Posts mit dem Label Augustinus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Augustinus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 28. August 2025

Die Bibel erschließt sich nicht - Glaubensgewißheit durch die Bibel

Vor der Bekehrung des hl. Augustinus:

So beschloß ich denn, meine Aufmerksamkeit auf die Heiligen Schriften zu richten und zu sehen, wie beschaffen sie sind. Was ich da entdeckte, war dies: etwas für Gelehrte Unzugängliches, das sich auch Kindern nicht aufdeckt, etwas mit niedrigem Eingang, das sich aber beim weiteren Eindringen erhöht, doch überall in Geheimnisse gehüllt bleibt.
Ich war keineswegs imstande, darin einzutreten oder den Kopf so zu beugen, um darin voranzukommen. Aber nicht genauso, wie ich jetzt davon rede, habe ich damals gefühlt, als ich an die Schrift herantrat, vielmehr schien sie mir nicht würdig, mit der Hoheit eines Cicero verglichen zu werden. Mein Dünkel sträubte sich angesichts ihrer Einfachheit, mein Blick war nicht scharf genug, in ihr Inneres einzudringen.
Die Schrift als solche wäre fähig gewesen, mit den Kleinen zusammen zu wachsen, aber ich wollte eben kein kleiner sein, sondern fühlte mich, von Hochmut geschwollen, groß.

(Augustinus, Confessiones, 3. Buch, im Bann der Manichäer, Hrsg. H. U. v. Balthasar)

Norwich Cathedral

Die Bekehrung:
Ich warf mich unter einen Feigenbaum nieder und ließ meinen Tränen freien Lauf; Ströme brachen aus meinen Augen, ein Dir wohlgefälliges Opfer, und ich sagte Dir vieles, nicht in diesen Worten, aber in diesem Sinn: "Und Du, Herr, wie lange noch? Wie lange noch? Wirst Du mir bis ans Ende zürnen? Ach, gedenke nicht meiner alten Sünden." Denn nur sie, ich fühlte es, hielten mich noch zurück. Jämmerliche Worte stieß ich aus: "Wie lange, wie lange noch? Immer nur morgen? Warum denn nicht heute? Warum nicht zu dieser Stunde das Ende meiner Schmach?"

Sprach es und weinte in der bittern Zerknirschung meines Herzens. Und auf einmal hörte ich aus einem Nachbarhaus die Stimme eines Knaben oder Mädchens wiederholt sagen: "Nimm, lies, nimm, lies." Sogleich veränderte sich mein Gesicht, und ich begann angestrengt darüber nachzudenken, ob Kinder bei irgendeinem Spiel etwas derartiges zu singen pflegen; doch ich entsann mich nicht, es je gehört zu haben. Ich dämmte die Tränenflut und stand auf, ich wußte keine andere Deutung, als daß Gott mir befehle, ein Buch zu öffnen und die Stelle zu lesen, auf die ich als erste stieße.
Ich hatte nämlich von Antonius vernommen, er habe aus einer zufällig aufgeschlagenen Stelle im Evangelium eine persönliche Mahnung herausgehört, als sei ihm bei der Lesung zugesprochen worden: "Geh, verkauf alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und kommt und folge mir nach." Auf diesen Wahrspruch hin habe er sich sogleich zu Dir bekehrt.

So kehrte ich eilends zu dem Platz zurück, wo Alypius saß, dort hatte ich nämlich beim Aufstehen das Buch der Apostel hingelegt. Ich nahm es, schlug es auf und las die erste Stelle, worauf meine Augen fielen:

"Nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Beischlaf und Unzucht, nicht in Streit und Gezänk, sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt nicht den Leib zur Erregung der Begierlichkeit."

Weiter wollte ich nicht lesen, es war nicht nötig. Denn kaum hatte ich den Satz zu Ende gelesen, ergoß sich wie ein Licht der Gewißheit in mein Herz, und alle Schatten des Zweifels waren zerstoben.

(Begegnung mit Alypius)

Darauf gehen wir zur Mutter: wir sagen es ihr, sie freut sich. Wir erzählen ihr, wie alles sich zutrug, sie jubelt und triumphiert, und sie pries Dich, "der Du mächtig bist über all unser Bitten und unser Verstehen hinaus", denn sie sah, wie viel mehr Du ihr für mich gewährt hast, als sie mit ihren gewohnten Bitten und armen Tränen und Seufzern zu erreichen vermochte.

Du bekehrtest mich in der Tat so zu Dir, daß ich keine Gattin mehr suchte noch sonst etwas, das man in dieser Welt erhoffte. Nun stand ich auf jenem Richtscheit des Glaubens, (der Traum Monikas) auf dem sie mich gemäß Deiner Offenbarung vor Jahren erblickt hatte. Du "hattest ihre Trauer in Freude verwandelt", eine viel überströmendere, als sie sie erbeten, eine viel köstlichere und keuschere, als sie sie von den Enkelkindern meines Fleisches erwartet hatte.

 (Augustinus, Confessiones, 8. Buch, 12. Kapitel, Hrsg. H. U. v. Balthasar)

 

 Glasfenster aus dem 16. Jahrhundert im Südgang der Kathedrale von Norwich. Das Herz und ein Buch sind traditionelle Attribute des hl. Augustinus. Der Pfeil, der das Herz durchdringt und einen Bluttropfen verursacht, erinnert uns auch an das Gebet des heiligen Augustinus: "Du hast mein Herz mit Deinem Wort durchbohrt, und von da an liebte ich dich." (Confessiones, Buch 10, Kapitel 6)

Mittwoch, 27. August 2025

Der Traum Monikas - Dein Ohr lag an ihrem Herzen

 

Salisbury Cathedral

 

Du aber "strecktest Deine Hand aus der Höhe" und "rissest meine Seele aus" der dichten Finsternis, weil meine Mutter, Deine Getreue, um meinetwillen zu Dir weinte. Sie weinte mehr, als Mütter ein totes Kind beweinen.
Durch den Glauben und den Geist, den sie von Dir erhalten hatte, sah sie meinen Tod, und Du, Herr, hast sie erhört. Du hast sie erhört und ihre Tränen nicht gering geachtet, wenn sie strömend den Boden unter ihren Augen netzten, wo immer sie betend verweilte. Ja, Du hast sie erhört. Denn woher sonst kam der Traum, durch den Du sie getröstet hast, so daß sie wieder einwilligte, mit mir zusammenzuleben und im Hause den gleichen Tisch zu teilen? Sie hatte eine Zeitlang sich geweigert, es zu tun, vor Abscheu und Widerwillen gegen meine gotteslästerlichen Verirrungen.

Im Traum aber sah sie sich auf einem hölzernen Richtscheit stehen (Hinweis auf regula fidei, die christliche Glaubenslehre), und ein strahlender, froher, sie anlächelnder Jüngling kam auf sie zu, während sie trauerte und vor Gram ganz gebrochen war. Dieser fragte nach dem Grund ihrer Trauer und warum sie immerfort weine, wie man fragt, um zu helfen, nicht aus Neugier. Sie erwiderte, sie beklage meinen Untergang. Da hieß er sie, getrost zu sein, und ermunterte sie, aufzumerken und genau hinzusehen: dort, wo sie sei, sei auch ich. Und als sie aufmerkte, sah sie, daß ich neben ihr auf dem gleichen Richtscheit stand. (die Erfüllung des Traums)

Wieso das? Doch weil Dein Ohr an ihrem Herzen lag, o Du guter, allmächtiger Gott, der über jeden von uns wacht, als kümmertest Du Dich um ihn allein oder um alle so wie um jeden.

Und wie kam das Weitere, daß, als sie mir ihre Schau erzählte, und ich sie so wegdeuten wollte, als dürfe sie nicht daran verzweifeln, eines Tages dort zu sein, wo ich war, sie sogleich ohne das geringste Zögern erwiderte: "Nein, mir wurde nicht gesagt: Wo er ist, wirst du sein, sondern: Wo du bist, wird auch er sein".

Herr, hier bekenne ich Dir ein weiteres Mal meine Erinnerung, soweit mein Gedächtnis reicht: die Antwort, die Du mir so durch den Mund meiner wachsamen Mutter gabst, ihre Ruhe angesichts meiner falschen, danebengreifenden Antwort, ihre rasche Einsicht in das zu Beachtende - das ich vor ihrer Antwort nicht beachtet hatte-, sie hat mich damals mehr bewegt als der Traum selbst, der dieser frommen Frau lange vorweg zur Tröstung über gegenwärtige Sorgen eine Freude ankündigte, die sich erst viel später verwirklichen sollte.

Denn neun Jahre ungefähr verflossen, während denen ich mich "im tiefen Schlamm" und im finstern Irrtum wälzte; oft suchte ich aufzutauchen und sank nur tiefer zurück, während diese keusche, fromme und nüchterne Witwe, so wie Du sie liebst, schon beflügelter im Hoffen, aber unermüdet im Weinen und Seufzen, zu jeder Stunde ihres Gebets nicht aufhörte, für mich vor Dir zu klagen. Ihren Gebete "drangen vor Deine Augen", aber Du ließest mich indessen noch immer im Finstern suhlen und mich einwühlen.
(Augustinus, Confessiones, Hrsg. Hans Urs von Balthasar,  3. Buch, der Traum Monikas, 82ff)

Heilige Monika, bitte für uns und alle, die nicht glauben
Salisbury Cathedral

Mittwoch, 28. August 2024

Denkt an mich am Altar Gottes!

 

Augustinus, sein Bruder Navigius und dessen Sohn am Sterbebett von Monika,
"Denkt an mich am Altar Gottes"

 
Der Tag kam, an dem Monika aus diesem Leben scheiden sollte; da geschah es, dass wir, sie und ich, allein beieinander standen, an ein Fenster gelehnt, von dem aus man in den Garten des Hauses schaute, in dem wir wohnten. Es war in Ostia am Tiber, wohin wir uns vor dem Menschengewimmel zurückgezogen hatten, um uns nach den Anstrengungen der langen Reise vor der Seefahrt zu erholen. 
Wir unterhielten uns also allein in herzlichem Gespräch, vergaßen, was hinter uns lag, und streckten uns aus nach dem, was vor uns war. Wir fragten uns, wie wohl das ewige Leben sein wird, das ‚kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.’ In diese Richtung bewegte sich meine Rede, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, aber über diesen Reden verflüchtigte sich uns an jenem Tag die Welt.
Einige Tage später wurde sie immer schwächer und sprach zu meinem Bruder und mir: ‚Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorge um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!’ Nachdem sie diesen Gedanken, so gut sie es konnte, ausgesprochen hatte, schwieg sie.

(Augustinus, Confessiones) 

 

St Mary´s Church, Nottingham

Montag, 28. August 2023

Das unfassbare Geheimnis (Augustinus)

 

 

Augustinus geht am Meer spazieren. Er arbeitet gerade an einem Buch über das Geheimnis Gottes. Da sieht er ein Kind. Es hat ein Loch in den Sand gegraben. Mit einer Muschel in der Hand läuft es immer wieder zum Meer, schöpft Wasser und gießt es in dieses Loch.
Augustinus beobachtet das Kind und fragt nach einer Weile: „Was machst du denn da?“
„Ich schöpfe das Meer in dieses Loch!“ antwortet das Kind.
„Du Narr“ meint daraufhin Augustinus, „du kannst doch das große weite Meer nicht in dieses kleine Loch füllen.“
Das Kind schaut daraufhin den großen Augustinus durchdringend an und sagt: „Aber Du bildest dir ein, dass große Geheimnis Gott in deinem kleinen Kopf erfassen zu können.“

(Quelle)



hl. Augustinus, St. Afra, Berlin
gemalt von: Markus und Katja Latzke, 15366 Neuenhagen / Berlin,
https://atelierlatzke.com/
 

Sonntag, 28. August 2022

Augustinus

 

Augustinus, Saint Martin-Saint Augustin - Nizza

 

Christen sind wir um der künftigen Zeit willen.
Niemand erhoffe sich gegenwärtige Güter,
niemand verspreche sich ein Glück der Welt,
weil er Christ sei. 

(Augustinus von Hippo)


Freitag, 28. August 2020

Ich will, dass du bist

 

Heiliger Augustinus, bitte für uns!

 

So wird jeder begrüßt, der die Augustinerkirche durch den Haupteingang vom Dominikanerplatz her betritt. Der Satz, der in freier Anlehnung einen Gedanken des heiligen Augustinus aufgreift, möchte daran erinnern: Gott hat einen jeden und eine jede ins Dasein gerufen, ohne irgendeine Vorleistung unsererseits – denn wie sollte einer dem gegenüber irgendetwas vorzuweisen haben, vom dem er das Dasein hat (vgl. Augustinus, Über den freien Willen 3,45)?

Genau so soll jede und jeder in der Kirche sich willkommen fühlen und da sein dürfen, unabhängig von dem, was er hat oder kann, und ist eingeladen, neuen Mut zum Dasein zu schöpfen. Was würde auch mehr zum Sein ermutigen als eine Liebeserklärung? Und um eine solche Liebeserklärung Gottes handelt es sich bei „Ich will, dass du bist“. Denn für Augustinus heißt genau das jemanden lieben – wollen, dass er sei: „Und was immer du liebst, von dem willst du auch, dass es sei“ (Predigt Lambot 27,3).

(Quelle: Augustinerkirche Würzburg)

 



Augustinus, Augustinerkirche, Würzburg

Donnerstag, 30. Januar 2020

Armentarius von Pavia

Armentarius (oben links) bei der Überführung der Gebeine des hl. Augustinus, S. Pietro in Ciel d´Oro, Pavia

Armentarius gilt als der 19. Bischof von Pavia, Weihe vermutlich um 720. Sein Grab ist in der Kathedrale von Pavia, sein Gedenktag der 30. Jänner. (Weitere Infos bei heiligenlexikonde)

Dom von Pavia, hier liegt Bischof Armentarius von Pavia begraben

Mittwoch, 28. August 2019

Denkt an mich am Altar Gottes (Áugustinus und Monika)

Augustinus und Monika, Detail des Tucheraltars, um 1445,  Frauenkirche, Nürnberg



Der Tag kam, an dem Monika aus diesem Leben scheiden sollte; da geschah es, dass wir, sie und ich, allein beieinander standen, an ein Fenster gelehnt, von dem aus man in den Garten des Hauses schaute, in dem wir wohnten. Es war in Ostia am Tiber, wohin wir uns vor dem Menschengewimmel zurückgezogen hatten, um uns nach den Anstrengungen der langen Reise vor der Seefahrt zu erholen. 
Wir unterhielten uns also allein in herzlichem Gespräch, vergaßen, was hinter uns lag, und streckten uns aus nach dem, was vor uns war. Wir fragten uns, wie wohl das ewige Leben sein wird, das ‚kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.’ In diese Richtung bewegte sich meine Rede, wenn auch nicht genau mit diesen Worten, aber über diesen Reden verflüchtigte sich uns an jenem Tag die Welt.
Einige Tage später wurde sie immer schwächer und sprach zu meinem Bruder und mir: ‚Begrabt diesen Leib irgendwo, macht euch keine Sorge um ihn; nur darum bitte ich: Wo immer ihr seid, denkt an mich am Altar Gottes!’ Nachdem sie diesen Gedanken, so gut sie es konnte, ausgesprochen hatte, schwieg sie.
(Augustinus, Confessiones)

Donnerstag, 4. April 2019

Isidor von Sevilla über das Bischofsamt


Isidor und Augustinus, S. Isidoro, Leon

Isidor war der jüngere Bruder des Erzbischofs Leander von Sevilla, der nach dem Tod des Vaters auch seine Erziehung übernahm. Isidor war vielseitig interessiert und hatte eine leidenschaftliche Liebe zu den Büchern. Das Amt des Bischofs, das er kurz vor 600 übernehmen musste, war für ihn eine große Last. Er bemühte sich vor allem um die wissenschaftliche Bildung der Priester. Er selbst schrieb zahlreiche Bücher, in denen er das ganze Wissen des Altertums zusammenfassen wollte, um es der kommenden Zeit weiterzugeben. Vor allem sein Hauptwerk, die zwanzig Bücher der „Etymologien“ oder „Ursprünge“, wurde im Mittelalter oft abgeschrieben und viel benützt, zum Teil auch ins Althochdeutsche übersetzt. Man bezeichnet Isidor als den letzten abendländischen Kirchenvater. Er starb 636.

S. Isidor von Sevilla, Leon

Arbeit und Heiligkeit
„Die bischöfliche Würde bedeutet Arbeit, nicht Ehre, und deshalb ist derjenige kein Bischof, der den Bischofsstab führt, um eine Rolle zu spielen, und nicht, um für die anderen nützlich zu sein.“ -

„Vor allem muss er die hervorragendste aller Gaben, die Liebe, erwerben, ohne die jede Tugend Lüge ist. Der Schutz jeder Heiligkeit ist die Liebe, und die Demut ist der Ort, an dem sie wohnt.“
(Isidor von Sevilla)

Hochaltar mir Reliquienschrein des hl. Isidor von Sevilla, Leon
Gott, du Quelle der Weisheit,
du hast deiner Kirche den heiligen Isidor
als geistlichen Lehrer gegeben.
Höre auf seine Fürbitte.
Schenke deiner Kirche auch in unseren Tagen
Treue zur überlieferten Wahrheit
und führe sie zur Einheit in deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Am Grab des hl. Isidor in Leon

Isidor in der Kathedrale von Sevilla

Gott, Gebet und Heilige Schrift


S. Isidoro, Leon