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Sonntag, 12. Dezember 2021

Es kommt einer, der ist stärker als ich

 

Heute ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Guadalupe.

die Predigt des Johannes, Baptisterium in Loreto

Was sollen wir also tun?

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 3

10In jener Zeit fragten die Leute Johannes den Täufer:
Was sollen wir also tun?
11Er antwortete ihnen:
Wer zwei Gewänder hat,
der gebe eines davon dem, der keines hat,
und wer zu essen hat,
der handle ebenso!
12Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen,
und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?
13Er sagte zu ihnen:
Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
14Auch Soldaten fragten ihn:
Was sollen denn wir tun?
Und er sagte zu ihnen:
Misshandelt niemanden,
erpresst niemanden,
begnügt euch mit eurem Sold!
15Das Volk war voll Erwartung
und alle überlegten im Herzen,
ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
16Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
Ich taufe euch mit Wasser.
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
17Schon hält er die Schaufel in der Hand,
um seine Tenne zu reinigen
und den Weizen in seine Scheune zu sammeln;
die Spreu aber
wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
18Mit diesen und vielen anderen Worten
ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.

(Evangelium vom 2. Adventsonntag)



Sonntag, 6. Dezember 2020

Sie bekannten ihre Sünden

 



Bereitet dem Herrn den Weg!

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

1Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:

2Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.

3Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

4So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.

5Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

6Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

7Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

8Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.


Samstag, 20. April 2019

Abstieg des Herrn in das Reich des Todes

Christus predigt in der Unterwelt, All Souls College, Oxford


und seine Predigt:

Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht. „Furcht packt die Erde, und sie verstummt“ (1), weil Gott ― als Mensch ― in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen.
Gott ist - als Mensch - gestorben, und die Unterwelt erbebt. Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken und hat die in der Welt des Todes auferweckt (2). Er geht auf die Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf (3). Besuchen will er, „die völlig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (4). Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erlösen, er, zugleich Gott und der Eva Sohn (5).

Er faßt Adam bei der Hand, hebt ihn auf und spricht: „Wach auf, Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!“
(6) Ich habe dich nicht geschaffen, damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst. „Steh auf von den Toten!“
Ich bin das Leben der Toten. Steh auf, mein Geschöpf, steh auf, meine Gestalt, nach meinem Abbild geschaffen! Erhebe dich, laß uns weggehen von hier! Du bist in mir und ich in dir (7), wir sind eine unteilbare Person.
Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott.
Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an.
Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde, ich, der über den Himmeln thront.
Für dich, den Menschen, bin ich ein Mensch geworden „ohne Hilfe, frei unter den Toten“ (8).
Du wurdest vom Garten ausgestoßen, ich wurde vom Garten aus den Juden überliefert und in einem Garten begraben. Sieh den Speichel in meinem Gesicht! Deinetwegen ließ ich es geschehen, um dir den Anhauch des Ursprungs wiederzugeben (9). Sieh die Backenstreiche, die ich empfing, um deine verderbte Gestalt nach meinem Bild wiederherzustellen.

Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ, um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten.
Sieh meine Hände, die so glückverheißend mit Nägeln an das Kreuz geheftet sind, deinetwegen: denn du strecktest (einst) zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz. Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite, für dich, denn im Paradies fielst du in Schlaf und brachtest aus deiner Seite Eva hervor. Meine Seite heilte die Wunden deiner Seite. Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen.

1. Ps.76,9. 2. Vgl. Mt.27,52. 3.Vgl.Lk.15,3ff. 4.Lk.1,79. 5. Vgl. Gen.3,15. 6. Eph.5.14. 7.Vgl.Joh.17,21-23. 8. Ps.88,5-6 (LXX). 9. Gen.2,7.

(aus einer Homilie am großen und heiligen Sabbat, Epiphanius zugeschrieben, + um 535)

Grablegung und Höllenfahrt Christi, All Souls College, Oxford

Sonntag, 30. September 2018

Hieronymus - das Wort des Priesters soll die Würze der Schrift offenbaren

Hieronymus übersetzt die Bibel, Guido Reni, um 1634/35, Kunsthistorisches Museum, Wien


Bildbeschreibung: Der hl. Hieronymus , einer der vier lateinischen Kirchenväter und Kardinal, hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um die Bibel zu übersetzen. Dabei erscheint ihm ein Engel und bringt ihm göttliche Inspiration: hingebungsvoll lauscht ihm der greise Asket. Der zu seinen Füße lagernde Löwe wich nicht mehr von seiner Seite, nachdem der Heilige ihm einen Dorn aus der Pranke gezogen hatte. Von Guido Reni (1575-1642) tätig in Bologna und Rom.

Lust an Gottes Wort, Brief an den Priester Paulinus 

Hieronymusstatue in der Blasiuskirche in Dubrovnik

Die Zelle des hl. Hieronymus in Bethlehem

Eine bronzierte Holzfigur des hl. Hieronymus in der Wiener Dominikanerkirche

Ein Hieronymusfresko in Sant`Apollinare in Ravenna

Die letzte Kommunion des hl. Hieronymus im Petersdom in Rom


Wenn du in der Kirche predigst, sollst du nicht nach dem Beifall der Menge haschen, sondern bei den Zuhörern eine reumütige Gesinnung erwecken. Die Tränen der Gläubigen sollen dein Lob sein.

Das Wort des Priesters soll die Würze der Schrift offenbaren.

Du sollst kein Deklamator sein, auch kein geschwätziger Zungenredner, hinter dessen Worten nichts steckt. Vielmehr soll sich heilige Wissenschaft und Vertrautheit mit den Geheimnissen deines Gottes in deiner Predigt kundtun. Überlassen wir es den Ungebildeten, mit leeren Worten um sich zu werfen und durch Zungenfertigkeit die Bewunderung des unerfahrenen Volkes auf sich zu lenken.

Eine leider nicht seltene Anmaßung bedeutet es, das zu erklären, was man selbst nicht versteht; und am Ende hält man sich selbst für ein Licht, wenn man anderen etwas weisgemacht hat. Nichts ist leichter, als das einfache Volk und eine schlichte Versammlung durch einen Schwall von Worten zu täuschen; denn je weniger sie an sachlichen Verständnis aufbringt, um so mehr wächst die Bewunderung.
(Brief von Hieronymus an den Priester Nepotian, in: Texte der Kirchenväter 4, 235f)

Sonntag, 10. Dezember 2017

Bereitet dem Herrn den Weg! (2. Advent)

Die Predigt Johannes des Täufers wurde gegen Mitte des 16. Jh in der niederländischen Malerei häufig dargestellt. Vermut-
lich gibt es einen Zusammenhang mit reformierten Wanderpredigern, die oft heimlich und an entlegenen Orten auftreten mußten.

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.
Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen.
So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (....)
Er verkündete: nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. (Markus 1)

Landschaft mit der Predigt Johannes des Täufers, Herri met de Bles, um 1535/40

Freitag, 25. Januar 2013

Stephanus und Paulus

Eine dritte Vorbereitung auf die Bekehrung des Paulus ist sicher Stephanus, und da wieder zwei Aspekte. Stephanus war jung, in Wien würde man sagen, er war fesch, er hatte ein strahlendes Gesicht, sein Antlitz „leuchtete, wie das eines Engels“, sagt die Apostelgeschichte (6,15). Er war sehr begabt, blitzgescheit. Er konnte gut argumentieren, genau alles das, was Paulus auch kann. Paulus war auch jung, sagt die Apostelgeschichte ausdrücklich, ein „junger Mann namens Saulus“ (7,58), er war blitzgescheit, leidenschaftlich. Da ist jetzt dieser Stephanus und macht genau das Gegenteil von dem, was Paulus macht. Er macht es nicht mit einem griesgrämigen Gesicht, sondern strahlend und mit einer hinreißenden Kraft der Überzeugung. In der Apostelgeschichte wird über Stephanus gesagt: Er war „voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk“ (6,8). Dann entsteht der Streit um ihn, und er wird vor den Hohen Rat geführt. Dann heißt es: „Und alle, die im Hohen Rat saßen, richteten ihren Blick auf ihn und sahen sein Antlitz leuchten wie das eines Engels“ (Apg 6,15).

Steinigung des Stephanus, Relief, Basilika St. Paul vor den Mauern, Rom

Wie muss es dem Paulus gegangen sein, als er diesen Stephanus erlebt. Stephanus hält dann eine große Bekehrungspredigt, eine sehr radikale, sehr zu Herzen gehende, die damit endet, dass er seinen eigenen Volksgenossen sagt: „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, gleich wie eure Väter widersteht auch ihr dem Heiligen Geist.“ – Man muss sich vorstellen: Das hört Paulus alles. – „Wo war ein Prophet, den eure Väter nicht verfolgt haben? Sie haben jene getötet, die die Ankunft des Gerechten weissagten, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, ihr, die ihr das Gesetz durch die Vermittlung von Engeln empfangen, aber nicht gehalten habt.“ Dann heißt es: „Als sie das vernahmen, packte sie die Wut und sie knirschten mit den Zähnen“ gegen Stephanus (Apg 7,51-54). Es kommt zum Martyrium des Stephanus. Man schleift ihn hinaus vor die Stadt und steinigt ihn. „Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,58-60).

Der unmittelbare Anlass für die Steinigung war, dass Stephanus gesagt hat: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“ (Apg 7,56). Wie muss es dem Paulus gegangen sein, dieser junge, begeisterte, überzeugende Jude, der sagt: Dieser Jesus von Nazaret, den du, Paulus, verfolgst, ich sehe ihn zur Rechten Gottes stehen. Natürlich, der Blasphemie-Vorwurf ganz massiv: Du hast Gott gelästert, du musst sterben! Aber eines sitzt tief im Herzen des Saulus: diese strahlende, überzeugende Kraft des Stephanus. Irgendwo muss in seinem Herzen da schon der Stachel gesessen haben: Dieser Stephanus sieht eine Wirklichkeit, die ich nicht sehe. Später wird Paulus selber sagen, dass seine Worte nicht menschliche Klugheit und schlaue Reden sind, sondern „Erweis von Geist und Kraft“ (1 Kor 2,4), genau das, was er bei Stephanus erlebt hat. Dann diese Fürbitte des Stephanus: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60). Ich glaube, diese beiden Elemente, das Zeugnis des Stephanus und seine Fürbitte, sind ganz entscheidend zur Vorbereitung für die Bekehrung. Es gibt keine größere Vorbereitung der Mission als die Hingabe des eigenen Lebens. Das heißt jetzt nicht, dass wir alle Märtyrer werden müssen. Aber das Geheimnis der Bekehrung des Paulus ist sicher entscheidend bestimmt durch die Lebenshingabe des Stephanus, die Sühnehingabe, dass Stephanus sein Leben als Sühne für seine Feinde hingegeben hat: „Herr Jesus, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ Ich gebe mein Leben für die, die jetzt etwas so Böses tun. Paulus wird das zutiefst begreifen. Das wird die entscheidende Verkündigung bei Paulus, die Kraft des Kreuzes. Das wird die Mitte seiner Predigt, wenn er etwa im 2. Korintherbrief sagt: „Die Liebe Christi drängt uns …“ – ich habe es am Anfang zitiert – „Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2 Kor 5,14-15). – Einer ist für alle gestorben. An Stephanus hat er es gesehen, nachher hat er es begriffen. Stephanus hat sein Leben gegeben wie Jesus. Das ist der Kern der Mission. An Stephanus hat Paulus gesehen und später auch begriffen, was das Geheimnis Jesu ist. Darum konnte er später immer sagen, fast könnte man sagen im Blick auf Stephanus: „Ahmt mich nach!“, so wie er an diesem jungen Mann gesehen hat, was Jesus will, was es heißt, sein Jünger zu sein. Stephanus ist Vorbild der Nachfolge Christi für Paulus. Hier hat Paulus den Schlüssel bekommen für das, was Mission ist, natürlich viel Aktivität, viel Verkündigung, viel Bemühen, Begegnungen, aber im Innersten diese Teilhabe am Kreuz Jesu, Hingabe mit Jesus.

(aus der Katechese vom 2.2.2003 von Christoph Kardinal Schönborn über Paulus als Missionar)


Bekehrung des Paulus, Relief, Basilika St. Paul vor den Mauern, Rom

Sonntag, 4. November 2012

Am Grab des Hl. Karl Borromäus

Karl Borromäus, aus Mailänder adeligem Geschlecht, geboren am 2. Oktober 1538, wurde 23jährig von seinem Onkel, Papst Pius IV. nach Rom berufen und zum Kardinal ernannt. Als Staatssekretär wurde ihm das Erzbistum Mailand übertragen. Bei der Durchführung der Trienter Reformbeschlüsse hatte er für die ganze Mailänder Kirchenprovinz, 15 große Diözesen, zu sorgen.
Am 3. November 1584 starb er an einem tödlichen Fieber.

Seine letzten Worte waren: "Siehe, Herr, ich komme, ich komme bald."

(nach W. Schamoni, Das wahre Gesicht der Heiligen, 168)


Abfotografiert: W. Schamoni, das wahre Gesicht der Heiligen, Karl Borromäus, Portrait v. Ambrogio Figino

Der hl. Karl erhielt sein Grab im Mailänder Dom, wo seine Gebeine in der Krypta verehrt werden. Die von ihm erbetene Inschrift bittet um das Gebet "der Priester, des Volkes und des frommen Frauengeschlechtes". (Hedwig Bach, Karl Borromäus, 123)

Mailänder Dom

"Je größer die Gnade ist, die uns der Herr Jesus Christus erweist, indem Er in der heiligen Eucharistie ständig bei uns bleiben wollte, desto größer ist auch unsere Pflicht, immer und durch alle möglichen Mittel dieses erhabene Sakrament zu ehren und zu verherrlichen". (Karl Borromäus)



"Während der Predigt soll das Bild Christi des Herrn vor dem Auge des Predigers stehen, als ob es an der gebenüberliegenden Wand gemalt wäre". ((Karl Borromäus)

Krypta mit dem Grab des Hl. Karl Borromäus


"Aus der Seele, wirklich aus dem Herzen kann der Prediger nur reden, wenn er selbst ein wirklich geistlicher Mensch ist" (Karl Borromäus)

Mittwoch, 14. März 2012

Stadtpatron von Wien - Klemens Maria Hofbauer

Klemens Maria Hofbauer - sein ursprünglicher Name war Johannes Hoffbauer - wurde am 26. Dezember 1751 in Tasovice (dt.Taßwitz) in Südmähren geboren. Tasswitz liegt etwa hundert Kilometer nördlich von Wien. Die Klemens Maria Hofbauer Kirche wurde an der Stelle erbaut, wo ursprünglich das Geburtshaus von Klemens stand. 1932 wurde die Kirche geweiht. Die Glasfenster der Kirche in Tasswitz erläutern das Leben des heiligen Klemens.

1. 1758 starb sein Vater, kaum 46jährig. Seine Frau erwartete ihr 12. Kind. Klemens hat den Todestag seines Vaters nie vergessen. Besonders die Begebenheit, wo seine Mutter ihn als Sechsjährigen unter ein Kruzifix geführt hatte, blieb ihm immer in Erinnerung.

Mit dem Finger zeigte sie nach oben und sagte: "Mein Kind, von jetzt an ist der da oben dein Vater. Gib acht, dass du auf dem Weg wandelst, der ihm wohl gefällt."

Glasfenster der Klemenskirche in Taßwitz

2. Mit sechzehn verließ Klemens Taßwitz und begann in Znaim  eine dreijährige Bäckerlehre. Im Prämonstratenserstift Klosterbruck fand er Arbeit in der Klosterbäckerei, zugleich durfte er die Klosterschule besuchen.

Später wird er gestehen: "Ich musste alle Augenblicke für die Studien verwenden, sogar die Nächte opferte ich für diesen Zweck auf. Wollte mich der Schlaf überfallen, so nahm ich das Licht in die eine Hand, in die andere das Buch und ging im Zimmer auf und ab, um den Schlaf zu überwinden und so die Zeit zu gewinnen."



3. In der Schule wurden nur die vier unteren Klassen des Gymnasiums geführt, weswegen Klemens dort nicht weiterstudieren konnte. Mehrere Jahre verbrachte Hofbauer dann als Einsiedler. In dieser Zeit lernte er die Stille und das Gebet schätzen und lieben. Bei all seiner späteren Aktivität fand er für das Gebet immer Zeit. Es heißt, er habe seine Predigten nie aufgeschrieben, aber eine Woche lang betrachtet und durchgebetet. Wenn Klemens sich in Wien zu einem Kranken begab, betete er den Rosenkranz und nahm den Kranken, den er besuchen wollte, ins Gebet hinein.

Zu einem Studenten, der viel grübelte, sagte er: "Beten Sie! Das Licht muss von innen kommen".


4. Als Priester ging Klemens nach Warschau, wo die Redemptoristen die Armenschule St. Benno übernahmen. Der Unterricht war unentgeltlich, nur arme Kinder wurden aufgenommen. Die Ordensleute gründeten ein Waisenhaus, da viele Schüler Vollwaisen waren.


5. Oft ging Klemens betteln, um seine große Familie ernähren zu können. Einmal spuckte ihm ein Mann, den er anbettelte, ins Gesicht. Klemens wischte sich den Speichel ab und sagte nur: "So, das war für mich. Und jetzt noch etwas für meine Waisenkinder".

Wenn sich Klemens nicht mehr zu helfen wusste, ging er in die Kirche und klopfte an die Tabernakeltür: "Herr, es ist Zeit zu helfen!"


6. In Wien wurde Klemens sehr oft zu Kranken und Sterbenden gerufen. Gerne nahm er Blumen  oder sonst eine Kleinigkeit mit, um den Kranken und Sterbenden eine Freude zu machen. Während seines zwölfjährigen Wienaufenthaltes ist er über zweitausend Menschen im Tod beigestanden.


7. Klemens Maria Hofbauer verbrachte unzählige Stunden im Beichtstuhl. Viele bezeugten die Wirksamkeit dieses Apostolats:

"Die meisten Bekehrungen wirkte er als Beichtvater".

"Hofbauer war ein Kenner der Herzen, den niemand zu täuschen vermochte. Als Beichtvater zeigte er sich durchaus als väterlicher Freund und Führer; wer einmal bei ihm gebeichtet hatte, der blieb nimmer weg. Er hatte eine grenzenlose Barmherzigkeit mit den Sündern und übte über die Seelen eine große Macht aus, ohne sich dazu vieler oder gesuchter Worte zu bedienen".

"Hofbauer wirkte seit dem achten Jahr dieses Jahrhunderts unermüdlich apostolisch in der großen Kaiserstadt - als allgemeine Zuflucht der Sünder."

Ein Satz, den er oft wiederholte, blieb den Beichtenden besonders im Gedächtnis: "Nur Mut - Gott lenkt alles"!


8. Das Predigen war an gewöhnlichen Sonntagen verboten. Klemen Maria Hofbauer setzte sich über die josephinistische Anordnung hinweg und stieg auf die Kanzel. Oft sagte er: Das Evangelium muss ganz neu gepredigt werden.

"Ich habe gewöhnlich alle Sonntage seine Predigten gehört. Ich habe noch nie einen so apostolischen Mann gesehen, als Hofbauer es war. Seine Predigten waren voll Salbung und Kraft, frei von Gelehrsamkeit und echt populär, geeignet für die Gelehrten und die Ungelehrten, die ihm mit Liebe zuhörten. Der Eindruck war außerordentlich. Die schönsten Bekehrungen, besonders der Jugend, waren die Folge."

"Heute früh hörte ich in der Kirche der Ursulinerinnen den Pater Hofbauer predigen, seine Rede rührte mich und gefiel mir ungemein. Solche Predigen können nicht ohne Wirkung auf das Herz der Zuhörer sein. Dieser Mann flößt ungemeines Vertrauen ein. Ich habe nie einen Mann gesehen, der einem das Christentum so lieb zu machen weiß, als er. Bei seinen Predigten denke ich oft: So müßten die Apostel gesprochen haben."

"Hofbauer ist ganz einzig. Ihn übertrifft niemand. Aus ihm spricht der Heilige Geist"



Gütiger Gott, in der Sorge für dein Volk
hast du den heiligen Klemens Maria Hofbauer
mit besonderem Eifer für die Seelen erfüllt
und durch ihn den Reichtum deiner Gnade verkündet.
Hilf uns auf seine Fürsprache,
den Glauben zu bewahren, den er gelehrt,
und den Weg zu gehen, den er durch sein Leben gewiesen hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(Tagesgebet vom Hl. Klemens Maria Hofbauer)

Quellen: Otto Weiß, Begegnungen mit Klemens Maria Hofbauer, Friedrich Pustet; http://wien2.cssr.at/klemens/

Mittwoch, 9. November 2011

Priester im Lateran

1. Treffen in der Lateranbasilika zum Abschluss des Priesterjahres im Juni 2010 (hier gibts nur ein Bild):


2. Homilie von Kardinal Angelo Sodano in der Lateranbasilika  am 15. Mai 2000 beim Priestertreffen anlässlich des Jubiläumsjahres 2000.
 
Eine Botschaft der Hoffnung für die Priester des Dritten Jahrtausends

Verehrte Mitbrüder, die Basilika Sankt Johannes im Lateran hat ihre Türen und Tore geöffnet, um Euch willkommen zu heißen, ganz so wie eine Mutter ihre Arme ausbreitet, um all ihre Kinder an sich zu drücken. Hier hat der Oberste Bischof von Rom am Ende einer langen Reihe an Verfolgungen seine Kathedrale gewollt und das ist auch der Grund, weshalb sie später «mater et caput omnium Ecclesiarum» (die Mutter und das Haupt aller Messfeiern) genannt wurde. Im Angesichte dieser Basilika lebten die Päpste fast ein Jahrtausend lang: wir befinden uns daher an einer heiligen Stätte, die eng mit dem Priesteramte des Nachfolgers des Heiligen Petrus verbunden ist.

1. Die Bedeutung einer Begegnung
Liebe Priester, Ihr seid heute aus allen Erdteilen hier zusammengekommen, um anlässlich des Großen Jubiläums des Jahres 2000 Euer Priesteramt zu erneuern, wo immer Euch die Göttliche Vorsehung auch dazu berufen hat, im Weinberge des Herrn zu arbeiten.
Am kommenden Donnerstag, dem 18. Mai, werdet Ihr dann gemeinsam mit dem Heiligen Vater die Heilige Messe feiern, und ihm dabei anlässlich seines 80. Geburtstages all Eure Sohnesliebe entgegen bringen. Es erwarten Euch also Tage einer intensiven geistigen Erneuerung, damit Ihr immer eingehender die Größe und die Schönheit des Geschenkes entdecken könnt, das uns Christus gemacht hat, als Er uns dazu berufen hat, Ihm zu folgen und uns Ihm anzuschließen, um gemeinsam das Werk der Bekehrung zu vollenden.
Ich möchte Euch meinerseits an diesem ersten Tag Eures Jubiläumsweges ein paar ganz einfache Worte sagen, die einem Mann aus dem Herzen hervorbrechen, der ebenso wie Ihr an einem fernen Tag jene geheimnisvolle, doch verführerische Stimme des Herrn vernommen hat, der uns einlud, den Pflug in die Hand zu nehmen und zu arbeiten, um sein Reich zu erweitern. 

2. In Christus vereint
Ihr seid nach Rom gekommen, um die zweitausend Jahre der Fleischwerdung des Sohnes Gottes zu feiern, und da geht der erste Gedanke zu Ihm hin, der das Wesen und Sein unseres christlichen Lebens und mehr noch unseres Priestertums ist. «Manete in dilectione mea» (Jh 15, 9), seid eins in meiner Liebe: dies ist die eindringliche Aufforderung, mit der sich Jesus täglich an uns wendet, so wie er sich einst an die Apostel gewandt hat, die mit ihm beim Abendmahl saßen.
Die vitale Vereinigung mit Christus ist bestimmt das Lebensideal eines jeden Gläubigen, doch für uns Priester muss es sich hierbei ganz besonders um eine gelebte Wirklichkeit handeln. Und diese innige Vereinigung mit dem Herrn ist es, die das Leben vieler heiliger Priester auf der ganzen Welt geprägt hat.
Diese innere Kraft, die von der Berührung mit Jesus herrührte, war das Geheimnis, das vielen Märtyrern in ihrer Qual geholfen hat und vielen Dienern des Herrn Trost gespendet hat, die manchmal durch Einsamkeit, Krankheit oder Unverständnis jeder Art gepeinigt waren.
«Omnia possum in Eo qui me conforta» (Phil 4, 13): alles vermag ich, wenn Er mir die Kraft schenkt, so kann ein jeder von uns die Worte des Heiligen Paulus wiederholen, wenn er in einer engen Einigkeit mit Christus lebt, wie der Trieb, der am Rebstock sitzt.

3. Die Liebe zur Kirche
Die Einigkeit mit Christus wird Euch, liebe Mitbrüder, dazu führen, auch die Kirche zu lieben, die Sein Erlöserwerk auf Erden fortführt. Die Kirche hat jeden von uns zum Leben in der Gnade beschaffen. Sie ist daher unsere Mutter, eine Mutter, die wir verehren, lieben und der wir mit der Hingabe eines Sohnes dienen müssen. Die Kirche zu lieben, heißt, auch ihre Hirten zu lieben und in erster Linie ihren Papst, den Oberhirten der Kirchengemeinschaft.
Auch Eure Wallfahrt nach Rom anlässlich des Großen Jubiläums trägt dazu bei, dieses Feuer der Liebe zu nähren. Ihr werdet Euch so von Tag zu Tag immer mehr als ein lebendiger Teil der großen katholischen Familie fühlen, die im Nachfolger des Heiligen Petrus das sichtbare Zentrum dieser Einigkeit hat. In diesem Heiligen Jahr entdecken viele Gläubige zunehmend das mütterliche Antlitz der Kirche und wollen in Einklang mit ihr leben.
«Sentire cum Ecclesia» (mit der Kirche fühlen) war die Botschaft, die der Heiligen Ignatius von Loyola den Mitgliedern der Gemeinschaft Jesu in seinen Exerzitien mitgab.
«Den Sinn für die Kirche haben», das ist die Botschaft, die dieses Jubiläum jedem Christen geben will und insbesondere uns, den Dienern Christi und seiner Heiligen Kirche.
Wenn die Kirche eine Mutter ist, so müssen wir sie lieben, unterstützen und verteidigen. Wie oft haben wir unseren Gläubigen den berühmten Satz des Heiligen Märtyrers Zyprian ins Gedächtnis gerufen: «Wer die Kirche nicht zur Mutter haben will, der kann Gott nicht zum Vater haben». Und dies gilt umso mehr für uns, die wir alles von dieser Mutter erhalten haben.

4. Ein Blick auf die Geschichte
Liebe Freunde, nachdem ich Euch nun dazu eingeladen habe, Euren Blick auf Christus und Seine Heilige Kirche zu werfen, möchte ich Euch nun zum Abschluss vorschlagen, ihn in eine andere Richtung zu wenden, zum geschichtlichen Horizont.
Vor uns haben im Laufe der zwanzig Jahrhunderte des Kirchenbestehens viele Menschen im Weinberg des Herrn gearbeitet. Wir sind nicht die Ersten. Aus diesem Grund müssen wir auch demütig sein und all das kostbare Erbe schätzen, das uns unsere Vorgänger hinterlassen haben. Ihre Erfahrungen können uns nützlich sein. Ihre Schriften können uns eine Quelle des Lichtes auf unserem Wege sein und uns helfen, das Alte und das Neue zu schätzen: «nova et vetera» (vgl. Mt 13, 52). Die Kirchengeschichte wird daher auch uns «magistra vitae» sein, eine Lehrerin auch für unseren apostolischen Dienst.
Wir sind nicht die Ersten, die den Pflug in die Hand genommen haben, sagten wir. Doch wir werden auch nicht die Letzten sein. Andere werden nach uns kommen und unser Werk fortsetzen, auch weil das Feld, das sich täglich der Missionstätigkeit der Kirche öffnet, immer weiter wird. Unsere Aufgabe ist es, denjenigen, die nach uns kommen, das lebendige Feuer des Evangeliums Christi weiter zu reichen, heller als je zuvor.
Wie bei den Olympischen Spielen werden wir so jenen, die nach uns kommen, jenes Licht des Glaubens übergeben, das dazu bestimmt ist, jeden Menschen dieser Erde zu erleuchten (vgl. Jh 1,9).

5. Die Überraschung des Sämannes
Diese Anschauung der Geschichte hilft uns, auch dann nicht den Mut zu verlieren, wenn es Schwierigkeiten gibt, denn wir wissen, dass der Samen des Wortes Gottes im Herzen der Menschen keimt, auch wenn er nur langsam aufgeht. Es stimmt, dass auch heute, wie im evangelischen Gleichnis, die Saat manchmal auf unfruchtbaren Boden fällt oder von Dornen erstickt wird, doch stimmt es auch, dass immer ein Teil da ist, der auf guten und fruchtbaren Boden fällt, und der kann auch hundertfache Ernte bringen (vgl. Mt. 13,23).
Wenn wir mit freiem Sinne auf die zweitausend Jahre Christentum zurückblicken, so gestattet uns das, uns nicht über die Schwierigkeiten zu wundern und uns stets daran zu erinnern, dass das Gottesreich nur graduell wächst, nach dem geheimnisvollen Plan der Vorsehung.
Wenn wir eingehend über die Kirchengeschichte nachdenken, so wird uns klar werden, dass sie ein Zusammenwirken der Gnade Gottes und der Freiheit des Menschen ist und dass dieser mit seinem Werke die Ankunft des Reiches Gottes beschleunigen oder verzögern kann. Diese Ansicht mahnt uns an unsere Verantwortung, wenn wir ausgiebig am Aufbau des Reiches Gottes teilnehmen wollen. Diese Ansicht wird uns die Überraschung des Sämannes aus dem Evangelium ersparen: er hatte doch gutes Saatgut auf seinem Acker ausgesät und fragte sich dann erstaunt, wieso auch Unkraut gewachsen sei. Er hatte nicht mit jenem «inimicus homo» (vgl. Mt. 13,25), dem Feind, gerechnet, der nachts auf sein Feld geschlichen war. Er hatte nicht mit der menschlichen Realität gerechnet, mit dem mysteriösen Drama seiner Freiheit, mit dem Werk des Bösen auf dieser Welt. 

6. Das Schiff treibt voran
Mit meinen einfachen Worten wollte ich Euch bitten, Euren Blick in vier verschiedene Richtungen zu werfen: auf Christus, auf Seine Heilige Kirche, auf die Vergangenheit und auf die Zukunft der Menschheitsgeschichte. Wenn Ihr Rom wieder verlasst, so sollt Ihr vom heiligen Vorsatz bewegt sein, weiterhin würdige Diener Christi und großzügige Verkünder Seines Reiches zu sein. Wie zu Pfingsten möge Euch auch jetzt die Heilige Muttergottes beistehen und den Gnadenreichtum des Heiligen Geistes für Euch erbitten. Das Schiff bewegt sich bereits jetzt dank der Anstrengungen Eurer Ruder, doch wenn von oben der Wind des Heiligen Geistes kraftvoll Eure Segel bläht, dann wird Euer Schiff noch schneller und sicherer vorantreiben.
Amen!
(Quelle: Kleruskonkregation)

LASST UNS WIE MARIA UND DIE APOSTEL AUF CHRISTUS SCHAUEN,
DER UNS GERUFEN HAT,
UND LASST UNS IHN LOBEN IN ALLE EWIGKEIT
Apsismosaik, Lateranbasilika