güter ordnete Oswald neu. Daneben vernachlässigte er nicht die Sorge für die Armen und
Notleidenden.

Oswald starb am 29. Februar 992 und wurde in der Marienkirche zu Worcester begraben.
Bereits zehn oder zwölf Jahre nach seinem Tod wurden die Gebeine erhoben. Dargestellt in bischöflichem Ornat mit Kirchenmodell und Teufel.
(Martyrologium Sancrucense)

Montag, 19. Februar 2024

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt

 

Der Menschensohn in seiner Herrlichkeit,

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 25

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.

32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.

33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.

34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.

35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;

36 ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?

38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?

39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

41 Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!

42 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;

43 ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.

44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?

45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.

46 Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Jüngstes Gericht, Chester Cathedral

Sonntag, 18. Februar 2024

Ich bin es. Siehe ich richte meinen Bund auf

 

Noah und die Sintflut
Sainte Madeleine, Troyes

Lesung aus dem Buch Génesis 9

8 Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
9 Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
10 und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
11 Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
12 Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
13 Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
14 Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
15 dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt

1. Lesung vom 1. Fastensonntag, B

Sainte Madeleine, Troyes


Freitag, 2. Februar 2024

Wir wollen dem Herrn alle entgegengehn

 

St James Spanish Place, London

Sophronius von Jerusalem († 638)

Aus einer Rede am Fest der Darstellung des Herrn.

Lasst uns das helle und ewige Licht aufnehmen
 
Wir wollen dem Herrn alle entgegengehn, wir alle, die sein Geheimnis verehren: mit willigem Herzen lasst uns alle gehen! Keiner schließe sich von der Begegnung aus, niemand bleibe dem Tragen des Lichtes fern!
Wir entzünden den Glanz der Kerzen, um das göttliche Licht der Ankunft dessen anzuzeigen, von dem alles leuchtet, durch den die böse Finsternis verjagt wird und alles von der Fülle des ewigen Lichtes hell wird. Wir tun es auch, um sichtbar zu machen, mit welchem Glanz der Seele wir Christus entgegeneilen müssen.
Wie die jungfräuliche Gottesmutter unbefleckt das wahre Licht auf den Armen trug und bei denen war, die in Finsternis und im Dunkel des Todes saßen (Lk 1,79), so wollen auch wir, von seinen Strahlen erleuchtet, in den Händen das Licht, das allen erscheint, dem entgegeneilen, der wahrhaft das Licht ist.
"Das Licht kam in die Welt" (Joh 1,9) und erhellte sie, die von Finsternis umfangen war. Das strahlende Licht aus der Höhe (Lk 3,16) kam zu uns und leuchtet denen, die in Finsternis und im Dunkel des Todes saßen. Das ist unser Mysterium, und darum schreiten wir mit Lampen einher, darum sind wir mit Lichtern herbeigeeilt, um zu zeigen, dass uns das Licht aufgeleuchtet ist, um anzudeuten, welcher Glanz von ihm auf uns übergehen wird. Darum lasst uns alle zusammen laufen, lasst uns alle Gott entgegeneilen!
Niemand von uns bleibe ohne die Weihe dieses Lichtes, niemand, den es erfüllt, bleibe im Finstern. Voll Glanz wollen wir alle hervortreten, erleuchtet lasst uns ihm alle zusammen entgegengehn und mit dem greisen Simeon das klare und ewige Licht in Empfang nehmen. Mit ihm wollen wir im Herzen jubeln und den Erzeuger und Vater des Lichtes, der das wahre Licht gesandt, das Dunkel verscheucht und alles zum Leuchten gebracht hat, den Hymnus des Dankes singen! (Lk 2,28-32) Auch wir haben das Heil Gottes gesehen, das er vor allen Völkern bereitet und zu unserer, des neuen Israel, Herrlichkeit geoffenbart hat. Wir lebten im Dunkel der alten Sünde und wurden wie Simeon beim Anblick Christi von den Fesseln des gegenwärtigen Lebens befreit.
Auch wir haben Christus, als er aus Betlehem zu uns kam, im Glauben umarmt und wurden aus Heiden zu Gottes Volk, denn er ist das Heil Gottes des Vaters.
Wir haben mit den Augen den Mensch gewordenen Gott gesehen, und als wir Gottes Gegenwart sahen, haben wir ihn im Geist auf die Arme genommen, und seitdem werden wir das neue Israel genannt. Alljährlich feiern wir dieses Kommen Gottes und werden es niemals vergessen.

Mariä Lichtmess, St James Spanish Place

Sonntag, 28. Januar 2024

Jesus als der neue Mose

Lesung aus dem Buch Deuteronómium18
(4. Sonntag im Jahreskreis, Markus, 1. Lesung)

Mose sprach zum Volk:
15 Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott,
aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen.
Auf ihn sollt ihr hören.

16 Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen,
worum du am Horeb, am Tag der Versammlung,
den Herrn, deinen Gott, gebeten hast,
als du sagtest:
Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes,
nicht noch einmal hören
und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen,
ohne dass ich sterbe.
17 Damals sagte der Herr zu mir:
Was sie von dir verlangen, ist recht.
18 Einen Propheten wie dich
will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen.
Ich will ihm meine Worte in den Mund legen
und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm gebiete.

19 Den aber, der nicht auf meine Worte hört,
die der Prophet in meinem Namen verkünden wird,
ziehe ich selbst zur Rechenschaft.
20 Doch ein Prophet,
der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden,
dessen Verkündigung ich ihm nicht geboten habe,
oder der im Namen anderer Götter spricht,
ein solcher Prophet soll sterben.


Mose übermittelt die zehn Gebote, Salisbury Cathedral

Im ersten Hauptteil „Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ wird Jesus als der neue Mose dargestellt. In zehn Kapiteln werden die Taufe Jesu, die Versuchung in der Wüste, die Reich-Gottes-Botschaft, die Bergpredigt, das Vaterunser, die Botschaft der Gleichnisse, die christologischen Bildworte bei Johannes, das Petrusbekenntnis, die Verklärung und die Selbstaussagen Jesu behandelt. Das Persongeheimnis Jesu wird von Benedikt typologisch erschlossen. Das Buch hätte nämlich auch den Titel tragen können: Jesus von Nazareth, der neue Mose. Weil die Landnahme noch nicht als endgültige Befreiung zu verstehen sei, wird im Buch Deuteronomium ein neuer Mose verheißen: „Einen Propheten wie mich wird der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte heraus … erstehen lassen, auf ihn sollt ihr hören“ (Dtn 18, 15). Was das Besondere an Mose war, steht am Ende des Deuteronomiums: „Fortan ist kein Prophet mehr in Israel aufgetreten wie Mose, mit dem der Herr von Angesicht zu Angesicht verkehrt hatte …“ (Dtn 34, 10). Darauf baut Benedikt seine Deutung der Gestalt Jesu auf: „Israel darf auf einen neuen Mose hoffen, … Und das eigentliche Kennzeichen dieses ,Propheten‘ wird es sein, dass er mit Gott von Angesicht zu Angesicht wie ein Freund mit dem Freund verkehren wird. Sein Kennzeichen ist die Unmittelbarkeit zu Gott, so dass er Gottes Willen und Wort unverfälscht, aus erster Hand mitteilen kann. Und das ist das Rettende, worauf Israel – worauf die Menschheit – wartet.“

Die Offenbarungsmittlerschaft des Mose hatte nämlich eine Grenze: Die Bitte des Mose „Zeige mir doch deine Herrlichkeit“ (Ex 33, 18ff) wurde von Gott abgelehnt. Mose durfte nur den Rücken Gottes schauen, aber nicht sein Angesicht. Daraus folgert Benedikt, dass Israel einen größeren Propheten erwartete, der Gottes Angesicht schaut: In Jesus hat sich die Verheißung eines neuen Propheten erfüllt, der aus der Schau Gottes spricht. Mit dem Johannesevangelium gesprochen: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1, 18). Jesus kann den Vater offenbaren, weil er „in der Sohnesgemeinschaft mit dem Vater steht“. Eine Deutung der Taufe Jesu als „Berufungserlebnis“ wird von Benedikt abgelehnt.

Im Kapitel über die Bergpredigt tritt die Mose-Typologie wieder ganz deutlich hervor: Jesus ist der neue Mose, er ist der Lehrer Israels, der zu allen Völkern spricht. Der „Berg“ der Seligpreisungen ist der neue Sinai, die Bergpredigt ist die neue Tora, gesprochen aus der Gemeinschaft Jesu mit dem Vater. In der Universalisierung des Glaubens Israels sieht Benedikt eine im Alten Testament angelegte Bewegung, die in Jesus zu ihrem Ziel kommt. Auch hier wird die Mose-Typologie besonders deutlich: Mose steht nicht nur für den Glauben Israels, sondern auch für seine Rechts- und Sozialordnung, die der Messias Jesus nicht mehr als sakral und damit unveränderliches Recht für alle Zeiten versteht.

Mit neuer Radikalität werden etwa in den Antithesen der Bergpredigt (der Berg ist der neue Sinai, der Ort der Gesetzgebung) die grundlegenden Normen, die auf die zweite Tafel des Dekalogs (Mose auf dem Sinai) Bezug nehmen, eingeschärft: Nicht nur nicht töten, sondern dem unversöhnten Bruder entgegengehen, keine Ehescheidung mehr, nicht nur gleiches Recht für alle, sondern sich schlagen lassen ohne zurückzuschlagen, nicht bloß den Nächsten lieben, sondern den Feind. Die bei den Propheten grundgelegte Einheit von Gottes- und Nächstenliebe wird zur obersten Norm. Somit legt Jesus den Grund einmal für die nötigen geschichtlichen Anpassungen der konkreten Rechtsformen durch die Entsakralisierung und zum anderen festigt er die Anbetung des einen wahren Gottes und legt den Grund für die Menschenwürde. 

Darin hat sich die Verheißung erfüllt: „Einen Propheten wie mich wird der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte heraus erstehen lassen.“ 

Michael Karger über das Jesus Buch von Joseph Ratzinger, hier

Detail der Verklärung d. Herrn, Salisbury Cathedral;
Jesus als der neue Mose