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Sonntag, 8. März 2026

Das Wasser der Gnade

Samariterin am Jakobsbrunnen 

Glasfenster in der Salisbury Cathedral, 2023

Fresko in der Alten Kathedrale von Salamanca, 2020 

Mose lässt Wasser aus dem Felsen fließen (Malerei), Frau am Jakobsbrunnen Relief an der Kanzel im Nikolausdom in Trnava, Präfation 3. Fastensonntag, A, 2014



Bildausschnitt: die Apostel kommen nach dem Einkauf zu Jesus

Ein erstes Entgegenkommen der Gnade ist die Bitte Jesu, ihm zu trinken zu geben. Ein Geschenk, das die Sünderin nicht versteht, obschon sie die Bitte nicht verweigert; wir erfahren nicht, ob Jesus von ihr zu trinken bekommen hat.
Dann kommt zweitens das Angebot des lebendigen Wassers, der himmlischen Gabe ewigen Lebens, welches Angebot die Sünderin gar nicht begreifen kann.
Erst die dritte Gnade schaft sich Zugang zum verschlossenen Herzen: die Beichte, die Jesus aus seinem eigenen Wissen heraus der Frau schenkt, welche nunmehr zugänglich ist für das Wort des "Propheten": das Gespräch über die Anbetung Gottes beginnt.
In zwei-drei Schritten ist man bei der Anbetung im Geist und in der Wahrheit und der Selbstenthüllung Jesu als des Gesalbten Gottes. Hier ist das Wasser der Gnade bis auf den Grund der sündigen Seele gedrungen, hat sie gereinigt und zu apostolischem Wirken angespornt.
 Die Buße der Frau - daß sie die ihr auf den Kopf zugesagte Schuld willig zugibt - ist fast bedeutungslos angesichts der alles von Anbeginn an bestimmenden Gnade.
(Hans Urs von Balthsar, Licht des Wortes, 50f)

Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen, Paulo Veronese, um 1585



Dienstag, 17. Februar 2026

Fasching und Fastenzeit, reblogged

 

Pieter Bruegel d. Ältere, 1559, Kunsthistorisches Museum, Wien (Bildinterpretation)


Wie während eines Turniers treten im Vordergrund die beiden allegorischen Hauptfiguren gegeneinander an: links reitet der feiste Karneval auf einem Fass und führt einen Bratspieß als Waffe. Rechts rollt die magere Fastenzeit, zwei Fische ins Treffen führend, heran.
So ist man in Fastnachtspielen und Faschingsumzügen des 15. u. 16. Jhs. tatsächlich aufgetreten. Alle szenischen Details entsprechen damaliger Wirklichkeit und sind volkskundlich identifiziert. Erfunden dagegen ist die räumlich-zeitliche Gleichzeitigkeit des Geschehens.

Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich
beginnen wir
die vierzig Tage der Umkehr und Buße.
Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht,
damit wir dem Bösen absagen
und mit Entschiedenheit das Gute tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.







Sonntag, 7. Dezember 2025

Der aber, der nach mir kommt...

 

Johannes d. Täufer, Antonio Vivarini, um 1451


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 3

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf
und verkündete in der Wüste von Judäa:
Kehrt um!
Denn das Himmelreich ist nahe.
Er war es, von dem der Prophet Jesája gesagt hat:
Stimme eines Rufers in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn!
Macht gerade seine Straßen!
Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
und einen ledernen Gürtel um seine Hüften;
Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.
Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa
und aus der ganzen Jordangegend
zogen zu ihm hinaus;
sie bekannten ihre Sünden
und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
7 Als Johannes sah,
dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen,
sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut,
wer hat euch denn gelehrt,
dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt?
8 Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,
9 und meint nicht,
ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.
Denn ich sage euch:
Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.
10 Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt;
jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt,
wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
11 Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr.
Der aber, der nach mir kommt,
ist stärker als ich
und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
12 Schon hält er die Schaufel in der Hand;
und er wird seine Tenne reinigen
und den Weizen in seine Scheune sammeln;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

(Evangelium vom 2. Adventsonntag im Lesejahr A, Matthäus)



Sonntag, 16. November 2025

Die Marter der Zehntausend (Albrecht Dürer)

 

Detail aus der Marter der Zehntausend v. Albrecht Dürer (1508), KHM 

12 Aber bevor das alles geschieht,
wird man Hand an euch legen und euch verfolgen.
Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern,
vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.
13 Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
14 Nehmt euch also zu Herzen,
nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
15 denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können.
16 Sogar eure Eltern und Geschwister,
eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern
und manche von euch wird man töten.
17 Und ihr werdet um meines Namens willen
von allen gehasst werden.
18 Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
19 Wenn ihr standhaft bleibt,
werdet ihr das Leben gewinnen.
(aus dem Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis, C)


Montag, 30. September 2024

Wir sind nicht dazu geboren, ewig hier zu bleiben (Hieronymus)

 

 

Warum tut es uns so weh, wenn jemand sterben muß?
Sind wir denn dazu geboren, ewig hier zu bleiben? Abraham, Moses, Isaias, Petrus, Jakobus, Johannes und Paulus, das Gefäß der Auserwählung, sind gestorben, ja sogar der Sohn Gottes: und wir sind ungehalten, wenn eine Seele aus dem Körper scheidet, die vielleicht nur deshalb hinwegneommen wurde, damit die Bosheit nicht ihren Sinn verkehre!
Seine Seele war Gott wohlgefällig, deshalb beeilte sich der Herr, ihn aus der ungerechten Umwelt wegzunehmen, damit er nicht auf einem langen Lebensweg von der Richtung abkomme und in die Irre gehe.
Dann mag man über einen Toten trauern, wenn er der Hölle verfällt, wenn ihn die Unterwelt verschlingt, wenn ihn die strafenden Flammen in ewiger Gut peinigen.
Uns aber, die beim Hinscheiden der Engel Schar begleitet, denen Christus entgegeneilt, sollte es mehr bedrücken, daß wir noch länger in diesem Todeszelt leben müssen. Wandeln wir doch fern vom Herrn, solange wir hier auf Erden leben.
Möge auch uns der Wunsch beseelen: "Weh mir, weil sich meine Pilgerfahrt verlängert hat! Ich verweilte bei den Bewohnern Cedars. Allzulange wanderte meine Seele umher." (Ps 119,5f.). Wenn Cedar Finsternis bedeutet - und diese Welt ist Finsternis, denn das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen -, dann wollen wir unserer verstorbenen Blesilla Glück wünschen. Wanderte sie ja von der Finsternis zum Lichte, wo sie, obleich sie bereits im ersten Eifer der beginnenden Bekehrung von uns ging, dennoch die Krone der Vollendung erlangte.

(Hieronymus an Paula 39,3; aus Texte der Kirchenväter, Bd IV., Kösel, 425)

Hieronymus meditiert über Tod und Vergänglichkeit, Christoph Paudiß, um 1656/58


 

S Maria sopra Minerva, Rom, B16 über Hieronymus

Hieronymus in der Wiener Peterskirche, Vita

Kunsthistorisches Museum, Wien, Hieronymus übersetzt die Bibel, das Wort des Priesters soll Würze der Schrift offenbaren

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom

Samstag, 7. Oktober 2023

Das Rosenkranzfest (nach Albrecht Dürer)

 

 

Dieses Gemälde, das von der mächtigen Augsburger Familie Fugger für die Kirche der deutschen Kaufleute in Venedig in Auftrag gegeben wurde, stellt die Feier des Rosenkranzfestes dar. Es zeigt eine thronende Jungfrau Maria, die den deutschen Kaiser Friedrich III. (allerdings nach dem Vorbild des späteren Kaisers Maximilian) mit einem Rosenkranz krönt, während mehrere Cherubim und der heilige Dominikus die umstehenden Gläubigen mit Rosenkränzen krönen. Dürer selbst schaut im rechten Bildhintergrund zu. Das Gemälde wurde also von einem Nürnberger Künstler gemalt, von der mächtigsten deutschen Bankiersfamilie bezahlt und war für die deutsche Händlergemeinschaft im Ausland bestimmt. Das Gemälde selbst ist das Ergebnis deutscher Arbeit und deutscher Ressourcen und zeigt verschiedene Konstellationen des Deutschseins in der Frühen Neuzeit. Der Rosenkranz war eine Erfindung des späten fünfzehnten Jahrhunderts und wurde vor allem in den deutschen Territorien verbreitet. Bei dem Papst, der Friedrich III. gegenüber kniet, handelt es sich um Julius II., der die Rosenkranzandacht 1474 mit einer päpstlichen Bulle bestätigte. Schließlich ist der Hintergrund, vor dem diese Verehrung stattfindet, ein nördlicher, mit einer deutsch anmutenden Stadt und einer rauen, bergigen und bewaldeten Landschaft. Nachdem sie einmal in einem so hochrangigen Kunstwerk verankert worden waren, sollten sich diese Elemente als Schlüsselaspekte des „Deutschseins“ weiter verstärken. (Quelle)


Kopie nachAlbrecht Dürer, 1606-1612 entstanden, Kunsthistorisches Museum, Wien

Montag, 27. März 2023

Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene (Susanna)



91. Bereits im Alten Bund begegnen wir eindrucksvollen Zeugnissen einer Treue zum heiligen Gesetz Gottes, die mit der freiwilligen Annahme des Todes bezahlt wurde.
Beispielhaft ist die Geschichte der Susanna: Den beiden ungerechten Richtern, die sie für den Fall, daß sie sich geweigert hätte, ihrem unreinen Begehren zu Willen zu sein, mit dem Tode bedrohten, antwortete sie: »Ich bin bedrängt von allen Seiten: Wenn ich es tue, so droht mir der Tod; tue ich es aber nicht, so werde ich euch nicht entrinnen. Es ist besser für mich, es nicht zu tun und euch in die Hände zu fallen, als gegen den Herrn zu sündigen!« (Dan 13, 22-23).
Susanna, die es vorzieht, »unschuldig« in die Hände der Richter zu fallen, bezeugt nicht nur ihren Glauben und ihr Gottvertrauen, sondern auch ihren Gehorsam gegenüber der Wahrheit und der Absolutheit der sittlichen Ordnung: durch ihre Bereitschaft, das Martyrium auf sich zu nehmen, bekundet sie, daß es nicht recht ist, das zu tun, was das göttliche Gesetz als Übel bewertet, um dadurch irgendein Gut zu erlangen. Sie wählt für sich den »besseren Teil«: ein ganz klares und kompromißloses Zeugnis für die Wahrheit des Guten und für den Gott Israels; so tut sie in ihren Handlungen die Heiligkeit Gottes kund.

(Johannes Paul II., Veritatis splendor)

Aus Daniel 13, Lesung vom Montag der 5. Fastenwoche

36Die Ältesten sagten: Während wir allein im Garten spazieren gingen, kam diese Frau mit zwei Mägden herein. Sie ließ das Gartentor verriegeln und schickte die Mägde fort.

37Dann kam ein junger Mann zu ihr, der sich versteckt hatte, und legte sich zu ihr.

38Wir waren gerade in einer abgelegenen Ecke des Gartens; als wir aber die Sünde sahen, eilten wir zu ihnen hin

39und sahen, wie sie zusammen waren. Den Mann konnten wir nicht festhalten; denn er war stärker als wir; er öffnete das Tor und entkam.

40Aber diese da hielten wir fest und fragten sie, wer der junge Mann war.

41Sie wollte es uns aber nicht verraten. Das alles können wir bezeugen. Die versammelte Gemeinde glaubte ihnen, weil sie Älteste des Volkes und Richter waren, und verurteilte Susanna zum Tod.

42Da rief sie laut: Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene; du weißt alles, noch bevor es geschieht.

43Du weißt auch, dass sie eine falsche Aussage gegen mich gemacht haben. Darum muss ich jetzt sterben, obwohl ich nichts von dem getan habe, was diese Menschen mir vorwerfen.

44Der Herr erhörte ihr Rufen.

45Als man sie zur Hinrichtung führte, erweckte Gott den heiligen Geist in einem jungen Mann namens Daniel.

 

Susanna im Bade, Georg Schweigger, Kunsthistorisches Museum, Wien

 

Jacobo Tintoretto, Susanna im Bade,

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Judas Thaddäus

 

Judas Thaddäus, Anthonis van Dyck, um 1620, Kunsthistorisches Museum, Wien


Apostel, Märtyrer
Namensdeutung: Gott sei gepriesen (hebr.) – großmütig (aram.)
Namenstage: Judas, Jehuda, Jude, Juditas, weibl.: Jude, Judy – Thaddäus, Thaddeus, Tadeo, Taddeo, Thaddée, Tadeusz, Tadzio, weibl.: Thaddäa
Gedenktag: 28. Oktober

Lebensgeschichte und Legende: Judas mit dem Beinamen „Thaddäus“ – einigen Handschriften nach „Lebbäus“ – wird in den Apostellisten der drei synoptischen Evangelien sowie in der Apostelgeschichte erwähnt (Mt 10,3, Mk 3,18, Lk 6,16 und Apg 1,13). Im lukanischen Doppelwerk heißt es über ihn genauer: „Judas, der Sohn des Jakobus“. Der Deutlichkeit halber wird er im Johannesevangelium abgegrenzt: „Judas – nicht der Judas Iskariot“ (14,22). Wegen dieser Namensnähe zum Verräter Jesu erscheint der Apostel im Neuen Testament häufig nur unter seinem Beinamen.

Vielfach wurde Judas Thaddäus mit dem Herrenbruder Judas (Mk 6,3) verwechselt – wie Simon der Eiferer mit dem Herrenbruder Simon. Und obwohl sich der Verfasser des neutestamentlichen Judasbriefs statt als Sohn als „Bruder des Jakobus“ bezeichnet und selber nicht zu den Aposteln rechnet (17), sprach Hieronymus vom insgesamt „dreinamigen“ Judas.

Diese Verwirrung führt sich durch die Verschmelzung mit anderen Personen wie dem Apostel Thomas und die legendendurchzogene Überlieferung seines Wirkens als Glaubensbote fort. Die mittelalterliche Goldene Legende setzt ihn mit dem Herrenbruder Judas gleich und schickt ihn nach der Himmelfahrt Christi als Addai nach Edessa (heute Şanlıurfa, Türkei), wo er König Abgar ein nichtmenschengemachtes Abbild Christi überbringt. Die Assyrische Kirche des Ostens führt sich auf diese Erzählung zurück.

Im Anschluss wurde Judas Thaddäus „jenseits des Euphrats“, das heißt im Partherreich, zusammen mit Simon dem Eiferer missionarisch tätig – vermutlich, weil beide in den Evangelien stets nebeneinander genannt werden und auch Judas häufig den Beinamen „Zelotes – der Eiferer“ trägt. In Armenien erlitten beide gemeinsam das Martyrium: Judas wurde zu Tode geprügelt, Simon mit einer Säge entzweigeteilt. Varianten seines Martyriums führen seinen Tod auf eine Hellebarde, ein Schwert oder ein Beil zurück.

Nach der Geschichte Armeniens von Moses von Choren (5. Jahrhundert) geschah das Martyrium in Weriosphora im Königreich Iberien (entspricht in etwa Südarmenien). Im heute iranischen West-Aserbaidschan erhebt sich über Judas’ Grab das Schwarze Kloster Sankt Thaddäus als Gründungsort der Armenischen Kirche.

Verehrung und Brauchtum: Die Reliquien der Apostel Judas Thaddäus und Simon gelangten nach lateinischer Lesart in den Petersdom und von dort aus in die Kölner St. Andreaskirche.

Judas’ wichtigstes Patronat als Fürsprecher in aussichtslosen und verzweifelten Anliegen verbreitete der Dominikanerorden in Italien und Frankreich. Zum Beispiel beten in Toulouse, wo sich in der Basilika Saint-Sernin ebenfalls Reliquien befinden, Studenten am Vorabend ihrer Prüfungen traditionell um seine Fürsprache.

In Lateinamerika betrieb im 20. Jahrhundert der Claretinerorden seinen Kult und verankerte ihn in der Volksfrömmigkeit. Aktuell wird Judas Thaddäus besonders im durch Armut und Kriminalität gebeutelten Mexiko verehrt.

Darstellung: mit Keule, Buch, Winkelmaß, Hellebarde oder Arzneikästchen, mit Simon dem Eiferer

Patron: von Goslar, in aussichtslosen und verzweifelten Anliegen
(Bistum Augsburg)

Donnerstag, 29. Juli 2021

Nicht biblisch, aber vielleicht historisch

 

Martha tadelt ihre Schwester Maria Magdalena, um 1621, Simon Vouet, KHM, Wien


Nach dem Johannesevangelium war Marta die Schwester des Lazarus und der Maria von Betanien. Jesus war ein gern gesehener Gast im Haus der beiden Schwestern (vgl. Joh 11,5). Marta scheint die Ältere gewesen zu sein; jedenfalls war sie es, die sich energisch um alles kümmerte (Joh 12,2). Aber „nur eines ist notwendig“, sagte Jesus zu ihr (Lk 10,42). Zu ihr sagte er auch das Wort: „Ich bin die Auferstehung und das Leben ...“ (Joh 11,25), worauf Marta mit ihrem Bekenntnis zu Jesus als dem Messias und Gottessohn antwortete.
(erzabteibeuron)

 Jesus bei Martha und Maria, 1559, Pieter Aertsen, Musee d´arts, Brüssel (B16, 16. Juli 2010)

Sonntag, 20. Juni 2021

Verspottung des Hiob

 

Verspottung des Hiob, um 1525, Lindenholz, Kunsthistorisches Museum, Wien

Lesung aus dem Buch Íjob.

1Der Herr antwortete dem Íjob aus dem Wettersturm
und sprach:
8Wer verschloss das Meer mit Toren,
als schäumend es dem Mutterschoß entquoll,
9als Wolken ich zum Kleid ihm machte,
ihm zur Windel dunklen Dunst,
10als ich ihm ausbrach meine Grenze,
ihm Tor und Riegel setzte
11und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter,
hier muss sich legen deiner Wogen Stolz?

(1. Lesung des 12. Sonntags im Jahreskreis, B)

Samstag, 9. Januar 2021

Taufe des Herrn - KHM

 

Taufe des Herrn, Georg Schweigger, um 1645, KHM, Wien

Christus, den geliebten Sohn,
der dem Vater wohlgefällt;
kommt wir beten IHN an!
 
Taufe des Herrn
 

Liebe Brüder und Schwestern!

An diesem Sonntag nach dem Hochfest der Erscheinung feiern wir das Fest der Taufe des Herrn, mit dem liturgisch die Weihnachtszeit endet. Heute richten wir den Blick auf Jesus, der sich mit etwa 30 Jahren von Johannes im Jordan taufen ließ. Es handelte sich um eine Bußtaufe, die das Symbol des Wassers verwendete, um die Reinigung des Herzens und Lebens zum Ausdruck zu bringen. Johannes, der »Täufer« genannt, predigte dem Volk Israel diese Taufe zur Vorbereitung auf das nahe Kommen des Messias; er sagte allen, daß nach ihm ein anderer kommen sollte, der stärker sei als er und der nicht mit Wasser, sondern mit dem Heiligen Geist taufen würde (vgl. Mk 1,7–8). Als Jesus im Jordan getauft wurde, kam der Heilige Geist herab und ließ sich in Gestalt einer Taube auf ihm nieder; da erkannte Johannes der Täufer, daß er der Christus war, das »Lamm Gottes«, gekommen, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen (vgl. Joh 1,29). Deshalb ist auch die Taufe im Jordan eine »Epiphanie«, eine Offenbarung der messianischen Identität des Herrn und seines Erlösungswerks. Dieses gipfelt in einer weiteren »Taufe«, nämlich der seines Todes und seiner Auferstehung, durch die die ganze Welt im Feuer der göttlichen Barmherzigkeit gereinigt wird (vgl. Lk 12,49–50).

Am heutigen Festtag spendete Johannes Paul II. jedes Jahr einigen Kindern das Sakrament der Taufe. Zum ersten Mal hatte auch ich heute morgen die Freude, zehn Neugeborene in der Sixtinischen Kapelle zu taufen. Diesen Kleinen und ihren Eltern, wie auch ihren Paten, erneuere ich meinen Gruß mit großer Zuneigung. Die Taufe von Kindern ist Ausdruck und Verwirklichung des Geheimnisses der Wiedergeburt zum göttlichen Leben in Christus: Die gläubigen Eltern bringen ihre Kinder zum Taufbecken, das den »Schoß« der Kirche symbolisiert, aus dessen gesegnetem Wasser die Söhne und Töchter Gottes hervorgehen. Das Geschenk, das die Neugeborenen empfangen haben, soll von ihnen, wenn sie erwachsen geworden sind, auf freie und verantwortliche Weise angenommen werden: Dieser Reifungsprozeß wird sie dann dazu führen, das Sakrament der Firmung zu empfangen, das ihre Taufe festigt und jedem von ihnen das »Siegel« des Heiligen Geistes aufprägt.

Liebe Brüder und Schwestern, das heutige Fest möge für alle Christen eine günstige Gelegenheit sein, voll Freude die Schönheit ihrer Taufe wiederzuentdecken. Wenn sie gläubig gelebt wird, ist sie eine stets aktuelle Wirklichkeit: Sie erneuert uns beständig nach dem Bild des neuen Menschen, in der Heiligkeit der Gedanken und Taten. Außerdem verbindet die Taufe die Christen aller Konfessionen. Als Getaufte sind wir alle Kinder Gottes in Christus Jesus, unserem Herrn und Meister. Die Jungfrau Maria erbitte uns, daß wir den Wert unserer Taufe immer besser verstehen und sie mit einer würdigen Lebensführung bezeugen.
(Benedikt XVI., Taufe des Herrn, 2006)

ohne Wasser keine Taufe