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| St Botolph, Boston |
BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES I. TAGES DES GEWEIHTEN LEBENS
Verehrte Mitbrüder im
Bischofsamt,
liebe Personen des geweihten Lebens!
1. Die Feier des Tages
des geweihten Lebens, der am kommenden 2. Februar zum ersten Mal begangen
wird, will der ganzen Kirche helfen, das Zeugnis der Männer und Frauen, die
sich für ein Leben der engeren Christusnachfolge durch die Übernahme der
evangelischen Räte entschieden haben, immer mehr wertzuschätzen. Zugleich will
er für die Personen des geweihten Lebens Gelegenheit sein, ihre Vorsätze zu
erneuern und ihre Hingabe an den Herrn zu verlebendigen.
Die Sendung des geweihten
Lebens in der Gegenwart und Zukunft der Kirche an der Schwelle zum dritten
Jahrtausend betrifft nicht nur diejenigen, denen dieses besondere Charisma
geschenkt wurde, sondern alle Christen. In meinem nachsynodalen apostolischen
Schreiben Vita Consecrata, das im letzten Jahr veröffentlicht wurde, habe ich
geschrieben: "Tatsächlich steht das geweihte Leben als entscheidendes
Element für die Sendung der Kirche in deren Herz und Mitte, da es »das innerste
Wesen der christlichen Berufung offenbart und darstellt« und das Streben der
ganzen Kirche als Braut nach der Vereinigung mit dem einen Bräutigam zum
Ausdruck bringt" (n. 3). Die Personen des geweihten Lebens möchte ich noch
einmal ermuntern, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken und auf die Treue
Gottes und die Macht seiner Gnade zu bauen, die fähig ist, immer neue Wunder zu
wirken: "Ihr sollt euch nicht nur einer glanzvollen Geschichte erinnern
und darüber erzählen, sondern ihr habt eine große Geschichte aufzubauen! Blickt
in die Zukunft, in die der Geist euch versetzt, um durch euch noch große Dinge
zu vollbringen" (ebd.., 110).
Die Gründe für einen
Tag des geweihten Lebens
1. Das Ziel eines solchen
Tages ist darum ein dreifaches: zunächst entspricht er dem inneren
Bedürfnis, den Herrn in noch feierlicherer Weise zu preisen und ihm für das
große Geschenk des geweihten Lebens zu danken. Denn es bereichert und erfreut
die christliche Gemeinschaft mit der Vielfalt seiner Charismen und den Früchten
der Erbauung, die aus der Ganzhingabe so vieler an Gottes Reich fließen. Wir
dürfen niemals vergessen, daß das geweihte Leben nicht zuerst Ergebnis
menschlicher Anstrengungen ist, sondern Gabe, die von oben kommt, Initiative
des Vaters, "der sein Geschöpf mit einer besonderen Liebe und im Hinblick
auf eine spezielle Sendung an sich zieht" (ebd., 17). Dieser Blick seiner
bevorzugten Liebe trifft zutiefst das Herz des Gerufenen, welcher sich vom
Heiligen Geist bewegt aufmacht, der Spur Christi in einer Form der besonderen
Nachfolge durch die Übernahme der evangelischen Räte der Jungfräulichkeit, der
Armut und des Gehorsams nachzugehen. Welch wunderbares Geschenk!
"Was wäre die Welt,
wenn es die Ordensleute nicht gäbe?", fragte sich zurecht die hl.
Theresia (Buch des Lebens, Kap. 32, 11). Eine Frage, die uns anregt, dem Herrn
unentwegt dafür zu danken, daß er mit dieser besonderen Gabe des Geistes seine
Kirche auf ihrem schwierigen Weg durch die Welt belebt und ihr beisteht.
3. Zweitens will
dieser Tag die Kenntnis und die Wertschätzung des geweihten Lebens im ganzen
Gottesvolk fördern.
Wie das Konzil hervorhob
(vgl. Lumen gentium, 44), und wie ich selbst in dem oben genannten
Apostolischen Schreiben bekräftigt habe, "ahmt das geweihte Leben .... die
Lebensform »ausdrücklicher nach und bringt sie in der Kirche ständig zur
Darstellung«, die Jesus, der höchste Geweihte und Gesandte des Vaters für sein
Reich und für die Jünger, die ihm folgten, bestimmt hat" (n. 22). Das
geweihte Leben ist also in besonderer und lebendiger Weise Erinnerung an das
Sohn-Sein Jesu, der den Vater zu seiner einzigen Liebe macht - die
Jungfräulichkeit Jesu -, der all seinen Reichtum ausschließlich in Ihm findet,
- seine Armut -, und für den der Wille des Vaters die "Speise" ist,
die ihn nährt (vgl. Joh 4,34) - sein Gehorsam.
Diese Lebensform, die
Christus selbst auf sich genommen hat, und die besonders durch die Personen des
geweihten Lebens gegenwärtig gesetzt wird, ist von großer Bedeutung für die
Kirche, die ja in jedem ihrer Glieder gerufen ist, gleichermaßen nach Gott als
ihrem Alles zu trachten und Christus im Licht und in der Kraft des Heiligen
Geistes nachzufolgen.
Das Leben der besonderen
Weihe an Gott in seinen vielfältigen Ausdrucksformen steht somit im Dienst an
der Taufweihe aller Gläubigen. In der Betrachtung der Gabe des geweihten Lebens
betrachtet die Kirche ihre innerste Berufung, allein ihrem Herrn zu gehören und
in seinen Augen "ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig und
makellos" (Ef 5,27) zu sein.
So ist verständlich, warum
man dieser Lebensform einen speziellen Tag widmet, der dazu beiträgt, daß alle
Glieder des Gottesvolkes eingehender und tiefer über das geweihte Leben
nachdenken und seine Lehre aufnehmen.
4. Der dritte Beweggrund
betrifft direkt die Personen des geweihten Lebens, die eingeladen sind,
gemeinsam und in feierlicher Weise die Wundertaten zu feiern, die der Herr an
ihnen vollbracht hat, um mit noch klarerem Glaubensblick die Strahlen der göttlichen
Schönheit wahrzunehmen, die der Geist ihrer Lebensform verliehen hat, und um
sich ihrer unersetzlichen Sendung in der Kirche und in der Welt lebendiger
bewußt zu werden.
In eine oft hektische und
zerstreuende Welt hineingestellt, und manches Mal von drängenden Aufgaben in
Beschlag genommen, wird die Feier solch eines jährlichen Gedenktages den
Personen des geweihten Lebens auch helfen, zu den Quellen ihrer Berufung
zurückzukehren, eine Bilanz ihres eigenen Lebens zu ziehen und die
Verpflichtung ihrer Weihe zu bekräftigen. So können sie den Männern und Frauen
unserer Zeit in den verschiedenen Lebenslagen mit Freude Zeugnis davon geben,
daß der Herr die Liebe ist und fähig, das Herz des Menschen zu erfüllen.
Es ist wirklich dringend
notwendig, daß das geweihte Leben sich immer mehr als "von Freude und vom
Heiligen Geist erfüllt" darstellt, schwungvoll die Wege der Sendung geht,
und aufgrund des gelebten Zeugnisses an Glaubwürdigkeit gewinnt, denn "der
heutige Mensch ... hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf
Gelehrte hört, dann eben, weil sie Zeugen sind." (Apost. Schreiben,
Evangelii nuntiandi, n. 41).
Am Fest der
Darstellung des Herrn
5. Der Tag des geweihten
Lebens wird an dem kirchlichen Festtag begangen, der daran erinnert, daß Maria
und Joseph Jesus im Tempel dargebracht haben, "um ihn dem Herrn zu
weihen" (Lk 2,22).
In dieser Szene des
Evangeliums wird das Geheimnis Christi, des Geweihten des Vaters enthüllt, der
in die Welt gekommen ist, um den Willen Gottes treu zu erfüllen (vgl. Hebr. 10,
5-7). Simeon bezeichnet ihn als "Licht, das die Heiden erleuchtet"
(Lk 2,32) und sagt mit prophetischen Worten das erhabene Opfer Jesu an den
Vater und seinen endgültigen Sieg voraus (vgl. Lk 2, 32-35).
Die Darstellung Jesu im
Tempel ist so ein beredtes Bild der Ganzhingabe des eigenen Lebens für
diejenigen, die berufen sind, in der Kirche und in der Welt durch die
evangelischen Räte "die Wesenszüge Christi - Jungfräulichkeit, Armut und
Gehorsam" (Apost. Schreiben Vita consecrata, n. 1) sichtbar zu machen.
Mit der Darstellung Christi
ist Maria verbunden.
Die jungfräuliche Mutter,
die ihren Sohn zum Tempel bringt, um ihn dem Vater zu weihen, ist ein
treffendes Bild für die Kirche, die fortfährt, ihre Söhne und Töchter dem
himmlischen Vater darzubringen und sie so mit dem einzigen Opfer Christi zu
verbinden, das Grund und Vorbild jeder Weihe in der Kirche ist.
Seit einigen Jahrzehnten ist
der 2. Februar in der Kirche Roms und in anderen Diözesen für zahlreiche
Mitglieder von Instituten des geweihten Lebens und Gesellschaften des
Apostolischen Lebens Anlaß, sich gleichsam spontan um den Papst und die Hirten
der jeweiligen Diözesen zu scharen, um in Gemeinschaft mit dem ganzen Volk
Gottes auf die Gabe und Verpflichtung ihrer Berufung, die Vielfältigkeit der
Charismen des geweihten Lebens und ihre spezifische Präsenz in der Gemeinschaft
der Gläubigen aufmerksam zu machen.
Es ist mein Wunsch, daß
diese Erfahrung sich auf die ganze Kirche ausweitet, damit die Feier des Tages
des geweihten Lebens die Personen des geweihten Lebens und die anderen
Gläubigen zusammenbringt, um mit der Gottesmutter Maria die Wundertaten zu
besingen, die der Herr an so vielen seiner Söhne und Töchter vollbracht hat,
und um allen kundzutun, daß alle von Christus Erlösten dazu bestimmt sind,
"ein Volk zu sein, das ihm heilig ist" (Dt 28,9).
Die erwarteten Früchte
für die Sendung der ganzen Kirche
6. Liebe Brüder und
Schwestern, während ich die Einrichtung dieses Gedenktages dem mütterlichen
Schutz Mariens anempfehle, wünsche ich von Herzen, daß er reiche Frucht für die
Heiligkeit und Sendung der Kirche trage. Insbesondere möge er helfen, in der
Gemeinschaft der Christen die Wertschätzung für die Berufungen zum geweihten
Leben zu vermehren, das Gebet um Berufungen in ihr zu intensivieren, und so
dazu beitragen, daß in den Jugendlichen und ihren Familien eine Haltung
großherziger Bereitschaft reifen kann, diese Gabe anzunehmen. Dies wird dem
kirchlichen Leben in seiner Gesamtheit zum Nutzen gereichen und der
Neuevangelisierung Kraft geben.
Ich vertraue darauf, daß
dieser "Tag" des Gebets und der Reflektion den Ortskirchen hilft, das
Geschenk des geweihten Lebens immer mehr zu schätzen und sich an seiner
Botschaft zu messen, um das rechte und fruchtbare Gleichgewicht zwischen Aktion
und Kontemplation, Gebet und tätiger Nächstenliebe, Engagement im Hier und
Jetzt der Geschichte und eschatologischer Erwartung zu finden.
Die Jungfrau Maria, die das
hohe Vorrecht hatte, dem Vater seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus als
reine und heilige Opfergabe darzubringen, möge dafür sorgen, daß wir immer
offen und aufnahmebereit für die großen Werke sind, die Er nicht aufhört, zum
Wohl seiner Kirche und der ganzen Menschheit zu vollbringen.
Indem ich den Personen des
geweihten Lebens Beständigkeit und Freude an ihrer Berufung wünsche, erteile
ich allen meinen Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 6.
Januar 1997
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Nun lässt du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. |
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| Fenster der Darstellung des Herrn, St Botolph, Boston |
Glasfenster in Corpus Christi Brixton, London, Benedikt XVI., 2. Februar 2013
Glasfenster in St James, Spanish Place, London
Fresko in der Domininikanerkirche in Malta/Vittoriosa
Relief in Notre Dame de Paris (Präfation)
Rosenkranzgeheimnisse um das Hochaltarbild in der Wiener Dominikanerkirche
Rosenkranzstation auf dem Erscheinungsberg in Medjugorje
Rosenkranzbasilika in Lourdes (Johannes Paul II., 2. Februar 2000)
Fra Bartolomeo, Kunsthistorisches Museum, Wien
Relief in St. Agatha, Hausleiten, Niederösterreich (Papst Benedikt XVI. zur Darstellung d. Herrn 2003)
Mariä Lichtmess im Musee des Beaux Arts - Brüssel
Alte Gebete zur Kerzenweihe
Mariä Lichtmess in S. Maria in Trastevere - Rom (Johannes Paul II. in Redemptoris Mater)
Mariä Lichtmess in Alba de Tormes (Hymnus)
Mariä Lichtmess in der Basilika Frauenkirchen (Papst Benedikt XVI. über das gottgeweihte Leben am 2.2.2006)