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| Reliquie von Johannes XXIII., Kathedrale von Bergamo |
Die Wahrheit denken, ehren, sagen und tun!
Wenn man diese Grundforderungen
des menschlichen und des christlichen Lebens ausspricht, dann steigt aus dem
Herzen eine Klage auf die Lippen: Wo bleibt auf Erden die Achtung vor der
Wahrheit? Stehen wir nicht bisweilen oder gar sehr oft vor einem frechen und
schamlosen Gegen- Dekalog, der das " Nein" abschafft, das in allen
fünf Geboten des Herrn, die auf das "Ehre Vater und Mutter" folgen,
den klaren und deutlichen Anweisungen voraus gestellt ist? Verläuft das Leben
vor unseren Augen nicht praktisch in der vorbedachten Übung des Gegenteils:
fünftens - töten, sechstens - Unkeuschheit treiben, siebtens - stehlen, achtens
- falsches Zeugnis geben, wie in einer teuflischen Verschwörung gegen die
Wahrheit?
Und doch besteht für immer in seiner Klarheit und Gültigkeit das Gebot des
göttlichen Gesetzes, das dem Moses auf dem Berge gegeben wurde: "Du sollst
kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten" (Ex. 20, 16; Deut. 5,
20). Dieses Gebot, ebenso wie die anderen, lebt mit allen seinen Folgerungen,
den positiven und den negativen: der Pflicht der Wahrhaftigkeit, der
Redlichkeit, der Aufrichtigkeit, die in der "Angleichung des Urteils an
die Wirklichkeit" (S. Th. I q. 16 art. 1 C.; vgl. Avicenna Metaphys. tract.
VIII cap. 6) besteht.
Anderseits die traurige Möglichkeit und die noch
traurigere Tatsache der Lüge, der Heuchelei, der Verleumdung bis zur
Verdunklung der Wahrheit.
Es ist unser Los, zwischen zwei Auffassungen von menschlichem Zusammenleben
zu existieren. Da ist auf der einen Seite die Wirklichkeit der Welt, wie Gottes
Plan sie uns zur Forschung, Ergründung und Verwirklichung aufgibt; auf der
anderen - Wir scheuen uns nicht, es zu wiederholen - die Fälschung dieser
Wirklichkeit, leicht gemacht durch die Technik und moderne, modernste
menschliche Kunstgriffe.
Angesichts des vielfachen Ideals, die Wahrheit zu denken, zu ehren, zu sagen
und zu tun, und des täglichen Schauspiels von offenem oder getarntem Verrat an
diesem Ideal kann das Herz seine Angst nicht bezwingen, und Unsere Stimme
zittert.
Allem und allen zum Trotz "bleibt die Wahrheit des Herrn in
Ewigkeit" (Ps. 116,2), und sie will immer strahlender vor den Augen
leuchten, um von den Herzen vernommen zu werden.
(Papst Johannes XXIII., aus der
Weihnachtsansprache 1961)
Am Grab des sel. Johannes XXIII. im Petersdom
außerdem gedenkt die Kirche heute des hl.
Alexander Sauli
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| Statue des hl. Johannes XXIII. |
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| Decke und Kuppel des Doms von Bergamo |