Posts mit dem Label Brescia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brescia werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 4. April 2021

Halleluja, Halleluja, Halleluja!

 

Der Morgen rötet sich und glüht,
der ganze Himmel tönt von Lob,
in Jubel jauchzt die Erde auf
und klagend stöhnt die Unterwelt.

Der starke, königliche Held
zerbrach des Todes schweren Bann.
Sein Fuß zertrat der Hölle Macht:
Aus harter Fron sind wir befreit.

ER, den der Stein verschlossen hielt
und den man noch im Grab bewacht,
ER steigt als Sieger aus dem Grab,
fährt auf in strahlendem Triumph.

Schon werden alle Klagen stumm,
in Freude wandelt sich der Schmerz,
denn auferstanden ist der HERR;
ein lichter Engel tut es kund.

Dem HERRN sei Preis und Herrlichkeit,
der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit.
Amen.

Samstag, 3. April 2021

XIV. Station - Jesus wird ins Grab gelegt

 

 

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

V: Gruß dir Jesus! Dank laß spenden
deiner Liebe ohne Enden,
bei der letzten Station.

V: Lasset uns beten:

A: Nicht in Felsen sollst du wohnen
in den Seelen sollst du thronen,
König, in der Kommunion.

V: Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A: erbarme dich unser.

 (Kreuzweg von Josef Balde, SJ, in: Kreuzeslob, 27ff)

Herr, mein Kreuzweg ist beendet.
Laß dein Blut, so reich verschwendet,
nicht verloren sein an mir!

Heiland, laß in deinen Wunden
meinen kranken Sinn gesunden
und dann ruhen, Herr, in dir!

Kreuz, du Buch vom ew´gen Lieben,
drin mein Name steht geschrieben,
eingesetzt von Gottes Hand.

Kreuz, du Stern auf dunklen Wegen,
scheinst ein Fluch und bist ein Segen -
leuchte mir zum Heimatland!

Herr und Heiland, keine Leiden
sollen je von mir mich scheiden -
nah´ beim Kreuz ist nah´ bei dir.

Heiland, hilf, in schweren Zeiten
stark im Kreuze weiterschreiten,
bis ich lande, Herr bei dir!

Donnerstag, 1. April 2021

XII. Station - Jesus stirbt am Kreuz

Kirche des heiligsten Leibes Christi, Brescia

 

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

V: Gruß dir Jesus! Nun am Ende,
legst du in des Vaters Hände
deinen Geist. Es ist vollbracht!

V: Lasset uns beten:

A: Laß, o Jesus, dich erbarmen,
leuchten laß´ dein Licht den armen
Seelen in der Leidensnacht.

V: Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A: erbarme dich unser.

 (Kreuzweg von Josef Balde, SJ, in: Kreuzeslob, 27ff)

XI. Station - Jesus wird ans Kreuz genagelt

 

Dom Maria Assunta - Brescia

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

V: Heil´ger Gott! Die Henkerarme
werfen dich in Kreuzes Arme,
nageln dich am Holze Fest.

V: Lasset uns beten:

A: Herr, wenn alle Sterne sinken,
gib mir Kraft, den Kelch zu trinken
bis zum letzten, bitt´ren Rest.

V: Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A: erbarme dich unser.

 (Kreuzweg von Josef Balde, SJ, in: Kreuzeslob, 27ff)

Samstag, 15. Februar 2020

Faustinus und Jovita, die Stadtpatrone Brescias

Kreuzkapelle mit den Reliquien von Faustinus und Giovita (rechts)
unter dem Kreuz Reliquien von Honorius, Brescia

Faustinus (= glücklich) und Jovita (= göttlich, himmlisch), zwei leibliche Brüder, ein Herz und eine Seele, stammten aus einer angesehenen Familie zu Brescia in Italien. Sie unterrichteten Unwissende im Glauben, besuchten Gefangene und unterstützten Arme.
Der Bischof Apollonius berief sie zu sich an seinen geheimen Aufenthaltsort und weihte Faustinus zum Priester und Jovita zum Diakon. Nun predigten sie eifrigst und bekehrten viele Heiden. Deshalb wurden sie vom Statthalter eingekerkert. Als Kaiser Hadrian nach Brescia kam, ließ er sich die Brüder vorführen, welche mutig den Glauben bekannten. Da wurde das Götzenbild der Sonne verfinstert; der Kaiser befahl, es zu reinigen – es fiel aber in Stücke. Jetzt wurden Löwen und dann Leoparden gegen die »Zauberer« losgelassen, taten ihnen aber nichts zuleide. Dieses Wunder erfüllte alle mit Schrecken. Viele bekehrten sich. Der Kaiser selbst eilte davon, ließ aber den Befehl zurück, die Brüder ins Feuer zu werfen – sie blieben jedoch unversehrt. Sodann im Gefängnisse ohne Nahrung belassen, lobpriesen sie Gott. Nach einigen Tagen wurden die Martyrer auf kaiserlichen Befehl in Eisen geschmiedet und mit schweren Ketten beladen und so herumgeführt. In Mailand wurden die Heiligen gefoltert und zerfleischt; es ward ihnen geschmolzenes Blei in den Mund gegossen, und mit glühenden Eisen ihnen Pein verursacht. Sie blieben immer standhaft. Unter schweren Misshandlungen nach Rom und Neapel geschleppt und neuerdings gemartert, wurden endlich die heiligen Brüder enthauptet am 15. Februar 120.
(traunsteinertagblatt)

Schrein mit Reliquien v. Faustinus und Giovita, 1925

Gott, Du erfreuest uns alljährlich
durch das Fest Deiner hl. Martyrer Faustinus und Jovita;
so gewähre denn gnädig, daß wir durch das Beispiel
jener entflammt werden, über deren Verdienste wir uns freuen.
Durch unsern Herrn.

Brescia

Kirche der heiligen Faustinus und Jovita, Brescia (deutsch übersetzt)

Montag, 27. Januar 2020

Der Tod der hl. Angela Merici

Grab der hl. Angela Merici im rechten Kirchenschiff in der Kirche Sant`Angela Merici, Brescia
Das Fresko beim Eingang zur Kapelle: Il Cristo Morto, 1588, Pietro Maria Bagnadore

Als 1539 ihre körperlichen Kräfte spürbar nachlassen, verfasst Angela zwei weitere Texte, die den Frauen helfen sollen, wenn sie nicht mehr unter ihnen ist: die Ricordi, Gedenkworte oder Ermahnungen, für die jungen Leiterinnen, und die Legati, also Vermächtnisse, an die älteren Frauen gerichtet. Sie enthalten praktische Hinweise für die religiöse Ausrichtung, für das Gemeinschaftsleben, aus denen viel Lebenserfahrung spricht

„Seid untereinander durch das Band der Liebe verbunden, indem ihr einander schätzt, euch beisteht und einander ertragt in Jesus Christus“. 

„Und wenn es sich gemäß den Zeiten und Bedürfnissen ergeben sollte, etwas neu zu ordnen oder etwas anders zu machen, tut es klug und nach guter Beratung.“ 

„Sagt ihnen auch, daß ich jetzt lebendiger bin als zu der Zeit, da sie mich in leiblicher Gestalt sahen.“ 

„Seid dessen gewiß, daß diese Regel unmittelbar von seiner heiligen Hand gepflanzt worden ist und daß er diese Gemeinschaft niemals verlassen wird, solange die Welt besteht.“ 

Rechtzeitig bestellt Angela Contessa Lucrezia Lodrone zu ihrer Nachfolgerin, eine der älteren Frauen, Witwe wie die meisten, denn die jungen geistlichen Leiterinnen der Bezirke hält sie für noch zu unerfahren, um die ganze Gemeinschaft zusammenzuhalten. 

Angela war in Cremona ernstlich krank. Sie hatte wohl schon länger gesundheitliche Probleme, die sie mit eigenwilligen Methoden behandelte. Arzneien nahm sie nur, um die Menschen ihrer Umgebung zu beruhigen. Nun aber fühlt die Madre den Tod nahen.
Natürlich möchten ihr viele Menschen noch einen Besuch abstatten. Giacomo Chizzola ist einer von ihnen; er kommt mit einem Freund, der Angela bittet, ihm ein Wort mitzugeben. Sie sagt ihm: „Handelt im Leben so, wie ihr in der Stunde des Todes gehandelt haben möchtet.“

Am 27. Januar 1540 stirbt sie um 21.30 Uhr in ihrem Zimmer bei Sant‘Afra, so hat es jemand auf der ersten Seite ihres Officiums festgehalten .

Der Stadtchronist Pandolfo Nassino notiert: "Über Sur Anzola di Merichi. Am 27. Januar 1540 starb die Tochter des verstorbenen Tomaso di Merici aus Desenzano im Gebiet von Brescia; sie war ungefähr 65 bis 70 Jahre alt, eine Frau von schmaler Gestalt und mittlerer Größe; meistens in Grau gekleidet. Am 28. dieses Monats, um 10 Uhr früh, wurde sie zur Kirche S. Afra (...) getragen. Ich, Pandolfo (...), habe es selbst gesehen. Sie wurde mit so großer Feierlichkeit und inmitten solch einer großen Menschenmenge überführt, als sei es ein großer Herr gewesen. Der Grund war, dass Madre Suor Angela allen den Glauben an den höchsten Gott gepredigt hat und deswegen von allen geliebt wurde."
Dass Angela schon zu Lebzeiten „La Santa“ genannt wurde, war der Grund, sie später ohne das geforderte dritte Wunder heilig zu sprechen: Hierbei wird die formelle Heiligsprechung damit begründet, dass eine Verehrung „von Anfang an“ nachzuweisen ist. Bei Maria von der Menschwerdung war es jetzt übrigens genauso. 


 
Sant´Angela Merici, Brescia

Montag, 6. Januar 2020

Jesus ist die Sonne (1)

S. Giovanni Evangelista, Brescia, Erscheinung des Herrn



Dieses Fest Epiphanie ist ein sehr altes Fest, das seine Ursprünge im christlichen Osten hat und das Geheimnis der Offenbarung Jesu Christi vor allen Völkern hervorhebt; stellvertretend für sie stehen die Sterndeuter, die kamen, um den kurz zuvor in Bethlehem geborenen König der Juden anzubeten, wie das Evangelium des hl. Matthäus berichtet (vgl. 2,1–12).

Jenes »neue Licht«, das in der Weihnacht erstrahlte (vgl. Präfation von Weihnachten I), beginnt heute, über der Welt zu erstrahlen, wie es das Bild des Sterns nahelegt, eines himmlischen Zeichens, das die Aufmerksamkeit der Weisen auf sich zog und sie bei ihrer Reise nach Judäa führte. Die ganze Zeit von Weihnachten und Epiphanie ist vom Thema des Lichts geprägt, was auch mit der Tatsache zusammenhängt, daß in den nördlichen Breiten nach der Wintersonnwende die Tage im Vergleich zur Nacht wieder länger werden. Doch jenseits ihrer geographischen Lage gilt für alle Völker das Wort Christi: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Joh 8,12). Jesus ist die Sonne, die am Horizont der Menschheit aufgegangen ist, um das persönliche Dasein eines jeden von uns zu erleuchten und uns alle gemeinsam zum Ziel unserer Pilgerschaft zu führen, zum Land der Freiheit und des Friedens, in dem wir für immer in voller Gemeinschaft mit Gott und untereinander leben werden.
(1. Teil, Benedikt XVI., Angelus, 6.1.2012)

Samstag, 28. Dezember 2019

Herodes wird das Kind suchen

Flucht nach Ägypten, S. Giovanni Evangelista, Brescia

Die Erzählung vom Kindermord in Betlehem steht bei Mt 2, 16–18; Matthäus sieht in diesem schrecklichen Vorgang des Wort des Propheten Jeremia (31, 15) erfüllt. Einen liturgischen Gedenktag dieser kindlichen „Blutzeugen“ im Anschluss an Weihnachten gibt es seit dem 5. Jahrhundert. Cäsarius von Arles, Augustinus und andere Kirchenväter haben die kindlichen Märtyrer gerühmt, denen es vergönnt war, nicht nur als Zeugen für Jesus, sondern stellvertretend für ihn zu sterben.
(Erzabtei Beuron)

Flucht nach Ägypten, S. Giovanni Evangelista, Brescia


Evangelium Mt 2, 13–18

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,
siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten;
dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage;
denn Herodes wird das Kind suchen,
um es zu töten.
14 Da stand Josef auf
und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter
nach Ägypten.
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.
Denn es sollte sich erfüllen,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
16 Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten,
wurde er sehr zornig
und er sandte aus
und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung
alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten,
genau der Zeit entsprechend,
die er von den Sterndeutern erfahren hatte.
17 Damals erfüllte sich,
was durch den Propheten Jeremía gesagt worden ist:
18 Ein Geschrei war in Rama zu hören,
lautes Weinen und Klagen:
Rahel weinte um ihre Kinder
und wollte sich nicht trösten lassen,
denn sie waren nicht mehr.


Flucht nach Ägypten
Basilika Saint Sixte d´Ars
Orvieto, S. Giuseppe 
Chartres (Glas)

Innocentes et recti adheserunt mihi /
Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten (Ps 25,21)
Alessandro Bonvicino (Moretto), Massaker an den Unschuldigen Kindern

Unschuldige Kinder wurden für Christus getötet, 
Säuglinge vom ruchlosen König ermordet.
Sie folgen dem Lamm ohne Makel und rufen:
Ehre sei dir, o Herr.
(Antiphon zum Benediktus)

Unschuldige Kinder:

Glasfenster in Chartres

Unschuldige Kinder (Wandteppich Vatikanische Museen)

Altar der Unschuldigen Kinder in den Grotten unter der Geburtskirche in Bethlehem

Glasfenster der Ermordung der Unschuldigen Kinder in Paray le Monial

Bethlehemitischer Kindermord (Pieter Bruegel d. Ältere)

Altar der Unschuldigen Kinder, S. Giovanni Evangelista, Brescia

Freitag, 27. Dezember 2019

Johannes der Evangelist in Brescia

Evangelist Johannes, S. Giovanni Evangelista, Brescia
 
 

Liebe Brüder und Schwestern!

Unsere heutige Katechese ist dem Gedenken eines weiteren sehr wichtigen Mitglieds des Apostelkollegiums gewidmet: dem des Johannes, Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus. Sein typisch hebräischer Name bedeutet: "Der Herr ist gnädig." Er war gerade im Begriff, die Netze am Ufer des Sees Tiberias in Ordnung zu bringen, als Jesus ihn zusammen mit seinem Bruder berief (vgl. Mt 4,21; Mk 1,19). Johannes gehört immer zu jenem engeren Apostelkreis, von dem sich Jesus bei besonderen Anlässen begleiten lässt. Er ist mit Petrus und Jakobus zusammen, als Jesus in Kafarnaum das Haus des Petrus betritt, um dessen Schwiegermutter zu heilen (vgl. Mk 1,29); zusammen mit den anderen beiden folgt er dem Meister in das Haus des Synagogenvorstehers Jairus, dessen Tochter wieder belebt wird (vgl. Mk 5,37); er folgt Jesus, als dieser auf den Berg steigt, um verklärt zu werden (vgl. Mk 9,2); er ist Jesus auch im Ölgarten nahe, der dort angesichts der Großartigkeit des Tempels von Jerusalem die Rede über das Ende der Stadt und der Welt hält (vgl. Mk 13,3); und schließlich ist er ihm nahe, als sich Jesus in den Garten von Getsemani zurückzieht, um vor seinem Leiden zum Vater zu beten (vgl. Mk 14,33). Und kurz vor dem Paschafest, als Jesus zwei Jünger auswählt, um sie zur Vorbereitung des Abendmahlsaals auszusenden, vertraut er ihm, dem Johannes, und dem Petrus diese Aufgabe an (vgl. Lk 22,8).

Diese seine herausragende Stellung innerhalb der Gruppe der Zwölf macht in gewisser Weise die eines Tages von der Mutter ergriffene Initiativ verstehbar: Sie näherte sich Jesus, um ihn darum zu bitten, dass ihre beiden Söhne, Johannes und Jakobus, in seinem Reich zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen mögen (vgl. Mt 20,20-21). Wie wir wissen, antwortete Jesus, indem er seinerseits eine Frage stellte: Er fragte, ob sie bereit wären, den Kelch zu trinken, den er selbst zu trinken im Begriff war (vgl. 20,22). Die hinter diesen Worten stehende Absicht bestand darin, die Augen der beiden Jünger zu öffnen, sie in die Erkenntnis des Geheimnisses seiner Person einzuführen und ihnen ihre zukünftige Berufung anzukündigen, für ihn bis zur äußersten Prüfung des Martyriums Zeugnis abzulegen. Kurz danach präzisierte Jesus, dass er in der Tat nicht gekommen sei, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und das eigene Leben als Lösegeld für viele zu geben (vgl. Mt 20,28). In den Tagen, die der Auferstehung folgen, finden wir die "Söhne des Zebedäus" des Nachts mit Petrus und einigen anderen Jüngern bei einer erfolglosen Beschäftigung vereint. Dieser Nacht folgt dank des Einschreitens des Auferstandenen der wunderbare Fischfang. Und da ist es der "Jünger, den Jesus liebte", der "den Herrn" als erster erkennt und ihn dem Petrus zeigt (vgl. Joh 21,1-13).

In der Kirche von Jerusalem nahm Johannes einen bedeutenden Platz in der Leitung der ersten christlichen Gemeinde ein. Paulus zählt ihn zu den "Säulen" dieser Gemeinde (vgl. Gal 2,9). Lukas zeigt in der Apostelgeschichte, wie er zusammen mit Petrus zum Gebet in den Tempel geht (vgl. Apg 3,1-4.11) und wie die beiden vor dem Hohen Rat erscheinen, um ihren Glauben an Jesus Christus zu bekennen (vgl. Apg 4,13.19). Zusammen mit Petrus wird er von der Kirche Jerusalems ausgesandt, um diejenigen zu stärken, die in Samarien das Evangelium angenommen haben, und um für sie die Gabe des Heiligen Geistes zu erbeten (vgl. Apg 8,14-15). Vor allem muss auch das in Erinnerung gerufen werden, was Johannes gemeinsam mit Petrus während des Prozesses vor dem Hohen Rat sagt: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20). Gerade dieser Freimut beim Bekenntnis des eigenen Glauben bleibt ein Vorbild und eine Ermahnung für uns alle: immer bereit zu sein, unser unerschütterliches Festhalten an Christus entschlossen zu bezeugen und den Glauben jedem menschlichen Kalkül oder Interesse voranzustellen.

Gemäß der Tradition ist Johannes der "Lieblingsjünger", der im vierten Evangelium während des Letzten Abendmahls sein Haupt an die Brust des Meisters lehnt (vgl. Joh 13,21); der zusammen mit der Mutter Jesu unter dem Kreuz steht (vgl. Joh 19,25) und der schließlich Zeuge sowohl des leeren Grabes als auch der Anwesenheit des Auferstandenen ist (vgl. Joh 20,2; 21,7). Wir wissen, dass diese Identifikation von den Gelehrten diskutiert wird, von denen einige in ihm einfach den Prototypen des Jüngers Jesu sehen. Wir überlassen es jetzt den Exegeten, diese Frage zu klären, und begnügen uns hier damit, daraus eine wichtige Lehre für unser Leben zu ziehen: Der Herr will aus jedem von uns einen Jünger machen, der in persönlicher Freundschaft mit ihm lebt. Um das zu verwirklichen, reicht es nicht, ihm äußerlich zu folgen und zuzuhören; man muss auch mit ihm und wie er leben. Das ist nur im Kontext einer sehr vertrauten Beziehung möglich, die von der Wärme eines vollkommenen Vertrauens beseelt wird. So ist es zwischen Freunden, und deshalb sagte Jesus auch eines Tages: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt… Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe" (Joh 15,13.15).

In der apokryphen "Apostelgeschichte des Johannes" (den "Johannesakten") tritt der Apostel Johannes weder als Kirchengründer noch als Leiter bereits bestehender Gemeinden in Erscheinung, sondern als ein Überbringer des Glaubens, der sich ununterbrochen auf Wanderschaft befindet und jenen Menschen begegnet, "die zur Annahme von Hoffnung und Heil fähig sind" (18,10; 23,8). Sein Tun gründet in der paradoxen Absicht, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die Ostkirchen nennen ihn deshalb einfach "den Theologen", also denjenigen, der fähig ist, mit einfachen Worten über die göttlichen Dinge zu sprechen und auf diese Weise durch die Verbundenheit mit Christus einen geheimnisvollen Zugang zu Gott zu erschließen.

Die Verehrung des Apostels Johannes entstand vor der Stadt Ephesus, wo er nach einer antiken Überlieferung lange Zeit gewirkt haben und dann in sehr hohem Alter unter Kaiser Trajan gestorben sein soll. In Ephesus ließ Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert zu seinen Ehren eine große Basilika errichten, von der heute noch eindrucksvolle Ruinen existieren. Gerade im Osten erfreut sich Johannes bis heute einer großen Verehrung. In der byzantinischen Ikonographie wird er oft als sehr alter Mann dargestellt. Der Überlieferung nach starb er unter Kaiser Trajan in einem Moment intensiver Kontemplation, ja beinahe in der Haltung eines Menschen, der zum Schweigen auffordert.

Ohne angemessene Sammlung ist es tatsächlich unmöglich, sich dem höchsten Geheimnis Gottes und seiner Offenbarung zu nähern. Das erklärt, warum der Ökumenische Patriarch Athenagoras – derjenige, den Papst Paul VI. bei einer denkwürdigen Begegnung umarmte – vor Jahren sagen konnte: "Johannes steht am Anfang unserer tiefsten Spiritualität. Wie er kennen die 'Stillen' jenen geheimnisvollen Herzensaustausch; sie rufen die Gegenwart des Johannes an, und ihr Herz entflammt" (O. Clément, "Dialoghi con Atenagora", 159). Der Herr möge uns helfen, damit wir in die Schule des Johannes gehen, um die große Lektion der Liebe zu lernen: damit wir uns von Christus geliebt fühlen "bis zur Vollendung" (Joh 13,1) und unser Leben für ihn hingeben.

[Die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Liebe Brüder und Schwestern!
Unsere heutige Katechese widmet sich dem Apostel Johannes, dem Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus. Zusammen mit Petrus und Jakobus gehört Johannes zum engeren Apostelkreis, von dem sich Jesus bei besonderen Anlässen begleiten ließ. In der Apostelgeschichte nimmt Johannes einen bedeutenden Platz an der Seite von Petrus ein, und zwar bei der Heilung des Gelähmten im Tempel und bei der Rede vor dem Hohen Rat. Paulus zählt ihn zu den "Säulen" der Jerusalemer Gemeinde. Gemäß der Tradition ist Johannes der "Lieblingsjünger" des Herrn, der uns im gleichnamigen Evangelium beim Letzten Abendmahl, unter dem Kreuz Jesu, am offenen Grab und bei der Erscheinung des Auferstandenen begegnet.
Liebe Freunde, wir können festhalten, dass der Herr einen jeden von uns zu seinem Jünger machen will, der in persönlicher Freundschaft mit ihm verbunden ist und ihm ganz vertraut. Der Apostel Johannes, der im hohen Alter in Ephesus gestorben sein soll, genießt besonders in den Ostkirchen große Verehrung. Dort wird er einfach "der Theologe" genannt, da uns seine Worte einen geheimnisvollen Zugang zu Gott erschließen.
Mit diesen Gedanken grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Begeben wir uns in die Schule des heiligen Apostels Johannes und betrachten wir die Größe des Geheimnisses Gottes. Dann erkennen wir die Liebe, mit der uns Christus bis zur Hingabe seiner selbst zu unserem Heil geliebt hat – jene Liebe, die auch uns fähig macht, ihm unser Leben zu übereignen. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sommer und heute einen frohen Tag!


Johannes
in Corpus Christi Brixton, London (Glas)
in St Matthew´s, Westminster (Kreuzigungsgruppe)
in Chartres (Johannesfenster) 
im Lateran
im Stephansdom
beim Golgotafelsen 
bei der Johannesgemeinschaft
in Seckau





Die Jungfrau Maria mit den Heiligen, Johannes der Evangelist, Augustinus, Agnes, Johannes der Täufer
Alessandro Bonvicino (Moretto)
 
 
S. Giovanni Evangelista, Brescia