Donnerstag, 4. Juni 2026

Ein einstimmiges Bittgebet zum in der konsekretieren Hostie gegenwärtigen Herrn

 

Fronleichnamsprozession, Großrußbach

Der hl. Jean-Marie Vianney sagte gerne zu seinen Pfarrkindern: »Kommt zur Kommunion… Es ist wahr, daß ihr nicht würdig seid, aber ihr braucht sie« (Bernard Nodet, Le curé d’Ars. Sa pensée – Son coeur, hg. Xavier Mappus, Paris 1995, S. 119). Im Bewußtsein, daß wir wegen unserer Sünden unwürdig sind, wir aber zugleich die Nahrung der Liebe brauchen, die der Herr uns im eucharistischen Sakrament schenkt, erneuern wir am heutigen Abend unseren Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie.
Dieser Glaube darf nicht als selbstverständlich angesehen werden! Heute stehen wir vor der Gefahr einer sich auch in der Kirche schleichend ausbreitenden Säkularisierung, die sich in einen formalen und leeren eucharistischen Kult umsetzen kann, in Feiern, denen es jener Teilnahme des Herzens ermangelt, die in Verehrung und Achtung für die Liturgie zum Ausdruck kommt. Immer stark ist die Versuchung, das Gebet zu oberflächlichen und flüchtigen Momenten zu machen und sich von den Beschäftigungen und irdischen Sorgen überwältigen zu lassen.
Wenn wir jetzt gleich das Vaterunser, das Gebet schlechthin, wiederholen werden, so werden wir sagen: »Gib uns unser tägliches Brot«, wobei wir natürlich an das tägliche Brot für uns und für alle Menschen denken. Diese Bitte jedoch beinhaltet etwas Tieferes. Das griechische Wort epioúsios, das wir mit »täglich« übersetzen, könnte auch auf das »über-substantielle« Brot, auf das Brot »der zukünftigen Welt« anspielen. Einige Kirchenväter haben hierin einen Bezug auf die Eucharistie gesehen, auf das Brot des ewigen Lebens, der neuen Welt, das uns bereits heute in der heiligen Messe gegeben ist, auf daß die künftige Welt schon jetzt in uns ihren Anfang nehme. Mit der Eucharistie also kommt der Himmel auf die Erde, das Morgen Gottes senkt sich in die Gegenwart ein, und es ist, als liege die Zeit in der Umarmung der göttlichen Ewigkeit.

Liebe Brüder und Schwestern, wie jedes Jahr wird sich nach der heiligen Messe die traditionelle eucharistische Prozession durch die Straßen ziehen, und wir werden mit Gebeten und Gesängen ein einstimmiges Bittgebet zum in der konsekrierten Hostie gegenwärtigen Herrn erheben.
Wir werden ihm im Namen der ganzen Stadt sagen:
Bleibe bei uns, Jesus, schenke dich uns und gib uns das Brot, das uns für das ewige Leben Nahrung gibt! Befreie diese Welt vom Gift des Bösen, der Gewalt und des Hasses, das die Gewissen verschmutzt, reinige sie mit der Kraft deiner barmherzigen Liebe.
Und du, Maria, die du in deinem ganzen Leben die »eucharistische Frau« gewesen bist, hilf uns, geeint zum himmlischen Ziel zu gehen, genährt vom Leib und Blut Christi, Brot des ewigen Lebens und Arznei der göttlichen Unsterblichkeit. Amen! 

(B16, Fronleichnam 2009) 

Das eucharistische Wunder von Amsterdam, 2025

Glasfenster mit eucharistischer Anbetung, Geheimnis seiner Herrlichkeit, 2024 

Eucharistischer Segen 

Sei gegrüßt lebendige Opfergabe, Prozession 

Fronleichnam in Malaga, mit Videos und schräger Musik, die Vorbereitungen dafür

Fronleichnamsaltäre in Malaga

Eucharistische Anbetung der Engel, St. Gervais, Paris

Der Esel betet die Eucharistie an, Bavokathedrale, Gent

eucharistischer Segen am Sonntagberg, Gebet Alfons Maria von Liguori 

Das eucharistische Wunder in Bolsena 

Glasfenster in La Salette, Maria empfängt bei ihrem Sterben den Leib des Herrn

Das eucharistische Wunder von Lanciano

 

 

Montag, 1. Juni 2026

Heiligstes Herz Jesu!

 Am 1. Juni, dem Beginn des Herz Jesu Monats, gedenkt die Kirche des hl. Justin.

Kathedrale von Orleans

Herz Jesu Altar, Kathedrale von Orleans

Jesus, gütig und demütig von Herzen,
bilde unser Herz nach Deinem Herzen.


Heiliges Herz Jesu! Quelle alles Guten!
Dich bete ich an, auf dich hoffe ich, dich liebe ich.
Ich bereue alle meine Sünden.
Dir schenke ich dieses mein armes Herz.
Mach es demütig, geduldig, rein und lass es deinem Willen entsprechen.
Gib, o guter Jesus, dass du in mir lebst und ich in dir.
Beschütze mich in Gefahren, tröste mich in Trübsal und Leiden.
Gewähre mir Gesundheit des Leibes und der Seele.
Segne alles, was ich tue, und gewähre mir die Gnade eines heiligen Todes.
Amen.

(Papst Benedikt XV. zugeschreiben) 

Sonntag, 31. Mai 2026

Gebet zur Dreifaltigkeit für die geistlichen Berufungen (Johannes Paul II.)

 

Heiligste Dreifaltigkeit, erbarme Dich unser!

Der „Gnadenstuhl“ ist eine ikonographische Form der Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit: Gottvater hält den gekreuzigten Christus vor sich oder trägt ihn auf seinem Schoß, während zwischen ihnen die Taube des Heiligen Geistes erscheint. Diese Bildform wurde besonders im Spätmittelalter beliebt, weil sie die Einheit der Dreifaltigkeit und zugleich das Erlösungswerk Christi veranschaulicht.

Im Veitsdom befindet sich ein großes Chorfenster, das zwischen 1946 und 1948 nach Entwürfen des tschechischen Künstlers Max Švabinský geschaffen wurde. Im Zentrum dieses Fensters ist die Heilige Dreifaltigkeit als Gnadenstuhl dargestellt. Unter der Dreifaltigkeit erscheinen die vier Evangelisten. Die benachbarten Fenster zeigen die Gottesmutter sowie wichtige böhmische Heilige.

Interessant ist, dass dieses Fenster nicht aus der mittelalterlichen Bauzeit stammt. Die ursprünglichen gotischen Glasfenster des Doms gingen bis auf wenige Fragmente verloren. Die heute sichtbaren Glasfenster entstanden überwiegend zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert im Zuge der Vollendung und Restaurierung des Doms. (chatgpt)


Selige und seligmachende Heiligste Dreifaltigkeit, mache deine Söhne und Töchter selig, die du berufen hast, die Größe deiner Liebe, deiner barmherzigen Güte und deiner Schönheit zu bekennen.

Heiliger Vater
, heilige die Söhne und Töchter, die sich um der Ehre deines Namens willen dir geweiht haben. Begleite sie mit deiner Macht, damit sie bezeugen können, dass du der Ursprung von allem bist, die einzige Quelle der Liebe und der Freiheit. Wir danken dir für das Geschenk des geweihten Lebens, das im Glauben dich sucht und in seiner universalen Sendung alle einlädt, den Weg zu dir zu gehen.

Erlöser Jesus Christus
, menschgewordenes Wort, wie du deine Lebensform jenen anvertraut hast, die du gerufen hast, so ziehe weiterhin Menschen zu dir, die für die Menschheit unserer Zeit Hüter der Barmherzigkeit, Vorboten deiner Wiederkunft, lebendiges Zeichen der Güter der künftigen Auferstehung sein sollen. Keine Bedrängnis trenne sie von dir und von deiner Liebe!

Heiliger Geist
, in die Herzen ausgegossene Liebe, die du Geist und Sinn, Gnade und Inspiration schenkst, ewige Lebensquelle, die du durch die zahlreichen Charismen die Sendung Christi vollendest, wir bitten dich für alle Personen des geweihten Lebens. Erfülle ihr Herz mit der innigen Gewissheit, dazu auserwählt worden zu sein, um zu lieben, zu loben und zu dienen. Lab sie deine Freundschaft kosten, erfülle sie mit deiner Freude und mit deinem Trost, hilf ihnen, Momente der Schwierigkeit zu überwinden und nach dem Fall in Vertrauen wieder aufzustehen, mache sie zum Spiegel der göttlichen Schönheit. Gib ihnen den Mut, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, und die Gnade, den Menschen die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Retters Jesus Christus zu bringen (vgl. Tit 3,4).

 Anrufung der Jungfrau Maria

112. Maria, Sinnbild der Kirche, Braut ohne Falte und Makel, die, indem sie dich nachahmt, »jungfräulich einen unversehrten Glauben, eine feste Hoffnung und eine aufrichtige Liebe bewahrt«, stehe den Personen des geweihten Lebens in ihrem Streben nach der ewigen und einzigen Seligkeit bei.

Dir, Jungfrau der Heimsuchung, vertrauen wir sie an, damit sie auf die Nöte der Menschen einzugehen verstehen, um ihnen Hilfe, vor allem aber Jesus zu bringen. Lehre sie die Wunder zu verkündigen, die der Herr in der Welt vollbringt, damit alle Völker seinen Namen rühmen. Stehe ihnen bei in ihrer Arbeit für die Armen, die Hungernden, die Hoffnungslosen, die Geringsten und für alle, die mit aufrichtigem Herzen deinen Sohn suchen. An dich, Mutter, die du die geistliche und apostolische Erneuerung deiner Söhne und Töchter in der Antwort der Liebe und der Ganzhingabe an Christus willst, wenden wir uns vertrauensvoll mit unserem Gebet.

Du, die du bereit im Gehorsam, mutig in der Armut, empfangsbereit in der fruchtbaren Jungfräulichkeit den Willen des Vaters erfüllt hast, erwirke von deinem göttlichen Sohn, dass alle, die die Gabe empfangen haben, ihm im geweihten Leben zu folgen, von ihm mit einer verklärten Existenz Zeugnis geben können, indem sie mit allen anderen Brüdern und Schwestern voll Freude auf die himmlische Heimat und auf das nie erlöschende Licht zugehen.

Wir bitten Dich darum, dass der höchste Herr aller Dinge, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in allen und in allem verherrlicht, gepriesen und geliebt werde.
(Johannes Paul II., vita consecrata)

Dreifaltigkeitsdarstellung eines Gnadenstuhls im Prager Veitsdom

Das Kreuzzeichen umfaßt dein ganzes Wesen

 

Dreifaltigkeitsdeckenfresko in der Stiftskirche St. Paul im Lavanttal

DREIFALTIGKEITSSONNTAG

BENEDIKT XVI., ANGELUS

Petersplatz, Sonntag, 30. Mai 2010

Liebe Brüder und Schwestern!

Nach der Osterzeit, die am vergangenen Sonntag mit dem Pfingstfest ihren Abschluß gefunden hat, ist die Liturgie zum »Jahreskreis« zurückgekehrt. Dies will aber nicht heißen, daß der Einsatz der Christen geringer werden darf. Im Gegenteil: Wir sind durch die Sakramente in das göttliche Leben eingetreten und so tagtäglich aufgerufen, für das Wirken der Gnade offen zu sein, um in der Liebe zu Gott und zum Nächsten voranzuschreiten. Der heutige Dreifaltigkeitssonntag faßt in gewissem Sinne die Offenbarung Gottes zusammen, die sich in den österlichen Geheimnissen ereignet hat: Tod und Auferstehung Christi, seine Himmelfahrt zur Rechten des Vaters und die Ausgießung des Heiliges Geistes. Der Geist und die Sprache des Menschen reichen nicht aus, um die zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist bestehende Beziehung zu erklären, und dennoch haben die Kirchenväter versucht, das Geheimnis des dreieinigen Gottes zu veranschaulichen, indem sie es in ihrem eigenen Dasein mit tiefem Glauben gelebt haben.

Die göttliche Dreifaltigkeit nämlich nimmt in uns Wohnstatt am Tag der Taufe: »Ich taufe dich« – sagt der geweihte Diener Gottes – »im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« Des Namens Gottes, in dem wir getauft sind, gedenken wir jedesmal, wenn wir uns bekreuzigen.

Der Theologe Romano Guardini merkt zum Kreuzzeichen an: »Wir machen es vor dem Beten, damit es uns ordne und sammle, Gedanken und Herz und Willen in Gott fasse. Nach dem Gebet, damit in uns bleibe, was Gott uns geschenkt hat… Dann umfaßt es dein ganzes Wesen, Gestalt und Seele… Alles wird darin gestärkt, gezeichnet, geweiht, in der Kraft Christi, im Namen des dreieinigen Gottes« (Vom Geist der Liturgie, Freiburg 1918; Ostfildern-Paderborn 2007).

Im Kreuzzeichen und im Namen des lebendigen Gottes ist daher die Verkündigung enthalten, die den Glauben erweckt und das Gebet beseelt. Und wie Jesus es im Evangelium den Aposteln verheißt: »Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen« (Joh 16,13), so geschieht dies in der sonntäglichen Liturgie, wenn die Priester von Woche zu Woche das Brot des Wortes und der Eucharistie austeilen.
Auch der hl. Pfarrer von Ars rief dies seinen Gläubigen in Erinnerung: »Wer hat Eure Seele – so sagte er – beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester« (Schreiben zum Beginn des Priester-Jahres; 26.6.2009).

Liebe Freunde, machen wir uns das Gebet des hl. Hilarius von Poitiers zu eigen: »Bewahre … unversehrt diese Ehrfurcht meines Glaubens; und bis zum Scheiden meines Geistes gib mir diese Bekundung meines Wissens, daß ich immer festhalte, was ich in der Glaubensregel bei meiner Wiedergeburt feierlich bekannte, als ich getauft wurde im Vater und Sohn und Heiligen Geist« (De Trinitate, XII, 57, CCL 62/A, 627).
Wir rufen zur seligen Jungfrau Maria, dem ersten Geschöpf, in dem die Heiligste Dreifaltigkeit ganz ihre Wohnstatt genommen hat, und bitten um ihren Schutz, um unsere Pilgerschaft auf Erden gut fortzusetzen.

Stiftskirche St. Paul im Lavanttal

Samstag, 30. Mai 2026

Johanna von Orleans - sie bricht zum König auf (2/10)

 

Aufbruch v. Jeanne d´Arc nach Chinon, Kathedrale von Orleans
 

Aus tiefem Mitgefühl für das Königreich Frankreich fühlte sie sich berufen, den König aufzusuchen.Im Februar 1429 erklärte Jeanne:

„Ich muss zum edlen Dauphin gehen. So will es der König des Himmels. Selbst wenn ich den ganzen Weg auf den Knien zurücklegen müsste, werde ich gehen.

In Vaucouleurs erklärte sich Robert de Baudricourt schließlich bereit, ihr die Reise zu ermöglichen. Nach einem zehntägigen Ritt durch das von den burgundischen Verbündeten Englands beherrschte Gebiet erreichte sie Chinon, wo sie dem Dauphin begegnete, dem späteren König Karl VII.

 

Jeanne d´Arc

Johanna hört himmlische Stimmen (Fenster in Orleans), vita,  1/10 

Statue in Notre Dame de Paris 

Statue im Haus der hl. Therese Les Buissonnets, Lisieux 

an ihrem Hinrichtungsort in Rouen

Heute gedenkt die Kirche auch des Königs Ferdinand III. von Kastilien und des
Priesters und Märtyrers Otto Neururer

in der Pfarrkirche Peter und Paul, wo seine Asche aufbewahrt wird,

Gedenkstätte im Innsbrucker Dom

Sainte-Croix d’Orléans, Kathedrale

Freitag, 29. Mai 2026

Paul VI - das Dokument, das die Liturgie "erneuerte"

Vogel macht sich Worte Paul VI. zu eigen, 2024

Papst Paul VI. (Portrait in Castel Gandolfo, Heiligsprechung durch Papst Franziskus), 2018

Am Grab des hl. Papstes Paul VI. (er erklärt Maria zur Mutter der Kirche) . 2019

Gedanken über den Tod (Paul VI.) und ein Merzedes als Dienstauto, 2020

aus Marialis Cultus, über das Rosenkranzgebet, 2021 

Bronzetür der Primatskapelle in Tabgha,
die der Pastoralbesuche Paul VI. (1964) und Johannes Paul II. (2000) gedenkt;
Jesus als guter Hirt, den Petrus den Schlüssel übergibt, Brotvermehrung und Abendmahl


Paul VI., Tabgha

APOSTOLISCHE KONSTITUTION

MISSALE ROMANUM

EINFÜHRUNG DES GEMÄSS BESCHLUSS  DES ZWEITEN VATIKANISCHEN KONZILS
ERNEUERTEN RÖMISCHEN MESSBUCHES

PAULUS BISCHOF

DIENER DER DIENER GOTTES ZUM IMMERWÄHRENDEN GEDÄCHTNIS

Das Römische Meßbuch, auf Grund eines Beschlusses des Konzils von Trient von Unserem Vorgänger, dem heiligen Pius V., im Jahre 1570 herausgegeben (Vgl. Apostolische Konstitution Quo primum vom 14.7.1570.), gehört nach allgemeinem Urteil zu den vielen und segensreichen Ergebnissen, die dieses Konzil für die gesamte Kirche Christi zeitigte. Vier Jahrhunderte lang haben Priester des lateinischen Ritus sich seiner als Norm zur Feier des eucharistischen Opfers bedient, und Glaubensboten haben es in fast alle Länder gebracht. Zahllose heilige Menschen haben für ihr geistliches Leben aus seinen Schriftlesungen und Gebeten in reichem Maß wertvolle Anregungen geschöpft, aus jenen Texten also, deren Ordnung im wesentlichen auf Gregor den Großen zurückgeht.

Seit geraumer Zeit hat sich nun aber im christlichen Volk eine liturgische Erneuerung in steigendem Maße entfaltet, die nach einem Wort Unseres Vorgängers Pius XII. als Walten der Vorsehung Gottes gegenüber den Menschen unserer Zeit und als gnadenvolles Wirken des Heiligen Geistes in seiner Kirche (Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Pastoralliturgischen Kongresses zu Assisi am 22.9.1956: AAS 48 (1956), S.712.) anzusehen ist. Diese Erneuerungsbewegung hat weithin deutlich werden lassen, daß die Texte des Römischen Meßbuches einer Überarbeitung und Erweiterung bedürfen. Einen Anfang machte Unser Vorgänger Pius XII. durch die Neuordnung der Osternacht und der Karwoche (Vgl. Ritenkongregation, Dekret Dominicae Resurrectionis vom 9.2.1951: AAS 43 (1951), S.128 ff.; Dekret Maxima redemptionis nostrae mysteria vom 16.11.1955: AAS 47 (1955), S.838 ff.), womit er gleichsam den ersten Schritt tat, um das Römische Meßbuch dem Empfinden unserer Zeit anzupassen.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat mit der Konstitution Sacrosanctum Concilium die Grundlage für eine allgemeine Erneuerung des Römischen Meßbuches gelegt. Nach seinen Bestimmungen sollen Texte und Riten so geordnet werden, daß sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen (II. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium Art. 21.); Der Meßordo soll so überarbeitet werden, daß der eigentliche Sinn der einzelnen Teile und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten und die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen erleichtert wird. (Vgl. ebd. Art. 50.) Damit den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Ferner beschloß das Konzil, daß ein neuer Konzelebrationsritus geschaffen und in das Römische Pontifikale und Missale eingefügt werde. (Vgl. ebd. Art. 57.)

Diese Erneuerung des Römischen Meßbuches ist jedoch nicht plötzlich und unvorbereitet gekommen. Ihr haben die Ergebnisse der liturgiewissenschaftlichen Arbeiten während der letzten vier Jahrhunderte den Weg bereitet. Wie aus der Apostolischen Konstitution Quo primum Unseres Vorgängers, des heiligen Pius V., hervorgeht, hatten schon nach dem Konzil von Trient zur Revision des Römischen Meßbuches das Studium und der Vergleich der alten Handschriften, die sich in der Vatikanischen Bibliothek befanden oder die von überall her hinzugezogen wurden, nicht wenig beigetragen. Inzwischen sind sowohl älteste liturgische Quellen neu erschlossen und veröffentlicht wie auch Texte der Ostkirchen eingehender untersucht worden. Es ergab sich bei vielen der Wunsch, die dort vorhandenen Reichtümer des Glaubens und der Frömmigkeit nicht länger im Dunkel der Bibliotheken verborgen zu halten, sondern ans Licht zu bringen, um Herz und Sinn der Christen zu erleuchten und zu nähren.

Wir möchten im folgenden die Neuordnung des Römischen Meßbuches wenigstens in den Grundzügen beschreiben. Zunächst sei die Allgemeine Einführung erwähnt, die gleichsam die Einleitung des Buches bildet. In ihr werden die neuen Richtlinien für die Feier des eucharistischen Opfers dargelegt, die sich auf die Handlungen und Dienste eines jeden Teilnehmers sowie auf alles, was zur heiligen Feier sachlich und räumlich notwendig ist, beziehen. Die bedeutendste Neuerung betrifft wohl das eucharistische Hochgebet.

Zwar sind im römischen Ritus für den ersten Teil dieses Gebetes, die Präfation, im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Texte geschaffen worden; der zweite Teil hingegen, der Kanon genannt wurde, erhielt in der Zeit vom 4. zum 5. Jahrhundert eine unveränderliche Form. Im Gegensatz hierzu ließen die ostkirchlichen Liturgien eine gewisse Abwechslung von Anaphoren zu. Gemäß Unserer Anordnung ist nun das eucharistische Hochgebet durch eine größere Anzahl von Präfationen bereichert worden, die teils der alten Tradition der römischen Kirche entnommen, teils neu verfaßt sind, um so die verschiedenen Aspekte des Heilsmysteriums deutlicher werden zu lassen und zahlreichere Motive der Danksagung anzuführen. Außerdem haben Wir für das Hochgebet drei neue Texte hinzufügen lassen. Aus pastoralen Gründen und zur Erleichterung der Konzelebration haben Wir verfügt, daß die Herrenworte in allen Fassungen des Kanons die gleichen seien. Wir bestimmen also, daß sie in jedem eucharistischen Hochgebet folgendermaßen lauten. Über das Brot: „Nehmet und esset alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Über den Kelch: „Nehmet und trinket alle daraus, das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Die vom Priester gesprochenen Worte „Geheimnis des Glaubens“ werden aus dem Kontext der Herrenworte gelöst und als Einleitung einer Akklamation der Gläubigen verwendet.

Was den Ordo Missae betrifft, sind die Riten unter Wahrung ihrer Substanz einfacher geworden. (Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium Art. 50.) Es entfiel, was im Laufe der Zeit verdoppelt oder weniger glücklich eingefügt worden ist (Vgl. ebd. Art. 50.), vor allem bei der Bereitung von Brot und Wein sowie bei der Brotbrechung und der Kommunion.

Hingegen wurde wiederhergestellt nach der ehrwürdigen Norm der Väter, was durch die Ungunst der Zeiten verlorengegangen war. (Vgl. ebd. Art. 50.) Hierher gehören die Homilie (Vgl. ebd. Art. 52.), das „Allgemeine Gebet“ oder „Gebet der Gläubigen“ (Vgl. ebd. Art. 53.) und zu Beginn der Messe ein „Schuldbekenntnis“ oder „Ritus der Versöhnung mit Gott und den Brüdern“, der die ihm zukommende Bedeutung zurückerhielt.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat ferner angeordnet, daß innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volke vorgetragen werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Dementsprechend wurden die an den Sonntagen zu verlesenden Perikopen auf eine Drei-Jahres-Ordnung verteilt. Überdies ist an allen festlichen Tagen der Epistel- und Evangelienlesung eine weitere Lesung aus dem Alten Testament – in der Osterzeit aus der Apostelgeschichte – vorausgestellt. Auf diese Weise wird die Dynamik der Heilsgeschichte durch Gottes Offenbarungswort klarer ins Licht gerückt. Diese Fülle biblischer Lesungen, die an den Sonn- und Feiertagen den größeren Teil der Heiligen Schrift den Gläubigen nahebringt, wird durch weitere Teile der heiligen Bücher, die an den anderen Tagen verkündet werden, ergänzt.

Diese Neuordnungen zielen darauf hin, bei den Gläubigen jenes Verlangen nach dem Worte Gottes(Vgl. Amos 8,11.) zu steigern, wodurch das Volk des Neuen Bundes unter Leitung des Heiligen Geistes zur vollkommenen Einheit der Kirche hingeführt wird. Wir hegen die feste Zuversicht, daß Priester und Gläubige sich auf Grund dieser Erneuerung besser für das Herrenmahl bereiten und durch größere Vertrautheit mit der Heiligen Schrift tiefer in das Verständnis des Gotteswortes eindringen. Die Heiligen Schriften sollen so – entsprechend den Mahnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils – für alle zum gleichsam nie versiegenden Quell geistlichen Lebens, zur Grundlage der Glaubensunterweisung und zum Herzstück aller theologischen Lehre werden.

Bei der Erneuerung des Römischen Meßbuches sind aber nicht nur die bisher erwähnten drei Teile (das eucharistische Hochgebet, der Ordo Missae und die Leseordnung) geändert worden; auch die anderen sind überprüft und erheblich verändert worden: die Eigenmessen des Herrenjahres, die Eigenmessen für die Gedenktage der Heiligen, die Commune-Texte für die Gedenktage der Heiligen, die Messen zu bestimmten Feiern und die Votivmessen. Dabei wurde besondere Sorgfalt auf die Orationen verwandt; sie wurden nicht nur zahlenmäßig vermehrt, damit neue Orationen den neuen Bedürfnissen unserer Zeit entsprechen, sondern es wurden auch die alten Orationen an Hand der Quellen überprüft. So wurde es auch möglich, für die Wochentage der liturgischen Hauptzeiten, der Advents-, Weihnachts-, Fasten- und Osterzeit, jeweils eigene Orationen anzugeben.

Was schließlich die Texte des Graduale Romanum betrifft, bleiben sie – wenigstens für den Gesangsvortrag – unverändert. Um ein besseres Verständnis der Texte zu erreichen, wurde der Antwortpsalm, von dem bei Augustinus und Leo dem Großen oft die Rede ist, wieder eingeführt. Auch wurden für Meßfeiern ohne Gesang Eröffnungs- und Kommunionverse, soweit angebracht, neu geschaffen.

Zum Abschluß möchten Wir nach allem, was Wir bis jetzt über das neue Römische Meßbuch gesagt haben, noch auf einen Gedanken besonders hinweisen. Als Unser Vorgänger Pius V. die erste Ausgabe des Römischen Meßbuches veröffentlichte, bot er es dem christlichen Volk gleichsam als Hilfe zur Einheit in der Liturgie und als Ausdruck echten und frommen Gottesdienstes in der Kirche dar. Der Anordnung des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, haben Wir zwar im neuen Meßbuch berechtigter Vielfalt und Anpassung (Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium Art. 38-40). ihren Platz zuerkannt; dennoch geben auch Wir der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Buch von den Gläubigen als eine Hilfe zur gegenseitigen Bezeugung und Stärkung der Einheit angenommen werde. Durch seine Verwendung soll in der Mannigfaltigkeit vieler Sprachen aus den Herzen aller ein und dasselbe Gebet, das Gott wohlgefälliger ist als Weihrauch, zum himmlischen Vater durch unseren Hohenpriester Jesus Christus im Heiligen Geiste emporsteigen.

Die Bestimmungen dieser Konstitution treten am 30. November, dem ersten Adventssonntag dieses Jahres, in Kraft.

Unsere Anordnungen und Vorschriften sollen jetzt und in Zukunft gültig und rechtskräftig sein, unter Aufhebung jedweder entgegenstehender Konstitutionen und Verordnungen Unserer Vorgänger sowie aller übrigen Anweisungen, welcher Art sie auch seien.

Gegeben zu St. Peter in Rom, am 3. April, Gründonnerstag 1969, im sechsten Jahre Unseres Pontifikates.

PAULUS PP. VI.


Primatskapelle in Tabgha