Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 9,36-10,8
In jener Zeit, 9, 36 als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren müde und erschöpft
wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. 38 Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! 10, 1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich
und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. 2 Die Namen der zwölf Apostel sind:
an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas,
dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, 3 Philíppus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner,
Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, 4 Simon Kananäus und Judas Iskáriot, der ihn ausgeliefert hat. 5 Diese Zwölf sandte Jesus aus
und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden
und betretet keine Stadt der Samaríter, 6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! 7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! 8 Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. (Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A)
links, Apostel Matthias mit Beil, Maria am Gestade
Die Apostelgeschichte berichtet von der Wahl des
Matthias anstelle des Judas. Nach der Legende soll er in Äthiopien
gewirkt und das Martyrium erlitten haben. Seine Reliquien kamen – nach
der Legende durch die Kaiserin Helena und den Trierer Bischof Agritius –
nach Trier und werden dort in der Abteikirche St. Matthias aufbewahrt.
Das in Rom seit der Antike am 24. Februar gefeierte Fest wurde auf den
14. Mai verlegt, im deutschen Sprachgebiet bleibt es am heutigen Tag
erhalten. (erzabteibeuron)
Gott, du kennst die Herzen aller Menschen; du hast es gefügt, dass der heilige Matthias
zum Kollegium der Apostel hinzugewählt wurde.
Deine Liebe lenke auch unseren Weg
und reihe uns ein
in die Schar deiner Auserwählten.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Du Kreuz Christi, du wahres Heil der Welt,
freudig umfange ich dich,
denn lange habe ich nach dir verlangt.
Stärke mich, dem Herrn treu zu sein bis zum Ende.
Christus in der Herrlichkeit inzensiert von Engeln, darunter li ein Heiliger vor dem Richter, Mitte: Andreas stirbt, seine Seele wird zu Gott getragen, re: der Prokonsul Ägeas wird von einem Dämon bestraft, Andreasfenster, Notre Dame de Chartres
1. Ankunft des Apostels in Patras
Andreas wirkt als Missionar in Achaia (Griechenland) und bekehrt viele Menschen durch Predigt und Heilungen. Zu seinen wichtigsten Bekehrten gehören Vertreter der lokalen Oberschicht, darunter die Frau des Prokonsuls Ägeas.
Diese Bekehrungen stören die gesellschaftliche Ordnung und erregen den Unmut der Behörden.
2. Konflikt mit dem Prokonsul Ägeas
Der römische Statthalter Ägeas hält Andreas’ Predigt gegen Götterbilder und Opferkult für staatsfeindlich.
Er fordert ihn auf, dem römischen Kult zu opfern, was Andreas ablehnt.
Es folgt ein theologischer Streit: Andreas argumentiert für den Gottessohn Christus, während Ägeas auf die Autorität Roms verweist und droht, ihn hinrichten zu lassen.
3. Verhaftung und Verurteilung
Andreas wird festgenommen und vor Gericht gestellt.
Trotz Drohungen bekennt er Christus und verweigert das Opfer.
Ägeas verurteilt ihn zum Kreuzestod – eigentlich als gezielte Demütigung, da diese Strafe Sklaven und Aufständischen vorbehalten ist.
4. Der Weg zum Kreuz
Andreas geht freudig zum Ort der Hinrichtung und hält unterwegs eine längere Rede über:
die Bedeutung des Kreuzes als Zeichen des Heils,
die Nachfolge Christi,
die Notwendigkeit des Leidens für den Glauben.
Er betrachtet das Kreuz nicht als Schande, sondern als Teilnahme am Leiden Christi.
5. Die Art der Kreuzigung
In der traditionellen Fassung wird Andreas nicht genagelt, sondern gebunden, damit sein Tod langsamer verläuft.
Späteren Versionen zufolge ist das Kreuz X-förmig (das heute so genannte „Andreaskreuz“), aber ältere Texte beschreiben lediglich ein schräg gestelltes oder anders geformtes Kreuz.
6. Andreas predigt vom Kreuz herab
Am Kreuz hält Andreas eine lange, erbauliche Rede. Wichtige Motive:
Dank an Christus, der ihn würdig macht zu leiden
Betrachtung des Kreuzes als Werkzeug der Erlösung
Ermahnung an die Zuschauer, Gott zu suchen und nicht auf irdische Macht zu vertrauen
Viele Menschen, bewegt von seiner Rede, beginnen zu weinen und fordern die Freilassung des Apostels. Eine große Menge läuft zum Statthalter.
7. Volk fordert Freilassung – Andreas lehnt ab
Ägeas ist von der Menge eingeschüchtert und befiehlt widerwillig, Andreas abzunehmen.
Doch Andreas weigert sich, das Kreuz zu verlassen. Er bittet Gott, dass er das Martyrium vollenden dürfe.
Nach den Texten verhindert eine übernatürliche Erscheinung (helles Licht oder Engelsgestalt) die Soldaten daran, ihn zu befreien.
8. Der Tod des Apostels
Nachdem das Licht verschwindet und er sein Gebet beendet hat, stirbt Andreas friedlich.
Die Menge ist erschüttert; der Prokonsul Ägeas soll kurz darauf durch ein Unglück oder göttliches Gericht sterben (abhängig von der Fassung).
9. Nachwirkung
Die Christen von Patras bestatten Andreas ehrenvoll.
Spätere Traditionen berichten von Translationen seiner Reliquien nach Konstantinopel und später nach Amalfi, was aber nicht Teil des ursprünglichen Martyriumstextes ist.
(Zusammenfassung des Andreasmartyriums von chatgpt, ohne Gewähr)
oben links Andreas und seine Schüler mit einem Bettler, Mitte: Andreas wird ans Kreuz befestigt, rechts: der Prokonsul mit zwei Männern und Andreas, unten links: Andreas vor dem Prokonsul Ägeas, Mitte im Gefängnis mit den Wärtern, rechts das Gerichtsverfahren
Fenster des Apostels Andreas in Notre Dame Chartres
Gebet der hl. Crescentia von Kaufbeuren zum hl.
Judas Thaddäus
Mit zerknirschtem und demütigem Herzen komme ich zu dir, o Tröster der
Betrübten, heiliger Apostel Judas Thaddäus, und bitte Dich auf meinen Knien,
wie wenn ich dich hier vor meinen Augen gegenwärtig sähe, sieh an meine Leiden
und die schwere Last des Kreuzes, unter der ich seufze.
Zu dir nehme ich
vertrauensvoll meine Zuflucht, da du ja das seltene Vorrecht besitzt, jenen mit
augenscheinlicher Hilfe beizuspringen, die vom Unglück verfolgt werden und fast
an jeder Hoffnung verzweifeln. Komm auch mir Armseligem jetzt in meiner Not
(hier nenne das Anliegen) zu Hilfe, aus der ich mich aus eigener Kraft nicht
mehr zu retten weiß. Gedenke, heiliger Judas Thaddäus, welch große Gnade dir
Gott dadurch gezeigt hat, dass er dich zu einem sicheren Nothelfer in allen
Anliegen gemacht hat und, um deinen Namen zu ehren, allerlei Notleidende und
Bedrängte zu dir sendet. Lass auch mich deine allbekannte und oft erprobte Güte
erfahren und zeige jetzt deine Macht. Ich versichere und verspreche dir, dass
ich diese Gnade und Wohltat mein Leben lang nicht vergessen werde, dich als
meinen besonderen Beschützer stets verehren und vor aller Welt kundtun
will, dass du wirklich ein mächtiger, rascher und sicherer Helfer bist in
allen Trübsalen und Bedrängnissen. Amen.
Philippus aus Betsaida war zuerst Jünger Johannes’ des Täufers und
folgte dann Jesus nach. Jakobus war der Sohn des Alphäus und ein
Verwandter Jesu. Er leitete die Kirche von Jerusalem und bekehrte viele
Juden durch seine strenge Lebensweise. Auf ihn geht auch der
Jakobusbrief zurück. Nach alter Berichterstattung wurde Jakobus im Jahre
62 zum Märtyrer. Das Fest wird mit der Weihe der römischen Basilika zu
den Zwölf Aposteln (1. Mai) zusammenhängen, die unter Papst Julius I.
(337–352) gebaut wurde. Sie war schon im 6. Jh. in besonderer Weise den
beiden Aposteln geweiht. Die Verlegung des Festes auf den 3. Mai ist
durch den Gedenktag des hl. Josef bedingt.
Hochaltarbild Christi Himmelfahrt, Pfarrkirche Hainburg
Hochaltar 1713, Entwurf und Altarbild von Hans Michael Beckhl, Bildhauer Mathias Roth und Jeremias Weißkopf.Säulenretabel über hoher Staffel mit Opfergangsportalen, korinthisierenden Säulen und gesprengtem Giebel; Altarbild Christi Himmelfahrt, Statuen Hll. Philippus und Jakobus, Leopold und Florian. (Dehio Niederösterreich, Teil 1)
neben dem Hochaltarbild die Apostel Philippus und Jakobus
die Wahl des Apostels Matthias, St Mary´s Episcopal Cathedral, Glasgow
Lesung aus der Apostelgeschichte.
15 In jenen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder
– etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen –
und sagte: 16 Brüder!
Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat.
Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. 17 Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. 20ac Es steht im Buch der Psalmen:
Sein Amt soll ein anderer erhalten! 21 Es ist also nötig, dass einer von den Männern, die mit uns die ganze Zeit zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, 22 angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde –
einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. 23 Und sie stellten zwei Männer auf:
Josef, genannt Barsábbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. 24Dann beteten sie: Du, Herr, kennst die Herzen aller;
zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, 25 diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!
Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. 26 Sie warfen das Los über sie;
das Los fiel auf Matthias
und er wurde den elf Aposteln zugezählt.
In St. Matthias wurde am 12. Juni 1653 Johannes Scheffler in die katholische Kirche aufgenommen und nahm den Namen Angelus an. Später fügte er Silesius /Schlesier hinzu.
1661 wurde er zum Priester geweiht. Im Matthiasstift verbrachte er sein letztes Lebensjahrzehnt als
Armenarzt und wurde nach seinem Tod 1677 in der Krypta der Kirche
beigesetzt.
St. Andrä am Zicksee, Burgenland, in der Fastenzeit
Die Deckenmalerei in Secco-Ausführung sind ein Werk des akademischen Malers Hans Alexander Brunner aus dem Jahr 1958.
die Berufung der Apostel, Hans Alexander Brunner, 1958, St. Andrä am Zicksee
FEIER DER "GÖTTLICHEN LITURGIE" ZUM ANDREASFEST
ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
Patriarchalkirche St. Georg im Phanar, Istanbul Donnerstag, 30. November 2006
Diese Göttliche Liturgie, die am Fest des heiligen
Apostels Andreas, des Schutzheiligen der Kirche von Konstantinopel,
gefeiert wurde, führt uns zur Urkirche zurück, in die Zeit der Apostel.
Das Markus- und das Matthäusevangelium berichten, wie Jesus die beiden
Brüder Simon, dem Jesus den Beinamen Kephas oder Petrus gab, und Andreas
berufen hat: »Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu
Menschenfischern machen« (Mt 4,19; Mk 1,17). Das vierte Evangelium zeigt darüber hinaus Andreas als den Erstberufenen, »ho protoklitos«, wie ihn die byzantinische Tradition nennt. Es ist Andreas, der seinen Bruder Simon zu Jesus führt (vgl. Joh 1,40ff.).
Heute können wir in dieser Patriarchalkirche des hl.
Georg noch einmal die Gemeinschaft und die Berufung der beiden Brüder
Simon Petrus und Andreas erfahren, in der Begegnung zwischen dem
Nachfolger des Petrus und seinem Bruder im Bischofsamt, dem Oberhaupt
dieser Kirche, die der Überlieferung nach vom Apostel Andreas gegründet
wurde. Unsere brüderliche Begegnung unterstreicht die besondere
Beziehung, welche die Kirchen Roms und Konstantinopels als
Schwesterkirchen miteinander verbindet.
Mit herzlicher Freude danken wir Gott dafür, daß er der
Beziehung, die sich seit dem denkwürdigen Treffen zwischen unseren
Vorgängern, Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, im Januar 1964 in
Jerusalem entwickelt hat, neue Lebenskraft verleiht. Ihr Briefwechsel,
der in einem Band mit dem Titel Tomos Agapis veröffentlicht
wurde, gibt Zeugnis von der Tiefe der Verbundenheit, die zwischen ihnen
wuchs, einer Verbundenheit, die sich in der Beziehung zwischen den
Schwesterkirchen von Rom und Konstantinopel widerspiegelt.
Am 7. Dezember 1965, dem Vorabend der Abschlußsitzung
des Zweiten Vatikanischen Konzils, unternahmen unsere verehrten
Vorgänger in der Patriarchalkirche St. Georg und in der Petersbasilika
in Rom einen neuen, einzigartigen und unvergeßlichen Schritt: Sie
tilgten aus dem Gedächtnis der Kirche die tragischen gegenseitigen
Exkommunikationen des Jahres 1054. Auf diese Weise bestätigten sie eine
entscheidende Veränderung unserer Beziehungen. Seither sind viele
weitere bedeutende Schritte auf dem Weg der gegenseitigen
Wiederannäherung unternommen worden. Ich erinnere insbesondere an den Besuch meines Vorgängers Papst Johannes Paul II. in Konstantinopel 1979 und an die Besuche des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Rom.
In demselben Geist soll meine heutige Anwesenheit hier
das gemeinsame Bemühen erneuern, auf dem Weg zur Wiederherstellung der
vollen Gemeinschaft zwischen der Kirche von Rom und der Kirche von
Konstantinopel – mit der Gnade Gottes – voranzugehen. Ich kann Ihnen
versichern, daß die katholische Kirche bereit ist, alles in ihrer Macht
stehende zu tun, um die Hindernisse zu überwinden und zu diesem Zweck
gemeinsam mit unseren orthodoxen Brüdern und Schwestern nach immer
wirksameren Mitteln der pastoralen Zusammenarbeit zu suchen.
Die beiden Brüder Simon, genannt Petrus, und Andreas
waren Fischer, die Jesus dazu berufen hat, Menschenfischer zu werden.
Der auferstandene Herr sandte sie vor seiner Himmelfahrt zusammen mit
den anderen Aposteln mit dem Auftrag aus, alle Völker zu Jüngern zu
machen, sie zu taufen und seine Lehren zu verkünden (vgl. Mt 28,19ff.; Lk 24,47; Apg 1,8).
Dieser uns von den heiligen Brüdern Petrus und Andreas
hinterlassene Auftrag ist bei weitem nicht vollendet. Im Gegenteil, er
ist heute dringlicher und notwendiger denn je. Er betrifft nämlich nicht
nur jene Kulturen, die von der Botschaft des Evangeliums nur am Rande
berührt worden sind, sondern auch die europäischen Kulturen, die seit
langem in der christlichen Tradition tief verwurzelt sind. Der
Säkularisierungsprozeß hat den Halt jener Tradition geschwächt; ja, sie
wird in Frage gestellt und sogar verworfen. Angesichts dieser
Wirklichkeit sind wir zusammen mit allen anderen christlichen
Gemeinschaften dazu gerufen, das Bewußtsein Europas hinsichtlich seiner
christlichen Wurzeln, Traditionen und Werte zu erneuern, indem wir ihnen
wieder neue Lebenskraft verleihen.
Unsere Anstrengungen für den Aufbau engerer Beziehungen
zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen sind Teil
dieser missionarischen Aufgabe. Die bestehenden Spaltungen zwischen den
Christen sind ein Ärgernis für die Welt und ein Hindernis für die
Verkündigung des Evangeliums. Am Vorabend seines Leidens und Sterbens
betete der Herr, umgeben von den Jüngern, innig darum, daß sie eins sein
mögen, damit die Welt glauben könne (vgl. Joh 17,21). Nur durch
die brüderliche Gemeinschaft unter den Christen und durch die
gegenseitige Liebe wird die Botschaft von der Liebe Gottes für jeden
Mann und jede Frau glaubwürdig werden. Jeder, der heute einen
realistischen Blick auf die christliche Welt wirft, wird die
Dringlichkeit dieses Zeugnisses entdecken.
Simon Petrus und Andreas wurden gemeinsam dazu berufen,
Menschenfischer zu werden. Aber dieselbe Aufgabe nahm für jeden der
beiden Brüder verschiedene Formen an. Simon wurde trotz seiner
persönlichen Schwachheit »Petrus« genannt, der »Fels«, auf dem die
Kirche errichtet werden sollte; ihm wurden in besonderer Weise die
Schlüssel des Himmelreiches anvertraut (vgl. Mt 16,18). Sein
Lebensweg sollte ihn von Jerusalem nach Antiochia und von Antiochia nach
Rom führen, so konnte er in jener Stadt eine universale Verantwortung
ausüben. Das Thema des universalen Dienstes Petri und seiner Nachfolger
hat unglücklicherweise unsere Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen,
die wir zu überwinden hoffen, auch dank des theologischen Dialogs, der
jüngst wieder aufgenommen wurde.
Mein verehrter Vorgänger, der Diener Gottes Papst
Johannes Paul II., sprach von der Barmherzigkeit, die den Dienst des
Petrus für die Einheit kennzeichnet, eine Barmherzigkeit, die Petrus
selbst als erster erfuhr (vgl. Enzyklika Ut unum sint,
91). Auf dieser Grundlage lud Papst Johannes Paul dazu ein, in einen
brüderlichen Dialog einzutreten, mit dem Ziel, Wege zu finden, wie das
Petrusamt – unter Wahrung seiner Natur und seines Wesens – heute
ausgeübt werden könnte, um »einen von den einen und anderen anerkannten
Dienst der Liebe zu verwirklichen« (ebd., Nr. 95). Es ist heute
mein Wunsch, an diese Einladung zu erinnern und sie zu erneuern.
Andreas, der Bruder des Simon Petrus, hat vom Herrn einen anderen
Auftrag erhalten, einen Auftrag, den schon sein Name nahelegte. Da er
der griechischen Sprache mächtig war, wurde er – zusammen mit Philippus –
der Apostel der Begegnung mit den Griechen, die zu Jesus gekommen waren
(vgl. Joh 12,20 ff.).
Die Tradition berichtet uns, daß er nicht nur in
Kleinasien und in den Gebieten südlich des Schwarzen Meeres, das heißt
also hier in dieser Gegend, missionierte, sondern auch in Griechenland,
wo er das Martyrium erlitt. Der Apostel Andreas verkörpert daher die
Begegnung zwischen dem Urchristentum und der griechischen Kultur. Diese
Begegnung wurde vor allem in Kleinasien insbesondere dank der großen
Kirchenväter Kappadokiens möglich, die die Liturgie, die Theologie und
die Spiritualität sowohl der Kirchen des Ostens als auch jener des
Westens bereicherten. Die christliche Botschaft ist wie das Weizenkorn
(vgl. Joh 12,24) in diese Erde gefallen und hat reiche Frucht
gebracht. Wir müssen zutiefst dankbar sein für das Erbe, das aus der
fruchtbaren Begegnung zwischen der christlichen Botschaft und der
griechischen Kultur hervorgegangen ist. Das hatte eine bleibende Wirkung
auf die Kirchen des Ostens und des Westens. Die griechischen
Kirchenväter haben uns einen wertvollen Schatz hinterlassen, aus dem die
Kirche weiterhin alte und neue Reichtümer schöpft (vgl. Mt 13,2).
Die Lehre vom Weizenkorn, das stirbt, um Frucht zu
bringen, bestätigt sich auch im Leben des hl. Andreas. Die Tradition
erzählt uns, daß er dem Schicksal seines Herrn und Meisters folgte, als
seine Tage in Patras in Griechenland ein Ende fanden. Wie Petrus erlitt
er das Martyrium an einem Kreuz, dem Schrägkreuz, das wir heute als das
Andreaskreuz verehren. Aus seinem Vorbild lernen wir, daß der Weg jedes
einzelnen Christen wie der Weg der ganzen Kirche durch die Nachfolge
Christi und die Erfahrung des Kreuzes zu neuem Leben führt, zum ewigen
Leben.
Im Lauf der Geschichte haben die beiden Kirchen von Rom
und Konstantinopel oft die Lehre vom Weizenkorn erlebt. Viele Märtyrer,
deren Blut nach den berühmten Worten Tertullians zum Samen für neue
Christen geworden ist (vgl. Apologeticum 50,13), verehren wir
gemeinsam. Mit ihnen teilen wir dieselbe Hoffnung, die die Kirche dazu
verpflichtet, »zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen
Gottes auf ihrem Pilgerweg« weiterzugehen (Lumen gentium, 8; vgl. hl. Augustinus, De civitate Dei
XVIII, 51,2). Das soeben vergangene Jahrhundert hat seinerseits mutige
Glaubenszeugen sowohl im Osten wie im Westen gesehen und auch heute gibt
es viele solcher Zeugen in verschiedenen Teilen der Welt. Wir gedenken
ihrer im Gebet und unterstützen sie auf jede nur mögliche Weise, während
wir alle Verantwortlichen der Welt nachdrücklich bitten, die
Religionsfreiheit als menschliches Grundrecht zu achten.
Die Göttliche Liturgie, an der wir teilgenommen haben,
ist nach dem Ritus des hl. Johannes Chrysostomos gefeiert worden. Das
Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi wurden auf mystische Weise
vergegenwärtigt. Für uns Christen ist dies Quelle und Zeichen einer
ständig erneuerten Hoffnung. In einem antiken, als »Passion des heiligen Andreas«
bekannten Text finden wir diese Hoffnung auf wunderbare Weise zum
Ausdruck gebracht: »Ich grüße dich, o Kreuz: du bist geheiligt durch den
Leib Christi und mit seinen Gliedern wie mit Edelsteinen geschmückt …
Mögen die Gläubigen deine Freude erkennen und die Gaben, die in dir
verborgen sind…«
Diesen Glauben an den erlösenden Tod Jesu am Kreuz und
diese Hoffnung, die der auferstandene Christus der ganzen
Menschheitsfamilie schenkt, teilen wir alle, Orthodoxe und Katholiken.
Mögen unser Gebet und unsere tägliche Arbeit von der brennenden
Sehnsucht beseelt sein, nicht nur bei der Göttlichen Liturgie anwesend
zu sein, sondern sie gemeinsam feiern zu können, um an dem einen Tisch
des Herrn teilzunehmen und miteinander dasselbe Brot und denselben Kelch
zu teilen. Möge unsere heutige Begegnung als Anstoß und Vorfreude auf
das Geschenk der vollen Gemeinschaft dienen. Der Geist Gottes begleite
uns auf unserem Weg!