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Dienstag, 19. Oktober 2021

Am Grab des hl. Paul vom Kreuz

 

Deckenbilder und Kuppelbild aus dem Leben des hl.  Paul vom Kreuz

Ordensgründer, Mystiker, Volksprediger
Namensdeutung: der Geringe (lat.)
Namenstage: Paulus, Paul, Pablo, Paolo, Pál, Pavel, Pol, Poul, Pavo, weibl.: Paula, Paulina, Pauline
Gedenktag: 19. Oktober

Lebensdaten: geboren am 3. Januar 1694 in Ovada (Piemont), gestorben am 18. Oktober 1775 in Rom

Lebensgeschichte: Der Kaufmannssohn Paolo Francesco Danei erhielt etwas Schulbildung in der Obhut eines Priesters und zeigte als Jugendlicher viel Interesse am Gebet und am kirchlichen Leben. Er betrachtete lange das Leiden (die Passion) Christi, verbrachte viel Zeit in Anbetung vor dem Allerheiligsten und erlebte 1713 ein „Eingreifen der Gnade“, das ihn auf eine vorteilhafte Heirat und ein angebotenes Erbe verzichten ließ.

1720 hatte er die Eingebung, die künftige Missionsgemeinschaft der Passionisten zu gründen, und bereits klare Vorstellungen vom Ordensgewand samt dem Leidensemblem Christi, mit dem er sich im gleichen Jahr vom Bischof von Alessandria bekleiden ließ. Er zog sich als Einsiedler in eine Kirchenzelle zurück und verfasste den Grundstock einer Ordensregel, die der Bischof auch guthieß. Der Versuch aber, die Anerkennung auch in Rom zu erhalten, scheiterte daran, dass ihn Papst Innozenz XIII. gar nicht erst empfing.

Paolo zog sich in eine Einsiedelei auf dem Monte Argentario an der Toskanischen Mittelmeerküste zurück, wo sein Bruder Giambattista zu ihm stieß. 1722 lud sie der Bischof von Gaeta ein, sich am Heiligtum der Madonna della Catena niederzulassen, von wo sie auf Einladung des Bischofs von Foggia nach Troia umzogen. Dieser Bischof mit Namen Emilio Cavalieri half bei der Verbesserung der Ordensregel und vermittelte eine Audienz bei Papst Benedikt XIII., der den Gebrüdern Danei die Aufnahme von Ordensmitgliedern erlaubte und sie beide 1727 im Petersdom zu Priestern weihte.

1741 als Ordensgemeinschaft anerkannt, wählten die Passionisten ihren Gründer, der bei Ablegung seiner Gelübde den Ordensnamen Paul vom Kreuz angenommen hatte, gegen seinen Willen zum Ordensgeneral und verlegten ihr Generalat nach Rom ins Kloster SS. Giovanni e Paolo. 1771 entstand der weibliche Ordenszweig. Über 200 Briefe sind von Paul vom Kreuz überliefert, dazu zahlreiche geistliche Schriften sowie seine Ordensregeln.

Verehrung: Pauls Gebeine ruhen in einer Kapelle der Basilika dei Santi Giovanni e Paolo in Rom. 1867 heiliggesprochen, gilt er als der größte Mystiker des 18. Jahrhunderts.

Darstellung: im Ordensgewand mit Buch, Kreuz, Rosenkranz, Totenkopf oder Leidenswerkzeugen

Patron: der Passionisten

Vision des Habits mit dem Namen Jesu, Glasfenster in SS. Giovanni e Paolo

Bild in Maria Schutz am Semmering, Vita

 

Heiliger Paul vom Kreuz, bitte für uns!


Altarbild: Francesco Coghetti, der hl. Paul vom Kreuz umarmt den Gekreuzigten
(Beschreibung einer Vision des hl. Paul)


O Heiliger Geist,
Du unser Beistand,
Du unser Tröster!

Öffne die Ader
der lebendigen Wasser deiner Gnaden,
damit wir daraus trinken im Überfluss.

So können wir alle,
entbrannt von Liebe und Barmherzigkeit,
dieses göttliche Feuer
auch in den Herzen
unserer Brüder und Schwestern entzünden,
durch die Verkündigung der gekreuzigten Liebe.

Amen.

(Gebet vom hl. Paul vom Kreuz, Quelle)

Grabeskapelle Paul vom Kreuz, SS. Giovanni e Paolo


Santi Giovanni e Paolo, Rom

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Ein Abriß des ganzen Evangeliums - zum Rosenkranzfest

 

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, bitte für uns!

S. Maria sopra Minerva, nur zum Gottesdienst ab 17 Uhr geöffnet, wird z. Z. renoviert

 

Aus dem Apostolischen Schreiben "Marialis cultus" von Papst Paul VI.

42. Wir wollen nun jedoch, Ehrwürdige Brüder, noch etwas ausführlicher bei der Erneuerung jener Andachtsübung verweilen, die ein ”Abriß des ganzen Evangeliums” (110) genannt worden ist: dem Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Ihm haben Unsere Vorgänger große Aufmerksamkeit und besondere Sorge zugewandt. Sie haben des öfteren das häufige Rosenkranzgebet empfohlen, seine Verbreitung gefördert, seine Natur erläutert, ihn als ein geeignetes Mittel anerkannt, um ein kontemplatives Gebet des Lobes und der Bitte zugleich zu entfalten, und an die ihm innewohnende Wirksamkeit erinnert, die das christliche Leben und den apostolischen Einsatz fördert. Auch Wir haben seit der ersten Generalaudienz Unseres Pontifikates, am 18. Juli 1963, Unser Interesse für das Rosenkranzgebet bekundet (111) und haben in der Folgezeit bei vielfältigen Anlässen, von denen einige gewöhnlicher, andere dringlicher Natur waren, seinen besonderen Wert unterstrichen. So, als Wir in einer Stunde der Bedrängnis und Unsicherheit die Enzyklika „Christi Matri“ (15. September 1966) veröffentlichten, damit Bittgebete zur Seligen Jungfrau des Rosenkranzes verrichtet würden, um von Gott das höchste Gut des Friedens zu erflehen, (112) einen Aufruf, den Wir in Unserem Apostolischen Schreiben „Recurrens mensis October“ (7. Oktober 1969) wiederholt haben, in dem Wir unter anderem auch der Vierhundertjahrfeier des Apostolischen Schreibens „Consueverunt Romani Pontifices“ Unseres Vorgängers des heiligen Pius V. gedacht haben, der darin die traditionelle Form des Rosenkranzes erläutert und in gewisser Weise festgesetzt hat. (113)

43. Unser ständiges Interesse für den geliebten Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria hat Uns veranlaßt, mit Aufmerksamkeit die zahlreichen Tagungen zu verfolgen, die in den letzten Jahren der Pastoral des Rosenkranzes in der heutigen Welt gewidmet waren: Tagungen, die von Vereinigungen und Menschen veranstaltet wurden, denen die Verehrung des Rosenkranzes sehr am Herzen liegt und an denen Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien teilgenommen haben, die eine bewährte Erfahrung und einen anerkannten kirchlichen Sinn haben. Unter ihnen sind zu Recht die Söhne des heiligen Dominikus zu nennen, die traditionsgemäß die Hüter und Förderer dieser so heilsamen Andachtsübung sind. Zu den Arbeiten der Tagungen haben im besonderen die Forschung der Geschichtswissenschaftler beigetragen, die durchgeführt wurden, nicht etwa mit der fast archäologischen Zielsetzung, die ursprüngliche Form des Rosenkranzes zu bestimmen, sondern um die ursprüngliche Idee, die anfängliche Kraft, die wesentliche Struktur aufzufinden. Von diesen Tagungen und Forschungen her sind die hauptsächlichen Merkmale des Rosenkranzes, seine wesentlichen Elemente und ihr Verhältnisse zueinander deutlicher hervorgetreten.

44. So ist zum Beispiel der biblische Charakter des Rosenkranzes in hellerem Licht erschienen, insofern er vom Evangelium die Aussage der Geheimnisse und seine hauptsächlichen Formeln nimmt; er inspiriert sich am Evangelium, um dem Gläubigen vom freudigen Gruß des Engels und der religiösen Zustimmung der Jungfrau her die Haltung nahezubringen, in der er ihn beten soll; vom Evangelium stellt er in der harmonischen Folge der Ave-Maria ein grundlegendes Geheimnis vor – die Menschwerdung des Wortes –, das im entscheidenden Augenblick der Verkündigung an Maria betrachtet wird. Der Rosenkranz ist also ein biblisches Gebet, wie ihn heute vielleicht mehr als in der Vergangenheit die Seelsorger und Gelehrten mit Vorliebe zu nennen pflegen.

45. Es ist ferner leichter erkannt worden, wie der geordnete und graduelle Verlauf des Rosenkranzgebetes die Art selbst widerspiegelt, in der das Wort Gottes, da es nach gnädigem Ratschluß in die menschliche Geschichte eintrat, die Erlösung gewirkt hat. Der Rosenkranz betrachtet nämlich von ihr in harmonischer Folge die wichtigsten Heilsereignisse, die sich in Christus zugetragen haben: von der jungfräulichen Empfängnis und den Geheimnissen seiner Kindheit bis zu dem erhabenen Geschehen von Ostern – des seligen Leidens und der glorreichen Auferstehung – und weiter bis zu deren Auswirkung auf die bildende Kirche am Pfingsttag und auf die Heilige Jungfrau an dem Tage, an dem sie nach Beendigung ihres Erdenlebens mit Leib und Seele in die himmlische Heimat aufgenommen wurde. Es ist weiterhin bemerkt worden, wie die dreifache Aufteilung der Geheimnisse des Rosenkranzes nicht nur streng der zeitlichen Ordnung der Geschehnisse folgt, sondern vor allem das Schema der frühchristlichen Glaubensverkündigung widerspiegelt und das Geheimnis Christi auf dieselbe Weise vorstellt, wie es vom heiligen Paulus im berühmten ”Hymnus” des Briefes an die Philipper gesehen wird: Erniedrigung, Tod, Verherrlichung (2, 6 – 11).

46. Als biblisches Gebet, das auf das Geheimnis der erlösenden Menschwerdung ausgerichtet ist, ist der Rosenkranz also ein Gebet, das zutiefst christologisch geprägt ist. In der Tat wird sein charakteristisches Element – die litaneiartige Wiederholung des ”Gegrüßet seist du, Maria” – selbst zu einem unaufhörlichen Lobpreis Christi, dem Endziel der Verkündigung des Engels und des Grußes der Mutter des Täufers: ”Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes” (Lk 1, 42). Wir möchten noch mehr sagen: die Wiederholung des Ave-Maria bildet die Kette, entlang der sich die Betrachtung der Geheimnisse entfaltet. Jener Jesus, den jedes Ave-Maria anruft, ist derselbe, den die Folge der Geheimnisse uns nacheinander als Sohn Gottes und der Jungfrau vorstellt, der in einer Grotte zu Betlehem geboren ist; von der Mutter im Tempel dargestellt; als Jüngling, der voller Eifer für das eintritt, was seines Vaters ist; als von Todesängsten gepeinigter Erlöser im Garten; gegeißelt und mit Dornen gekrönt; mit dem Kreuz beladen und sterbend am Kreuze; auferstanden von den Toten und aufgefahren in die Herrlichkeit des Vaters, um von dort das Geschenk des Geistes auszugießen. Es ist bekannt, daß man, vor allem um die Betrachtung zu fördern und Geist und Wort miteinander in Einklang zu bringen, zu einer früheren Zeit – und der Brauch hat sich in manchen Ländern erhalten – an den Namen Jesus in jedem Ave-Maria einen Satz hinzufügte, der das bestimmte Geheimnis wiederholte.

47. Man hat ebenso mit größerer Dringlichkeit die Notwendigkeit gespürt, neben dem Wert des preisenden und fürbittenden Elementes auch noch die Bedeutung eines anderen wesentlichen Bestandteiles des Rosenkranzes zu betonen: die Betrachtung. Ohne sie ist der Rosenkranz ein Körper ohne Seele, und das rezitierende Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln zu werden und zur Ermahnung Jesu in Gegensatz zu treten: „Wenn ihr betet, so plappert nicht wie die Heiden! Die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen” (Mt 6, 7). Von seiner Natur her verlangt das Rosenkranzgebet einen ruhigen Rhythmus und ein längeres besonnenes Verweilen, was im Betenden die Betrachtung der Geheimnisse des Lebens des Herrn fördert, die mit den Augen derjenigen geschaut werden, die dem Herrn am nächsten stand und dessen unergründliche Reichtümer erschließt.


Maria, Königin aller Heiligen, bitte für uns!

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in Pompej, Bartolo Longo

Die Lepantomonstranz in der Asamkirche

Lourdes und der Rosenkranz

Lepanto und der Rosenkranz

Eine kleine Geschichte des Rosenkranzes

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in Fatima

Pius V. und der Rosenkranz

Am Rosenkranzfest den ganzen Psalter beten

Papst Benedikt ermutigt Kinder, den Rosenkranz zu beten

Dienstag, 26. Mai 2020

Kelch mit Zahnabdruck - Pater Philipp feiert die heilige Messe

Büstenreliquiar des hl. Philipp Neri, Chiesa Nuova, Pietro Zagnoni, 1683, Chiesa Nuova


Philipp Neri, Priester und Apostel Roms. Philipp Neri wurde am 21. Juli 1515 zu Florenz geboren; er wurde schon in seiner Jugend durch die Schriften des Volkspredigers Savonarola für ein strenges und sittenreines Christentum begeistert. Als Hauslehrer in Rom führte er sechzehn Jahre lang ein Leben der Abtötung, des Gebetes und der Nächstenliebe. Zwei Jahre vor dem Jubeljahr 1550 gründete er eine Dreifaltigkeitsbruderschaft zur Betreuung der armen und kranken Rompilger. 1551 zum Priester geweiht, schloss sich Philipp Neri einer Priestergemeinschaft bei der Kirche San Girolamo della Carità an, aus der 1552 das sogenannte „Oratorium“ entstand.
Philipps Anliegen, die religiöse Erneuerung Roms, versuchte er durch neue Seelsorgemethoden zu verwirklichen. Er förderte die Kinderpredigt, die geistlichen Lieder in der Volkssprache, machte sonntägliche Stadtwallfahrten und hielt geistliche Vorträge. Seine entwaffnende Freundlichkeit und sein liebenswürdiger Humor erwarben ihm in allen Volksschichten Vertrauen. Er war nicht nur lustig, sondern er machte sich selbst oft sogar bewusst lächerlich, um sich zu demütigen. Zu seinen Freunden und Beichtkindern zählten Ignatius von Loyola, Karl Borromäus, Kamillus von Lellis, Franz von Sales sowie der Historiker Cäsar Baronius, der später seine Nachfolge als Leiter des Oratoriums antrat. Philipp lehnte die Kardinalswürde mehrmals ab. Schon zu Lebzeiten verehrte ihn das römische Volk als „Il Santo“, „der Heilige“.
 Er starb am 26. Mai 1595, ganz Rom bereitete ihm ein geradezu triumphales Begräbnis. Sein Grab befindet sich in der von ihm erbauten Kirche Santa Maria in Vallicella, die vom Volk einfach „Chiesa Nuova“ genannt wird. Philipp Neri gehört zu den bedeutendsten Gestalten der tridentinischen Reform, er wird mit flammendem Herzen dargestellt, wie er vor der Muttergottes betet.
(Martyrologium Sancrucense)


Philipp Neri

Glasfenster in Our Lady and the English Martyrs Church, Cambridge (über die Demut)

Fresko, der Heilige empfängt den Heiligen Geist, Privaträume bei der Chiesa Nova, Rom

Beichtstuhl des Philipp Neri, Relief über dem Eingang zu seinen Privaträumen (über die Beichte)

Kapelle des hl. Philipp Neri in der Chiesa Nova, Brustreliquie, Totenmaske (seine Sorge für das Heil der Menschen) 

Beim Grab des P. Neri in der Chiesa Nova (Gott lieben)

Fresko, Zelebration, Ekstase und Schweben - starkes Argument für Zelebration ad orientem

Philipp über die tägliche Zelebration (Sakristei Pöllau, ohne Philipp ;-))


Kelch des hl. Philipp Neri, Chiesa Nuova


Wie schon erwähnt, brachte der Priester Phillip Neri täglich das heilige Messopfer dar. Es war für ihn das Kennzeichen seines priesterlichen Dienstes, wenngleich zur damaligen Zeit die tägliche Zelebration noch nicht die Regel war. Auch hier erweist sich Philipp ganz als Schüler der Priester von San Girolamo.
Pater Philipp ermahnte seine Mitbrüder, jeden Tag zu zelebrieren. Er sagte: „Die Priester, die – obwohl sie könnten – nicht jeden Tag zelebrieren, machen einen großen Fehler. Auch die welche um ihrer Erholung willen die Erlaubnis erbäten, nicht täglich zu zelebrieren, begingen einen großen Irrtum. Er sagte auch: Jene, die Trost außerhalb des wahren Ortes suchen, suchen ihre Verurteilung. Wer weise sein will ohne die wahre Weisheit, ohne den Heiland, ist nicht heil, sondern krank, nicht weise, sondern verrückt.“ (Wick-Alda, U. u. Wodrazka, P. B. [Hrsg.]: Philipp Neri. Schriften und Maximen, Sankt Ottilien 2011, pp. 292-293 bzw. # 162).

Ebenso empfahl Philipp den Gläubigen, regelmäßig die heilige Messe mitzufeiern. Er optierte nicht dafür, dass alle täglich zur heiligen Kommunion gehen sollten, sondern meinte, dass die Häufigkeit des Kommunionempfangs neben der persönlichen Disposition vom geistlichen Weg und der religiösen Situation des Einzelnen abhinge.
Phillip Neri zelebrierte mit einer solchen Innigkeit und Andacht die heilige Messe, dass es ihm schwer fiel, die Worte des Messbuches deutlich und laut auszusprechen, wie Giacomo Cres­cen­zi beim Prozess darlegte. (P.P., II, p. 171).
Ins­besondere während der Opfermesse (Eucharistiefeier), dem zentralen Teil der heiligen Messe, geriet der Heilige sehr häufig in Ekstase. Dies betonten unzählige Zeugen, die beim Prozess befragt worden sind. So erinnerte sich z. B. Giovanni Bernardi: „Bei der Elevation des Leibes des Herrn erzitterte alles, er schwebte ein Stück über dem Boden; und dies geschah noch einmal währenddem die anderen kommuni­zierten, dass er sich bewegte, als würde er schweben. Und der heilige Philipp selbst hat mir versichert, dass, als er mit dem Messe lesen begann, den Kelch nicht ohne viele Tränen aus Gründen der Andacht und des Trostes zu vergießen, erheben konnte.“ (P.P., I, p. 48).

Diese inneren Anrührungen versuchte Philipp, so weit wie möglich zu verbergen. Aufgrund seines Gesundheitszustandes erhielt er in den letzten Jahren seines Lebens von Papst Gregor XIV. die Er­laubnis, die heilige Messe in einer Kapelle in der Nähe seines Zimmers zu feiern. Beim Agnus Dei verließ der Ministrant das Zimmer, der Mesner zündete eine kleine Lampe an, löschte die Lichter am Altar aus, schloss die Fenster und sperrte beide Türen zu, damit Filippo ungestört in der Andacht Zeit mit seinem Herrn verbringen konnte. An der Außenseite der Türe hing ein Schild mit dem Hinweis „Silentium! Pater Philipp zelebriert!“. Nach zwei Stunden klopfte der Mesner wieder an die Türe, und wenn der Heilige antwortete, so öffnete er die Türe und zündete die Lichter an und Philipp setzte die heilige Messe fort. (P.P., II, p, 359; P.P., I, p. 97 und Bacci, II, I).

Eucharistische Wunder waren bei der Messfeier des heiligen Phi­lipp keine Seltenheit. Nero del Nero, ein florentinischer Edelmann, bezeugte, dass Pater Philipp beim Kommunizieren des Blutes Christi, das sich sichtbar in Blut verwandelt hatte, von solcher Ehrfurcht erfüllt war, dass er sich nur schwer vom Kelch trennen konnte. Noch heute kann man die Abdrücke seiner Zähne an seinem Kelch in der Vallicella deutlich erkennen. (P.P., I, p. 327). Der Heilige empfing die verwandelten Gestalten unseres Herrn mit größter Andacht und war auch peinlich darauf bedacht, dass kein Teil des Leibes und kein Tropfen des Blutes Christi verloren ging. (P.P., I, p. 126 [Blut Christi] und P.P., II, p. 74 [Leib Christi]).
Nach dem Ende der heiligen Messe war der heilige Philipp so tief mit Gott verbunden und in das danksagende Gebet versunken, dass er Menschen, die an ihm vorbeigingen, nicht wahrnahm. Er war mit all seinen Gedanken so innig bei Gott, dass es einige Zeit dauerte, bis er wieder den normalen täglichen Verrichtungen nachgehen konnte. (Bacci, II, I).
Der eucharistische Heilige durfte seine letzte Messe am Fest Corpus Christi (Fronleichnam), dem 25. Mai 1595, feiern. (P.P., I, p. 66).
Ein paar Tage zuvor, als sich sein Gesundheitszustand verschlech­terte, empfing er aus der Hand des Kardinal Federico Borromeo die Wegzehrung. Dabei sagte Philipp: „Ich bin nicht würdig, ich bin niemals würdig gewesen; komm meine Liebe!“ (P.P., I, p. 68).

Reliquienschrein Kelch, Brille, darüber Reliquie ex praecordiis (Brust?),
ex tela imbuta sanguine (Tuch mit Blut)
 
Chiesa Nuova, Rom