Posts mit dem Label Monika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Monika werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 27. August 2025

Der Traum Monikas - Dein Ohr lag an ihrem Herzen

 

Salisbury Cathedral

 

Du aber "strecktest Deine Hand aus der Höhe" und "rissest meine Seele aus" der dichten Finsternis, weil meine Mutter, Deine Getreue, um meinetwillen zu Dir weinte. Sie weinte mehr, als Mütter ein totes Kind beweinen.
Durch den Glauben und den Geist, den sie von Dir erhalten hatte, sah sie meinen Tod, und Du, Herr, hast sie erhört. Du hast sie erhört und ihre Tränen nicht gering geachtet, wenn sie strömend den Boden unter ihren Augen netzten, wo immer sie betend verweilte. Ja, Du hast sie erhört. Denn woher sonst kam der Traum, durch den Du sie getröstet hast, so daß sie wieder einwilligte, mit mir zusammenzuleben und im Hause den gleichen Tisch zu teilen? Sie hatte eine Zeitlang sich geweigert, es zu tun, vor Abscheu und Widerwillen gegen meine gotteslästerlichen Verirrungen.

Im Traum aber sah sie sich auf einem hölzernen Richtscheit stehen (Hinweis auf regula fidei, die christliche Glaubenslehre), und ein strahlender, froher, sie anlächelnder Jüngling kam auf sie zu, während sie trauerte und vor Gram ganz gebrochen war. Dieser fragte nach dem Grund ihrer Trauer und warum sie immerfort weine, wie man fragt, um zu helfen, nicht aus Neugier. Sie erwiderte, sie beklage meinen Untergang. Da hieß er sie, getrost zu sein, und ermunterte sie, aufzumerken und genau hinzusehen: dort, wo sie sei, sei auch ich. Und als sie aufmerkte, sah sie, daß ich neben ihr auf dem gleichen Richtscheit stand. (die Erfüllung des Traums)

Wieso das? Doch weil Dein Ohr an ihrem Herzen lag, o Du guter, allmächtiger Gott, der über jeden von uns wacht, als kümmertest Du Dich um ihn allein oder um alle so wie um jeden.

Und wie kam das Weitere, daß, als sie mir ihre Schau erzählte, und ich sie so wegdeuten wollte, als dürfe sie nicht daran verzweifeln, eines Tages dort zu sein, wo ich war, sie sogleich ohne das geringste Zögern erwiderte: "Nein, mir wurde nicht gesagt: Wo er ist, wirst du sein, sondern: Wo du bist, wird auch er sein".

Herr, hier bekenne ich Dir ein weiteres Mal meine Erinnerung, soweit mein Gedächtnis reicht: die Antwort, die Du mir so durch den Mund meiner wachsamen Mutter gabst, ihre Ruhe angesichts meiner falschen, danebengreifenden Antwort, ihre rasche Einsicht in das zu Beachtende - das ich vor ihrer Antwort nicht beachtet hatte-, sie hat mich damals mehr bewegt als der Traum selbst, der dieser frommen Frau lange vorweg zur Tröstung über gegenwärtige Sorgen eine Freude ankündigte, die sich erst viel später verwirklichen sollte.

Denn neun Jahre ungefähr verflossen, während denen ich mich "im tiefen Schlamm" und im finstern Irrtum wälzte; oft suchte ich aufzutauchen und sank nur tiefer zurück, während diese keusche, fromme und nüchterne Witwe, so wie Du sie liebst, schon beflügelter im Hoffen, aber unermüdet im Weinen und Seufzen, zu jeder Stunde ihres Gebets nicht aufhörte, für mich vor Dir zu klagen. Ihren Gebete "drangen vor Deine Augen", aber Du ließest mich indessen noch immer im Finstern suhlen und mich einwühlen.
(Augustinus, Confessiones, Hrsg. Hans Urs von Balthasar,  3. Buch, der Traum Monikas, 82ff)

Heilige Monika, bitte für uns und alle, die nicht glauben
Salisbury Cathedral

Mittwoch, 28. August 2024

Denkt an mich am Altar Gottes!

 

Augustinus, sein Bruder Navigius und dessen Sohn am Sterbebett von Monika,
"Denkt an mich am Altar Gottes"

 
Der Tag kam, an dem Monika aus diesem Leben scheiden sollte; da geschah es, dass wir, sie und ich, allein beieinander standen, an ein Fenster gelehnt, von dem aus man in den Garten des Hauses schaute, in dem wir wohnten. Es war in Ostia am Tiber, wohin wir uns vor dem Menschengewimmel zurückgezogen hatten, um uns nach den Anstrengungen der langen Reise vor der Seefahrt zu erholen. 
Wir unterhielten uns also allein in herzlichem Gespräch, vergaßen, was hinter uns lag, und streckten uns aus nach dem, was vor uns war. Wir fragten uns, wie wohl das ewige Leben sein wird, das ‚kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.’ In diese Richtung bewegte sich meine Rede, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, aber über diesen Reden verflüchtigte sich uns an jenem Tag die Welt.
Einige Tage später wurde sie immer schwächer und sprach zu meinem Bruder und mir: ‚Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorge um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!’ Nachdem sie diesen Gedanken, so gut sie es konnte, ausgesprochen hatte, schwieg sie.

(Augustinus, Confessiones) 

 

St Mary´s Church, Nottingham

Samstag, 27. August 2022

Ich habe deine Tränen gesehen

Ich habe deine Gebete gehört, ich habe deine Tränen gesehen
hl. Monika, St Giles, Cambridge

Herr, heiliger Vater, barmherzig mit allen, die auf Dich hoffen.
Du hast Deiner Dienerin Monika die unschätzbare Gnade gewährt,
die Seelen mit mit Dir und untereinander zu versöhnen;
durch ihr Leben, ihre Gebete und ihre Tränen
hat sie ihren Gatten Patricius und ihren Sohn Augustinus zur Dir geführt;
wir preisen in ihr Deine Gaben, und durch ihre Vermittlung gewähre uns Deine Gnaden...

Du, geliebte hl. Monika, du du deine Söhne geistig nährst,
indem du ihnen aufs neue Leben schenkst, wann immer du siehst,
daß sie sich von Gott entfernen,
bitte für unsere Familien,
für die jungen Leute und für all die,
die den Weg des Glaubens nicht finden.
Erlange uns die Gnade, Gott treu zu bleiben,
in der Sehnsucht des Himmels auszuharren
und zum Herrn all die zu führen, die Er uns anvertraut hat. Amen.
(Gebetsblatt)


Mittwoch, 28. August 2019

Denkt an mich am Altar Gottes (Áugustinus und Monika)

Augustinus und Monika, Detail des Tucheraltars, um 1445,  Frauenkirche, Nürnberg



Der Tag kam, an dem Monika aus diesem Leben scheiden sollte; da geschah es, dass wir, sie und ich, allein beieinander standen, an ein Fenster gelehnt, von dem aus man in den Garten des Hauses schaute, in dem wir wohnten. Es war in Ostia am Tiber, wohin wir uns vor dem Menschengewimmel zurückgezogen hatten, um uns nach den Anstrengungen der langen Reise vor der Seefahrt zu erholen. 
Wir unterhielten uns also allein in herzlichem Gespräch, vergaßen, was hinter uns lag, und streckten uns aus nach dem, was vor uns war. Wir fragten uns, wie wohl das ewige Leben sein wird, das ‚kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.’ In diese Richtung bewegte sich meine Rede, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, aber über diesen Reden verflüchtigte sich uns an jenem Tag die Welt.
Einige Tage später wurde sie immer schwächer und sprach zu meinem Bruder und mir: ‚Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorge um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!’ Nachdem sie diesen Gedanken, so gut sie es konnte, ausgesprochen hatte, schwieg sie.
(Augustinus, Confessiones)

Montag, 27. August 2018

Monika

Augustinus reist nach Rom?, Stiftskirche Klosterneuburg



Dein Wirken war es demnach, daß ich mich bestimmen ließ, nach Rom zu übersiedeln, um lieber dort zu lehren, was ich schon in Karthago gelehrt hatte. (...)
Weshalb ich von hier wegging und mich dorthin wandte, Du, Gott, wußtest es, aber Du sagtest es weder mir noch meiner Mutter, die meinen Weggang bitter beklagte und mich ans Meer begleitete.
Aber ich betrog sie, als sie sich leidenschaftlich an mich klammerte, um mich entweder zurückzubringen oder mit mir abzureisen; ich gab vor, ich wollte einen Freund nicht sitzenlassen, der einen günstigen Wind zur Abfahrt abwartete. Ich log meiner Muttter - und welcher Mutter! - und entkam. Auch das hast Du mir barmherzig verziehen, hast mich von widerlichem Schmutz Bedeckten vor den Wassern des Meeres bewahrt, um mich dem Wasser Deiner Gnade entgegenzuführen, mich darin zu waschen, damit der Tränenstrom der mütterlichen Augen versiege, der vor Deinen Blicken täglich die Erde netzte.
Da sue demnach sich weigerte, ohne mich heimzukehren, überredete ich sie mit Mühe, die Nacht in einer dem Andenken des hl. Cyprian geweihten Kapelle zu verbringen.
Während dieser Nacht machte ich mich heimlich davon. Sie blieb zurück, betend und weinend.
Was verlangte sie von Dir unter soviel Tränen, mein Gott, als daß Du mir nicht erlaubtest, mich einzuschiffen? Du aber aber erhörtest in Deinem tiefen Ratschluß den Kern ihrer Bitte und übergingst das Flehen der Stunde, um aus mir den zu machen, den sie allzeit erbat.
Der Wind erhob sich, blähte unsere Segel, unsern Blicken entschwand das Ufer, an dem am nächsten Morgen meine Mutter in wahnsinnigem Schmerz Deine Ohren mit Klagen und Stöhnen füllte, ohne daß Du es achtetest, mich aber zogst Du an meinen Leidenschaften fort, um eben diesen Leidenschaften ein Ende zu bereiten, während Du meiner Mutter allzu irdisches Begehren mit der Zuchtrute der Schmerzen straftest. Sie hing, wie alle Mütter, nur noch viel stärker, an meinem Zusammensein mit ihr und ahnte die Freuden nicht, die Du ihr durch meine Abwesenheit bereitetest. Sie ahnte es nicht, deshalb weinte und jammerte sie, Evas Erbteil erwies sich in diesen Qualen, da sie stöhnend das suchte, was sie unter Stöhnen geboren hatte. Nachdem sie mich des Betrugs und der Grausamkeit angeklagt hatte, begann sie erneut für mich zu beten, aber kehrte in ihr gewohntes Leben zurück, während ich nach Rom weiterfuhr.
(Augustinus, die Bekenntnisse, VIII, 15)


Allmächtiger Gott,
du hast auf die Tränen
der heiligen Monika geschaut;
du hast ihr Flehen erhört
und ihrem Sohn Augustinus
die Gnade der Bekehrung geschenkt.
Gib uns auf die Fürsprache
dieser heiligen Mutter und ihres Sohnes die Gnade,
dass wir unsere Sünden bereuen
und bei dir Verzeihung finden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.




Deckenfresken über dem Augustinusaltar, Stiftskirche Klosterneuburg

Freitag, 28. August 2015

Am Grab des hl. Augustinus (2)




Augustinus von Hippo, Bischof und Kirchenlehrer. Aurelius Augustinus wurde am 13. November 354 zu Tagaste in Numidien, das ist das heutige Souk-Ahras in Algerien, als Sohn des Heiden Patricius und der frommen Christin Monika geboren. Seine Mutter erzog ihn in christlichem Sinn, dennoch empfing Augustinus die Taufe nicht. Ja, seine Jugendjahre entfremdeten ihn dem katholischen Glauben, wenngleich er immer ein suchender Mensch blieb, der sich einmal vom Manichäismus, dann wieder vom Skeptizismus der Akademiker angezogen fühlte. Dem Einfluss seiner Mutter entzog er sich mit List und verließ heimlich Nordafrika, um als Professor für Rhetorik nach Mailand zu gehen. Dort lernte er im Kreise junger Intellektueller durch die Predigten des hl. Ambrosius das Christentum kennen und verstehen. Es folgte ein langes Ringen mit seiner moralischen Schwäche, bis Augustinus aufgrund eines außerordentlichen Erlebnisses die Entscheidung zur Taufe wagte.
In der Osternacht des Jahres 387 empfing er durch Ambrosius die Taufe. 388 kehrte er nach Tagaste zurück, wo er in klösterlicher Weise lebte. Augustinus hatte sich bei der Lektüre der Lebens-beschreibung des hl. Antonius für das klösterliche Leben begeistert. 391 wurde Augustinus in Hippo Regius zum Priester, 395 zum Bischof geweiht. In den verbleibenden 35 Jahren seines Lebens entfaltete Augustinus eine ungeheure Schaffenskraft, leitete umsichtig die Kirche, sorgte für den Klerus, war unermüdlicher Prediger und auf vielen Synoden Anwalt der wahren Lehre. Für die Frauenklöster seiner Stadt verfasste er eine eigene Regel, auf die sich viele Orden berufen. Seine zahlreichen Schriften und Predigten verbreiteten sich überall und machten ihn zum geistigen Führer der abendländischen Kirche, dessen Einfluss vor allem im ersten Jahrtausend unabschätzbar war. Unter anderem verfasste Augustinus das erste systematische Werk über die Dreifaltigkeit und schrieb eine Autobiographie, die sogenannten „Confessiones“. Augustin starb während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig Geiserich am 28. August 430. Seit dem 8. Jahrhundert befinden sich seine Reliquien zu Pavia. Augustinus wird in bischöflichen Gewändern mit einem flammenden Herzen in der Hand dargestellt. Unter den vier großen lateinischen Kirchenlehrern ist Augustinus ohne Zweifel der bedeutendste.
(Martyrologium Sancrucense)

Am Grab des hl. Augustinus (2013) 







mosaikartig aussehende Fresken, Christus auf dem Herrscherthron, rechts Petrus, links Augustinus mit seiner Mutter Monika



Es gehört zu den Verkehrtheiten unserer Zeit, den Weg höher zu schätzen als das Ziel, und das Suchen höher als das Finden. Im Sinn des oberflächlich Interessanten mag diese Wertung richtig sein; im entscheidenden Sinn der Wahrheit ist sie falsch.
Augustinus, der größte aller Suchenden - und Findenden, wäre der letzte, der einem beruhigten Besitz ohne Frage das Wort reden würde. Für ihn ist Gott nicht nur hienieden, sondern in Ewigkeit der immer neu - im Gefundenhaben - zu Suchende. "Daß man ihn suche, um ihn zu finden, ist er verborgen; daß man ihn suche, da man ihn fand, unermeßlich" (In Joh 63,1). Aber das Finden, von dem hier die Rede ist, bleibt dennoch ein echtes Finden, ja ein immer tieferes, immer unerschütterlicheres, immer verantwortungsvolleres Finden. Das Suchen ohne Finden ist der Vorhof, den die "Confessiones" als den Strauchelweg bis zur Konversion beschreiben. Der Eintritt in die Kirche ist der erste, selige Wendepunkt dieser dramatischen Existenz.
Aber noch ein zweiter, weniger deutlich abgrenzbarer Weg bleibt zu durchschreiten: von einer bloßen "Anerkennung" der katholischen Kirche zu vollen Existenz aus der Kirche selbst.
(H. U. v. Balthasar, Vorwort, Augustinus, Antlitz der Kirche)

Augustinus mit seiner Mutter Monika

 "Suchet den Herrn, und eure Seele wird leben" (Ps 68,33).
Suchen wir den Zu-findenden, suchen wir den Gefundnen! Um als Zu-findender gesucht zu werden, ist er verborgen; um als Gefundner gesucht zu werden, unermeßlich.
Darum heißt es: "Suchet mein Antlitz immerdar" (Ps 104,4). Denn er stillt den Sucher, soweit er´s zu fassen vermag; und weitet den Finder, damit er von neuem zu fassen suche, wo er mehr zu fassen begann. Nicht also heißt es: "Suchet sein Antlitz immerdar", wie von einigen: "immerdar lernend, aber nie zu Erkenntnis der Wahrheit gelangend" (2 Tim 3,79), sondern eher im Sinn jenes Wortes: "Wenn der Mensch am Ende ist, dann fängt er erst an" (Pred 18,6).
(Augustinus, Antlitz der Kirche, 352)

S. Pietro in Ciel d`Oro, Pavia

"Weide meine Schafe" (Joh 21,15-17). Welche Schafe? Die ich mit meinem Blute erkaufte. Ich bin gestorben für sie. Liebst du mich? So stirb für sie. (..) Was Petrus empfohlen wurde, was Petrus befohlen wurde, das galt nicht nur ihm allein. Auch die anderen Apostel hörten es, hielten es, befolgten es, vor allem jener Mitgefährte des Leidens und Todestages, der Apostel Paulus; sie haben es gehört, sie haben es uns überliefert, daß auch wir es hören. Wir weiden euch, wir werden zusammen mit euch geweidet: gebe der Herr uns die Kraft, euch so zu lieben, daß wir auch sterben können für euch, sei es in Tat und Wahrheit, sei es in Gesinnung und Wahrheit. Denn obschon der Apostel Johannes nicht Martyrer wurde, war doch seine Seele für das Martyrium bereit. Er litt nicht, aber er konnte leiden, Gott wußte um seine Bereitschaft.
(Augustinus, Antlitz der Kirche, 238)

Donnerstag, 27. August 2015

Am Grab der hl. Monika (2)

Grabkapelle der hl. Monika, S. Agostino, Rom


Monika, Mutter. Monika wurde um 332 zu Tagaste in Numidien, das ist das heutige Souk-Ahras in Algerien, geboren. Sie stammte von christlichen Eltern, wurde jedoch mit dem heidnischen Beamten Patricius verheiratet. Monika verfolgte den erfolgreichen Studienverlauf ihres jüngeren Sohnes Augustinus durchaus mit mütterlichem Stolz. Doch seine religiöse Entwicklung, die ihn immer mehr vom wahren Glauben wegführte, erfüllte sie mit großer Sorge. In Gebet und Tränen bestürmte sie immer wieder aufs Neue Gott, er möge ihren Sohn von seinem liederlichen Leben abbringen und seinem Suchen in den religiösen und philosophischen Zeitströmungen ein Ende setzen. Augustinus freilich versuchte sich seiner Mutter zu entziehen, um ungehindert seinen eigenen Weg zu gehen. Durch eine Täuschung ließ er sie 384 in Karthago zurück, als er mit einem Schiff nach Rom fuhr, wohin er seine Lehrtätigkeit verlegen wollte. Monika aber folgte ihrem Sohn und traf ihn in Mailand. Sie erlebte noch die Freude, dass sich Augustinus von Ambrosius taufen ließ.
Als Monika dann nach Afrika zurückkehren wollte, starb sie überraschend im Herbst 387 zu Ostia bei Rom. Vor ihrem Tod hatte sie ein tiefes Gespräch mit ihrem neugetauften Sohn über die Unsterblichkeit der Seele. Über ihren Tod schreibt Augustinus in seinen Confessiones: „Sie starb nicht elend, ja, sie ist überhaupt nicht gestorben, das bezeugen ihr frommes Leben und ihr unverfälschter Glaube.“ (Conf. 9,12). Ihr Gedenktag ist der 27. August, Monikas Leib ruht in der Kirche San Agostino in Rom.
(Martyrologium Sancrucense)



Liebe Brüder und Schwestern!

Wir gedenken heute der heiligen Monika und morgen ihres Sohnes, des heiligen Augustinus: Ihr Zeugnis kann für viele Familien unserer Zeit von großem Trost und von großer Hilfe sein. Monika stammte aus einer christlichen Familie in Thagaste im heutigen Algerien (Souk Ahras). Sie lebte in beispielhafter Weise ihre Sendung als Ehefrau und Mutter und half ihrem Mann Patricius, nach und nach die Schönheit des Glaubens an Christus und die Kraft der Evangelium gemäßen Liebe zu entdecken, die das Böse durch das Gute besiegen kann. Nach dem vorzeitigen Tod ihres Mannes widmete sich Monika mutig der Pflege ihrer drei Kinder, unter ihnen – neben Navigius und Perpetua – Augustinus, der sie am Anfang unter seinem ziemlich rebellischen Temperament leiden ließ. Wie Augustinus später selbst sagen wird, zeugte ihn seine Mutter zweimal. Das zweite Mal erforderte eine lange spirituelle Qual aus Gebet und Tränen, die aber am Ende von der Freude gekrönt wurde, dass sie ihn nicht nur den Glauben annehmen und die Taufe empfangen sah, sondern auch dadurch, dass er sich ganz dem Dienst an Christus weihte. Wie viele Schwierigkeiten gibt es auch heute in den familiären Beziehungen, und wie viele Mütter quälen sich, weil sich die Kinder auf falsche Wege begeben! Monika, eine weise und im Glauben gefestigte Frau, fordert sie dazu auf, den Mut nicht zu verlieren, sondern in der Sendung als Ehefrau und Mutter zu beharren, das Vertrauen auf Gott zu bewahren und mit Ausdauer am Gebet festzuhalten.

Was Augustinus betrifft, war seine ganze Existenz eine leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit. Nicht ohne lange innere Pein entdeckte er schließlich in Christus den letzten und vollen Sinn seines Lebens und der ganzen menschlichen Geschichte. In seiner Jugend hatte ihn die irdische Schönheit angezogen, und er "warf sich" – wie er selbst offenbart (vgl. Bekenntnisse 10,27-38) – egoistisch und Besitz ergreifend auf sie, mit einem Verhalten, das seiner frommen Mutter nicht wenig Schmerz zufügte. Über einen mühseligen Weg und auch dank ihrer Gebete öffnete sich Augustinus aber immer mehr der Fülle der Wahrheit und der Liebe, bis zu seiner Bekehrung, die unter der Leitung des heiligen Bischofs Ambrosius in Mailand geschah. So bleibt er Vorbild des Hingehens zu Gott, der die höchste Wahrheit und das höchste Gut ist. "Spät habe ich dich geliebt", schreibt er im berühmten Werk der Bekenntnisse; "du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich dich geliebt! Und siehe, du watest im Innern, und ich war draußen und suchte dich dort… Mit mir warst du, und ich war nicht mit dir… Du riefst und schriest und brachst meine Taubheit. Du schillertest, glänztest und schlugst meine Blindheit in die Flucht" (ebd.). Der heilige Augustinus möge auch uns das Geschenk einer aufrichtigen und tiefen Begegnung mit Christus erlangen, uns und insbesondere all jenen jungen Menschen, die nach dem Glück dürsten, dabei falsche Wege durchlaufen und sich in Sackgassen verlieren.

Die heilige Monika und der heilige Augustinus laden uns dazu ein, uns voller Vertrauen der Jungfrau Maria zuzuwenden, dem Sitz der Weisheit. Ihr vertrauen wir die christlichen Eltern an, auf dass sie den Weg ihrer Kinder wie Monika mit persönlichem Vorbild und Gebet begleiten. Der jungfräulichen Mutter Gottes empfehlen wir die Jugend an, damit sie wie Augustinus immer nach der Fülle der Wahrheit und der Liebe strebe, die Christus ist: Er allein kann die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens stillen.


(Papst Benedikt XVI. am 28. August 2006)

Am Grab der hl. Monika (1)

Hier ruht der Leib der hl. Monika, hl. Monika bitte für uns