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Samstag, 27. Dezember 2025

Und ein großes Zeichen ward am Himmel sichtbar

Der Apostel Johannes, nach der Überlieferung Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe, war ein Bruder Jakobus’ des Älteren und stammte aus Betsaida, wo sein Vater Zebedäus die Fischerei betrieb. Johannes war kaum jener sanfte Jüngling, den uns die christliche Kunst gemalt hat; er hatte wie sein Bruder ein heftiges Temperament, Jesus nannte die beiden „Donnersöhne“. Johannes war zuerst Jünger des Täufers gewesen, dann folgte er Jesus. Das besondere Vertrauen, das Jesus zu ihm hatte, zeigte sich darin, dass er ihm sterbend seine Mutter anvertraute (Joh 19, 26–27).

Johannes sieht und verfasst die Offenbarung, Kathedrale von Lublin, Hochaltarauszug

Und ein großes Zeichen - eine Erscheinung von sinnbildlicher Bedeutung: (vgl. z. B. Gen 9,12f) - ward am Himmel sichtbar: ein Weib, von der Sonne bekleidet, - eine Frauengestalt, die Himmelsbraut, als Sinnbild für das geistige Israel ist dem Sprachgebrauch des Alten und Neuen Testamentes geläufig; der Sonnenglanz deutet auf die übernatürliche Schönheit; vgl. Ps 103,2: "vom Licht bekleidet" - der Mond zu ihren Füßen, - dem Strahlenden ist das Milde beigegeben; so heißt auch die Braut im Hohenlied (6,10) "schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne" - auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen - zwölf Sterne als Sinnbild für die zwölf Stämme des idealen Israel sah Joseph in seinem Traum (Gen 37,9); sie begegnen auch im spätjüdischen "Testament der zwölf Patriarchen" (Nepht. 5, ist das Testament Naphtali).
(Otto Karrer, die Geheime Offenbarung, 79) 

Kathedrale von Lublin

Donnerstag, 7. August 2025

Donatus von Arezzo

Donatus von Arezzo, Meißner Dom

 

Der heilige Donatus von Arezzo war ein frühchristlicher Märtyrer und Bischof, der im 4. Jahrhundert lebte. Er stammte vermutlich aus Rom oder Nikomedia (heutige Türkei) und wirkte als Bischof in Arezzo in der Toskana, Italien.

Donatus war für seine Glaubensfestigkeit, Wundertaten und seine Rolle bei der Bekehrung vieler Menschen bekannt. Einer Legende nach heilte er einen Blinden durch Gebet und zerschlug einen vergifteten Kelch, ohne selbst Schaden zu nehmen – ein Wunder, das ihn später zum Patron der Kelter und Winzer machte.

Er erlitt unter der Christenverfolgung des Kaisers Julian Apostata um das Jahr 362 n. Chr. das Martyrium, vermutlich durch Enthauptung. Seine Reliquien werden in der Kathedrale von Arezzo verehrt. Donatus ist mit Johannes dem Evangelisten Patron des Meißner Doms. Sein Gedenktag ist der 7. August

Meißner Dom

links Stifterfiguren Otto I. und seine Gemahlin Adelheid von Burgund (um 1260)
rechts Johannes d. Evanglist, davor Donatus von Arezzo

Chorraum

die Patrone des Doms zu Meißen Johannes und Donatus


Heute gedenkt die Kirche auch der Heiligen

Kajetan von Thiene (an seinem Grab) 

Afra von Augsburg (an ihrem Grab) 

 

Freitag, 28. Juni 2024

Doch was ich habe, das gebe ich dir

 

Petrus heilt einen Gelähmten an der Schönen Pforte?, Saint Pierre, Chartres

Lesung aus der Apostelgeschichte.

In jenen Tagen
1 gingen Petrus und Johannes zur Gebetszeit
um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
2 Da wurde ein Mann herbeigetragen,
der von Geburt an gelähmt war.
Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels,
das man die Schöne Pforte nennt;
dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen,
um Almosen betteln.
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah,
bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an
und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu
und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht.
Doch was ich habe, das gebe ich dir:
Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand
und richtete ihn auf.
Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf,
konnte stehen und ging umher.
Dann ging er mit ihnen in den Tempel,
lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn als den,
der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß
und bettelte.
Und sie waren voll Verwunderung und Staunen
über das, was mit ihm geschehen war.

Freitag, 24. Juni 2022

Am Herzen Jesu ausruhen

 


Altar, Offenbarung des Herzens Jesu an Margareta Maria, St. Martin, Reims

Mosaik in der Chapelle de la Colombiere, Paray le Monial, Vision am Heimsuchungsfest 2. Juli 1688

Statuen in der Basilika Sacre Coeur, Paray le Monial 

Mosaik in der Erscheinungskapelle der hl. Margareta Maria, Paray le Monial

Glasfenster und Herz-Jesu Statue in Sacre Coeur, Lille

Mosaik im Petersdom, Verheißungen und Weihegebet

Glasfenster in der Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial

Am Grab der hl. Margareta Maria Alacoque, Paray Le Monial 

noch ein Glasfenster in der Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial

Detail des Mosaiks in der Erscheinungskapelle in Paray 

Jedes Kind weiß, was ein Herz bedeutet. Es ist Zeichen der Liebe. Wer ein Herz malt, sagt mit diesem Bild: "Ich liebe Dich". Am Kreuz zeigt uns Jesus sein Herz, um uns Gottes Liebe zu offenbaren. Er enthüllt am Kreuz sein Innerstes, weil Er hier den Preis für unsere Sünden zahlt und uns wissen lässt, dass Er uns trotz all unserer Fehler und Vergehen liebt.

An diesem Herzen dürfen wir ausruhen, wie Johannes, der im Abendmahlsaal sein Haupt auf die Brust Christi legt. In dieses Herz, das immer offensteht, können wir eintreten, um Gnade und Heil zu erfahren. Schon die Kirchenväter sahen in der durchbohrten Seite des Gekreuzigten (vgl. Joh 19,34) die Pforte des Heils, durch die wir zu Gott finden. Das offene Herz Jesu ist der Quell, aus dem die Sakramente der Kirche als wirksame Zeichen der Gnade fließen, wie das reinigende Wasser der Taufe und das allen Durst nach Liebe stillende Blut der Eucharistie.
(Florian Kolfhaus)

Sonntag, 17. Januar 2021

Sie blieben bei ihm

 

rebloggend: Seht das Lammes Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt,
Johannes der Täufer führt die Brüder Petrus und Andreas zu Jesus, Sant´Andrea della Valle, Rom

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes Joh 1,35-42

In jener Zeit
35 stand Johannes am Jordan, wo er taufte,
und zwei seiner Jünger standen bei ihm.
36Als Jesus vorüberging,
richtete Johannes seinen Blick auf ihn
und sagte: Seht, das Lamm Gottes!
37Die beiden Jünger hörten, was er sagte,
und folgten Jesus.
38Jesus aber wandte sich um,
und als er sah, dass sie ihm folgten,
sagte er zu ihnen: Was sucht ihr?
Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister —,
wo wohnst du?
39Er sagte zu ihnen: Kommt und seht!
Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte,
und blieben jenen Tag bei ihm;
es war um die zehnte Stunde.
40Andreas, der Bruder des Simon Petrus,
war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten
und Jesus gefolgt waren.
41Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon
und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden –
das heißt übersetzt: Christus – der Gesalbte.
42Er führte ihn zu Jesus.
Jesus blickte ihn an
und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes,
du sollst Kephas heißen,
das bedeutet: Petrus, Fels.
(Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis)

Sonntag, 27. Dezember 2020

Johannes schreibt nieder, was er sieht und hört

 

Johannes schreibt die Offenbarung, Kathedrale von Bayeux

Johannes, Apostel und Evangelist. Johannes war der Sohn des Zebedäus und der Salome, somit der Bruder Jakobus’ des Älteren. Von Beruf war er Fischer. Vor seiner Berufung war er Jünger des Täufers Johannes gewesen und wurde dann Lieblingsjünger des Herrn (Joh 19,26).
Ihr energischer und aufbrausender Charakter hatte Jakobus und Johannes den Beinamen „Boanerges“, „Donnersöhne“ eingebracht (Mk 3,17). Die Zebedäussöhne genossen mit Simon Petrus eine gewisse Vorrangstellung: Petrus, Jakobus und Johannes durften sowohl bei der Verklärung als auch im Garten Gethsémani anwesend sein. Johannes war der Jünger, den Jesus liebte und dem er unter dem Kreuz seine Mutter Maria anvertraute. Später zählte Johannes zu den „Säulen“ der Gemeinde von Jerusalem und Samária, wie Paulus sich ausdrückt.
Alles weitere ist kirchliche Überlieferung ohne historische Gewähr: demnach hat Johannes in Ephesus gewirkt und wurde unter Kaiser Domitian auf die Insel Patmos verbannt, wo er die Apokalypse verfasste. Als Johannes nach Ephesus zurückgekehrt war, verfasste er dort das vierte Evangelium und die Briefe. In Ephesus sei Johannes dann auch in hohem Greisenalter um das Jahr 100 gestorben. Tatsächlich wird schon um 200 eine Johanneskirche mit seinem Grab in Ephesus erwähnt. Die historisch-kritische Exegese unterscheidet zwischen dem Verfasser des Evangeliums und dem Verfasser der Apokalypse. Umstritten ist auch, ob der Johannes, der sich in Joh 21,24 Verfasser des Evangeliums nennt, identisch ist mit dem geheimnisvollen Jünger, „den der Herr liebte“. (Joh 21,24) Der Charakter des 4. Evangeliums unterscheidet sich deutlich von den drei synoptischen Evangelien. Schon die Väter bezeichneten Johannes als „den Theologen“ und schrieben ihm wegen seiner „hohen Theologie“ als Symbol den Adler zu. Am Johannestag wird der nach Johannes benannte Wein gesegnet und die sogenannte „Johannesminne“ getrunken, die an die Liebe des Jüngers zu Jesus erinnert, die sich beim letzten Abendmahl so ausdrückte, dass er an der Brust des Herrn ruhen durfte. Johannes gilt als der einzige der zwölf Apostel, der jungfräulich geblieben war, sowie der einzige, der eines natürlichen Todes gestorben ist.
(Martyrologium Sancrucense)

Johannes

Am Schrein des hl. Eligius, St. Salvatorkathedrale, Brügge

Malerei in Brescia, S. Giovanni

in St.  pETRUS IN gALLICANTU, Jerusalem
 
in Corpus Christi Brixton, London (Glas)

in St Matthew´s, Westminster (Kreuzigungsgruppe)

in Chartres (Johannesfenster)

im Lateran

im Stephansdom

beim Golgotafelsen

bei der Johannesgemeinschaft

in Seckau

 

Kathedrale von Bayeux

Montag, 30. November 2020

Er sah zwei Brüder

Leben und Sterben des Apostels Andreas (S. Andrea della Valle, Rom)

Andreaskapelle in Our Lady of the English Martyrs (Cambridge)

Am Grab des Apostels Andreas in Amalfi (Katechese von Papst Benedikt XVI.)

Die Andreaskapelle im Erzbischöflichen Palais

Glasfenster in St Mary the Great, Cambridge

Andreas in der erzbischöflichen Andreaskapelle 2019

Brügge

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 4

In jener Zeit

18als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer.

19Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

20Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

21Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,

22und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

 

Apostel Johannes, Andreas und Petrus, Detail des Schreins des hl. Eligius, St Salvatorkathedrale, Brügge

Freitag, 10. April 2020

Das Heilige Land 30 (1/3) - St. Peter vom Hahnenschrei / St. Petrus in Gallicantu (Oberkirche)

St. Peter vom Hahnenschrei, Jerusalem

Zu den menschlich bittersten Geschehnissen der Passion Jesu gehört sicherlich, wie Simon Petrus, der ein Fels sein sollte, seinen Meister verleugnete. Diese Geschichte von der Verleugnung des Petrus ist in allen vier Evangelien mit einem nächtlichen Verhör im Haus des Hohenpriesters Kajaphas verknüpft. Sie lautet beim Evangelisten Matthäus (Elberfelder Bibel):

57 Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn weg zu Kaiphas, dem Hohenpriester, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren. 58 Petrus aber folgte ihm von weitem bis zu dem Hof des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Dienern, um den Ausgang zu sehen. 59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat[13] suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen; 60 und sie fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber traten zwei falsche Zeugen herbei 61 und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen. 62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts? Was zeugen diese gegen dich? 63 Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! 64 Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels. 65 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert. Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört. 66 Was meint ihr? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 67 Dann spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; einige aber schlugen ihn ins Gesicht 68 und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist es, der dich schlug?

69 Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat eine Magd zu ihm und sprach: Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer. 70 Er aber leugnete vor allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. 71 Als er aber in das Torgebäude hinausgegangen war, sah ihn eine andere; und sie spricht zu denen, die dort waren: Auch dieser war mit Jesus, dem Nazoräer[14]. 72 Und wieder leugnete er mit einem Eid: Ich kenne den Menschen nicht! 73 Kurz nachher aber traten die Umstehenden herbei und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, auch du bist einer von ihnen, denn auch deine Sprache verrät dich. 74 Da fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! Und gleich darauf krähte der Hahn. 75 Und Petrus gedachte des Wortes Jesu, der gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.


über der Eingangstür: Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst
unten: Lk: 22,34: Jesus aber sagte: Ich sage dir, Petrus,
ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.

Bei Ausgrabungen am westlichen Hang des Tyropoeon-Tals fanden 1889 französische Assumptionistenpatres den Kajaphas-Palast. Sie fanden die Reste einer byzantinischen Kirche (20x14), die über mehreren Höhlen an den Hang gebaut war. Der Zugang war von Norden her. Räume neben der Kirche lassen auf ein Kloster schließen. Eine Inschrift auf deren Fußboden zitierte den Psalmvers: Der Hüte behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst (Ps 121,8), während eine Stifterinschrift lautete: Für das Heil Marias.
Nach dem Vorbild dieser Kirche erbauten die Assumptionisten 1924-31 eine neue Kirche, die sie mittelalterlichen Pilgerberichten entsprechend St. Petrus in Gallicantu nannten, d.h. St. Peter vom Hahnenschrei. Diese Kirche wurde von 1994-97 renoviert (..).
Die Kirche hat die Form eines griechischen Kreuzes mit kleineren Nischen zwischen den Kreuzarmen.




Über dem Hauptaltar steht Jesus als Angeklagter vor dem Hohen Rat, der Hohepriester zerreißt wegen der vermeintlichen Gotteslästerung sein Gewand.

Jesus vor dem Hohen Rat


die Zwischenapsiden (dünkler) sind Heiligen gewidmet, die in den Spuren des reumütigen Petrus getreten sind
und im Heiligen Land Buße getan haben (ein andermal)



Im rechten Kreuzesarm sieht man oben das letzte Abendmahl Jesu, darunter den Apostel und Evangelisten Johannes.

einer der Jünger lehnte an der Brust Jesu

der Evangelist Johannes

Gegenüber links blickt Petrus seinen Herrn an, den er eben verleugnet hat; darunter thront er als Papst, der krasseste Gegensatz, den einzig das Erbarmen Jesu zu überwinden vermochte.


da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an

56 Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. 57 Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. 58 Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht! 59 Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer. 60 Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. 61 Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62 Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
(Lukas 22)




Im rückwärtigen Kreuzesarm fehlt wohl noch das Hauptbild, im unteren Teil hält die Muttergottes die Leidenswerkzeuge ihres Sohn in ihrem Schoß.


Maria mit den Leidenswerkzeugen

Der Kirchenraum wird an der durchbrochenen Decke von einem Kreuz aus Glas überwölbt mit der Inschrift: Dieses Zeichen des Kreuzes wird am Himmel erscheinen, wenn der Herr zum Gericht kommt (vgl Mt 24,30). Darunter sind die 12 Apostel zu sehen mit der Verheißung: Ihr werdet auf 12 Thronen sitzen und die 12 Stämme Israels richten (Mt 19,28).
(H. Fürst, Im Land des Herrn, 359ff)




Wiederkunft des Herrn

Freitag, 27. Dezember 2019

Johannes der Evangelist in Brescia

Evangelist Johannes, S. Giovanni Evangelista, Brescia
 
 

Liebe Brüder und Schwestern!

Unsere heutige Katechese ist dem Gedenken eines weiteren sehr wichtigen Mitglieds des Apostelkollegiums gewidmet: dem des Johannes, Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus. Sein typisch hebräischer Name bedeutet: "Der Herr ist gnädig." Er war gerade im Begriff, die Netze am Ufer des Sees Tiberias in Ordnung zu bringen, als Jesus ihn zusammen mit seinem Bruder berief (vgl. Mt 4,21; Mk 1,19). Johannes gehört immer zu jenem engeren Apostelkreis, von dem sich Jesus bei besonderen Anlässen begleiten lässt. Er ist mit Petrus und Jakobus zusammen, als Jesus in Kafarnaum das Haus des Petrus betritt, um dessen Schwiegermutter zu heilen (vgl. Mk 1,29); zusammen mit den anderen beiden folgt er dem Meister in das Haus des Synagogenvorstehers Jairus, dessen Tochter wieder belebt wird (vgl. Mk 5,37); er folgt Jesus, als dieser auf den Berg steigt, um verklärt zu werden (vgl. Mk 9,2); er ist Jesus auch im Ölgarten nahe, der dort angesichts der Großartigkeit des Tempels von Jerusalem die Rede über das Ende der Stadt und der Welt hält (vgl. Mk 13,3); und schließlich ist er ihm nahe, als sich Jesus in den Garten von Getsemani zurückzieht, um vor seinem Leiden zum Vater zu beten (vgl. Mk 14,33). Und kurz vor dem Paschafest, als Jesus zwei Jünger auswählt, um sie zur Vorbereitung des Abendmahlsaals auszusenden, vertraut er ihm, dem Johannes, und dem Petrus diese Aufgabe an (vgl. Lk 22,8).

Diese seine herausragende Stellung innerhalb der Gruppe der Zwölf macht in gewisser Weise die eines Tages von der Mutter ergriffene Initiativ verstehbar: Sie näherte sich Jesus, um ihn darum zu bitten, dass ihre beiden Söhne, Johannes und Jakobus, in seinem Reich zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen mögen (vgl. Mt 20,20-21). Wie wir wissen, antwortete Jesus, indem er seinerseits eine Frage stellte: Er fragte, ob sie bereit wären, den Kelch zu trinken, den er selbst zu trinken im Begriff war (vgl. 20,22). Die hinter diesen Worten stehende Absicht bestand darin, die Augen der beiden Jünger zu öffnen, sie in die Erkenntnis des Geheimnisses seiner Person einzuführen und ihnen ihre zukünftige Berufung anzukündigen, für ihn bis zur äußersten Prüfung des Martyriums Zeugnis abzulegen. Kurz danach präzisierte Jesus, dass er in der Tat nicht gekommen sei, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und das eigene Leben als Lösegeld für viele zu geben (vgl. Mt 20,28). In den Tagen, die der Auferstehung folgen, finden wir die "Söhne des Zebedäus" des Nachts mit Petrus und einigen anderen Jüngern bei einer erfolglosen Beschäftigung vereint. Dieser Nacht folgt dank des Einschreitens des Auferstandenen der wunderbare Fischfang. Und da ist es der "Jünger, den Jesus liebte", der "den Herrn" als erster erkennt und ihn dem Petrus zeigt (vgl. Joh 21,1-13).

In der Kirche von Jerusalem nahm Johannes einen bedeutenden Platz in der Leitung der ersten christlichen Gemeinde ein. Paulus zählt ihn zu den "Säulen" dieser Gemeinde (vgl. Gal 2,9). Lukas zeigt in der Apostelgeschichte, wie er zusammen mit Petrus zum Gebet in den Tempel geht (vgl. Apg 3,1-4.11) und wie die beiden vor dem Hohen Rat erscheinen, um ihren Glauben an Jesus Christus zu bekennen (vgl. Apg 4,13.19). Zusammen mit Petrus wird er von der Kirche Jerusalems ausgesandt, um diejenigen zu stärken, die in Samarien das Evangelium angenommen haben, und um für sie die Gabe des Heiligen Geistes zu erbeten (vgl. Apg 8,14-15). Vor allem muss auch das in Erinnerung gerufen werden, was Johannes gemeinsam mit Petrus während des Prozesses vor dem Hohen Rat sagt: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20). Gerade dieser Freimut beim Bekenntnis des eigenen Glauben bleibt ein Vorbild und eine Ermahnung für uns alle: immer bereit zu sein, unser unerschütterliches Festhalten an Christus entschlossen zu bezeugen und den Glauben jedem menschlichen Kalkül oder Interesse voranzustellen.

Gemäß der Tradition ist Johannes der "Lieblingsjünger", der im vierten Evangelium während des Letzten Abendmahls sein Haupt an die Brust des Meisters lehnt (vgl. Joh 13,21); der zusammen mit der Mutter Jesu unter dem Kreuz steht (vgl. Joh 19,25) und der schließlich Zeuge sowohl des leeren Grabes als auch der Anwesenheit des Auferstandenen ist (vgl. Joh 20,2; 21,7). Wir wissen, dass diese Identifikation von den Gelehrten diskutiert wird, von denen einige in ihm einfach den Prototypen des Jüngers Jesu sehen. Wir überlassen es jetzt den Exegeten, diese Frage zu klären, und begnügen uns hier damit, daraus eine wichtige Lehre für unser Leben zu ziehen: Der Herr will aus jedem von uns einen Jünger machen, der in persönlicher Freundschaft mit ihm lebt. Um das zu verwirklichen, reicht es nicht, ihm äußerlich zu folgen und zuzuhören; man muss auch mit ihm und wie er leben. Das ist nur im Kontext einer sehr vertrauten Beziehung möglich, die von der Wärme eines vollkommenen Vertrauens beseelt wird. So ist es zwischen Freunden, und deshalb sagte Jesus auch eines Tages: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt… Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe" (Joh 15,13.15).

In der apokryphen "Apostelgeschichte des Johannes" (den "Johannesakten") tritt der Apostel Johannes weder als Kirchengründer noch als Leiter bereits bestehender Gemeinden in Erscheinung, sondern als ein Überbringer des Glaubens, der sich ununterbrochen auf Wanderschaft befindet und jenen Menschen begegnet, "die zur Annahme von Hoffnung und Heil fähig sind" (18,10; 23,8). Sein Tun gründet in der paradoxen Absicht, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die Ostkirchen nennen ihn deshalb einfach "den Theologen", also denjenigen, der fähig ist, mit einfachen Worten über die göttlichen Dinge zu sprechen und auf diese Weise durch die Verbundenheit mit Christus einen geheimnisvollen Zugang zu Gott zu erschließen.

Die Verehrung des Apostels Johannes entstand vor der Stadt Ephesus, wo er nach einer antiken Überlieferung lange Zeit gewirkt haben und dann in sehr hohem Alter unter Kaiser Trajan gestorben sein soll. In Ephesus ließ Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert zu seinen Ehren eine große Basilika errichten, von der heute noch eindrucksvolle Ruinen existieren. Gerade im Osten erfreut sich Johannes bis heute einer großen Verehrung. In der byzantinischen Ikonographie wird er oft als sehr alter Mann dargestellt. Der Überlieferung nach starb er unter Kaiser Trajan in einem Moment intensiver Kontemplation, ja beinahe in der Haltung eines Menschen, der zum Schweigen auffordert.

Ohne angemessene Sammlung ist es tatsächlich unmöglich, sich dem höchsten Geheimnis Gottes und seiner Offenbarung zu nähern. Das erklärt, warum der Ökumenische Patriarch Athenagoras – derjenige, den Papst Paul VI. bei einer denkwürdigen Begegnung umarmte – vor Jahren sagen konnte: "Johannes steht am Anfang unserer tiefsten Spiritualität. Wie er kennen die 'Stillen' jenen geheimnisvollen Herzensaustausch; sie rufen die Gegenwart des Johannes an, und ihr Herz entflammt" (O. Clément, "Dialoghi con Atenagora", 159). Der Herr möge uns helfen, damit wir in die Schule des Johannes gehen, um die große Lektion der Liebe zu lernen: damit wir uns von Christus geliebt fühlen "bis zur Vollendung" (Joh 13,1) und unser Leben für ihn hingeben.

[Die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Liebe Brüder und Schwestern!
Unsere heutige Katechese widmet sich dem Apostel Johannes, dem Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus. Zusammen mit Petrus und Jakobus gehört Johannes zum engeren Apostelkreis, von dem sich Jesus bei besonderen Anlässen begleiten ließ. In der Apostelgeschichte nimmt Johannes einen bedeutenden Platz an der Seite von Petrus ein, und zwar bei der Heilung des Gelähmten im Tempel und bei der Rede vor dem Hohen Rat. Paulus zählt ihn zu den "Säulen" der Jerusalemer Gemeinde. Gemäß der Tradition ist Johannes der "Lieblingsjünger" des Herrn, der uns im gleichnamigen Evangelium beim Letzten Abendmahl, unter dem Kreuz Jesu, am offenen Grab und bei der Erscheinung des Auferstandenen begegnet.
Liebe Freunde, wir können festhalten, dass der Herr einen jeden von uns zu seinem Jünger machen will, der in persönlicher Freundschaft mit ihm verbunden ist und ihm ganz vertraut. Der Apostel Johannes, der im hohen Alter in Ephesus gestorben sein soll, genießt besonders in den Ostkirchen große Verehrung. Dort wird er einfach "der Theologe" genannt, da uns seine Worte einen geheimnisvollen Zugang zu Gott erschließen.
Mit diesen Gedanken grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Begeben wir uns in die Schule des heiligen Apostels Johannes und betrachten wir die Größe des Geheimnisses Gottes. Dann erkennen wir die Liebe, mit der uns Christus bis zur Hingabe seiner selbst zu unserem Heil geliebt hat – jene Liebe, die auch uns fähig macht, ihm unser Leben zu übereignen. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sommer und heute einen frohen Tag!


Johannes
in Corpus Christi Brixton, London (Glas)
in St Matthew´s, Westminster (Kreuzigungsgruppe)
in Chartres (Johannesfenster) 
im Lateran
im Stephansdom
beim Golgotafelsen 
bei der Johannesgemeinschaft
in Seckau





Die Jungfrau Maria mit den Heiligen, Johannes der Evangelist, Augustinus, Agnes, Johannes der Täufer
Alessandro Bonvicino (Moretto)
 
 
S. Giovanni Evangelista, Brescia