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Dienstag, 20. Oktober 2020

Jakob Kern - er wollte ein froher Diener aller sein

Stift Geras

 

Verehrte Freunde des Stiftes, 

Jakob Kern war ein außergewöhnlicher Priester, aber mit Sicherheit nicht im Sinne heutiger Zuschaustellung in der Öffentlichkeit, sondern durch das Wirken seiner Persönlichkeit, gepaart mit einer tiefen Frömmigkeit – wir bezeichnen es heute mit dem zeitgemäßeren Wort „Spiritualität“.

1.     Jakob Kern war Sühnepriester, jedoch nicht im Sinne eines falsch verstandenen Masochismus, sondern er war sich bewusst, dass nur die Hingabe in Wahrheit fähig ist, Leben zu schenken. So wurde er – wie wir auch in unserem Jakob-Kern-Lied singen– zum Weizenkorn, das, in die Erde gefallen und gestorben, reiche Frucht brachte.

2.     Jakob Kern war Segenspriester: Durch seine Hinwendung zu den Menschen in der Seelsorgearbeit des Stiftes Geras vermochte er es, vielen Menschen Trost und Segen zu bringen. Er war somit ein lebendiger Vermittler des barmherzigen und menschenfreundlichen Gottes und seines Sohnes Jesus Christus, der in die Welt gekommen ist, nicht um die Menschen zu richten, sondern um sie zu retten.“ (vgl. Jo 3,17).

3.     Jakob Kern fand seine Erfüllung in der Spiritualität der Eucharistie. Die Feier der Liturgie ist die Vergegenwärtigung des ganzen Heilsgeschehens in Christus, insbesondere seines Todes und seiner Auferstehung. Wir Christen leben aus diesem Geheimnis, dass im Tode Christi das Leben ein für allemal gesiegt hat.

4.     Jakob Kern war ein großer Verehrer der Gottesmutter Maria: Papst Benedikt XVI. umreißt in seinem Büchlein „Die Tochter Zion“ sehr treffend, was das Wesen jeder Marienverehrung in Wirklichkeit sein soll: „Sie ist über alle Probleme hinweg das Hingerissenwerden von der Freude darüber, dass es das wahre Israel unzerstörbar gibt; sie ist das glückselige Einschwingen in die Freude des Magnificat und damit Lobpreis dessen, dem sich die Tochter Zion verdankt und den sie trägt als die wahre, unverwesliche und unzerstörbare Lade des Bundes.“
(aus dem Vorwort zur Sonderausgabe Unser Stift Geras zum Jubiläum 10 Jahre Seligsprechung Jakob Kern, 2008, Abt Michael Prohazka OPraem)



Bild über dem Reliquienschrein v. Jakob Kern, Stift Geras
 

Am Grab des sel. Jakob Kern in der Stiftskirche Geras

Gedenktafel bei der Taufkirche in St. Jakob, Wien Penzing


Stiftskirche Geras

 Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Vitalis von Salzburg.

Samstag, 20. Oktober 2018

Am Grab des sel. Jakob Kern


Stift Geras, Stiftskirche


Jakob Kern, geboren am 11. April 1897 und getauft auf den Namen Franz Alexander, wurde 1915 Soldat und kehrte schwer verwundet aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Nach seinem Eintritt in das Prämonstratenser-Stift Geras im österreichischen Waldviertel am 18. Oktober 1920 empfing er zwei Jahre später die Priesterweihe und wirkte als engagierter Seelsorger in den Pfarreien um Geras. Die qualvollen Schmerzen aus seiner Kriegsverletzung sah er als Sühne für die Verirrungen eines Mitbruders an, der kurz zuvor die tschechische Nationalkirche gegründet hatte: „Dem Hl. Herzen Jesu geweiht, pflegt er den Gedanken der Wiedergutmachung“ (Abt Ämilian Greisl von Geras). Jakob Kern selbst sagte bei seiner Primiz, dass „diesem Palmsonntag die Passion folgen werde“. Seine Predigten kamen von Herzen und trafen die Zuhörer, die Ausstrahlung und das authentische Leben des „guten Herrn Jakob“ faszinierten die Menschen.
Im Jahr 1923 musste man ihm vier Rippen ohne Narkose herausnehmen: Sein Kreuzweg begann. In Meran verbrachte er nun einige Monate, um sich zu erholen. Nach seiner Rückkehr nach Niederösterreich übte er seine Seelsorgstätigkeit wieder aus, doch verschlechterte sich sein Zustand. Erneut lieferte man ihn ins Krankenhaus ein, wo er viel leiden musste. Am 20. Oktober, dem geplanten Tag seiner Ewigen Profess, operierte man ihn. Er meinte dazu: „Morgen werde ich die Gottesmutter und meinen Schutzengel gesehen haben.“ Er bat, dass man seinen weißen Habit bereitlege und alles für die Kommunion vorbereite. „Die letzte Kommunion soll wie die erste besonders feierlich sein. Meine Ewige Profess werde ich im Himmel ablegen.“ Der Krankenhaus-Seelsorger gab ihm vor der Operation die Krankensalbung und segnete ihn so für seine letzte Wegetappe zum himmlischen Vater. Jakob Kern starb am 20. Oktober 1924 mittags beim Läuten des Angelus: „Nimm mich auf, o Herr, und ich werde leben“ – so hätte er bei der Professfeier dreimal gesungen.
Schon bald setzte die Verehrung von Jakob Kern ein, 1956 wurden seine Gebeine in die Stiftskirche von Geras übertragen. Nach einem langen Prozess erhob ihn Papst Johannes Paul II. am 21. Juni 1998 auf dem Wiener Heldenplatz zur Ehre der Altäre. Bei diesem Gottesdienst, den auch über 100 Prämonstratenser mitfeierten, ermunterte der Hl. Vater, diesem „Helden der Kirche“ zu folgen und rief die Priester und Ordensleute zur Treue in ihrer Berufung auf.

Reliquienschrein des sel. Jakob Kern, Stiftskirche Geras



Treuer Gott, du hast die Welt durch das Kreuz und die Auferstehung deines Sohnes erlöst und uns durch sein geöffnetes Herz neue Hoffnung geschenkt. Wir danken dir für das Lebenszeugnis des sel. Jakob Kern, der sein Leiden von Gott annahm und als eifriger Seelsorger für die Menschen im Waldviertel wirkte. Er war ein Mann des Segens, sein Leben und Wirken strahlten Gelassenheit und Freude aus. Wir bitten dich: Schenke dem Stift Geras und allen Verehrern des Seligen deinen reichen Segen und erfülle die Bitte ..., die wir im Vertrauen auf die Fürsprache des sel. Jakob Kern an dich richten, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Ehre sei dem Vater.
Heiliger Norbert, bitte für uns!
Seliger Jakob Kern, bitte für uns!


Taufbecken Stift Geras



Zeugnis von Fr. Jacob (Kern) Joseph Hsieh OPraem, Orange

Ein herzliches Vergelt’s Gott auch Frater Jacob (Kern) Joseph Hsieh, der am Norbertustag, dem 6.6.1984 in Dallas (Texas, USA) geboren wurde und wie unser hl. Ordensgründer am Weihnachtsfest, dem 24.12.2006 in der Abtei Orange (Kalifornien), eingekleidet wurde. 
Der Philosophiestudent legte im Gedenkjahr „10 Jahre Seligsprechung von Jakob Kern“ seine Profess auf Zeit ab.

Der Hl. Geist schenkte unserem Orden sein besonderes Charisma durch unseren Hl. Vater Norbertus zur Ehre der Kirche und der Hl. Dreifaltigkeit – ein Charisma, das er all seinen Söhnen und Töchtern sandte. Diese Gabe ist besonders in den Heiligen des Ordens lebendig. So ist auch das Charisma, das dem sel. Jakob Kern gegeben wurde, im innersten die gleiche Gnade, die dem Hl. Norbert geschenkt wurde. Der einzige Unterschied besteht darin, dass uns die Göttliche Vorsehung das Lebenszeugnis des sel. Jakob Kern zur Rettung der Seelen in der modernen Welt vor Augen stellt, in der die „Kultur des Todes“ regiert. Gott richtete das Beispiel des sel. Jakob Kern in unserer Zeit auf, um gegen die „Kultur des Todes“ zu kämpfen, um der Welt zu zeigen, dass der Tod in den Sieg verschlungen ist – durch das Mitleiden der Passion und des Todes unseres Erlösers Jesus Christus in der Tiefe unserer Seele.
Die Gabe des Hl. Geistes an den sel. Jakob Kern ist die unendliche Liebe und der Wunsch, dass das Opfer Jesu in seiner Person immer gegenwärtig sei, zum Segen für die Kirche.
Ich wählte den Namen „Jakob“ nach dem sel. Jakob Kern, da er mich als Prämonstratenser-Patron in unser Ordenscharisma einführt. Vor allem schätze ich die Reinheit des sel. Jakob Kern, eine Reinheit nicht nur des Fleisches, sondern auch des Geistes. Aus der Reinheit seiner Liebe floss alles, was er tat: das frohe Gemeinschaftsleben, alle pastorale Arbeit und all seine Opfer, besonders das Opfer der Sühne für den ausgetretenen Prämonstratenser Isidor Bogdan Zahradnik. Diese Reinheit findet sich auch in seinem tiefen Vertrauen auf Gott, das sich deutlich ausdrückt, wenn er mitten in seinen qualvollen Leiden wegen einer zwei Tage unbehandelten Schusswunde sang: „Harre, meine Seele, harre des Herrn, alles Ihm befehle, hilft er doch so gern. In Sturm und aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott.“ Die dieses Gebet war immer gegenwärtig in seiner Seele, ein Lied, das er uns lehrt, immer neu zu singen.


Stift Geras, vom Kräutergarten gesehen