Der
Bartholomäusfries im Kaiserdom St. Bartholomäus
in Frankfurt am Main ist ein bedeutender spätgotischer Malereizyklus im
Hochchor. Er wurde in den Jahren 1407 bis 1427 über dem Chorgestühl in
Seccomalerei (auf trockener Wand) geschaffen und zeigt in 28 Szenen die Legende
und das Martyrium des Frankfurter Stadt- und Patronatsheiligen.
Die 28 Bildszenen folgen exakt der Legenda
Aurea (einer berühmten Sammlung von Heiligenlegenden des Jakobus de
Voragine), die sich damals in der Bibliothek des Frankfurter Stifts befand. Dargestellt ist das Leben und das grausame
Martyrium des Apostels Bartholomäus, der der Überlieferung nach in Armenien bei
lebendigem Leibe gehäutet und enthauptet wurde. Der Fries betont die enge Verbindung des Stifts zu
seinem Schutzpatron, von dem der Dom auch eine bedeutende Reliquie (einen Teil
der Hirnschale) besitzt.
Freskenzyklus des hl. Bartholomäus im Bartholomäusdom von Frankfurt
1. Bild: Berufung des Apostel durch Christus und rechts Aussendung des Apostels Bartholomäus
Der monumentale Bartholomäuszyklus Kaiserdom St. Bartholomäus beginnt auf der Südseite des Hochchors und führt chronologisch im Uhrzeigersinn an der Stirnseite vorbei bis zur Nordseite.
Historisch dokumentiert ist der Bildzyklus im Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei, das die Szenen nach der Vorlage der Legenda Aurea gliedert. Da der Fries im Laufe der Jahrhunderte stark beschädigt, übertüncht und im 19. und 20. Jahrhundert restauriert wurde, lassen sich die verbliebenen, rekonstruierten Segmente den folgenden wichtigsten Einzelszenen und Stationen zuordnen:
Beginn und Mission (Chor-Südseite)
Bild 1: Die Berufung der Apostel durch Jesus Christus (Auftakt des Zyklus).
Bild 2 bis 8: Die Aussendung zur Mission und die Ankunft des Apostels in Indien.
Bild 3: Die Priester überreichen dem Götterbild des
Astarot Opfergaben Bild 4: Vergebliches Anrufen des Götterbildes des
Astarot Bild 5: Die Priester vor dem Orakel des Bereth
Bartholomäus mit dem Augustiner Kanoniker Rahere, Gründer des Augustinerpriorates St. Bartholomew, 1123, London
Apostel, Märtyrer * 1. Jh. in Kana, Galiläa + 1. Jh. in Syrien (?) Patron von Frankfurt am Main, Maastricht, Pilsen und Altenburg; des Bistums Lüttich; der Bergleute, Metzger, Buchbinder, Schneider, Bauern, Winzer, Bäcker, Hirten, Sattler, Gerber, Schuhmacher, Stukkateure und in Florenz der Öl-, Käse- und Salzhändler; gegen Nervenkrankheiten, Zuckungen und Hauterkrankungen
Die Passio des Apostels Bartholomäus enthält viele Unsicherheiten, die Berichte über Leben, Wirken und Martyrium des Heiligen sind mit zahlreichen Legenden durchsetzt. Der wahre Name des Apostels war mit ziemlicher Sicherheit Nathanael. Als Bartholomäus erschien er nur in den Apostellisten. Bartholomäus leitete sich wahrscheinlich ab von dem hebräischen Wort „bar tolmai“, Sohn des Furchenziehers, was auf den Beruf seines Vaters schließen lässt. Geboren wurde Bartholomäus zu beginn des 1. Jh., seine Heimat war Kana in Galiläa. Die Überlieferung berichtete, daß Bartholomäus durch den Apostel Philippus zu Jesus kam. Christus soll, als er seinen neuen Jünger empfing und in den Kreis der Zwölf Apostel aufnahm, gesagt haben: „Seht, ein wahrer Israelit, an dem kein Falsch ist.“ Nach der Auferstehung Christi zog Bartholomäus als Wanderprediger durch Armenien, Indien und Mesopotamien und verkündete das Evangelium. Berühmt wurde er durch seine Fähigkeit, Kranke und vor allem Besessene heilen können. So soll er angeblich auch die Tochter des armenischen Königs Polimius von der Besessenheit geheilt haben, worauf sich die ganze Königsfamilie zum Christentum bekehrte. Wütende Götzenpriester hetzten daraufhin den heidnischen Bruder des Königs gegen Bartholomäus auf. Durch seine Soldaten ließ dieser den Apostel schließlich gefangen nehmen und grausam foltern. Danach wurde Bartholomäus zur sogenannten Persischen Todesstrafe verurteilt: Bei lebendigen Leib zog man ihm die Haut vom Körper ab, danach kreuzigte man ihn. Manche Überlieferungen sprechen auch von einer Enthauptung.
Das Todesjahr des Bartholomäus lag um die Mitte des 1. Jh., der Ort des Martyriums möglicherweise Syrien. Seit Ende des 10. Jh. ruhen die Gebeine des Märtyrer-Apostels in der Kirche S. Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom. Das Gotteshaus, an der Stelle eines antiken Äskulaptempels errichtet, wurde von Kaiser Otto III. in Auftrag gegeben. Die Hirnschale des Märtyrers Bartholomäus befindet sich seit 1238 in der früheren Pfarrkirche St. Bartholomäus, dem heutigen Dom in Frankfurt am Main.Verehrung/Brauchtum:Einer der bekanntesten Bräuche zum Batholomäustag ist die Almer-Wallfahrt, bei der am Sonntag vor oder nach dem Gedenktag für den Apostel die Bewohner des österreichischen Ortes Alm nach St. Bartholomä am Königssee im Berchtesgadener Land pilgern. Die ersten Wallfahrten fanden bereits im 17. Jh. statt und gehen auf ein altes Gelübde zurück; angeblich soll eine Pestepedemie erloschen sein, woraufhin die Almer gelobten, alljährlich an Bartholomä diese Wallfahrt durchzuführen. Andere Überlieferungen sagen, die Almer pilgern nach St. Bartholomä, um Bartholomäus um Schutz für das Vieh vor wilden Tieren zu bitten. In Frankreich gibt es bis heute den Brauch der Bartholomäus-Kerzen. Für die Franzosen verbinden sich mit dem Namen Bartholomäus aber auch schlechte Erinnerungen: In der „Bartholomäusnacht“ im Jahre 1572 („Pariser Bluthochzeit“) wurden auf Geheiß von Katharina von Medici 2000 Protestantische Hugenotten ermordet. Das Bartholomäus-Fest ist seit 1568 im römischen Kalender am 24. August aufgeführt.
Darstellung:Bartholomäus gehört zu den in der Kunst häufig dargestellten Heiligen. Abgebildet ist er meist mit schwarzem, krausen Haar, manchmal trägt er auch einen kurzen Bart. Auf einigen Darstellungen ist Bartholomäus allerdings auch blond oder er hat einen blonden, langen Bart. Bekleidet ist der Apostel oft mit einem weißen Mantel, er trägt Sandalen oder ist barfüßig. Als Attribute hat Bartholomäus bei sich: Buch, Schriftenrolle, Fahne, Schindmesser, Pilger- oder Kreuzstab; bei ihm ist häufig ein bezwungener Teufel zu sehen; auch hat er seine eigene abgezogene Haut über den Arm oder seinen abgeschlagenen Kopf in der Hand (Martyrium).
Mit abgezogener Haut ist Bartholomäus am Dreikönigsschrein im Kölner Dom und auf einem Fresko von Michelangelo (um 1540) in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan zu sehen. Tiépolo malte 1722 die Szene, wie Schergen Bartholomäus die Haut abziehen (Venedig, S. Stae). Die Vorbereitungen zum Martyrium hielt Ribera in einem Gemälde von 1630 fest, das heute im Prado zu Madrid zu sehen ist. Im Frankfurter Dom zeigen Wandmalereien von Stephan Lochner über dem Chorgestühl die Legende des Heiligen. Ein Glasfenster im Dom zu Naumburg (um1250) zeigt Bartholomäus, über dem bezwungenen König Astyages stehend.
Lebensdaten: geboren in Galiläa, gestorben um 70 in Albayrak, Türkei
Lebensgeschichte und Legende:
Bartholomäus taucht im Neuen Testament in den Apostellisten auf (siehe
Mk 3,14–19) und wird traditionell mit Nathanaël identifiziert, den Jesus
einen echten Israeliten nennt, einen „Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47).
Das etwas geheimnisvolle Wort Jesu, er habe Nathanaël „unter dem
Feigenbaum gesehen“, wurde dahingehend gedeutet, dass er ein
Schriftgelehrter gewesen sei. Jedenfalls erkennt er Jesus sofort:
„Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!“ Ein
anderer Überlieferungsstrang setzt ihn mit dem Bräutigam der Hochzeit in
Kana gleich.
Bartholomäus war Zeuge der Himmelfahrt Christi
(siehe Apg 1,13) und soll als Wanderprediger bis nach Indien gelangt
sein, wo er eine hebräische Abschrift des Matthäusevangeliums
hinterließ. Das Martyrium erlitt er aber in Armenien: Als er die
Königstochter von Besessenheit heilte und sich fast die ganze Familie
darauf zum Christentum bekehrte, ließ sich der Bruder des Königs von
Götzenpriestern aufhetzen, Bartholomäus zu beseitigen. Ihm wurde bei
lebendigem Leib die Haut abgezogen, dann wurde er kopfüber gekreuzigt.
Über
der Stätte seines Martyriums erhebt sich ein heute verfallendes,
armenisches Bartholomäuskloster. Um die an seinem Grab einsetzenden
Wunder zu verhindern, wurden seine Gebeine in einem Bleikasten im Meer
versenkt, trieben jedoch trotzdem bis zu den Liparischen Inseln bei
Sizilien, wo ihnen eine Kirche errichtet wurde.
Verehrung/Brauchtum:
Bartholomäus’ Gebeine kamen im 9. und 10. Jahrhundert über Benevent
nach Rom und ruhen heute in der Kirche S. Bartolomeo all’isola. Im 13.
Jahrhundert empfing der Frankfurter Dom seine Hirnschale und trägt
seitdem seinen Namen. Auch im Kloster Andechs werden Reliquien verehrt.
Die größte Verehrung genießt er freilich als Glaubensbote der Armenier.
Zahlreiche Märkte und Feste an seinem Festtag wie der Barthelmarkt in
Oberstimm bei Ingolstadt haben mit der Vorbereitung des Winters und der
Weihnachtszeit zu tun.
Darstellung: meist bei
seinem Martyrium oder mit abgezogener Haut, mit Schindmesser, sonst mit
Buch, Schriftrolle, Fahne, Pilger- oder Kreuzstab
Patron:
von Frankfurt, Maastricht, Altenburg und Pilsen, des Bistums Lüttich
und der Liparischen Inseln, der Metzger, Buchbinder, Schneider und
Gerber sowie vieler weiterer Berufe, Helfer gegen Nervenleiden,
Zuckungen und Hauterkrankungen
Lebensdaten: geboren in Galiläa, gestorben um 70 in Albayrak, Türkei
Lebensgeschichte und Legende:
Bartholomäus taucht im Neuen Testament in den Apostellisten auf (siehe
Mk 3,14–19) und wird traditionell mit Nathanaël identifiziert, den Jesus
einen echten Israeliten nennt, einen „Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47).
Das etwas geheimnisvolle Wort Jesu, er habe Nathanaël „unter dem
Feigenbaum gesehen“, wurde dahingehend gedeutet, dass er ein
Schriftgelehrter gewesen sei. Jedenfalls erkennt er Jesus sofort:
„Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!“ Ein
anderer Überlieferungsstrang setzt ihn mit dem Bräutigam der Hochzeit in
Kana gleich.
Bartholomäus war Zeuge der Himmelfahrt Christi
(siehe Apg 1,13) und soll als Wanderprediger bis nach Indien gelangt
sein, wo er eine hebräische Abschrift des Matthäusevangeliums
hinterließ. Das Martyrium erlitt er aber in Armenien: Als er die
Königstochter von Besessenheit heilte und sich fast die ganze Familie
darauf zum Christentum bekehrte, ließ sich der Bruder des Königs von
Götzenpriestern aufhetzen, Bartholomäus zu beseitigen. Ihm wurde bei
lebendigem Leib die Haut abgezogen, dann wurde er kopfüber gekreuzigt.
Über
der Stätte seines Martyriums erhebt sich ein heute verfallendes,
armenisches Bartholomäuskloster. Um die an seinem Grab einsetzenden
Wunder zu verhindern, wurden seine Gebeine in einem Bleikasten im Meer
versenkt, trieben jedoch trotzdem bis zu den Liparischen Inseln bei
Sizilien, wo ihnen eine Kirche errichtet wurde.
Verehrung/Brauchtum:
Bartholomäus’ Gebeine kamen im 9. und 10. Jahrhundert über Benevent
nach Rom und ruhen heute in der Kirche S. Bartolomeo all’isola. Im 13.
Jahrhundert empfing der Frankfurter Dom seine Hirnschale und trägt
seitdem seinen Namen. Auch im Kloster Andechs werden Reliquien verehrt.
Die größte Verehrung genießt er freilich als Glaubensbote der Armenier.
Zahlreiche Märkte und Feste an seinem Festtag wie der Barthelmarkt in
Oberstimm bei Ingolstadt haben mit der Vorbereitung des Winters und der
Weihnachtszeit zu tun.
Darstellung: meist bei
seinem Martyrium oder mit abgezogener Haut, mit Schindmesser, sonst mit
Buch, Schriftrolle, Fahne, Pilger- oder Kreuzstab
Patron:
von Frankfurt, Maastricht, Altenburg und Pilsen, des Bistums Lüttich
und der Liparischen Inseln, der Metzger, Buchbinder, Schneider und
Gerber sowie vieler weiterer Berufe, Helfer gegen Nervenleiden,
Zuckungen und Hauterkrankungen
Pfarrkirche Mauterndorf zum hl. Bartholomäus, Salzburg
Hochgelobt und gepriesen sei Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament des Altares
Der Dom St. Bartholomäus – auch Kaiserdom zu Frankfurt am Main – ist ein
herausragender Ort west- und mitteleuropäischer Geschichte. Aus dem
Gotteshaus der karolingschen Kaiserpfalz hervorgegangen, gründet er auf
Resten einer kleinen merowingischen Kapelle, die vor 680 entstanden sein
muss. Wie Funde von Grabungen aus den Jahren 1992–1994 bestätigen,
wurde in dieser Kapelle ein reiches – adeliges – Mädchen beigesetzt. Das
Grab ist am West-Eingang des Domes durch eine Sandsteinplatte markiert.
Im Mittelalter war der Dom, der nie Bischofskirche war, Sitz des
kaiserlichen Domstiftes St. Bartholomäus, seit 1356 Wahlort der
Deutschen Könige und ab 1562 Krönungsort der römischen Kaiser. Nach 1200
erhielt die Stiftskirche eine Schädelreliquie des heiligen Apostels
Bartholomäus, die heute noch an Sonn- und Feiertagen und am Fest des
Heiligen (24. August) der Verehrung durch die Gläubigen zugänglich
gemacht wird. (Quelle: Dom Frankfurt)
Seit 2019 wird die Schädelreliquie des Apostels in der renovierten Wahlkapelle des Kaiserdoms in Frankfurt aufbewahrt. Die Schädeldecke in einem Schrein unterhalb eines Triptychons des Leidens und der Auferstehung unseres Herrn ist durch die verschlossenen Gittertüren sichtbar.
Bartholomäus, Apostel. Die Tradition identifiziert den Apostel Bartholomäus mit Nathanael, einem gebürtigen Galiläer aus Kana. Jesus erkennt in ihm einen Mann, „in dem kein Trug ist“, da er ihn schon „unter dem Feigenbaum gesehen“ hat (Joh 1,45-48). Nathanael ist bei der Erscheinung des Auferstandenen am See Genezareth dabei (Joh 21, 2), Matthäus schildert die Berufung des Bartholomäus (Mt 10,3).
Bartholomäus soll in Mesopotamien, Armenien und Indien die Frohbotschaft verkündet haben. Er soll den Tod durch das Abziehen seiner Haut gefunden haben. Daraus schließt die Forschung, dass er in dem von den Persern beherrschten Teil Syriens das Martyrium erlitten hat. Seine Reliquien kamen 983 durch Kaiser Otto III. nach Rom, die Hirnschale 1238 nach Frankfurt am Main. Bartholomäus wird mit abgezogener Haut und bezwungenem Teufel dargestellt. Das Fest des Bartholomäus ist mit den Ereignissen des 24. August 1672 verknüpft, als die katholische Königinmutter Katharina von Medici in Paris 3000 Hugenotten ermorden ließ. In ganz Frankreich verloren in der „Bartholomäusnacht“ ca. 70.000 Menschen das Leben. Papst Johannes Paul II. hat dafür 1997 in Paris um Verzeihung gebeten.
Hauptaltar: Martyrium des hl. Apostels Bartholomäus, Coimbra
Liebe Brüder und Schwestern!
In der Reihe der Apostel, die Jesus während seines irdischen Lebens berufen
hat, ist es heute der Apostel Bartholomäus, der unsere Aufmerksamkeit auf sich
zieht. In den antiken Verzeichnissen der Zwölf wird er immer vor Matthäus
erwähnt, während der Name des Apostels, der ihm vorangeht, variiert: einmal ist
es Philippus (vgl. Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,14), dann Thomas (vgl. Apg 1,13).
Sein Name ist eindeutig ein Patronym, da er mit ausdrücklichem Bezug auf den
Namen des Vaters formuliert wird. Es handelt sich in der Tat um einen Namen
wahrscheinlich aramäischer Prägung: „bar Talmay“, was „Sohn des Talmay“
bedeutet.
Von Bartholomäus haben wir keine wichtigen Angaben; sein Name kommt immer nur
innerhalb der vorher zitierten Verzeichnisse der Zwölf vor und steht also nie
im Mittelpunkt einer Erzählung. Die Tradition aber identifiziert ihn mit
Nathanael, ein Name, der „Gott hat gegeben“ bedeutet. Dieser Nathanael stammte
aus Kanaan (vgl. 21,2). So ist es möglich, dass er Zeuge des großen Zeichens wurde,
das Jesus an jenem Ort vollbrachte (vgl. Joh 2,1-11). Die Gleichsetzung der
beiden Personen kommt wahrscheinlich daher, dass dieser Nathanael in dieser
Szene, die im Johannesevangelium erzählt wird, neben Philippus steht, das heißt
an dem Platz, den Bartholomäus in den von den anderen wiedergegebenen
Apostellisten einnimmt. Diesem Nathanael hatte Philippus mitgeteilt, dass sie
„den gefunden haben, über den Moses im Gesetz und auch die Propheten
geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn des Josefs“ (Joh 1,45). Wie wir
wissen, brachte Nathanael ihm gegenüber ein ziemlich schweres Vorurteil vor:
„Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ (Jo 1,46a). Diese Art der
Ablehnung ist auf ihre Weise wichtig für uns. Sie lässt uns in der Tat sehen,
dass den jüdischen Erwartungen nach der Messias nicht aus einem derart
unbekannten Dorf stammen konnte, wie es eben Nazaret war (vgl. Joh 7,42).
Gleichzeitig aber macht sie die Freiheit Gottes deutlich, die unsere
Erwartungen überrascht und gerade dort vorstellig wird, wo wir es uns nicht
erwarten würden. Andererseits wissen wir, dass Jesus in Wirklichkeit nicht
ausschließlich „aus Nazaret“ war, sondern in Bethlehem geboren wurde (vgl. Mt
2,1; Lk 2,4). Der Einwand Nathanaels war also wertlos, da er – wie es so oft
geschieht – auf unvollständigen Informationen gründete.
Der Fall des Nathanael suggeriert eine weitere Überlegung: In unserer Beziehung
mit Jesus dürfen wir uns nicht nur mit Worten zufrieden geben. In seiner
Erwiderung richtet Philippus an Nathanael eine bedeutsame Einladung: „Komm und
sieh!“ (Joh 1,46b). Unsere Kenntnis von Jesus bedarf vor allem der lebendigen
Erfahrung. Das Zeugnis des anderen ist sicherlich wichtig, da in der Regel
unser ganzes christliches Leben mit der Verkündigung beginnt, die durch einen
oder mehrere Zeugen zu uns gelangt; aber dann müssen wir es selbst sein, die
persönlich in eine innige und tiefe Beziehung zu Jesus hineingezogen werden!
Auf ähnliche Weise wollten die Samariter, nachdem sie das Zeugnis ihrer
Mitbürgerin gehört hatten, der Jesus beim Jakobsbrunnen begegnet war, direkt
mit ihm sprechen, und nach diesem Gespräch sagten sie zur Frau: „Nicht mehr
aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben
und nun wissen: er ist wirklich der Retter der Welt“ (Joh 4,42).
Kehren wir zur Szene der Berufung zurück. Der Evangelist berichtet uns, dass
Jesus, als er Nathanael näher kommen sieht, ausruft: „Da kommt ein echter
Israelit, ein Mann ohne Falschheit“ (Joh 1,47). Es handelt sich um eine
Anerkennung, die sich auf den Text eines Psalms beruft: „Wohl dem Menschen…,
dessen Herz keine Falschheit kennt“ (Ps 32,2), die aber die Neugier Nathanaels
hervorruft. Er erwidert erstaunt: „Woher kennst du mich?“ (Joh 1,48a). Die
Antwort Jesu ist nicht direkt verständlich. Er sagt: „Schon bevor dich
Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen“ (1,48b). Noch heute
ist es schwierig, sich genau über den Sinn dieser letzten Worte klar zu werden.
Der Feigenbaum wird manchmal als der Baum erwähnt, unter dem die Gesetzeslehrer
saßen, um die Bibel zu lesen und zu lehren. Nach dem, was die Spezialisten
sagen, ist es möglich, dass hier auf eine derartige Beschäftigung angespielt
wird, der Nathanael im Moment seiner Berufung nachging.
Wie dem auch sei: Was bei der Erzählung des Johannes vor allem zählt, ist das
Glaubensbekenntnis, das Nathanael schließlich in aller Klarheit ablegt: „Rabbi,
du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel“ (Joh 1,49). Das
Bekenntnis des Nathanael erreicht nicht die Intensität des Bekenntnisses des
Thomas, mit der das Johannesevangelium schließt: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh
20,28). Dennoch bekommt es aber die Funktion, das ganze vierte Evangelium zu
eröffnen. Mit ihm ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg der Treue zu
Jesus gegeben. Die Worte des Nathanael setzen einen doppelten und
komplementären Aspekt der Identität Jesu ins Licht: Er wird sowohl in seiner
besonderen Beziehung mit Gott Vater erkannt, dessen eingeborener Sohn er ist,
als auch in seiner Beziehung mit dem Volk Israel, zu dessen König er erklärt
wird, was der dem erwarteten Messias eigene Titel ist. Wir dürfen niemals weder
die eine noch die andere dieser beiden Komponenten aus dem Auge verlieren,
denn: Wenn wir nur die himmlische Dimension Jesu verkündigen, laufen wir
Gefahr, aus ihm ein ätherisches und verschwommenes Wesen zu machen. Und wenn
wir dagegen nur seinen konkreten Ort in der Geschichte wahrnehmen,
vernachlässigen wir schließlich die göttliche Dimension, die ihn in seinem
Wesen auszeichnet.
Über die nachfolgenden apostolischen Tätigkeiten des Bartholomäus besitzen wir
keine genaueren Kenntnisse. Laut einer Information, die der Historiker Eusebius
im vierten Jahrhundert überlieferte, hätte ein gewisser Pantenus sogar in
Indien Zeichen einer Anwesenheit des Bartholomäus gefunden (vgl. Hist. eccl. V,
10,3). In der späteren Tradition, ab dem Mittelalter, setzte sich die Erzählung
von seinem Tod durch Enthäutung durch, die dann sehr populär wurde. Man denke
an die berühmte Szene des Letzten Gerichts in der Sixtinischen Kapelle, in der
Michelangelo einen heiligen Bartholomäus malte, der in der linken Hand die
eigene Haut hält, auf der der Künstler sein Selbstbildnis hinterließ.
Seine Reliquien werden hier in Rom in der ihm geweihten Kirche auf der Tiberinsel
verehrt, wohin sie vom deutschen Kaiser Otto III. im Jahr 983 gebracht worden
sein sollen. Zum Schluss können wir sagen, dass die Gestalt des heiligen
Bartholomäus trotz der dürftigen Informationen, die ihn betreffen, dennoch vor
uns steht, um uns zu sagen, dass die Treue zu Jesus auch ohne die
Verwirklichung Aufsehen erregender Werke gelebt und bezeugt werden kann.
Außerordentlich ist und bleibt Jesus selbst. Jeder von uns ist dazu berufen,
ihm sein Leben und seinen Tod zu weihen. (Generalaudienz vom 4.10.2006, Papst Benedikt XVI.)
Im Goldenen Legendenbuch (13. Jh.) wird vom Apostel Bartholomäus
erzählt. Nach Tod und Auferstehung Jesu blieb er noch bis Pfingsten in
Jerusalem. Dann aber erfüllte er den Abschiedswunsch Jesu. „Geht hin in
alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie“.
Bartholomäus ging bis
ins ferne Indien. Dort traf er auf Menschen, die in der Hoffnung auf
Gesundung in einem Tempel das Bild des Gottes Astraroth verehrten. Als
Bartholomäus den Tempel betrat, spürten die Kranken, dass das Götterbild
keine Kraft mehr entfaltete und gingen weiter in den Tempel des Gottes
Berith. „Wer ist dieser Bartholomäus?“, fragten die Menschen, denn es
war bekannt geworden, dass er sämtliche Götterbilder Indiens entmachten
und zerstören wolle. Deshalb suchten sie den Apostel und fanden ihn bei
einem vom Bösen verzauberten Menschen – gerade als er diesen vom Zauber
befreite. Als das der König Polimius hörte, ließ er den Apostel kommen.
Er bat ihn, seine schöne Tochter, die wegen einer gefährlichen Krankheit
ans Bett gebunden worden war, von ihrem Leiden zu befreien.
Bartholomäus ließ die Fesseln abnehmen und alsbald war die junge Frau
gesundet. Der König wollte Bartholomäus mit Gold, Silber und Edelsteinen
belohnen. Der aber nahm kein Geschenk an weil er dem Wort Jesu „Umsonst
habt ihr von Gottes Kraft empfangen, umsonst sollt ihr sie weitergeben„
folgte. Bartholomäus erzählte dem König und seinem Gefolge von Jesus
Christus. Da sie aber der christlichen Botschaft nicht folgten und dem
Götzenglauben treu blieben, taufte der Apostel sie nicht. Stattdessen
gebot Bartholomäus, dass der Götze Berith aus seiner Statue herausfahre
und das Bild zerstört werden möge. Kaum hatte er dies ausgesprochen,
geschah das Gewünschte – und zwar in ganz umfassenden Sinne: In ganz
Indien fuhren die Götzen aus sämtlichen Statuen und alle Bilder wurden
zunichte. Die Priester der Götzen aber beschwerten sich bei Astrages,
dem Bruder des Königs.
Er ließ Bartholomäus in der Stadt Albana in
Armenien gefangen nehmen und verprügeln. Danach wurde er auf einen Tisch
gespannt und ihm bei lebendigem Leibe seine Haut abgezogen. Als er auch
diese Folter überlebte, seine Haut über den Arm nahm und davonging,
ließ ihn Astrages enthaupten.
Als der König davon Kunde bekam, bekehrte
er sich, ließ sich taufen, wurde zum Bischof geweiht und übte das Amt
zwanzig Jahre bis zum Tod aus. Den Leichnam des heiligen Bartholomäus
aber brachte man nach Sizilien, von dort gelangte er nach Beneventum in
Apulien und später nach Rom. Seine Schädelplatte aber kam als Geschenk
des Kaisers Barbarossa in den Frankfurter Dom, wo diese Reliquie noch
heute verehrt wird.