Auflösung am Freitag
1. wichtiger Wallfahrtsort eines Landes
2. an der Grabstätte eines bedeutenden Priesters
3. in Rom
4. noch mal Rom
5. zum dritten mal Rom

Was hier in Nazareth geschah, weit ab vom Blickpunkt
der Welt, war ein einzigartiger Akt Gottes, ein machtvolles Eingreifen in die
Geschichte, durch das ein Kind empfangen wurde, das der ganzen Welt das Heil
bringen sollte. Das Wunder der Menschwerdung fordert uns immer neu heraus,
unser Verstehen zu öffnen für die unbegrenzten Möglichkeiten von Gottes
verwandelnder Kraft und seiner Liebe zu uns sowie für seinen Wunsch, mit uns
vereint zu sein. Hier wurde der vor aller Ewigkeit gezeugte Sohn Gottes Mensch
und ermöglichte so uns, seinen Brüdern und Schwestern, an seiner göttlichen
Sohnschaft Anteil zu haben. Dieses Hinabsteigen der sich selbst entäußernden
Liebe machte das Hinaufsteigen in der Erhöhung möglich, in der auch wir
aufgerichtet werden, um an Gottes eigenem Leben teilzuhaben (vgl. Phil
2,6-11).
Der Geist, der „über Maria kam" (vgl. Lk 1,35), ist derselbe
Geist, der zu Beginn der Schöpfung über den Wassern schwebte (vgl. Gen
1,2). Wir werden daran erinnert, daß die Inkarnation ein neuer schöpferischer
Akt war. Als unser Herr Jesus Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes im
jungfräulichen Schoß Marias empfangen wurde, vereinte sich Gott selbst mit
unserem geschaffenen Menschsein, trat in eine dauerhafte neue Verbindung mit
uns und leitete eine neue Schöpfung ein. Die Erzählung von der Verkündigung
zeigt Gottes außerordentliche Feinfühligkeit (vgl. Juliana von Norwich, Offenbarungen
77-79). Er drängt sich nicht auf, er bestimmt nicht einfach im voraus, welche
Rolle Maria in seinem Heilsplan für uns spielen soll: Er sucht zuerst ihr
Einverständnis. Bei der ursprünglichen Schöpfung war natürlich keine Rede
davon, daß Gott das Einverständnis seiner Geschöpfe suchte, in dieser neuen
Schöpfung aber tut er es. Maria steht für die gesamte Menschheit. Sie spricht
für uns alle, als sie auf die Einladung des Engels antwortet. Der heilige
Bernhard beschreibt, wie der ganze himmlische Hofstaat in brennender Erwartung
ihrer Zusage harrte, welche die hochzeitliche Vereinigung zwischen Gott und der
Menschheit vollzog. Die Aufmerksamkeit aller Engelchöre war auf diesen Punkt
geheftet, wo das Zwiegespräch stattfand, das ein neues und definitives Kapitel
in der Weltgeschichte eröffnen würde. Maria sagte: „Mir geschehe, wie du es
gesagt hast." Und das Wort Gottes ist Fleisch geworden.
Wenn wir über dieses freudenreiche Mysterium nachdenken, gibt es uns Hoffnung,
die sichere Hoffnung, daß Gott fortfährt, in unsere Geschichte einzugreifen,
mit schöpferischer Kraft zu handeln, um Ziele zu erreichen, die nach
menschlichem Ermessen unmöglich erscheinen. Es fordert uns heraus, uns dem
verwandelnden Wirken des Schöpfergeistes zu öffnen, der uns erneuert, uns eins
werden läßt mit ihm und uns mit seinem Leben erfüllt. Er lädt uns mit
ausgesuchter Feinfühligkeit ein, seiner Einwohnung in uns zuzustimmen, das Wort
Gottes in unseren Herzen aufzunehmen, und macht uns fähig, ihm in Liebe zu
antworten und einander in Liebe zu begegnen.
(aus der Predigt von Benedikt XVI am 14. Mai 2009 in der Verkündigungskirche in Nazareth)
Gegrüßt seist du,
in jeder Hinsicht heilige Gottmutter Maria!
Wunderbares und ehrwürdiges Schatzhaus der ganzen Welt,
hellstrahlende Leuchte, Wohnstätte des Unbegreiflichen,
reiner Tempel des Schöpfers aller Kreatur!
Gegrüßt seist du, denn durch dich ist der uns kundgeworden,
der die Sünden hinweggenommen und die Welt erlöst hat!
Sei uns gegrüßt, du Schiff, das den Menschen das neue Leben zuführt!
Sei uns gegrüßt, du heilige Burg, in die der König der Könige niedersteigt,
um darin zu wohnen!
Sei uns gegrüßt, du demütige Jungfrau, du Mutter Gottes!
Heil dir, Gesegnete!
Heil dir, Selige!
Bringe für uns deinem eingeborenen,
aus dir entsprossenen Sohn
alle Fürbitten dar,
daß er sich unser erbarme
um deiner heiligen Fürbitte willen!
(Rabulas von Edesse, 350-435, in Marienlob durch die Jahrhunderte)