Posts mit dem Label Regenbogen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Regenbogen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 23. November 2025

Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst (Christkönig)

 

Es lebe Christus, der König, Fenster von Christopher Webb

Das Christkönigsfest bietet unserer Feier einen äußerst bedeutsamen Hintergrund, der sich von den Schriftlesungen herleitet und von ihnen erleuchtet wird. Es ist, als stünden wir vor einem imposanten Fresko mit drei großen Szenen: in der Mitte die Kreuzigung nach dem Bericht des Evangelisten Lukas; auf der einen Seite die Salbung Davids zum König durch die Ältesten Israels, auf der anderen der Christushymnus, mit dem der hl. Paulus den Brief an die Kolosser eröffnet. Das Ganze wird beherrscht von der Gestalt Christi, dem einzigen Herrn, vor dem wir alle Brüder und Schwestern sind. Die ganze Hierarchie der Kirche, jedes Charisma und Amt, alles und jeder einzelne stehen im Dienst seiner Herrschaft.

Wir müssen vom zentralen Ereignis ausgehen: dem Kreuz. Hier offenbart Christus sein einzigartiges Königtum. Auf Golgota stoßen zwei entgegengesetzte Haltungen aufeinander. Einige Menschen zu Füßen des Kreuzes und auch einer der beiden Verbrecher wenden sich voll Verachtung an den Gekreuzigten: Wenn du der Christus bist, der König und Messias – sagen sie –, so rette dich selbst und steige von der Hinrichtungsstätte herab. Jesus hingegen offenbart seine Herrlichkeit, indem er dort am Kreuz als Opferlamm bleibt. Auf seine Seite stellt sich unerwartet der andere Verbrecher, der implizit das Königtum des unschuldigen Gerechten bekennt und fleht: »Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst« (Lk 23,42).

Der hl. Cyrill von Alexandrien kommentiert: »Du siehst ihn als Gekreuzigten und rufst ihn als König an. Du glaubst, daß der, der Schmach und Leid erträgt, zur göttlichen Herrlichkeit gelangen wird« (Commentarii in Lucam, Predigt 153). Nach dem Evangelisten Johannes ist die göttliche Herrlichkeit schon gegenwärtig, wenn auch verborgen durch die Entstellung des Kreuzes. Aber auch in der Sprache des Lukas wird die Zukunft in der Gegenwart vorweggenommen, als Jesus dem guten Schächer verheißt: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« (Lk 23,43).

Der hl. Ambrosius merkt an: »Dieser bat, daß der Herr seiner gedenke, wenn er in sein Reich kommt, der Herr aber antwortete ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Leben heißt bei Christus sein, denn wo Christus ist, da ist das Reich« (Expositio in Lucam, 10,121). Die Anklage: »Das ist der König der Juden«, die auf einer über dem Haupt Jesu festgenagelten Tafel geschrieben stand, wird so zur Verkündigung der Wahrheit.

Der hl. Ambrosius merkt weiter an: »Richtigerweise befindet sich die Inschrift über dem Kreuz, denn: Obwohl Jesus, der Herr, am Kreuz hing, erstrahlte er doch von der Höhe des Kreuzes in königlicher Majestät« (ebd., 10,113).

Die Szene der Kreuzigung bildet in den vier Evangelien den Augenblick der Wahrheit, in dem der »Vorhang im Tempel« mitten entzwei reißt und der Heilige der Heiligen in Erscheinung tritt. In Jesus, dem Gekreuzigten, vollzieht sich die höchste Offenbarung Gottes, die in dieser Welt möglich ist, da Gott die Liebe ist, und Jesu Tod am Kreuz der größte Akt der Liebe der ganzen Geschichte ist. Daher ist auf dem Kardinalsring, den ich in Kürze den Mitgliedern des Kardinalskollegiums überreichen werde, die Kreuzigung dargestellt. Dies wird für euch, liebe neue Kardinäle und Brüder, immer eine Einladung sein, euch daran zu erinnern, welchem König ihr dient, auf welchen Thron er erhoben worden ist und wie er bis zum Ende treu war, um die Sünde und den Tod mit der Kraft der göttlichen Barmherzigkeit zu besiegen. Die Mutter Kirche, Braut Christi, schenkt euch dieses Zeichen zum Gedenken an ihren Bräutigam, der sie geliebt und sich für sie hingegeben hat (vgl. Eph 5,25). Wenn ihr also den Kardinalsring tragt, seid ihr ständig dazu aufgerufen, das Leben für die Kirche hinzugeben.

Wenn wir nun den Blick auf die Szene der Salbung Davids zum König richten, die uns in der ersten Lesung vorgestellt wird, beeindruckt uns ein wichtiger Aspekt des Königtums, das heißt seine »korporative« Dimension. Die Ältesten Israels gehen nach Hebron, sie schließen einen Vertrag mit David und erklären, daß sie sich mit ihm vereint fühlen und zusammen mit ihm eins sein wollen. Wenn wir dieses Bild auf Christus beziehen, so scheint es mir, daß sich dieses Bundesversprechen sehr gut dazu eignet, daß ihr, liebe Brüder Kardinäle, es euch zu eigen macht. Auch ihr, die ihr den »Senat« der Kirche bildet, könnt zu Jesus sagen: »Wir sind doch dein Fleisch und Bein« (2 Sam 5,1). Dir gehören wir, und mit dir wollen wir eins sein. Du bist der Hirt des Volkes Gottes, du bist das Haupt der Kirche (vgl. 2 Sam 5,2). In dieser festlichen Eucharistiefeier wollen wir unseren Bund, unsere Freundschaft mit dir erneuern, denn nur in dieser innigen und tiefen Beziehung mit dir, Jesus, unserem König und Herrn, erhalten die Würde, die uns verliehen worden ist, und die Verantwortung, die diese mit sich bringt, Sinn und Wert.

Nun bleibt der dritte Teil des »Triptychons« zu bewundern, vor das uns das Wort Gottes stellt: der Christushymnus aus dem Brief an die Kolosser. Vor allem wollen wir uns das Gefühl der Freude und der Dankbarkeit zu eigen machen, dem er aufgrund der Tatsache entspringt, daß das Reich Christi, das »Los der Heiligen, die im Licht sind«, nicht etwas ist, das nur aus der Ferne gesehen wird, sondern daß es eine Wirklichkeit ist: wir sind berufen, an ihr Anteil zu haben, und durch das Erlösungswerk des Sohnes Gottes sind wir in sie »hineinversetzt« (vgl. Kol 1,12–14). Dieses Gnadenwirken öffnet die Seele des hl. Paulus für die Betrachtung Christi und seines Geheimnisses in seinen beiden hauptsächlichen Dimensionen: die Schöpfung aller Dinge und ihre Versöhnung. In bezug auf den ersten Punkt besteht die Herrschaft Christi darin, daß »alles […] durch ihn und auf ihn hin geschaffen [ist]… und in ihm […] alles Bestand [hat] (Kol, 1,16–17). Die zweite Dimension hat als ihren Mittelpunkt das Ostergeheimnis: durch den Tod des Sohnes am Kreuz hat Gott jedes Geschöpf mit sich versöhnt, er hat Frieden geschaffen zwischen Himmel und Erde; indem er ihn von den Toten auferweckt hat, hat er ihn zum Erstgeborenen der neuen Schöpfung gemacht, »Fülle« aller Wirklichkeit und »Haupt« des mystischen »Leibes«, der die Kirche ist (vgl. Kol 1,18–20). Erneut stehen wir vor dem Kreuz, dem zentralen Ereignis des Geheimnisses Christi. In der Sicht des Paulus ist das Kreuz in die gesamte Heilsökonomie eingefügt, wo sich das Königtum Jesu in seiner ganzen kosmischen Weite entfaltet.

Dieser Text des Apostels drückt eine so mächtige Synthese der Wahrheit und des Glaubens aus, daß wir von ihr nicht unbeeindruckt bleiben können. Die Kirche ist Bewahrerin des Geheimnisses Christi: sie ist es in aller Demut und ohne jeglichen Stolz oder Arroganz, denn es handelt sich um das höchste Geschenk, das sie ohne jedes Verdienst empfangen hat; und sie ist berufen, es umsonst der Menschheit aller Zeiten als Horizont des Sinnes und des Heils anzubieten. Es ist keine Philosophie, keine Gnosis, obwohl es auch die Weisheit und die Erkenntnis einschließt. Es ist das Mysterium Christi, es ist Christus selbst, der Fleisch gewordene, gestorbene und auferstandene »Logos«, eingesetzt als König des Universums. Wie sollte man da nicht ein Gefühl dankerfüllter Begeisterung dafür verspüren, daß man zur Betrachtung der Herrlichkeit dieser Offenbarung zugelassen worden ist? Wie sollte man nicht gleichzeitig die Freude und die Verantwortung spüren, diesem König zu dienen, seine Herrschaft durch Leben und Wort zu bezeugen? Das ist in besonderer Weise unsere Aufgabe, liebe Brüder Kardinäle: der Welt die Wahrheit Christi, Hoffnung für jeden Menschen und für die ganze Menschheitsfamilie, zu verkünden. In der Linie des II. Ökumenischen Vatikanischen Konzils waren meine verehrten Vorgänger, die Diener Gottes Paul VI., Johannes Paul I. und Johannes Paul II., wahre Boten des Königtums Christi in der heutigen Welt. Und es ist für mich ein Grund des Trostes, immer auf euch zählen zu können, sei es in kollegialer Form, sei es als einzelne, damit auch ich diese grundlegende Aufgabe des Petrusamtes erfülle.

In engem Zusammenhang mit dieser Sendung steht ein Aspekt, den ich zum Schluß ansprechen und eurem Gebet anempfehlen will: der Friede zwischen allen Jüngern Christi als Zeichen des Friedens, zu dessen Errichtung Jesus in die Welt gekommen ist. Wir haben im Christushymnus die großartige Nachricht gehört: Gott hat es gefallen, durch das Kreuz Christi das All zu »versöhnen« (vgl. Kol 1,20)! Die Kirche ist also jener Teil der Menschheit, in dem das Königtum Christi schon offenbar ist, das als sein privilegiertes sichtbares Zeichen den Frieden hat. Sie ist das neue Jerusalem, noch unvollkommen, denn sie pilgert in der Geschichte, sie ist jedoch in der Lage, in gewisser Weise das himmlische Jerusalem vorwegzunehmen. Hier können wir uns schließlich auf den Antwortpsalm, den Psalm 122, beziehen: er gehört zu den sogenannten »Aufstiegspsalmen« und ist ein Freudenhymnus der Pilger, die sich, angekommen vor den Toren der heiligen Stadt, mit dem Friedensgruß an sie wenden: Shalom! Nach einer verbreiteten Etymologie wurde Jerusalem interpretiert als »Stadt des Friedens«, jenes Friedens, den der Messias, der Sohn Davids, in der Fülle der Zeiten errichten sollte. In Jerusalem erkennen wir das Bild der Kirche, das Sakrament Christi und seines Reiches.
(aus der Predigt zur Ernennung der Kardinäle, Benedikt XVI., 25.11.2007)


St Lawrence Jewry, London

Sonntag, 18. Februar 2024

Ich bin es. Siehe ich richte meinen Bund auf

 

Noah und die Sintflut
Sainte Madeleine, Troyes

Lesung aus dem Buch Génesis 9

8 Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
9 Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
10 und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
11 Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
12 Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
13 Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
14 Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
15 dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt

1. Lesung vom 1. Fastensonntag, B

Sainte Madeleine, Troyes


Sonntag, 21. Februar 2021

Das Zeichen des Bundes

 


Lesung aus dem Buch Génesis 9,8-15

8Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
9Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
10 und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
11Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
12Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
13Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
14Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
15 dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.

(1. Lesung vom 1. Sonntag der Fastenzeit, B)

Donnerstag, 16. Februar 2017

Gottes Bund mit Noah

Gott schließt einen Bund mit Noah, Kathedrale von Ely



 1 Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt die Erde!
2 Und Furcht und Schrecken vor euch sei auf allen Tieren der Erde und auf allen Vögeln des Himmels! Mit allem, was sich auf dem Erdboden regt, mit allen Fischen des Meeres sind sie in eure Hände gegeben.
3 Alles, was sich regt, was da lebt, soll euch zur Speise sein; wie das grüne Kraut gebe ich es euch alles.
4 Nur Fleisch mit seiner Seele, seinem Blut, sollt ihr nicht essen!
5 Jedoch euer eigenes Blut werde ich einfordern; von jedem Tiere werde ich es einfordern, und von der Hand des Menschen, von der Hand eines jeden, nämlich seines Bruders, werde ich die Seele des Menschen einfordern.
6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden; denn nach dem Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht.
7 Ihr nun, seid fruchtbar, und vermehrt euch, wimmelt auf der Erde, und vermehrt euch auf ihr!
8 Und Gott sprach zu Noah und zu seinen Söhnen mit ihm:
9 Und ich, siehe, ich richte meinen Bund mit euch auf und mit euren Nachkommen nach euch
10 und mit jedem lebenden Wesen, das bei euch ist, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren der Erde bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, von allen Tieren der Erde.
11 Ich richte meinen Bund mit euch auf, dass nie mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch das Wasser der Flut, und nie mehr soll es eine Flut geben, die Erde zu vernichten.
12 Und Gott sprach: Dies ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und jedem lebenden Wesen, das bei euch ist, auf ewige Generationen hin:
13 Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er sei das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde.
14 Und es wird geschehen, wenn ich Wolken über die Erde aufwölke, und der Bogen in den Wolken erscheint,
15 dann werde ich an meinen Bund denken, der zwischen mir und euch und jedem lebenden Wesen unter allem Fleisch besteht; und nie mehr soll das Wasser zu einer Flut werden, alles Fleisch zu vernichten.
16 Wenn der Bogen in den Wolken steht, werde ich ihn ansehen, um an den ewigen Bund zu denken zwischen Gott und jedem lebenden Wesen unter allem Fleisch, das auf Erden ist.
17 Und Gott sprach zu Noah: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch, das auf Erden ist. 
(Genesis 9, heutige Lesung)