Er sagte zu ihnen:
Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren,
die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen,
wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;
und ihr werdet meine Zeugen sein
in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien
und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte,
wurde er vor ihren Augen emporgehoben
und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
Apostelgeschichte 1
Liebe Brüder und Schwestern!
In verschiedenen Ländern, darunter auch in Italien, wird heute das Hochfest Christi Himmelfahrt gefeiert, jenes Geheimnis des Glaubens, das das Buch der Apostelgeschichte auf den 40. Tag nach der Auferstehung legt (vgl. Apg 1,3-11). Aus diesem Grund ist es im Vatikan und in einigen anderen Nationen der Welt bereits am letzten Donnerstag gefeiert worden.
Nach der Himmelfahrt blieben die ersten Jünger im Abendmahlsaal; sie sammelten sich um die Mutter Jesu, in brennender Erwartung der Gabe des Heiligen Geistes, den Jesus versprochen hatte (vgl. Apg 1,14). An diesem ersten Sonntag im Mai, dem Marienmonat, machen auch wir diese Erfahrung, und fühlen intensiv die geistliche Gegenwart Mariens. Und der Petersplatz gleicht heute fast einem „Abendmahlsaal“ unter freiem Himmel, der mit Gläubigen gefüllt ist, zum Großteil Mitglieder der Katholischen Aktion Italiens, an die ich mich nach dem marianischen Gebet des „Regina Caeli“ wenden werde.
In seiner Abschiedsrede an die Jünger hob Jesus besonders die Bedeutung seiner „Heimkehr zum Vater“ hervor, der Krönung seiner ganzen Sendung. Denn er ist in die Welt gekommen, um den Menschen zu Gott zurückzuführen, und zwar nicht auf einer geistigen Ebene – als Philosoph oder Weisheitslehrer –, sondern in Wirklichkeit, als Hirte, der die Schafe in ihren Stall zurückbringen will. Diesen „Auszug“ (Exodus) zur himmlischen Heimat, den Jesus persönlich erlebte, hat er in allem für uns auf sich genommen: Für uns ist er vom Himmel herabgestiegen, und für uns fuhr er zu ihm auf, nachdem er dem Menschen in allem gleich geworden war, erniedrigt bis zum Tod am Kreuz, und nachdem er den Abgrund der größten Gottesferne berührt hatte. Gerade aus diesem Grund hat Gott an ihm Gefallen gefunden und „ihn über alle erhöht“ (Phil 2,9) und ihm so die Fülle seiner Herrlichkeit zurückerstattet, jetzt aber in unserer menschlichen Natur. Gott im Menschen, der Mensch in Gott: Das ist nun keine theoretische, sondern eine wirkliche Wahrheit. Deshalb ist die christliche Hoffnung, die ihren Grund in Christus hat, keine Illusion, sondern wir haben, wie der Brief an die Hebräer sagt, „in ihr… einen sicheren und festen Anker der Seele“ (Heb 6,19), einen Anker, der in den Himmel eindringt, wohin Christus uns vorangegangen ist.
Und was benötigte der Mensch aller Zeiten eher als das: eine feste Verankerung für das eigene Dasein? Und wiederum also ist der wunderbare Sinn der Gegenwart Mariens mitten unter uns augenfällig. Wenn wir wie die ersten Jünger den Blick auf sie wenden, werden wir unmittelbar auf die Wirklichkeit Jesu verwiesen: Die Mutter verweist auf den Sohn, der nicht mehr leiblich unter uns ist, der uns aber im Haus des Vaters erwartet. Jesus lädt uns ein, nicht dazustehen und nach oben zu schauen, sondern im Gebet vereint zu bleiben, um das Geschenk des Heiligen Geistes zu erbitten. Denn nur für den, der „von oben her neu geboren wird“, das heißt aus dem Geist Gottes, steht der Eingang zum Himmelreich offen (vgl. Joh 3,3-5), und die erste, die „von oben her neu geboren“ ist, ist gerade die Jungfrau Maria. An sie wenden wir uns somit in der Fülle der österlichen Freude.
(B16, 5. Mai 2008)
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| Christi Himmelfahrt, Wandteppich von Rafael, Vatikanische Museen |
Notre Dame de Chartres (Skulpturengruppe)
gesegnetes Himmelfahrtsfest - nimm dir Zeit zum Beten (Froschi),

























