Oratorium des hl. Philipp zur heiligsten Dreifaltigkeit, Chioggia
Die Liebe, die unsere selige Jungfrau Maria zu Gott hatte, war so groß, dass sie unendlich unter ihrem Wunsch nach Vereinigung mit Ihm litt. Um sie zu trösten sandte ihr deshalb der Ewige Vater seinen einzigen, geliebten Sohn.
(Philipp Neri, in: eine Richtschnur für jeden Tag, die Maximen des hl. Philipp Neri, 1. Juni)
Kapelle des hl. Philipp Neri, die Jungfrau mit den Heiligen Philipp Neri und Franz von Sales, G. Bevilacqua, 1794
in Chioggia, rechts das Oratorium zur heiligsten Dreifaltigkeit
Er wußte aber, dass die Stunde seines Todes näher rückte; darum wiederholte er, kaum dass er sich hingelegt hatte, noch einmal den Spruch, den er in seinen letzten Tagen so oft geäußert hatte: "Am Ende muss man doch sterben."
(Pietro Giacomo Bacci, Leben des hl. Philipp Neri, Hrsg. Dusek - Wodrazka, 505)
Kapelle des hl. Philipp Neri mit seinem Grab in der Chiesa Nuova
Büstenreliquiar des hl. Philipp Neri, Chiesa Nuova, Pietro Zagnoni, 1683, Chiesa Nuova
Philipp Neri, Priester und Apostel Roms. Philipp Neri wurde am 21. Juli 1515 zu Florenz geboren; er wurde schon in seiner Jugend durch die Schriften des Volkspredigers Savonarola für ein strenges und sittenreines Christentum begeistert. Als Hauslehrer in Rom führte er sechzehn Jahre lang ein Leben der Abtötung, des Gebetes und der Nächstenliebe. Zwei Jahre vor dem Jubeljahr 1550 gründete er eine Dreifaltigkeitsbruderschaft zur Betreuung der armen und kranken Rompilger. 1551 zum Priester geweiht, schloss sich Philipp Neri einer Priestergemeinschaft bei der Kirche San Girolamo della Carità an, aus der 1552 das sogenannte „Oratorium“ entstand.
Philipps Anliegen, die religiöse Erneuerung Roms, versuchte er durch neue Seelsorgemethoden zu verwirklichen. Er förderte die Kinderpredigt, die geistlichen Lieder in der Volkssprache, machte sonntägliche Stadtwallfahrten und hielt geistliche Vorträge. Seine entwaffnende Freundlichkeit und sein liebenswürdiger Humor erwarben ihm in allen Volksschichten Vertrauen. Er war nicht nur lustig, sondern er machte sich selbst oft sogar bewusst lächerlich, um sich zu demütigen. Zu seinen Freunden und Beichtkindern zählten Ignatius von Loyola, Karl Borromäus, Kamillus von Lellis, Franz von Sales sowie der Historiker Cäsar Baronius, der später seine Nachfolge als Leiter des Oratoriums antrat. Philipp lehnte die Kardinalswürde mehrmals ab. Schon zu Lebzeiten verehrte ihn das römische Volk als „Il Santo“, „der Heilige“.
Er starb am 26. Mai 1595, ganz Rom bereitete ihm ein geradezu triumphales Begräbnis. Sein Grab befindet sich in der von ihm erbauten Kirche Santa Maria in Vallicella, die vom Volk einfach „Chiesa Nuova“ genannt wird. Philipp Neri gehört zu den bedeutendsten Gestalten der tridentinischen Reform, er wird mit flammendem Herzen dargestellt, wie er vor der Muttergottes betet.
(Martyrologium Sancrucense)
Wie schon
erwähnt, brachte der Priester Phillip Neri täglich das heilige Messopfer dar.
Es war für ihn das Kennzeichen seines priesterlichen Dienstes, wenngleich zur
damaligen Zeit die tägliche Zelebration noch nicht die Regel war. Auch hier
erweist sich Philipp ganz als Schüler der Priester von San Girolamo.
Pater
Philipp ermahnte seine Mitbrüder, jeden Tag zu zelebrieren. Er sagte: „Die
Priester, die – obwohl sie könnten – nicht jeden Tag zelebrieren, machen einen
großen Fehler. Auch die welche um ihrer Erholung willen die Erlaubnis erbäten,
nicht täglich zu zelebrieren, begingen einen großen Irrtum. Er sagte auch:
Jene, die Trost außerhalb des wahren Ortes suchen, suchen ihre Verurteilung.
Wer weise sein will ohne die wahre Weisheit, ohne den Heiland, ist nicht heil,
sondern krank, nicht weise, sondern verrückt.“ (Wick-Alda, U. u. Wodrazka, P.
B. [Hrsg.]: Philipp Neri. Schriften und Maximen, Sankt Ottilien 2011, pp.
292-293 bzw. # 162).
Ebenso
empfahl Philipp den Gläubigen, regelmäßig die heilige Messe mitzufeiern. Er
optierte nicht dafür, dass alle täglich zur heiligen Kommunion gehen sollten,
sondern meinte, dass die Häufigkeit des Kommunionempfangs neben der
persönlichen Disposition vom geistlichen Weg und der religiösen Situation des
Einzelnen abhinge.
Phillip
Neri zelebrierte mit einer solchen Innigkeit und Andacht die heilige Messe,
dass es ihm schwer fiel, die Worte des Messbuches deutlich und laut
auszusprechen, wie Giacomo Crescenzi beim Prozess darlegte. (P.P., II, p.
171).
Insbesondere
während der Opfermesse (Eucharistiefeier), dem zentralen Teil der heiligen
Messe, geriet der Heilige sehr häufig in Ekstase. Dies betonten unzählige
Zeugen, die beim Prozess befragt worden sind. So erinnerte sich z. B. Giovanni
Bernardi: „Bei der Elevation des Leibes des Herrn erzitterte alles, er schwebte
ein Stück über dem Boden; und dies geschah noch einmal währenddem die anderen
kommunizierten, dass er sich bewegte, als würde er schweben. Und der heilige
Philipp selbst hat mir versichert, dass, als er mit dem Messe lesen begann, den
Kelch nicht ohne viele Tränen aus Gründen der Andacht und des Trostes zu
vergießen, erheben konnte.“ (P.P., I, p. 48).
Diese
inneren Anrührungen versuchte Philipp, so weit wie möglich zu verbergen.
Aufgrund seines Gesundheitszustandes erhielt er in den letzten Jahren seines
Lebens von Papst Gregor XIV. die Erlaubnis, die heilige Messe in einer Kapelle
in der Nähe seines Zimmers zu feiern. Beim Agnus Dei verließ der Ministrant das
Zimmer, der Mesner zündete eine kleine Lampe an, löschte die Lichter am Altar
aus, schloss die Fenster und sperrte beide Türen zu, damit Filippo ungestört in
der Andacht Zeit mit seinem Herrn verbringen konnte. An der Außenseite der Türe
hing ein Schild mit dem Hinweis „Silentium! Pater Philipp zelebriert!“. Nach
zwei Stunden klopfte der Mesner wieder an die Türe, und wenn der Heilige
antwortete, so öffnete er die Türe und zündete die Lichter an und Philipp
setzte die heilige Messe fort. (P.P., II, p, 359; P.P., I, p. 97 und Bacci, II,
I).
Eucharistische
Wunder waren bei der Messfeier des heiligen Philipp keine Seltenheit. Nero del
Nero, ein florentinischer Edelmann, bezeugte, dass Pater Philipp beim
Kommunizieren des Blutes Christi, das sich sichtbar in Blut verwandelt hatte,
von solcher Ehrfurcht erfüllt war, dass er sich nur schwer vom Kelch trennen
konnte. Noch heute kann man die Abdrücke seiner Zähne an seinem Kelch in der
Vallicella deutlich erkennen. (P.P., I, p. 327). Der Heilige empfing die
verwandelten Gestalten unseres Herrn mit größter Andacht und war auch peinlich
darauf bedacht, dass kein Teil des Leibes und kein Tropfen des Blutes Christi
verloren ging. (P.P., I, p. 126 [Blut Christi] und P.P., II, p. 74 [Leib
Christi]).
Nach dem
Ende der heiligen Messe war der heilige Philipp so tief mit Gott verbunden und
in das danksagende Gebet versunken, dass er Menschen, die an ihm vorbeigingen,
nicht wahrnahm. Er war mit all seinen Gedanken so innig bei Gott, dass es
einige Zeit dauerte, bis er wieder den normalen täglichen Verrichtungen
nachgehen konnte. (Bacci, II, I).
Der
eucharistische Heilige durfte seine letzte Messe am Fest Corpus Christi
(Fronleichnam), dem 25. Mai 1595, feiern. (P.P., I, p. 66).
Ein paar Tage
zuvor, als sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, empfing er aus der Hand
des Kardinal Federico Borromeo die Wegzehrung. Dabei sagte Philipp: „Ich bin
nicht würdig, ich bin niemals würdig gewesen; komm meine Liebe!“ (P.P., I,
p. 68).
Philipp Neri, Our Lady and the English Martyrs Church, Cambridge
Er sagte auch, dass um zur Vollkommenheit des geistlichen Lebens zu gelangen und vollkommen die Gabe der Demut zu gewinnen, vier Dinge notwendig seien:
Philipp Neri empfängt den Heiligen Geist, Privaträume des hl. Philipp, Chiesa Nuova, Rom
Es war im Frühjahr 1544. Der Pfingstfest rückte näher, dieses große Fest, bei dem wir jenes Tages gedenken, an dem auf die versammelten Apostel der Heilige Geist in Form von Feuerzungen herabgekommen war.
Am Vorabend des Festtages war, Philipp, wie es seine Gewohnheit war, in die unterirdischen Hallen der Katakomben von San Sebastiano hinabgestiegen, um an den Gräbern der glorreichen ersten Märtyrer zu beten. Dieser Ort schien ihm von geheimnisvoller Schönheit zu sein, die den Augen der Welt verschlossen blieb. In jenen labyrinthischen Gängen, eingetaucht in tiefste Dunkelheit und erhabene Stille, spürte Philipp seine Seele in Liebe zu Gott brennen. Hier meditierte er über das große Wunder des Pfingstgeschehens.
Plötzlich füllte sich sein Herz mit großer Freude, und ein gleißendes Licht erhellte seinen Körper. Der Heilige hob seinen Blick und sah eine Feuerkugel auf sich herabschweben, die seinen Mund berührte und von dort aus in seine Brust drang, wo sie eine wunderbare Wirkung hervorrief. Sein Herz weitete sich unter dem Druck jener lebendigen Flamme. Da die Brust das so geweitete Herz nicht mehr fassen konnte, verbogen sich zwei seiner Rippen, bis sie brachen.
Philipp zitterte und bebte heftig an allen Gliedern und konnte die Freude, die er verspürte, kaum ertragen. Er presste beide Hände auf seine Brust, in der sein Herz mit aller Gewalt brannte und pochte.
Ein lebhafter Impuls der Liebe ging durch seine ganze Seele, und sein Geist war so von Freude erfüllt, dass er außer sich vor Entzücken rief:
"Genug, o Herr, nicht mehr, nicht noch mehr"!
Der Heilige Geist war auf Philipp herabgekommen und hatte sein Herz durch ein Wunder geweitet, so dass sich für ihn dasselbe ereignet hatte, wie für die Apostel.
(Dusek, Wodrazka, Das Leben des hl. Philipp Neri in Anekdoten, 43f)
S. Sebastiano, Katakomben, Rom
Lasst uns nach der Reinheit des Herzens streben,
da der Heilige Geist in den offenen und einfachen Herzen wohnt.
Schon seit geraumer Zeit verschwieg ein junger Mann in der Beichte gewisse Sünden, derer er sich zu sehr schämte. Doch sein Gewissen plagte ihn immer mehr wegen der vielen frevelhaften Beichten, die er gemacht hatte, und schließlich beschloss er, zu Pater Philipp zu gehen.
Als der Heilige ihn kommen sah, ging er ihm mit offenen Armen entgegen. Dabei schaute er ihm fest in die Augen und bis auf den Grund seiner Seele, da fing er vor Mitleid an, zu weinen. Die Tränen des Heiligen rührten den jungen Mann so sehr, daß er ebenfalls in Tränen ausbrach.
Philipp nahm den Kopf des Mannes zwischen seine Hände und drückte ihn sanft an die Brust. Sie gingen zusammen in die Kirche und beteten lange gemeinsam.
Als Philipp sah, dass der Mann bereit war, eine ehrliche Beichte abzulegen, lud er ihn zum Beichtstuhl ein und warnte ihn, er solle sich in Acht nehmen, dass nicht der Teufel ihn dazu verleite, manche Sünden zu verschweigen. Der Mann bereute und bekannte seine Schuld, selbst jene Sünden, die er bei seinen letzten Beichten verschwiegen hatte.
Als der Mann sich nach der Beichte verabschiedete, sagte Philipp mit einem gütigen Lächeln:
"Mein Sohn, ich kannte deine Sünden alle schon im Voraus. Jetzt sehe ich, dass dein Gesicht entspannter ist; du schaust wieder gesund aus."
(aus: Dusek, Wodrazka, Hg., Das Leben des heiligen Philipp Neri in Anektdoten nach Oreste Cerri)
Als junger Priester hatte er eine Anzahl geistlich gesinnter Personen um
sich gesammelt, und sein erster Wunsch war, mit ihnen auszuziehen, um den
Heiden Indiens, wo Franz Xaver so Wunderbares leistete, das Evangelium zu
verkünden; er gab den Gedanken nur auf im Gehorsam gegen einen heiligen Mann,
den er befragte.
Er hatte den heißen Wunsch, die schlechten Christen seiner Heimat zu
bekehren und nahm noch im Alter schwere Kasteiungen zu ihrem Heil auf sich;
über ihre Sünden konnte er weinen, als ob es seine eigenen gewesen wären.
Als Laie bekehrte er einmal durch eine Predigt dreißig ausgelassene
junge Männer.
Unter dem Beistand der Gnade Gottes erzielte er die größten Erfolge;
eine unendliche Zahl von Sündern führte er auf den Weg der Heiligkeit zurück.
Viele sagten noch in der Todesstunde: „Gesegnet sei der Tag, da ich zum
erstenmal dem P. Philipp begegnete!“ Oder: „ P. Philipp zieht die Seelen an wie
der Magnet das Eisen.“
Beichthören hielt er für seine besondere Mission. Um sie nach Kräften zu
erfüllen, widmete er sich diesem Amt unter Ausschluß jedes anderen. Vor
Tagesgrauen hatte er meist schon eine große Anzahl Büßer in seinem Zimmer
Beicht gehört. Sobald der Morgen dämmerte, ging er in die Kirche hinunter und
verließ den Beichtstuhl nicht bis Mittag, außer um die Messe zu lesen. Wenn
keine Pönitenten da waren, blieb er doch in der Nähe des Beichtstuhles, las und
betete das Offizium oder den Rosenkranz. Beim Gebet wie bei der Mahlzeit brach
er sofort ab, wenn Beichtkinder kamen.
Wegen irgendeines Unwohlseins unterbrach er das Beichthören nie, außer
der Arzt verbot es ihm.
Aus demselben Grund ließ er seine Zimmertüre offen, daß er von jedem
gesehen werden konnte, der vorbeiging.
Für Knaben und Jünglinge war er besonders besorgt und ängstlich
bestrebt, sie immer zu beschäftigen, denn er wußte, daß Müßiggang aller Laster
Anfang ist. Bisweilen erfand er selbst eine Arbeit für sie, wenn er sonst keine
wußte.
Er ließ sie gewähren, auch wenn sie um ihn herum Lärm machten,
vorausgesetzt, daß er sie so vor Versuchung bewahren konnte. Ein Freund machte
ihm Vorstellungen, weil er sie so umtreiben ließ, da gab er zur Antwort:
„Solang sie keine Sünde begehen, mögen sie Holz spalten auf meinem Rücken.“
Von den Dominikanern hatte er die Erlaubnis erhalten, ihre Novizen zur
Erholung einzuladen. Er hatte sein Ergötzen, sie bei ihrem Festmahl zu sehen
und konnte sagen: „Esset, meine Söhne, ohne Bedenken, denn es sättigt mich,
Euch aufzuwarten.“ Wenn das Essen vorbei war, ließ er sie im Kreis um sich
sitzen, verriet ihnen ihre Herzensgeheimnisse, gab ihnen Ratschläge und
ermahnte sie zur Tugend.
Er hatte eine wunderbare Macht, Kranke zu trösten und sie von den
Versuchungen zu befreien, womit der böse Geist sie verfolgte.
Mit seinem Eifer für die Rettung der Seelen vereinte Philipp immer die
Ausübung der leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Er besuchte die Kranken in
Spitälern, sorgte für alle ihre Bedürfnisse, machte ihnen die Betten, säuberte
den Boden und gab ihnen zu essen.
Kapelle des Oratoriums, wo Philipp Neri die Hl. Messe feierte, Chiesa Nova
GEBET
Heiliger Philipp, mein Patron, Du warst so voll Sorge für die Seelen
Deiner Brüder und besonders Deines Volkes, als Du auf Erden warst, entziehe uns
auch jetzt im Himmel Deine Liebe nicht. Stehe allen Deinen Kindern und
Verehrern bei; Deine Macht bei Gott und Dein inneres Verständnis für unsere
Nöte und Gefahren ist jetzt noch größer; leite uns auf den Weg, der zu Gott und
zu Dir führt. Sei uns ein guter Vater; mache unsere Priester untadelhaft und
bewahre sie vor jedem Vorwurf und Ärgernis; unsere Kinder lehre Gehorsam, die
Jugend mach’ klug und keusch, unsere Eltern weise und edel, die Greise heiter und
eifrig, und befestige uns durch Deine mächtige Fürsprache im Glauben, in der
Hoffnung, in der Liebe und in allen Tugenden. Amen.