Vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 erschien die selige Jungfrau dem
Mädchen Bernadette Soubirous achtzehn Mal in der Grotte von Massabielle
(Lourdes), zu der seither unzählige Gläubige aus der ganzen Welt
pilgern. Unter Papst Pius X. wurde 1907 der heutige Gedenktag
eingeführt.
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| Geburtshaus von Bernadette Soubirous |
Die 18 Marienerscheinungen von Lourdes
Bernadette (vita, martyrologium sancrucense)
Bernadette wird verhört
Lichterprozession in Lourdes (2024)
Anbetung in der Unterkirche (2022)
Bilder von Lourdes aus dem Jahr 2012 (2022)
Bernadette Soubirous in ihrem Geburtshaus - ich verspreche euch nicht... (2021)
Bernadette bei der Untersuchungskommission 7.12.1860 (2021)
Bilder der Lichterprozession (2020)
Heilung von Francois Macary (2020)
Mosaik in der Rosenkranzbasilika, den du o Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast (2020)
Stammbaum Jesu in der Pfarrkirche in Lourdes (2019)
Monument/Denkmal Maria, Heil der Kranken, in Lourdes (2019)
Pfarrkirche Lourdes, Glasfenster der Marienerscheinung in der Rue de Bac, Catherine Laboure (2018)
Rosenkranzmosaik in der Rosenkranzbasilika (2018)
Krönung Mariens in der Rosenkranzbasilika (2018)
Mosaik von Pius X. in Lourdes (2018)
Mosaik der Aufnahme Mariens in der Rosenkranzbasilika (2018)
Bilder von Lourdes, zum 160 Jahr Jubiliäum gibt es eine Übersicht über alle 18. Erscheinungen in Lourdes samt den entsprechenden Glasbildern der Basilika der unbefleckten Empfängnis.
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| Geburtshaus von Bernadette Soubirous |
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| Rosenkranzbasilika und Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Lourdes |
PREDIGT VON BENEDIKT XVI.
Lourdes, Notre-Dame, Esplanade du Rosaire
Samstag, 13. September 2008
Lieber Bischof Perrier von Tarbes und Lourdes,
Liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
liebe Pilger, liebe Brüder und Schwestern!
Vor hundertfünfzig Jahren, am 11. Februar 1858, sah ein einfaches
Mädchen aus Lourdes, Bernadette Soubirous, an diesem Ort außerhalb der
Stadt, der sogenannten Grotte von Massabielle, ein Licht und in diesem Licht eine junge Dame, „schön, über alles schön“. Diese Dame wandte sich mit Güte und Liebenswürdigkeit, mit Achtung und Vertrauen an sie. „Sie siezte mich“, erzählt Bernadette, „… Möchten Sie mir den Gefallen tun, in den nächsten fünfzehn Tagen hierher zu kommen?“ fragt die Dame sie. „… Sie schaute mich an wie ein Mensch, der mit einem anderen Menschen spricht.“
In dieser Unterhaltung, in diesem ganz von Feingefühl geprägten Dialog
beauftragt die Dame sie, einige ganz einfache Botschaften über das
Gebet, die Buße und die Umkehr zu vermitteln. Daß Maria schön ist,
überrascht nicht, offenbart sie doch in der Erscheinung vom 25. März
1858 ihren Namen so: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.
Betrachten wir unsererseits diese „mit der Sonne bekleidete Frau“, die uns die Schrift vor Augen stellt (vgl. Offb
12,1). Die Allerseligste Jungfrau Maria, die glorreiche Frau der
Geheimen Offenbarung, trägt auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf
Sternen, welche die zwölf Stämme Israels, das ganze Volk Gottes, die
gesamte Gemeinschaft der Heiligen darstellen, und zugleich hat sie unter
ihren Füßen den Mond, das Bild des Todes und der Sterblichkeit. Maria
hat den Tod hinter sich gelassen; sie ist ganz vom Leben bekleidet, vom
Leben ihres Sohnes, des auferstandenen Christus. So ist sie das Zeichen
für den Sieg der Liebe und des Guten, für den Sieg Gottes. Sie gibt
unserer Welt die Hoffnung, die sie braucht. Richten wir heute Abend
unseren Blick auf Maria, die so glorreich und so menschlich ist, und
lassen wir uns von ihr zu Gott, dem Sieger, führen.
Zahlreiche Menschen haben es bezeugt: Die Begegnung mit dem
leuchtenden Antlitz von Bernadette verwandelte die Herzen und die
Blicke. Sowohl während der Erscheinungen als auch, wenn sie davon
erzählte, begann ihr Gesicht über und über zu strahlen. Bernadette war
bereits erfüllt von dem Licht von Massabielle. Das alltägliche Leben der
Familie Soubirous bestand jedoch aus Elend und Traurigkeit, aus
Krankheit und Unverständnis, aus Ablehnung und Armut. Auch wenn es in
den familiären Beziehungen nicht an Liebe und Wärme fehlte, war es doch
schwierig, im cachot („Verließ“) zu leben. Aber die Schatten der Erde haben das Licht des Himmels nicht daran gehindert zu leuchten: „Das Licht leuchtet in der Finsternis…“ (Joh 1,5).
Lourdes ist einer der Orte, die Gott erwählt hat, um dort einen
besonderen Strahl seiner Schönheit leuchten zu lassen; daher rührt die
Bedeutung, die hier das Symbol des Lichtes bekommt. Von der vierten
Erscheinung an entzündete Bernadette, wenn sie an der Grotte ankam,
jeden Morgen eine gesegnete Kerze und hielt sie in der linken Hand, bis
die Jungfrau sich zeigte. Sehr bald übergaben verschiedene Personen
Bernadette eine Kerze, damit sie diese in der Tiefe der Grotte in die
Erde stecke. Sehr bald brachten andere Menschen auch selbst Kerzen an
diesen Ort des Lichtes und des Friedens. Die Muttergottes tat selber
kund, daß ihr diese berührende Huldigung dieser Tausenden Kerzen gefiel,
die seitdem zu ihrer Ehre ununterbrochen den Felsen der Erscheinung
erleuchten. Von jenem Tag an glüht vor der Grotte Tag und Nacht, im
Sommer wie im Winter, ein brennender Dornbusch, entzündet vom Gebet der
Pilger und der Kranken, die ihre Sorgen und Nöte, vor allem aber ihren
Glauben und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.
Da wir als Pilger hier nach Lourdes kommen, wollen wir auf den Spuren Bernadettes in diese außergewöhnliche Nähe zwischen Himmel und Erde
eintreten, die sich niemals widersprochen hat und die sich unaufhörlich
weiter festigt. Während der Erscheinungen ist zu bemerken, daß
Bernadette den Rosenkranz unter den Augen Marias betet, die im Moment
der Doxologie mit einstimmt. Diese Tatsache bestätigt den zutiefst
theozentrischen Charakter des Rosenkranzgebets. Wenn wir den Rosenkranz
beten, leiht uns Maria ihr Herz und ihre Augen, um das Leben ihres
Sohnes, Christus Jesus, zu betrachten. Mein verehrter Vorgänger Papst
Johannes Paul II. ist zweimal hierher nach Lourdes gekommen. Wir wissen,
wie sehr sich in seinem Leben und in seinem Dienst das Gebet auf die
Fürsprache der Jungfrau Maria stützte. Wie viele seiner Vorgänger auf
dem Stuhl Petri hat auch er das Rosenkranzgebet nachdrücklich gefördert;
er hat dies unter anderem in einer ganz besonderen Weise getan, indem
er es durch die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse bereichert hat.
Sie sind übrigens auf der Fassade der Basilika in den neuen, im
vergangenen Jahr eingeweihten Mosaiken dargestellt. Wie bei allen
Geschehnissen im Leben Christi, die sie in ihrem Herzen bewahrte und überdachte (vgl. Lk
2,19), läßt Maria uns alle Etappen seines öffentlichen Wirkens als
einen Teil der Offenbarung der Herrlichkeit Gottes begreifen. Möge der
lichterfüllte Ort Lourdes eine Schule zum Erlernen des Rosenkranzgebets
bleiben, das die Jünger Jesu in Gegenwart seiner Mutter in einen echten
und herzlichen Dialog mit ihrem Meister einführt!
Durch den Mund Bernadettes hören wir die Bitte der Jungfrau Maria an uns, in Prozession hierher zu kommen,
um in Einfachheit und mit Eifer zu beten. Die Lichterprozession
vermittelt unseren sinnlichen Augen das Geheimnis des Gebetes: In der
Gemeinschaft der Kirche, welche die Erwählten des Himmels und die Pilger
der Erde miteinander vereint, entspringt das Licht aus dem Gespräch
zwischen dem Menschen und seinem Herrn, und eine leuchtende Straße
öffnet sich in der Geschichte der Menschen, auch in den dunkelsten
Augenblicken. Diese Prozession ist ein Moment großer kirchlicher Freude,
aber auch eine Zeit tiefen Ernstes: Die Anliegen, die wir mit uns
tragen, unterstreichen unsere tiefe Verbundenheit mit allen, die leiden.
Denken wir an die unschuldigen Opfer, die unter Gewalt, Krieg,
Terrorismus und Hungersnot leiden oder die die Folgen von
Ungerechtigkeiten, Plagen und Unheil, von Haß und Unterdrückung, von
Angriffen auf ihre Menschenwürde und ihre Grundrechte, auf ihre
Handlungs- und Gedankenfreiheit zu tragen haben. Denken wir auch an
jene, die familiäre Probleme erleben oder die infolge von
Arbeitslosigkeit, Krankheit, Gebrechen, Einsamkeit oder ihrer Situation
als Einwanderer leiden. Außerdem möchte ich diejenigen nicht vergessen,
die um des Namens Christi willen leiden und für ihn sterben.
Maria lehrt uns, zu beten und unser Gebet zu einem Akt der Gottes-
und der Nächstenliebe zu machen. Wenn wir mit Maria beten, nimmt unser
Herz die Leidenden auf. Wie könnte unser Leben dabei unverändert
bleiben? Warum sollte unser Sein und unser ganzes Leben nicht Ort der
Gastfreundschaft für unseren Nächsten werden? Lourdes ist ein Ort des
Lichtes, weil es ein Ort der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Umkehr
ist.
Nun, beim Einbruch der Nacht, sagt Jesus zu uns: „Laßt eure Lampen brennen!“ (Lk
12,35): die Lampe des Glaubens, die Lampe des Gebetes, die Lampe der
Hoffnung und der Liebe! Dieses Gehen in der Nacht mit dem Licht in der
Hand spricht unser Inneres nachdrücklich an, es berührt unser Herz und
besagt viel mehr als jedes andere gesprochene oder gedachte Wort. Diese
Geste erfaßt allein unsere Lage als Christen unterwegs: Wir brauchen
Licht und sind zugleich berufen, Licht zu werden. Die Sünde macht uns
blind; sie hindert uns daran, unsere Mitmenschen führen zu können, und
bewirkt, daß wir ihnen mißtrauen und uns selber nicht führen lassen. Wir
haben es nötig, erleuchtet zu werden, und wiederholen die flehentliche
Bitte des blinden Bartimäus: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ (Mk
10,51). Mach, daß ich meine Sünde sehe, die mich hemmt, doch vor allem:
Herr, gib, daß ich deine Herrlichkeit sehe! Wir wissen, daß unser Gebet
schon erhört ist, und wir sagen Dank, denn, wie der heilige Paulus im Epheserbrief sagt: „Christus wird dein Licht sein“ (5,14), und der heilige Petrus fügt hinzu: „Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen“ (1 Petr 2,9).
Zu uns, die wir nicht das Licht sind, kann Christus nun sagen: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14), indem er uns aufträgt dafür zu sorgen, das Licht der Liebe leuchten zu lassen. Wie der Apostel Johannes schreibt: „Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln“ (1 Joh
2,10). Die christliche Liebe leben bedeutet, das Licht Gottes in die
Welt zu tragen und zugleich auf seine wahre Quelle hinzuweisen. Der
heilige Leo der Große schreibt: „Wer nämlich fromm und keusch in der Kirche lebt, wer seinen Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische lenkt (vgl. Kol 3,2),
ist in gewisser Weise dem himmlischen Licht gleich; während er selbst
auf den Glanz eines heiligen Lebens achtet, weist er wie ein Stern
vielen den Weg, der zu Gott führt“ (Sermon III,5).
In diesem Wallfahrtsort Lourdes, auf den die Christen der ganzen Welt
ihren Blick richten, seit die Jungfrau Maria hier die Hoffnung und die
Liebe hat erstrahlen lassen, indem sie den Kranken, den Armen und den
Kleinen den ersten Platz zuwies, sind wir eingeladen, die Einfachheit
unserer Berufung zu entdecken: Denn es genügt zu lieben.
Morgen wird uns die Feier der Kreuzerhöhung direkt ins Herz dieses
Geheimnisses einführen. In dieser Vigil richtet sich unser Blick schon
auf das Zeichen des Neuen Bundes, auf das das ganze Leben Jesu zuläuft.
Das Kreuz ist der höchste und vollkommenste Akt der Liebe Jesu, der sein
Leben für seine Freunde hingibt. „So muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat“ (Joh 3,14-15).
Wie es in den Liedern vom Gottesknecht angekündigt wurde, ist der Tod
Jesu ein Tod, der zum Licht für die Völker wird; es ist ein Tod, der in
Verbindung mit der Sühneliturgie die Versöhnung bringt, ein Tod, der
das Ende des Todes bedeutet. Von da an ist das Kreuz ein Zeichen der
Hoffnung, ein Banner des Sieges Jesu, denn „Gott hat die Welt so sehr
geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn
glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh
3,16). Durch das Kreuz empfängt unser ganzes Leben Licht, Kraft und
Hoffnung. Mit ihm ist die ganze Tiefe der Liebe offenbart, die im
ursprünglichen Plan des Schöpfers enthalten war; mit ihm ist alles
geheilt und zur Vollendung geführt. Das ist der Grund, warum das Leben
im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Christus Licht wird.
Die Erscheinungen waren von Licht umflutet, und Gott hat im Blick von
Bernadette eine Flamme entzündet, die zahllose Herzen bekehrt hat. Wie
viele Menschen kommen hierher, um ein Wunder zu sehen, und hoffen
vielleicht insgeheim, eines an sich selbst zu erfahren; auf dem Heimweg,
nachdem sie eine geistliche Erfahrung eines echten kirchlichen Lebens
gemacht haben, ändert sich dann ihr Blick auf Gott, auf die anderen und
auf sich selbst. Eine kleine Flamme, die sich Hoffnung, Mitleid und
Zartgefühl nennt, wohnt in ihnen. Die verborgene Begegnung mit
Bernadette und mit der Jungfrau Maria kann ein Leben verändern, denn sie
sind an diesem Ort Massabielle gegenwärtig, um uns zu Christus zu
führen, der unser Leben, unsere Kraft und unser Licht ist. Mögen die
Jungfrau Maria und die heilige Bernadette Euch helfen, als Kinder des
Lichtes zu leben, um alle Tage Eures Lebens zu bezeugen, daß Christus
unser Licht, unsere Hoffnung und unser Leben ist!
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| bei der Grotte |
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| Lourdesfenster in Notre Dame de la Salette |