Wer sich im Sommer auf dem Aventin zwischen Santa Sabina (einer der beliebten römischen Hochzeitskirchen) ....
und der Piazza Cavalieri de Malta, wo die Rombesucher einen Blick durch das berühmteste Schlüsselloch der Welt auf die Kuppel des Petersdoms werfen, ....
eine kurze Rast in
Santi Bonifacio e Alessio (Sant´Alessio) gönnt, betritt die Kirche der
Somasker, einer Ordensgemeinschaft die im Jahre 1528 vom heutigen Tagesheiligen
Hieronymus Ämiliani gegründet wurde. Nach seiner Bekehrung widmete er sich der Bedürftigen und gründete zahlreiche Einrichtungen für Waisen, Kranke und Sterbende. Hieronymus Ä. ist Patron der Waisen und der verwahrlosten Jugend.
Tretet genau in die Fußstapfen unseres gekreuzigten Heilandes, verachtet alles Irdische, nehmt euch mit größtem Ernste der verlassenen Armen an, lebt alle unzertrennlich vereint mit dem Bande der gegenseitigen Liebe!
Glüht vor allem in der Liebe gegen Gott, durch dessen Gnade die Seele vom irdischen sich losreißt und mit dem Schöpfer unlösbar verbindet!
Was mich anlangt, so hoffe ich zur Barmherzigkeit Gottes, daß ich euch im zukünftigen Leben mehr als im gegenwärtigen nützen werde.
(Hieronymus Ämiliani, Gefolge des Lammes, Bd. III)
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rechts: Eingang in den Vorhof zur Kirche Sant´Alessio,
links Sant´ Anselmo, Sitz der Benediktiner auf dem Aventin |
BOTSCHAFT VON PAPST BENEDIKT XVI. AN DEN REGULARKLERIKERORDEN DER SOMASKER
ZUM
500. JAHRESTAG DER WUNDERSAMEN BEFREIUNG SEINES GRÜNDERS HIERONYMUS ÄMILIANI AUS DEM KERKER
An den hochwürdigen Pater Franco Moscone CRS,
Generaloberer des Regularklerikerordens der Somasker
Mit aufrichtiger Freude habe ich erfahren, daß dieser Orden sich
anschickt, ein freudiges und wichtiges Ereignis für seine Geschichte und
sein Charisma mit einem Jubiläumsjahr zu begehen. Denn auf den
kommenden 27. September fällt der 500. Jahrestag der wunderbaren
Befreiung des Gründers Hieronymus Ämiliani, universaler Schutzpatron der
Waisen und der verwahrlosten Jugend, aus dem Gefängnis durch das Wirken
der allerseligsten Jungfrau Maria. Dieses wunderbare Ereignis änderte
den Verlauf eines menschlichen Lebens und war gleichzeitig der Beginn
einer Erfahrung des geweihten Lebens, die für die Kirchengeschichte sehr
bedeutsam ist.
Das Leben des venezianischen Laiengläubigen Hieronymus Miani wurde in
der Nacht des 27. September 1511 gleichsam »neu gegründet«, als er sich
nach dem aufrichtigen Gelöbnis an die »Madonna Grande«, die große
Gottesmutter von Treviso, seinen Lebenswandel zu ändern, auf die
Fürsprache der Mutter Gottes hin von den Ketten der Gefangenschaft
befreit sah, die er dann selbst am Altar der Jungfrau Maria darbrachte.
»Dirupisti vincula mea« (
Ps 116,16). Der Psalmvers bringt
den wahren inneren Umsturz zum Ausdruck, der auf jene Befreiung folgte,
die mit den schwierigen politischen Ereignissen jener Zeit verbunden
war. Sie stellte nämlich eine ganzheitliche Erneuerung von Hieronymus’
Persönlichkeit dar: Durch das göttliche Eingreifen wurde er von den
Fesseln des Egoismus, des Stolzes, der Suche nach persönlicher
Bestätigung befreit, so daß sein Leben, das zuvor in erster Linie
weltlichen Dingen zugewandt war, sich einzig und allein auf Gott
ausrichtete, den er liebte und dem er diente, insbesondere in der
verwaisten, kranken und verwahrlosten Jugend.
Unter dem Eindruck von Ereignissen in seiner Familie, durch die
er zum Vormund aller seiner verwaisten Nichten und Neffen wurde, reifte
in Hieronymus der Gedanke heran, daß die Jugend, vor allem die
mittellose, nicht sich selbst überlassen werden darf, sondern daß sie
zum gesunden Heranwachsen einer wesentlichen Voraussetzung bedarf: der
Liebe. Die Liebe überstieg in ihm den Verstand. Und da diese Liebe der
Liebe Gottes entsprang, war sie voll Geduld und Verständnis: aufmerksam,
zärtlich und opferbereit wie die einer Mutter.
Die Kirche des 16. Jahrhunderts, vom protestantischen Schisma
gespalten, auf der Suche nach einer ernsthaften Reform auch in ihrem
Innern, erlebte ein Wiederaufblühen der Heiligkeit als erste und
ureigenste Antwort auf die Erneuerungsbestrebungen. Das Zeugnis der
Heiligen zeigt, daß man nur auf Gott vertrauen soll, denn die Prüfungen,
sowohl auf persönlicher als auch auf institutioneller Ebene, dienen
dazu, den Glauben zu mehren. Gott hat seine Pläne, auch wenn es uns
nicht gelingt, seine Fügungen zu verstehen.
Die Aufmerksamkeit gegenüber den Jugendlichen und ihrer
menschlichen und christlichen Erziehung, die das Charisma der Somasker
kennzeichnet, bleibt stets, zu jeder Zeit und an jedem Ort, eine
Verpflichtung der Kirche. Es ist notwendig, daß das Heranwachsen der
neuen Generationen nicht nur von kulturellem und technischem Wissen
genährt wird, sondern vor allem von der Liebe, die Individualismus und
Egoismus besiegt und die achtsam macht gegenüber den Nöten eines jeden
Bruders und einer jeden Schwester – auch und besonders dann, wenn sie
nicht vergolten werden kann. Das leuchtende Vorbild des hl. Hieronymus
Ämiliani – der sel.
Johannes Paul II.
bezeichnete ihn als »Laien, der Laien anspornt« – hilft uns, uns jeder
Armut unserer Jugend anzunehmen: der sittlichen, der physischen, der
existentiellen und vor allem der Armut an Liebe, Wurzel eines jeden
ernsthaften menschlichen Problems.
Die Jungfrau Maria, unübertreffliches Vorbild des Glaubens und
der Liebe, leite uns auch weiterhin durch ihren Beistand. Ebenso wie sie
das Band der Ketten löste, die den hl. Hieronymus gefangen hielten,
möge sie durch ihre mütterliche Güte die Menschen auch weiterhin von den
Fesseln der Sünde und aus der Gefangenschaft eines Lebens ohne Liebe zu
Gott und zu den Brüdern befreien und die Schlüssel darreichen, die
Gottes Herz für uns und unser Herz für Gott öffnen. Mit diesen
Empfindungen erteile ich Ihnen, hochwürdiger Pater, allen Angehörigen
der Familie der Somasker sowie allen, die in gläubiger Gesinnung an den
Jubiläumsfeiern teilnehmen werden, einen besonderen Apostolischen Segen.
Aus Castel Gandolfo, am 20. Juli 2011
BENEDICTUS PP. XVI
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| Sant´Alessio, Rom |
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| Apsisfresko, der Auferstandene |
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| linkes Seitenschiff, Skulptur des hl. Alexius von Edessa |