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Mittwoch, 13. August 2025

Santo subito - man kann es nicht oft genug wiederholen

 

Wiener Kapuzinerkirche

Die zwei Denkmäler vom sel. Marco innerhalb und außerhalb der Wiener Kapuzinerkirche
(Die Befreiung Wiens) 

Die Feier der hl. Messe auf dem Kahlenberg vor dem Angriff der Entsatztruppen

Die Rettung Wiens durch die Hilfe von Marco von Aviano und der Gottesmutter, auf dem Kahlenberg
Hoeß SJ, Lebensbeschreibung, Walter Lang

2013: Der Retter Wiens, Grab in der Kapuzinerkirche (Br. Erhard Mayerl, Kardinal Schönborn anlässlich der Seligsprechung von P. Marco 2003)

Dem Schutzgeist Wiens und Österreichs in der Türkennoth 1683

 

Marco d'Aviano, Kapuziner-Prediger aus der Provinz Venedig, war eine der bedeutendsten religiösen Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts. Als überzeugender Verkünder von Umkehr und Versöhnung, als Mahner zu einem erneuerten christlichen Lebens, als Apostel der Liebesreue durchzog er die Straßen Europas, verkündete das Wort Gottes und rief die Menschen seiner Zeit zum Glauben und zur Buße, wobei seine Botschaft durch die Gabe wunderbarer Bekehrungen und Heilungen beglaubigt und verstärkt wurde. 

Geboren in Aviano-Friaul am 17. November 1631 als Sohn von Pasquale Cristofori und Rosa geb. Zanoni, die zur wohlhabenden Bürgerschaft des Ortes gehörten und deren Ehe noch weitere zehn Kinder entsprossen, wurde er noch am selben Tag auf den Namen Carlo Domenico getauft. In seinem Heimatort erfuhr er die erste religiöse und kulturelle Formung, die 1643-1647 am Jesuitenkolleg von Görz vertieft wurde. 

Der Kampf um Candia, der zwischen der Republik Venedig und dem ottomanischen Heer tobte, erweckte in jenen Jahren eine gewisse Heldenstimmung, die auch das Leben des jungen Mannes aus Aviano entscheidend prägte. Beseelt vom Verlangen, den Kriegsschauplatz zu erreichen und dort für die Verteidigung des Glaubens selbst sein Blut zu vergießen, verließ er das Kolleg von Görz und erreichte nach Tagen Capodistria, wo er, erschöpft von Hunger und den Strapazen der Reise, an der Pforte des Kapuzinerklosters anklopfte. Der Obere des Klosters bot ihm nicht nur Speise und Rast, sondern gab ihm auch den guten Rat zu seinen Eltern heimzukehren. 

Während seines kurzen Aufenthalts bei den Kapuzinern von Capodistria entdeckte er im Licht der Gnade die Möglichkeit, seine Berufung zum Apostel und Märtyrer auf eine andere Weise zu verwirklichen. Schließlich fasste er den festen Entschluss, die Welt zu verlassen und das strenge Leben der Kapuziner auf sich zu nehmen. Im September 1648 wurde er in das Noviziat in Conegliano aufgenommen. Ein Jahr später, am 21. November 1649, legte er unter dem Namen Marco d'Aviano (Markus aus Aviano) seine Ordensgelübde ab. Anschließend absolvierte er das reguläre Studium und wurde am 18. September 1655 zum Priester geweiht.

Marco zeichnete sich aus durch ein tiefes Gebetsleben, durch Liebe zur Gemeinschaft, durch Demut und Bescheidenheit sowie durch Eifer in der Beobachtung der Regel und der Satzungen des Ordens. Im September 1664 erhielt er das ”Predigerpatent“. Von diesem Zeitpunkt an lebte er mit voller Energie dem Apostolat des Wortes Gottes, das er in ganz Italien verkündete, besonders in den ”starken Zeiten“ des Advents und der Fasten.

Am 18. September 1676 fand ein Ereignis statt, das den demütigen Kapuziner aus der Verborgenheit seiner Klosterzelle heraus in das helle Licht der allgemeinen Aufmerksamkeit holte: Er war ins Kloster San Prosdocimo in Padua zum Predigen eingeladen. Dort wurde durch sein Gebet und seinen Segen die Nonne Vincenza Francesconi, die seit etwa 13 Jahren krank und ans Bett gefesselt war, von einem Augenblick zum anderen geheilt. Bald gab es weitere ähnliche außergewöhnliche Ereignisse, durch die große Volksmengen angezogen wurden.

Unbeeindruckt von dem Aufsehen, dass sich immer stärker um ihn verbreitete und das zur Folge hatte, dass man sein Auftreten bald auch außerhalb Italiens wünschte, setzte der Diener Gottes sein apostolisches Wirken fort, besonders seine markante, immer auf das Wesentliche bezogene Predigt. Vor allem ermahnte er seine Zuhörer zur Vertiefung des Glaubens und zu einer christlichen Lebenspraxis, zum Bereuen ihrer Sünden und zur notwendigen Buße. Alle gemeinsam ließ er ein Reuegebet sprechen und erteilte dann seinen Segen, der stets reiche geistliche Früchte brachte und nicht selten wunderbare Ereignisse und außergewöhnliche Heilungen bewirkte. 

Gerade wegen dieser wunderbaren Ereignisse verlangte man überall das Kommen des Dieners Gottes, und so unternahm er in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens seine aufreibenden apostolischen Reisen durch große Teile Europas.

Zu den hohen Persönlichkeiten, die inständig nach seinem Besuch verlangten und ihm ihre Freundschaft boten, zählen der Landesherr von Tirol, Herzog Karl von Lothringen und seine Gattin Eleonora, Philipp Wilhelm, der Herzog von Neuburg, und sein Sohn Johann Wilhelm, der Kurfürst von Bayern Maximilian Emanuel und dessen Onkel Maximilian Philipp, die Prinzessin von Vaudemont Anna Elisabeth, die Dauphine von Frankreich Maria Anna Christina Victoria, der König von Spanien Karl II. und seine zweite Gattin Marianne von Neuburg, und ganz besonders König Jan Sobjeski von Polen, Kaiser Leopold I. und verschiedene Vertreter des kaiserlichen Hofes. Ziele seiner Reisen in diesen Jahren waren Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, die Schweiz, Böhmen und Österreich. 

Besondere Beachtung verdient die enge Beziehung zwischen Padre Marco und Kaiser Leopold I. Angefangen von der ersten Begegnung, die im September 1680 in Linz stattfand, bis zu seinem Tod, war der Diener Gottes für Leopold Freund, Ratgeber, Seelsorger und Vertrauter in allen Belangen und bei allen Problemen, ob sie nun familiärer, politischer, wirtschaftlicher, militärischer oder religiöser Natur waren. Beide Charaktere ergänzten sich auf umfassende Weise: Es war providenziell, dass der unsichere, unentschlossene Leopold der starken und entschlossenen Persönlichkeit von Padre Marco begegnete, der seinem Zeitgenossen nicht nur als Freund aufrichtig zugetan war, sondern ihm auch Mut, Stärke, Entschiedenheit, Sicherheit im Urteilen und Handeln, Hilfe und Wegweisung in geistlichen Fragen, Zuversicht und Rat in seinen Gewissensnöten und bei seinen Regierungspflichten vermittelte. 

Gedrängt vom Kaiser und von Rom beauftragt, musste sich Marco d'Aviano mindestens vierzehn mal zum kaiserlichen Hof begeben und aktiv am Feldzug gegen die Türken teilnehmen und zwar in zweifacher Eigenschaft als Päpstlicher Legat und als Apostolischer Missionar. Es war sein großes Verdienst, dass er in entscheidender Weise zur der Befreiung Wiens von der türkischen Belagerung am 12. September 1683 beigetragen hat. Von 1683 bis 1689 nahm er persönlich an den Verteidigungs- und Befreiungsfeldzügen teil. Dabei war es sein Ziel, innerhalb des kaiserlichen Heeres positive und freundschaftliche Beziehungen zu stiften und zu stärken, alle zu einem wahrhaft christlichen Verhalten zu ermahnen und die Soldaten seelsorglich zu betreuen. Es gab große militärische Erfolge, wie die Befreiung von Buda am 2. September 1686 und die Befreiung von Belgrad am 6. September 1688. In den folgenden Jahren entfaltete er eine rege Tätigkeit, um innerhalb Europas Frieden zu stiften, vor allem zwischen Frankreich und dem Kaiserreich, und um die Einheit der katholischen Mächte zur Verteidigung des Glaubens zu fördern, der ja immer noch durch die Macht der Ottomanen bedroht war. 

Im Mai 1699 unternahm Marco d'Aviano seine letzte Reise in die Hauptstadt des Reiches. Sein schon angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, so dass er schließlich jede Aktivität abbrechen musste. Am 2. August empfing er im Kapuzinerkloster den Besuch der kaiserlichen Familie und dann nach und nach Besuche der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt. Am 12. August überbrachte der Päpstliche Nuntius Andrea Santa Croce dem Kranken persönlich den Apostolischen Segen des Papstes Innozenz XII. Er empfing auch die Sakramente und erneuerte seine Ordensprofess. Am 13. August 1699 ist Padre Marco d'Aviano in Gegenwart seines kaiserlichen Freundes Leopold I. und der Kaiserin Eleonora, mit den Händen das Kreuz fest umfassend sanft im Herrn entschlafen. Um es der großen Volksmenge, die von überall herbeiströmte, zu ermöglichen, ein letztes Mal die sterblichen Überreste des Kapuziners aus Aviano zu sehen und zu verehren, setzte der Kaiser die Begräbnisfeierlichkeiten für den 17. August an und bestimmte schließlich, dass er in der Gruft der Kapuziner beigesetzt würde, jedoch an einem besonderen Platz in der Nähe der kaiserlichen Ruhestätte. Schon Kaiser Leopold gedachte, den Seligsprechungsprozess einleiten zu lassen. Aus diesem Grund verfügte er nach vier Jahren die Übertragung der sterblichen Überreste von Marco d'Aviano in eine Kapelle der Kapuzinerkirche, wo sie noch heute ruhen. 

Wenn die persönliche Botschaft von Marco d'Aviano sich an jeden Christen wendet um ihn nachdrücklich einzuladen, treu den Weg der Umkehr und des Glaubens zu gehen, so beschwört und betont er in einem weiterem Horizont die christliche Identität Europas, die wir durch Apostolat und Gebet retten und erhalten können. In diesem Sinn gab er sich selber den Beinamen, der sein Lebensprogramm ausdrückte und der heute noch aktuell ist: ”Geistlicher Arzt Europas“.
Biographie Vatikan


Großer, barmherziger Gott, du hast den seligen Markus von Aviano gesandt, den Völkern den unergründlichen Reichtum Christi zu verkünden. Durch seine Fürsprache verleihe uns, dass auch wir dich immer tiefer erkennen, vor dir im Geist des Evangeliums leben und durch unser Tun reiche Frucht bringen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Seliger Marco, an deinem Grab bitten wir dich, hilf uns, hilf Europa
in allen Bedrängnissen und Nöten.

Heute gedenkt die Kirche auch des Papstes Pontianus und des hl. Hippolyt von Rom.

Mittwoch, 12. September 2018

Mariä Namen - gedenkt des Sieges über die Osmanen

links Marco d`Aviano mit dem Marienbild


Der historistische Maler Jan Matejko schuf anlässlich des 200. Jahrestages des Entsatzes von Wien sein flächenmäßig größtes Werk. „Sobieski bei Wien“ misst etwa 4,6 x 9 m und zeigt den polnischen König Jan III. Sobieski als triumphierenden Sieger, der an Papst Innozenz XI. die Nachricht vom Ausgang der Schlacht senden lässt. Auch das Gemälde sollte eine Botschaft übermitteln: Zuerst ließ es Matejko in Wien ausstellen, damit auch dort die Verdienste Sobieskis im Jahr 1683 anerkannt würden. Danach verfügte er, das Bild dem Vatikan zu schenken, um an den Einsatz Polens für die Christenheit zu erinnern. Dort, im Sala Sobieski, befindet es sich noch heute.

Jan Matejko, Sobieski bei Wien, Vatikanische Museen



Jan Matejko hatte sich bereits lange vor dem Jahr 1883 mit Jan III. Sobieski beschäftigt. Seit 1859 fertigte er eine Reihe von Skizzen und Gemälden zu diesem Thema an, ehe er in knapp einem Jahr Arbeit sein monumentales Werk vollendete. Im Zentrum des Bildes „Sobieski bei Wien“ sieht man den König auf seinem Pferd in dem Moment, als er dem Kanoniker Jan Denhoff die Nachricht vom Sieg übergibt, die dieser Papst Innozenz XI. überbringen soll. An seiner Seite ist sein Sohn Jakub zu erkennen, hinter ihm die polnische Kavallerie mit Fahnen und den Flügeln der Husaren. Links von ihm sind u.a. Herzog Karl V. von Lothringen, Graf Starhemberg und Bischof Kollonitsch vor dem Hintergrund des Panoramas Wiens zu sehen. Auf der anderen Seite sind der Kahlenberg sowie türkische Zelte zu erkennen, davor polnische und deutsche Feldherren, etwa Kurfürst Georg III. von Sachsen und Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern. Zwischen dieser und der zentralen Gruppe um Sobieski hält der Kapuzinermönch Marco d’Aviano ein wundertätiges Marienbild in den Händen. Zu Füßen der Krieger liegen die Opfer des Kampfes neben sich ergebenden osmanischen Kämpfern und Beutestücken, die – wie etwa die Fahne des Propheten – für den Abtransport nach Rom vorbereitet werden.




Mariä Namen und der Kahlenberg

Die Rettung Wiens mithilfe von Marco d´Aviano




Sala Sobieski in den Vatikanischen Museen






DANKE MARIA!



Maria mit Kind, Jasna Gora, Tschenstochau

Dienstag, 12. September 2017

Santo subito für Markus von Aviano (Mariä Namen)

Denkmal für Markus von Aviano, Kapuzinerkirche Wien
Dem Schutzgeist Wiens und Oestereichs Marco d´Aviano
geb. 17. November 1631. + 13. August 1699

Biographie von Markus von Aviano im Internet

Denkmal für Marco d´ Aviano in der Wiener Kapuzinerkirche, errichtet von Rieser, 1891

Nach dem Sieg über die Türken, die 1683 Wien belagerten:

Der Jubel über die Befreiung war unbeschreiblich, und das nicht nur in Wien. In Rom läuteten drei Tage lang die Glocken. Aus Dankbarkeit dehnte Papst Innozenz XI. das Fest Maria Namen auf die ganze Kirche aus. König Sobieski schrieb dem Papst die historischen Worte "venimus, vidimus - et Deus vicit!" ("Wir kamen, sahen und  - Gott siegte!")
Der Sieg war ein wahres Wunder, davon war auch P. Markus überzeugt. Doch während der Polenkönig mit den Heerführern in den Stephansdom einzog, um das Te Deum zu singen, zog er sich still in die Kapuzinerkirche zurück, um für die gefallenen Soldaten, Christen und Moslems, zu beten.


Die Feier der hl. Messe auf dem Kahlenberg vor dem Angriff der Entsatztruppen

Die Rettung Wiens durch die Hilfe von Marco von Aviano und der Gottesmutter


Wiener Kapuzinerkirche mit der Kapelle des hl. Markus von Aviano

Denkmal von Markus von Aviano an der Außenfront des Kapuzinerklosters Wien
errichtet 1935

Der Retter in letzter Minute
Während all das Grauenvolle abrollte, die Tataren Dörfer und Märkte bis gegen Oberösterreich in Blut und und rauchende Trümmer verwandelten, empfand Pater Markus solches Mitleid und Entsetzen, daß er Schlaf und Appetit verlor. (...) Von mehreren Seiten hatte man das Kommen des Kapuziners erbeten. So schrieb Pfalzgraf Philipp Wilhelm: "Ihr Kommen ist unbedingt notwendig. Ohne Sie sind wir verloren!"
Der Kaiser wollte Markus nicht rufen, weil er um die Gesundheit seines Freundes bangte. 1682 war dieser drei Monate schwer erkrankt und Anfang 1683 rückfällig geworden. Als sich die Lage aber entsetzlich zuspitzte, schob er alle Bedenken beiseite und erreichte vom Papst, daß Markus raschest eintreffe. Anfang September kam er nach Linz. Die Lage war äußerst verworren, ja verfahren. Wien "lag in den letzten Zügen", wie es ein Bericht ausdrückte, leistete aber immer noch Widerstand gegen einen Angriff, der ohne Rücksicht auf Verluste von Menschen und Material vorgetragen wurde. Schlimmer als Verluste durch türkische Kugeln und vergiftete Pfeile waren die Ausfälle durch eine Seuche. Die Kanonen waren vielfach unbrauchbar geworden, die Lebensmittel gingen zu Ende. Vom Stephansdom stiegen nachts Raketen auf, dringende SOS-Rufe. Die Entsatzarmee war im Anmarsch. Nördlich der Donau wartete Karl von Lothringen sorgenvoll auf die versprochenen Verstärkungen. Nur die Bayern waren mit etwa 11.000 Mann pünktlich zur Stelle. Erst Anfang September hatte sich das Heer vollzählig versammelt, aber damit war die Befreiung Wiens noch lange nicht garantiert. Rivalitäten und persönliche Interessen der Kommandierenden drohten das ganze Unternehmen in Frage zu stellen. Und eine Woche Verzug konnte das Ende Wiens bedeuten.
Die deutschen Fürsten weigerten sich, ihre Verbände dem Kommando Karls zu unterstellen, König Johann Sobieski forderte direkt den Oberbefehl über alle Verbände. Außerdem wollte der Kaiser persönlich an der Befreiungsschlacht teilnehmen. In diesem Fall wäre ihm das Kommando zugestanden, was erst recht Komplikationen verursacht hätte. So ließ er sich von Pater Markus zu dem demütigenden Verzicht bewegen und näherte sich dem Heer nur bis Dürnstein.




Am 4. September 1683 nahm Markus als Päpstlicher Legat am Kriegsrat zu Tulln teil. Hier entwickelte man eine Kompromißformel, die diskutiert und dann angenommen wurde: Jeder Fürst befehligt seine Abteilung, doch das nominelle Oberkommando kommt dem Ranghöchsten am Platze, König Sobieski, zu.
Markus berichtet in einer Depesche an den Kardinal-Staatssekretär Cibo: "Zweimal mußte ich den König von Polen, der höchst verärgert war, beruhigen und besänftigen, und ich brachte ihn dazu, den Aufmarsch um über eine Woche zu beschleunigen. Mit Gottes Hilfe konnte ich unzählige schwere Differenzen zwischen den Oberhäuptern der Heere ausgleichen."
Einige Jahre später wird er dem Kaiser schreiben: "Bei der Belagerung Wiens konnte ich mit großer Gnade den Entsatz mindestens um zehn Tage beschleunigen... Wäre er nur fünf Tage später gekommen, wäre Wien wohl in die Hände des Feindes gefallen."




Die Befreiung Wiens
(...) Am 8. September, Mariä Geburt, fand auf dem Tullnerfelde eine religiöse Feier statt, wie wir sie bei ihm schon kennen: Reue, Entschluß zu Lebensbesserung und feste Hoffnung, daß Gott dem Heere Segen schenke. König Sobieski schreibt über diese Feier an seine Gemahlin: "Wir haben den gestrigen Tag mit Gebet zugebracht. Pater Markus von Aviano hat uns seinen Segen gegeben. Wir haben die Kommunion aus seiner Hand empfangen. Er hat uns eine außerordentliche Ermahnungsrede gehalten. Er fragte uns, ob wir Vertrauen auf Gott hätten, und auf unsere einstimmige Antwort, daß wir ein gänzliches und vollkommenes Vertrauen auf ihn hätten, ließ er uns mit sich mehrere Male wiederholen: Jesus Maria! Jesus Maria!
Er las die Messe mit hoher Salbung. Er ist wahrhaft ein Mann Gottes, dabei ist er weder unwissend noch scheinheilig."
Dann ging er von Abteilung zu Abteilung, allen Vertrauen vermittelnd. Alle, auch Protestanten, zeigten sich über sein Kommen so beglückt, daß sie die Gebete mitsprachen.
Am 9. September setzte sich das Entsatzheer in Marsch und bemächtigte sich mühelos der Kahlenberghöhe - ein schweres Versäumnis der Türken. Am Abend des 11. September schreibt P. Markus an den Kaiser "vom Berge, im Angesicht von Wien: (...) Gelobt sei Gott, während drei Tagen ist das Heer in schönster Ordnung marschiert, auch ohne jeglichen Zwischenfall. Ein solch guter Anfang läßt wohl auf den allerbesten Ausgang hoffen. Nun sind wir nur mehr eine stunde von Wien entfernt. Schon hat die Stadt durch einen Kanonenschuß unser Kommen erfahren. Sie verteidigt sich tapfer und hat bereits durch ein Zeichen kundgetan, daß sie um unser Kommen wisse."

Wien zur Zeit der Belagerung 1683, Kapuzinerkirche Wien

Am Morgen des 12. September feiert Markus auf dem Kahlenberg die heilige Messe. König Jan Sobieski und sein Sohn Jakob fungieren als Ministranten. Dann spricht er, aus dem Ernst der entscheidenden Situation heraus, ein persönlichen Gebet:
"Herr, wir haben zwar deine Strafe verdient...  Aber du weißt, daß wir nur den Frieden wollten: den Frieden mit Dir, miteinander, mit allen... Wenn es hilfreich ist, gebe ich mich mit Freuden als Opfergabe hin. Ich erhebe meine Hände wie Mose, damit alle erkennen: es gibt keinen mächtigen Gott außer Dir! ... Schenke uns den Sieg!"
Die Wort und noch mehr der unbedingte Glaube, der von P. Markus ausging, haben alle, Kommandanten und Truppe, motiviert und ermutigt.

Seliger Markus, bitte für Europa

So begann die denkwürdige Schlacht, die Wien und vielleicht ganz Europa vor unübersehbaren Katastrofen bewahrte und den Türken den Nimbus der Unbesiegbarkeit nahm. Der Ausgang des Ringens blieb lange ungewiß. Schließlich bringt der Lothringer den rechten feindlichen Flügel zum Weichen; die osmanische Kavallerie versucht einen Gegenangriff. Da setzt mit voller Wucht der Angriff Sobieskis und seiner mutigen polnischen Reiter ein und dringt über den Wehrgraben gegen das Zelt des Kara Mustafa vor. Der Groswesir gerät in Panik und läßt zum Rückzug blasen, - und die ganze türkische Heeresmasse sucht ihr Heil in plötzlicher wilder und ungeordneter Flucht gegen Ungarn zu. (...)
Unterdessen stand während der ganzen Schlacht Markus von Aviano auf einem Hügel über dem Schlachtgetümmel in innigem Gebet sein Kreuz dorthin erhebend, wo die Gefahr am größten schien. (Dies berichtet am 26. September 1683) der Botschafter von Venedig, Demenico Contarini.)
Der Verlust der Türken wird bei der Schlacht mit bis zu 20.000 Mann angegeben, das christliche Heer mußte 1000 bis 2000 Gefallene beklagen. Erbeutet wurden riesige Mengen an Proviant, Kaffee und Edelsteinen - und als Wertvollstes 500 christliche Kinder, deren Eltern von den Türken erschlagen worden waren.
(Markus von Aviano, Künder eines geeinten christlichen Europa, Kapuziner, 46ff, Wien 1999)

Grab des sel. Marco d´Aviano, Kapuzinerkirche Wien

Liebreiche Mutter Maria,
Christus hat am Kreuz dich dem hl. Johannes
und den hl. Johannes dir anvertraut.
So übergebe ich mich dir,
und bitte dich demütig:
Nimm dich allzeit meiner an,
wie eine Mutter sich ihres Kindes annimmt,
auf daß ich mit deiner Hilfe nicht mehr sündige
und mich nicht mehr in den Schlingen des Bösen verstricke.
Steh mir bei,
besonders in der Stunde meines Todes,
o Maria,
und bewahre meine Seele vor schwerer Versuchung
und vor dem ewigen Verderben.
(Markus von Aviano)

Gnadenbild Trösterin der Betrübten, Kapuzinerkirche Wien

Samstag, 12. September 2015

Mariä Namen und der Kahlenberg


Mariä Namen. Das Marienfest bestand bereits lange im Bistum Cuenca in Spanien. Seit dem 7. Jahrhundert war es auch in Rom bekannt. Als am 12. September 1683 das bayrischpolnische
Entsatzheer unter dem Polenkönig Johann Sobieski die Türken, die Wien bereits seit 3 Monaten belagert hatten, siegreich schlagen konnte, ordnete Papst Innozenz XI. die Feier für die ganze Kirche an.
Nach der Liturgiereform findet sich der Namenstag Mariens jedoch nicht mehr im Römischen Kalender, wird jedoch in vielen Ortskirchen begangen. In Dankbarkeit für die Rettung Österreichs aus der schweren Türkennot, wird „Maria Namen“ in allen österreichischen Diözesen als Fest begangen.
(Martyrologium Sancrucense)

300 Jahr Jubiläum, Abwehr der Türken vor Wien, 12. September 1983, Militärkommando Wien der Traditionsträger

Kahlenbergkirche



Dem italienischen Kapuziner Marco d`Aviano war es gelungen, eine Allianz der europäischen Fürsten gegen den Türkenansturm zu bilden. Vor der Befreiungschlacht wurde am Kahlenberg die hl. Messe gefeiert:


Diese Kirche ist der Ort der
historischen Messe vor
der Schlacht gegen die Türken
12.09.1683

1. Darüber berichten Zeitgenossen: In den Memoiren v. Philippe Dupont, eines französischen Ingenieurs im Dienste Sobieski´s heißt es:

"Der König Sobiesky ließ um 4 Uhr morgens in der abgebrannten Kirche der Kamaldulenser einen Altar errichten bei dem der in ganz Italien und Deutschland ob seiner besonderen Frömmigkeit berühmte Kapuzinerpater Marco d´Aviano, welcher als Abgesandter des Kaisers beim Herzog von Lothringen weilte, die Messe las.
Der König ministrierte selbst  bei dieser Messe... Er, sowie der Herzog von Lothringen empfingen die Kommunion".

2. In dem Tagebuch des Prinzen Jakob, des Sohnes v. Johann Sobieski, über die Belagerung Wiens im Jahre 1685, heißt es:

"Sonntag den 12. morgens gingen wir ins Kamaldulenserkloster auf dem Kahlenberge, wo alle Fürsten zusammentrafen. Als wir endlich auf Umwegen geführt, dort ankamen, wo der Kriegsrat stattfinden sollte, hatte einige der Unsrigen den Kampf mit den Türken bereits begonnen". (....)







Dem Heer wurde beim Angriff ein Mariahilf-Banner vorangetragen

moderne Darstellung des Entsatzheeres 1683

Hymnus von der Vesper (ausnahmsweise ;-)

Wienblick

Stift Klosterneuburg
 

auf der anderen Donauseite liegt Korneuburg im Sonnenlicht

Donnerstag, 12. September 2013

Mariä Namen - die Rettung Wiens durch die Gottesmutter mithilfe von Markus von Aviano

Das Namenstagsfest der Gottesmutter hat seinen Ursprung im Spanien des 16. Jahrhunderts. Am 25. November 1683 hat Papst Innozenz XI. durch ein päpstliches Dekret das Fest auf die gesamte Kirche ausgedehnt. Anlaß für die Einführung des Festes war der Sieg über die Türken am 12. September 1683 bei Wien. Die islamischen Truppen konnten erst überwunden werden, nachdem der Name Mariens angerufen wurde. Voll Dankbarkeit legte der Papst das Fest Mariä Namen auf den Siegestag, den 12. September 1683.

In seinem Buch "Marienverehrung und Marienfeste" faßt Walter Lang die damaligen Ereignisse zusammen (228f):

Unter dem Oberbefehl von Kara Mustafa belagerten 1683 zweihunderttausend Muslime die Kaiserstadt. Vor den Gräben und Mauern Wiens entstand eine orientalische Kriegsstadt mit 25000 Zelten. Nach der Eroberung Wiens wollten die Türken in das Herz Europas vorstoßen; ihr Ziel war die Errichtung eines islamischen Weltreiches. Wem würde die Zukunft gehören? Dem Kreuz oder dem Halbmond?
Die christlichen Nationen waren uneins. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. der Erbfeind der Habsburger sympathisierte mit den Türken. Kaiser Leopold I. war zaghaft in seinen Entschlüssen. Erst dem Kapuzinerpater Marcus von Aviano, der sowohl Bußprediger als auch Diplomat war, gelang es die katholischen Fürsten zu gemeinsamen Handeln zu bewegen. Darauf hin konnte der Kaiser, unterstützt durch Papst Innozenz XI., der Marcus de Aviano zum Sonderbotschafter bestellte, ein Netz von militärischen und finanziellen Bündnissen organisieren. In der Stunde höchster Gefahr pilgerte der Kaiser zur Gnadenmutter der immerwährenden Hilfe auf dem Maria-Hilfsberg in Passau und weihte dort sein bedrohtes Reich der Himmelskönigin und ihrem siegreichen Namen.
Von Passau eilte Marcus von Aviano nach Wien. Östlich der Hauptstadt wurde die christliche Heeresmacht zusammengezogen. Beteiligt waren Kurfürst Max Emmanuel von Bayern mit über 10000 Mann, der Kurfürst von Sachsen mit gleicher Heeresstärke, König Sobieski mit 13000 Polen. Mit den kaiserlichen und Reichstruppen standen 64000 gegen 200000 Türken im Feld.
Mit Papst und Kaiser bestürmte die gesamte damalige Christenheit die Muttergottes als die "Hilfe der Christen": Kaiser Leopold gab den jeweils ersten Abteilungen seiner Regimenter eine Fahne mit dem Bild der Immaculata. Der gemeinsame Kampfruf lautete "Jesus und Maria", wie Marcus Aviano empfohlen hatte. Mit diesem Ruf stürmten die vereinigten christlichen Truppen die Hänge des Kahlenberges hinab und, in festem Vertrauen auf die allerseligste Jungfrau, in den Kampf. Ihre Begeisterung erzeugte eine gewaltige Kraft. Bereits am Abend ist Wien frei, die Türken sind besiegt und fliehen. Der Name Mariens hat den Sieg errungen. In großer Dankbarkeit führte Innozenz XI. das Fest Mariä Namen ein und legte es auf den 12. September. Das von ihm angeordnete Gebetsläuten sollte für immer an dieses Eingreifen erinnern.


Josefskirche am Kahlenberg


Kahlenbergkirche zum hl. Josef

Gedenktafel zum 300. Jahrestag der Rettung Wiens, soweit mir bekannt ist,
wurde dem sel. Marco bis heute keine ähnliche Würdigung zuteil.



 
Aus einer Lebensbeschreibung des sel. Marco d´ Aviano:

Es beginnt nun das Wirken des apostolischen Legaten beim christlichen Heer gegen die Türken, das er von 1683 bis 1688 jedes Jahr begleitete, und sein nicht minder wichtiges inoffizielles Wirken am Kaiserhof.
Den Bemühungen des Papstes Innozenz XI. war es 1683 nach unsäglichen Mühen endlich gelungen, die Allianz mit Polen zu verwirklichen. P. Markus scheint auch hierbei bereits seine Vermittlertätigkeit entfaltet zu haben, wie nachweisbar an dem Bündnis mit Venedig, das im folgenden Jahre zustande kam. Das Reich war in größter Not. Kara Mustafa war im Frühjahr 1683 mit einem 200.000 Mann starken Heer herangerückt und begann am 14. Juli die Belagerung von Wien. Nur mühsam gelang es, die deutschen Truppen und das polnische Heer zum Entsatz heranzuführen. Noch im letzten Moment drohte die Frage nach der obersten Leitung des Gesamtheeres das Unglück zu besiegeln. P. Markus aber, der vom Papste mit besonderen geistlichen Vollmachten ausgerüstet herbeieilte, gelang es, zwischen dem Kaiser und den Fürsten wie dem ehrgeizigen Polenkönig Sobiesky zu vermitteln. Am 8. September las er in der Ebene bei Tulln in Gegenwart des gesamten Heeres und aller Führer die historisch berühmt gewordene hl. Messe, bei der Sobiesky am Altare diente und mit allen katholischen Heerführern kommunizierte. Nach der Messe hielt er eine begeisternde Ansprache und erteilte allen den päpstlichen Segen, der mit einem vollkommenen Ablaß verbunden war.
Doch erst am 12. September nach der hl. Messe auf dem Leopoldsberg begann die Schlacht. Von den Höhen des Kahlenberges herab stürzte sich das christliche Heer auf die feindliche Übermacht. P. Markus eilte während der Schlacht mit dem Kruzifix in der Hand von Ort zu Ort, segnend und ermutigend. Am Abend war der Sieg errungen. Der Feind räumte in wilder Flucht das Feld. Die alte Kaiserstadt, die bis zur Verzweiflung standgehalten hatte, war aus höchster Not gerettet und mit ihr die Christenheit des 17. Jahrhunderts. Neben Innozenz XL, dem die Geschichte das größte Verdienst um das Zustandekommen dieses Sieges zugebilligt, steht der bescheidene, demütige P. Markus von Aviano, der als sein Legat die letzten Schwierigkeiten, die Uneinigkeit der Führer überwand und das Heer zum Siege begleitete.
Diese Tat hat den heiligen Kapuziner in Wien, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand, unvergeßlich gemacht. Doch mit dem Entsatz von Wien war der Türkenkrieg nicht zu Ende. Das wußte keiner besser als P. Markus, und jedes folgende Jahr bis Mitte 1688 begleitete er die Truppen zu Kampf und Sieg.


Wien vom Kahlenberg aus gesehen
 


Uno City, Transdanubien (Wiener Gemeindegebiet links der Donau)

Machen die Damen eine Wallfahrt zur Josefskirche am Kahlenberg oder möchten sie die Aussicht auf Wien genießen?

Gewidmet den ukrainischen Kosaken - den Mitbefreiern Wiens 1683

Kosakendenkmal auf dem Leopoldsberg
nördlich liegt am Fuß des Kahlenbergs das Stift Klosterneuburg (herzlichen Gruß an den Herrn Alipius)