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Dienstag, 2. Mai 2023

Athanasius (Papst Paul VI.)

 

Athanasius zertritt die Häresien, Maria sopra Minerva, Rom


Der heilige Athanasius ist Vater und Lehrer der universalen Kirche und verdient deshalb unser gemeinsames Gedenken. Das beste Gedenken eines Heiligen, der einen außergewöhnlichen Beitrag zum Leben der Kirche in einem entscheidenden Moment ihrer Geschichte geleistet hat, als die Häretiker die wesensgleiche Gottheit des Wortes und daher auch Christi leugneten, scheint uns im Nachdenken über das Vermächtnis zu bestehen, das er uns hinterlassen hat: Das Glaubenszeugnis in seinem Leben und in seinem Denken.

Wenn wir über sein menschlichens Schicksal nachdenken, begegnen wir einem Gläubigen, der fest im Glauben des Evangeliums verwurzelt ist, einem überzeugten Verfechter und Verteidiger der Wahrheit, der bereit ist, jede Verleumdung, Verfolgung, Gewalt zu erdulden. Von den fünfundvierzig Jahres seines Bischofsamtes verbrachte er gut zwanzig Jahre in mehrmaligen Verbannungen; und sogar unsere Stadt Rom nahm ihn unter Papst Julius für drei Jahre während seiner zweiten Verbannung auf, die ihn von April 229 bis Oktober 346 traf.

Stets und überall bekundete er vor allen, vor Mächtigen und Irrenden, den Glauben an die Gottheit Christi, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, so daß die liturgische Tradition des Ostens ihn "Säule des wahren Glaubens" nennt, während die katholische Kirche ihn unter die Kirchenlehrer zählt.

Er war in der Tat ein Mann der Kirche; als wachsamer und aufmerksamer Hirt widmete er das ganze Leben ausschließlich ihrem Dienst: nicht nur dem Dienst an seiner Kirche von Alexandrien, sondern der Kirche insgesamt, indem er überallhin die Glut seines Glaubens brachte, das erbauende Vorbild seines Lebens, das kompromißlos konsequent war, die Mahnung zum Gebet, das er unter den Mönchen in der Wüste gelernt hatte, wohin er mehrere Male Zuflucht nehmen mußte.

(aus einer Predigt von Papst Paul VI. anläßlich der 1600-Jahrfeier des seligen Todes des heiligen Athanasius,, 6. Mai 1973, in M. Fiedrowicz, Päpste und Kirchenväter, 241f)

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Ein Abriß des ganzen Evangeliums - zum Rosenkranzfest

 

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, bitte für uns!

S. Maria sopra Minerva, nur zum Gottesdienst ab 17 Uhr geöffnet, wird z. Z. renoviert

 

Aus dem Apostolischen Schreiben "Marialis cultus" von Papst Paul VI.

42. Wir wollen nun jedoch, Ehrwürdige Brüder, noch etwas ausführlicher bei der Erneuerung jener Andachtsübung verweilen, die ein ”Abriß des ganzen Evangeliums” (110) genannt worden ist: dem Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Ihm haben Unsere Vorgänger große Aufmerksamkeit und besondere Sorge zugewandt. Sie haben des öfteren das häufige Rosenkranzgebet empfohlen, seine Verbreitung gefördert, seine Natur erläutert, ihn als ein geeignetes Mittel anerkannt, um ein kontemplatives Gebet des Lobes und der Bitte zugleich zu entfalten, und an die ihm innewohnende Wirksamkeit erinnert, die das christliche Leben und den apostolischen Einsatz fördert. Auch Wir haben seit der ersten Generalaudienz Unseres Pontifikates, am 18. Juli 1963, Unser Interesse für das Rosenkranzgebet bekundet (111) und haben in der Folgezeit bei vielfältigen Anlässen, von denen einige gewöhnlicher, andere dringlicher Natur waren, seinen besonderen Wert unterstrichen. So, als Wir in einer Stunde der Bedrängnis und Unsicherheit die Enzyklika „Christi Matri“ (15. September 1966) veröffentlichten, damit Bittgebete zur Seligen Jungfrau des Rosenkranzes verrichtet würden, um von Gott das höchste Gut des Friedens zu erflehen, (112) einen Aufruf, den Wir in Unserem Apostolischen Schreiben „Recurrens mensis October“ (7. Oktober 1969) wiederholt haben, in dem Wir unter anderem auch der Vierhundertjahrfeier des Apostolischen Schreibens „Consueverunt Romani Pontifices“ Unseres Vorgängers des heiligen Pius V. gedacht haben, der darin die traditionelle Form des Rosenkranzes erläutert und in gewisser Weise festgesetzt hat. (113)

43. Unser ständiges Interesse für den geliebten Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria hat Uns veranlaßt, mit Aufmerksamkeit die zahlreichen Tagungen zu verfolgen, die in den letzten Jahren der Pastoral des Rosenkranzes in der heutigen Welt gewidmet waren: Tagungen, die von Vereinigungen und Menschen veranstaltet wurden, denen die Verehrung des Rosenkranzes sehr am Herzen liegt und an denen Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien teilgenommen haben, die eine bewährte Erfahrung und einen anerkannten kirchlichen Sinn haben. Unter ihnen sind zu Recht die Söhne des heiligen Dominikus zu nennen, die traditionsgemäß die Hüter und Förderer dieser so heilsamen Andachtsübung sind. Zu den Arbeiten der Tagungen haben im besonderen die Forschung der Geschichtswissenschaftler beigetragen, die durchgeführt wurden, nicht etwa mit der fast archäologischen Zielsetzung, die ursprüngliche Form des Rosenkranzes zu bestimmen, sondern um die ursprüngliche Idee, die anfängliche Kraft, die wesentliche Struktur aufzufinden. Von diesen Tagungen und Forschungen her sind die hauptsächlichen Merkmale des Rosenkranzes, seine wesentlichen Elemente und ihr Verhältnisse zueinander deutlicher hervorgetreten.

44. So ist zum Beispiel der biblische Charakter des Rosenkranzes in hellerem Licht erschienen, insofern er vom Evangelium die Aussage der Geheimnisse und seine hauptsächlichen Formeln nimmt; er inspiriert sich am Evangelium, um dem Gläubigen vom freudigen Gruß des Engels und der religiösen Zustimmung der Jungfrau her die Haltung nahezubringen, in der er ihn beten soll; vom Evangelium stellt er in der harmonischen Folge der Ave-Maria ein grundlegendes Geheimnis vor – die Menschwerdung des Wortes –, das im entscheidenden Augenblick der Verkündigung an Maria betrachtet wird. Der Rosenkranz ist also ein biblisches Gebet, wie ihn heute vielleicht mehr als in der Vergangenheit die Seelsorger und Gelehrten mit Vorliebe zu nennen pflegen.

45. Es ist ferner leichter erkannt worden, wie der geordnete und graduelle Verlauf des Rosenkranzgebetes die Art selbst widerspiegelt, in der das Wort Gottes, da es nach gnädigem Ratschluß in die menschliche Geschichte eintrat, die Erlösung gewirkt hat. Der Rosenkranz betrachtet nämlich von ihr in harmonischer Folge die wichtigsten Heilsereignisse, die sich in Christus zugetragen haben: von der jungfräulichen Empfängnis und den Geheimnissen seiner Kindheit bis zu dem erhabenen Geschehen von Ostern – des seligen Leidens und der glorreichen Auferstehung – und weiter bis zu deren Auswirkung auf die bildende Kirche am Pfingsttag und auf die Heilige Jungfrau an dem Tage, an dem sie nach Beendigung ihres Erdenlebens mit Leib und Seele in die himmlische Heimat aufgenommen wurde. Es ist weiterhin bemerkt worden, wie die dreifache Aufteilung der Geheimnisse des Rosenkranzes nicht nur streng der zeitlichen Ordnung der Geschehnisse folgt, sondern vor allem das Schema der frühchristlichen Glaubensverkündigung widerspiegelt und das Geheimnis Christi auf dieselbe Weise vorstellt, wie es vom heiligen Paulus im berühmten ”Hymnus” des Briefes an die Philipper gesehen wird: Erniedrigung, Tod, Verherrlichung (2, 6 – 11).

46. Als biblisches Gebet, das auf das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung ausgerichtet ist, ist der Rosenkranz also ein Gebet, das zutiefst christologisch geprägt ist. In der Tat wird sein charakteristisches Element – die litaneiartige Wiederholung des ”Gegrüßet seist du, Maria” – selbst zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi, dem Endziel der Verkündigung des Engels und des Grußes der Mutter des Täufers: ”Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes” (Lk 1, 42). Wir möchten noch mehr sagen: die Wiederholung des Ave-Maria bildet die Kette, entlang der sich die Betrachtung der Geheimnisse entfaltet. Jener Jesus, den jedes Ave-Maria anruft, ist derselbe, den die Folge der Geheimnisse uns nacheinander als Sohn Gottes und der Jungfrau vorstellt, der in einer Grotte zu Betlehem geboren ist; von der Mutter im Tempel dargestellt; als Jüngling, der voller Eifer für das eintritt, was seines Vaters ist; als von Todesängsten gepeinigter Erlöser im Garten; gegeißelt und mit Dornen gekrönt; mit dem Kreuz beladen und sterbend am Kreuze; auferstanden von den Toten und aufgefahren in die Herrlichkeit des Vaters, um von dort das Geschenk des Geistes auszugießen. Es ist bekannt, daß man, vor allem um die Betrachtung zu fördern und Geist und Wort miteinander in Einklang zu bringen, zu einer früheren Zeit – und der Brauch hat sich in manchen Ländern erhalten – an den Namen Jesus in jedem Ave-Maria einen Satz hinzufügte, der das bestimmte Geheimnis wiederholte.

47. Man hat ebenso mit größerer Dringlichkeit die Notwendigkeit gespürt, neben dem Wert des preisenden und fürbittenden Elementes auch noch die Bedeutung eines anderen wesentlichen Bestandteiles des Rosenkranzes zu betonen: die Betrachtung. Ohne sie ist der Rosenkranz ein Körper ohne Seele, und das rezitierende Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln zu werden und zur Ermahnung Jesu in Gegensatz zu treten: „Wenn ihr betet, so plappert nicht wie die Heiden! Die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen” (Mt 6, 7). Von seiner Natur her verlangt das Rosenkranzgebet einen ruhigen Rhythmus und ein längeres besonnenes Verweilen, was im Betenden die Betrachtung der Geheimnisse des Lebens des Herrn fördert, die mit den Augen derjenigen geschaut werden, die dem Herrn am nächsten stand und dessen unergründliche Reichtümer erschließt.


Maria, Königin aller Heiligen, bitte für uns!

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in Pompej, Bartolo Longo

Die Lepantomonstranz in der Asamkirche

Lourdes und der Rosenkranz

Lepanto und der Rosenkranz

Eine kleine Geschichte des Rosenkranzes

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in Fatima

Pius V. und der Rosenkranz

Am Rosenkranzfest den ganzen Psalter beten

Papst Benedikt ermutigt Kinder, den Rosenkranz zu beten

Donnerstag, 30. September 2021

Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift lieben - Hieronymus

 

Hieronymus, S. Maria sopra Minerva, Rom

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute werden wir den heiligen Hieronymus in den Blick nehmen, einen Kirchenvater, der die Bibel in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat: Er hat sie ins Lateinische übersetzt, er hat sie in seinen Werken kommentiert, und vor allem hat er sich darum bemüht, sie während seines langen Lebens auf Erden ganz konkret zu leben, trotz seines wohl bekannten schwierigen und feurigen Charakters, den er von Natur aus hatte.

Hieronymus wurde um das Jahr 347 in Stridon in einer christlichen Familie geboren, die ihm eine sorgfältige Ausbildung zukommen ließ und ihn dann nach Rom schickte, um seine Studien zu vervollkommnen. Als junger Mann verspürte er die Anziehungskraft des weltlichen Lebens (vgl. Ep 22,7); es überwog jedoch in ihm die Sehnsucht nach der christlichen Religion und das Interesse für sie. Um 366 empfing er die Taufe und richtete sich nach einem asketischen Lebensstil aus; er begab sich nach Aquileia, und schloss sich dann einer Gruppe eifriger Christen an, die er gleichsam als „Chor von Seligen“ bezeichnete (Chron. ad ann. 374), der sich um den Bischof Valerian scharte. Er brach dann in den Osten auf, und lebte als Eremit in der chalcidischen Wüste, im Süden von Aleppo (vgl. Ep. 14,10). So widmete er sich ernsthaft dem Studium. Er perfektionierte seine Griechischkenntnisse, begann das Hebräischstudium (vgl. Ep 125,12) und transkribierte Codices und patristische Werke (vgl. Ep 5,2).

Die Meditation, die Einsamkeit, die Berührung mit dem Wort Gottes ließen seine christliche Empfindsamkeit reifen. Er fühlte stärker die Qual der Last seiner jugendlichen Vergangenheit (vgl. Ep. 22,7) und verspürte eindringlich den Gegensatz zwischen heidnischer Denkart und christlichem Leben: ein Gegensatz, den die dramatische und lebhafte „Vision“ berühmt gemacht hat, die er uns in einer Erzählung hinterließ. In ihr erschien es ihm, als würde er vor dem Angesicht Gottes gegeißelt, da er „ein Ciceronianer und kein Christ“ war (vgl. Ep. 22,30).

Im Jahr 382 siedelte er nach Rom über: Da Papst Damasus seinen Ruf als Asket und seine Sachverständigkeit als Gelehrter kannte, ernannte er ihn hier zum Sekretär und Berater. Er ermutigte ihn, aus pastoralen und kulturellen Gründen eine neue lateinische Übersetzung der biblischen Texte in Angriff zu nehmen. Einige Vertreter der römischen Aristokratie, vor allem Edelfrauen wie Paula, Marcella, Asella, Lea und andere, die den Wunsch hegten, sich um den Weg der christlichen Vollkommenheit zu bemühen und ihr Wissen in Bezug auf das Wort Gottes zu vertiefen, wählten ihn als ihren geistlichen Begleiter und Lehrer bei der methodischen Annäherung an die heiligen Texte. Diese Edelfrauen lernten auch Griechisch und Hebräisch.

Nach dem Tod von Papst Damasus verließ Hieronymus 385 Rom und unternahm eine Pilgerreise. Diese führte ihn zunächst ins Heilige Land, stiller Zeuge des Erdenlebens Christi, dann nach Ägypten, Wahlheimat vieler Mönche (vgl. Contra Rufinum 3,22; Ep. 108,6-14). Im Jahr 386 kam er nach Bethlehem, wo dank der Großzügigkeit der Edelfrau Paula für die Pilger, die sich in das Heilige Land begaben, ein Männerkloster, ein Frauenkloster und ein Hospiz errichtet wurden – „im Gedenken daran, dass Maria und Josef keine Unterkunft gefunden hatten“ (Ep. 108,14). In Bethlehem blieb er bis zu seinem Tod, wobei er seine intensive Arbeit fortsetzte: Er kommentierte das Wort Gottes, verteidigte den Glauben und widersetzte sich kraftvoll den verschiedenen Irrlehren. Er ermahnte die Mönche zur Vollkommenheit, führte seine jungen Schüler in die klassische und christliche Kultur ein und nahm die Pilger, die das Heilige Land besuchten, in pastoraler Gesinnung auf. In der Nähe von der Geburtsgrotte Jesu verstarb in seiner Zelle am 30. September 419/420.

Seine literarische Ausbildung und seine breit angelegte Gelehrsamkeit gestatteten Hieronymus die Durchsicht und Übersetzung zahlreicher biblischer Texte: eine wertvolle Arbeit für die lateinische Kirche und für die abendländische Kultur. Auf der Grundlage der griechischen und hebräischen Urtexte im Vergleich mit vorhergehenden Versionen verwirklichte er die Durchsicht der vier Evangelien in lateinischer Sprache, dann die des Psalters und eines Großteils des Alten Testaments. Hieronymus trug dem hebräischen und griechischen Original, der Septuaginta – der klassischen griechischen Version des Alten Testaments, die auf vorchristliche Zeit zurückgeht – und den vorhergehenden lateinischen Versionen Rechnung; so konnte er dann zusammen mit weiteren Mitarbeitern eine bessere Übersetzung bieten: Sie stellt die so genannte Vulgata dar, den „offiziellen“ Text der lateinischen Kirche, der als solcher vom Konzil von Trient anerkannt wurde und nach einer unlängst vorgenommenen Revision der „offizielle“ lateinische Text der Kirche bleibt.

Es ist interessant, die Kriterien herauszustellen, an die sich der große Bibelwissenschaftler in seinem Übersetzungswerk gehalten hat. Er selbst offenbart sie, wenn er erklärt, er respektiere sogar die Anordnung der Worte der Heiligen Schrift, da in ihr, so sagt er, „auch die Anordnung der Worte ein Geheimnis ist“ (Ep. 57,5), das heißt eine Offenbarung. Er bekräftigt darüber hinaus die Notwendigkeit, auf die Originaltexte zurückzugreifen: „Sollte es aufgrund der nicht übereinstimmenden Lehren der Handschriften unter den Lateinern zu einer Diskussion über das Neue Testament kommen, greifen wir auf das Original zurück, das heißt auf den griechischen Text, in dem der Neue Bund geschrieben worden ist. Ebenso beim Alten Testament: Treten Abweichungen zwischen den griechischen und lateinischen Texten auf, so berufen wir uns auf den Originaltext, den hebräischen; so können wir all das, was der Quelle entspringt, in den Bächen wieder finden“ (Ep. 106,2).

Hieronymus kommentierte des Weiteren auch viele Texte der Bibel. Für ihn müssen die Kommentatoren vielfältige Meinungen bieten, „so dass der besonnene Leser, nachdem er die verschiedenen Erklärungen gelesen und die vielfältigen Ansichten kennen gelernt hat – die anzunehmen oder zu verwerfen sind –, urteile, welche die zuverlässigste ist, und wie ein erfahrener Geldwechsler die falsche Münze ablehne“ (Contra Rufinum 1,16).

Kraftvoll und lebhaft widerlegte er die Irrlehrer, die die Überlieferung und den Glauben der Kirche bestritten. Er bewies auch, wie wichtig und welchen Stellenwert die christliche Literatur hat, die zu einer wahren Kultur geworden war, würdig, mit der klassischen verglichen zu werden: Er tat dies mit der Verfassung des De viris illustribus, eines Werkes, in dem Hieronymus die Biographien von über 100 christlichen Schriftstellern vorlegt. Er verfasste zudem Biographien von Mönchen, und erläuterte damit – neben anderen geistlichen Wegen – auch das monastische Ideal. Außerdem übersetzte er verschiedene Werke griechischer Autoren. Schließlich sticht Hieronymus im wichtigen Epistularium, einem Hauptwerk der lateinischen Literatur, mit den Merkmalen eines gebildeten Mannes, Asketen und Seelenführers hervor.

Was können wir vom heiligen Hieronymus lernen? Mir scheint, vor allem dies: das Wort Gottes in der Heiligen Schrift zu lieben. Der heilige Hieronymus sagt: „Die Heilige Schrift nicht zu kennen ist dasselbe wie Christus nicht zu kennen.“ Deshalb ist es wichtig, dass jeder Christ in Berührung und in persönlichem Dialog mit dem Wort Gottes lebt, das uns in der Heiligen Schrift geschenkt ist.

Dieser unser Dialog mit ihr muss immer zwei Dimensionen haben: Einerseits muss er ein wirklich persönlicher Dialog sein, da Gott mit einem jeden von uns durch die Heilige Schrift spricht und eine Botschaft für jeden hat. Wir dürfen die Heilige Schrift nicht als Wort der Vergangenheit lesen, sondern als Wort Gottes, das auch an uns gerichtet ist, und wir müssen versuchen zu verstehen, was uns der Herr sagen will. Um aber nicht dem Individualismus zu verfallen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass das Wort Gottes uns gerade deshalb gegeben ist, um Gemeinschaft zu schaffen, um uns in der Wahrheit auf unserem Weg hin zu Gott zu vereinen. Obwohl es also immer ein persönliches Wort ist, ist es auch ein Wort, das Gemeinschaft errichtet, das die Kirche errichtet. Deshalb müssen wir es in Gemeinschaft mit der lebendigen Kirche lesen.

Der vorzügliche Ort der Lesung und des Hörens des Wortes Gottes ist die Liturgie, in der wir durch die Feier des Wortes und die Vergegenwärtigung des Leibes Christi im Sakrament das Wort in unserem Leben verwirklichen und es unter uns gegenwärtig machen. Wir dürfen nie vergessen, dass das Wort Gottes über die Zeiten hinausgeht. Die Meinungen der Menschen kommen und gehen. Was heute sehr modern ist, wird morgen sehr alt sein. Das Wort Gottes hingegen ist Wort des ewigen Lebens, es trägt in sich die Ewigkeit, das, was für immer gilt. Indem wir in uns das Wort Gottes tragen, tragen wir also in uns das Ewige, das ewige Leben.

Und so schließe ich mit einem Wort des heiligen Hieronymus an die heilige Paulina von Nola. In ihm bringt der große Exeget gerade diese Wirklichkeit zum Ausdruck, dass wir im Wort Gottes die Ewigkeit empfangen, das ewige Leben. Der heilige Hieronymus sagt: „Versuchen wir, auf der Erde jene Wahrheiten zu lernen, deren Beschaffenheit auch ich Himmel weiter bestehen bleiben wird“ (Ep. 53,10).

[Um seine Katechese auf Deutsch zusammenzufassen, bediente sich der Heilige Vater des folgenden Manuskripts:]

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich den Kirchenvater Hieronymus in den Blick nehmen. Er wurde 347 in Stridon, dem heutigen Štrigova in Dalmatien (Kroatien), in einer christlichen Familie geboren. Nach seiner Taufe im Jahr 366 wählte er bald einen asketisch-monastischen Lebensstil. Nach Aufenthalten in Antiochien und Konstantinopel, wo er sich sehr gute Kenntnisse der griechischen und hebräischen Sprache aneignete, stand er von 382 bis 385 in Rom als Sekretär und Berater im Dienst von Papst Damasus. Nach dessen Tod bewegten ihn verschiedene Spannungen und Konflikte, die auch charakterlich bedingt waren, zur Übersiedlung nach Bethlehem, wo er im Kreis von monastischen Gefährtinnen und Gefährten die letzten drei Jahrzehnte vor seinem Tod im Jahr 419 oder 420 verbrachte.

Im Mittelpunkt von Leben und Werk des heiligen Hieronymus stand die Bibel: Er übersetzte mit viel Sorgfalt und in Treue zu den Originaltexten einen großen Teil der Heiligen Schrift in die lateinische Sprache, schrieb Kommentare zu vielen biblischen Büchern und bemühte sich vor allem, auch sein Denken und Handeln ganz nach dem Wort Gottes auszurichten.

(Papst Benedikt über den hl. Hieronymus, 1.11.2007)

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Dienstag, 21. September 2021

Folge mir nach!

Matthäus, Deckenmalerei in S. Maria sopra Minerva, Rom


Matthäus saß nachlässig am Zoll, belästigte die Reisenden und erhob übermäßige Gebühren, wie es damals zu geschehen pflegte. Die Überforderung war die Rache für die allgemeine Verachtung, die man den Zöllnern entgegenbrachte. Da kam Jesus des Weges, stand still, schaute Matthäus an, hielt dem Manne keine lange Moralpredigt über das Unrechtmäßige seines Tuns, sprach aber die drei schicksalsschweren Worte zu ihm: "Folge mir nach!"

Es bleibt zunächst unbegreiflich, daß Matthäus alles verließ und ihm nachfolgte, er, der dumpf in seinem Zollhaus saß und an den Einnahmen interessiert war. Matthäus hatte die Schwelle seines Daseins überschritten; eine neue Linie zeichnete sich in seinem Leben ab. Noch eine Stunde zuvor hatte er nicht entfernt daran gedacht, etwas anderes zu tun als das, was er immer getan hatte. 

Aber nun war es geschehen, man hatte ihn gerufen. Wir wissen nicht, in welcher Tonlage Jesus seine Worte gesprochen hatte - war es ein Zuruf oder eine Forderung? -, jedenfalls hörte Matthäus auf ihn und gehorchte. (....) Die Aufforderung zur Nachfolge klang Matthäus zeitlebens in den Ohren nach. Er besaß innerlich gar keine Möglichkeit, sie zu unterdrücken, er mußte die Begebenheit aufschreiben und in seinem Evangelium weitergeben.
Das matthäische Evangeliumsverständnis ist Nachfolge-Christentum; man begreift es bald, wenn man auf seine Worte achtet.
(W. Nigg, Botschafter des Glaubens, 88f)

 

die Matthäus-Bilder von Caravaggio

Matthäus in der Grabeskirche

Holzrelief an der Kanzel von St. Brigitta, Wien 

Heute gedenkt die Kirche auch des Propheten Jona.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Das "kleine Pfingsten"

Mariä Heimsuchung, S. Maria sopra Minerva, Rom


In unserem Herzen erklingen die Worte des Evangelisten Lukas: »Als Elisabet den Gruß Marias hörte, […] wurde [sie] vom Heiligen Geist erfüllt« (Lk 1,41). 

Die Begegnung zwischen der Gottesmutter und ihrer Kusine Elisabet ist eine Art »kleines Pfingsten«. Ich möchte dies heute abend, wenige Tage vor dem Hochfest des Heiligen Geistes, besonders herausstellen.
 
Im Bericht des Evangeliums folgt die Heimsuchung unmittelbar auf die Verkündigung: Die allerseligste Jungfrau, die den Sohn in ihrem Schoß trägt, den sie durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hatte, strahlt Gnade und geistliche Glückseligkeit aus. Die Gegenwart des Geistes in Ihr läßt den Sohn Elisabets vor Freude hüpfen: Es ist Johannes, der dazu bestimmt ist, dem menschgewordenen Gottessohn den Weg zu bereiten.
 
Wo Maria ist, da ist Christus; und wo Christus ist, da ist sein Heiliger Geist, der im hochheiligsten Mysterium des trinitarischen Lebens aus dem Vater und aus Ihm hervorgeht. Die Apostelgeschichte betont mit gutem Grund die betende Anwesenheit Marias im Abendmahlssaal zusammen mit den Aposteln, die dort in Erwartung der »Macht von oben« versammelt waren. Das »Ja« der Jungfrau läßt diese Gabe Gottes der Menschheit zuteil werden: ebenso wie bei der Verkündigung, so auch an Pfingsten, und so geschieht es auch weiterhin auf dem Weg der Kirche.
 
Mit Maria im Gebet vereint erbitten wir die überreiche Ausgießung des Heiligen Geistes über die ganze Kirche, auf daß sie im dritten Jahrtausend mit vollen Segeln hinausfahre. Insbesondere erbitten wir dies für alle, die sich täglich im Dienst des Apostolischen Stuhls einsetzen, damit die Arbeit eines jeden stets vom Geist des Glaubens und des apostolischen Eifers beseelt sei.
 
Es ist besonders bedeutsam, daß am letzten Tag des Monats Mai das Fest der Heimsuchung gefeiert wird. Es scheint, als wollten wir mit diesem Abschluß zum Ausdruck bringen, daß jeder Tag dieses Monats für uns eine Art Heimsuchung war. Wir erlebten während des Maienmonats eine ständige Heimsuchung, so wie sie Maria und Elisabet erlebten. Seien wir also Gott dafür dankbar, daß uns die Liturgie heute an dieses biblische Ereignis erinnert.  
(Johannes Paul II., 31. Mai 2001)



Heimsuchung
Glasfenster in S. Maria Maggiore in Triest
Bildnis im Baptisterium des Lateran
Glasbild in der Pfarrkirche zum hl. Jakobus, Medjugorje 



Montag, 16. Oktober 2017

Thomas für Thomas

Thomas von Aquin stellt Kardinal Carafa der Jungfrau Maria vor, S. Maria sopra Minerva, Rom

Endlich wird Maria "die Gnadenvolle" genannt, wegen dem Überströmen ihrer Gnade auf alle Menschenn. -
Denn wiederum ist es schon etwas Grosses an jedem Heiligen, wenn er so viel Gnade besitzt, dass sie sogar noch zur Heiligung vieler anderer hinreicht. Würde er aber so viel besitzen, dass sie zur Heiligung aller Menschen auf der ganzen Welt hinreichte, so wäre das wohl das Höchste. Dies ist aber der Fall bei Christus und bei der heiligsten Jungfrau.
Denn von dieser glorreichen Jungfrau kannst du in jeder Gefahr Hilfe erlangen. (...) Ebenso kannst du bei der Ausübung jeder Art guter Werke sicher auf ihren Beistand rechnen. Und darum sagt sie von sich selbst: "Bei mir ist jegliche Hoffnung des Lebens und der Tugend".

(aus dem Katechismus des hl. Thomas von Aquin)

Sonntag, 4. Juni 2017

Petrus von Verona


Martyrium des hl. Petrus von Verona, Bonaventura Lamberti, um 1691,
S. Maria sopra Minverva, Rom



Petrus von Verona stammte aus einer Familie, die dem Manichäismus zuneigte. In früher Jugend konvertierte er zum katholischen Glauben. Als Student in Bologna fühlte er sich durch die Wertschätzung des Studiums, des Gebetes und der Armut bei den Predigerbrüdern und durch die Predigt des heiligen Dominikus zum Orden hingezogen und empfing von ihm das Ordensgewand (1221). 
Nach Beendigung seiner Studien widmete er sich der Predigt, vor allem bei den Katharern. Nach dem Beispiel des heiligen Dominikus war der Dialog für ihn ein Weg, um Menschen für die Wahrheit zu gewinnen. Mit besonderen Gaben des Geistes begnadet, arbeitete er eifrig in der Verkündigung und Verteidigung des wahren Glaubens.

1232 übertrug ihm Papst Gregor IX. die Vollmachten der Inquisition für Oberitalien. Er verwaltete sein Amt mit Güte und Gerechtigkeit. In Rom, Florenz, Mailand und Bologna kamen die Menschen zusammen, um seine Predigten zu hören, und viele bedeutende Leute bekehrten sich.

Petrus war sehr um die geistliche Führung der Schwestern besorgt und stand ihnen mit Rat und Ermahnung zur Seite. Er gründete und förderte zahlreiche Laien-Bruderschaften, eine wichtige Vorform des "Dritten Ordens".

20 Jahre lang warb er um das Vertrauen derer, die der Kirche Kampf und Vernichtung geschworen hatten. Die in die Defensive gedrängten Katharer beschlossen, ihn umzubringen. Von zwei gedungenen Mördern wurde Petrus am 6. April 1252 ermordet, als er auf dem Weg von Como nach Mailand war. Er starb für den Glauben, die Treue und den Gehorsam zur Kirche. Auf den Boden schrieb er mit seinem Blut das Wort "Credo". Einer der Mörder, Carinus, bekehrte sich und trat später in den Orden ein.

Schon ein Jahr nach seinem Tod, am 9. März 1253, schrieb Papst Innozenz IV. ihn in das Verzeichnis der Heiligen ein. Seit der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils ist sein Fest vom 29. April auf den heutigen Tag verlegt worden, dem Gedenktag der Übertragung seiner Gebeine (1340).
(Proprium des Predigerordens)

Allmächtiger Gott,
der heilige Petrus empfing aus deiner Hand die Palme des Martyriums.
Er hat sein Leben eingesetzt, um Menschen für den Glauben zu gewinnen.
Laß uns den Glauben, den er bekannt hat, treu bewahren bis in den Tod.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gedenktag:

Biographie:

Stand:

Kanonisation:


Attribute:

Patronat:
4. Juni - gebotener Gedenktag

* ca. 1205, † 6. April 1252

Ordenspriester, Märtyrer

Heiliggesprochen durch Papst Innozenz IV. am 9. März 1253

mit Finger vor Mund; Kopfwunde und Schwert

von Como und Cremona, der Lombardei und von Modena; der Wöchnerinnen; für das Gedeihen der Feldfrüchte; gegen Kopfleiden, Gewitter, Blitz und Sturm