Mittwoch, 9. September 2026

Am Grab der seligen Maria Euthymia Üffing am Zentralfriedhof Münster

 


Euthymia Üffing, Ordensfrau. Emma Üffing wurde 1914 in Halverde in Norddeutschland geboren und trat mit 20 Jahren in den Orden der Clemensschwestern in Münster ein. Sie erhielt den Namen Euthymia und wurde zur Krankenschwester ausgebildet. In diesem Beruf arbeitete sie ab 1936 und pflegte während des Krieges Ansteckend-Kranke, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, was ihr den Beinamen „Engel der Liebe“ eintrug. Ab 1948 wirkte Schwester Euthymia wieder in Münster als Leiterin der Wäscherei des Mutterhauses, sie verbrachte viel Zeit im Gebet. Schwester Euthymia Üffing starb im Alter von 41 Jahren am 9. September 1955 an Krebs. Schon an ihrem offenen Sarg ereignete sich die wunderbare Heilung der verbrannten und zerquetschten Hand einer Mitschwester. Seither bezeugen 150.000 Briefe im Mutterhaus der Clemensschwestern die Fürsprache von Schwester Euthymia. Papst Johannes Paul II. sprach den „Engel der Liebe“ am 7. Oktober 2001 selig.
(Martyrologium Sancrucense)

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Petrus Claver. 

 

Grabkapelle der sel. Schwester Maria Euthymia Üffing, Zentralfriedhof Münster





Grab der Seligen Euthymia Üffing


Grabkapelle der sel. Maria Euthymia Üffing





»Hier in Münster habt Ihr die Wirkstätten und das Grab der Clemensschwester Maria Euthymia, zu der Scharen von Hilfe Suchenden pilgern. An den scheinbar verborgenen Orten ihres aufopfernden Dienstes hat diese einfache Ordensfrau stellvertretend für viele gezeigt, ein Leben aus dem Glauben und dem Evangelium hat weltverändernde Kraft. Aus der Kraft ihrer Christusnachfolge entstand in ihrer Nähe Heimat und Geborgenheit für kriegsgefangene Menschen, die ihr anvertraut waren. Liebe besiegt den Hass« (Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Münster am 01. Mai 1987).

Emma Üffing, so der bürgerliche Name von Schwester M. Euthymia, wurde am 08. April 1914 in Halverde, Kreis Steinfurt, geboren und am gleichen Tag in der Pfarrkirche zu Halverde getauft. Als Kind aus zweiter Ehe der Eltern August Üffing und Maria Schnitt wuchs Emma mit zehn Geschwistern in dörflicher Umgebung auf. Die tief-religiöse kinderreiche Familie und das kirchliche Leben prägten ihre Kindheit und Jugend. Eine Rachitiserkrankung verzögerte ihre körperliche Entwicklung. Sie blieb schwächlich. Dennoch beklagte sie sich niemals, empörte sich nicht, wenn ihr Unrecht widerfuhr, sondern nahm den Geschwistern unangenehme Arbeiten ab, wo immer sie konnte. Sie besuchte die Volksschule Halverde. Auch hier musste sie sich anstrengen. Durch Fleiß und Ausdauer erwarb sie sich das Zeugnis einer guten Schülerin, die fast immer den zweiten Platz in der Schule erreichte.

Am 27. April 1924 empfing Emma die erste hl. Kommunion und am 03. September des gleichen Jahres die Firmung aus der Hand von Bischof Johannes Poggenburg. Sie feierte täglich die hl. Messe mit, war ein frommes und stilles, aber frohes Kind, das durch die andächtige Haltung beim Gebet auffiel. Bereits mit 14 Jahren äußerte Emma den Wunsch, Ordensschwester zu werden.

Am 01. November 1931 begann sie ihre Berufsausbildung als Hauswirtschaftslehrling im nahegelegenen St. Anna-Hospital, Hopsten. Hier lernte sie die Barmherzigen Schwestern von Münster, Clemensschwestern, kennen. Die Oberin des Hauses, Schwester Euthymia Linnenkämper, schätzte Emma Üffings stets hilfsbereite und einsatzfreudige Art. Eine Mitschülerin bezeugt: »Keine Arbeit war Emma Üffing zu klein und zu gering. Von allen im Haus wurde sie geschätzt und geachtet. Nie sah man sie verstimmt oder verdrießlich. Darum war sie überall gern gesehen«. Am 08. Dezember 1932 starb Emmas Vater. Tage zuvor kam sie ins Elternhaus, um der Mutter bei der Pflege des schwerkranken Vaters zu helfen. Es war das erste Mal, dass Emma einem Kranken beistehen durfte und sie bei der Spendung der Krankensakramente dabei war; ein Dienst, den sie später noch so oft am Bett von sterbenden Menschen erfüllen sollte.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung am 01. Mai 1933 kehrte Emma ins Elternhaus zurück. Im Einverständnis mit der Mutter bat sie im März 1934 durch einen Brief an das Mutterhaus in Münster um Aufnahme in die Kongregation der Clemensschwestern. Emma, damals 20 Jahre alt, war aufgrund ihrer frühen Rachitiserkrankung von schwächlicher Konstitution, wie das ärztliche Gesundheitszeugnis bestätigt. Nach anfänglichem Zögern beschloss die Ordensleitung in Münster, ihrem Antrag zuzustimmen. Am 23. Juli 1934 trat Emma Üffing, als eine von 47 Postulantinnen, in die Kongregation der Clemensschwestern in Münster ein. Sie erhielt den Namen Euthymia, den sie sich in Erinnerung an die damalige Oberin Euthymia Linnenkämper in Hopsten so sehnlichst gewünscht hatte. Das Ziel ihrer großen Sehnsucht nach einem Leben für Gott und die Menschen erfüllte sich, als sie am 11. Oktober 1936 ihre zeitlichen Gelübde ablegte. Auf diesen Tag hatte sie sich in der Zeit des Postulates und Noviziates intensiv und gewissenhaft vorbereitet. Freudig teilt sie ihrer Mutter im Brief mit: »Ich habe ihn gefunden, den meine Seele liebt, ich will ihn festhalten und nicht mehr von mir lassen« (vgl. Hld. 3, 4).

Am 30. Oktober 1936 wurde Schwester M. Euthymia zum Vinzenz-Hospital nach Dinslaken versetzt. Nach kurzer Tätigkeit in der Frauenstation betreute sie die Kranken der Isolierstation, die, in einer Holzbaracke untergebracht, den Namen der heiligen Barbara trug. Mit der ihr eigenen Zähigkeit und Gründlichkeit bereitete sie sich für die Krankenpflege auf theoretische und praktische Prüfungen vor. Am 03. September 1939 erhielt sie das Diplom einer Krankenschwester mit der Note »sehr gut«. Ein Jahr später, am 15. September 1940, bindet Schwester M. Euthymia sich endgültig an Gott und die Gemeinschaft in ihrer Ewigen Profess.

Die Not in der Zeit des Krieges erschwerte die Arbeit in der Krankenpflege. 1943 wurde Schwester M. Euthymia die Pflege der kranken Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter anvertraut, insbesondere Engländer, Franzosen, Russen, Polen, Ukrainer. Sie widmete sich der Betreuung mit unermüdlicher Sorge und Herzlichkeit. Der französische Priester Emile Eche, der selbst als Kriegsgefangener mehrere Jahre im Krankenhaus in Dinslaken lebte, stellt ihr ein hervorragendes Zeugnis aus: Im Umgang mit den Kranken war sie von einer herzlichen Liebe und Freundlichkeit, nichts wurde ihr zuviel. Sie wusste, dass die kranken Gefangenen nicht nur körperlich viele Leiden zu ertragen hatten. Durch ihre menschliche Zuneigung und Nähe vermittelte sie ihnen das Gefühl der Geborgenheit und Heimat. Sie betete mit den Kranken und sorgte, dass sie die heiligen Sakramente empfangen konnten.
Man nannte Schwester M. Euthymia schon bald den »Engel von St. Barbara«.
Viele Menschen in ihrer Umgebung sahen in den kranken Kriegsgefangenen den Gegner und Feind. Für Schwester M. Euthymia waren es Menschen, die ihre Hilfe brauchten. Als sie bemerkte, dass Kriegsgefangene, vom Hunger getrieben, sogar in den Mülltonnen wühlten, bettelte sie um Brot, bereitete Butterbrote und legte sie in die zuvor gesäuberten Mülltonnen, damit die Hungrigen sie finden konnten. 

Sie tat das Gute, auch unter Androhung von Strafe. »Schwester M. Euthymias Leben war ein Gesang der Hoffnung mitten im Krieg«, sagt Emile Eche.
Nach Beendigung des Krieges wurde Schwester M. Euthymia, die so leidenschaftlich in der Krankenpflege tätig gewesen war, die Leitung der Wäscherei in Dinslaken anvertraut und drei Jahre später der groen Wäscherei des Mutterhauses und der Raphaelsklinik in Münster. Obwohl sie den Dienst an den Kranken so liebte, folgte sie diesem Ruf wie selbstverständlich. »Es ist ja alles für den großen Gott«, war ihre Reaktion.

Trotz der Überfülle ungeheuer anstrengender Arbeit blieb sie die freundliche und immer hilfsbereite Ordensfrau, die für jeden ein freundliches Lächeln und ein gutes Wort hatte und allen, die sie in irgendeiner Angelegenheit um Hilfe baten, auch zur Seite stand. Sie lebte das Alltägliche auf ganz außerordentliche Weise. Alle freie Zeit, die oft nur knapp bemessen war, verbrachte sie betend vor dem Tabernakel. Viele, die sie kannten, baten sie schon damals um ihr fürbittendes Gebet.
Eine schwere Krebserkrankung führte nach wochenlangem Krankenlager zum frühen Tod von Schwester M. Euthymia. Sie starb am Morgen des 09. September 1955. Sofort begann die Verehrung; Menschen - inzwischen weit über Deutschland hinaus - erbitten ihre Fürsprache bei Gott und erfahren Hilfe.
(vaticanva)

Dienstag, 8. September 2026

Mariä Geburt (Papst Benedikt XVI. am 8.12.2012)

 

Fenster der Geburt Mariä, links Prophet Jesaja, rechts Jeremia,



ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS BENEDIKT XVI. AN DIE TEILNEHMER DES 23. INTERNATIONALEN MARIOLOGISCH-MARIANISCHEN KONGRESSES

Hof des Apostolischen Palastes von Castel Gandolfo, Samstag, 8. September 2012

Liebe Brüder und Schwestern,

mit großer Freude heiße ich Sie alle hier in Castel Gandolfo willkommen, gleichsam zum Abschluss des XXIII. Internationalen Mariologischen Marianischen Kongresses. Sehr passend beschäftigen Sie sich mit dem Thema: „Die Mariologie ausgehend vom Zweiten Vatikanischen Konzil. Rezeption, Bilanz und Perspektiven“, da wir uns anschicken, des 50. Jahrestages des Beginns jener großen Versammlung zu gedenken und ihn zu feiern, die am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde.

Ich begrüße herzlich Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und Präsident des Kongresses; Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur und des Koordinierungsrates der Päpstlichen Akademien, ebenso den Präsidenten und die akademischen Autoritäten der Internationalen Marianischen Päpstlichen Akademie, denen mein Dank für die Organisation dieser wichtigen Veranstaltung gilt. Ich grüße die Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, die Präsidenten und Vertreter der anwesenden mariologischen Gesellschaften, die Mariologieforscher und schließlich alle, die an den Arbeiten des Kongresses teilnehmen.

Der selige Johannes XXIII. wollte, dass das Ökumenische Zweite Vatikanische Konzil gerade am 11. Oktober eröffnet werde, am selben Tag, an dem im Jahr 431 das Konzil von Ephesus Maria als „Theotokos“, als Gottesgebärerin und Mutter Gottes, verkündet hatte (vgl. AAS 54, 1962, 67–68). Bei diesem Anlass begann er seine Ansprache mit bedeutungsvollen und programmatischen Worten:

„Die Mutter Kirche freut sich, weil durch ein besonderes Geschenk der göttlichen Vorsehung nun der so sehr ersehnte Tag angebrochen ist, an dem unter dem Schutz der Jungfrau und Gottesmutter, deren mütterliche Würde heute in festlicher Feier gedacht wird, hier am Grab des heiligen Petrus das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil feierlich seinen Anfang nimmt.“

Wie Sie wissen, wird am kommenden 11. Oktober zur Erinnerung an jenes außergewöhnliche Ereignis das Jahr des Glaubens feierlich eröffnet, das ich mit dem Motu proprio Porta fidei ausgerufen habe. Darin stelle ich Maria als beispielhaftes Vorbild des Glaubens vor und erbitte ihren besonderen Schutz und ihre Fürsprache auf dem Weg der Kirche. Ihr, die selig ist, weil sie geglaubt hat, vertraue ich diese Zeit der Gnade an.

Auch heute, liebe Brüder und Schwestern, freut sich die Kirche in der liturgischen Feier der Geburt der seligen Jungfrau Maria, der ganz Heiligen, der Morgenröte unseres Heils.

Der Sinn dieses Marienfestes wird uns von dem heiligen Andreas von Kreta in Erinnerung gerufen, der im 7. und 8. Jahrhundert lebte. In seiner berühmten Predigt zum Fest der Geburt Mariens stellt er dieses Ereignis als kostbares Teilstück jenes außergewöhnlichen Mosaiks dar, das der göttliche Heilsplan für die Menschheit ist:

„Das Geheimnis des Gottes, der Mensch wird, die Vergöttlichung des vom Wort angenommenen Menschen, stellen die Summe der Güter dar, die Christus uns geschenkt hat, die Offenbarung des göttlichen Planes und die Niederlage jeder anmaßenden menschlichen Selbstgenügsamkeit. Das Kommen Gottes zu den Menschen als strahlendes Licht und als klare und sichtbare göttliche Wirklichkeit ist das große und wunderbare Geschenk des Heils, das uns zuteilwird. Die heutige Feier ehrt die Geburt der Gottesmutter. Doch die wahre Bedeutung und das Ziel dieses Ereignisses ist die Menschwerdung des Wortes. Denn Maria wird geboren, gestillt und erzogen, um die Mutter des Königs der Zeiten, Gottes, zu sein.“ (Rede I: PG 97, 806–807).

Dieses wichtige und alte Zeugnis führt uns mitten hinein in das Thema, über das Sie nachdenken und das das Zweite Vatikanische Konzil bereits im Titel des VIII. Kapitels der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen gentium hervorheben wollte: „Die selige Jungfrau Maria, die Gottesgebärerin, im Geheimnis Christi und der Kirche.“

Es geht um den „nexus mysteriorum“, um den inneren Zusammenhang zwischen den Geheimnissen des christlichen Glaubens. Das Konzil hat diesen Zusammenhang als Horizont aufgezeigt, innerhalb dessen die einzelnen Elemente und die verschiedenen Aussagen des Schatzes des katholischen Glaubens verstanden werden sollen.

Während des Konzils, an dem ich als junger Theologe als Berater teilnahm, hatte ich Gelegenheit, die verschiedenen Weisen zu beobachten, wie die Fragen nach der Gestalt und der Rolle der seligen Jungfrau Maria in der Heilsgeschichte behandelt wurden.

In der zweiten Sitzungsperiode des Konzils forderte eine große Gruppe von Konzilsvätern, Maria innerhalb der Konstitution über die Kirche zu behandeln, während eine ebenso große Gruppe die Notwendigkeit eines eigenen Dokuments vertrat, das die Würde, die Vorrechte und die einzigartige Rolle Marias im von Christus vollbrachten Erlösungswerk angemessen hervorheben sollte.

Mit der Abstimmung vom 29. Oktober 1963 wurde beschlossen, dem ersten Vorschlag zu folgen. Der Entwurf der Dogmatischen Konstitution über die Kirche wurde um das Kapitel über die Gottesmutter erweitert. In diesem Kapitel erscheint die Gestalt Marias, neu gelesen und dargestellt ausgehend vom Wort Gottes, von den Texten der patristischen und liturgischen Tradition sowie von der umfassenden theologischen und geistlichen Reflexion, in ihrer ganzen Schönheit und Einzigartigkeit und zugleich eng eingefügt in die grundlegenden Geheimnisse des christlichen Glaubens.

Maria, deren Glaube an erster Stelle hervorgehoben wird, wird im Geheimnis der Liebe und der Gemeinschaft der Allerheiligsten Dreifaltigkeit verstanden. Ihre Mitwirkung am göttlichen Heilsplan und an der einzigen Mittlerschaft Christi wird klar bekräftigt und in das rechte Licht gerückt. Dadurch wird sie zu einem Vorbild und Orientierungspunkt für die Kirche, die in ihr sich selbst, ihre eigene Berufung und ihre Sendung erkennt.

Die Volksfrömmigkeit, die sich seit jeher Maria zuwendet, wird schließlich durch biblische und patristische Bezüge genährt.

Gewiss hat der Konzilstext nicht alle Fragen erschöpfend behandelt, die sich auf die Gestalt der Gottesmutter beziehen. Er bildet jedoch den wesentlichen hermeneutischen Horizont für jede weitere Reflexion, sowohl theologischer Art als auch auf einer eigentlicher geistlichen und pastoralen Ebene.

Darüber hinaus stellt er einen kostbaren Gleichgewichtspunkt dar, der stets notwendig ist: zwischen der theologischen Rationalität und der gläubigen Empfindung.

Die einzigartige Gestalt der Gottesmutter muss aus verschiedenen und einander ergänzenden Perspektiven erfasst und vertieft werden. Während der via veritatis, dem Weg der Wahrheit, stets ihre Gültigkeit und Notwendigkeit zukommt, kann man nicht darauf verzichten, auch die via pulchritudinis, den Weg der Schönheit, und die via amoris, den Weg der Liebe, zu beschreiten, um Marias kristallklaren und festen Glauben, ihre Liebe zu Gott und ihre unerschütterliche Hoffnung noch tiefer zu entdecken und zu betrachten.

Aus diesem Grund habe ich im Apostolischen Schreiben Verbum Domini dazu eingeladen, auf dem vom Konzil vorgezeichneten Weg weiterzugehen (vgl. Nr. 27). Diese Einladung richte ich herzlich auch an Sie, liebe Freunde und Forscher.

Bringen Sie Ihren sachkundigen Beitrag zur Reflexion und zu pastoralen Vorschlägen ein, damit das bevorstehende Jahr des Glaubens für alle, die an Christus glauben, zu einer wahren Zeit der Gnade werden kann. Möge dabei der Glaube Marias uns vorangehen und uns begleiten – als leuchtendes Leuchtfeuer und als Vorbild christlicher Fülle und Reife, auf das wir vertrauensvoll schauen können und aus dem wir Begeisterung und Freude schöpfen können, um unsere Berufung als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern in Christus und als lebendige Glieder seines Leibes, der die Kirche ist, mit immer größerem Einsatz und immer größerer Konsequenz zu leben.

Ich vertraue Sie alle und Ihr Bemühen um wissenschaftliche Forschung dem mütterlichen Schutz Marias an und erteile Ihnen einen besonderen Apostolischen Segen.

Danke.

der künftige Bräutigam Josef

Notre Dame de la Chapelle - Brüssel

Montag, 7. September 2026

Am Geburtsort von John/Johannes Ogilvie in Schottland

 

Gedenktag der seligen und heiligen Märtyrer des Grazer Jesuitenkollegs:

Johannes Ogilvie, Markus Crisin, Stephan Pongracz, Melchior Grodecz und Jan Sarkander.

Die Märtyrer von Kosice

Bild des hl. John Ogilvie von Peter Howson in der Sakramentskapelle von St Andrews RC, Glasgow


St Thomas RC - Keith

hl. John Ogilvie, bitte für uns!
„Betet, Brüder und Schwestern,
dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, wohlgefalle.“

John Ogilvie wurde 1579 in Drum-Na-Keith bei Keith in Banffshire, Schottland, geboren. Seine adlige schottische Familie war teils katholisch und teils presbyterianisch. Sein Vater erzog John im calvinistischen Glauben und schickte ihn zur Ausbildung auf den europäischen Kontinent.

Dort begann er sich für die damals beliebten Diskussionen zwischen katholischen und calvinistischen Gelehrten zu interessieren. Da die Debatten jedoch nur zu Verwirrung führten, wandte sich John der Heiligen Schrift zu. Zwei Bibelstellen wurden für ihn besonders wichtig:

„Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe schenken.“

John kam zu dem Schluss, dass die katholische Kirche alle Menschen aufnehmen könne. Im Alter von 17 Jahren wurde er daher 1596 in Löwen (Louvain), Belgien, in die katholische Kirche aufgenommen.

1610 wurde er als Mitglied des Jesuitenordens zum Priester geweiht. Anschließend wurde er als Missionar nach Schottland geschickt. Aufgrund der dort geltenden Strafgesetze gab er sich als Pferdehändler und Soldat aus, wurde jedoch verraten.

Er wurde vor Gericht gestellt, und sein Prozess zog sich hin, bis er 26 Stunden lang nichts zu essen bekommen hatte. Acht Tage und Nächte lang wurde ihm der Schlaf verweigert. Man schleifte ihn umher, stieß ihn mit spitzen Stöcken und riss ihm die Haare aus. Trotzdem weigerte er sich, die Namen anderer Katholiken preiszugeben.

Er musste sich einem zweiten und einem dritten Prozess stellen, blieb aber standhaft. Selbst auf dem Schafott wurde ihm Freiheit und ein gutes Leben angeboten, wenn er seinem Glauben abschwören würde. Doch er blieb seinem Glauben treu.

Sein Mut während seiner Gefangenschaft und sein Martyrium wurden in ganz Schottland bekannt.

John Ogilvie wurde 1976 heiliggesprochen, nachdem der Glasgower John Fagan auf wundersame Weise von Krebs geheilt worden war. Er war der erste schottische Heilige seit dem Jahr 1250.
(stjohnogilvies, übersetzung chatgpt)

St Thomas RC, Keith

Sonntag, 6. September 2026

Binden und lösen

 

Guter Hirte, führe uns in Dein Reich



Herz-Jesu Kirche, Bregenz
Die Worte binden und lösen besagen: Wen ihr aus eurer Gemeinschaft ausschließen werdet, wird Gott auch aus der Gemeinschaft mit sich ausschließen; wen ihr von neuem in eure Gemeinschaft aufnehmen werdet, wird auch Gott wieder in die Gemeinschaft mit sich aufnehmen. Die Versöhnung mit der Kirche läßt sich von der Versöhnung mit Gott nicht trennen.

(Katechismus der katholischen Kirche, 1445) 

 

Glasfenster der Sakramente, Beichte, Herz-Jesu Kirche, Bregenz

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 18

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15 Wenn dein Bruder gegen dich sündigt,
dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!
Hört er auf dich,
so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
16 Hört er aber nicht auf dich,
dann nimm einen oder zwei mit dir,
damit die ganze Sache
durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen
entschieden werde.
17 Hört er auch auf sie nicht,
dann sag es der Gemeinde!
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht,
dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
18 Amen, ich sage euch:
Alles, was ihr auf Erden binden werdet,
das wird auch im Himmel gebunden sein,
und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,
das wird auch im Himmel gelöst sein.

19 Weiter sage ich euch:
Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten,
werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.

Samstag, 5. September 2026

Die Hingabe an Gott ausdrücken (Mutter Teresa)

 

Liebfrauenkirche, Koblenz

Mit besonderen Gesten und Körperhaltungen können wir unsere Hingabe an Gott besser ausdrücken:
Wir nehmen Weihwasser zum Zeichen für unsere innere Reinigung und den Segen Gottes.

Wir machen das Kreuzzeichen, um zu zeigen, daß wir ganz dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist gehören, daß wir erwählt wurden für ein Leben der Kontemplation und Liebe und daß wir um Schutz bitten gegen die Macht des Fleisches, der Welt und des Teufels.

Wir falten beim Beten die Hände zum Zeichen tiefer Ehrfurcht vor Gott.

Wir knien nieder als Ausdruck der Anbetung, der Bitte, Fürbitte, Demut und Buße.

Wir stehen aufrecht beim liturgischen Gebet als Zeichen, daß unsere Gemeinschaft teilnimmt am Gottesdienst des pilgernden Gottesvolkes, das auf dem Weg zum Vater ist.

Das Stehen ist ferner zeichen unserer Befreiung und Auferstehung in Christus; schließlich drückt es unsere Ehrfurcht, unsere Wachsamkeit und völlige Verfügbarkeit aus.

Wir setzen uns, wenn wir in tiefer Sammlung beten, zum zeichen der Bereitschaft zuzuhören, der Verfügbarkeit, Vertraulichkeit, Beschauung und des liebenden Vertrauens auf Gott.

Wir beugen uns nieder bei der Anbetung zum Zeichen unserer Ganzhingabe.

(Für jeden Tag, Gedanken von Mutter Teresa, Neue Stadt, 135)

Chorfenster von Hans Gottfried von Stockhausen, 1992

Ordensfrau, Ordensgründerin
Namensdeutung: von der Insel Thera stammend (griech.)
Namenstage: Teresa, Therese, Theresia, Resa, Resi, Tessa, Thea
Gedenktag: 5. September

Lebensdaten: geboren am 27. August 1910 in Skopje (heute Mazedonien), gestorben am 5. September 1997 in Kalkutta

Lebensgeschichte: Anjezë Gonxha Bojaxhiu stammte aus einer albanischen katholischen Familie. Sie erlebte eine frohe Kindheit, doch als sie neun Jahre alt war, starb der Vater. Agnes besuchte das Gymnasium der Jesuiten und wollte bereits mit zwölf Jahren Missionarin werden. Mit 18 Jahren schloss sie sich in Dublin den Loreto-Schwestern an, einem irischen Zweig der Englischen Fräulein, die sie umgehend ins Noviziat nach Indien schickten, wo sie in Kalkutta als Lehrerin und später auch als Direktorin der höheren Mädchenschule tätig war. 1931 legte sie dort ihre Gelübde ab und nahm aus Verehrung für die heilige Therese von Lisieux, der Patronin der Missionare, den Ordensnamen Teresa an.

Am 10. September 1946 hörte sie bei einer Fahrt durch Kalkutta den Ruf Christi „Mich dürstet“ und verstand ihn als Aufforderung, sich um die Ärmsten zu kümmern. Sie erhielt vom Bischof und der Ordensleitung die Erlaubnis, das Kloster zu verlassen und in den Slums zu arbeiten und zu leben. Wie die Menschen dort trug sie nur noch einen schlichten Sari mit blauer Borte. Schwester Teresa eröffnete eine Schule, kümmerte sich um die Kranken und pflegte obdachlose Leprakranke. Ehemalige Schülerinnen und Helferinnen kamen, um sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen. So entstand 1950 die Kongregation der Missionarinnen der Nächstenliebe. Aus Schwester Teresa wurde Mutter Teresa – ein Name, der um die Welt ging.

Einmal fand Mutter Teresa eine Frau, die elend auf der Straße starb. Daraufhin gründete sie Sterbehospize für die Ärmsten. Zu den Schwestern kamen bald die Missionsbrüder der Nächstenliebe hinzu. Mutter Teresas Lebenswerk war es, Christus in den Armen zu dienen, wofür sie zahlreiche Ehrungen erhielt, darunter 1979 den Friedensnobelpreis. Ihre Nobelpreisrede nutzte sie für ein flammendes Plädoyer gegen die Abtreibung: „Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen? … Aber heute werden Millionen ungeborener Kinder getötet, und wir sagen nichts.“ Der „Engel der Armen“ erhielt nach seinem Tod ein Staatsbegräbnis, an dem die ganze Welt Anteil nahm.

Verehrung: Am 19. Oktober 2003 sprach Papst Johannes Paul II. seine Freundin Mutter Teresa nach dem kürzesten Seligsprechungsprozess aller Zeiten selig. Im früher atheistischen Albanien, das bis 1990 jegliche Religionsausübung verboten hatte, wird der Tag ihrer Seligsprechung als Nationalfeiertag begangen. Am 4. September 2016 wurde Mutter Teresa unter Anteilnahme zahlloser Zuschauer vor Ort und am Fernseher von Papst Franziskus heiliggesprochen.
(bistumaugsburg)





Mutter Teresa, bitte für uns!

Freitag, 4. September 2026

Heiliger Suitbert, wo ist dein Schrein?

 

Hl. Suitbert, St. Suitbertus, Düsseldorf Kaiserswerth

Suitbert, angelsächsischer Glaubensbote und Bischof. Suitbert war Angelsachse und wurde 690 zusammen mit Willibrord nach Friesland geschickt, das eben erst von Pippin dem Mittleren erobert worden war.
Um 692 wurde Suitbert während der Romreise Willibrords von Wilfrid von York zum Bischof geweiht. Danach begann er die Mission bei den Brukterern im Gebiet zwischen Lippe und Ruhr. Anfängliche Erfolge wurden durch Einfälle der Sachsen vernichtet. Als die einfallenden Sachsen seine Anlagen zerstörten, verlegte er seine Tätigkeit auf fränkisches Gebiet.
710 gründete Suitbert zusammen mit seiner Ehefrau Plektrudis auf der Rheininsel das Kloster Kaiserswerth. Hier starb er am 1. März 713. Am 4. September 803 erfolgte die Heiligsprechung Suitberts. Die Gebeine Suitberts ruhen in einem kostbaren Schrein in der heutigen Pfarrkirche von Kaiserswerth. 

Heute feiert die Kirche folgende Heilige:

Cutberth von Lindisfarne

Ida von Herzfeld

Rosa von Viterbo

Rosalia von Palermo 


Suitbertschrein in Restauration

Ida von Herzfeld, die erste Heilige in Westfalen

 

Wallfahrtskirche St. Ida, Herzfeld


Stifterin, Wohltäterin
Namensdeutung: die Seherin (althochdeutsch)
Namenstage: Ida, Itha, Lida, Aida
Gedenktag: 4. September

Lebensdaten: geboren um 770 in Franken, gestorben am 4. September 825 in Herzfeld

Lebensgeschichte und Legende: Ida war die Nichte oder Großnichte Karls des Großen und wurde mit dem fränkischen Edlen Ekbert vermählt, den Karl der Große als Herzog in Sachsen einsetzte. Im Jahre 786, als sie auf ihrem Weg zu seinen Gütern die Lippe bei Hirutveldun (altsächsisch Hirschfelder, heute Herzfeld) überquerten und dort rasteten, vernahm Ida im Traum den Auftrag, genau dort eine Kirche zu errichten. In Gesellschaft eines Hirschen – einem Sinnbild für die 32 Jahre lang von den Franken bedrängten Sachsen –, der ihr nicht von der Seite wich, erbaute sie darauf die erste Kirche Westfalens.

Als Ekbert 811 starb, wurde er neben dieser Kirche unter einer Vorhalle bestattet, die Ida als Wohnung bezog. Sie widmete sich dem Gebet und soll zweimal am Tag aus dem Steinsarg ihres Mannes Gaben an die Armen ausgeteilt haben. Als sie 825 starb und selber in der Vorhalle ihr Grab fand, wurde sie zur ersten Heiligen Westfalens und der Gang zur „Mutter der Armen“ zur ersten Wallfahrt des Landes.

Verehrung und Brauchtum: 980 wurden Idas Gebeine zur Bestätigung ihrer Heiligkeit erhoben und in der Grabkrypta der heutigen Wallfahrtsbasilika St. Ida in Herzfeld zur Ruhe gebettet. Bis heute wird ihrer jedes Jahr im September mit einer „Idawoche“ gedacht, einem Volksfest rund um die feierliche Prozession ihres kostbaren Reliquienschreins durch den Ort („Große Identracht“).
(bistumaugsburg

Grabkrypta mit dem Schrein der hl. Ida

das Kreuz bezeichnet das ursprünglich Grab der hl. Ida
 
Von 1975 bis 1976 wurde bei Grabungen das Fundament der Westmauer des ehemaligen Portikus ergraben, den Ida über dem Grab von Egbert bauen ließ. Nach seinem Tod führte sie hier ein Leben nach der Regel des Hl. Benedikt. Der steinerne Sarg, aus dem sie Gaben an Bedürftige austeilte, stand ebenfalls hier. Das Grab des Egbert wurde bei dem Abriss der alten Kirche zerstört. Ein liegendes Kreuz aus Mooreiche bezeichnete die Stelle, an der Ida von 825 bis 980 begraben war. Das Grab lag an der südlichen Chormauer.

 

Der Name Idenrast ist das Schlüsselwort der Ida-Tradition, er bezieht sich auf die Rast Idas und ihres Mannes in Herzfeld, während einer Reise von Ripuarien nach Westfalen. Bei dieser Reise soll Ida im Traum ein Engel erschienen sein, der ihr den Auftrag gab, eine Kirche bauen zu lassen.

Die sogenannte Idenrast ist über dem Treppenabgang zur Grabstätte aufgestellt. Sie ist eine kunstvoll geschnitzte, liegende Ida-Figur. Über ihrem Kopf ist das karolingische Wappen mit Krone und Schriftband S. IDA PIPINI SANGUINE CLARA (Die Hl. Ida, berühmt durch ihre Verwandtschaft mit Pipin) angebracht. So wird auf ihre königliche Abstammung hingewiesen. Das Kirchenmodell in der rechten Hand versinnbildlicht die Gründung der Kirche. Der Hirsch zu Füßen der Ida soll wohl an den altsächsischen Namen von Herzfeld, Hirutveldun erinnern. Lange Zeit stand die Idenrast auf einem kastenförmigen Unterbau, zur Aufnahme des Sarkophags. Durch ein Türchen an der Rückseite konnte der Sarg berührt werden. (wikipedia)

Liegefigur, sog. Idenrast, beim Abgang zur Krypta

St. Ida, Herzfeld

Donnerstag, 3. September 2026

Gregor der Große über die Sünde der Hirten (aus der Pastoralregel)

 

Reliquienbüste von Papst Gregor, Schatzkammer Maastricht

 

II. Kapitel: Keiner soll das Hirtenamt übernehmen, der in seinem Leben das nicht in die Tat umsetzt, was er in der Betrachtung erkannt hat

Es gibt solche, die sorgfältig und emsig die Gesetze des geistlichen Lebens erforschen, aber durch ihr Leben das mit Füßen treten, was sie mit dem Verstande erfassen. Schnell lehren sie, was sie nicht durch eigene Übung, sondern nur durch Nachdenken erlernt haben; und was sie dann mit Worten predigen, das bekämpfen sie durch ihr Verhalten.
So geht der Hirt den jähen Weg abwärts, und die Herde stürzt ihm nach. Darum klagt der Herr über diese bejammernswerte Wissenschaft der Hirten durch den Propheten: „Nachdem ihr das reinste Wasser getrunken, habt ihr, was übrig blieb, mit eueren
 Füßen getrübt. So hatten meine Schafe zur Weide, was euere Füße zertraten; und was euere Füße trübten, das tranken sie.“
Das ganz reine Wasser trinken die Hirten, wenn sie die Ströme der Wahrheit in richtigem Verständnis in sich aufnehmen. Aber es heißt dieses Wasser mit den Füßen trüben, wenn man die Erkenntnisse heiliger Betrachtung durch ein schlechtes Leben zunichte macht. Die Schafe trinken dann das mit den Füßen getrübte Wasser, wenn die Untergebenen nicht nach den Worten handeln, die sie hören, sondern nur dem schlimmen Beispiel folgen, das sie sehen. Nach Worten dürstend, durch Werke aber irregeführt, trinken sie gleichsam Schmutz aus verdorbenen Quellen. Deshalb steht beim Propheten geschrieben: „Ein Fallstrick meines Volkes seid ihr, schlechte Priester!“ Darum sagt wiederum der Herr von den Priestern: „Sie sind dem Hause Israel ein Ärgernis zur Sünde geworden.“

Denn niemand richtet in der Kirche größeren Schaden an, als wer ein sündhaftes Leben führt und dabei Namen und Stand der Heiligkeit inne hat. Niemand wagt es, ihn wegen seiner Sünde zurechtzuweisen; und zugleich wird die Sünde zum mächtigen Vorbild, wenn der Sünder wegen der Würde seines Amtes geehrt wird. Die Unwürdigen würden aber alle die Last einer so großen Schuld fliehen, wenn sie ernstlich den Ausspruch der ewigen Wahrheit bedächten: „Wer eines aus diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“
Der Mühlstein bedeutet nämlich die mühevolle Last des weltlichen Lebens, und die Tiefe des Meeres bezeichnet die tiefste Verdammnis. Wer also seinem Amte gemäß als heilig erscheinen sollte, durch sein Wort und Beispiel aber die andern zugrunderichtet, dem wäre es sicher besser, daß ihn in einem weltlichen Stande irdische Verfehlungen dem Tode überlieferten, als daß sein heiliges Amt ihn andern als Vorbild der Sünde vor Augen stellte; denn es würde ihn immerhin eine noch erträglichere Strafe im Jenseits treffen, wenn er allein für sich gefallen wäre.
(Quelle)


Zugang zur Schatzkammer der Servatiusbasilika