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Sonntag, 17. Juli 2022

Maria hat den guten Teil erwählt

 

Marta, Maria und Jesus, Paray Le Monial, Basilika Sacre Coeur

Evangelium vom Sonntag der 16. Woche Lk 10, 38–42

In jener Zeit
38 kam Jesus in ein Dorf.
Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf.
39Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.
Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen
und hörte seinen Worten zu.
40Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen
zu dienen.
Sie kam zu ihm
und sagte: Herr, kümmert es dich nicht,
dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt?
Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
41Der Herr antwortete:
Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
42Aber nur eines ist notwendig.
Maria hat den guten Teil gewählt,
der wird ihr nicht genommen werden.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

O Adonai

Mose und der brennende Dornbusch, Basilika Sacre-Coeur, Paray le Monial



Adonai du starker Gott

Führer des Hauses Israel
Du bist dem Mose im Feuer des Dornbusches erschienen
und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben.
Komm, rette uns mit hocherhobenem Arm!

Vgl. Ex 6, 3 (Adonai statt Jahwe); Ex 13, 21; 3, 1-2; 19, 1-5; 6, 6.



Liebe Brüder und Schwestern!
In diesen Tagen, in denen wir uns immer mehr dem großen Fest der Geburt Christi nähern, regt uns die Liturgie an, unsere Vorbereitung zu vertiefen. Sie legt uns viele biblische Texte des Alten und des Neuen Testaments vor, die uns dazu anspornen, uns den Sinn und den Wert dieses jährlich wiederkehrenden Ereignisses gut zu vergegenwärtigen. Wenn das Weihnachtsfest uns einerseits des unglaublichen Wunders der Geburt des eingeborenen Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria in der Grotte von Betlehem gedenken läßt, so ermahnt es uns andererseits auch, wachend und betend unseren Erlöser zu erwarten, denn am letzten Tag »wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten«.
Vielleicht warten wir heute, auch wir Gläubigen, wirklich auf den Richter; wir alle warten jedoch auf Gerechtigkeit. Wir sehen soviel Ungerechtigkeit in der Welt, in unserer kleinen Welt, zu Hause, in unserem Stadtviertel, aber auch in der großen Welt der Staaten, der Gesellschaften. Und wir warten darauf, daß Gerechtigkeit geschaffen wird. Die Gerechtigkeit ist ein abstrakter Begriff: Gerechtigkeit wird hergestellt. Wir warten darauf, daß derjenige, der Gerechtigkeit herstellen kann, wirklich kommen möge. Und in diesem Sinne beten wir: Komm, Herr Jesus Christus, als Richter, komm auf deine Weise. Der Herr weiß, wie er in die Welt eintreten und Gerechtigkeit schaffen soll. Wir beten darum, daß der Herr, der Richter, uns antworten möge, daß er wirklich Gerechtigkeit in der Welt schaffen möge. Wir warten auf Gerechtigkeit, aber das kann nicht nur Ausdruck eines Anspruchs sein, den wir an die anderen stellen. Auf Gerechtigkeit zu warten bedeutet im christlichen Sinne vor allem, daß wir selbst beginnen, vor dem Angesicht des Richters und nach den Maßstäben des Richters zu leben. Es bedeutet, daß wir beginnen, in seiner Gegenwart zu leben, indem wir die Gerechtigkeit in unserem Leben verwirklichen. So nämlich – wenn wir die Gerechtigkeit verwirklichen und uns in die Gegenwart des Richters stellen – warten wir in der Wirklichkeit auf die Gerechtigkeit.
Das ist der Sinn des Advents, der Wachsamkeit. Adventliches Wachen heißt, vor dem Angesicht des Richters zu leben und so uns selbst und die Welt für die Gerechtigkeit bereit zu machen. Auf diese Weise also, wenn wir vor dem Angesicht Gottes, des Richters, leben, können wir die Welt öffnen für das Kommen seines Sohnes, können wir das Herz bereiten, um den »Herrn, der kommt«, aufzunehmen.
Das Kind, das die Hirten vor nunmehr 2000 Jahren in der Nacht von Betlehem in einer Grotte anbeteten, wird nicht müde, im täglichen Leben zu uns zu kommen, während wir als Pilger auf dem Weg zum Reich Gottes sind. In seinem Warten bringt der Gläubige also die Hoffnungen der ganzen Menschheit zum Ausdruck. Die Menschheit sehnt sich nach Gerechtigkeit, und so wartet sie, wenn auch oft unbewußt, auf Gott, sie wartet auf das Heil, das nur Gott uns schenken kann. Für uns Christen ist dieses Warten geprägt vom unablässigen Gebet: Das wird sehr deutlich in den besonders eindrucksvollen Anrufungen, die uns in diesen Tagen der Weihnachtsnovene sowohl in der Messe, im Ruf vor dem Evangelium, als auch in der Feier der Vesper, vor dem Gesang des »Magnifikat«, vorgelegt werden.
Jede der Anrufungen, die um das Kommen der Weisheit, der Sonne der Gerechtigkeit, des Gott-mit- uns flehen, enthält ein Gebet, das an den von den Völker Erwarteten gerichtet ist, auf daß er bald komme. Um das Geschenk der Geburt des verheißenen Erlösers zu bitten, bedeutet jedoch auch, daß man sich bemüht, ihm den Weg zu bereiten und ihm eine würdige Wohnstatt zu schaffen – nicht nur in unserer Umgebung, sondern vor allem in unserer Seele. Indem wir uns vom Evangelisten Johannes leiten lassen, wollen wir daher versuchen, in diesen Tagen den Sinn und das Herz dem ewigen Wort zuzuwenden, dem »Logos«, dem Wort, das Fleisch geworden ist und aus dessen Fülle wir Gnade über Gnade empfangen haben (vgl. 1,14.16).
(Benedikt XVI., Generalaudienz, 19.12.2007)

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Margareta Maria Alacoque


Margareta Maria und Jesus, Basilika Sacre Coeur, Paray-le Monial


Margareta wurde 1647 in der kleinen Stadt Lauthecour in Burgund geboren. Ihr Vater war Notar; sie war das fünfte von sieben Kindern. 1671 trat sie in das Kloster der Heimsuchung in Paray-le-Monial ein. Sie hatte ein strenges Noviziat, erfuhr aber schon früh auch mystische Gnaden. Sie wurde von ihrem göttlichen Lehrmeister in das Geheimnis der gottmenschlichen Liebe Jesu eingeführt und erhielt den Auftrag, die Verehrung des heiligen Herzens Jesu zu verbreiten. Die Einführung der Herz-Jesu-Freitage und des Herz-Jesu-Festes geht auf ihre Bemühungen zurück. Zunächst wurde sie freilich in dem vom Jansenismus beeinflussten Frankreich nicht verstanden. Auch in ihrem eigenen Kloster wurde sie angefeindet; erst allmählich überzeugten sich ihre Mitschwestern von der Echtheit ihrer Tugend und ihrer Visionen. Sie starb am 16. Oktober 1690.

Nichts
Gott schafft seine großen Werke aus nichts, mit nichts. Zur hl. Margareta Maria Alacoque sagte Jesus: „Ich werde dich so arm machen in deinen eigenen Augen, so niedrig und verächtlich, und ich werde dich so zunichte machen in deinem eigenen Denken, dass ich mich auf dieses Nichts stützen kann.“

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
du hast die heilige Margareta Maria Alacoque
die Liebe deines Sohnes schauen lassen,
die alles Begreifen übersteigt.
Schenke auch uns deinen Geist,
damit wir die Größe deines Erbarmens erkennen
und am Reichtum deines göttlichen Lebens teilhaben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Basilika Sacre Coeur, Paray-le-Monial

Sonntag, 17. März 2019

Gebet - eine Frage von Leben oder Tod (Verklärung des Herrn)


Verklärung des Herrn, Basilika Sacre-Coeur, Paray le Monial

Am heutigen zweiten Sonntag der Fastenzeit hebt der Evangelist Lukas hervor, dass Jesus zusammen mit den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes auf den Berg stieg, „um zu beten“ (Lk 9,28); und „während er betete“ (Lk 9,29), ereignete sich das leuchtende Geheimnis seiner Verklärung.

Auf den Berg steigen, bedeutete für die drei Apostel somit: in das Gebet Jesu hineingezogen zu werden. Jesus zog sich oft zum Gebet zurück, besonders bei Tagesanbruch und nach Sonnenuntergang, und manchmal auch für die ganze Nacht. Jenes eine Mal jedoch, auf dem Berg, wollte er seinen Freunden das innere Licht zeigen, das ihn erfüllte, wenn er betete: Sein Antlitz – so lesen wir im Evangelium – leuchtete, und sein Gewand ließ den Glanz der göttlichen Person des fleischgewordenen Wortes durchscheinen (vgl. Lk 9,29).

Ein weiteres Detail der Erzählung des heiligen Lukas verdient es, hervorgehoben zu werden: die Angabe des Gesprächsthemas Jesu mit Moses und Elija, die neben dem Verklärten erschienen waren. Wie der Evangelist berichtet, sprachen sie „von seinem Ende (auf Griechisch: „éxodos“), das sich in Jerusalem erfüllen sollte“ (Lk 9,31). Jesus hört also das Gesetz und die Propheten, die zu ihm von seinem Tod und von seiner Auferstehung sprechen.

In seinem innigen Dialog mit dem Vater tritt er nicht aus der Geschichte heraus. Er flieht nicht vor der Sendung, für die er in die Welt gekommen ist, auch wenn er weiß, dass er, um in die Herrlichkeit einzugehen, das Kreuz wird ertragen müssen. Ja, mehr noch: Christus tritt tiefer in diese Sendung ein und stimmt dabei ganz dem Willen des Vaters zu. So zeigt er uns, dass das wahre Gebet gerade darin besteht, unseren Willen mit dem Willen Gottes zu vereinen.

Für einen Christen bedeutet beten also nicht, vor der Wirklichkeit und der Verantwortung, die sie mit sich bringt, zu flüchten, sondern sie im Vertrauen auf die treue und unerschöpfliche Liebe des Herrn vollends auf sich zu nehmen. Aus diesem Grund ist es paradoxerweise gerade die Agonie in Getsemani (vgl. Lk 22,39-46), die die Wahrheit der Verklärung offenbart.

Kurz vor seinem Leiden wird Jesus die Todesangst erfahren und sich dem göttlichen Willen anvertrauen; in diesem Augenblick wird sein Gebet Unterpfand des Heils für uns alle sein. Christus wird den himmlischen Vater anflehen, „ihn vom Tod zu befreien“, und tatsächlich wird er, wie der Verfasser des Briefs an die Hebräer schreibt, erhört werden um seiner Frömmigkeit willen (vgl. Hebr 5,7). Der Beweis für diese Erhörung ist die Auferstehung.

Liebe Brüder und Schwestern, das Gebet ist kein Beiwerk, keine „Option“, sondern es ist eine Frage von Leben oder Tod. Nur wer betet, das heißt wer sich in kindlicher Liebe Gott anvertraut, kann nämlich in das ewige Leben eintreten, das Gott selbst ist.

Während dieser Fastenzeit bitten wir Maria, die Mutter des fleischgewordenen Wortes und Meisterin des geistlichen Lebens, uns zu lehren, so zu beten, wie es ihr Sohn tat, auf dass unsere Existenz vom Licht seiner Gegenwart verwandelt werde.


(Papst Benedikt XVI., 5. März 2007)


Heute gedenkt die Kirche der hl. Gertud von Nivelles, des hl. Patrick von Irland und des hl. Johannes Sarkander


Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Unschuldige Kinder



 Flucht nach Ägypten, Basilika Saint-Sixte d´Ars, Ars-sur-Formans


Unschuldige Kinder, Märtyrer. Die Erzählung vom Kindermord in Bethlehem findet sich im Matthäusevangelium Mt 2,16-18. Die neu geborenen Kinder wurden auf Geheiß von König Herodes ermordet und starben gleichsam stellvertretend für Christus.
Ein liturgischer Gedenktag dieser kindlichen „Blutzeugen“ in den Tagen nach Weihnachten wird erstmals 505 in einem Kalender Nordafrikas erwähnt. Cäsarius von Arles, Augustinus und andere Kirchenväter haben die kindlichen Märtyrer gerühmt, denen es vergönnt war, nicht nur als Zeugen für Jesus, sondern stellvertretend für ihn zu sterben. Im Mittelalter wurde der 28. Dezember in Schulen und Klöstern zum Kinderfest.

Ermordung der unschuldigen Kinder, Basilika Sacre-Coeur, Paray-le-Monial


Flucht nach Ägypten und Kindermord (Mt 2,13-18)
Da sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des HERRN dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und flieh nach Ägyptenland und bleib allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen.
Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht und entwich nach Ägyptenland. Und blieb allda bis nach dem Tod des Herodes, auf daß erfüllet würde, was der HERR durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."
Da Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten und an seinen ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernt hatte. Da ist erfüllt, was gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht: "Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen."


Vater im Himmel, nicht mit Worten
haben die Unschuldigen Kinder dich gepriesen,
sie haben dich verherrlicht durch ihr Sterben.
Gib uns die Gnade,
dass wir in Worten und Taten unseren Glauben an dich bekennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.