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Mittwoch, 4. November 2015

Karl Borromäus und Maria

Statue des hl. Karl Borromäus in der Turmfront der
Versorgungsheimkirche Karl Borromäus, Wien

Karl Borromäus, Kardinal und Reformbischof. Karl Borromäus wurde am 2. Oktober 1538 zu Arona geboren und studierte zunächst Rechtswissenschaft in Pavia. 1559 ernannte ihn sein Onkel Pius IV. zu seinem Geheimsekretär und kreierte den 22-Jährigen zum Kardinal, kurz darauf ernannte er ihn zum Administrator von Mailand. Im Juli 1563 empfing Karl gegen den Wunsch des päpstlichen Onkels, der ihn lieber in die familiäre Heiratspolitik einbeziehen wollte, die Priesterweihe und im Dezember die Bischofsweihe. Karl ist der glückliche Abschluss des Tridentinischen Konzils 1564 zu verdanken. Er selbst nahm die vom Tridentinum geforderte bischöfliche Residenzpflicht ernst und ging sofort nach Mailand.
Von Reformeifer beseelt, führte er durch Visitationen, Synoden und Pastoralinstruktionen die Beschlüsse des Trienter Konzils durch. Für die Heranbildung von Priestern gründete er mehrere Institute und Seminare, wofür er seinen ganzen Familienbesitz aufwendete.
Seine aufopfernde Hirtensorge und sein strenges asketisches Leben machten ihn zum Sinnbild
eines Reformbischofs, ja zum personifizierten Inbegriff der nachkonziliaren Reform. Der Klerus brachte dem unermüdlichen Reformer anfangs nur Ablehnung und Hass entgegen und versuchte, den unbequemen Oberhirten sogar durch Mordanschläge zu beseitigen.
Die Liebe des Volkes erwarb sich Karl vor allem, als er während einer Pestepidemie in Mailand ausharrte und selbst die Pflege der Pestkranken organisierte. Aufgerieben durch Visitationen, Synoden und Pastoralreisen starb Karl am 3. November 1584 im Alter von 46 Jahren, er ist in der Krypta des Mailänder Domes beigesetzt. Karl wird dargestellt in Kardinalstracht mit Kreuz, Totenkopf und Geißel oder mit Strick um den Hals. Er gilt zusammen mit Rochus und Sebastian als Pestpatron und ist als solcher auf der Dreifaltigkeitssäule von Heiligenkreuz dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)

Maria mit dem Jesuskind und Karl Borromäus, Versorgungsheimkirche

Wie in allem Guten, ging der hl. Carl Borromeo auch in der Marienverehrung dem Klerus und seinem Diözesanvolk mit bestem Beispiel voran. Er verehrte ganz innig die Mutter des menschgewordenen Wortes und brachte seine persönliche Marienverehrung im täglichen Beten der "Kleinen Marianischen Tagzeiten", des "Engel des Herrn" sowie des Rosenkranzes und durch häufige Wallfahrten zu Marienheiligtümern zum Ausdruck.
Beim Klang der Ave-Glocken kniete der Erzbischof jedesmal nieder und betete den ihn umgebenden Menschen den "Engel des Herrn" vor. Auf Reisen ließ er den Wagen anhalten, stieg aus, kniete nieder und betete so den englischen Gruß. Täglich betete Carl Borromeo kniend zusammen mit seinen Angestellten den Rosenkranz. In allen Pfarreien seines großen Sprengels wünschte er die Rosenkranzbruderschaft eingeführt.
Über beide marianische Andachtsformen, den "Engel des Herrn" als auch abendliches Familiengebet, und den Rosenkranz verfaßte Carl Borromeo eigene Hirtenbriefe. Beim abendlichen Rosenkranzgebet in der Hauskapelle zusammen mit seinen Angestellten wurde am 26. Oktober 1569 von dem fanatischen Humiliatenpater Fra Girolamo Donato (Farina) ein Attentat auf den Erzbischof gemacht; der Kardinal wurde im Rückgrat getroffen. Trotzdem befahl er, ohne sich aufzuregen oder über seinen Zustand zu ängstigen, die Andacht fortzusetzen; er war überzeugt, daß ihn seine vielgeliebte Mutter beschützt habe. Tatsächlich war es so: Carl Borromeo war nur ganz leicht verletzt. Zu Gnadenstätten der Gottesmutter pilgerte der Heilige oft und gern (...)
Was er selbst gerne tat, dazu forderte er auch seine Diözesanen auf. So schrieb er in einem Hirtenbrief über das bevorstehende Jubiläumsjahr 1575, die Gläubigen sollten zahlreich nach Rom pilgern; er meinte dann: "Wenn ihr auf dieser Pilgerfahrt in die Nähe eines bedeutenden Gnadenortes kommt, wie jenes der Gottesmutter von Loreto, und andere, so sollt ihr euch die Gelegenheit des Besuches nicht entgehen lassen, müßtet ihr dabei auch einen Umweg machen und die Reise verlängern."
(F. Holböck, Geführt von Maria, 366ff)



Im Brevier lesen wir am 4. November einen schönen Text des großen Hirten und Heiligen Karl Borromäus, der sich wirklich ganz geschenkt hat und uns, allen Priestern, sagt: „Vernachlässige deine Seele nicht: wenn deine Seele vernachlässigt wird, so kannst du auch den anderen nicht geben, was du solltest. Du musst also auch für dich selbst, für deine Seele Zeit haben", oder mit anderen Worten: Die Beziehung mit Christus, das persönliche Gespräch mit Christus ist eine grundlegende pastorale Priorität, sie ist Bedingung für unsere Arbeit mit den anderen! Und das Gebet ist nichts, was beiläufig wäre: Es ist gerade der „Beruf" des Priesters, zu beten, auch als Stellvertreter der Menschen, die es nicht verstehen zu beten oder die keine Zeit für das Gebet finden. Das persönliche Gebet, vor allem das Stundengebet, ist grundlegende Nahrung für unsere Seele, für all unser Wirken. Und schließlich müssen wir auch unsere Grenzen anerkennen, uns auch für die Demut öffnen. Rufen wir uns eine Szene aus dem Markusevangelium, Kapitel 6, in Erinnerung, wo die Jünger „gestresst" sind, alles tun wollen und der Herr ihnen sagt: „Wir wollen fortgehen; ruht euch ein wenig aus" (vgl. Mk 6, 31).
(Gespräch von Papst Benedikt XVI. mit Priestern am 10. Juni 2010)

Unter allen Heilsmitteln,
die uns Jesus Christus im Evangelium empfohlen hat,
nimmt das Gebet den ersten Platz ein.
Karl Borromäus 

Donnerstag, 2. Juli 2015

Marienverehrung ist geistgewirkter Auftrag an die Kirche


Elisabeth grüßt Maria mit den Worten, mit denen die Kirche es noch immer tut (Lk 1,42). Das "Gegrüßt seist du Maria" hat schon im Lukas-Evangelium den Charakter einer Gebetsformel, in der wir nicht mehr bloß die Stimme der Elisabeth hören, sondern mit ihr vereint die Stimme der frühen Kirche, die den Gruß als Gebetswort weiterträgt.
So wird uns in dieser Szene die lebendige Marienverehrung der Kirche des Neuen Testamentes greifbar: Marienverehrung ist so alt wie die Kirche selbst, und Lukas sagt uns, sie sei vom Heiligen Geist inspiriert, denn die Formel, in der sie sich ausdrückt, ist für ihn nicht Erfindung eines Menschen, sondern Eingebung vom Geist Gottes her.
Marienverehrung ist ein in der Schrift enthaltener Auftrag der an die Kirche, denn das Wort aus dem Magnifikat "Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter" richtet sich an die Kirche aller Zeiten.


Maria ist in Person die seliggepriesene, durch alle Prüfungen hindurch endgültig gerettete Tochter Zion. Was damit gesagt ist, wird noch deutlicher, wenn man beobachtet, daß Lukas die Mutter des Herrn mit der Lade des Bundes parallelisiert, sie selbst als die wirkliche Bundeslade darstellt.
Sie trägt das lebendige Wort; ehe sie dem Leib nach Mutter wurde, war sie es dem Geiste nach, sagt Augustinus treffend.
Überall sonst bei den Kindern Adams und Evas ist das Geborenwerden, das Geheimnis des Lebens, zugleich auch ein Todesgeheimnis. Das neue Leben setzt voraus, daß das alte in den Tod zurücktritt. Aber die Geburt dessen, der das Leben ist, ist kein Todesgeschehen. Sie ist nichts als Leben. Die Bundeslade ist unverweslich. Zum Glauben gehört die Freude über das menschgewordene Wort, das "Hüpfen" vor der Lade, das Frohsein:
Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.

(J. Ratzinger, Gottes Angesicht suchen, 40, in, J. Ratzinger, Mitarbeiter der Wahrheit, 2.7.)

Heimsuchung, russisch-orthodoxe Kathedrale z. hl. Nikolaus, Wien

Allmächtiger, ewiger Gott,
vom Heiligen Geist geführt, eilte Maria,
die deinen Sohn in ihrem Schoß trug,
zu ihrer Verwandten Elisabeth.
Hilf auch uns, den Eingebungen deines Geistes zu folgen,
damit wir vereint mit Maria deine Größe preisen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(Tagesgebet zu Mariä Heimsuchung)

Dienstag, 28. April 2015

Ludwig Maria Grignion von Montfort

Ludwig Maria Grignion von Montfort, Petersdom, Rom


Ludwig Maria Grignion de Montfort, Priester und Volksmissionar. Ludwig Grignon wurde 1673 in Montfort in der Bretagne geboren. Er war er älteste von 17 Geschwistern, der Vater war Rechtsanwalt. Die Marienfrömmigkeit Grignions de Monfort ist bereits in seiner Kindheit nachweisbar, bei der Firmung fügte er seinem Namen den Marias hinzu. 1700 in Paris zum Priester geweiht, entfaltete er von da an eine umfangreiche Tätigkeit als Volksmissionar in der Bretagne und in der Vendée. Er wurde dabei von den Jansenisten heftig bekämpft. Obwohl er vom Papst den Titel eines „Apostolischen Missionars“ erhielt und eine eigene Priesterkongregation gründete, blieb der sichtbare Erfolg zu Lebzeiten gering.
Grignion de Montfort starb 42-jährig am 28. April 1716. Er hatte selbst vorausgesehen, dass seine Schriften verloren gehen würden. Tatsächlich wurden diese erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Von da an aber werden seine Lehren mit Begeisterung aufgenommen, vor allem fand die Übung der Lebensweihe an Maria große Verbreitung. Es ist dies im Kern eine fortwährende Erneuerung der Taufgelübde, die aus der sogenannten „vollständigen Hingabe“ durch Maria an Jesus besteht. Ludwig wurde von Leo XIII. 1888 selig gesprochen und von Pius XII. 1947 heilig gesprochen.
Johannes Paul II. war von Montfort angeregt worden, als Wahlspruch die Worte „Totus tuus“, „Ganz Dein“, zu wählen.
(Martyrologium Sancrucense)






Zu Beginn des fünfundzwanzigsten Jahres seines Pontifikats am 16. Oktober 2002 proklamierte Papst Johannes-Paul II. ein «Jahr des Rosenkranzes» und unterzeichnete das Apostolische Schreiben Rosarium Virginis Mariæ (RV). «Der Rosenkranz der Jungfrau Maria ... ist ein durch das Lehramt empfohlenes beliebtes Gebet vieler Heiliger. In seiner Schlichtheit und Tiefe bleibt der Rosenkranz auch in dem soeben begonnenen dritten Jahrtausend ein Gebet von großer Bedeutung und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit hervorzubringen ... Es wäre unmöglich, die zahllosen Heiligen zu nennen, die im Rosenkranzgebet einen authentischen Weg der Heiligung entdeckt haben. Es wird genügen, hier an den heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort zu erinnern, den Autor eines kostbaren Werkes über den Rosenkranz» (Johannes-Paul II., RV, Nr. 1; 8).
(...) 
Ludwig Maria zog die Seinen zu Maria hin, um sie dann besser zu Jesus führen zu können. «Es genügt nicht nur, die Dinge zu lernen, die Er [Christus] gelehrt hat, sondern Ihn selbst zu lernen», ermahnt uns der Papst. «Gibt es darin eine Lehrerin, die uns mehr sagen könnte als Maria?...» Der heilige Ludwig Maria erklärt «die Rolle Mariens auf dem Weg eines jeden von uns zur Gleichgestaltung mit Christus wie folgt ...: ,Unsere ganze Vollkommenheit besteht darin, gleichförmig mit Christus Jesus, geeint und geweiht an ihn zu sein. Da Maria das Geschöpf ist, welches am meisten Christus gleichgestaltet ist, folgt daraus, dass unter den Frömmigkeitsformen jene, die eine Seele besser unserem Herrn gleichgestaltet und ihm weiht, die Marienverehrung ist, und dass umso mehr eine Seele ihr geweiht ist, sie auch mehr Jesus Christus selbst geweiht ist.' Nirgends sonst erscheinen der Weg von Christus und jener von Maria so tief vereinigt zu sein wie im Rosenkranzgebet. Maria lebt ganz in Christus und für Christus!... Wenn sich die Wiederholung des Ave Maria direkt an Maria wendet, dann richtet sich der Akt der Liebe mit ihr und durch sie schließlich an Jesus» (RV, 14; 15; 26).


Quelle: http://www.clairval.com/lettres/de/2003/05/29/1280503.htm



Maria mit Kind, S. Giovanni dei Fiorentini, Rom


Totus Tuus ego sum
 
Im Namen der Heiligsten Dreifaltigkeit. Amen

»Seid also wachsam! Denn ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt« (vgl. Mt 24,42) – diese Worte erinnern mich an den letzten Ruf, der dann ergehen wird, wenn der Herr es will. Ich will ihm folgen und wünsche, daß alles, was zu meinem irdischen Leben gehört, mich auf diesen Augenblick vorbereiten möge.
Ich weiß nicht, wann er kommt, aber so, wie alles andere, lege ich auch diesen Augenblick in die Hände der Mutter meines Meisters: Totus Tuus.
Denselben mütterlichen Händen überantworte ich alles und alle, mit denen mich mein Leben und meine Berufung verbunden hat. Diesen Händen überlasse ich vor allem die Kirche und auch meine Nation und die ganze Menschheit. Ich danke allen. Alle bitte ich um Vergebung. Ich bitte auch um das Gebet, damit sich die Barmherzigkeit Gottes als größer erweise als meine Schwachheit und Unwürdigkeit.(...)

... Heute möchte ich dem nur soviel hinzufügen, daß mit der Möglichkeit des Todes ein jeder immer rechnen muß. Und daß jeder immer bereit sein muß, vor den Herrn und Richter – und gleichzeitig Erlöser und Vater – zu treten. Folglich bin auch ich mir dessen ständig bewußt, wobei ich diesen entscheidenden Augenblick der Mutter Christi und der Kirche anvertraue – der Mutter meiner Hoffnung.

(Aus dem Testament von Papst Johannes Paul II.)