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Sonntag, 30. November 2025

Freudig umfange ich dich (Andreas)

Du Kreuz Christi, du wahres Heil der Welt,
freudig umfange ich dich,
denn lange habe ich nach dir verlangt.
Stärke mich, dem Herrn treu zu sein bis zum Ende.

Christus in der Herrlichkeit inzensiert von Engeln, darunter li ein Heiliger vor dem Richter,
Mitte: Andreas stirbt, seine Seele wird zu Gott getragen, re: der Prokonsul Ägeas wird von einem Dämon bestraft,
Andreasfenster, Notre Dame de Chartres

1. Ankunft des Apostels in Patras

Andreas wirkt als Missionar in Achaia (Griechenland) und bekehrt viele Menschen durch Predigt und Heilungen. Zu seinen wichtigsten Bekehrten gehören Vertreter der lokalen Oberschicht, darunter die Frau des Prokonsuls Ägeas.
Diese Bekehrungen stören die gesellschaftliche Ordnung und erregen den Unmut der Behörden.

2. Konflikt mit dem Prokonsul Ägeas

Der römische Statthalter Ägeas hält Andreas’ Predigt gegen Götterbilder und Opferkult für staatsfeindlich.
Er fordert ihn auf, dem römischen Kult zu opfern, was Andreas ablehnt.
Es folgt ein theologischer Streit: Andreas argumentiert für den Gottessohn Christus, während Ägeas auf die Autorität Roms verweist und droht, ihn hinrichten zu lassen.

3. Verhaftung und Verurteilung

Andreas wird festgenommen und vor Gericht gestellt.
Trotz Drohungen bekennt er Christus und verweigert das Opfer.
Ägeas verurteilt ihn zum Kreuzestod – eigentlich als gezielte Demütigung, da diese Strafe Sklaven und Aufständischen vorbehalten ist.

4. Der Weg zum Kreuz

Andreas geht freudig zum Ort der Hinrichtung und hält unterwegs eine längere Rede über:

  • die Bedeutung des Kreuzes als Zeichen des Heils,

  • die Nachfolge Christi,

  • die Notwendigkeit des Leidens für den Glauben.

Er betrachtet das Kreuz nicht als Schande, sondern als Teilnahme am Leiden Christi.

5. Die Art der Kreuzigung

In der traditionellen Fassung wird Andreas nicht genagelt, sondern gebunden, damit sein Tod langsamer verläuft.
Späteren Versionen zufolge ist das Kreuz X-förmig (das heute so genannte „Andreaskreuz“), aber ältere Texte beschreiben lediglich ein schräg gestelltes oder anders geformtes Kreuz.

6. Andreas predigt vom Kreuz herab

Am Kreuz hält Andreas eine lange, erbauliche Rede. Wichtige Motive:

  • Dank an Christus, der ihn würdig macht zu leiden

  • Betrachtung des Kreuzes als Werkzeug der Erlösung

  • Ermahnung an die Zuschauer, Gott zu suchen und nicht auf irdische Macht zu vertrauen

Viele Menschen, bewegt von seiner Rede, beginnen zu weinen und fordern die Freilassung des Apostels. Eine große Menge läuft zum Statthalter.

7. Volk fordert Freilassung – Andreas lehnt ab

Ägeas ist von der Menge eingeschüchtert und befiehlt widerwillig, Andreas abzunehmen.
Doch Andreas weigert sich, das Kreuz zu verlassen. Er bittet Gott, dass er das Martyrium vollenden dürfe.
Nach den Texten verhindert eine übernatürliche Erscheinung (helles Licht oder Engelsgestalt) die Soldaten daran, ihn zu befreien.

8. Der Tod des Apostels

Nachdem das Licht verschwindet und er sein Gebet beendet hat, stirbt Andreas friedlich.
Die Menge ist erschüttert; der Prokonsul Ägeas soll kurz darauf durch ein Unglück oder göttliches Gericht sterben (abhängig von der Fassung).

9. Nachwirkung

Die Christen von Patras bestatten Andreas ehrenvoll.
Spätere Traditionen berichten von Translationen seiner Reliquien nach Konstantinopel und später nach Amalfi, was aber nicht Teil des ursprünglichen Martyriumstextes ist.


(Zusammenfassung des Andreasmartyriums von chatgpt, ohne Gewähr)

oben links Andreas und seine Schüler mit einem Bettler, Mitte: Andreas wird ans Kreuz befestigt,
rechts: der Prokonsul mit zwei Männern und Andreas,
unten links: Andreas vor dem Prokonsul Ägeas, Mitte im Gefängnis mit den Wärtern, rechts das Gerichtsverfahren


Fenster des Apostels Andreas in Notre Dame Chartres

Und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach

 

Detail aus dem Noahfenster, Notre Dame de Chartres


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 24

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
37 Wie es in den Tagen des Noach war,
so wird die Ankunft des Menschensohnes sein.
38 Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut
aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen,
bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging,
39 und nichts ahnten,
bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte,
so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein.
40 Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten,
einer mitgenommen und einer zurückgelassen.
41 Und von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen,
wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.
42 Seid also wachsam!
Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
43 Bedenkt dies:
Wenn der Herr des Hauses wüsste,
in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt,
würde er wach bleiben
und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.
44 Darum haltet auch ihr euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde,
in der ihr es nicht erwartet.

(Evangelium vom 1. Adventsonntag, Lesejahr A, Matthäus) 


Mittwoch, 6. August 2025

Ankündigung des endgültigen Sieges über den Tod

 

Chorumgang in der Kathedrale von Chartres

 

Die Magier beteten das Kind von Betlehem an, weil sie in ihm den verheißenen Messias erkannten, den eingeborenen Sohn des Vaters; »in ihm allein«, schreibt der hl. Paulus, »wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes« (Kol 2,9). Eine ähnliche Erfahrung machten in gewisser Weise die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, wie uns das Fest der Verklärung in Erinnerung ruft, das wir gestern gefeiert haben: Ihnen hat Jesus auf dem Berg Tabor seine göttliche Herrlichkeit offenbart und den endgültigen Sieg über den Tod angekündigt. Durch das Ostergeschehen wird der gekreuzigte und auferstandene Christus später seine Gottheit vollends kundtun und allen Menschen das Geschenk seiner erlösenden Liebe anbieten.

Die Heiligen sind diejenigen, die dieses Geschenk angenommen haben und zu echten Anbetern des lebendigen Gottes geworden sind, indem sie ihn jeden Augenblick ihres Lebens vorbehaltlos geliebt haben. (...)

Wer könnte uns besser als Maria auf diesem anspruchsvollen Weg der Heiligkeit begleiten? Wer könnte uns besser als sie lehren, Christus anzubeten? Sie helfe besonders den jungen Generationen, in Christus das wahre Antlitz Gottes zu erkennen, ihn anzubeten und zu lieben und ihm mit ganzer Hingabe zu dienen.
(B16, Angelus 7. August 2005)


Verklärung des Herrn, Notre Dame de Chartres

Sonntag, 27. April 2025

Streck deine Finger hierher aus

 

 

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt
und Thomas war dabei.
Da kam Jesus bei verschlossenen Türen,
trat in ihre Mitte
und sagte: Friede sei mit euch!

Betrachte die Güte des Herrn: Um einer einzigen Seele willen zeigt er sich mit seinen Wunden, er kommt, um einen einzigen zu retten. (Johannes Chrysostomus)

27 Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger hierher aus
und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Da steht nun Jesus und wartet nicht, bis er von Thomas gefragt wird, sondern erzeigt, dass er schon da war, als Thomas mit den anderen Jüngern gesprochen hatte, und gebraucht deswegen dessen Worte.
Zuerst weist er ihn zurecht beziehungsweise macht ihm einen Vorwurf, dann belehrt er ihn. Schau nur, welch Zweifel und Unglauben, bevor der Heilige Geist gegeben ward! Danach waren sie für die Zukunft gefestigt.
Es ist eine Frage wert, wieso der unsterbliche Leib die Male der Nägel trug.
Lass dich nicht verwirren, das ist ein Zeichen der barmherzigen Demut des Herrn; die Jünger sollten erkennen, dass er selbst es sei, der gekreuzigt worden war.
(Johannes Chrysostomus, Catena Aurea)


Freitag, 25. April 2025

Zwerge auf den Schultern von Riesen

 

der Evangelist Markus auf der Schulter des Propheten Daniel
Notre Dame de Chartres

Im Jahr 1997 wurde auf dem Rand der £2-Münzen eine neue Inschrift eingeführt: „AUF DEN SCHULTERN VON RIESEN“. Dabei handelt es sich um ein Zitat von Sir Isaac Newton aus einem Brief an seinen Forscherkollegen Robert Hooke aus dem Jahr 1676, in dem er bescheiden erklärt, dass sein eigener Erfolg nur durch die Errungenschaften anderer möglich war. „Wenn ich weiter blicken konnte“, so schreibt er, „dann nur, weil ich auf den Schultern von Riesen stand.“ Er erkannte, dass sein Werk auf den Gebieten der Physik und Astronomie nicht ohne Galileis und Keplers Arbeiten möglich gewesen wäre.

Newton war allerdings nicht der Erste, der diesen Ausdruck - „auf den Schultern von Riesen“ – verwendet hatte. Im Jahr 1159 schrieb bereits Johannes von Salisbury in seinem Werk Metalogican: „­Bernard von Chartres sagte immer: ‚Wir sind wie Zwerge auf den Schultern von Riesen, sodass wir mehr sehen können als sie und auch Dinge in größerer Entfernung - nicht etwa, weil wir schärfer sähen als sie, oder durch sonstige physikalische Unterschiede, sondern weil wir von ihrer Größe emporgehoben wurden.‘“

Diese Worte waren sicher die Inspiration für die Glasfenster an der Südseite der Kathedrale von Chartres, die im folgenden Jahr­hundert entstanden sind. Unter dem Rosettenfenster befinden sich fünf langgezogene Fenster mit überlebensgroßen Darstellungen der alttestamentlichen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel, auf deren Schultern, viel kleiner abgebildet, die vier Evangelisten des neuen Testaments sitzen: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

 Die Evangelisten sahen, obwohl sie viel kleiner waren, doch viel mehr als die Propheten des Alten Testaments. Sie sahen den Messias. Die Propheten sprachen zwar von ihm, doch sie haben ihn nie selbst ­gesehen. Und doch haben sie die Welt auf seine Ankunft vorbereitet. Ohne sie hätten die Evangelisten nie sehen können, was sie sahen.

Quelle

die vier Evangelisten auf den Schultern der Propheten, in der Mitte Maria mit Jesus
Notre Dame de Chartres

Montag, 29. Mai 2023

Maria, Mutter der Kirche, bitte für uns!

 
 

Notre-Dame de la Belle Verriere, die "Blaue Jungfrau", um 1150)
Notre Dame de Chartres

Im südlichen Chorumgang sind in ein Fenster des frühen 13. Jahrhunderts vier Scheiben aus dem 12. Jahrhundert (ca. 1150) eingelassen. 

Sie stellen Maria dar, gekrönt und in frontaler Haltung thronend, mit dem Christuskind auf ihren Knien. Huldigende Engel flankieren die Gottesmutter. Marias Heiligenschein und ihre Kleidung sind von leuchtendem Blau vor tiefrotem Grund.

Sonntag, 28. Mai 2023

Eine geistvolle Ansprache

 

Himmelfahrt und Pfingsten, Notre Dame de Chartres

PASTORALBESUCH IN DER ERZDIÖZESE MAILAND UND  VII. WELTFAMILIENTREFFEN
(1.-3.  JUNI 2012)

BEGEGNUNG MIT JUNGEN UND MÄDCHEN, DIE SICH AUF DIE FIRMUNG VORBREITEN

ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.

"Meazza"-Stadion, San Siro Samstag, 2. Juni 2012

Liebe Jungen und Mädchen!

Es ist mir eine große Freude, euch bei meinem Besuch in eurer Stadt begrüßen zu dürfen. In diesem berühmten Fußballstadion seid heute ihr die Protagonisten! Ich grüße euren Erzbischof, Kardinal Angelo Scola, und danke ihm für die Worte, die er an mich gerichtet hat. Ich danke auch Don Samuele Marelli. Ich grüße euren Freund, der mich in euer aller Namen willkommen geheißen hat. Ich freue mich, die Bischofsvikare zu begrüßen, die euch im Namen des Erzbischofs die Firmung gespendet haben oder spenden werden. Mein besonderer Dank gilt der Stiftung »Oratori Milanesi«, die diese Begegnung organisiert hat, euren Priestern, allen Katecheten, den Paten und Patinnen sowie allen, die in den einzelnen Pfarrgemeinden zu euren Weggefährten geworden sind und euch den Glauben an den gestorbenen und auferstandenen und lebendigen Christus bezeugt haben.

Liebe Jungen und Mädchen, ihr bereitet euch auf den Empfang des Sakraments der Firmung vor oder habt es vor kurzem empfangen. Ich weiß, daß ihr einen beachtlichen Weg der Unterweisung gegangen seid, der in diesem Jahr »Das aufsehenerregende Ereignis des Heiligen Geistes « genannt wurde. Mit Hilfe dieses Weges habt ihr in mehreren Schritten gelernt, die wunderbaren Dinge zu erkennen, die der Heilige Geist in eurem Leben und in allen Menschen, die »Ja« sagen zum Evangelium Jesu Christi, getan hat und tut. Ihr habt den großen Wert der Taufe entdeckt,  des ersten Sakraments, der Eingangstür in das christliche Leben. Ihr habt es dank eurer Eltern empfangen, die zusammen mit den Paten in eurem Namen das Glaubensbekenntnis gesprochen und sich bemüht haben, euch im Glauben zu erziehen. Das war für euch – wie auch für  mich, vor langer Zeit! – eine unermeßliche Gnade. In jenem Augenblick seid ihr, aus dem Wasser und aus dem Heiligen Geist neu geboren, in die Familie der Kinder Gottes eingetreten, seid Christen geworden, Glieder der Kirche.

Jetzt seid ihr größer geworden und könnt selbst euer persönliches Ja zu Gott sagen, ein freies und bewußtes Ja. Das Sakrament der Firmung bestätigt die Taufe und gießt über euch in Fülle den Heiligen Geist aus. Ihr selbst könnt jetzt voll Dankbarkeit seine großen Gaben annehmen, die euch helfen, auf dem Weg des Lebens treue und mutige Zeugen Jesu zu werden. Die Gaben des Geistes sind wunderbare Wirklichkeiten, die es euch gestatten, als Christen herangebildet zu werden, das Evangelium zu leben und aktive Glieder der Gemeinde zu sein. Ich rufe kurz diese Gaben in Erinnerung, von denen bereits der Prophet Jesaja und dann Jesus zu uns spricht: – Die erste Gabe ist die Weisheit [ital. »sapienza «], die euch entdecken läßt, wie gut und groß der Herr ist. Und wie das Wort schon sagt, schenkt sie eurem Leben die volle Würze [ital. »sapore«], damit ihr, wie Jesus gesagt hat, »Salz der Erde« sein könnt; – dann die Gabe der Einsicht, damit ihr das Wort Gottes und die Wahrheit des Glaubens in der Tiefe verstehen könnt; – darauf die Gabe des Rates, der euch zur Entdeckung von Gottes Plan für euer Leben, für das Leben eines jeden von euch, führt; – die Gabe der Stärke, um die Versuchungen des Bösen zu überwinden und immer das Gute zu tun, auch wenn es Opfer kostet; – dann kommt die Gabe der Erkenntnis, nicht Erkenntnis im technischen Sinne, wie sie an der Universität gelehrt wird, sondern Erkenntnis im tieferen Sinne, die lehrt, in der Schöpfung die Zeichen, die Spuren Gottes zu finden, zu verstehen, wie Gott zu jeder Zeit spricht, wie er auch zu mir spricht, und mit dem Evangelium die tägliche Arbeit zu beseelen; zu verstehen, daß es eine Tiefe gibt, und diese Tiefe zu verstehen und so der Arbeit, auch der schwierigen Arbeit, Würze zu verleihen; – eine weitere Gabe ist die Frömmigkeit, die im Herzen die Flamme der Liebe zu unserem Vater im Himmel lebendig erhält, damit wir jeden Tag mit dem Vertrauen und der Zärtlichkeit von Kindern zu ihm beten; um nicht die grundlegende Wirklichkeit der Welt und meines Lebens zu vergessen: daß Gott da ist und daß Gott mich kennt und meine Antwort auf seinen Plan erwartet; – die siebte und letzte Gabe ist die Gottesfurcht.

Wir haben vorhin von der Angst gesprochen; Gottesfurcht bedeutet nicht Angst, sondern Gott gegenüber eine tiefe Achtung zu verspüren, die Achtung des Willens Gottes, der der wahre Plan meines Lebens ist und der Weg, durch den das persönliche und gemeinschaftliche Leben gut sein kann. Und heute, mit all den Krisen, die es in der Welt gibt, sehen wir, wie wichtig es ist, daß jeder diesen Willen Gottes achtet, der in unser Herz eingeprägt ist und nach dem wir leben müssen; und so ist die Gottesfurcht der Wunsch, das Gute zu tun, die Wahrheit zu tun, den Willen Gottes zu tun.

Liebe Jungen und Mädchen, das ganze christliche Leben ist ein Weg. Es ist wie einen Pfad hochzusteigen, der auf einen Berg führt – es ist also nicht immer einfach, aber einen Berg zu besteigen ist etwas Wunderschönes –, zusammen mit Jesus. Mit diesen kostbaren Gaben wird eure Freundschaft mit ihm noch wahrer und enger werden. Sie wird ständig durch das Sakrament der Eucharistie genährt, in dem wir seinen Leib und sein Blut empfangen. Ich lade euch daher ein, stets mit Freude und Treue an der Sonntagsmesse teilzunehmen, wenn die ganze Gemeinschaft sich versammelt, um zu beten, um das Wort Gottes zu hören und am eucharistischen Opfer teilzunehmen. Und empfangt auch das Sakrament der Buße, geht zur Beichte: Es ist eine Begegnung mit Jesus, der unsere Sünden vergibt und uns hilft, Gutes zu tun. Das Geschenk zu empfangen, wieder neu zu beginnen, ist ein großes Geschenk im Leben, zu wissen, daß ich frei bin, daß ich neu beginnen kann, daß alles vergeben ist. Auch euer persönliches tägliches Gebet darf nicht fehlen. Lernt, mit dem Herrn zu sprechen, vertraut euch ihm an, teilt ihm eure Freuden und Sorgen mit und bittet um Licht und Halt für euren Weg.

Liebe Freunde, ihr könnt euch glücklich schätzen, daß es in euren Pfarreien die Oratorien gibt, ein großes Geschenk der Diözese Mailand. Das Oratorium ist, wie das Wort sagt, ein Ort, an dem gebetet wird, aber auch, wo man sich in der Freude des Glaubens versammelt, wo der Katechismus gelehrt wird, wo gespielt wird, wo Dienste und andere Arbeiten organisiert werden – wo man zu leben lernt, würde ich sagen. Besucht häufig euer Oratorium, um in der Erkenntnis und in der Nachfolge des Herrn immer mehr zu wachsen!

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes wachsen gerade in dieser Gemeinschaft, wo man  das Leben in der Wahrheit, mit Gott übt. Seid in der Familie euren Eltern gehorsam, hört auf die Weisungen, die sie euch geben, um wie Jesus heranzuwachsen, damit eure Weisheit zunimmt und ihr Gefallen findet bei Gott und den Menschen (vgl. Lk 2,51–52). Seid auch nicht träge, sondern seid engagierte Kinder und Jugendliche, besonders was das Lernen betrifft, im Hinblick auf das zukünftige Leben: Es ist eure tägliche Pflicht und eine große Chance, die ihr habt, um heranzuwachsen und die Zukunft vorzubereiten. Seid hilfsbereit und großherzig gegenüber den anderen und überwindet die Versuchung, euch selbst in den Mittelpunkt zu stellen, denn der Egoismus ist Feind der wahren Freude. Wenn ihr jetzt die Schönheit genießt, zur Gemeinde Jesu zu gehören, könnt auch ihr euren Beitrag dazu leisten, sie wachsen zu lassen, und werdet in der Lage sein, andere einzuladen, daran teilzuhaben. Gestattet mir auch, euch zu sagen, daß der Herr euch jeden Tag, auch heute, zu großen Dingen beruft. Seid offen für das, was er euch eingibt, und wenn er euch beruft, ihm auf dem Weg des Priestertums oder des geweihten Lebens zu folgen, dann sagt dazu nicht Nein! Es wäre eine falsche Trägheit! Jesus wird euer Herz das ganze Leben lang erfüllen!

Liebe Jungen und Mädchen, ich sage euch mit Nachdruck: Strebt nach hohen Idealen. Alle können einen hohen Maßstab erreichen, nicht nur einige! Seid heilig! Ist es denn möglich, in eurem Alter heilig zu sein? Ich antworte euch: Ganz gewiß! Das sagt auch der hl. Ambrosius, der große Heilige eurer Stadt, in einem seiner Werke, wo er schreibt: »Jedes Alter ist reif für Christus« (De virginitate, 40). Und vor allem zeigt es das Zeugnis vieler Heiliger, die in eurem Alter waren, wie Domenico Savio oder Maria Goretti. Die Heiligkeit ist der normale Weg des Christen: Er ist nicht wenigen Auserwählten vorbehalten, sondern er ist offen für alle. Natürlich mit dem Licht des Heiligen Geistes, das uns nicht fehlen wird, wenn wir unsere Hände ausstrecken und unser Herz öffnen! Und mit der Führung unserer Mutter. Wer ist unsere Mutter? Es ist die Mutter Jesu, Maria. Ihr hat Jesus uns alle anvertraut, bevor er am Kreuz starb. Die Jungfrau Maria möge daher stets die Schönheit eures Ja zu Jesus, ihrem Sohn, dem großen und treuen Freund eures Lebens bewahren. So sei es!

Donnerstag, 18. Mai 2023

Himmelfahrt aus dem 13. Jahrhundert

 

Christi Himmelfahrt, Notre Dame de Chartres

 

Allmächtiger, ewiger Gott,
erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit,

denn in der Himmelfahrt deines Sohnes
hast du den Menschen erhöht.
Schenke uns das feste Vertrauen,
dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind,
in die Christus uns vorausgegangen ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Apostelfenster, 13. Jh., Chartres, vlnr der Auferstandene mit den Aposteln, Himmelfahrt, Pfingsten, oben segnender Christus

Montag, 18. April 2022

Christus im Herzen haben (Emmaus)

 

Gang nach Emmaus, Emmausmahl. Notre Dame de Chartres

 

Die Begegnung mit den zwei Emmausjüngern (vgl. Lk 24,13–35).
Während sie untröstlich über den Tod ihres Meisters nach Hause zurückgingen, gesellte sich der Herr als Weggefährte zu ihnen, ohne daß sie ihn erkannt hätten. Seine erläuternden Worte zur Schrift, die sich auf ihn bezogen, ließen die Herzen der beiden Jünger brennen, die ihn, als sie am Ziel angekommen waren, baten, bei ihnen zu bleiben. Als er schließlich »das Brot nahm, den Lobpreis sprach, das Brot brach und es ihnen gab« (vgl. V. 30), da gingen ihnen die Augen auf.
Aber im selben Augenblick entzog sich Jesus ihrem Blick. Sie erkannten ihn also, als er verschwand. In seinem Kommentar zu dieser Episode aus dem Evangelium schreibt der hl. Augustinus: »Jesus bricht das Brot, sie erkennen ihn. Sagen wir also nicht mehr, daß wir Christus nicht kennen! Wenn wir glauben, kennen wir ihn! Ja, wenn wir glauben, haben wir ihn! Sie hatten Christus an ihrem Tisch, wir haben ihn in unserer Seele!« Und er schließt: »Christus in seinem Herzen zu haben, ist viel mehr als ihn in seiner Heimstatt zu haben: Denn unser Herz ist uns vertrauter als unser Haus« (vgl. Sermo 232, VII, 7; PL 38). Versuchen wir wirklich, Jesus im Herzen zu tragen.
(Benedikt XVI., 11. April 2007, Generalaudienz)

Emmaus
Cambridge, Jesus College, Glasfenster
Glasfenster in St Alban´s Cathedral

Emmaus-Gang 
Mosaik im Johannes Paul II. Heiligtum Krakau (Benedikt XVI., Regina Caeli, 7.4.2008)
Relief in Santo Domingo de Silos 
Wandteppich in Vatikanischen Museen (2)
Wandteppich (1) - Johannes Paul II., Mane nobiscum Domine)

Sonntag, 9. Januar 2022

Warum lässt sich Jesus taufen? - Chartres

Taufe des Herrn, Chartres


 Was ist die Bedeutung dieser Tat, die Jesus – den Widerstand des Täufers überwindend –vollbringen wollte, um dem Willen des Vaters zu gehorchen (vgl. Mt 3,14-15)? Der tiefe Sinn wird erst am Ende des irdischen Lebens Christi sichtbar werden, das heißt in seinem Tod und seiner Auferstehung. Dadurch, dass sich Jesus von Johannes zusammen mit den Sündern taufen ließ, begann er damit, die Sündenlast der ganzen Menschheit auf sich zu nehmen, als Lamm Gottes, das die Sünde der Welt „hinwegnimmt“ (vgl. Joh 1,29). Eine Tat, die er am Kreuz vollbrachte, als er auch seine „Taufe“ empfing (vgl. Lk 12,50). Indem er nämlich starb, „tauchte“ er „ein“ in die Liebe des Vaters und goss den Heiligen Geist aus, damit diejenigen, die an ihn glauben, aus dieser unerschöpflichen Quelle des neuen und ewigen Lebens neu geboren werden.

Die ganze Sendung Christi wird damit zusammengefasst: uns im Heiligen Geist zu taufen, um uns von der Knechtschaft des Todes zu befreien und „uns den Himmel zu öffnen“, das heißt den Zugang zum wahren und vollen Leben, das ein „immer neues Eintauchen in die Weite des Seins ist, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden“ (Spe salvi, 12).
(Benedikt XVI., Taufe des Herrn 13.2.2008)


Taufe des Herrn