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| Santuario Corpus Domini, Bologna |
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| Klarissenkirche Corpus Domini (Chiesa del Corpus Domini), Bologna |
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| Verherrlichung der hl. Katharina von Bologna mit den 4 Kardinaltugenden |
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| Rosenkranzkapelle, Corpus Domini, Bologna |
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| Klara von Assisi mit der hl. Eucharistie (schlägt die Sarazenen in die Flucht) |
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Christus schenkt sich den Aposteln in der hl. Eucharistie (Hochaltarbild), die Kirche ist dem Hl. Leib des Herrn geweiht |
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| Hinübergang des hl. Josef |
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| hl. Antonius von Padua, Vision des Jesuskindes |
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| Unbefleckte Empfängnis, Zugang zum Grab der hl. Katharina von Bologna |
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| Der Leichnahm der hl. Katharina von Bologna ist unverwest und wird auf einem Stuhl sitzend gezeigt |
Liebe Brüder
und Schwestern!
Kürzlich habe ich in einer Katechese über die hl. Katharina von Siena
gesprochen. Heute möchte ich euch eine andere, weniger bekannte Heilige
vorstellen, die denselben Namen trägt: die hl. Katharina von Bologna, eine Frau
mit weitreichender Bildung, die jedoch sehr demütig war. Sie widmete sich dem
Gebet, war aber stets bereit zu dienen; sie brachte großherzig Opfer dar und
nahm voll Freude mit Christus das Kreuz an.
Sie wird am 8. September 1413 in Bologna geboren, als erstes Kind von
Benvenuta Mammolini und Giovanni de’ Vigri, einem reichen und gebildeten
Adligen aus Ferrara, Doktor der Rechtswissenschaften und öffentlicher Dozent in
Padua, wo er für Nikolaus III. d’Este, dem Markgrafen von Ferrara, im diplomatischen
Dienst stand. Über Katharinas Kindheit und Jugend gibt es nur wenige
Nachrichten, und nicht alle von ihnen sind gesichert. Als Kind lebt sie in
Bologna, im Haus der Großeltern; hier wird sie von den Angehörigen erzogen, vor
allem von ihrer Mutter, einer sehr gläubigen Frau. Im Alter von etwa zehn
Jahren zieht sie mit ihr nach Ferrara an den Hof von Nikolaus III. d’Este als
Hofdame für Margherita, eine uneheliche Tochter von Nikolaus. Der Markgraf
macht Ferrara zu einer prächtigen Stadt, in die er Künstler und Literaten aus
verschiedenen Ländern ruft. Er fördert die Kultur, und obgleich er kein
vorbildliches Privatleben führt, trägt er große Sorge für das geistliche Wohl,
das sittliche Verhalten und die Erziehung und Bildung der Untertanen.
In Ferrara leidet Katharina nicht unter den negativen Aspekten, die das
Leben am Hof oft mit sich bringt; sie genießt Margheritas Freundschaft und wird
ihre Vertraute; sie bereichert ihre Kultur. Sie studiert Musik, Malerei und
Tanz; sie lernt, Gedichte zu schreiben, literarische Texte zu verfassen,
Bratsche zu spielen; sie gewinnt Erfahrungen in der Kunst der Miniatur und der
Handschriften; sie vervollkommnet das Studium der lateinischen Sprache. Später
im Klosterleben wird sie aus dem kulturellen und künstlerischen Reichtum, den
sie in diesen Jahren erwirbt, großen Nutzen ziehen. Das Lernen fällt ihr
leicht, sie lernt mit Leidenschaft und Beharrlichkeit; sie zeigt große
Klugheit, und ihr Verhalten ist von einzigartiger Bescheidenheit, Anmut und
Freundlichkeit geprägt. Ein Zug jedoch zeichnet sie besonders deutlich aus: ihr
stets den himmlischen Dingen zugewandter Geist. 1427, mit nur 14 Jahren,
entschließt sich Katharina, auch infolge einiger familiärer Ereignisse, den Hof
zu verlassen, um sich einer Gruppe junger Frauen aus adligen Familien
anzuschließen, die ein gemeinsames Leben führen, und sich Gott zu weihen. Ihre
gläubige Mutter stimmt zu, obgleich sie andere Pläne für sie hatte.
Katharinas geistlichen Weg vor dieser Entscheidung kennen wir nicht. In
dritter Person sagt sie von sich, daß sie sich in den Dienst Gottes gestellt
hat »erleuchtet von der göttlichen Gnade […] mit reinem Gewissen und großem
Eifer«, Tag und Nacht dem heiligen Gebet gewidmet und bemüht, alle Tugenden zu
erwerben, die sie bei anderen sah, »nicht aus Neid, sondern um Gott besser zu
gefallen, dem sie ihre ganze Liebe geschenkt hatte« (
Die sieben geistlichen
Waffen, VII,8). In dieser neuen Phase ihres Lebens macht sie beachtliche
geistliche Fortschritte, aber groß und schrecklich sind auch die Prüfungen, die
inneren Leiden, vor allem die Versuchungen des Teufels. Sie macht eine tiefe
geistliche Krise durch, die sie bis an den Rand der Verzweiflung bringt (vgl.
ebd.,
VII). Sie erlebt eine geistliche Nacht, in der sie sogar von der Versuchung der
Ungläubigkeit gegenüber der Eucharistie bedrängt ist. Nach so viel Leiden
tröstet sie der Herr: In einer Vision schenkt er ihr die klare Erkenntnis der
eucharistischen Realpräsenz, eine so leuchtende Erkenntnis, daß Katharina sie
nicht in Worte fassen kann (vgl.
ebd., VIII,2). Zur selben Zeit kommt
eine schmerzliche Prüfung über die Gemeinschaft: Es entstehen Spannungen
zwischen denen, die der augustinischen Spiritualität folgen wollen, und denen,
die mehr auf die franziskanische Spiritualität ausgerichtet sind.
Zwischen 1429 und 1430 trifft die Verantwortliche der Gruppe, Lucia
Mascheroni, die Entscheidung, ein Augustinerinnenkloster zu gründen. Katharina
und andere dagegen entschließen sich, die Regel der hl. Klara von Assisi zu
übernehmen. Es ist ein Geschenk der Vorsehung, denn die Gemeinschaft wohnt in
der Nähe der Kirche »Santo Spirito« beim Konvent der Minderbrüder, die sich der
Observanzbewegung angeschlossen haben. So können Katharina und ihre
Gefährtinnen regelmäßig an den liturgischen Feiern teilnehmen und angemessenen
geistlichen Beistand erhalten. Sie haben auch die Freude, Predigten des hl.
Bernhardin von Siena zu hören (vgl.
ebd., VII,62). Katharina berichtet,
daß sie 1429 – im dritten Jahr ihrer Bekehrung – bei einem der von ihr sehr
geschätzten Minderbrüder beichten geht, wo sie eine gute Beichte ablegt und den
Herrn inständig bittet, all ihre Sünden zu vergeben und ihr die mit diesen
verbundene Strafe zu erlassen. Gott offenbart ihr in einer Vision, daß er ihr
alles vergeben hat. Es ist eine sehr starke Erfahrung der göttlichen
Barmherzigkeit, die sie für immer prägt und ihr neuen Antrieb gibt, um
großherzig auf die unendliche Liebe Gottes zu antworten (vgl.
ebd.,
IX,2).
1431 hat sie eine Vision vom Endgericht. Der schreckliche Anblick der Verdammten
drängt sie, Gebet und Buße für das Heil der Sünder zu vertiefen. Der Teufel
sucht sie auch weiterhin heim, und sie vertraut sich immer vollkommener dem
Herrn und der Jungfrau Maria an (vgl.
ebd., X,3). In ihren Schriften
hinterläßt uns Katharina einige wesentliche Hinweise über diesen
geheimnisvollen Kampf, aus dem sie mit Gottes Gnade siegreich hervorgeht. Dies
dient der Unterweisung ihrer Mitschwestern sowie jener, die sich auf den Weg
der Vollkommenheit begeben wollen: Sie will vor den Versuchungen des Teufels
warnen, der sich oft unter trügerischen Erscheinungsformen versteckt, um dann
Glaubenszweifel, Unsicherheit über die Berufung oder Sinnlichkeit
hervorzurufen.
In der autobiographischen und der Unterweisung dienenden Schrift
Die
sieben geistlichen Waffen unterbreitet Katharina in diesem Zusammenhang
Lehren von großer Weisheit und tiefer Erkenntnis. Sie spricht in der dritten
Person, wenn sie die außerordentlichen Gnaden beschreibt, die der Herr ihr
schenkt, und in der ersten Person, wenn sie ihre eigenen Sünden beichtet. Ihre
Schrift läßt die Reinheit ihres Glaubens an Gott, die tiefe Demut, die
Schlichtheit des Herzens, den missionarischen Eifer, die Leidenschaft für das
Heil der Seelen erkennen.
Sie unterscheidet sieben Waffen beim Kampf gegen das
Böse, gegen den Teufel:
1. eifrige Sorgfalt darauf zu verwenden, stets das Gute
zu tun;
2. zu glauben, daß wir allein niemals etwas wirklich Gutes tun können;
3. auf Gott zu vertrauen und aus Liebe zu ihm niemals den Kampf gegen das Böse
zu fürchten, weder in der Welt noch in uns selbst;
4. oft die Ereignisse und
die Worte des Lebens Jesu zu betrachten, besonders sein Leiden und seinen Tod;
5. daran zu denken, daß wir sterben müssen;
6. sich die Güter des Paradieses im
Geist fest einzuprägen;
7. mit der Heiligen Schrift vertraut zu sein und sie
stets im Herzen zu tragen, damit sie allen Gedanken und allem Handeln
Orientierung gibt
– ein schönes geistliches Lebensprogramm auch heute, für
jeden für uns!
Obgleich sie an den Hof von Ferrara gewöhnt ist, übernimmt Katharina im
Kloster Aufgaben als Wäscherin, Näherin und Bäckerin und ist für die Versorgung
der Tiere zuständig. Sie führt alles, auch die niedersten Dienste, mit Liebe
und bereitwilligem Gehorsam aus und gibt so den Mitschwestern ein leuchtendes
Zeugnis. Im Ungehorsam sieht sie nämlich jenen geistlichen Hochmut, der jede
andere Tugend zerstört. Aus Gehorsam übernimmt sie das Amt der
Novizenmeisterin, obgleich sie sich für unfähig hält, diese Aufgabe zu
erfüllen, und Gott beseelt sie unablässig durch seine Gegenwart und seine
Gaben; sie ist in der Tat eine weise und geschätzte Meisterin
Danach wird ihr der Dienst im Sprechzimmer anvertraut. Es fällt ihr sehr
schwer, oft das Gebet zu unterbrechen, um den Menschen zu antworten, die an das
Klostergitter kommen, aber auch diesmal kommt der Herr zu ihr und steht ihr
bei. Mit ihr ist das Kloster immer mehr ein Ort des Gebets, der Hingabe, des
Schweigens, der Mühe und der Freude. Als die Äbtissin stirbt, denken die Oberen
sofort an sie, aber Katharina drängt sie, sich an die Klarissen von Mantua zu
wenden, die die Konstitutionen und die Ordensgebräuche besser kennen. Wenige
Jahre später jedoch, 1456, wird ihr Kloster gebeten, eine Neugründung in
Bologna zu errichten. Katharina würde ihre Tage lieber in Ferrara beenden, aber
der Herr erscheint ihr und mahnt sie, den Willen Gottes zu tun, indem sie als
Äbtissin nach Bologna geht. Sie bereitet sich auf die neue Aufgabe durch Fasten
und Bußübungen vor. Zusammen mit 18 Mitschwestern begibt sie sich nach Bologna.
Als Oberin ist sie die erste im Gebet und im Dienst; sie lebt in tiefer Demut
und Armut. Als die drei Amtsjahre als Äbtissin enden, ist sie froh, ersetzt zu
werden, aber ein Jahr später muß sie ihr Amt wieder aufnehmen, weil die
Neugewählte erblindet ist. Obwohl sie leidet und von schweren Krankheiten
geplagt wird, erfüllt sie ihren Dienst mit Großherzigkeit und Hingabe
Noch ein Jahr lang mahnt sie die Mitschwestern zum Leben nach dem
Evangelium, zur Geduld und zur Beständigkeit in den Prüfungen, zur brüderlichen
Liebe, zur Vereinigung mit dem göttlichen Bräutigam, Jesus, um so ihre Mitgift
für die himmlische Hochzeit zu bereiten. Diese Mitgift sieht Katharina darin,
die Leiden Christi zu teilen und Schwierigkeiten, Sorgen, Verachtung,
Unverständnis mit innerer Ruhe zu begegnen (vgl.
Die sieben geistlichen
Waffen, X,20). Anfang 1463 verschlimmern sich ihre Krankheiten; sie
versammelt die Schwestern ein letztes Mal im Kapitel, um ihnen anzukündigen,
daß sie sterben würde und ihnen die Beachtung der Regel ans Herz zu legen. Ende
Februar kommen starke Leiden über sie, die nicht mehr von ihr weichen werden.
Sie ist es jedoch, die die Mitschwestern im Schmerz tröstet und ihnen ihren
Beistand zusichert, auch vom Himmel aus. Nachdem sie die letzten Sakramente empfangen
hat, übergibt sie ihrem Beichtvater die Schrift
Die sieben geistlichen
Waffen und tritt in den Todeskampf ein; ihr Gesicht wird schön und
leuchtend; noch einmal betrachtet sie liebevoll jene, die bei ihr sind, und
haucht sanft ihren Geist aus, wobei sie dreimal den Namen Jesu ausspricht: Es
ist der 9. März 1463 (vgl. I. Bembo,
Specchio di illuminazione. Vita di S.
Caterina a Bologna, Florenz 2001, Kap. III). Katharina wird am 22. Mai 1712
von Papst Clemens XI. heiliggesprochen. Die Stadt Bologna verwahrt ihren
unversehrten Leib in der Kapelle des Klosters »Corpus Domini«
Liebe Freunde, die hl. Katharina von Bologna ist durch ihre Worte und ihr
Leben eine starke Einladung, uns stets von Gott leiten zu lassen, täglich
seinen Willen zu tun, auch wenn er oft nicht unseren Plänen entspricht, auf
seine Vorsehung zu vertrauen, die uns nie allein läßt. In dieser Hinsicht
spricht die hl. Katharina mit uns; über die Entfernung vieler Jahrhunderte
hinweg ist sie dennoch sehr modern und spricht zu unserem Leben. Wie wir
erleidet sie Versuchung, erleidet sie Versuchungen der Ungläubigkeit, der
Sinnlichkeit, eines schwierigen, geistlichen Kampfes. Sie fühlt sich von Gott
verlassen, sie befindet sich im Dunkel des Glaubens. Aber in all diesen
Situationen hält sie stets die Hand des Herrn, läßt ihn nicht los, verläßt ihn
nicht. Und Hand in Hand mit dem Herrn geht sie auf dem richtigen Weg und findet
den Weg des Lichts. So sagt sie auch zu uns: Nur Mut, auch in der Nacht des
Glaubens, auch in vielen Zweifeln, die es geben kann, laß die Hand des Herrn
nicht los, geh Hand in Hand mit ihm, glaube an die Güte Gottes; dann gehst du
auf dem richtigen Weg! Und ich möchte noch einen weiteren Aspekt hervorheben:
ihre große Demut. Sie ist eine Person, die nicht jemand oder etwas sein will;
sie will sich nicht hervortun; sie will nicht herrschen. Sie will dienen, den
Willen Gottes tun, im Dienst der anderen stehen. Und gerade deshalb war
Katharina glaubwürdig in ihrer Autorität, denn man konnte sehen, daß die
Autorität für sie bedeutete, den anderen zu dienen. Durch die Fürsprache
unserer Heiligen bitten wir Gott, den Plan zu verwirklichen, den er mit uns
hat, mit Mut und Großherzigkeit, damit nur er der feste Fels ist, auf den unser
Leben gebaut wird. Danke.
(Papst Benedikt XVI., Generalaudienz am 29.12.2010)
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| Reliquie der hl. Katharina von Bologna |