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Dienstag, 28. April 2020

O mein Jesus, du ewige, menschgewordene Weisheit (Ludwig Maria Grignion de Montfort)


Altar des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Chapelle de la Sagesse




Ordensgründer
Namensdeutung: der berühmte Krieger (althochdeutsch)
Namenstage: Ludwig, Louis, Lou, Louie, Chlodwig, Lovis, Ludovico, Luigi, Lutz, weibl.: Ludovica, Ludwika
Gedenktag: 28. April
Lebensdaten: geboren am 31. Januar 1673 in Montfort-sur-Meu, Bretagne, gestorben am 28. April 1716 in St. Laurent-sur-Sèvre, Vendée

Lebensgeschichte: Louis-Marie Grignion de Montfort stammte aus einer Advokatenfamilie mit 18 Kindern und ging im Jesuitenkolleg von Rennes zur Schule. Vor seinem Theologiestudium, das ihn nach Paris ins Seminar von Saint-Sulpice führte, legte er ein Armutsgelübde ab. Im Jahr 1700 empfing er die Priesterweihe und wirkte als Prediger auf dem Land zwischen Nantes und Poitiers.
Als Verwalter und Seelsorger des Krankenhauses von Poitiers gründete er 1703 gemeinsam mit Marie-Louise Trichet die Gemeinschaft der „Töchter der Weisheit“ zur Krankenpflege und Erziehung. 1706 verlieh ihm der Papst in Rom den Titel eines Apostolischen Missionars mit der Aufgabe, den christlichen Geist Frankreichs durch die Wiederbelebung des Taufgelübdes und die Hingabe an die Jungfrau und Gottesmutter Maria zu erneuern.
Zehn Jahre durchzog der „gütige Pater von Montfort“ unermüdlich die westfranzösischen Diözesen und starb mit 43 Jahren an Auszehrung. Seine letzte Predigt war der Milde Jesu gewidmet.
1712 hatte er sein Hauptwerk Das Goldene Buch der vollkommenen Hingabe an Maria vollendet und 1713 die „Missionare von der Gesellschaft Mariens“ gegründet.

Verehrung: Erst nach Grignions Tod schlossen sich die „Montfortaner“ zusammen, die sich mit ihren heute rund 4500 Mitgliedern um Arme und Behinderte in Elendsvierteln weltweit kümmern. Ludwig Maria Grignion wurde 1888 selig- und 1947 heiliggesprochen. Bis heute übt er großen Einfluss durch sein „Goldenes Buch“ der Marienverehrung aus, auf das die „Legio Mariae“ und der Wappenspruch „Totus tuus“ von Papst Johannes Paul II. zurückgehen.


Allmächtiger, ewiger Gott, in deiner Gnade

hat der heilige Priester Ludwig Maria Grignion

die vollkommene Hingabe an Christus, deinen Sohn,

durch die Hände seiner seligen Mutter

in herausragender Weise bezeugt und gelehrt.

Hilf auch uns, diesen geistlichen Weg zu gehen,

damit wir in der Welt mitwirken

an der Ausbreitung deines Reiches.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


In Saint Laurent sur Sevre

Die Statue des hl. Ludwig Maria im Petersdom (Kurzbiographie)


Ludwig Maria Grignion von Montfort, rechts Johannes Paul II. an seinem Grab

Reliquienschreine von Ludwig Maria und Marie Louise Trichet


Jesus lehrt im Tempel, Patrozinium  der Chapelle de la Sagesse, geweiht Jesus der ewigen Weisheit


O mein Jesus, du ewige, menschgewordene Weisheit! Aller Liebe und Anbetung bist Du wert. Du bist wahrer Gott und wahrer Mensch, der einzige Sohn des ewigen Vaters und der allezeit reinen Jungfrau Maria. In tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an im Schoße und in der Herrlichkeit deines Vaters, wo Du von Ewigkeit her bist; und ich bete Dich an im jungfräulichen Schoße deiner heiligsten Mutter Maria zur Zeit deiner Menschwerdung.
Ich sage Dir Dank, daß Du Dich selbst entäussert hast und Knechtsgestalt annahmst, um mich der grausamen Knechtschaft Satans zu entreißen. Ich lobe und preise Dich, weil Du in allem deiner heiligsten Mutter Maria untertan sein wolltest, damit auch ich durch sie Dir ganz zu eigen werde.
(aus der Ganzhingabe des Heiligen)



Kapelle! der Weisheit, Saint Laurent sur Sevre

Dienstag, 17. Dezember 2019

O sapientia

Jesus lehrend als 12jähriger im Tempel, Notre Dame de la Treille, Lille



Vom 17. bis 23. Dezember werden im kirchlichen Stundengebet (in der Vesper) die sog. großen O-Antiphonen gesungen. Im Lateinischen beginnen sie alle mit O (in der Übersetzung durch „Du“ wiedergegeben) und rufen nach dem Kommen dessen, der alle Sehnsucht der Menschen erfüllen kann. - Anbei die wichtigsten Schriftstellen, an denen der Verfasser der Antiphonen sich inspiriert hat.

Du Weisheit aus dem Mund des Höchsten
die Anfang und Ende umfasst
und alles mit Kraft und Milde durchwaltet
komm, zeig uns den Weg der Einsicht!

Vgl. Sir 24, 3; Kol 1, 15-20; Weish 8, 1; Offb 22, 17.20; Spr 4, 11; Jes 40, 14.

Samstag, 17. Dezember 2011

O Weisheit, du lehrst die Lehrer

Für den gewohnten Gedanken zum Sonntag gehe ich heute vom Abschnitt des Jakobusbriefes aus, den die heutige Liturgie vorschlägt (3, 16-4,3), und ich konzentriere mich dabei besonders auf einen Ausdruck, der wegen seiner Schönheit und Aktualität beeindruckt.

Es handelt sich um die Beschreibung der wahren Weisheit, die der Apostel der falschen entgegenstellt. Während letztere „irdisch, materiell und teuflisch" ist und aus der Tatsache heraus erkannt wird, dass sie Eifersucht, Streitigkeiten, Unordnung und böse Taten jeder Art bewirkt (vgl. 3,16), ist im Gegenteil hierzu „die Weisheit von oben ... erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten; sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht" (3,17). Wie es dem biblischen Brauch entspricht: ein Verzeichnis von sieben Eigenschaften, unter denen die Vollkommenheit der wahren Weisheit und die positiven Wirkungen hervorstechen, die durch sie hervorgerufen werden.

Als erste und wichtigste Eigenschaft, die nahezu als Voraussetzung für die anderen dargestellt wird, nennt der heilige Jakobus die „Reinheit", also die Heiligkeit, sozusagen das Durchscheinen Gottes in der menschlichen Seele. Und wie Gott, von dem sie stammt, hat es die Weisheit nicht nötig, sich gewaltsam aufzudrängen, da ihr die unbesiegbare Kraft der Wahrheit und der Liebe eignet, die sich von selbst behauptet. Daher ist sie friedlich, freundlich und gehorsam. Sie ist nicht parteiisch, noch weniger greift sie auf die Lüge zurück. Sie ist nachsichtig und großherzig; sie wird an den guten Früchten erkannt, die sie in Fülle hervorbringt.

Warum sollte man nicht ab und zu innehalten, um die Schönheit dieser Weisheit zu betrachten? Warum sollte man nicht aus der lauteren Quelle der Liebe Gottes die Weisheit des Herzens schöpfen, die uns von den Schlacken der Lüge und des Egoismus befreit? Dies gilt für alle, an erster Stelle jedoch für den, der dazu berufen ist, Förderer und „Stifter" des Friedens zu sein - in religiösen und zivilen Gemeinschaften ebenso wie in den sozialen und politischen sowie den internationalen Beziehungen. In unseren Tagen ist nicht selten - vielleicht auch aufgrund einer gewissen der Massengesellschaft innewohnenden Dynamik - ein Mangel an Respekt vor der Wahrheit und vor dem gegebenen Wort festzustellen, verbunden mit einer verbreiteten Tendenz zu Aggressivität, Hass und Rache. „Wo Frieden herrscht - schreibt der heilige Jakobus - wird für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut" (Jak 3,18). Um aber Werke des Friedens zu tun, muss man ein Mensch des Friedens sein und sich in die Schule der „Weisheit von oben" begeben, um deren Qualität anzunehmen und ihre Wirkungen hervorzubringen. Wenn es jedem in seinem Umfeld gelänge, in Absichten, Worten und Handlungen die Lüge und die Gewalt zurückzuweisen und sorgsam Gefühle der Achtung, des Verständnisses und der Wertschätzung gegenüber den anderen zu pflegen, so würden vielleicht nicht alle Probleme des täglichen Lebens gelöst werden, aber es könnte ihnen gelassener und wirkungsvoller entgegengetreten werden.

Liebe Freude, erneut hat uns die Heilige Schrift dazu geführt, über die moralischen Aspekte des menschlichen Daseins nachzudenken, dies jedoch ausgehend von einer Wirklichkeit, die der Moral vorausgeht, das heißt von der wahren Weisheit. Bitten wir Gott voller Vertrauen um die Weisheit des Herzens, durch die Fürsprache der Frau, die in ihrem Schoß die Mensch gewordene Weisheit aufgenommen und gezeugt hat, Jesus Christus, unseren Herrn. Maria, Sitz der Weisheit, bitte für uns!

[Auf Deutsch erklärte Papst Benedikt XVI.:]
Von Herzen grüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher hier in Castel Gandolfo. Jesus hat uns gezeigt, was es heißt, Diener seiner Brüder und Schwestern zu sein. In ihm war keine Spur von Selbstdarstellung und Anspruchsdenken, sondern er war für alle da wie einer, der dient. Das ist auch die Berufung seiner Jünger. Eifersucht und Ehrgeiz hingegen vergiften das Miteinander und zerstören die Gemeinschaft. Lernen wir von Jesus, von seiner Weisheit, seiner Güte und seiner Demut. Bemühen wir uns im Umgang mit unseren Mitmenschen um Frieden, Freundlichkeit und auch um Verzeihung und Nachsicht, wenn sie uns verletzt haben. Der Herr segne euch und eure Familien.

(Papst Benedikt XVI., Angelus, 20.9.2009)

Jesus als Zwölfjähriger im Tempel, Kleinmariazell, Niederösterreich