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Samstag, 24. August 2024

Bartholomäus

 

Bartholomäus mit dem Augustiner Kanoniker Rahere,
Gründer des Augustinerpriorates St. Bartholomew, 1123, London

 

Apostel, Märtyrer * 1. Jh. in Kana, Galiläa + 1. Jh. in Syrien (?) Patron von Frankfurt am Main, Maastricht, Pilsen und Altenburg; des Bistums Lüttich; der Bergleute, Metzger, Buchbinder, Schneider, Bauern, Winzer, Bäcker, Hirten, Sattler, Gerber, Schuhmacher, Stukkateure und in Florenz der Öl-, Käse- und Salzhändler; gegen Nervenkrankheiten, Zuckungen und Hauterkrankungen

Die Passio des Apostels Bartholomäus enthält viele Unsicherheiten, die Berichte über Leben, Wirken und Martyrium des Heiligen sind mit zahlreichen Legenden durchsetzt. Der wahre Name des Apostels war mit ziemlicher Sicherheit Nathanael. Als Bartholomäus erschien er nur in den Apostellisten. Bartholomäus leitete sich wahrscheinlich ab von dem hebräischen Wort „bar tolmai“, Sohn des Furchenziehers, was auf den Beruf seines Vaters schließen lässt. Geboren wurde Bartholomäus zu beginn des 1. Jh., seine Heimat war Kana in Galiläa. Die Überlieferung berichtete, daß Bartholomäus durch den Apostel Philippus zu Jesus kam. Christus soll, als er seinen neuen Jünger empfing und in den Kreis der Zwölf Apostel aufnahm, gesagt haben: „Seht, ein wahrer Israelit, an dem kein Falsch ist.“ Nach der Auferstehung Christi zog Bartholomäus als Wanderprediger durch Armenien, Indien und Mesopotamien und verkündete das Evangelium. Berühmt wurde er durch seine Fähigkeit, Kranke und vor allem Besessene heilen können. So soll er angeblich auch die Tochter des armenischen Königs Polimius von der Besessenheit geheilt haben, worauf sich die ganze Königsfamilie zum Christentum bekehrte. Wütende Götzenpriester hetzten daraufhin den heidnischen Bruder des Königs gegen Bartholomäus auf. Durch seine Soldaten ließ dieser den Apostel schließlich gefangen nehmen und grausam foltern. Danach wurde Bartholomäus zur sogenannten Persischen Todesstrafe verurteilt: Bei lebendigen Leib zog man ihm die Haut vom Körper ab, danach kreuzigte man ihn. Manche Überlieferungen sprechen auch von einer Enthauptung.
 

Das Todesjahr des Bartholomäus lag um die Mitte des 1. Jh., der Ort des Martyriums möglicherweise Syrien. Seit Ende des 10. Jh. ruhen die Gebeine des Märtyrer-Apostels in der Kirche S. Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom. Das Gotteshaus, an der Stelle eines antiken Äskulaptempels errichtet, wurde von Kaiser Otto III. in Auftrag gegeben. Die Hirnschale des Märtyrers Bartholomäus befindet sich seit 1238 in der früheren Pfarrkirche St. Bartholomäus, dem heutigen Dom in Frankfurt am Main. Verehrung/Brauchtum: Einer der bekanntesten Bräuche zum Batholomäustag ist die Almer-Wallfahrt, bei der am Sonntag vor oder nach dem Gedenktag für den Apostel die Bewohner des österreichischen Ortes Alm nach St. Bartholomä am Königssee im Berchtesgadener Land pilgern. Die ersten Wallfahrten fanden bereits im 17. Jh. statt und gehen auf ein altes Gelübde zurück; angeblich soll eine Pestepedemie erloschen sein, woraufhin die Almer gelobten, alljährlich an Bartholomä diese Wallfahrt durchzuführen. Andere Überlieferungen sagen, die Almer pilgern nach St. Bartholomä, um Bartholomäus um Schutz für das Vieh vor wilden Tieren zu bitten. In Frankreich gibt es bis heute den Brauch der Bartholomäus-Kerzen. Für die Franzosen verbinden sich mit dem Namen Bartholomäus aber auch schlechte Erinnerungen: In der „Bartholomäusnacht“ im Jahre 1572 („Pariser Bluthochzeit“) wurden auf Geheiß von Katharina von Medici 2000 Protestantische Hugenotten ermordet. Das Bartholomäus-Fest ist seit 1568 im römischen Kalender am 24. August aufgeführt.

Darstellung: Bartholomäus gehört zu den in der Kunst häufig dargestellten Heiligen. Abgebildet ist er meist mit schwarzem, krausen Haar, manchmal trägt er auch einen kurzen Bart. Auf einigen Darstellungen ist Bartholomäus allerdings auch blond oder er hat einen blonden, langen Bart. Bekleidet ist der Apostel oft mit einem weißen Mantel, er trägt Sandalen oder ist barfüßig. Als Attribute hat Bartholomäus bei sich: Buch, Schriftenrolle, Fahne, Schindmesser, Pilger- oder Kreuzstab; bei ihm ist häufig ein bezwungener Teufel zu sehen; auch hat er seine eigene abgezogene Haut über den Arm oder seinen abgeschlagenen Kopf in der Hand (Martyrium).

Mit abgezogener Haut ist Bartholomäus am Dreikönigsschrein im Kölner Dom und auf einem Fresko von Michelangelo (um 1540) in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan zu sehen. Tiépolo malte 1722 die Szene, wie Schergen Bartholomäus die Haut abziehen (Venedig, S. Stae). Die Vorbereitungen zum Martyrium hielt Ribera in einem Gemälde von 1630 fest, das heute im Prado zu Madrid zu sehen ist. Im Frankfurter Dom zeigen Wandmalereien von Stephan Lochner über dem Chorgestühl die Legende des Heiligen. Ein Glasfenster im Dom zu Naumburg (um1250) zeigt Bartholomäus, über dem bezwungenen König Astyages stehend.

(Quelle)

gehäutete Batholomäusfigur in St Bartholomew the less, London

Altarbild des Martyriums des Apostels Batholomäus, Mauterndorf, Salzburg

Die Schädelreliquie des Apostels Bartholomäus in Frankfurt

Am Grab des Apostels Bartholomäus in Rom

Bartholomäus im Lateran

Bartholomäus und die Entmachtung der Götzen (All Souls College, Oxford) 

Martyrium des Apostels Bartholomäus in der Bartholomäuskirche in Coimbra (Katechese von Papst Benedikt XVI)

 


St Barholomew the less, London

Donnerstag, 24. August 2023

Natanael Bartholomäus

 

gehäuteter Bartholomäus, Bartholomew the less

Bartholomew the less, London

Apostel, Märtyrer
Namensdeutung: Sohn des Furchenziehers (hebr.)
Namenstage: Bartholomäus, Bartolomeo, Bart, Bartel, Bartolo, Barthélemy, Bertalan
Gedenktag: 24. August

Lebensdaten: geboren in Galiläa, gestorben um 70 in Albayrak, Türkei

Lebensgeschichte und Legende: Bartholomäus taucht im Neuen Testament in den Apostellisten auf (siehe Mk 3,14–19) und wird traditionell mit Nathanaël identifiziert, den Jesus einen echten Israeliten nennt, einen „Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47). Das etwas geheimnisvolle Wort Jesu, er habe Nathanaël „unter dem Feigenbaum gesehen“, wurde dahingehend gedeutet, dass er ein Schriftgelehrter gewesen sei. Jedenfalls erkennt er Jesus sofort: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!“ Ein anderer Überlieferungsstrang setzt ihn mit dem Bräutigam der Hochzeit in Kana gleich.

Bartholomäus war Zeuge der Himmelfahrt Christi (siehe Apg 1,13) und soll als Wanderprediger bis nach Indien gelangt sein, wo er eine hebräische Abschrift des Matthäusevangeliums hinterließ. Das Martyrium erlitt er aber in Armenien: Als er die Königstochter von Besessenheit heilte und sich fast die ganze Familie darauf zum Christentum bekehrte, ließ sich der Bruder des Königs von Götzenpriestern aufhetzen, Bartholomäus zu beseitigen. Ihm wurde bei lebendigem Leib die Haut abgezogen, dann wurde er kopfüber gekreuzigt.

Über der Stätte seines Martyriums erhebt sich ein heute verfallendes, armenisches Bartholomäuskloster. Um die an seinem Grab einsetzenden Wunder zu verhindern, wurden seine Gebeine in einem Bleikasten im Meer versenkt, trieben jedoch trotzdem bis zu den Liparischen Inseln bei Sizilien, wo ihnen eine Kirche errichtet wurde.

Verehrung/Brauchtum: Bartholomäus’ Gebeine kamen im 9. und 10. Jahrhundert über Benevent nach Rom und ruhen heute in der Kirche S. Bartolomeo all’isola. Im 13. Jahrhundert empfing der Frankfurter Dom seine Hirnschale und trägt seitdem seinen Namen. Auch im Kloster Andechs werden Reliquien verehrt. Die größte Verehrung genießt er freilich als Glaubensbote der Armenier. Zahlreiche Märkte und Feste an seinem Festtag wie der Barthelmarkt in Oberstimm bei Ingolstadt haben mit der Vorbereitung des Winters und der Weihnachtszeit zu tun.

Darstellung: meist bei seinem Martyrium oder mit abgezogener Haut, mit Schindmesser, sonst mit Buch, Schriftrolle, Fahne, Pilger- oder Kreuzstab

Patron: von Frankfurt, Maastricht, Altenburg und Pilsen, des Bistums Lüttich und der Liparischen Inseln, der Metzger, Buchbinder, Schneider und Gerber sowie vieler weiterer Berufe, Helfer gegen Nervenleiden, Zuckungen und Hauterkrankungen

(bistumaugsburg)


Mittwoch, 24. August 2022

Bartholomäus

 

Martyrium des hl. Apostels Bartholomäus, Mauterndorf

Apostel, Märtyrer
Namensdeutung: Sohn des Furchenziehers (hebr.)
Namenstage: Bartholomäus, Bartolomeo, Bart, Bartel, Bartolo, Barthélemy, Bertalan
Gedenktag: 24. August

Lebensdaten: geboren in Galiläa, gestorben um 70 in Albayrak, Türkei

Lebensgeschichte und Legende: Bartholomäus taucht im Neuen Testament in den Apostellisten auf (siehe Mk 3,14–19) und wird traditionell mit Nathanaël identifiziert, den Jesus einen echten Israeliten nennt, einen „Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47). Das etwas geheimnisvolle Wort Jesu, er habe Nathanaël „unter dem Feigenbaum gesehen“, wurde dahingehend gedeutet, dass er ein Schriftgelehrter gewesen sei. Jedenfalls erkennt er Jesus sofort: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!“ Ein anderer Überlieferungsstrang setzt ihn mit dem Bräutigam der Hochzeit in Kana gleich.

Bartholomäus war Zeuge der Himmelfahrt Christi (siehe Apg 1,13) und soll als Wanderprediger bis nach Indien gelangt sein, wo er eine hebräische Abschrift des Matthäusevangeliums hinterließ. Das Martyrium erlitt er aber in Armenien: Als er die Königstochter von Besessenheit heilte und sich fast die ganze Familie darauf zum Christentum bekehrte, ließ sich der Bruder des Königs von Götzenpriestern aufhetzen, Bartholomäus zu beseitigen. Ihm wurde bei lebendigem Leib die Haut abgezogen, dann wurde er kopfüber gekreuzigt.

Über der Stätte seines Martyriums erhebt sich ein heute verfallendes, armenisches Bartholomäuskloster. Um die an seinem Grab einsetzenden Wunder zu verhindern, wurden seine Gebeine in einem Bleikasten im Meer versenkt, trieben jedoch trotzdem bis zu den Liparischen Inseln bei Sizilien, wo ihnen eine Kirche errichtet wurde.

Verehrung/Brauchtum: Bartholomäus’ Gebeine kamen im 9. und 10. Jahrhundert über Benevent nach Rom und ruhen heute in der Kirche S. Bartolomeo all’isola. Im 13. Jahrhundert empfing der Frankfurter Dom seine Hirnschale und trägt seitdem seinen Namen. Auch im Kloster Andechs werden Reliquien verehrt. Die größte Verehrung genießt er freilich als Glaubensbote der Armenier. Zahlreiche Märkte und Feste an seinem Festtag wie der Barthelmarkt in Oberstimm bei Ingolstadt haben mit der Vorbereitung des Winters und der Weihnachtszeit zu tun.

Darstellung: meist bei seinem Martyrium oder mit abgezogener Haut, mit Schindmesser, sonst mit Buch, Schriftrolle, Fahne, Pilger- oder Kreuzstab

Patron: von Frankfurt, Maastricht, Altenburg und Pilsen, des Bistums Lüttich und der Liparischen Inseln, der Metzger, Buchbinder, Schneider und Gerber sowie vieler weiterer Berufe, Helfer gegen Nervenleiden, Zuckungen und Hauterkrankungen

Pfarrkirche Mauterndorf zum hl. Bartholomäus, Salzburg


 Die Schädelreliquie des Apostels Bartholomäus in Frankfurt

Am Grab des Apostels Bartholomäus in Rom

Bartholomäus im Lateran

Bartholomäus und die Entmachtung der Götzen (All Souls College, Oxford) 

Martyrium des Apostels Bartholomäus in der Bartholomäuskirche in Coimbra (Katechese von Papst Benedikt XVI)

Montag, 24. August 2020

Der Apostel Bartholomäus in Frankfurt

Hochgelobt und gepriesen sei Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament des Altares


Der Dom St. Bartholomäus – auch Kaiserdom zu Frankfurt am Main – ist ein herausragender Ort west- und mitteleuropäischer Geschichte. Aus dem Gotteshaus der karolingschen Kaiserpfalz hervorgegangen, gründet er auf Resten einer kleinen merowingischen Kapelle, die vor 680 entstanden sein muss. Wie Funde von Grabungen aus den Jahren 1992–1994 bestätigen, wurde in dieser Kapelle ein reiches – adeliges – Mädchen beigesetzt. Das Grab ist am West-Eingang des Domes durch eine Sandsteinplatte markiert. Im Mittelalter war der Dom, der nie Bischofskirche war, Sitz des kaiserlichen Domstiftes St. Bartholomäus, seit 1356 Wahlort der Deutschen Könige und ab 1562 Krönungsort der römischen Kaiser. Nach 1200 erhielt die Stiftskirche eine Schädelreliquie des heiligen Apostels Bartholomäus, die heute noch an Sonn- und Feiertagen und am Fest des Heiligen (24. August) der Verehrung durch die Gläubigen zugänglich gemacht wird. (Quelle: Dom Frankfurt)

 

Am Grab des Apostels Bartholomäus in Rom

Bartholomäus im Lateran

Bartholomäus und die Entmachtung der Götzen (All Souls College, Oxford) 

Martyrium des Apostels Bartholomäus in der Bartholomäuskirche in Coimbra (Katechese von Papst Benedikt XVI)

 

Seit 2019 wird die Schädelreliquie des Apostels in der renovierten Wahlkapelle des Kaiserdoms in Frankfurt aufbewahrt. Die Schädeldecke in einem Schrein unterhalb eines Triptychons des Leidens und der Auferstehung unseres Herrn ist durch die verschlossenen Gittertüren sichtbar.

Heiliger Apostel Bartholomäus, bitte für uns!


bei geöffnetem Schrein

Samstag, 24. August 2019

Bartholomäus



Bartholomäus, Apostel. Die Tradition identifiziert den Apostel Bartholomäus mit Nathanael, einem gebürtigen Galiläer aus Kana. Jesus erkennt in ihm einen Mann, „in dem kein Trug ist“, da er ihn schon „unter dem Feigenbaum gesehen“ hat (Joh 1,45-48). Nathanael ist bei der Erscheinung des Auferstandenen am See Genezareth dabei (Joh 21, 2), Matthäus schildert die Berufung des Bartholomäus (Mt 10,3).
Bartholomäus soll in Mesopotamien, Armenien und Indien die Frohbotschaft verkündet haben. Er soll den Tod durch das Abziehen seiner Haut gefunden haben. Daraus schließt die Forschung, dass er in dem von den Persern beherrschten Teil Syriens das Martyrium erlitten hat. Seine Reliquien kamen 983 durch Kaiser Otto III. nach Rom, die Hirnschale 1238 nach Frankfurt am Main. Bartholomäus wird mit abgezogener Haut und bezwungenem Teufel dargestellt. Das Fest des Bartholomäus ist mit den Ereignissen des 24. August 1672 verknüpft, als die katholische Königinmutter Katharina von Medici in Paris 3000 Hugenotten ermorden ließ. In ganz Frankreich verloren in der „Bartholomäusnacht“ ca. 70.000 Menschen das Leben. Papst Johannes Paul II. hat dafür 1997 in Paris um Verzeihung gebeten.

Am Grab des Apostels Bartholomäus in Rom

Bartholomäus im Lateran

Bartholomäus und die Entmachtung der Götzen (All Souls College, Oxford)


Hauptaltar: Martyrium des hl. Apostels Bartholomäus, Coimbra

Liebe Brüder und Schwestern!

In der Reihe der Apostel, die Jesus während seines irdischen Lebens berufen hat, ist es heute der Apostel Bartholomäus, der unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. In den antiken Verzeichnissen der Zwölf wird er immer vor Matthäus erwähnt, während der Name des Apostels, der ihm vorangeht, variiert: einmal ist es Philippus (vgl. Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,14), dann Thomas (vgl. Apg 1,13). Sein Name ist eindeutig ein Patronym, da er mit ausdrücklichem Bezug auf den Namen des Vaters formuliert wird. Es handelt sich in der Tat um einen Namen wahrscheinlich aramäischer Prägung: „bar Talmay“, was „Sohn des Talmay“ bedeutet.

Von Bartholomäus haben wir keine wichtigen Angaben; sein Name kommt immer nur innerhalb der vorher zitierten Verzeichnisse der Zwölf vor und steht also nie im Mittelpunkt einer Erzählung. Die Tradition aber identifiziert ihn mit Nathanael, ein Name, der „Gott hat gegeben“ bedeutet. Dieser Nathanael stammte aus Kanaan (vgl. 21,2). So ist es möglich, dass er Zeuge des großen Zeichens wurde, das Jesus an jenem Ort vollbrachte (vgl. Joh 2,1-11). Die Gleichsetzung der beiden Personen kommt wahrscheinlich daher, dass dieser Nathanael in dieser Szene, die im Johannesevangelium erzählt wird, neben Philippus steht, das heißt an dem Platz, den Bartholomäus in den von den anderen wiedergegebenen Apostellisten einnimmt. Diesem Nathanael hatte Philippus mitgeteilt, dass sie „den gefunden haben, über den Moses im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn des Josefs“ (Joh 1,45). Wie wir wissen, brachte Nathanael ihm gegenüber ein ziemlich schweres Vorurteil vor: „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ (Jo 1,46a). Diese Art der Ablehnung ist auf ihre Weise wichtig für uns. Sie lässt uns in der Tat sehen, dass den jüdischen Erwartungen nach der Messias nicht aus einem derart unbekannten Dorf stammen konnte, wie es eben Nazaret war (vgl. Joh 7,42). Gleichzeitig aber macht sie die Freiheit Gottes deutlich, die unsere Erwartungen überrascht und gerade dort vorstellig wird, wo wir es uns nicht erwarten würden. Andererseits wissen wir, dass Jesus in Wirklichkeit nicht ausschließlich „aus Nazaret“ war, sondern in Bethlehem geboren wurde (vgl. Mt 2,1; Lk 2,4). Der Einwand Nathanaels war also wertlos, da er – wie es so oft geschieht – auf unvollständigen Informationen gründete.

Der Fall des Nathanael suggeriert eine weitere Überlegung: In unserer Beziehung mit Jesus dürfen wir uns nicht nur mit Worten zufrieden geben. In seiner Erwiderung richtet Philippus an Nathanael eine bedeutsame Einladung: „Komm und sieh!“ (Joh 1,46b). Unsere Kenntnis von Jesus bedarf vor allem der lebendigen Erfahrung. Das Zeugnis des anderen ist sicherlich wichtig, da in der Regel unser ganzes christliches Leben mit der Verkündigung beginnt, die durch einen oder mehrere Zeugen zu uns gelangt; aber dann müssen wir es selbst sein, die persönlich in eine innige und tiefe Beziehung zu Jesus hineingezogen werden! Auf ähnliche Weise wollten die Samariter, nachdem sie das Zeugnis ihrer Mitbürgerin gehört hatten, der Jesus beim Jakobsbrunnen begegnet war, direkt mit ihm sprechen, und nach diesem Gespräch sagten sie zur Frau: „Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: er ist wirklich der Retter der Welt“ (Joh 4,42).

Kehren wir zur Szene der Berufung zurück. Der Evangelist berichtet uns, dass Jesus, als er Nathanael näher kommen sieht, ausruft: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47). Es handelt sich um eine Anerkennung, die sich auf den Text eines Psalms beruft: „Wohl dem Menschen…, dessen Herz keine Falschheit kennt“ (Ps 32,2), die aber die Neugier Nathanaels hervorruft. Er erwidert erstaunt: „Woher kennst du mich?“ (Joh 1,48a). Die Antwort Jesu ist nicht direkt verständlich. Er sagt: „Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen“ (1,48b). Noch heute ist es schwierig, sich genau über den Sinn dieser letzten Worte klar zu werden. Der Feigenbaum wird manchmal als der Baum erwähnt, unter dem die Gesetzeslehrer saßen, um die Bibel zu lesen und zu lehren. Nach dem, was die Spezialisten sagen, ist es möglich, dass hier auf eine derartige Beschäftigung angespielt wird, der Nathanael im Moment seiner Berufung nachging.

Wie dem auch sei: Was bei der Erzählung des Johannes vor allem zählt, ist das Glaubensbekenntnis, das Nathanael schließlich in aller Klarheit ablegt: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel“ (Joh 1,49). Das Bekenntnis des Nathanael erreicht nicht die Intensität des Bekenntnisses des Thomas, mit der das Johannesevangelium schließt: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). Dennoch bekommt es aber die Funktion, das ganze vierte Evangelium zu eröffnen. Mit ihm ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg der Treue zu Jesus gegeben. Die Worte des Nathanael setzen einen doppelten und komplementären Aspekt der Identität Jesu ins Licht: Er wird sowohl in seiner besonderen Beziehung mit Gott Vater erkannt, dessen eingeborener Sohn er ist, als auch in seiner Beziehung mit dem Volk Israel, zu dessen König er erklärt wird, was der dem erwarteten Messias eigene Titel ist. Wir dürfen niemals weder die eine noch die andere dieser beiden Komponenten aus dem Auge verlieren, denn: Wenn wir nur die himmlische Dimension Jesu verkündigen, laufen wir Gefahr, aus ihm ein ätherisches und verschwommenes Wesen zu machen. Und wenn wir dagegen nur seinen konkreten Ort in der Geschichte wahrnehmen, vernachlässigen wir schließlich die göttliche Dimension, die ihn in seinem Wesen auszeichnet.

Über die nachfolgenden apostolischen Tätigkeiten des Bartholomäus besitzen wir keine genaueren Kenntnisse. Laut einer Information, die der Historiker Eusebius im vierten Jahrhundert überlieferte, hätte ein gewisser Pantenus sogar in Indien Zeichen einer Anwesenheit des Bartholomäus gefunden (vgl. Hist. eccl. V, 10,3). In der späteren Tradition, ab dem Mittelalter, setzte sich die Erzählung von seinem Tod durch Enthäutung durch, die dann sehr populär wurde. Man denke an die berühmte Szene des Letzten Gerichts in der Sixtinischen Kapelle, in der Michelangelo einen heiligen Bartholomäus malte, der in der linken Hand die eigene Haut hält, auf der der Künstler sein Selbstbildnis hinterließ.

Seine Reliquien werden hier in Rom in der ihm geweihten Kirche auf der Tiberinsel verehrt, wohin sie vom deutschen Kaiser Otto III. im Jahr 983 gebracht worden sein sollen. Zum Schluss können wir sagen, dass die Gestalt des heiligen Bartholomäus trotz der dürftigen Informationen, die ihn betreffen, dennoch vor uns steht, um uns zu sagen, dass die Treue zu Jesus auch ohne die Verwirklichung Aufsehen erregender Werke gelebt und bezeugt werden kann. Außerordentlich ist und bleibt Jesus selbst. Jeder von uns ist dazu berufen, ihm sein Leben und seinen Tod zu weihen. 

(Generalaudienz vom 4.10.2006, Papst Benedikt XVI.)



Kirche des hl. Bartholomäus in Coimbra

Freitag, 24. August 2018

Bartholomäus und die Entmachtung der Götzen

hl. Bartholomäus, All Souls College

Im Goldenen Legendenbuch (13. Jh.) wird vom Apostel Bartholomäus erzählt. Nach Tod und Auferstehung Jesu blieb er noch bis Pfingsten in Jerusalem. Dann aber erfüllte er den Abschiedswunsch Jesu. „Geht hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie“.
Bartholomäus ging bis ins ferne Indien. Dort traf er auf Menschen, die in der Hoffnung auf Gesundung in einem Tempel das Bild des Gottes Astraroth verehrten. Als Bartholomäus den Tempel betrat, spürten die Kranken, dass das Götterbild keine Kraft mehr entfaltete und gingen weiter in den Tempel des Gottes Berith. „Wer ist dieser Bartholomäus?“, fragten die Menschen, denn es war bekannt geworden, dass er sämtliche Götterbilder Indiens entmachten und zerstören wolle. Deshalb suchten sie den Apostel und fanden ihn bei einem vom Bösen verzauberten Menschen – gerade als er diesen vom Zauber befreite. Als das der König Polimius hörte, ließ er den Apostel kommen. Er bat ihn, seine schöne Tochter, die wegen einer gefährlichen Krankheit ans Bett gebunden worden war, von ihrem Leiden zu befreien. Bartholomäus ließ die Fesseln abnehmen und alsbald war die junge Frau gesundet. Der König wollte Bartholomäus mit Gold, Silber und Edelsteinen belohnen. Der aber nahm kein Geschenk an weil er dem Wort Jesu „Umsonst habt ihr von Gottes Kraft empfangen, umsonst sollt ihr sie weitergeben„ folgte. Bartholomäus erzählte dem König und seinem Gefolge von Jesus Christus. Da sie aber der christlichen Botschaft nicht folgten und dem Götzenglauben treu blieben, taufte der Apostel sie nicht. Stattdessen gebot Bartholomäus, dass der Götze Berith aus seiner Statue herausfahre und das Bild zerstört werden möge. Kaum hatte er dies ausgesprochen, geschah das Gewünschte – und zwar in ganz umfassenden Sinne: In ganz Indien fuhren die Götzen aus sämtlichen Statuen und alle Bilder wurden zunichte. Die Priester der Götzen aber beschwerten sich bei Astrages, dem Bruder des Königs.
Er ließ Bartholomäus in der Stadt Albana in Armenien gefangen nehmen und verprügeln. Danach wurde er auf einen Tisch gespannt und ihm bei lebendigem Leibe seine Haut abgezogen. Als er auch diese Folter überlebte, seine Haut über den Arm nahm und davonging, ließ ihn Astrages enthaupten.

Als der König davon Kunde bekam, bekehrte er sich, ließ sich taufen, wurde zum Bischof geweiht und übte das Amt zwanzig Jahre bis zum Tod aus. Den Leichnam des heiligen Bartholomäus aber brachte man nach Sizilien, von dort gelangte er nach Beneventum in Apulien und später nach Rom. Seine Schädelplatte aber kam als Geschenk des Kaisers Barbarossa in den Frankfurter Dom, wo diese Reliquie noch heute verehrt wird.

(Quelle)

All Souls College, Oxford

Donnerstag, 24. August 2017

Der Apostel Bartholomäus

Lateranbasilika



Bartholomäus wird in den Apostellisten der drei ersten Evangelien genannt. Sein voller Name ist wahrscheinlich Natanaël Bar-Tolmai, vorausgesetzt, dass er mit dem Natanaël gleichzusetzen ist, dessen Berufung in Joh 1,45-50 erzählt wird. Diese Gleichsetzung ist nicht völlig sicher, aber sehr wahrscheinlich. Dass Natanaël ein Schriftgelehrter oder Schriftgelehrtenschüler war, lässt sich nur vermuten. Bartholomäus soll später in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien gepredigt haben, wo er auch das Martyrium erlitt. Seine Reliquien wurden nach der Insel Lipara und nach Benevent überführt; Kaiser Otto III. ließ sie nach Rom übertragen und auf der Tiberinsel beisetzen.
(Schott)


Darstellung mit Messer und der Haut seines Gesichtes, da er vor seinem Tod
gehäutet worden sein soll



In jener Zeit 45traf Philippus Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs.
46Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh!
47Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit.
48Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
49Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
50Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen.
51Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn. (Joh 1,45-51)




Apostel Bartholomäus, Lateranbasilika, Rom