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Freitag, 28. August 2026

Wie wir sind, so sind die Zeiten (Augustinus)

 


an den vier Ecken des neugotischen Chorgestühls stehen in etwa zwei Meter Höhe rundplastische Holzfiguren
 der lateinischen Kirchenväter, St. Martin, Kaufbeuren

 

"Tempora mala sunt, tempora molesta sunt, tempora misera sunt. Sic dicunt homines.
Nos sumus tempora: quales sumus, talia sunt tempora." Sermo 8,8

„Böse Zeiten, schwierige Zeiten, elende Zeiten – so sagen die Menschen.
Wir sind die Zeiten: Wie wir sind, so sind die Zeiten.“
Augustinus


Augustinus, St. Martin, Kaufbeuren

Dienstag, 13. September 2022

Über das Priestertum - Johannes Chrysostomus

 

Johannes Chrysostomus, Kathedrale von Ely

Ehrwürdiger Vater, Sie haben viel über das Priestertum nachgedacht und Texte geschenkt, die in unvergleichlicher Weise die Größe dieses Geheimnisses ausdrücken. In der schweren Krise der Kirche heute ist das Priestertum ein Zankapfel geworden. Ein Angriff folgt dem anderen, auch aus der Hierarchie, während Fragen wie der Zölibat, die wir für ausdiskutiert hielten, erneut zur Debatte stehen. Dennoch kommen die geistlichen Gefahren, denen der Priester täglich ausgesetzt ist und die Sie genau kennen, nur selten zur Sprache.

Ja, ich kenne die Größe dieses Amtes und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Der Geist eines Priesters ist heftigeren Stürmen ausgesetzt als die offene See. Und zu allem kommt die schreckliche Gefahr der Ruhmsucht, die gefährlicher ist als die von Dichtern erdachten Sirenen.

Sie haben die «Bestien» beschrieben, die Priester belauern. Können Sie uns erklären, welche das sind?

Zorn, Traurigkeit, Neid, Zwietracht, Verleumdung, Anklagen, Lüge, Heuchelei, Heimtücke, Verwünschungen gegen jene, die sich nichts zuschulden kommen ließen, Freude über die Mühsal der Amtsträger, Trauer über ihre treue Pflichterfüllung, das Gelobt-werden-wollen, Prestigedenken, die Lehre auf den Geschmack des Publikums herunterbrechen, Schmeicheleien, Geschwätz, Missachtung der Armen, Willfährigkeit gegenüber den Reichen, unbedachte Ehrungen und schädliche Gunst, die für diejenigen, die sie anderen erweisen, ebenso gefährlich sind wie für jene, die sie erhalten.

Stichwort Angst: Was können Sie uns dazu sagen?

Priester sollen sich vor der knechtischen Furcht hüten, die nur den schlechtesten Sklaven zukommt: der Furcht, sie könnten nicht frei sprechen und einer zur Schau getragenen Demut, die nicht der Wirklichkeit entspricht. Sie sollen sich davor fürchten, gar nicht zu tadeln und zu strafen oder die Niedrigen übermäßig zu strafen und zu tadeln, gegenüber den Mächtigen aber den Mund nicht aufzutun.

Warum fürchten sich die Prälaten so davor, ihre Stimme zu erheben, um die Wahrheit zu verteidigen?

Weil jeder, der argwöhnisch fürchtet, seinen Posten zu verlieren, elend versklavt ist und sich geradezu verpflichtet sieht, Gott und die Menschen zu beleidigen.

Die Missbrauchskrise, die Zerstörung der Liturgie, die schlechte Ausbildung vieler Priester und die Verweltlichung mancher Geistlicher hat die Wahrnehmung der Würde des Priestertums verdunkelt. Es gibt viele gute Priester, aber auch viel Unwissen über das Geschenk des Priestertums.

Bedenkt man, was es für einen Mann aus Fleisch und Blut bedeutet, der seligen und reinsten Natur so nahekommen zu dürfen, kann man verstehen, welch große Ehre der Heilige Geist den Priestern erweist.

Und das große Geschenk, das dieser Schatz für die Kirche ist.

Sicher. Ohne das würdevolle Amt des Priestertums könnten wir nicht gerettet werden noch die versprochenen Güter erlangen. Wenn niemand ins Himmelreich kommt, der nicht aus Wasser und Heiligem Geist neu geboren wurde, wenn keinen Anteil am ewigen Leben hat, wer nicht den Leib des Herrn isst und sein Blut trinkt und das alles nur durch die Hände des Priesters geschehen kann – wie könnte er dem Feuer der Hölle entrinnen und zur Herrlichkeit gelangen, die uns bereitet ist?

Priester zeugen uns in geistlicher Weise, sie bringen uns durch die Taufe zur Welt. Durch sie ziehen wir Christus an, werden mit dem Sohn Gottes verbunden und werden Glieder jenes seligen Hauptes.  Sie verdienten mehr Achtung als Würdenträger und Könige, und es wäre sogar angemessen, ihnen mehr Ehre zu erweisen als unseren Eltern. Denn die Eltern zeugen uns durch den Willen des Fleisches, die Priester sorgen dafür, dass wir aus Gott geboren werden.

(aus der TAGESPOST, gefunden in: augustinusde)

Ely Cathedral

Nach seinem Österreichbesuch im September 2007 hat Papst Benedikt XVI. zweimal über den Hl. Johannes Chrysosomus gesprochen: Teil 1, und Teil 2

Osterpredigt, Glasfenster in Ely

Am Grab des hl. Johannes Chrysostomus im Petersdom

Buße und Umkehr (Pusey House, Oxford)

Donnerstag, 30. September 2021

Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift lieben - Hieronymus

 

Hieronymus, S. Maria sopra Minerva, Rom

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute werden wir den heiligen Hieronymus in den Blick nehmen, einen Kirchenvater, der die Bibel in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat: Er hat sie ins Lateinische übersetzt, er hat sie in seinen Werken kommentiert, und vor allem hat er sich darum bemüht, sie während seines langen Lebens auf Erden ganz konkret zu leben, trotz seines wohl bekannten schwierigen und feurigen Charakters, den er von Natur aus hatte.

Hieronymus wurde um das Jahr 347 in Stridon in einer christlichen Familie geboren, die ihm eine sorgfältige Ausbildung zukommen ließ und ihn dann nach Rom schickte, um seine Studien zu vervollkommnen. Als junger Mann verspürte er die Anziehungskraft des weltlichen Lebens (vgl. Ep 22,7); es überwog jedoch in ihm die Sehnsucht nach der christlichen Religion und das Interesse für sie. Um 366 empfing er die Taufe und richtete sich nach einem asketischen Lebensstil aus; er begab sich nach Aquileia, und schloss sich dann einer Gruppe eifriger Christen an, die er gleichsam als „Chor von Seligen“ bezeichnete (Chron. ad ann. 374), der sich um den Bischof Valerian scharte. Er brach dann in den Osten auf, und lebte als Eremit in der chalcidischen Wüste, im Süden von Aleppo (vgl. Ep. 14,10). So widmete er sich ernsthaft dem Studium. Er perfektionierte seine Griechischkenntnisse, begann das Hebräischstudium (vgl. Ep 125,12) und transkribierte Codices und patristische Werke (vgl. Ep 5,2).

Die Meditation, die Einsamkeit, die Berührung mit dem Wort Gottes ließen seine christliche Empfindsamkeit reifen. Er fühlte stärker die Qual der Last seiner jugendlichen Vergangenheit (vgl. Ep. 22,7) und verspürte eindringlich den Gegensatz zwischen heidnischer Denkart und christlichem Leben: ein Gegensatz, den die dramatische und lebhafte „Vision“ berühmt gemacht hat, die er uns in einer Erzählung hinterließ. In ihr erschien es ihm, als würde er vor dem Angesicht Gottes gegeißelt, da er „ein Ciceronianer und kein Christ“ war (vgl. Ep. 22,30).

Im Jahr 382 siedelte er nach Rom über: Da Papst Damasus seinen Ruf als Asket und seine Sachverständigkeit als Gelehrter kannte, ernannte er ihn hier zum Sekretär und Berater. Er ermutigte ihn, aus pastoralen und kulturellen Gründen eine neue lateinische Übersetzung der biblischen Texte in Angriff zu nehmen. Einige Vertreter der römischen Aristokratie, vor allem Edelfrauen wie Paula, Marcella, Asella, Lea und andere, die den Wunsch hegten, sich um den Weg der christlichen Vollkommenheit zu bemühen und ihr Wissen in Bezug auf das Wort Gottes zu vertiefen, wählten ihn als ihren geistlichen Begleiter und Lehrer bei der methodischen Annäherung an die heiligen Texte. Diese Edelfrauen lernten auch Griechisch und Hebräisch.

Nach dem Tod von Papst Damasus verließ Hieronymus 385 Rom und unternahm eine Pilgerreise. Diese führte ihn zunächst ins Heilige Land, stiller Zeuge des Erdenlebens Christi, dann nach Ägypten, Wahlheimat vieler Mönche (vgl. Contra Rufinum 3,22; Ep. 108,6-14). Im Jahr 386 kam er nach Bethlehem, wo dank der Großzügigkeit der Edelfrau Paula für die Pilger, die sich in das Heilige Land begaben, ein Männerkloster, ein Frauenkloster und ein Hospiz errichtet wurden – „im Gedenken daran, dass Maria und Josef keine Unterkunft gefunden hatten“ (Ep. 108,14). In Bethlehem blieb er bis zu seinem Tod, wobei er seine intensive Arbeit fortsetzte: Er kommentierte das Wort Gottes, verteidigte den Glauben und widersetzte sich kraftvoll den verschiedenen Irrlehren. Er ermahnte die Mönche zur Vollkommenheit, führte seine jungen Schüler in die klassische und christliche Kultur ein und nahm die Pilger, die das Heilige Land besuchten, in pastoraler Gesinnung auf. In der Nähe von der Geburtsgrotte Jesu verstarb in seiner Zelle am 30. September 419/420.

Seine literarische Ausbildung und seine breit angelegte Gelehrsamkeit gestatteten Hieronymus die Durchsicht und Übersetzung zahlreicher biblischer Texte: eine wertvolle Arbeit für die lateinische Kirche und für die abendländische Kultur. Auf der Grundlage der griechischen und hebräischen Urtexte im Vergleich mit vorhergehenden Versionen verwirklichte er die Durchsicht der vier Evangelien in lateinischer Sprache, dann die des Psalters und eines Großteils des Alten Testaments. Hieronymus trug dem hebräischen und griechischen Original, der Septuaginta – der klassischen griechischen Version des Alten Testaments, die auf vorchristliche Zeit zurückgeht – und den vorhergehenden lateinischen Versionen Rechnung; so konnte er dann zusammen mit weiteren Mitarbeitern eine bessere Übersetzung bieten: Sie stellt die so genannte Vulgata dar, den „offiziellen“ Text der lateinischen Kirche, der als solcher vom Konzil von Trient anerkannt wurde und nach einer unlängst vorgenommenen Revision der „offizielle“ lateinische Text der Kirche bleibt.

Es ist interessant, die Kriterien herauszustellen, an die sich der große Bibelwissenschaftler in seinem Übersetzungswerk gehalten hat. Er selbst offenbart sie, wenn er erklärt, er respektiere sogar die Anordnung der Worte der Heiligen Schrift, da in ihr, so sagt er, „auch die Anordnung der Worte ein Geheimnis ist“ (Ep. 57,5), das heißt eine Offenbarung. Er bekräftigt darüber hinaus die Notwendigkeit, auf die Originaltexte zurückzugreifen: „Sollte es aufgrund der nicht übereinstimmenden Lehren der Handschriften unter den Lateinern zu einer Diskussion über das Neue Testament kommen, greifen wir auf das Original zurück, das heißt auf den griechischen Text, in dem der Neue Bund geschrieben worden ist. Ebenso beim Alten Testament: Treten Abweichungen zwischen den griechischen und lateinischen Texten auf, so berufen wir uns auf den Originaltext, den hebräischen; so können wir all das, was der Quelle entspringt, in den Bächen wieder finden“ (Ep. 106,2).

Hieronymus kommentierte des Weiteren auch viele Texte der Bibel. Für ihn müssen die Kommentatoren vielfältige Meinungen bieten, „so dass der besonnene Leser, nachdem er die verschiedenen Erklärungen gelesen und die vielfältigen Ansichten kennen gelernt hat – die anzunehmen oder zu verwerfen sind –, urteile, welche die zuverlässigste ist, und wie ein erfahrener Geldwechsler die falsche Münze ablehne“ (Contra Rufinum 1,16).

Kraftvoll und lebhaft widerlegte er die Irrlehrer, die die Überlieferung und den Glauben der Kirche bestritten. Er bewies auch, wie wichtig und welchen Stellenwert die christliche Literatur hat, die zu einer wahren Kultur geworden war, würdig, mit der klassischen verglichen zu werden: Er tat dies mit der Verfassung des De viris illustribus, eines Werkes, in dem Hieronymus die Biographien von über 100 christlichen Schriftstellern vorlegt. Er verfasste zudem Biographien von Mönchen, und erläuterte damit – neben anderen geistlichen Wegen – auch das monastische Ideal. Außerdem übersetzte er verschiedene Werke griechischer Autoren. Schließlich sticht Hieronymus im wichtigen Epistularium, einem Hauptwerk der lateinischen Literatur, mit den Merkmalen eines gebildeten Mannes, Asketen und Seelenführers hervor.

Was können wir vom heiligen Hieronymus lernen? Mir scheint, vor allem dies: das Wort Gottes in der Heiligen Schrift zu lieben. Der heilige Hieronymus sagt: „Die Heilige Schrift nicht zu kennen ist dasselbe wie Christus nicht zu kennen.“ Deshalb ist es wichtig, dass jeder Christ in Berührung und in persönlichem Dialog mit dem Wort Gottes lebt, das uns in der Heiligen Schrift geschenkt ist.

Dieser unser Dialog mit ihr muss immer zwei Dimensionen haben: Einerseits muss er ein wirklich persönlicher Dialog sein, da Gott mit einem jeden von uns durch die Heilige Schrift spricht und eine Botschaft für jeden hat. Wir dürfen die Heilige Schrift nicht als Wort der Vergangenheit lesen, sondern als Wort Gottes, das auch an uns gerichtet ist, und wir müssen versuchen zu verstehen, was uns der Herr sagen will. Um aber nicht dem Individualismus zu verfallen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass das Wort Gottes uns gerade deshalb gegeben ist, um Gemeinschaft zu schaffen, um uns in der Wahrheit auf unserem Weg hin zu Gott zu vereinen. Obwohl es also immer ein persönliches Wort ist, ist es auch ein Wort, das Gemeinschaft errichtet, das die Kirche errichtet. Deshalb müssen wir es in Gemeinschaft mit der lebendigen Kirche lesen.

Der vorzügliche Ort der Lesung und des Hörens des Wortes Gottes ist die Liturgie, in der wir durch die Feier des Wortes und die Vergegenwärtigung des Leibes Christi im Sakrament das Wort in unserem Leben verwirklichen und es unter uns gegenwärtig machen. Wir dürfen nie vergessen, dass das Wort Gottes über die Zeiten hinausgeht. Die Meinungen der Menschen kommen und gehen. Was heute sehr modern ist, wird morgen sehr alt sein. Das Wort Gottes hingegen ist Wort des ewigen Lebens, es trägt in sich die Ewigkeit, das, was für immer gilt. Indem wir in uns das Wort Gottes tragen, tragen wir also in uns das Ewige, das ewige Leben.

Und so schließe ich mit einem Wort des heiligen Hieronymus an die heilige Paulina von Nola. In ihm bringt der große Exeget gerade diese Wirklichkeit zum Ausdruck, dass wir im Wort Gottes die Ewigkeit empfangen, das ewige Leben. Der heilige Hieronymus sagt: „Versuchen wir, auf der Erde jene Wahrheiten zu lernen, deren Beschaffenheit auch ich Himmel weiter bestehen bleiben wird“ (Ep. 53,10).

[Um seine Katechese auf Deutsch zusammenzufassen, bediente sich der Heilige Vater des folgenden Manuskripts:]

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich den Kirchenvater Hieronymus in den Blick nehmen. Er wurde 347 in Stridon, dem heutigen Štrigova in Dalmatien (Kroatien), in einer christlichen Familie geboren. Nach seiner Taufe im Jahr 366 wählte er bald einen asketisch-monastischen Lebensstil. Nach Aufenthalten in Antiochien und Konstantinopel, wo er sich sehr gute Kenntnisse der griechischen und hebräischen Sprache aneignete, stand er von 382 bis 385 in Rom als Sekretär und Berater im Dienst von Papst Damasus. Nach dessen Tod bewegten ihn verschiedene Spannungen und Konflikte, die auch charakterlich bedingt waren, zur Übersiedlung nach Bethlehem, wo er im Kreis von monastischen Gefährtinnen und Gefährten die letzten drei Jahrzehnte vor seinem Tod im Jahr 419 oder 420 verbrachte.

Im Mittelpunkt von Leben und Werk des heiligen Hieronymus stand die Bibel: Er übersetzte mit viel Sorgfalt und in Treue zu den Originaltexten einen großen Teil der Heiligen Schrift in die lateinische Sprache, schrieb Kommentare zu vielen biblischen Büchern und bemühte sich vor allem, auch sein Denken und Handeln ganz nach dem Wort Gottes auszurichten.

(Papst Benedikt über den hl. Hieronymus, 1.11.2007)

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Mittwoch, 30. September 2020

Hieronymus

Hieronymus im Kardinalsgewand, Peterskirche, Wien

Einsiedler, Priester, Kirchenvater
Namensdeutung: heiliger Name (griech.)
Namenstage: Hieronymus, Geronimo, Geron, Jerôme, Jeronim, Girolamo, Nimo, weibl.: Hieronyma
Gedenktag: 30. September

Lebensdaten: geboren um 347 in Dalmatien, gestorben am 30. September 419/420 in Bethlehem

Lebensgeschichte: Sophronius Eusebius Hieronymus wurde von seiner christlichen, wohlhabenden Familie zum Studium nach Rom gesandt, wo er viel Zeit im Theater und bei den Spielen verbrachte und sich mit der antiken Kunst und Literatur vertraut machte. Unter dem Einfluss guter Freunde und nach einem geheimnisvollen Traum ließ er sich mit 18 Jahren taufen und geriet über Trier, wo er das asketische Mönchtum kennenlernte, in die nordsyrische Wüste, wo er als Einsiedler lebte und die griechisch und hebräisch überlieferte Heilige Schrift eingehend studierte. 378 zum Priester geweiht, lernte er in Konstantinopel die maßgeblichen Bibelauslegungen kennen und machte sich, zurück in Rom, ab 382 als theologischer Berater von Papst Damasus I. unentbehrlich (deswegen wird er auch häufig als Kardinal dargestellt). Von ihm erhielt er den Auftrag, auf der Grundlage verschieden überlieferter Texte eine einheitliche lateinische Bibelübersetzung zu schaffen: die „Vulgata“, die für ein Jahrtausend maßgeblich bleiben sollte. Weil Hieronymus ein unverbesserlicher Rechthaber war und als Asket wenige Freunde beim lebenslustigen Klerus von Rom hatte (dass er als antiochenischer Kleriker bei der Papstnachfolge übergangen wurde, ist fürs mindeste unwahrscheinlich), zog er sich nach dem Tod Damasus’ mit einem Kreis römischer Patrizierinnen nach Bethlehem zurück, wo er drei Frauen- und ein Männerkloster gründete und sich bis zu seinem Tod weiter der Heiligen Schrift und der Verbreitung der asketischen Lebensweise widmete.

Legende: Nachdem Hieronymus einem Löwen in der Wüste einen Dorn aus der Tatze entfernt hatte, leistete das Raubtier ihm in seiner Einsiedelei Gesellschaft bis zu seinem Ende. Diese Legende ist der Verwechslung seiner Vita mit der des heiligen Gerasimos von Lykien geschuldet.

Verehrung: Im 13. Jahrhundert brachte man Hieronymus’ Gebeine von Bethlehem nach Rom, wo sie in der heutigen Basilika Santa Maria Maggiore verehrt werden. Als maßgebliche Autorität für die Schriftauslegung und das Mönchsleben wurde er 1295 gemeinsam mit Ambrosius, Augustinus und Papst Gregor dem Großen zum Kirchenvater erhoben – seine Verehrung und theologische Bedeutung über das Mittelalter hinaus ist dementsprechend groß.

Darstellung: als alter Einsiedler oder Büßer mit Kardinalshut am Boden, am Schreibpult, mit dem Löwen

Patron: von Dalmatien und Lyon, der Asketen und Gelehrten, der Studenten, Archäologen, Pilger, Bibliothekare, Übersetzer und Buchhändler, Helfer gegen Augenleiden
(bistumaugsburg)

 

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Peterskirche, Wien

Dienstag, 2. Januar 2018

Gregor von Nazianz über die Geburt Christi

Basilius von Caesarea und ...

Gregor von Nazianz, Bischof und Kirchenlehrer. Gregor wurde um 330 in Arianz bei Nazianz geboren, er lernte während seines langen Studiums in Athen Basilius kennen, mit dem er um 360 am Schwarzen Meer in der Einsamkeit lebte. Nachdem Basilius Erzbischof geworden war, weihte er Gregor 372 zum Bischof von Sasima. Doch hat Gregor dieses „Fuhrmannsdorf“ nie betreten. Gregor verwaltete in der Folge mehrere Bischofssitze. Zuletzt lebte er in Arianz, wo er die meisten seiner Briefe und Gedichte verfasste. Gregor war ein hervorragender Kanzelredner, begeisterungsfähig und selbst begeisternd, aber ohne Ausdauer und schnell entmutigt. In seinen Schriften zeigt er sich als der erste große Vertreter eines christlichen Humanismus. In seiner Theologie bewahrte er die überkommene Lehre der Väter. Für die spätere Zeit galt er als die Richtschnur für den rechten Glauben. Gregor starb 390 in seinem Geburtsort Arianz.
(Martyrologium Sancrucense)

Predigt des hl. Basilius über die Geburt Christi 
Lebensbeschreibung und Deckenfresko des hl. Basilius in S. Maria sopra Minerva in Rom

Katechese von Papst Benedikt VI. über Basilius Teil 1 Teil 2

Katechese von Papst Benedikt XVI. über Gregor Teil 1 Teil 2



Gregor von Nazianz, gemeinsam gefeiert am 2. Jänner

Auf mannigfache Weise wurde der Mensch früher erzogen: durch Vernunft und Gesetz, durch Propheten, durch Wohltaten, Drohungen, Unglücksfälle, Verheerungen durch Wasser und Feuer, durch Kriege, Siege, Niederlagen, durch Zeichen vom Himmel, durch Zeichen in der Luft, auf dem Lande, auf dem Meere, durch unerwartete Veränderungen an Menschen, Städten und Völkern. Dadurch sollte die Sünde vernichtet werden.
Zuletzt aber war ein kräftigeres Heilmittel nötig gegen die schrecklicheren Krankheiten wie Mord, Ehebruch, Meineid, unnatürliche Wollust und, was das letzte und erste aller Übel, gegen Götzendienst und die Übertragung der Anbetung vom Schöpfer auf die Geschöpfe. Hiefür war stärkere Hifle nötig.
Und sie trat ein: Es war das Wort Gottes selbst, das vorzeitliche, unsichtbare, unbegrenzte, unkörperliche, der anfang vom Anfang, das Licht vom Lichte, die Quelle des Lebens und der Unsterblichkeit, der Abdruck der urbildlichen Schönheit, das unbewegliche Siegel, das unveränderliche Abbild, die Grenze und Erkenntnis des Vaters.
Dieses steigt zu seinem Ebenbild hernieder, wird Fleisch um des Fleisches willen, verbindet sich mit der vernünftigen Seele um meiner Seele willen, um so mit dem Gleichen das Gleiche zu reinigen. In allem, die Sünde ausgenommen, wird es Mensch, empfangen aus der Jungfrau, die zuvor durch den Geist gereinig worden ist an Seele und Leib, hervortretend als Gott mit der Menschheit, eine Einheit aus zwei entgegengesetzten Dingen, aus Fleisch und Geist, wovon das eine göttlich machte, das andere göttlich wurde.
O neue Verbindung, o wunderbare Vereinigung! Der Seiende wird, der Unerschaffene wird geschaffen, der Unendliche wird umschlossen in Gottheit und Stoff des Fleisches durch Vermittlung der vernünftigen Seele. Und der reich war, wird arm; er nimmt die Armut meines Fleisches an, damit ich den Reichtum seiner Gottheit empfange. Der die Fülle besitzt, entäußert sich seiner Herrlichkeit eine Zeitlang, damit ich teilnehme an seiner Fülle. Welch ein Reichtum der Güte! Welch ein Geheimnis, das mich angeht! Ich empfing das Ebenbild und bewahrte es nicht, und er nimmt mein Fleisch an, damit er das Ebenbild rette und das Fleisch unsterblich mache. Er geht eine zweite Gemeinschaft ein, eine wunderbarere als die frühere. Wie er fürher das Bessere gespendet hat, so nimmt er jetzt teil am Schlimmeren. Das ist noch göttlicher als das frühere, das ist noch erhabener in den Augen der Verständigen.

Und was sagen uns darauf die ränkevollen Ankläger und die bitteren Prüfer der Gottheit, die Tadler lobwürdiger Dinge, die blind sind gegen das Licht, die sich von der Weisheit nicht belehren lassen, für die Christus vergeblich gestorben ist, die undankbaren Geschöpfe, die Gebilde des Bösen?
Machst du es Gott zum Vorwurf, daß er mildtätig ist? Ist er deshalb klein, weil er um deinetwillen in Niedrigkeit erschienen ist? Weil der gute Hirte, der sein Leben hingibt für seine Schafe, dem verirrten nachging auf die Berge und Höhen, auf denen du opfertest, und das verirrte fand und das gefundene auf die Schulter nahm und es zurückbrachte zum höheren Leben und es dann den Nichtverirrten beizählte? Weil er eine Leuchte anzündete in seinem Fleisch und das Haus ausfegte, indem er die Welt von der Sünde reinigte, und den Groschen suchte, das königliche, durch die Leidenschaften verschüttete Bild, und seine lieben Nächsten zusammenrief, nachdem der Groschen sich gefunden hatte, und sie zu Genossen seiner Freude machte, sie, die er auch in seinen Heilsplan eingeweiht hatte.
Tadelst du das an Gott? Hältst du ihn darum für geringer, weil er sich mit einem leinenen Tuche umgürtet, seinen Jüngern die Füße gewaschen und als besten Weg zur Erhöhung die Demut gezeigt hat? Weil er sich um der am Boden liegenden Seele willen erniedrigte, um mit sich auch zu erhöhen, was wegen der Sünde sich nach unten neigt? Machst du ihm nicht auch das zum Vorwurf, daß er mit Zöllnern und bei Zöllnern speiste und Zöllner zu seinen Jüngern machte, um Sünder zu gewinnen. Dann müßte man auch den Arzt tadeln, daß er sich zu den Leidenden herabläßt, um Kranken die Gesundheit zu schenken.

(Gregor von Nazianz, Über die Geburt Christi 13-15, in: Texte der Kirchenväter 2, 179ff)


Christus mit den vier morgenländischen Kirchenvätern, Kathedrale von Ely, Bishop West´s Chantry Chapel