Senfkornfenster, Charles Crodel, um 1954, St. Katharinen, Frankfurt
Das Fenster mit dem Gleichnis vom Senfkorn in der Katharinenkirche gehört zu einem Glasfensterzyklus des Künstlers Charles Crodel. Crodel gestaltete die biblischen Szenen nicht als große Einzelbilder, sondern in sechseckigen Medaillons. Die kräftigen Farben – vor allem Rot, Gelb und Blau – lassen viel Licht in den Kirchenraum und verleihen den Fenstern eine lebendige Wirkung.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13
In jener Zeit 31 legte Jesus der Menge ein weiteres Gleichnis vor
und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern;
sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse
und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. 33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war. 34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen
und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, 35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen,
ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war. (Evangelium vom Montag der 17. Woche im Jahreskreis, Lesejahr A)
In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: 44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein.Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. (Mt 13,44) (aus dem Evangelium vom Sonntag der 17. Woche im Jahreskreis, Lesejahr A)
Detail aus einem Bild mit Gleichnissen Jesu, Schatz der im Acker vergraben wird, im Kreuzgang des Franziskanerklosters Maria Lankowitz,
Der im Acker verborgene Schatz ist die Sehnsucht nach dem Himmel; der Acker aber, in dem der Schatz verborgen liegt, ist das zuchtvolle Leben, das diesem Eifer für das Himmlische entspricht.
Wenn ein Mensch diesen Schatz findet, verbirgt er ihn, um ihn zu bewahren. .... Im gegenwärtigen Leben sind wir nämlich gleichsam auf dem Pilgerweg in die Heimat. Die bösen Geister lauern wie Räuber am Weg in der Absicht, diejenigen auszurauben, die den Schatz auf dem Weg vor sich hertragen.
Ich meine damit nicht, dass unsere Mitmenschen unsere Werke nicht sehen sollten, sondern dass wir keinerlei menschliches Lob für unsere Taten suchen sollen. (Gregor der Große)
(Thomas von Aquin, Catena Aurea, Hrsg Schlosser, Kolbinger; 253)
DETAILS AUS DER KATHEDRALE VON BOURGES: (Anfang des 13. Jahrhunderts)
Der Vater gibt dem Sohn das Erbe
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist vielleicht das bewegendste unter allen Gleichnissen Jesu im Evangelium. Das Schicksal und das Wesen der beiden Söhne dient nur dazu, das Herz des Vaters zu offenbaren. Lebendiger, anschaulicher hat Jesus den Vater im Himmel nie geschildert als hier. Das Erhebende beginnt schon damit, daß der Vater die Bitte des Sohnes erfüllt und ihm den ihm zustehenden Erbteil aushändigt. Für uns ist dieser Erbteil Gottes unsere Existenz, unsere Freiheit, unsere Vernunft und Selbstverantwortung: lauter höchste Güter, die nur Gott uns gegeben haben kann. Daß wir alles vertun und in Not geraten und die Not uns zur Besinnung bringt, ist im Grunde nicht interessant, wohl aber daws Ausschauhalten des Vaters, sein Mitleid, seine überschwengliche Begrüßung, die Neuausstattung des Verlorenen und das für ihn anberaumte Fest. Nicht einmal gegen den störrischen, eifersüchtigen Bruder findet der Vater ein hartes Wort: was er ihm sagt, ist nicht Beschwichtigung, sondern volle Wahrheit: wer bei Gott ausharrt, dem gehört alles gemeinsam mit Gott. Jesu Verherrlichung des Vaters hat das Besondere an sich, daß er selbst in seiner Schilderung der Versöhnung Gottes mit dem sündigen Menschen gar nicht vorkommt. Er ist hier nichts anderes als das Wort, das die Versöhnung berichtet, vielmehr ein Immerschon-Versöhntsein; daß er selbst das Wort, durch das Gott diese ewige Versöhnung seiner selbst mit der Welt herstellt, wird verschwiegen. (Hans Urs von Balthasar, Licht des Wortes, 258f)
Der Vater umarmt der heimkehrenden Sohn und stattet ihn mit einem neuen Kleid aus
Der Vater sucht die beiden Söhne zu versöhnen Details aus dem Fenster vom barmherzigen Vater, Kathedrale von Bourges
Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden St Mary Abbots, London
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 18
In jener Zeit 9 erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Gleichnis: 10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten;
der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet:
Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin,
die Räuber, Betrüger, Ehebrecher
oder auch wie dieser Zöllner dort. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. 13 Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben,
sondern schlug sich an die Brust
und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch:
Dieser ging gerechtfertigt nach Hause zurück, der andere nicht.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,
wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Jesus erzählt das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum Ely Cathedral
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 13
1 Zu jener Zeit kamen einige Leute
und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte. 2 Und er antwortete ihnen:
Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer,
weil das mit ihnen geschehen ist? 3 Nein, sage ich euch,
vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. 4 Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schilóach erschlagen wurden –
meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? 5 Nein, sage ich euch,
vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. 6 Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt;
und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. 7 Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt,
und finde nichts.
Hau ihn um!
Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? 8 Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen;
ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. 9 Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte;
wenn nicht, dann lass ihn umhauen!
denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
4. der jüngere Sohn fordert sein Erbe ein -unten
5. der Vater gibt ihm seinen Anteil - links
6. der ältere Sohn arbeitet auf dem Feld -Mitte
7. der jüngere Sohn verläßt sein Zuhause - rechts
8. der verlorene Sohn wird von einer Frau empfangen - oben
9. zwei Tänzerinnen führen ihn weg - links
10. Er wird zum Tanzkönig gekrönt - Mitte
11. Nachdem er sein Geld verprasst hat, wird er hinausgeworfen - rechts
12. beim Würfelspiel verliert er alles - unten
13. er wird hinausgeworfen - links
14. er bittet um Arbeit - Mitte
15. er geht in sich und denkt nach - rechts
16. Der Vater heißt ihn willkommen - oben
17. der Vater ordnet an, das Kalb zu schlachten - links
18. sie feiern ein Fest - Mitte
19. der ältere Sohn weigert sich, mitzufeiern - rechts
20. der Vater versucht, die beiden Söhne zu vereinen
Geschichte vom barmherzigen Vater und vom verlorenen Sohn, Kathedrale von Bourges
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 15
In jener Zeit 1 kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen. 3 Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis und sagte: 11 Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf. 13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. 14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden. 15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. 16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon. 17 Da ging er in sich
und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. 18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! 23 Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein. 24 Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern. 25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 27 Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 29 Doch er erwiderte seinem Vater: Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. 30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein. 32 Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: 14Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. 15Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines,
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab. 16Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte, hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu. 17Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu. 18Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn. 19Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen. 20Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
brachte fünf weitere
und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. 21Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn! 22Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte,
und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben;
sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. 23Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn! 24Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte,
und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist;
du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; 25weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt.
Sieh her, hier hast du das Deine. 26Sein Herr antwortete und sprach zu ihm:
Du bist ein schlechter und fauler Diener!
Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. 27Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. 28Nehmt ihm also das Talent weg
und gebt es dem, der die zehn Talente hat! 29Denn wer hat, dem wird gegeben werden
und er wird im Überfluss haben;
wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. 30Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
(Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A)
Gleichnis von den Talenten, St. Mary Abbots, London
"Den ganzen Tag muß ich hören: Wo ist dein Gott?" (Ps 42,4). Er ist verreist. "Ein vornehmer Mann begab sich in ein fernes Land, um dort die Königswürde zu empfangen und nachher zurückzukehren" (Lk 19,12). Jesus, der die Parabel von diesem Mann erzählt, ist im Begriff, in Kreuz und Tod zu verreisen, den Tag seiner Wiederkunft kann er nicht angeben, weil nicht einmal er, sondern nur der Vater ihn kennt (Mk 13,32). Es hat keinen Sinn, dem Verschwundenen nachzustarren: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" (Apg 1,11).
Vor der Abreise hatte der "vornehme Mann" seine Knechte herbeigerufen und "ihnen sein Vermögen anvertraut" (Mt 25,14) - das ganze offenbar, denn es ist von keiner Beschränkung die Rede, und es wird gesagt, daß er ihnen die "exousia", die "Voll-Macht" darüber überließ (Mk 13,42) -, was er aber dem einzelnen zumaß, bestimmte er nach dessen "Fähigkeiten". "Dann verreist er" (ebd. 15).
Was Gott besitzt, vertraut er den Menschen an, darin liegt ein unbegreiflicher Akt des Vertrauens; indem er ihnen alles, was er hat, in die Hände legt - mehr kann er ihnen nicht geben -, haben sie mit der Fülle des Seinigen ihn selbst, zugleich als das ihnen wirklich Gegebene und dennoch als das Seine, das Ihnen zur Verwaltung anvertraut ist. Und da sie von ihm nichts Höheres erwarten können, verschwindet er hinter der Gabe.
Wer in der Gabe den Geber erkennt, weiß unmittelbar, daß sie nur im Geist des Gebers zu verwalten ist: im ursprünglichen Schenkungsakt liegt eine Großmut und Fruchtbarkeit, die nur durch entsprechende großmütige und fruchtbare Verwaltung beantwortet werden kann. Es ist wichtig, daß die Knechte die vollkommene Einheit sehen zwischen der Gabe und der in ihr liegenden Forderung, die Forderung des Fruchtbarmachens liegt unmittelbar in der Großmut des Geschenks. Keinesfalls werden die Knechte unterscheiden dürfen zwischen "wirklich übergeben" und "bloß geliehen". Das wird vollends evident, wenn wir vom Gleichnis auf die darin gemeinte Wahrheit hindurchblicken: Was uns von Gott anvertraut ist: unser Dasein mit all seinen Möglichkeiten, ist uns wirklich anvertraut, so endgültig, daß es uns gar nicht mehr genommen werden kann, und dennoch ist dieses Geschenk eine Leihgabe aus dem Schatz Gottes (der alles Sein ist), worin liegt, daß das Geschenk entsprechend seinem Gabe-Charakter zu behandeln ist.
Wer verstanden hat, daß sein Dasein untrennbar echtes Geschenk und Leihgabe ist, der wird darin die Artung des "verreisten" Gebers erkennen, der sich darum unsichtbar macht, damit wir ihn am Gabe-Charakter unseres Daseins erkennen - denn darin ist er gegenwärtig, "denn keinem von uns ist er fern" (Apg 17,27), "seine Unsichtbarkeit wird, am Gewirkten erkennbar, geschaut" (Röm 1,20). Andere, denen diese Schau des Unsichtbaren am Gewirkten nicht gelingt, schreien freilich den ganzen Tag: "Wo ist dein Gott?" Und da sie ihn (weil sie so schreien) nicht finden, werden sie sich im Bereich dessen, was sie zu erkennen vermögen, einen Gott-Ersatz bilden: "Nichtigkeiten" (Röm 1,21).
Der Mann in der Parabel, der nur ein Talent erhalten hat, hat die Einheit von Geschenk und Leihgabe nicht verstanden. Er erkennt im Geschenk die Güte nicht, sondern nur die Forderung, und verstrickt sich deshalb in offenen Widerspruch. Da er zur Rechenschaft gezogen wird, bekennt er: "Ich wußte, daß du ein strenger Mann bist: du erntest, was du nicht gesät hast und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast", und "weil ich Angst hatte" - nun meint man, hätte er sich im Schweiß seines Angesichts angestrengt, diesem unerbittlichen Hernn zu genügen, aber nein: "weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde vergraben. Da hast du es wieder." Sein Dasein hat er im Zeichen der Angst empfangen, einer lähmenden Angst, daraus etwas dem Sinn des Geschenkes Entsprechendes zu wirken. Was er vergrub, war der Sinn für Gabe und Fruchtbarkeit , und so wurde die Gabe selbst für ihn sinnlos. Er gibt das Empfangene nicht mit der darin liegenden Fruchtbarkeit zurück, sondern wirft es dem Geber hin, ähnlich wie Judas die Silberlinge im Tempel hinwirft, da weder er noch die Hohenpriester mehr Verwendung dafür haben (Mt 27,5). Dem "faulen Knecht" wird weggenommen, was er hatte , ohne es zu verwerten, und dem gegeben, der das Wesen der Gabe erkannt hat. "Wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat" (Mt 25,29), heißt also: Wer im "verreisten Gott" den in seiner Gabe gegenwärtigen nicht erkennt - obwohl er es könnte (denn er widerspricht sich damit selbst) -, für den wird sein Dasein (das "er hat") so wertlos, daß er an ihm nichts mehr hat. (Hans Urs von Balthasar, Du hast Worte ewigen Lebens, 17ff.)
Jungfrauenportal in der Paradiesvorhalle, Magdeburger Dom
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 25
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: 1 Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, 4 die klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. 5 Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. 6 Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf:
Siehe, der Bräutigam!
Geht ihm entgegen! 7 Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. 8 Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl,
sonst gehen unsere Lampen aus! 9 Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch;
geht lieber zu den Händlern
und kauft es euch! 10 Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam.
Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal
und die Tür wurde zugeschlossen. 11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen
und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch:
Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam!
Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Am nördlichen Querhaus des Magdeburger
Domes befindet sich die sogenannte Paradiesvorhalle mit dem
Jungfrauenportal. Die Figuren der Klugen und Törichten Jungfrauen
stammen aus der Zeit um 1240/50 und gelten als Meisterwerke der
mittelalterlichen Bildhauerkunst.
Die Skulpturen bestehen aus Sandstein und sind
etwa 120-130 cm groß. Sie waren ursprünglich nicht für diesen Standort
vorgesehen, denn sie sind vollplastisch ausgearbeit. Vielleicht wurden
sie als Säulenfiguren für ein großes Gewändeportal geschaffen oder
sollten als wandverbundene Freifiguren am Lettner stehen. Weder der
ursprüngliche Aufstellungsort, noch wer ihr Meister war, sind bekannt.
Die Geschichte um die Klugen und die Törichten
Jungfrauen gehört in den Themenkreis des Weltgerichts. Doch hier in
Magdeburg wird das Geschehen um Erlösung und Verdammnis in einer
eigenständigen Darstellung erstmalig und ungeheuer dramatisch vor Augen
geführt.
Der
geniale Bildhauer bringt bei seinen schlanken Mädchenfiguren die
elementaren Gefühle der Freude und des Schmerzes in so hoher
Expressivität zum Ausdruck, dass sich der mittelalterliche Betrachter
mit seinen eigenen Ängsten vor dem Weltgericht unmittelbar konfrontiert
sah. (Quelle)
der Vater mit seinen beiden Söhnen, Lukas 15, St. Martinskirche, Aalst, Belgien
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern. 25Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 26Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 27Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. 28Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 29Doch er erwiderte seinem Vater: Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. 30Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 31Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein. 32Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden. (Lukas 15)
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13,44-52
In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: 44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. 45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. 46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie. 47 Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurdeund in dem sich Fische aller Art fingen. 48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer;
sie setzten sich,
sammelten die guten Fische in Körbe,
die schlechten aber warfen sie weg. 49 So wird es auch bei dem Ende der Welt sein:
Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern 50 und sie in den Feuerofen werfen.
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 51 Habt ihr das alles verstanden?
Sie antworteten ihm: Ja. 52 Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.
(Evangelium vom 17. Sonntag, Lesejahr A)
Heute gedenkt die Kirche der Eltern der Gottesmutter Maria, Joachim und Anna.
1) der gute Same wird auf das Feld gesät, Mt 13,24-30; Fenster von Clayton und Bell
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13,24-43
In jener Zeit 24 erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind,
säte Unkraut unter den Weizen
und ging weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. 27Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn
und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät?
Woher kommt dann das Unkraut? 28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan.
Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? 29 Er entgegnete: Nein,
damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. 30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte
und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen;
den Weizen aber bringt in meine Scheune!
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor
und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern;
sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse
und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen
und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, 35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen,
ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war. 36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus.
Und seine Jünger kamen zu ihm
und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker! 37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; 38 der Acker ist die Welt;
der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches;
das Unkraut sind die Kinder des Bösen; 39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel;
die Ernte ist das Ende der Welt;
die Schnitter sind die Engel. 40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden
und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen.
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!
(Evangelium vom 16. Sonntag, Lesejahr A)
2) die Knechte sprechen mit dem Herrn darüber, was sie machen sollen Mt 13,27-28
BENEDIKT XVI.
ANGELUS
Apostolischer Palast, Castel Gandolfo Sonntag, 17. Juli 2011
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Gleichnisse des Evangeliums sind kurze Erzählungen, die Jesus
gebraucht, um die Geheimnisse des Himmelreiches zu verkündigen. Durch
die Verwendung von Bildern und Situationen des alltäglichen Lebens »will
[der Herr] uns […] den eigentlichen Grund aller Dinge […] zeigen […] Er
zeigt uns Gott […], den handelnden Gott, der in unser Leben hereintritt
und uns an die Hand nehmen will« (Jesus von Nazareth I,
Freiburg-Basel-Wien 2007, S. 232).
Mit derartigen Reden lädt uns der
göttliche Meister ein, vor allem den Primat Gottes, des Vaters,
anzuerkennen: Wo Er nicht ist, kann nichts gut sein. Er ist eine für
alles entscheidende Priorität. Himmelreich bedeutet eben Herrschaft
Gottes, und dies will heißen, daß sein Wille als Leitkriterium unseres
Daseins angenommen werden muß.
Das im Evangelium dieses Sonntags enthaltene Thema ist nun das
Himmelreich. Der »Himmel« darf nicht allein im Sinn der uns
übersteigenden Höhe verstanden werden, da ein derart unendlicher Raum
auch die Gestalt der Innerlichkeit des Menschen besitzt.
Jesus
vergleicht das Himmelreich mit einem Weizenacker, um uns begreifen zu
lassen, daß in uns etwas Kleines und Verborgenes ausgesät ist, das
nichtsdestoweniger eine ununterdrückbare Lebenskraft besitzt. Trotz
aller Hindernisse wird sich der Same entfalten und die Frucht reifen.
Diese Frucht wird nur dann gut sein, wenn der Boden des Lebens nach dem
göttlichen Willen bestellt worden ist.
Daher warnt Jesus im Gleichnis
vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24–43), daß nach der Aussaat
durch den Gutsherrn, »während die Leute schliefen«, »sein Feind«
dazwischengekommen ist und das Unkraut gesät hat. Dies bedeutet, daß wir
bereit sein müssen, die am Tag der Taufe empfangene Gnade zu bewahren
und weiter den Glauben an den Herrn zu nähren, der das Böse daran
hindert, Wurzeln zu schlagen.
In seinem Kommentar zu diesem Gleichnis
merkt der hl. Augustinus an, daß »viele vorher Unkraut sind und dann zu
gutem Weizen werden«, und er fügt hinzu: »Wenn sie, da sie böse sind,
nicht geduldig ertragen werden würden, so würden sie nicht zum
lobenswerten Wandel gelangen« (Quaest. septend. in Ev. sec. Matth., 12,4: PL 35,1371).