Samstag, 30. Mai 2026

Johanna von Orleans - sie bricht zum König auf (2/10)

 

Aufbruch v. Jeanne d´Arc nach Chinon, Kathedrale von Orleans
 

Aus tiefem Mitgefühl für das Königreich Frankreich fühlte sie sich berufen, den König aufzusuchen.Im Februar 1429 erklärte Jeanne:

„Ich muss zum edlen Dauphin gehen. So will es der König des Himmels. Selbst wenn ich den ganzen Weg auf den Knien zurücklegen müsste, werde ich gehen.

In Vaucouleurs erklärte sich Robert de Baudricourt schließlich bereit, ihr die Reise zu ermöglichen. Nach einem zehntägigen Ritt durch das von den burgundischen Verbündeten Englands beherrschte Gebiet erreichte sie Chinon, wo sie dem Dauphin begegnete, dem späteren König Karl VII.

 

Jeanne d´Arc

Johanna hört himmlische Stimmen (Fenster in Orleans), vita,  1/10 

Statue in Notre Dame de Paris 

Statue im Haus der hl. Therese Les Buissonnets, Lisieux 

an ihrem Hinrichtungsort in Rouen

Heute gedenkt die Kirche auch des Königs Ferdinand III. von Kastilien und des
Priesters und Märtyrers Otto Neururer

in der Pfarrkirche Peter und Paul, wo seine Asche aufbewahrt wird,

Gedenkstätte im Innsbrucker Dom

Sainte-Croix d’Orléans, Kathedrale

Freitag, 29. Mai 2026

Paul VI - das Dokument, das die Liturgie "erneuerte"

Vogel macht sich Worte Paul VI. zu eigen, 2024

Papst Paul VI. (Portrait in Castel Gandolfo, Heiligsprechung durch Papst Franziskus), 2018

Am Grab des hl. Papstes Paul VI. (er erklärt Maria zur Mutter der Kirche) . 2019

Gedanken über den Tod (Paul VI.) und ein Merzedes als Dienstauto, 2020

aus Marialis Cultus, über das Rosenkranzgebet, 2021 

Bronzetür der Primatskapelle in Tabgha,
die der Pastoralbesuche Paul VI. (1964) und Johannes Paul II. (2000) gedenkt;
Jesus als guter Hirt, den Petrus den Schlüssel übergibt, Brotvermehrung und Abendmahl


Paul VI., Tabgha

APOSTOLISCHE KONSTITUTION

MISSALE ROMANUM

EINFÜHRUNG DES GEMÄSS BESCHLUSS  DES ZWEITEN VATIKANISCHEN KONZILS
ERNEUERTEN RÖMISCHEN MESSBUCHES

PAULUS BISCHOF

DIENER DER DIENER GOTTES ZUM IMMERWÄHRENDEN GEDÄCHTNIS

Das Römische Meßbuch, auf Grund eines Beschlusses des Konzils von Trient von Unserem Vorgänger, dem heiligen Pius V., im Jahre 1570 herausgegeben (Vgl. Apostolische Konstitution Quo primum vom 14.7.1570.), gehört nach allgemeinem Urteil zu den vielen und segensreichen Ergebnissen, die dieses Konzil für die gesamte Kirche Christi zeitigte. Vier Jahrhunderte lang haben Priester des lateinischen Ritus sich seiner als Norm zur Feier des eucharistischen Opfers bedient, und Glaubensboten haben es in fast alle Länder gebracht. Zahllose heilige Menschen haben für ihr geistliches Leben aus seinen Schriftlesungen und Gebeten in reichem Maß wertvolle Anregungen geschöpft, aus jenen Texten also, deren Ordnung im wesentlichen auf Gregor den Großen zurückgeht.

Seit geraumer Zeit hat sich nun aber im christlichen Volk eine liturgische Erneuerung in steigendem Maße entfaltet, die nach einem Wort Unseres Vorgängers Pius XII. als Walten der Vorsehung Gottes gegenüber den Menschen unserer Zeit und als gnadenvolles Wirken des Heiligen Geistes in seiner Kirche (Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Pastoralliturgischen Kongresses zu Assisi am 22.9.1956: AAS 48 (1956), S.712.) anzusehen ist. Diese Erneuerungsbewegung hat weithin deutlich werden lassen, daß die Texte des Römischen Meßbuches einer Überarbeitung und Erweiterung bedürfen. Einen Anfang machte Unser Vorgänger Pius XII. durch die Neuordnung der Osternacht und der Karwoche (Vgl. Ritenkongregation, Dekret Dominicae Resurrectionis vom 9.2.1951: AAS 43 (1951), S.128 ff.; Dekret Maxima redemptionis nostrae mysteria vom 16.11.1955: AAS 47 (1955), S.838 ff.), womit er gleichsam den ersten Schritt tat, um das Römische Meßbuch dem Empfinden unserer Zeit anzupassen.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat mit der Konstitution Sacrosanctum Concilium die Grundlage für eine allgemeine Erneuerung des Römischen Meßbuches gelegt. Nach seinen Bestimmungen sollen Texte und Riten so geordnet werden, daß sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen (II. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium Art. 21.); Der Meßordo soll so überarbeitet werden, daß der eigentliche Sinn der einzelnen Teile und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten und die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen erleichtert wird. (Vgl. ebd. Art. 50.) Damit den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Ferner beschloß das Konzil, daß ein neuer Konzelebrationsritus geschaffen und in das Römische Pontifikale und Missale eingefügt werde. (Vgl. ebd. Art. 57.)

Diese Erneuerung des Römischen Meßbuches ist jedoch nicht plötzlich und unvorbereitet gekommen. Ihr haben die Ergebnisse der liturgiewissenschaftlichen Arbeiten während der letzten vier Jahrhunderte den Weg bereitet. Wie aus der Apostolischen Konstitution Quo primum Unseres Vorgängers, des heiligen Pius V., hervorgeht, hatten schon nach dem Konzil von Trient zur Revision des Römischen Meßbuches das Studium und der Vergleich der alten Handschriften, die sich in der Vatikanischen Bibliothek befanden oder die von überall her hinzugezogen wurden, nicht wenig beigetragen. Inzwischen sind sowohl älteste liturgische Quellen neu erschlossen und veröffentlicht wie auch Texte der Ostkirchen eingehender untersucht worden. Es ergab sich bei vielen der Wunsch, die dort vorhandenen Reichtümer des Glaubens und der Frömmigkeit nicht länger im Dunkel der Bibliotheken verborgen zu halten, sondern ans Licht zu bringen, um Herz und Sinn der Christen zu erleuchten und zu nähren.

Wir möchten im folgenden die Neuordnung des Römischen Meßbuches wenigstens in den Grundzügen beschreiben. Zunächst sei die Allgemeine Einführung erwähnt, die gleichsam die Einleitung des Buches bildet. In ihr werden die neuen Richtlinien für die Feier des eucharistischen Opfers dargelegt, die sich auf die Handlungen und Dienste eines jeden Teilnehmers sowie auf alles, was zur heiligen Feier sachlich und räumlich notwendig ist, beziehen. Die bedeutendste Neuerung betrifft wohl das eucharistische Hochgebet.

Zwar sind im römischen Ritus für den ersten Teil dieses Gebetes, die Präfation, im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Texte geschaffen worden; der zweite Teil hingegen, der Kanon genannt wurde, erhielt in der Zeit vom 4. zum 5. Jahrhundert eine unveränderliche Form. Im Gegensatz hierzu ließen die ostkirchlichen Liturgien eine gewisse Abwechslung von Anaphoren zu. Gemäß Unserer Anordnung ist nun das eucharistische Hochgebet durch eine größere Anzahl von Präfationen bereichert worden, die teils der alten Tradition der römischen Kirche entnommen, teils neu verfaßt sind, um so die verschiedenen Aspekte des Heilsmysteriums deutlicher werden zu lassen und zahlreichere Motive der Danksagung anzuführen. Außerdem haben Wir für das Hochgebet drei neue Texte hinzufügen lassen. Aus pastoralen Gründen und zur Erleichterung der Konzelebration haben Wir verfügt, daß die Herrenworte in allen Fassungen des Kanons die gleichen seien. Wir bestimmen also, daß sie in jedem eucharistischen Hochgebet folgendermaßen lauten. Über das Brot: „Nehmet und esset alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Über den Kelch: „Nehmet und trinket alle daraus, das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Die vom Priester gesprochenen Worte „Geheimnis des Glaubens“ werden aus dem Kontext der Herrenworte gelöst und als Einleitung einer Akklamation der Gläubigen verwendet.

Was den Ordo Missae betrifft, sind die Riten unter Wahrung ihrer Substanz einfacher geworden. (Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium Art. 50.) Es entfiel, was im Laufe der Zeit verdoppelt oder weniger glücklich eingefügt worden ist (Vgl. ebd. Art. 50.), vor allem bei der Bereitung von Brot und Wein sowie bei der Brotbrechung und der Kommunion.

Hingegen wurde wiederhergestellt nach der ehrwürdigen Norm der Väter, was durch die Ungunst der Zeiten verlorengegangen war. (Vgl. ebd. Art. 50.) Hierher gehören die Homilie (Vgl. ebd. Art. 52.), das „Allgemeine Gebet“ oder „Gebet der Gläubigen“ (Vgl. ebd. Art. 53.) und zu Beginn der Messe ein „Schuldbekenntnis“ oder „Ritus der Versöhnung mit Gott und den Brüdern“, der die ihm zukommende Bedeutung zurückerhielt.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat ferner angeordnet, daß innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volke vorgetragen werden. (Vgl. ebd. Art. 51.) Dementsprechend wurden die an den Sonntagen zu verlesenden Perikopen auf eine Drei-Jahres-Ordnung verteilt. Überdies ist an allen festlichen Tagen der Epistel- und Evangelienlesung eine weitere Lesung aus dem Alten Testament – in der Osterzeit aus der Apostelgeschichte – vorausgestellt. Auf diese Weise wird die Dynamik der Heilsgeschichte durch Gottes Offenbarungswort klarer ins Licht gerückt. Diese Fülle biblischer Lesungen, die an den Sonn- und Feiertagen den größeren Teil der Heiligen Schrift den Gläubigen nahebringt, wird durch weitere Teile der heiligen Bücher, die an den anderen Tagen verkündet werden, ergänzt.

Diese Neuordnungen zielen darauf hin, bei den Gläubigen jenes Verlangen nach dem Worte Gottes(Vgl. Amos 8,11.) zu steigern, wodurch das Volk des Neuen Bundes unter Leitung des Heiligen Geistes zur vollkommenen Einheit der Kirche hingeführt wird. Wir hegen die feste Zuversicht, daß Priester und Gläubige sich auf Grund dieser Erneuerung besser für das Herrenmahl bereiten und durch größere Vertrautheit mit der Heiligen Schrift tiefer in das Verständnis des Gotteswortes eindringen. Die Heiligen Schriften sollen so – entsprechend den Mahnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils – für alle zum gleichsam nie versiegenden Quell geistlichen Lebens, zur Grundlage der Glaubensunterweisung und zum Herzstück aller theologischen Lehre werden.

Bei der Erneuerung des Römischen Meßbuches sind aber nicht nur die bisher erwähnten drei Teile (das eucharistische Hochgebet, der Ordo Missae und die Leseordnung) geändert worden; auch die anderen sind überprüft und erheblich verändert worden: die Eigenmessen des Herrenjahres, die Eigenmessen für die Gedenktage der Heiligen, die Commune-Texte für die Gedenktage der Heiligen, die Messen zu bestimmten Feiern und die Votivmessen. Dabei wurde besondere Sorgfalt auf die Orationen verwandt; sie wurden nicht nur zahlenmäßig vermehrt, damit neue Orationen den neuen Bedürfnissen unserer Zeit entsprechen, sondern es wurden auch die alten Orationen an Hand der Quellen überprüft. So wurde es auch möglich, für die Wochentage der liturgischen Hauptzeiten, der Advents-, Weihnachts-, Fasten- und Osterzeit, jeweils eigene Orationen anzugeben.

Was schließlich die Texte des Graduale Romanum betrifft, bleiben sie – wenigstens für den Gesangsvortrag – unverändert. Um ein besseres Verständnis der Texte zu erreichen, wurde der Antwortpsalm, von dem bei Augustinus und Leo dem Großen oft die Rede ist, wieder eingeführt. Auch wurden für Meßfeiern ohne Gesang Eröffnungs- und Kommunionverse, soweit angebracht, neu geschaffen.

Zum Abschluß möchten Wir nach allem, was Wir bis jetzt über das neue Römische Meßbuch gesagt haben, noch auf einen Gedanken besonders hinweisen. Als Unser Vorgänger Pius V. die erste Ausgabe des Römischen Meßbuches veröffentlichte, bot er es dem christlichen Volk gleichsam als Hilfe zur Einheit in der Liturgie und als Ausdruck echten und frommen Gottesdienstes in der Kirche dar. Der Anordnung des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, haben Wir zwar im neuen Meßbuch berechtigter Vielfalt und Anpassung (Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium Art. 38-40). ihren Platz zuerkannt; dennoch geben auch Wir der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Buch von den Gläubigen als eine Hilfe zur gegenseitigen Bezeugung und Stärkung der Einheit angenommen werde. Durch seine Verwendung soll in der Mannigfaltigkeit vieler Sprachen aus den Herzen aller ein und dasselbe Gebet, das Gott wohlgefälliger ist als Weihrauch, zum himmlischen Vater durch unseren Hohenpriester Jesus Christus im Heiligen Geiste emporsteigen.

Die Bestimmungen dieser Konstitution treten am 30. November, dem ersten Adventssonntag dieses Jahres, in Kraft.

Unsere Anordnungen und Vorschriften sollen jetzt und in Zukunft gültig und rechtskräftig sein, unter Aufhebung jedweder entgegenstehender Konstitutionen und Verordnungen Unserer Vorgänger sowie aller übrigen Anweisungen, welcher Art sie auch seien.

Gegeben zu St. Peter in Rom, am 3. April, Gründonnerstag 1969, im sechsten Jahre Unseres Pontifikates.

PAULUS PP. VI.


Primatskapelle in Tabgha

Dienstag, 26. Mai 2026

Im Oratorium des Philipp Neri in Chioggia Oratorio dei "Rossi"

 

Oratorium des hl. Philipp zur heiligsten Dreifaltigkeit, Chioggia

 
 
Die Liebe, die unsere selige Jungfrau Maria zu Gott hatte, war so groß, dass sie unendlich unter ihrem Wunsch nach Vereinigung mit Ihm litt.
Um sie zu trösten sandte ihr deshalb der Ewige Vater seinen einzigen, geliebten Sohn.


(Philipp Neri, in: eine Richtschnur für jeden Tag, die Maximen des hl. Philipp Neri, 1. Juni)

Kapelle des hl. Philipp Neri,
die Jungfrau mit den Heiligen Philipp Neri und Franz von Sales, G. Bevilacqua, 1794

in Chioggia, rechts das Oratorium zur heiligsten Dreifaltigkeit

Philipp Neri

Hochaltar in San Felipe Neri, Palma de Mallorca 

Am Grab des hl. Philipp 2 

Kelch, Brille und Büstenreliquiar in den Räumen bei der chiesa nova, über die heilige Messe 

Glasfenster in Our Lady and the English Martyrs Church, Cambridge (über die Demut)

Fresko, der Heilige empfängt den Heiligen Geist, Privaträume bei der Chiesa Nova, Rom

Beichtstuhl des Philipp Neri, Relief über dem Eingang zu seinen Privaträumen (über die Beichte)

Kapelle des hl. Philipp Neri in der Chiesa Nova, Brustreliquie, Totenmaske (seine Sorge für das Heil der Menschen) 

Beim Grab des P. Neri in der Chiesa Nova (Gott lieben)

Fresko, Zelebration, Ekstase und Schweben - starkes Argument für Zelebration ad orientem

Philipp über die tägliche Zelebration (Sakristei Pöllau, ohne Philipp ;-))

Montag, 25. Mai 2026

Heiligkeit ist Gleichförmigkeit mit Christus

 

Maria, Mutter der Kirche bitte für uns!
San Benedetto, Subiaco

PREDIGT VON PAPST LEO XIV.

Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche - Montag, 9. Juni 2025

heute wird uns die Freude und Gnade zuteil, am liturgischen Gedenktag Marias, der Mutter der Kirche, die Jubiläumsfeier des Heiligen Stuhls zu begehen. Dieses glückliche Zusammentreffen ist eine Quelle des Lichts und der inneren Inspiration im Heiligen Geist, der gestern, am Pfingstfest, in Fülle auf das Volk Gottes herabkam. Und in diesem geistlichen Klima begehen wir heute einen besonderen Tag, zuerst mit der Meditation, die wir gehört haben, und jetzt hier am Tisch des Wortes und der Eucharistie.

Das Wort Gottes in dieser Messe lässt uns das Geheimnis der Kirche – und in ihr des Heiligen Stuhls – im Licht der beiden biblischen Bilder verstehen, die der Heilige Geist in der Apostelgeschichte (1,12-14) und im Johannesevangelium (19,25-34) beschrieben hat.

Beginnen wir mit dem grundlegenden Bild, dem Bericht über Jesu Tod. Johannes, der als einziger der Zwölf auf dem Kalvarienberg zugegen war, sah und bezeugte, dass unter dem Kreuz, zusammen mit den anderen Frauen, die Mutter Jesu stand (V. 25). Und er hörte mit eigenen Ohren die letzten Worte des Herrn, darunter diese: »Frau, siehe, dein Sohn!«, und dann, an ihn gerichtet: »Siehe, deine Mutter!« (V. 26-27).

Die Mutterschaft Marias hat durch das Geheimnis des Kreuzes einen unvorstellbaren Sprung gemacht: Die Mutter Jesu wurde zur neuen Eva, weil der Sohn diese Verbindung zwischen ihr und seinem Erlösungstod herstellte, der Quelle neuen und ewigen Lebens für jeden Menschen, der in diese Welt kommt. Das Thema der Fruchtbarkeit ist in dieser Liturgie sehr präsent. Das Tagesgebet hat es sofort hervorgehoben, indem es uns den Vater bitten lässt, dass die Kirche, getragen von der Liebe Christi, »immer fruchtbarer werde im Geist« [1].

Die Fruchtbarkeit der Kirche ist dieselbe wie die Fruchtbarkeit Marias, und sie verwirklicht sich im Leben ihrer Glieder in dem Maße, in dem sie „im Kleinen“ nachempfinden, was die Mutter gelebt hat, das heißt, sie lieben gemäß der Liebe Jesu. Die gesamte Fruchtbarkeit der Kirche und des Heiligen Stuhls hängt vom Kreuz Christi ab. Andernfalls ist es nur Schein, wenn nicht Schlimmeres. Ein großer zeitgenössischer Theologe schrieb: »Ist sie [die Kirche] der Baum, der aus dem kleinen Senfkorn des Kreuzes hervorwuchs, so ist dieser Baum bestimmt, selber wieder Senfkörner zu tragen, Früchte also, die die Gestalt des Kreuzes wiederholen, weil sie sich ihm verdanken« (H.U. von Balthasar, Cordula oder der Ernstfall, S. 38).

Im Tagesgebet haben wir auch darum gebetet, dass sich die Kirche „an der Heiligkeit ihrer Kinder erfreut“. Tatsächlich ist diese Fruchtbarkeit Marias und der Kirche untrennbar mit ihrer Heiligkeit verbunden, das heißt mit ihrer Gleichförmigkeit mit Christus. Der Heilige Stuhl ist heilig wie die Kirche in ihrem ursprünglichen Kern, in der Faser, aus der sie gewoben ist. So hütet der Apostolische Stuhl die Heiligkeit ihrer Wurzeln, während er selbst von ihnen behütet wird. Aber es ist nicht weniger wahr, dass er auch in der Heiligkeit eines jeden seiner Mitglieder lebt. Der beste Weg, dem Heiligen Stuhl zu dienen, besteht also in dem Bemühen, heilig zu sein – jeder von uns gemäß seinem jeweiligen Lebensstand und der ihm anvertrauten Aufgabe.

Ein Priester zum Beispiel, der wegen seines Dienstes persönlich ein schweres Kreuz zu tragen hat und dennoch jeden Tag ins Büro geht und versucht, seine Arbeit nach besten Kräften mit Liebe und Glauben zu tun. Dieser Priester hat Anteil an der Fruchtbarkeit der Kirche und trägt zu ihr bei. Und so ist es auch bei einem Familienvater oder einer Familienmutter, die zu Hause eine schwierige Situation erleben, wie etwa ein Kind, das Sorgen bereitet, oder ein kranker Elternteil: Wenn diese Eltern ihre Arbeit mit Engagement ausüben, dann sind dieser Mann und diese Frau fruchtbar durch die Fruchtbarkeit Marias und der Kirche.

Kommen wir nun zum zweiten Bild, das der heilige Lukas zu Beginn der Apostelgeschichte beschreibt und das die Mutter Jesu zusammen mit den Aposteln und Jüngern im Abendmahlssaal darstellt (1,12-14). Es zeigt uns die Mutterschaft Marias in Bezug auf die entstehende Kirche, jene „archetypische“ Mutterschaft, die in jeder Zeit und an jedem Ort von Bedeutung bleibt. Vor allem ist sie immer die Frucht des Ostergeheimnisses, der Gabe des gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Der Heilige Geist, der machtvoll auf die erste Gemeinde herabkommt, ist derselbe Geist, den Jesus mit seinem letzten Atemzug übergab (vgl. Joh 19,30). Dieses biblische Bild ist untrennbar mit dem ersten verbunden: Die Fruchtbarkeit der Kirche ist immer an die Gnade gebunden, die zusammen mit dem Blut und dem Wasser, den Symbolen der Sakramente, aus dem durchbohrten Herzen Jesu strömt (vgl. Joh 19,34).

Maria steht im Abendmahlssaal dank der mütterlichen Sendung, die sie am Fuße des Kreuzes erhalten hat, im Dienst der entstehenden Gemeinde: Sie ist die lebendige Erinnerung an Jesus und als solche sozusagen der Anziehungspol, der die Unterschiede harmonisiert und bewirkt, dass das Gebet der Jünger einmütig ist.

Die Apostel werden auch in diesem Text namentlich aufgeführt, und wie immer ist der erste Petrus (vgl. V. 13). Aber auch er, ja gerade er, wird von Maria in seinem Amt unterstützt. In analoger Weise unterstützt die Mutter Kirche den Dienst der Nachfolger Petri mit dem marianischen Charisma. Der Heilige Stuhl lebt in ganz besonderer Weise die Kopräsenz der beiden Prinzipien, des marianischen und des petrinischen Prinzips. Und es ist das marianische Prinzip, das die Fruchtbarkeit und Heiligkeit des petrinischen Prinzips mit seiner Mutterschaft, einem Geschenk Christi und des Heiligen Geistes, gewährleistet.

Meine Lieben, preisen wir Gott für sein Wort, das Licht, das unsere Wege erhellt, auch unser tägliches Leben im Dienst des Heiligen Stuhls. Und von diesem Wort erleuchtet, wiederholen wir unser Gebet: »Vater […], schau hin auf [Christi] große Liebe, lass die Kirche zur Mutter vieler Kinder werden, an deren Heiligkeit sie sich freuen kann, und führe alle Völker in ihre Gemeinschaft« (Tagesgebet). Amen.

San Benedetto, Subiaco



Sonntag, 24. Mai 2026

Pfingsten ist Erfüllung von Tod und Auferstehung Jesu

Polychromes Relief in der Krakauer Marienkirche, Redemptoris mater 27,28 

Glasfenster in St Giles, Cambridge, Redemptoris mater 26 

Glasfenster im Kölner Dom, Hymnus Und wieder führt das Jahr.... 

Teppich in der Kathedrale von Como, Tagesgebet 

Glasmalerei in der St Aloysius R. C. Church, London (B16, Regina Coeli, 15. Mai 2005)

Glasfenster im Stift Lambrecht (Gebet von Johannes Baptist von la Salle

Glasfenster in Our Lady and the Martyrers, Cambridge (JP II. Gebet in Altötting)

Holzrelief in der Kathedrale von Orleans,  JP II, Gebet aus vita consecrata

 
 
Pfingsten, Kölner Dom

PAPSTMESSE AM HOCHFEST PFINGSTEN PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.

Vatikanische Basilika Sonntag, 12. Juni 2011

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir feiern heute das bedeutende Hochfest Pfingsten. Wenn in einem gewissen Sinn alle liturgischen Hochfeste der Kirche bedeutend sind, so ist es Pfingsten in einer einzigartigen Weise, da es am fünfzigsten Tag die Erfüllung des Paschaereignisses, des Todes und der Auferstehung Jesu, des Herrn, durch die Gabe des Geistes des Auferstandenen bezeichnet. Auf Pfingsten hat uns die Kirche in den vergangenen Tagen mit ihrem Gebet vorbereitet, mit der wiederholten und innigen Anrufung Gottes, um eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes über uns zu erlangen. Die Kirche hat so erneut erlebt, was an ihren Anfängen geschehen ist, als die im Abendmahlssaal von Jerusalem versammelten Apostel »dort einmütig im Gebet [verharrten], zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern« (Apg 1,14). Sie waren in demütiger und vertrauensvoller Erwartung versammelt, daß sich die ihnen von Jesus mitgeteilte Verheißung des Vaters erfülle: »Ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft […] ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird« (Apg 1,5.8).

In der Pfingstliturgie entspricht dem Bericht der Apostelgeschichte über das Entstehen der Kirche (vgl. Apg 2,1–11) der Psalm 104, den wir gehört haben: ein Lobpreis der ganzen Schöpfung, die dem Schöpfergeist huldigt, der alles mit Weisheit gemacht hat: »Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen … Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke« (Ps 104,24.31). Was uns die Kirche sagen will, ist folgendes: Der Geist, Schöpfer aller Dinge, und der Heilige Geist, den Christus vom Vater auf die Gemeinde der Jünger herabsteigen hat lassen, sind ein und derselbe: Schöpfung und Erlösung gehören zueinander und bilden in der Tiefe ein einziges Geheimnis der Liebe und des Heils. Der Heilige Geist ist vor allem Schöpfergeist, und somit ist Pfingsten auch ein Fest der Schöpfung. Für uns Christen ist die Welt Frucht einer Liebestat Gottes, der alles gemacht hat und sich darüber freut, da es »gut«, »sehr gut« ist, wie der Schöpfungsbericht sagt (Gen 1,1–31). Daher ist Gott nicht der ganz Andere, unnennbar und geheimnisvoll. Gott offenbart sich, er hat ein Antlitz, Gott ist Vernunft, Gott ist Wille, Gott ist Liebe, Gott ist Schönheit. Der Glaube an den Schöpfergeist und der Glaube an den Geist, den der auferstandene Christus den Aposteln geschenkt hat und einem jeden von uns schenkt, sind untrennbar ineinander verschränkt.

Die zweite Lesung und das Evangelium von heute zeigen uns diese Verbindung. Der Heilige Geist ist es, der uns in Christus den Herrn erkennen läßt, und er läßt uns das Glaubensbekenntnis der Kirche sprechen: »Jesus ist der Herr« (vgl. 1 Kor 12,3b). »Herr« ist der Gott im Alten Testament gegebene Titel, ein Titel, der in der Lesung der Bibel den Platz seines unaussprechlichen Namen einnahm. Das Credo der Kirche ist nichts anderes als die Entfaltung dessen, was mit diesem einfachen Satz gesagt wird: »Jesus ist der Herr.« Von diesem Glaubensbekenntnis sagt uns der hl. Paulus, daß es sich gerade um das Wort und das Werk des Heiligen Geistes handele. Wenn wir im Geist sein wollen, so müssen wir diesem Credo zustimmen. Indem wir es uns zu eigen machen, indem wir es als unser Wort annehmen, haben wir Zugang zum Wirken des Heiligen Geistes.

Der Ausdruck »Jesus ist der Herr« kann in seinem zweifachen Sinn gelesen werden. Er bedeutet: Jesus ist Gott, und zugleich: Gott ist Jesus. Der Heilige Geist erhellt diese Gegenseitigkeit: Jesus besitzt göttliche Würde, und Gott hat das menschliche Antlitz Jesu. Gott zeigt sich in Jesus und schenkt uns damit die Wahrheit über uns selbst. Sich in der Tiefe von diesem Wort erleuchten zu lassen ist das Pfingstereignis. Wenn wir das Credo beten, treten wir in das Geheimnis des ersten Pfingsten ein: gegenüber der Unordnung Babels, gegenüber jenen Stimmen, die sich gegenseitig anschreien, vollzieht sich eine radikale Verwandlung: die Vielfalt wird zu einer vielgestaltigen Einheit, der einenden Macht der Wahrheit entwächst das Verstehen. Im Credo, das uns auf der ganzen Erde vereint, das es durch den Heiligen Geist möglich macht, daß man sich durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe auch in der Verschiedenheit der Sprachen versteht, bildet sich die neue Gemeinschaft der Kirche Gottes.

Der Abschnitt aus dem Evangelium bietet uns dann ein wunderbares Bild, um die Verbindung zwischen Jesus, dem Heiligen Geist und dem Vater zu erhellen: der Heilige Geist wird als der Hauch des auferstandenen Jesus Christus dargestellt (vgl. Joh 20,22). Der Evangelist Johannes nimmt hier ein Bild des Schöpfungsberichtes auf, wo es heißt, daß Gott in die Nase des Menschen den Lebensatem blies (vgl. Gen 2,7). Der Hauch Gottes ist Leben. Nun haucht der Herr in unsere Seele den neuen Lebensatem, den Heiligen Geist, sein innerstes Wesen, und auf diese Weise nimmt er uns in die Familie Gottes auf. Mit der Taufe und der Firmung hat er uns dieses Geschenk in einer spezifischen Weise gemacht, und mit den Sakramenten der Eucharistie und der Buße wiederholt es sich ständig: der Herr haucht in unsere Seele einen Lebensatem. Alle Sakramente, jedes auf seine Weise, teilen dem Menschen dank des Heiligen Geistes, der in ihnen wirkt, das göttliche Leben mit.

In der heutigen Liturgie nehmen wir noch eine weitere Verbindung wahr. Der Heilige Geist ist Schöpfer, er ist gleichzeitig Geist Jesu Christi, derart jedoch, daß der Vater, der Sohn und der Heilige Geist einer und ein einziger Gott sind. Und im Licht der ersten Lesung können wir hinzufügen: der Heilige Geist beseelt die Kirche. Sie entstammt nicht dem menschlichen Willen, dem Nachdenken, der Geschicktheit des Menschen oder seiner organisatorischen Fähigkeit, denn wäre dem so, so wäre sie schon seit langem untergegangen, wie alles Menschliche vergeht. Die Kirche ist vielmehr der vom Heiligen Geist beseelte Leib Christi. Die Bilder des Sturmes und des Feuers, die der hl. Lukas benutzt, um das Kommen des Heiligen Geistes darzustellen (vgl. Apg 2,2–3), erinnern an den Sinai, wo Gott sich dem Volk Israel offenbart und ihm den Bund mit ihm gewährt hatte. »Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt«, so lesen wir im Buch Exodus, »denn der Herr war im Feuer auf ihn herabgestiegen « (19,18). Tatsächlich feierte Israel den fünfzigsten Tag nach dem Paschafest, nach dem Gedenken der Flucht aus Ägypten, als das Fest des Sinai, das Fest des Bundes. Wenn der hl. Lukas von Feuerzungen spricht, um den Heiligen Geist darzustellen, wird damit jenes alte Bündnis in Erinnerung gerufen, das auf der Grundlage des von Israel auf dem Sinai empfangenen Gesetzes besiegelt worden war. So wird das Pfingstereignis als ein neuer Sinai dargestellt, als die Gabe eines neuen Bündnisses, in dem der Bund mit Israel auf alle Völker der Erde ausgeweitet wird, in dem alle Beschränkungen des alten Gesetzes fallen und dessen heiligstes und unveränderliches Herz zutage tritt, das heißt die Liebe, die gerade der Heilige Geist mitteilt und ausgießt, die Liebe, die alle Dinge umfaßt. Gleichzeitig wird das Gesetz weiter, es öffnet sich und wird dabei dennoch einfacher: Es ist das neue Bündnis, das der Heilige Geist in die Herzen all derer einschreibt, die an Christus glauben. Die Ausweitung des Bündnisses auf alle Völker der Erde wird vom hl. Lukas durch eine für jenes Zeitalter beachtenswerte Aufzählung von Völkern dargestellt (vgl. Apg 2,9–11).

Damit wird uns etwas sehr Wichtiges gesagt: daß die Kirche vom ersten Augenblick an katholisch ist, daß ihre Universalität nicht das Ergebnis einer späteren Aufnahme verschiedener Gemeinschaften ist. Vom ersten Augenblick an hat sie nämlich der Heilige Geist als Kirche aller Völker geschaffen; sie umfaßt die ganze Welt, sie überwindet die Grenzen von Rasse, Klasse und Nation; sie reißt alle Schranken nieder und vereint die Menschen im Bekenntnis des einen und dreifaltigen Gottes. Von Anbeginn ist die Kirche die eine, katholische und apostolische Kirche: dies ist ihr wahres Wesen und als solche muß sie anerkannt werden. Sie ist nicht dank der Fähigkeiten ihrer Glieder heilig, sondern weil Gott selbst sie mit seinem Geist schafft, reinigt und immer heiligt. Schließlich schenkt uns das heutige Evangelium diesen wunderschönen Ausdruck: »Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen« (Joh 20,20). Diese Worte sind zutiefst menschlich. Der verlorene Freund ist wieder gegenwärtig, und wer vorher fassungslos war, freut sich nun. Doch er besagt viel mehr. Denn der verlorene Freund kommt nicht von irgendwo her, sondern aus der Nacht des Todes; und er hat sie durchschritten! Er ist nicht irgendeiner, sondern er ist der Freund und zugleich jener, der die Wahrheit ist, die die Menschen leben läßt; und was er schenkt, ist nicht irgendeine Freude, sondern die Freude schlechthin, Gabe des Heiligen Geistes. Ja, es ist schön zu leben, da ich geliebt bin, und es ist die Wahrheit, die mich liebt. Die Jünger freuten sich, daß sie den Herrn sahen. Heute, am Pfingstfest, gelten diese Worte auch uns, da wir ihn im Glauben sehen können; im Glauben kommt er unter uns und zeigt auch uns die Hände und die Seite, und wir freuen uns darüber. Daher wollen wir beten: Herr, zeige dich! Schenke uns deine Gegenwart, und so werden wir das schönste Geschenk haben: deine Freude. Amen!



Johannes Klein Fenster, Jesus von Nazareth, Kölner Dom