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Sonntag, 12. Januar 2025

Die Bedeutung der Erniedrigung Christi für das Menschengeschlecht - Hl. Hilarius

 

Hilarius von Poitiers, in Saint Hilaire le Grand, Poitiers

 

Um des Menschengeschlechtes willen wurde Gottes Sohn aus der Jungfrau und dem Heiligen Geist geboren: bei dieser Tat sein eigener Diener. Durch seine, also durch Gottes überschattende Kraft ließ er die Anfänge seines Körpers wachsen und schuf er den Beginn seines fleischlichen Wesens.
Er wollte Mensch werden und aus der Jungfrau das Wesen des Fleisches in sich aufnehmen, und durch die Einung dieser Beimischung sollte der Leib des gesamten Menschengeschlechtes ein in ihm geheiligtes Dasein gewinnen, damit alle nach seinem Willen in ihn durch seine Körperlichkeit eingegliedert würden und umgekehrt er gerade durch das, was an ihm unsichtbar ist, Beziehung zu allen gewinne.

Also Gottes unsichtbares Ebenbild hat die Beschämung menschlichen Lebensanfanges nicht verschmäht; er hat durch die Empfängnis und Geburt, durch Wimmern und Wiege alle Beschwerlichkeiten unserer Menschlichkeit durchlaufen.
Was könnten wir dem Erweis einer solchen Würdigung Würdiges vergelten?
Der eine eingeborene Sohn, unsagbaren Ursprungs aus Gott, hat sich im Schoß der Jungfrau in die Gestalt eines winzigen Menschenleibes hineinversenkt und so herangewachsen.
Der alles umfaßt, innerhalb dessen und durch den alles geschaffen ist, wird ganz wie jeder Mensch zur Welt gebracht;
und er, bei dessen Wort die Erzengel und Engel erzittern, Himmel und Erde und alle Grundstoffe dieser Welt der Auflösung verfallen, ihn hört man wimmern wie ein Kind.
Der unsichtbar und unerfaßlich ist, der nicht durch Gesicht, Empfinden, Getast ermessen werden kann, ist in Windeln eingehüllt.

Wenn einer das als Gottes unwürdig erachten mag, wird er einer um so größeren Wohltat gegenüber sich zu Dank verpflichtet fühlen, je weniger dies alles der Erhabenheit eines Gottes angemessen erscheint. Nicht jener bedurfte es, Mensch zu werden, sondern wir waren dessen bedürftig, daß Gott Fleisch wurde und unter uns wohnte, durch die Annahme eines fleischlichen Leibes allem Fleische insgesamt innewohnte.
Seine Niedrigkeit ist unsere Vornehmheit, seine Schmach ist unsere Ehre; was jener ist, der als Gott im Fleische Dasein nimmt, das wiederum sind wir, aus dem Fleisch heraus zu Gott erneuert.

(Hilarius, über die Dreieinigkeit 2,24-25, in: Texte der Kirchenväter 2, 115f)

Glasfenster, die Familie des hl. Hilarius wird getauft, Saint Hilaire le Grand, Poitiers
(Gebet um Bewahrung des Glaubens)

Am Grab des hl. Hilarius von Poitiers (Benedikt XVI. über Hilarius)

Hilariusfenster in Saint Hilaire le Grand, Poitiers

Hilarius und der hl. Bischof Martin

Fresko des hl. Hilarius in der Kathedrale von Aquileia

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Remigius von Reims.

Mittwoch, 13. Januar 2021

Gebet um Bewahrung des Glaubens (Hilarius von Poitiers)

Hilarius bei der Taufe seiner Familie, Saint Hilaire le Grand, Poitiers

Bewahre, Gott, ich bitte, unversehrt die Ehrfurcht meines Glaubens!
Und bis zum Scheiden meines Geistes gib mir diese Bekundung meines Wissens, daß ich immer festhalte, was ich in der Glaubensregel bei meiner Wiedergeburt feierlich bekannte, als ich getauft wurde im Vater und Sohn und Heiligen Geist:

dich, unsern Vater, und deinen Sohn zugleich mit dir anzubeten;
des Heiligen Geistes würdig zu werden,
der aus dir durch deinen Eingeborenen sein Dasein hat!
Denn meines Glaubens ist mir vollgültiger Zeuge, der da sagt:
"Vater, alles Meinige ist dein, und alles Deinige ist mein" (Joh 17),
mein Herr Jesus Christus, der in dir und aus dir und bei dir immerdar als Gott bleibt,
der gepriesen ist in der Ewigkeiten Ewigkeit. Amen.

(Hilarius, über die Dreieinigkeit 12,57, in: Texte der Kirchenväter 2, 293)

 

Saint Hilaire Le Grand, Poitiers

Am Grab des hl. Hilarius von Poitiers (Benedikt XVI. über Hilarius)

Hilariusfenster in Saint Hilaire le Grand, Poitiers

Hilarius und der hl. Bischof Martin

Fresko des hl. Hilarius in der Kathedrale von Aquileia

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Remigius von Reims.

Sonntag, 7. Juni 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes




Liebe Brüder und Schwestern! 

Nach der Osterzeit, die am vergangenen Sonntag mit dem Pfingstfest ihren Abschluß gefunden hat, ist die Liturgie zum »Jahreskreis« zurückgekehrt. Dies will aber nicht heißen, daß der Einsatz der Christen geringer werden darf. Im Gegenteil: Wir sind durch die Sakramente in das göttliche Leben eingetreten und so tagtäglich aufgerufen, für das Wirken der Gnade offen zu sein, um in der Liebe zu Gott und zum Nächsten voranzuschreiten. Der heutige Dreifaltigkeitssonntag faßt in gewissem Sinne die Offenbarung Gottes zusammen, die sich in den österlichen Geheimnissen ereignet hat: Tod und Auferstehung Christi, seine Himmelfahrt zur Rechten des Vaters und die Ausgießung des Heiliges Geistes. Der Geist und die Sprache des Menschen reichen nicht aus, um die zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist bestehende Beziehung zu erklären, und dennoch haben die Kirchenväter versucht, das Geheimnis des dreieinigen Gottes zu veranschaulichen, indem sie es in ihrem eigenen Dasein mit tiefem Glauben gelebt haben.

Die göttliche Dreifaltigkeit nämlich nimmt in uns Wohnstatt am Tag der Taufe: »Ich taufe dich« – sagt der geweihte Diener Gottes – »im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« Des Namens Gottes, in dem wir getauft sind, gedenken wir jedesmal, wenn wir uns bekreuzigen.
Der Theologe Romano Guardini merkt zum Kreuzzeichen an: »Wir machen es vor dem Beten, damit es uns ordne und sammle, Gedanken und Herz und Willen in Gott fasse. Nach dem Gebet, damit in uns bleibe, was Gott uns geschenkt hat… Dann umfaßt es dein ganzes Wesen, Gestalt und Seele… Alles wird darin gestärkt, gezeichnet, geweiht, in der Kraft Christi, im Namen des dreieinigen Gottes« (Vom Geist der Liturgie, Freiburg 1918; Ostfildern-Paderborn 2007).

Im Kreuzzeichen und im Namen des lebendigen Gottes ist daher die Verkündigung enthalten, die den Glauben erweckt und das Gebet beseelt. Und wie Jesus es im Evangelium den Aposteln verheißt: »Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen« (Joh 16,13), so geschieht dies in der sonntäglichen Liturgie, wenn die Priester von Woche zu Woche das Brot des Wortes und der Eucharistie austeilen.
Auch der hl. Pfarrer von Ars rief dies seinen Gläubigen in Erinnerung: »Wer hat Eure Seele – so sagte er – beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester« (Schreiben zum Beginn des Priester-Jahres; 26.6.2009). 

Liebe Freunde, machen wir uns das Gebet des hl. Hilarius von Poitiers zu eigen: 
»Bewahre … unversehrt diese Ehrfurcht meines Glaubens;
und bis zum Scheiden meines Geistes gib mir diese Bekundung meines Wissens,
daß ich immer festhalte,
was ich in der Glaubensregel bei meiner Wiedergeburt feierlich bekannte,
als ich getauft wurde im Vater und Sohn und Heiligen Geist« 
(De Trinitate, XII, 57, CCL 62/A, 627). 

Wir rufen zur seligen Jungfrau Maria, dem ersten Geschöpf, in dem die Heiligste Dreifaltigkeit ganz ihre Wohnstatt genommen hat, und bitten um ihren Schutz, um unsere Pilgerschaft auf Erden gut fortzusetzen.

(Benedikt XVI., Angelus am Dreifaltigkeitssonntag, 30. Mai 2010)



Gnadenstuhlkapelle, Saint Hilaire le Grand, Poitiers


Mittwoch, 22. April 2020

So sehr hat Gott die Welt geliebt


Gnadenstuhl, Saint Hilaire le Grand, Poitiers



+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes Joh 3, 16-21
16Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
19Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
20Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
21Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.
(Evangelium vom Dienstag der 2. Osterwoche)

Montag, 13. Januar 2020

Am Grab des hl. Bischofs Hilarius von Poitiers



Bischof, Kirchenlehrer
Namensdeutung: der Heitere, Fröhliche (lat.)
Namenstage: Hilarius, Ilario, Hilaire, weibl.: Hilaria, Ilaria, Hillary, Hilly
Gedenktag: 13. Januar
Lebensdaten: geboren um 310 in Poitiers, gestorben am 13. Januar 367 ebendort
Lebensgeschichte: Hilarius entstammte einer wohlhabenden gallorömischen Familie und schlug nach einer gründlichen Ausbildung besonders in Philosophie und Rhetorik die Beamtenlaufbahn ein. Seine Wahrheitssuche und das Studium der Heiligen Schrift führten ihn schließlich zur Anerkenntnis des Schöpfergottes und seines menschgewordenen Sohnes. 345 ließ er sich mit Frau und Tochter taufen, keine zehn Jahre später wählte ihn die kleine christliche Gemeinde von Poitiers zu ihrem Bischof.
Seine ganze Amtszeit hindurch musste er sich vor allem mit dem Arianismus auseinandersetzen, der sich mit Hilfe der Kaiser über das ganze Reich verbreitet hatte. Er trat gleich zu Beginn so entschieden gegen die Irrlehre auf, dass er ins Exil nach Phrygien (heutige Türkei) gehen musste. Dort geriet er ebenfalls ins Zentrum des theologischen Streits. Für seine Mitbrüder in Gallien übertrug er die rechtgläubigen Synodenbeschlüsse der orientalischen Kirche vom Griechischen ins Lateinische, womit er nach seiner Rückkehr nach Poitiers eine Wende verursachte, welche die Irrlehre zu überwinden half.
Bei aller Entschiedenheit in der Lehre war Hilarius geduldig mit denen, für die der Sohn dem Vater im Wesen wenigstens „ähnlich“ ist, auch wenn sie den vollständigen Glauben an die Dreifaltigkeit nicht teilen konnten. Hilarius verfasste ein umfangreiches theologisches Werk und gilt darüber hinaus als der erste Hymnendichter der Westkirche. Martin von Tours war sein berühmtester Schüler. Er starb am 13. Januar 367 und wurde in Poitiers beigesetzt.
Verehrung: Hilarius, der in der orthodoxen Kirche schon immer als Kirchenlehrer verehrt worden ist, wurde 1851 von Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer erhoben.
Darstellung: in bischöflichem Ornat mit Schlangen oder als Drachentöter
Patron: von Poitiers, Parma, La Rochelle und Luçon, Helfer der schwächlichen Kinder und gegen Schlangenbiss
(Bistum Augsburg)


Heiliger Hilarius, bitte für uns

 „Die Kirche siegt dann, wenn sie verwundet ist.
Sie wird dann Erfolg haben, wenn sie verlassen scheint.“

Reliquienschrein des hl. Hilarius von Poitiers, 1892, Saint Hilaire le Grand, Poitiers

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute möchte ich über einen großen Kirchenvater des Westens sprechen, den heiligen Hilarius von Poitiers, eine der großen Bischofsgestalten des vierten Jahrhunderts. In der Auseinandersetzung mit den Arianern, die Jesus, den Sohn Gottes, nur als Geschöpf betrachtet haben, wenn auch als das hervorragendste Geschöpf, widmete Hilarius sein ganzes Leben der Verteidigung des Glaubens an die Gottheit Jesu Christi, Sohn Gottes und Gott wie der Vater, der ihn von Ewigkeit her gezeugt hat.

Wir verfügen über keine sicheren Angaben über den Großteil des Lebens des Hilarius. Die alten Quellen berichten, dass er in Poitiers wahrscheinlich um das Jahr 310 geboren wurde. Aus einer wohlhabenden Familie stammend, empfing er eine achtbare literarische Ausbildung, die in seinen Schriften gut erkennbar ist. Es hat nicht den Anschein, dass er in einem christlichen Umfeld aufgewachsen wäre. Er selbst spricht von einem Weg der Suche nach der Wahrheit, der ihn Schritt für Schritt zur Annahme des Schöpfergottes und des Mensch gewordenen Gottes geführt habe, der gestorben ist, um uns das ewige Leben zu schenken. Um das Jahr 345 empfing er die Taufe und wurde dann um 353/354 zum Bischof seiner Geburtsstadt gewählt. In den folgenden Jahren schrieb Hilarius sein erstes Werk, den Kommentar zum Matthäusevangelium. Es handelt sich um den ältesten erhaltenen Kommentar zu diesem Evangelium in lateinischer Sprache. 356 nahm Hilarius als Bischof an der Synode von Béziers im Süden Frankreichs teil, der „Synode der falschen Apostel“, wie er selbst sie nannte, insofern die Versammlung von Bischöfen dominiert wurde, die dem Arianismus freundlich gesinnt waren und die Gottheit Jesu Christi leugneten. Diese „falschen Apostel“ forderten von Kaiser Constantius die Verurteilung des Bischof von Poitiers zum Exil. So war Hilarius gezwungen, Gallien im Sommer 356 zu verlassen.

In der Verbannung in Phrygien in der heutigen Türkei kam Hilarius mit einer religiösen Umgebung in Kontakt, die ganz vom Arianismus beherrscht war. Auch dort drängte ihn seine Hirtensorge, tapfer für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche auf der Grundlage des rechten Glaubens zu arbeiten, wie ihn das Konzil von Nizäa formuliert hatte. Zu diesem Zweck nahm er die Verfassung seines wichtigsten und bekanntesten dogmatischen Werks in Angriff: De Trinitate (Über die Dreifaltigkeit). In ihm legt Hilarius seinen persönlichen Lebensweg zur Erkenntnis Gottes dar und trägt Sorge dafür aufzuzeigen, dass die Schrift eindeutig die Gottheit des Sohnes und seine Gleichheit mit dem Vater nicht nur im Neuen Testament, sondern auch an vielen Stellen des Alten Testaments bezeugt, wo bereits das Geheimnis Christi aufleuchtet. Den Arianern gegenüber besteht er auf der Wahrheit der Namen „Vater“ und „Sohn“. Seine ganze Trinitätstheologie entwickelt er von der Taufformel her, die uns der Herr selbst geschenkt hat: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Der Vater und der Sohn sind eines Wesens. Und wenn einige Stellen des Neuen Testaments vielleicht daran denken lassen, dass der Sohn gegenüber dem Vater einen niedereren Rang einnähme, so bietet Hilarius genaue Regeln, um irreführende Auslegungen zu vermeiden: Einige Stellen der Schrift sprechen von Jesus als Gott, andere hingegen rücken seine Menschheit in den Vordergrund; einige beziehen sich auf ihn in seiner Präexistenz beim Vater, andere wiederum legen das Hauptaugenmerk auf seinen Stand der Entäußerung (kenosis), seinen Abstieg bis hin zum Tod; andere schließlich betrachten ihn in der Herrlichkeit der Auferstehung.

In den Jahren seines Exils schrieb Hilarius auch ein Buch über die Synoden, in dem er für seine Mitbrüder im Bischofsamt in Gallien die Glaubensbekenntnisse und weitere Dokumente der Synoden wiedergibt und kommentiert, die Mitte des vierten Jahrhunderts im Osten stattfanden. Trotz seines stets standhaften Widerstands gegen die radikalen Arianer legt der heilige Hilarius einen versöhnenden Geist gegenüber jenen an den Tag, die bereit waren zu bekennen, dass der Sohn dem Vater im Wesen ähnlich war, wobei er natürlich versuchte, sie zum vollen Glauben zu führen, nach dem es sich nicht allein um eine Ähnlichkeit, sondern um eine wahre Gleichheit des Vaters und des Sohnes in der Gottheit handelt. Auch das scheint mir kennzeichnend zu sein: der Geist der Versöhnung, der sich darum bemüht, diejenigen zu verstehen, die noch nicht zum vollen Glauben an die wahre Gottheit des Herrn Jesus Christus gelangt sind, und ihnen mit großer theologischer Klugheit hilft, zu ihm zu kommen.

Im Jahr 360 oder 361 konnte Hilarius endlich aus der Verbannung in die Heimat zurückkehren. Er nahm sofort die pastorale Tätigkeit in seiner Kirche wieder auf. Der Einfluss seines Lehramtes fand aber weit über deren Grenzen hinaus Verbreitung.

Eine in Paris im Jahr 360 oder 361 abgehaltene Synode nimmt die Sprache des Konzils von Nizäa auf. Einige alte Schriftsteller denken, dass diese antiarianische Wende des gallischen Episkopats zu einem Großteil der Standhaftigkeit und dem Sanftmut des Bischofs von Poitiers zu verdanken sei. Genau darin bestand sein Talent: Standhaftigkeit im Glauben und Sanftmut in den zwischenmenschlichen Beziehungen miteinander in Einklang zu bringen.

In seinen letzten Lebensjahren verfasste er noch den Traktat über die Psalmen, einen Kommentar zu 58 Psalmen, die nach dem folgenden Prinzip ausgelegt werden, wie in der Einleitung dieses Werks hervorgehoben wird: „Es besteht kein Zweifel, dass alles, was in den Psalmen gesagt wird, gemäß der Botschaft des Evangeliums zu verstehen ist, so dass alles, welcher Art auch die Stimme sei, mit der der prophetische Geist gesprochen hat, auf die Erkenntnis des Kommens unseres Herrn Jesus Christus, Fleischwerdung, Leiden und Reich, sowie auf die Herrlichkeit und die Macht unserer Auferstehung zu beziehen ist“ (Instructio Psalmorum 5). Er sieht in allen Psalmen dieses Durchscheinen des Geheimnisses Christi und seines Leibes, der die Kirche ist. Zu verschiedenen Gelegenheiten traf sich Hilarius mit dem heiligen Martin: Gerade in der Nähe von Poitiers gründete der zukünftige Bischof von Tours ein Kloster, das es noch heute gibt. Hilarius starb im Jahr 367. Sein liturgischer Gedenktag wird am 13. Januar begangen. 1851 erklärte ihn der selige Pius IX. zum Kirchenlehrer.

Um das Wesentliche seiner Lehre zusammenzufassen, möchte ich sagen, dass Hilarius eben den Ausgangspunkt seiner theologischen Reflexion im Taufglauben findet. In De Trinitate schreibt Hilarius:

 Jesus „hat befohlen, ‚im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘ zu taufen (vgl. Mt 28,19), das heißt im Bekenntnis des Urhebers, des Eingeborenen und des Geschenkes. Urheber von allem ist nur einer. Denn ‚einer ist Gott Vater, aus dem alles hervorgeht‘. Und ‚einer ist unser Herr Jesus Christus, durch den alles geschaffen ist‘ (1Kor 8,6), und ,einer ist der Heilige Geist‘ (Eph 4,4), Geschenk in allen. In nichts kann eine derart große Vollkommenheit als fehlend ausgemacht werden, in der im Vater und im Sohn und im Heiligen Geist die Unendlichkeit im Ewigen, die Offenbarung im Bild, die Freude im Geschenk zusammenkommen“ (De Trinitate 2,1). Da Gott Vater ganz Liebe ist, kann er dem Sohn seine Gottheit in Fülle mitteilen. Ich finde die folgende Formulierung des heiligen Hilarius besonders schön: „Gott vermag es weder, irgend etwas anderes als Liebe zu sein, noch etwas anderes als Vater zu sein. Wer liebt, neidet nicht, und wer Vater ist, der ist es in seiner Gesamtheit. Dieser Name lässt keinen Mittelweg zu, so als wäre Gott gleichsam in einer Hinsicht Vater und in anderer Hinsicht nicht“ (ebd. 9,61).

Daher ist der Sohn ganz Gott, ohne den geringsten Mangel oder die geringste Verkürzung: „Wer vom Vollkommenen kommt, ist vollkommen, denn wer alles hat, der hat ihm alles gegeben“ (ebd. 2,8). Nur in Christus, Gottessohn und Menschensohn, findet die Menschheit Heil. Indem er die menschliche Natur angenommen hat, hat er jeden Menschen mit sich vereinigt: „Er ist unser aller Fleisch geworden“ (Tractatus in Psalmos 54,9). „Er hat in sich das Wesen jedes Fleisches aufgenommen, und durch das Fleisch ist er der wahre Weinstock geworden; er trägt in sich die Wurzel eines jeden Rebschosses“ (ebd. 51,16).

Gerade deshalb ist der Weg hin zu Christus für alle offen – denn er hat alle in sein Menschsein aufgenommen, auch wenn immer die persönliche Umkehr geboten ist: „Durch die Beziehung mit seinem Fleisch ist der Zugang zu Christus für alle offen, unter der Bedingung, dass sie sich des alten Menschen entkleiden (vgl. Eph 4, 22) und ihn an sein Kreuz nageln (vgl. Kol 2,14); unter der Bedingung, dass sie die Werke von früher aufgeben und umkehren, um mit ihm in seiner Taufe begraben zu werden, in Erwartung des Lebens (vgl. Kol 1,12; Röm 6,4)“ (ebd. 91,9).

Die Treue zu Gott ist ein Geschenk seiner Gnade. Deshalb bittet der heilige Hilarius am Ende seiner Abhandlung über die Dreifaltigkeit darum, immer dem Taufglauben treu bleiben zu können. Das ist ein Merkmal dieses Buches: Die Reflexion wandelt sich zum Gebet, und das Gebet geht wiederum in der Reflexion auf. Das ganze Buch ist ein Gespräch mit Gott. Ich möchte die heutige Katechese mit einem dieser Gebete abschließen, das so auch unser Gebet wird:

 „O Herr“ – so betet Hilarius vom Geist erfüllt –, „lass mich immer die Treue zu dem wahren, was ich im Symbol meiner Wiedergeburt bekannt habe, als ich getauft worden bin im Vater, im Sohn und ihm Heiligen Geist. Lass mich dich immer anbeten, dich, unseren Vater, und zusammen mit dir deinen Sohn; lass mich deines Heiligen Geistes würdig werden, der aus dir hervorgeht durch deinen Eingeborenen… Amen“ (De Trinitate 12,57).
 (Katechese über Hilarius von Benedikt XVI., 10. Oktober, 2007)

Saint Hilaire le Grand

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Remigius von Reims.

Hilariusfenster in Saint Hilaire le Grand, Poitiers
Hilarius und der hl. Bischof Martin
Fresko des hl. Hilarius in der Kathedrale von Aquileia

Samstag, 13. Januar 2018

Hilarius von Poitiers - ein standhafter Bischof

Hilariusfenster in Saint Hilaire-le-Grand, 1958-60, Poitiers

Hilarius von Poitiers, Bischof. Hilarius wurde um 315 geboren und war wohl im Verwaltungsdienst tätig, als er als Erwachsener um 345 die Taufe empfing. Schon 350 wurde er Bischof von Poitiers. Hilarius stand im Kampf gegen die Irrlehre des Aríus und wurde von den militanten Arianern 356 nach Phrygien verbannt, konnte aber nach vier Jahren zurückkehren. Aus dem gemeinsamen Leben des Bischofs mit seinen Klerikern entstanden die ersten klösterlichen Gemeinschaften Galliens. Hilarius gilt auch als der erste Hymnendichter der lateinischen Kirche. Er starb zu Anfang des Jahres 367 und wurde nach alter Überlieferung am 13. Jänner beigesetzt. Das Grab des Kirchenvaters befindet sich im Saint-Hilaire-le-Grand in Poitiers.
(vgl. Martyrologium Sancrucense)

Hilarius rühmt das Zeichen der Taufe

Der hl. Hilarius begegnet dem hl. Martin und seinen Mönchen



Martinus nahm also seinen Abschied und ging hernach zum heiligen Hilarius, Bischof von Poitiers, der damals, wie allgemein bekannt, für die Sache Gottes mit bewährter, erprobter Glaubensfestigkeit eintrat. Martinus hielt sich bei ihm einige Zeit auf. Hilarius versuchte, ihn durch die Diakonatsweihe enger an sich zu ziehen und dauernd für den kirchlichen Dienst zu gewinnen. Allein Martinus sträubte sich immer aufs neue dagegen, da er unwürdig sei. So erkannte der Bischof mit seinem klaren Blick, es bleibe nur ein Mittel übrig, Martinus festzuhalten, wenn man ihm nämlich ein Amt übertrage, das etwa als eine Beleidigung für ihn gelten konnte. Deshalb legte er ihm nahe, sich zum Exorzist weihen zu lassen. Diese Weihe wies Martinus nicht zurück, um nicht den Anschein zu erwecken, als ob er sie ihres niederen Grades wegen verachte.
Bald darauf wurde er im Traum ermahnt, wieder in sein Vaterland zurückzukehren und in frommem Eifer seine immer noch heidnischen Eltern zu besuchen. Er machte sich mit Einwilligung des hl. Hilarius auf den Weg. Dieser nötigte ihm durch Bitten und Tränen das Versprechen ab, daß er wieder zurückkehren werde. Es wird erzählt, Martinus habe mit kummervollem Herzen diese Reise angetreten; denn es werde ihm viel Leid begegnen, so habe er seinen Brüdern versichert. Es kam dann auch wirklich so. Zunächst verirrte er sich in den Alpen und fiel Räubern in die Hände. Schon schwang einer von ihnen ein Beil, um mit wuchtigem Schlag sein Haupt zu treffen; doch ein anderer hielt den Todesstreich auf. Man band Martinus die Hände auf den Rücken und übergab ihn einem zur Bewachung und Ausplünderung. Dieser führte ihn beiseite und erkundigte sich, wer er sei. Seine Antwort lautete, er sei Christ. Er fragte ihn dann, ob er Angst habe. Da erklärte Martinus voll Festigkeit, er habe sich nie so sicher gefühlt; er wisse ja, daß Gottes Barmherzigkeit vor allem in Heimsuchungen helfend nahe sei; über den Räuber müsse er sich mehr betrüben, da er seines Räuberhandwerkes wegen kein Anrecht auf die Barmherzigkeit Christi habe. Martinus knüpfte daran ein Gespräch über das Evangelium und verkündete dem Räuber das Wort Gottes. Kurzum, der Räuber wurde gläubig und gab Martinus das Geleit, führte ihn auf den rechten Weg zurück und bat ihn auch, er möge für ihn zu Gott flehen. Später sah man denselben Mann ein frommes Leben führen. So soll denn, was ich soeben erzählt habe, aus seinem eigenen Munde stammen.
(Vita sancti Martini, 5)

 
Die hll. Hilarius und Martin bei den Mönchen von Liguge

Das Kloster Liguge wurde durch den heiligen Martin von Tours 361 gegründet. Er war in Trier dem dorthin verbannten Athanasius begegnet, dem Biografen des Mönchsvaters Antonius. Ligugé gilt damit als erstes Kloster des Abendlandes. Martin nutzte dafür eine verlassene römische Siedlung. Er wollte seinem verehrten Lehrer und Vorbild Hilarius von Poitiers nahe sein, der von 350 bis 367 Bischof von Poitiers war. Zunächst errichtete er eine Einsiedlerzelle, der sich aber bald 60 weitere Mönche anschlossen. Einige Quellen berichten, dass Hilarius das Kloster für Martin gestiftet habe. Martin selbst wurde dort zum Priester geweiht und war bis 370 Abt in Ligugé. (wikipedia)

Saint Hilaire le Grand, Poitiers

Saint Hilaire le Grand, Poitiers