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Donnerstag, 4. August 2022

Heiligkeit

 

Johannes Maria Vianney und Kardinal Newman, Oratorium in Manchester

 

Es ist meines Erachtens einer ganz besonderen Aufmerksamkeit wert, dass Papst Benedikt XVI. beim Abschluss des „Jahres des Priesters“ am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, am 11. Juni 2010, vor 16.000 mit ihm am Petersplatz konzelebrierenden Bischöfen und Priestern unter anderem sagte, dass das „Jahr des Priesters und seiner Heiligung“ nicht zu Ende gehen, „sondern weitergeführt werden soll“.

Der Verfasser möchte – in der Vorfreude auf die Teilnahme an der Seligsprechung von Kardinal Newman in England – seine Vermutung aussprechen, dass dieser neue Selige der katholischen Kirche einen guten Patron für die „Weiterführung“ des in Rom abgeschlossenen „Jahres des Priesters“ abgeben könnte. Ungefähr drei Monate nach dem Abschluss des „annus sacerdotalis“ wird Papst Benedikt XVI. bei seinem Staatsbesuch in England den von Papst Leo XIII. in den Kardinalsrang erhobenen Priester und Theologieprofessor, John Henry Newman, – entgegen seinen eigenen Vorhaben, selber nur Heiligsprechungen vorzunehmen und diese in Rom durchzuführen – in Birmingham seligsprechen (So, 19. September 2010) und ihn so der Kirche und der Welt zur Verehrung bekannt machen.

Wenn man weiß, mit welcher Gründlichkeit die päpstliche Behörde „Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen“ einen Seligsprechungsprozess führt (dem ein diözesaner Prozess zur Vorbereitung darauf nach ganz bestimmten Regeln vorausgeht), dann ist man stark geneigt zu fragen, welche Ergänzungen zum heiligen Pfarrer von Ars, Jean Marie Vianney, dem vom Papst vorgegebenen Patron des weltweiten Priesterjahres, die Person des vorerst „nur“ selig gesprochenen und aus der anglikanischen zur römisch-katholischen Kirche konvertierten Priesters und Theologieprofessors beitragen kann.

Denn wenn zum Abschluss des vorher erwähnten „Jahres des Priesters“ der Heilige Pfarrer von Ars nochmals allen Pfarrern und nicht, wie in der ursprünglichen Ansage, allen Priestern als Vorbild und Patron vorgestellt wurde, dann erhebt sich unwillkürlich die Frage, welche Bedeutung die „Gestalt“ des seligen Kardinal Newmans evtl. für alle Priester haben könnte. Dieser Frage möchte der Verfasser in diesen folgenden Überlegungen nachgehen.

(Fortsetzung HIER

 

Die Heiligkeit besteht also nicht in großen Dingen, sondern in der treuen Beobachtung der Gebote Gottes und in der Pflichterfüllung an dem Platz, an den Gott uns gestellt hat.

Wir sehen oft, daß einer, der in der Welt lebt und treu die kleinen Pflichten seines Standes erfüllt, Gott wohlgefälliger ist als die Einsiedler in ihren Wüsten.

Wollt ihr noch mehr wissen, was ein Heiliger in den Augen Gottes ist?
Er ist ein Mensch, der Gott fürchtet, der ihn ehrlich liebt und ihm in Treue dient.

(Der Pfarrer von Ars an seine Gemeinde, ausgewählt v. Gerard Rosse, 122)


The Manchester Oratory, St Chad´s Church

Im Haus des hl. Pfarrers von Ars

zum Abschluss des Priesterjahres beim Petersdom

Mosaik in der Basilika in Lisieux, Gebet für die Priester

Das Kirchlein des hl. Pfarrers von Ars

Am Grab des hl. Pfarrers von Ars

Die Herzkapelle in Ars

Der Kelch des hl. Pfarrers von Ars

Die Paramente des hl. Pfarrers von Ars

Sonntag, 9. Oktober 2016

Sel. John Henry Newman

 


John Henry Kardinal Newman, Konvertit und Theologe. 1801 in London geboren besuchte Newman zunächst Eliteschulen und studierte dann an der Universität von Oxford. Schon mit 21 Jahren war er Doktor und empfing die Ordination in der anglikanischen Hochkirche. Als Pfarrer der Universitätskirche von Oxford wurde er zum Führer der „Oxford Bewegung“, die – parallel zur deutschen Romantik – ein liberales Staatskirchentum überwinden wollte. Newman wollte die Erneuerung der anglikanischen Kirche aus dem Geist der Kirchenväter. Innerlich war Newman bereits durch deren Studium in den katholischen Glauben hineingezogen worden, dennoch bedurfte es eines langen inneren Kampfes, bis er 1845 offiziell konvertierte.
Sein Übertritt zur katholischen Kirche (Anm.: am 9. Oktober 1845), die damals eine Minderheit war, glich einem Erdbeben in der anglikanischen Staatskirche der viktorianischen Ära. Katholiken galten als ungebildet und rückständig, doch nun verlor die hochintellektuelle „Oxford-Bewegung“ ihren Kopf; sie löste sich auf. Nach kurzem Studienaufenthalt in Rom wurde Newman 1847 zum Priester geweiht und trat dem Oratorium von Philipp Neri bei. Nach England zurückgekehrt gründete er in Birmingham das erste englische Oratorium. Als Newman nun versuchte, die Katholiken aus ihrer Ghetto-Mentalität zu befreien, wurde er bald des Modernismus verdächtigt und von Traditionalisten heftig bekämpft. Trotzdem beriefen ihn die Bischöfe 1851 zum Gründungsrektor der katholischen Universität in Dublin. Die englischen Katholiken waren jedoch von der vernunftsverherrlichenden Atmosphäre der freimaurerischen Wissenselite Englands regelrecht traumatisiert. So war es ihnen zutiefst suspekt, dass Newman immer wieder für „das Heiligtum der Vernunft“ eintrat; sie beargwöhnten seine Lehre, wonach zwischen Denken und Glauben, Wissenschaft und Offenbarung kein Widerspruch bestehen könne. Die innerkirchlichen Denunziationen gegen Newman wurden so heftig, dass ihn 1858 die Bischöfe fallen ließen und er sein Rektorenamt aufgeben musste. Nun hatte er Zeit, um sein religionsphilosophisches Hauptwerk „Grammatik der Zustimmung“ zu verfassen; seine gesammelten Schriften umfassen heute 32 Bände. Newman war immer ein geradliniger Denker, der niemals die erkannte Wahrheit aus opportunistischen Motiven zu verbiegen bereit war. So verteidigte er nach 1870 einerseits vehement das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes; andrerseits bestand Newman auf der Verpflichtung aller, auf das Gewissen zu hören. Dies gelte auch für den Papst, denn das Gewissen sei „der Statthalter Christi in jedem Menschen“. Als Theologe durchlitt Newman einen lebenslangen Leidensweg, wurde er doch von innen und außen, von links und rechts angegriffen.
Es gleicht einem Wunder, dass Papst Leo XIII. es wagte, Newman 1879 zum Kardinal zu erheben. Newman war damals 78 Jahre alt. Elf Jahre später, am 11. August 1890, starb er im Alter von 89 Jahren in seinem Oratorium in Birmingham. Papst Benedikt XVI. sprach den großen Denker und Dulder während eines Staatsbesuches in England persönlich selig.
(Martyrologium Sancrucense)

Der Altar  wurde 2010 anläßlich der Seligsprechung des sel. John Henry Newman
errichtet, Oxford Oratory



Das Motto von Kardinal Newman „cor ad cor loquitur - das Herz spricht zum Herzen" gibt uns einen Einblick in sein Verständnis des christlichen Lebens als Berufung zur Heiligkeit, die als der sehnliche Wunsch des menschlichen Herzens erfahren wird, in innige Gemeinschaft mit dem Herzen Gottes zu gelangen. Der Kardinal erinnert uns daran, daß die Treue zum Gebet uns allmählich verwandelt und Gott ähnlich werden läßt.
In einer seiner vielen schönen Predigten schrieb er: „So hat die Gewohnheit des Betens, die Übung, sich Gott und der unsichtbaren Welt zu jeder Zeit, an jedem Ort und bei jedem Anlaß zuzuwenden, ... sozusagen eine natürliche Wirkung, indem es die Seele vergeistigt und emporhebt. Der Mensch ist dann nicht mehr, was er zuvor war; allmählich ... hat er eine neue Ideenwelt eingesogen und ist von neuen Grundsätzen durchdrungen" (Parochial and Plain Sermons, IV, 230-231).


(aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. zur Seligsprechung von John Henry Newman, 19. September 2010)

oben das Wappen mit dem Motto: Das Herz spricht zum Herzen


Wir müssen im Auge behalten, was unter Vollkommenheit zu verstehen ist. Sie bedeutet nicht etwas Außerordentliches, etwas Ungewöhnliches oder besonders Heldenhaftes – nicht alle haben Gelegenheit, Helden oder Martyrer zu werden -, Vollkommenheit bedeutet, was das Wort im gewöhnlichen Sinne besagt. Vollkommen heißen wir etwas, das fehlerlos, vollständig, dauerhaft und gesund ist – wir meinen das Gegenteil von unvollkommen. Da wir sehr gut wissen, was Unvollkommenheit im religiösen Leben bedeutet, zeigt uns der Gegensatz, was Vollkommenheit ist.
Der also ist vollkommen, der sein Tagewerk vollkommen vollbringt; mehr brauchen wir nicht zu tun, um nach Vollkommenheit zu streben. Wir brauchen über den Kreis der täglichen Pflichten nicht hinauszugehen.
Ich betone das, weil ich glaube, daß dadurch unsere Anschauungen vereinfacht und unsere Anstrengungen auf ein erreichbares Ziel eingestellt werden. Wenn Du mich fragst, was Du tun mußt, um vollkommen zu sein, so sage ich Dir: erstens –
  • bleibe nicht im Bette liegen, wenn es Zeit ist, aufzustehen;
  • die ersten Gedanken weihe Gott,
  • mache einen andächtigen Besuch beim allerheiligsten Sakrament,
  • bete fromm den Angelus,
  • iß und trink zu Gottes Ehre,
  • bete mit Sammlung den Rosenkranz,
  • sei gesammelt,
  • halte böse Gedanken fern,
  • mache Deine abendliche Betrachtung gut,
  • erforsche täglich Dein Gewissen,
  • geh zur rechten Zeit zur Ruhe; und Du bist bereits vollkommen.
(J. H. Newman in: Hrsg. Biemer, Holmes, Leben als Ringen um die Wahrheit, ein Newman Lesebuch, 304)

Sonntag, 24. April 2016

Gebet am Sonntag


Ich bete Dich an, o mein Gott, als das wahre und einzige Licht. ( )
Leuchte Du mir, "Du leuchtend Feuer, das nie erlischt",
dann werde ich beginnen, mit und in Deinem Licht das wahre Licht zu sehen
und Dich als die Quelle alles Lichtes zu erkennen.

Bleibe, liebster Jesus, und weiche nicht von mir.
Bleibe bei mir, und ich will anfangen,
selbst Licht zu werden und anderen zu leuchten.
Alles Licht kommt von Dir, von mir nur Dunkelheit.

O könnte ich Dich so verherrlichen, wie Du es am meisten liebst, 
indem ich alle diejenigen erleuchte, die mich umgeben.
Gib auch ihnen das Licht wie mir.

(John Henry Newman, Gott und die Seele, 79f)


Votivkirche, Wien

Mittwoch, 16. April 2014

Gebetsaufruf - Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus in Limburg 10



Beten wir zum Herrn in diesen Tagen der Fastenzeit für die Kirche und den Papst, für unsere Bischöfe und Priester.

10. Bild: Simon hilft Jesus das Kreuz tragen


Denn obwohl Jesus auf dem Kreuzweg allein ist, schreitet er doch in einer umgebenden Volksmenge voran. Und es gibt nicht nur die Zuschauer, sondern auch Nachfolger. Es gibt jenen Simon von Cyrene, den man zwingt, das Kreuz, vielleicht einen der beiden Balken, an Jesu Statt zu tragen. Das Evangelium macht hier eine merkwürdige doppelte Aussage: Johannes beharrt darauf: "Jesus trug sein Kreuz selber" (Joh 19,17). Die Synoptiker beschreiben uns ausführlich die Person des Simon, dem der Balken aufgezwungen wird. Tiefer gesehen ist beides gleich wahr: daß der Sohn Gottes allein die ganze Schuld der Welt trägt, die auch nur er tragen kann - und daß er trotzdem einen Raum zum Mittragen offen läßt. (...)
Tiefer als Simon, der widerwillig mitträgt, tiefer als Paulus, der heftig hin und her schwankt zwischen angezogensein vom Kreuz und Abgestoßenwerden davon, leidet Maria mit dem Kreuztragenden. Sie leidet im Geiste daran, daß sie dem Sohn nichts abnehmen kann. (...) Sie muß es geschehen lassen und kann ihm nur dieses Geschehenlassen anbieten, das als solches nichts ausrichten kann. Sie verzweifelt darüber nicht, weil sie in ihren Gedanken nicht bei ihrem eigenen Können oder Nichtkönnen verweilt, sondern ganz beim Sohn. Sie revoltiert auch nicht, weder gegen Gott, der das zuläßt, noch gegen die Menschheit, die ihren Sohn foltert; sie läßt alles geschehen innerhalb eines Ja-worts, das keine aktive Kraft mehr hat, sondern wie ein unendliches - eucharistisches - Zerrinnen ist.
(Hans Urs von Balthasar, Der dreifache Kranz, 61f)
 
Simon hilft Jesus das Kreuz tragen, Limburger Dom

Litanei vom Leiden Jesu - von Kardinal Newman
Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!

Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel - erbarme Dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt -
Gott, Heiliger Geist -
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott -

Jesus - Du ewige Weisheit - erbarme Dich unser!
Jesus - Du fleischgewordenes Wort -
Jesus - gehaßt von der Welt -
Jesus - für dreißig Silberlinge verkauft -
Jesus - der Du in Todesangst Blut geschwitzt hast -
Jesus - von Judas verraten -
Jesus - von den Jüngern verlassen -
Jesus - auf die Wange geschlagen -
Jesus - von falschen Zeugen angeklagt -
Jesus - ins Angesicht gespien -
Jesus - von Petrus verleugnet -
Jesus - von Herodes verspottet -
Jesus - unter Pilatus gegeißelt -
Jesus - dem Barabbas nachgesetzt -
Jesus - mit dem Kreuz beladen -
Jesus - mit Dornen gekrönt -
Jesus - der Kleider beraubt -
Jesus - ans Kreuz genagelt -
Jesus - von den Juden geschmäht -
Jesus - vom Übeltäter verspottet -
Jesus - dessen Seite durchbohrt wurde -
Jesus - den letzten Tropfen Blutes vergießend -
Jesus - verlassen vom Vater -
Jesus - gestorben für unsere Sünden -
Jesus - vom Kreuz abgenommen -
Jesus - ins Grab gelegt -
Jesus - in Herrlichkeit auferstanden -
Jesus - in den Himmel aufgefahren -
Jesus - der uns den Tröster gesandt hat -

Jesus - unser Opfer -
Jesus - unser Mittler -
Jesus - unser Richter -

Sei uns gnädig - verschone uns, o Herr!
Sei uns gnädig - erhöre uns, o Herr!
Von aller Sünde - erlöse uns, o Herr!
Von allem Bösen -
Von Zorn und Haß -
Von Bosheit und Rachsucht -
Von Unglauben und Herzenshärte -
Von Gotteslästerei und Gottesraub -
Von Heuchelei und Habsucht -
Von der Verblendung des Geistes -
Von der Verachtung Deiner Gebote -
Von dem Rückfall in die Sünde -
Von allen Gefahren des Leibes und der Seele -

Wir armen Sünder - wir bitten Dich: erhöre uns!
Daß Du uns verschonest -
Daß Du uns verzeihest -
Daß Du Deine Kirche beschützen wollest -
Daß Du die Deinen segnen wollest -
Daß Du Deine Feinde bekehren wollest -
Daß Du die Wahrheit ausbreiten wollest -
Daß Du den Irrtum zerstören wollest -
Daß Du die falschen Götter vernichten wollest -
Daß Du Deine Auserwählten mehren wollest -
Daß Du die Armen Seelen im Fegefeuer erlösen wollest -
Daß Du uns zur Zahl Deiner Heiligen zählen wollest -

Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt -
verschone uns, o Herr!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt -
erhöre uns, o Herr!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt -
erbarme Dich unser, o Herr!

Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!

Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich -
denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Lasst uns beten!
Gott, Du wurdest für die Erlösung der Welt geboren und beschnitten, verworfen, verraten, mit Stricken gebunden und zum Tode geführt, frechen Blicken preisgegeben, fälschlich angeklagt, gegeißelt und zerfleischt, angespien, mit Dornen gekrönt, beschimpft und geschmäht, gestoßen, mit Ruten gestrichen, entblößt, ans Kreuz genagelt und daran erhöht, unter die Übeltäter gezählt und mit Galle und Essig getränkt, und Deine Seite wurde mit einer Lanze durchbohrt:
Durch Dein hochheiliges Leiden, dessen wir, Deine schuldbeladenen Diener, gedenken, und durch Dein heiliges Kreuz und Deinen gnadenreichen Tod befreie uns von den Peinen der Hölle und geleite uns dorthin, wohin Du den mit Dir gekreuzigten Schächer geführt hast, wo Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Dienstag, 15. April 2014

Gebetsaufruf - Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus in Limburg 9

Beten wir zum Herrn in diesen Tagen der Fastenzeit für die Kirche und den Papst, für unsere Bischöfe und Priester.

9. Bild: von Pilatus verurteilt


Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es.
Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen?
Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte.
Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis.
Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt?
Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte.
Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum.
Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen.
Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen: Barabbas!
Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm!
Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm!
Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!
Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!
Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.
(Matthäus 27)


Verurteilung Jesu, Limburger Dom


Litanei vom Leiden Jesu - von Kardinal Newman

Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!

Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel - erbarme Dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt -
Gott, Heiliger Geist -
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott -

Jesus - Du ewige Weisheit - erbarme Dich unser!
Jesus - Du fleischgewordenes Wort -
Jesus - gehaßt von der Welt -
Jesus - für dreißig Silberlinge verkauft -
Jesus - der Du in Todesangst Blut geschwitzt hast -
Jesus - von Judas verraten -
Jesus - von den Jüngern verlassen -
Jesus - auf die Wange geschlagen -
Jesus - von falschen Zeugen angeklagt -
Jesus - ins Angesicht gespien -
Jesus - von Petrus verleugnet -
Jesus - von Herodes verspottet -
Jesus - unter Pilatus gegeißelt -
Jesus - dem Barabbas nachgesetzt -
Jesus - mit dem Kreuz beladen -
Jesus - mit Dornen gekrönt -
Jesus - der Kleider beraubt -
Jesus - ans Kreuz genagelt -
Jesus - von den Juden geschmäht -
Jesus - vom Übeltäter verspottet -
Jesus - dessen Seite durchbohrt wurde -
Jesus - den letzten Tropfen Blutes vergießend -
Jesus - verlassen vom Vater -
Jesus - gestorben für unsere Sünden -
Jesus - vom Kreuz abgenommen -
Jesus - ins Grab gelegt -
Jesus - in Herrlichkeit auferstanden -
Jesus - in den Himmel aufgefahren -
Jesus - der uns den Tröster gesandt hat -

Jesus - unser Opfer -
Jesus - unser Mittler -
Jesus - unser Richter -

Sei uns gnädig - verschone uns, o Herr!
Sei uns gnädig - erhöre uns, o Herr!
Von aller Sünde - erlöse uns, o Herr!
Von allem Bösen -
Von Zorn und Haß -
Von Bosheit und Rachsucht -
Von Unglauben und Herzenshärte -
Von Gotteslästerei und Gottesraub -
Von Heuchelei und Habsucht -
Von der Verblendung des Geistes -
Von der Verachtung Deiner Gebote -
Von dem Rückfall in die Sünde -
Von allen Gefahren des Leibes und der Seele -

Wir armen Sünder - wir bitten Dich: erhöre uns!
Daß Du uns verschonest -
Daß Du uns verzeihest -
Daß Du Deine Kirche beschützen wollest -
Daß Du die Deinen segnen wollest -
Daß Du Deine Feinde bekehren wollest -
Daß Du die Wahrheit ausbreiten wollest -
Daß Du den Irrtum zerstören wollest -
Daß Du die falschen Götter vernichten wollest -
Daß Du Deine Auserwählten mehren wollest -
Daß Du die Armen Seelen im Fegefeuer erlösen wollest -
Daß Du uns zur Zahl Deiner Heiligen zählen wollest -

Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt -
verschone uns, o Herr!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt -
erhöre uns, o Herr!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt -
erbarme Dich unser, o Herr!

Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!

Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich -
denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Lasst uns beten!
Gott, Du wurdest für die Erlösung der Welt geboren und beschnitten, verworfen, verraten, mit Stricken gebunden und zum Tode geführt, frechen Blicken preisgegeben, fälschlich angeklagt, gegeißelt und zerfleischt, angespien, mit Dornen gekrönt, beschimpft und geschmäht, gestoßen, mit Ruten gestrichen, entblößt, ans Kreuz genagelt und daran erhöht, unter die Übeltäter gezählt und mit Galle und Essig getränkt, und Deine Seite wurde mit einer Lanze durchbohrt:
Durch Dein hochheiliges Leiden, dessen wir, Deine schuldbeladenen Diener, gedenken, und durch Dein heiliges Kreuz und Deinen gnadenreichen Tod befreie uns von den Peinen der Hölle und geleite uns dorthin, wohin Du den mit Dir gekreuzigten Schächer geführt hast, wo Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.