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Sonntag, 14. Juni 2026

Die Apostel (Gerd Mosbach)

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 9,36-10,8

In jener Zeit,
9, 36 als Jesus die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren müde und erschöpft
wie Schafe, die keinen Hirten haben.
37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß,
aber es gibt nur wenig Arbeiter.
38 Bittet also den Herrn der Ernte,
Arbeiter für seine Ernte auszusenden!
10, 1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich
und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben
und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.
2 Die Namen der zwölf Apostel sind:
an erster Stelle Simon, genannt Petrus,
und sein Bruder Andreas,
dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus,
und sein Bruder Johannes,
Philíppus und Bartholomäus,
Thomas und Matthäus, der Zöllner,
Jakobus, der Sohn des Alphäus,
und Thaddäus,
4 Simon Kananäus und Judas Iskáriot,
der ihn ausgeliefert hat.
5 Diese Zwölf sandte Jesus aus
und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden
und betretet keine Stadt der Samaríter,
6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!
Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst sollt ihr geben.
(Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A)


Die Apostel, Gerd Mosbach, St. Aposteln, Köln

Kirche St. Aposteln in Köln



Dienstag, 24. Februar 2026

Deine Liebe lenke auch unseren Weg

 

links, Apostel Matthias mit Beil, Maria am Gestade

Die Apostelgeschichte berichtet von der Wahl des Matthias anstelle des Judas. Nach der Legende soll er in Äthiopien gewirkt und das Martyrium erlitten haben. Seine Reliquien kamen – nach der Legende durch die Kaiserin Helena und den Trierer Bischof Agritius – nach Trier und werden dort in der Abteikirche St. Matthias aufbewahrt. Das in Rom seit der Antike am 24. Februar gefeierte Fest wurde auf den 14. Mai verlegt, im deutschen Sprachgebiet bleibt es am heutigen Tag erhalten. (erzabteibeuron)

Gott, du kennst die Herzen aller Menschen;
du hast es gefügt, dass der heilige Matthias

zum Kollegium der Apostel hinzugewählt wurde.
Deine Liebe lenke auch unseren Weg
und reihe uns ein
in die Schar deiner Auserwählten.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Glasfenster die Wahl des Apostel Matthias, St Mary´s Episcopal Cathedral, Glasgow

Matthiaskirche in Breslau, Grab von Angelus Silesius

Matthias, Apostelfigur im Wiener Neustädter Dom

Glasfenster in Rochester Cathedral

Die Matthiasreliquien in Padua

Glasfenster im All Souls College in Oxford

Das Matthiasgrab in Trier

 

Maria am Gestade, Grabstätte v. Klemens Maria Hofbauer


Sonntag, 30. November 2025

Freudig umfange ich dich (Andreas)

Du Kreuz Christi, du wahres Heil der Welt,
freudig umfange ich dich,
denn lange habe ich nach dir verlangt.
Stärke mich, dem Herrn treu zu sein bis zum Ende.

Christus in der Herrlichkeit inzensiert von Engeln, darunter li ein Heiliger vor dem Richter,
Mitte: Andreas stirbt, seine Seele wird zu Gott getragen, re: der Prokonsul Ägeas wird von einem Dämon bestraft,
Andreasfenster, Notre Dame de Chartres

1. Ankunft des Apostels in Patras

Andreas wirkt als Missionar in Achaia (Griechenland) und bekehrt viele Menschen durch Predigt und Heilungen. Zu seinen wichtigsten Bekehrten gehören Vertreter der lokalen Oberschicht, darunter die Frau des Prokonsuls Ägeas.
Diese Bekehrungen stören die gesellschaftliche Ordnung und erregen den Unmut der Behörden.

2. Konflikt mit dem Prokonsul Ägeas

Der römische Statthalter Ägeas hält Andreas’ Predigt gegen Götterbilder und Opferkult für staatsfeindlich.
Er fordert ihn auf, dem römischen Kult zu opfern, was Andreas ablehnt.
Es folgt ein theologischer Streit: Andreas argumentiert für den Gottessohn Christus, während Ägeas auf die Autorität Roms verweist und droht, ihn hinrichten zu lassen.

3. Verhaftung und Verurteilung

Andreas wird festgenommen und vor Gericht gestellt.
Trotz Drohungen bekennt er Christus und verweigert das Opfer.
Ägeas verurteilt ihn zum Kreuzestod – eigentlich als gezielte Demütigung, da diese Strafe Sklaven und Aufständischen vorbehalten ist.

4. Der Weg zum Kreuz

Andreas geht freudig zum Ort der Hinrichtung und hält unterwegs eine längere Rede über:

  • die Bedeutung des Kreuzes als Zeichen des Heils,

  • die Nachfolge Christi,

  • die Notwendigkeit des Leidens für den Glauben.

Er betrachtet das Kreuz nicht als Schande, sondern als Teilnahme am Leiden Christi.

5. Die Art der Kreuzigung

In der traditionellen Fassung wird Andreas nicht genagelt, sondern gebunden, damit sein Tod langsamer verläuft.
Späteren Versionen zufolge ist das Kreuz X-förmig (das heute so genannte „Andreaskreuz“), aber ältere Texte beschreiben lediglich ein schräg gestelltes oder anders geformtes Kreuz.

6. Andreas predigt vom Kreuz herab

Am Kreuz hält Andreas eine lange, erbauliche Rede. Wichtige Motive:

  • Dank an Christus, der ihn würdig macht zu leiden

  • Betrachtung des Kreuzes als Werkzeug der Erlösung

  • Ermahnung an die Zuschauer, Gott zu suchen und nicht auf irdische Macht zu vertrauen

Viele Menschen, bewegt von seiner Rede, beginnen zu weinen und fordern die Freilassung des Apostels. Eine große Menge läuft zum Statthalter.

7. Volk fordert Freilassung – Andreas lehnt ab

Ägeas ist von der Menge eingeschüchtert und befiehlt widerwillig, Andreas abzunehmen.
Doch Andreas weigert sich, das Kreuz zu verlassen. Er bittet Gott, dass er das Martyrium vollenden dürfe.
Nach den Texten verhindert eine übernatürliche Erscheinung (helles Licht oder Engelsgestalt) die Soldaten daran, ihn zu befreien.

8. Der Tod des Apostels

Nachdem das Licht verschwindet und er sein Gebet beendet hat, stirbt Andreas friedlich.
Die Menge ist erschüttert; der Prokonsul Ägeas soll kurz darauf durch ein Unglück oder göttliches Gericht sterben (abhängig von der Fassung).

9. Nachwirkung

Die Christen von Patras bestatten Andreas ehrenvoll.
Spätere Traditionen berichten von Translationen seiner Reliquien nach Konstantinopel und später nach Amalfi, was aber nicht Teil des ursprünglichen Martyriumstextes ist.


(Zusammenfassung des Andreasmartyriums von chatgpt, ohne Gewähr)

oben links Andreas und seine Schüler mit einem Bettler, Mitte: Andreas wird ans Kreuz befestigt,
rechts: der Prokonsul mit zwei Männern und Andreas,
unten links: Andreas vor dem Prokonsul Ägeas, Mitte im Gefängnis mit den Wärtern, rechts das Gerichtsverfahren


Fenster des Apostels Andreas in Notre Dame Chartres

Dienstag, 28. Oktober 2025

Gebet zum hl Judas Thaddäus (Crescentia von Kaufbeuren)

Verehrung des hl. Judas Thaddäus durch Klemens Maria Hofbauer, Michaelerkirche in Wien

Simon und Judas im Lateran

Simon und Judas im Wiener Neustädter Dom 

Glasmalereien in St Mary Abbots, London

Relief des Simon in der Stadtpfarrkirche Krems, St. Veith

Judas Thaddäus
 

Gebet der hl. Crescentia von Kaufbeuren zum hl. Judas Thaddäus

Mit zerknirschtem und demütigem Herzen komme ich zu dir, o Tröster der Betrübten, heiliger Apostel Judas Thaddäus, und bitte Dich auf meinen Knien, wie wenn ich dich hier vor meinen Augen gegenwärtig sähe, sieh an meine Leiden und die schwere Last des Kreuzes, unter der ich seufze.

Zu dir nehme ich vertrauensvoll meine Zuflucht, da du ja das seltene Vorrecht besitzt, jenen mit augenscheinlicher Hilfe beizuspringen, die vom Unglück verfolgt werden und fast an jeder Hoffnung verzweifeln. Komm auch mir Armseligem jetzt in meiner Not (hier nenne das Anliegen) zu Hilfe, aus der ich mich aus eigener Kraft nicht mehr zu retten weiß.
Gedenke, heiliger Judas Thaddäus, welch große Gnade dir Gott dadurch gezeigt hat, dass er dich zu einem sicheren Nothelfer in allen Anliegen gemacht hat und, um deinen Namen zu ehren, allerlei Notleidende und Bedrängte zu dir sendet. Lass auch mich deine allbekannte und oft erprobte Güte erfahren und zeige jetzt deine Macht.
Ich versichere und verspreche dir, dass ich diese Gnade und Wohltat mein Leben lang nicht vergessen werde, dich als meinen besonderen Beschützer stets verehren und vor aller Welt kundtun will, dass du wirklich ein mächtiger, rascher und sicherer Helfer bist in allen Trübsalen und Bedrängnissen. Amen.


Simon Kananäus

St. Veith am Vogau, Steiermark

 

Samstag, 3. Mai 2025

Philippus und Jakobus

Philippus aus Betsaida war zuerst Jünger Johannes’ des Täufers und folgte dann Jesus nach. Jakobus war der Sohn des Alphäus und ein Verwandter Jesu. Er leitete die Kirche von Jerusalem und bekehrte viele Juden durch seine strenge Lebensweise. Auf ihn geht auch der Jakobusbrief zurück. Nach alter Berichterstattung wurde Jakobus im Jahre 62 zum Märtyrer. Das Fest wird mit der Weihe der römischen Basilika zu den Zwölf Aposteln (1. Mai) zusammenhängen, die unter Papst Julius I. (337–352) gebaut wurde. Sie war schon im 6. Jh. in besonderer Weise den beiden Aposteln geweiht. Die Verlegung des Festes auf den 3. Mai ist durch den Gedenktag des hl. Josef bedingt.

Hochaltarbild Christi Himmelfahrt, Pfarrkirche Hainburg
 

Hochaltar 1713, Entwurf und Altarbild von Hans Michael Beckhl, Bildhauer Mathias Roth und Jeremias Weißkopf.Säulenretabel über hoher Staffel mit Opfergangsportalen, korinthisierenden Säulen und gesprengtem Giebel; Altarbild Christi Himmelfahrt, Statuen Hll. Philippus und Jakobus, Leopold und Florian. (Dehio Niederösterreich, Teil 1)

neben dem Hochaltarbild die Apostel Philippus und Jakobus

Montag, 24. Februar 2025

Das Los fiel auf Matthias

 

St Mary´s Episcopal Cathedral, Glasgow

die Wahl des Apostels Matthias, St Mary´s Episcopal Cathedral, Glasgow

Lesung aus der Apostelgeschichte.

15 In jenen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder
– etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen –
und sagte:
16 Brüder!
Es musste sich das Schriftwort erfüllen,
das der Heilige Geist durch den Mund Davids
im Voraus über Judas gesprochen hat.
Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen.
17 Er wurde zu uns gezählt
und hatte Anteil am gleichen Dienst.
20ac Es steht im Buch der Psalmen:
Sein Amt soll ein anderer erhalten!
21 Es ist also nötig, dass einer von den Männern,
die mit uns die ganze Zeit zusammen waren,
als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging,
22 angefangen von der Taufe durch Johannes
bis zu dem Tag,
an dem er von uns ging
und in den Himmel aufgenommen wurde –
einer von diesen muss nun zusammen mit uns
Zeuge seiner Auferstehung sein.
23 Und sie stellten zwei Männer auf:
Josef, genannt Barsábbas, mit dem Beinamen Justus,
und Matthias.
24 Dann beteten sie:
Du, Herr, kennst die Herzen aller;
zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast,
25 diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!
Denn Judas hat es verlassen
und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war.
26 Sie warfen das Los über sie;
das Los fiel auf Matthias
und er wurde den elf Aposteln zugezählt.


Matthiaskirche in Breslau, Grab von Angelus Silesius

Matthias, Apostelfigur im Wiener Neustädter Dom

Glasfenster in Rochester Cathedral

Die Matthiasreliquien in Padua

Glasfenster im All Souls College in Oxford

Das Matthiasgrab in Trier

Samstag, 24. Februar 2024

Über dem Grab von Angelius Silesius in der Breslauer Matthiaskirche

 


Leider kein Zugang zum Grab in der Krypta möglich
 

In St. Matthias wurde am 12. Juni 1653 Johannes Scheffler in die katholische Kirche aufgenommen und nahm den Namen Angelus an. Später fügte er Silesius /Schlesier hinzu. 1661 wurde er zum Priester geweiht. Im Matthiasstift verbrachte er sein letztes Lebensjahrzehnt als Armenarzt und wurde nach seinem Tod 1677 in der Krypta der Kirche beigesetzt. 

Heiliger Matthias, bitte für uns

Matthiaskirche in Breslau

 

Matthias, Apostelfigur im Wiener Neustädter Dom

Glasfenster in Rochester Cathedral

Die Matthiasreliquien in Padua

Glasfenster im All Souls College in Oxford

Das Matthiasgrab in Trier

Donnerstag, 30. November 2023

Fischer, berufen Menschenfischer zu werden

St. Andrä am Zicksee, Burgenland, in der Fastenzeit

 

Die Deckenmalerei in Secco-Ausführung sind ein Werk des akademischen Malers Hans Alexander Brunner aus dem Jahr 1958.

 

die Berufung der Apostel, Hans Alexander Brunner, 1958, St. Andrä am Zicksee

FEIER DER "GÖTTLICHEN LITURGIE" ZUM ANDREASFEST

ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.

Patriarchalkirche St. Georg im Phanar, Istanbul
Donnerstag, 30. November 2006

 

Diese Göttliche Liturgie, die am Fest des heiligen Apostels Andreas, des Schutzheiligen der Kirche von Konstantinopel, gefeiert wurde, führt uns zur Urkirche zurück, in die Zeit der Apostel. Das Markus- und das Matthäusevangelium berichten, wie Jesus die beiden Brüder Simon, dem Jesus den Beinamen Kephas oder Petrus gab, und Andreas berufen hat: »Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen« (Mt 4,19; Mk 1,17). Das vierte Evangelium zeigt darüber hinaus Andreas als den Erstberufenen, »ho protoklitos«, wie ihn die byzantinische Tradition nennt. Es ist Andreas, der seinen Bruder Simon zu Jesus führt (vgl. Joh 1,40ff.).

Heute können wir in dieser Patriarchalkirche des hl. Georg noch einmal die Gemeinschaft und die Berufung der beiden Brüder Simon Petrus und Andreas erfahren, in der Begegnung zwischen dem Nachfolger des Petrus und seinem Bruder im Bischofsamt, dem Oberhaupt dieser Kirche, die der Überlieferung nach vom Apostel Andreas gegründet wurde. Unsere brüderliche Begegnung unterstreicht die besondere Beziehung, welche die Kirchen Roms und Konstantinopels als Schwesterkirchen miteinander verbindet.

Mit herzlicher Freude danken wir Gott dafür, daß er der Beziehung, die sich seit dem denkwürdigen Treffen zwischen unseren Vorgängern, Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, im Januar 1964 in Jerusalem entwickelt hat, neue Lebenskraft verleiht. Ihr Briefwechsel, der in einem Band mit dem Titel Tomos Agapis veröffentlicht wurde, gibt Zeugnis von der Tiefe der Verbundenheit, die zwischen ihnen wuchs, einer Verbundenheit, die sich in der Beziehung zwischen den Schwesterkirchen von Rom und Konstantinopel widerspiegelt.

Am 7. Dezember 1965, dem Vorabend der Abschlußsitzung des Zweiten Vatikanischen Konzils, unternahmen unsere verehrten Vorgänger in der Patriarchalkirche St. Georg und in der Petersbasilika in Rom einen neuen, einzigartigen und unvergeßlichen Schritt: Sie tilgten aus dem Gedächtnis der Kirche die tragischen gegenseitigen Exkommunikationen des Jahres 1054. Auf diese Weise bestätigten sie eine entscheidende Veränderung unserer Beziehungen. Seither sind viele weitere bedeutende Schritte auf dem Weg der gegenseitigen Wiederannäherung unternommen worden. Ich erinnere insbesondere an den Besuch meines Vorgängers Papst Johannes Paul II. in Konstantinopel 1979 und an die Besuche des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Rom.

In demselben Geist soll meine heutige Anwesenheit hier das gemeinsame Bemühen erneuern, auf dem Weg zur Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen der Kirche von Rom und der Kirche von Konstantinopel – mit der Gnade Gottes – voranzugehen. Ich kann Ihnen versichern, daß die katholische Kirche bereit ist, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Hindernisse zu überwinden und zu diesem Zweck gemeinsam mit unseren orthodoxen Brüdern und Schwestern nach immer wirksameren Mitteln der pastoralen Zusammenarbeit zu suchen.

Die beiden Brüder Simon, genannt Petrus, und Andreas waren Fischer, die Jesus dazu berufen hat, Menschenfischer zu werden. Der auferstandene Herr sandte sie vor seiner Himmelfahrt zusammen mit den anderen Aposteln mit dem Auftrag aus, alle Völker zu Jüngern zu machen, sie zu taufen und seine Lehren zu verkünden (vgl. Mt 28,19ff.; Lk 24,47; Apg 1,8).

Dieser uns von den heiligen Brüdern Petrus und Andreas hinterlassene Auftrag ist bei weitem nicht vollendet. Im Gegenteil, er ist heute dringlicher und notwendiger denn je. Er betrifft nämlich nicht nur jene Kulturen, die von der Botschaft des Evangeliums nur am Rande berührt worden sind, sondern auch die europäischen Kulturen, die seit langem in der christlichen Tradition tief verwurzelt sind. Der Säkularisierungsprozeß hat den Halt jener Tradition geschwächt; ja, sie wird in Frage gestellt und sogar verworfen. Angesichts dieser Wirklichkeit sind wir zusammen mit allen anderen christlichen Gemeinschaften dazu gerufen, das Bewußtsein Europas hinsichtlich seiner christlichen Wurzeln, Traditionen und Werte zu erneuern, indem wir ihnen wieder neue Lebenskraft verleihen.

Unsere Anstrengungen für den Aufbau engerer Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen sind Teil dieser missionarischen Aufgabe. Die bestehenden Spaltungen zwischen den Christen sind ein Ärgernis für die Welt und ein Hindernis für die Verkündigung des Evangeliums. Am Vorabend seines Leidens und Sterbens betete der Herr, umgeben von den Jüngern, innig darum, daß sie eins sein mögen, damit die Welt glauben könne (vgl. Joh 17,21). Nur durch die brüderliche Gemeinschaft unter den Christen und durch die gegenseitige Liebe wird die Botschaft von der Liebe Gottes für jeden Mann und jede Frau glaubwürdig werden. Jeder, der heute einen realistischen Blick auf die christliche Welt wirft, wird die Dringlichkeit dieses Zeugnisses entdecken.

Simon Petrus und Andreas wurden gemeinsam dazu berufen, Menschenfischer zu werden. Aber dieselbe Aufgabe nahm für jeden der beiden Brüder verschiedene Formen an. Simon wurde trotz seiner persönlichen Schwachheit »Petrus« genannt, der »Fels«, auf dem die Kirche errichtet werden sollte; ihm wurden in besonderer Weise die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut (vgl. Mt 16,18). Sein Lebensweg sollte ihn von Jerusalem nach Antiochia und von Antiochia nach Rom führen, so konnte er in jener Stadt eine universale Verantwortung ausüben. Das Thema des universalen Dienstes Petri und seiner Nachfolger hat unglücklicherweise unsere Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen, die wir zu überwinden hoffen, auch dank des theologischen Dialogs, der jüngst wieder aufgenommen wurde.

Mein verehrter Vorgänger, der Diener Gottes Papst Johannes Paul II., sprach von der Barmherzigkeit, die den Dienst des Petrus für die Einheit kennzeichnet, eine Barmherzigkeit, die Petrus selbst als erster erfuhr (vgl. Enzyklika Ut unum sint, 91). Auf dieser Grundlage lud Papst Johannes Paul dazu ein, in einen brüderlichen Dialog einzutreten, mit dem Ziel, Wege zu finden, wie das Petrusamt – unter Wahrung seiner Natur und seines Wesens – heute ausgeübt werden könnte, um »einen von den einen und anderen anerkannten Dienst der Liebe zu verwirklichen« (ebd., Nr. 95). Es ist heute mein Wunsch, an diese Einladung zu erinnern und sie zu erneuern. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, hat vom Herrn einen anderen Auftrag erhalten, einen Auftrag, den schon sein Name nahelegte. Da er der griechischen Sprache mächtig war, wurde er – zusammen mit Philippus – der Apostel der Begegnung mit den Griechen, die zu Jesus gekommen waren (vgl. Joh 12,20 ff.).

Die Tradition berichtet uns, daß er nicht nur in Kleinasien und in den Gebieten südlich des Schwarzen Meeres, das heißt also hier in dieser Gegend, missionierte, sondern auch in Griechenland, wo er das Martyrium erlitt. Der Apostel Andreas verkörpert daher die Begegnung zwischen dem Urchristentum und der griechischen Kultur. Diese Begegnung wurde vor allem in Kleinasien insbesondere dank der großen Kirchenväter Kappadokiens möglich, die die Liturgie, die Theologie und die Spiritualität sowohl der Kirchen des Ostens als auch jener des Westens bereicherten. Die christliche Botschaft ist wie das Weizenkorn (vgl. Joh 12,24) in diese Erde gefallen und hat reiche Frucht gebracht. Wir müssen zutiefst dankbar sein für das Erbe, das aus der fruchtbaren Begegnung zwischen der christlichen Botschaft und der griechischen Kultur hervorgegangen ist. Das hatte eine bleibende Wirkung auf die Kirchen des Ostens und des Westens. Die griechischen Kirchenväter haben uns einen wertvollen Schatz hinterlassen, aus dem die Kirche weiterhin alte und neue Reichtümer schöpft (vgl. Mt 13,2).

Die Lehre vom Weizenkorn, das stirbt, um Frucht zu bringen, bestätigt sich auch im Leben des hl. Andreas. Die Tradition erzählt uns, daß er dem Schicksal seines Herrn und Meisters folgte, als seine Tage in Patras in Griechenland ein Ende fanden. Wie Petrus erlitt er das Martyrium an einem Kreuz, dem Schrägkreuz, das wir heute als das Andreaskreuz verehren. Aus seinem Vorbild lernen wir, daß der Weg jedes einzelnen Christen wie der Weg der ganzen Kirche durch die Nachfolge Christi und die Erfahrung des Kreuzes zu neuem Leben führt, zum ewigen Leben.

Im Lauf der Geschichte haben die beiden Kirchen von Rom und Konstantinopel oft die Lehre vom Weizenkorn erlebt. Viele Märtyrer, deren Blut nach den berühmten Worten Tertullians zum Samen für neue Christen geworden ist (vgl. Apologeticum 50,13), verehren wir gemeinsam. Mit ihnen teilen wir dieselbe Hoffnung, die die Kirche dazu verpflichtet, »zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg« weiterzugehen (Lumen gentium, 8; vgl. hl. Augustinus, De civitate Dei XVIII, 51,2). Das soeben vergangene Jahrhundert hat seinerseits mutige Glaubenszeugen sowohl im Osten wie im Westen gesehen und auch heute gibt es viele solcher Zeugen in verschiedenen Teilen der Welt. Wir gedenken ihrer im Gebet und unterstützen sie auf jede nur mögliche Weise, während wir alle Verantwortlichen der Welt nachdrücklich bitten, die Religionsfreiheit als menschliches Grundrecht zu achten.

Die Göttliche Liturgie, an der wir teilgenommen haben, ist nach dem Ritus des hl. Johannes Chrysostomos gefeiert worden. Das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi wurden auf mystische Weise vergegenwärtigt. Für uns Christen ist dies Quelle und Zeichen einer ständig erneuerten Hoffnung. In einem antiken, als »Passion des heiligen Andreas« bekannten Text finden wir diese Hoffnung auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht: »Ich grüße dich, o Kreuz: du bist geheiligt durch den Leib Christi und mit seinen Gliedern wie mit Edelsteinen geschmückt … Mögen die Gläubigen deine Freude erkennen und die Gaben, die in dir verborgen sind…«

Diesen Glauben an den erlösenden Tod Jesu am Kreuz und diese Hoffnung, die der auferstandene Christus der ganzen Menschheitsfamilie schenkt, teilen wir alle, Orthodoxe und Katholiken. Mögen unser Gebet und unsere tägliche Arbeit von der brennenden Sehnsucht beseelt sein, nicht nur bei der Göttlichen Liturgie anwesend zu sein, sondern sie gemeinsam feiern zu können, um an dem einen Tisch des Herrn teilzunehmen und miteinander dasselbe Brot und denselben Kelch zu teilen. Möge unsere heutige Begegnung als Anstoß und Vorfreude auf das Geschenk der vollen Gemeinschaft dienen. Der Geist Gottes begleite uns auf unserem Weg!

Petrus und Andreas werden vom Herrn berufen