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| Statue des hl. Petrus, Kafarnaum |
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| Kirche über dem Haus des Petrus |
Bereits um 1920 hatte man von der Synagoge aus etwa 30 m näher zum See hin eine achteckige Erhebung bemerkt, ihr aber keine Beachtung geschenkt, weil man sie für eine byzantinische Taufkapelle hielt. Erst als die Franziskaner 1968 bis 1984 das ganze Areal gründlich erforschten, konnten sie darin drei Perioden unterscheiden.
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| links die über dem Petrushaus von 1982-1990 errichtete Kirche, rechts das Franziskanerkloster |
1. Als älteste Schicht identifizierte man das
Haus des Petrus. Es lag nahe am Ufer des Sees. Ein geräumiger Hof mit einer Treppe und einer Feuerstelle war von mehreren überdachten Räumen umgeben. (im 2. Bild unten, die Skizze unten). Offenbar galt in frühchristlicher Zeit die besondere Aufmerksamkeit einem quadratischen Raum, der auch stets im Zentrum der späteren Bauten stand.
2. Im späten 3. Jahrhundert wurde dieser Raum (5,8 x 6,45 m) als Hauskirche genutzt und das ganze Haus des Petrus durch eine Umfassungsmauer mit einem Umfang von 112,55 m vom restlichen Dorf abgegrenzt (im der Skizze gelb). Außerdem hat man den Raum durch einen zentralen Bogen und ein östliches Atrium dreigeteilt. Ein farbiger Fußboden ersetzte den gepflasterten Boden des 1. Jh, und die inneren Wände wurden verputzt. Auf diesen Wänden hinterließen christliche Pilger Inschriften auf Griechisch, Aramäisch, Syrisch und Lateinisch.
Im Jahr 383 berichtet die Pilgerin Egeria:
"In Kapharnaum ist aus dem Haus der Apostelfürsten eine Kirche gemacht worden, deren Wände bis heute so stehen, wie sie waren."
3 In der zweiten Hälfte des 5. Jh. wurde eine neue achteckige Kirche auf erhöhtem Grund erbaut. In ihrem Zentrum gab es ein kleines, von acht Säulen getragenes Achteck, das von einem zweiten größeren Achteck und einem driten halben Achteck umgeben war. In der Mitte der östlichen Apsis wurde ein Taufbecken eingerichtet, und entlang der südlichen Mauer fügte man einige Räume hinzu (ganz oben).
Ein Pilger aus Piacenca schreibt zwischen 560 und 570:
"Wir kamen nach Kapharnaum zum Haus des hl. Petrus, welches nun eine Basilika ist." Zerstört wurde diese vermutlich im Jahr 614 durch die Perser.
(vgl. Ramm, Heiliges Land, 68)
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| Reste einer Wohnsiedlung |
Im Jahr 1982 wurde der Bau einer neuen Kirche über dem Petrushaus begonnen. Sie wurde am Fest Peter und Paul 29.6.1990 geweiht. Die neue Kirche überwölbt auf Stelzen wie eine umgestürzte Barke die Reste des Petrushauses. Sie nimmt mit ihren schwarzen und weißen Steinplatten die Materialien der nahen Synagogen und mit ihrer achteckigen Form das byzantinische Achteck des Untergrunds auf. Dabei ist sie mit Rücksicht auf die nahe Synagog extrem flach: Den etwa 32 m Länge und Breite steht eine Höhe von nur 7 m gegenüber! Das überraschend geräumige Innere bezieht durch große Glasflächen die ganze Landschaft des Sees von Gennesaret ein. 8 Flachreliefs aus Lindenholz an den 8 Stützpfeilern illustrieren das Wirken Jesu. (Fürst, Im Land des Herrn, 126)
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| Petrushauskirche |
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| Blick durch das Mittelfenster im Boden (6 x6 m) auf die Reste des Petrushauses |
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| Heilung der Schwiegermutter des Petrus und anderer Kranker, Kafarnaum |
In
jener Zeit
29ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und
Andreas.
30Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit
Jesus über sie,
31und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich
das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.
32Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und
Besessenen zu Jesus.
33Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
34und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb
viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er
war.
35In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen
einsamen Ort, um zu beten.
36Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.
38Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer,
damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
39Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die
Dämonen aus.
Markus 1,29-29, Evangelium vom 5. Sonntag, B
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| Altarmosaik, Enzo Rossi, Manna in der Wüste und Speisung durch Jesu verweisen auf die hl. Eucharistie |








Liebe Brüder und
Schwestern,
In der neuen Katechesenreihe haben wir vor allem versucht, besser zu verstehen,
was die Kirche ist, welche Vorstellung der Herr hinsichtlich dieser seiner
neuen Familie hat. Dann haben wir auch gesagt, dass die Kirche in den Personen
existiert, und wir haben gesehen, dass der Herr diese neue Realität, die
Kirche, den zwölf Aposteln anvertraut hat. Jetzt wollen wir jeden von ihnen
betrachten, um in den Personen zu verstehen, was es heißt, Kirche zu leben, was
es heißt, Jesus nachzufolgen. Wir beginnen mit dem heiligen Petrus.
Nach Jesus ist Petrus die bekannteste und in den Schriften des Neuen Testaments
am häufigsten erwähnte Persönlichkeit: Er wird 154-mal mit dem Namen
"Pétros" genannt – "Stein", "Fels", was die
griechische Übersetzung des aramäischen "Kefa" ist, jenem Namen, der
ihm von Jesus persönlich gegeben worden war und der neunmal belegt ist, vor
allem in den Paulusbriefen. Diesem Namen ist der häufig zitierte Name Simon
hinzuzufügen (75-mal), der die griechische Form seines ursprünglichen
hebräischen Namens "Simeón" ist (zweimal, siehe Apg 115,14 und 2 Petr
1,1).
Simon, der Sohn des Johannes (vgl. Joh 1,42), oder – in der aramäischen Form –
bar-Jona, Sohn des Jonas (vgl. Mt 16,17), stammte aus Betsaida (vgl. Joh 1,44),
einer kleine Stadt im Osten des Sees von Galiläa, woher auch Philippus und
natürlich Andreas, der Bruder des Simon, kam. Seine Aussprache verriet seinen
galiläischen Akzent. Wie der Bruder, so war auch er Fischer: Zusammen mit der
Familie des Zebedäus, dem Vater von Jakobus und Johannes, führte er einen
kleinen Fischereibetrieb am See Genezareth (vgl. Lk 5,10). Er musste deshalb
einen gewissen wirtschaftlichen Wohlstand genießen und war von einem
aufrichtigen religiösen Interesse beseelt, das ihn dazu veranlasste, sich mit
seinem Bruder bis nach Judäa zu begeben, um der Verkündigung des Johannes des
Täufers zu folgen (vgl. Joh 1,35-42).
Er war ein gläubiger Jude, vertraute in die wirksame Gegenwart Gottes in der
Geschichte seines Volkes und war vom Schmerz darüber erfüllt, dessen mächtiges
Wirken nicht in jenen Gegebenheiten sehen zu können, deren Zeuge er seinerzeit
war. Er war verheiratet und seine Schwiegermutter, die eines Tages von Jesus
geheilt wurde, lebte in der Stadt Kapharnaum in dem Haus, in dem auch Simon
wohnte, wenn er sich in jener Stadt aufhielt (vgl. Mt 8,14ff.; Mk 1,29ff.; Lk
4,38ff.). Jüngste archäologische Ausgrabungen haben es möglich gemacht, unter
dem achteckigen Mosaikboden einer kleinen byzantinischen Kirche die Spuren
einer älteren Kirche zutage zu fördern, die in jenem Gebäude gelegen hatte, wie
die Graffitis mit Anrufungen zu Petrus bezeugen. Die Evangelien sagen uns, dass
Petrus unter den ersten vier Jüngern des Nazareners war (vgl. Lk 5,1-11), zu
denen sich – nach dem Brauch jedes Rabbiners, fünf Schüler zu haben – ein
fünfter hinzugesellte (vgl. Lk 5,27: die Berufung des Levi). Als Jesus von fünf
zu zwölf Jüngern übergeht (vgl. Lk 9,1-6), ist die Neuheit seiner Sendung klar:
Er ist gekommen, das eschatologische Israel zu vereinen, das in der Zahl Zwölf,
der Zahl der Stämme Israels, symbolisiert ist.
Die Evangelien präsentieren Simon mit einem entschiedenen und impulsiven
Charakter. Er ist bereit, seine Standpunkte wenn nötig auch mit Gewalt zu
vertreten (man denke an den Gebrauch des Schwertes im Ölgarten: vgl. Joh
18,10ff.). Gleichzeitig ist er manchmal naiv und ängstlich, aber dennoch
ehrlich – von einer Ehrlichkeit, die bis zur aufrichtigsten Reue geht (vgl. Mt
27,75). Die Evangelien gestatten es, seinen geistlichen Weg Schritt für Schritt
zu verfolgen.
Der Ausgangspunkt ist die Berufung durch Jesus. Sie ereignet sich an einem
gewöhnlichen Tag, während Petrus mit seiner Fischerarbeit beschäftigt ist.
Jesus befindet sich beim See Genezareth, und um ihn drängt sich die Menge, um
ihn zu hören. Die Zahl der Zuhörer schafft ein gewisses Unbehagen. Der Meister
sieht zwei Boote, die am Ufer vertäut sind; die Fischer sind ausgestiegen und
waschen die Netze. Da fragt er, ob er ins Boot steigen darf, in das Boot des
Petrus, und er bittet ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Er setzt sich
auf diesen improvisierten Lehrstuhl und beginnt, das Volk vom Boot aus zu
lehren (vgl. Lk 5,1-3). Als seine Rede beendet ist, sagt er zu Petrus:
"Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus." Simon
antwortet ihm: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts
gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen" (Lk
5,4-5). Jesus war kein Experte des Fischfangs, und dennoch vertraut der Fischer
Simon diesem Rabbi, der ihm keine Antworten gibt, ihn aber dazu aufruft, ihm zu
vertrauen. Seine Reaktion angesichts des wunderbaren Fischfangs besteht in Staunen
und großer Angst: "Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder" (Lk
5,8). In seiner Antwort fordert Jesus ihn auf, zu vertrauen und sich einem
Projekt zu öffnen, das alle seine Erwartungen übersteigt: "Fürchte dich
nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen" (Lk 5,10). Petrus konnte es
sich noch nicht vorstellen, dass er eines Tages nach Rom kommen und hier für
den Herrn "Menschfischer" sein würde. Und er akzeptiert diese
überraschende Berufung, sich in dieses große Abenteuer hineinziehen zu lassen:
Er ist großzügig; er erkennt, dass er selbst Grenzen hat, glaubt aber
demjenigen, der ihn ruft, und so folgt er dem Traum seines Herzens. Er sagt Ja
– ein mutiges und großzügiges Ja – und wird Jünger Jesu.
Einen anderen bedeutsamen Moment seines geistlichen Wegs wird Petrus in der
Nähe von Cäsarea Philippi erleben, als Jesus den Jüngern eine ganz konkrete
Frage stellt: "Für wen halten mich die Menschen?" (Mk 8,27). Jesus
begnügt sich aber nicht mit einer Antwort, die aus dem Hörensagen kommt. Von einem,
der es akzeptiert hat, sich persönlich auf ihn einzulassen, verlangt er eine
persönliche Stellungnahme. Deshalb insistiert er: "Ihr aber, für wen
haltet ihr mich?" (Mk 8,29). Es ist Petrus, der für die anderen antwortet:
"Du bist der Christus" (ebd.), das heißt der Messias. Diese Antwort
des Petrus, die nicht"aus seinem Fleisch und Blut" kam, sondern ihm
vom Vater im Himmel geschenkt wurde (vgl. Mt 16,17), trägt gewissermaßen als
Keim das zukünftige Glaubensbekenntnis der Kirche in sich. Trotzdem hatte
Petrus noch nicht den tiefen Inhalt der messianischen Sendung Jesu, den neuen
Sinn dieses Wortes, verstanden. Das zeigt er wenig später, als er zu verstehen
gibt, dass der Messias, dem er in seinen Träumen nachfolgt, sehr verschieden
ist von jenem des wahren Projekts Gottes. Angesichts der Ankündigung der
Passion entrüstet er sich und protestiert, womit er eine lebhafte Reaktion Jesu
hervorruft (vgl. Mk 8,32-33). Petrus will einen "göttlichen Menschen"
als Messias, der die Erwartungen der Menschen erfüllt, indem er allen seine
Macht aufzwingt. Es ist auch unser Wunsch, dass der Herr seine Macht auferlegt
und die Welt sofort verwandelt. Jesus zeigt sich als "menschlicher
Gott", als Diener Gottes, der die Erwartungen der Menschen erschüttert,
indem er einen Weg der Demut und des Leidens einschlägt. Das ist die große
Alternative, die auch wir immer wieder lernen müssen: entweder den eigenen
Erwartungen den Vorzug zu geben und Jesus zurückzuweisen, oder aber Jesus in
der Wahrheit seiner Sendung anzunehmen und die allzu menschlichen Erwartungen
zurückzustellen. Petrus – impulsiv wie er ist – zögert nicht, Jesus beiseite zu
nehmen und zu tadeln. Die Antwort Jesu lässt all seine falschen Erwartungen
zusammenbrechen und ruft ihn zu Bekehrung und Nachfolge auf: "Weg mit dir,
Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
sondern was die Menschen wollen" (Mk 8,33).
Auf diese Weise lernt Petrus, was es heißt, Jesus wirklich nachzufolgen. Es
handelt sich um seine zweite Berufung, die jener des Abraham in Genesis 22
ähnelt, die auf Genesis 12 folgt: "Wer mein Jünger sein will, der
verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer
sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen
und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten" (Mk 8,34-35). Das
ist das anspruchsvolle Gesetz des Nachfolge: Man muss, falls es notwendig sein
sollte, auf die ganze Welt verzichten können, um die wahren Werte, seine Seele
und die Gegenwart Gottes in der Welt zu retten (vgl. Mk 8,36-37). Und Petrus
nimmt die Einladung Jesu – wenn auch mit Mühe – an und setzt seinen Weg in den
Spuren des Meisters fort.
Es scheint mir, dass diese verschiedenen Bekehrungen des heiligen Petrus und
seine ganze Gestalt ein großer Trost und eine große Lehre für uns sind: Auch
wir haben Verlangen nach Gott, auch wir wollen großzügig sein; aber auch wir
erwarten, dass Gott mit all seiner Kraft in der Welt auftritt, um sie gemäß
unseren eigenen Vorstellungen und entsprechend der Bedürfnisse, die wir sehen,
sofort zu verwandeln. Gott wählt einen anderen Weg. Gott wählt den Weg der
Verwandlung der Herzen im Leiden und in der Demut. Und wir müssen uns wie
Petrus immer wieder bekehren. Wir müssen Jesus nachfolgen und ihm nicht
vorauseilen: Er ist es, der uns den Weg weist. So sagt uns Petrus: Du glaubst,
das Rezept zu besitzen und das Christentum verwandeln zu müssen; es ist aber
der Herr, der den Weg kennt. Es ist der Herr, der mir sagt, der dir sagt: Folge
mir nach! Und wir müssen den Mut und die Demut haben, Christus zu folgen, weil
er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
(Katechese von Papst Benedikt XVI. über den hl. Petrus, 17. Mai 2006)
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| Blick auf den Berg der Seligpreisungen |