Samstag, 1. August 2026

Lebensordung eines Christen (Alfons v. Liguori)

 

Grab des heiligen Alfons von Liguori, Pagani

 

Sobald man des Morgens aufgestanden ist, soll man folgende Gebete verrichten:
 

1. Mein, Gott, ich bete Dich an, ich liebe Dich von ganzem Herzen, und ich danke Dir für alle Wohltaten, die Du mir erwiesen, besonders dafür, daß Du mich diese Nacht erhalten hast.

2. Ich opfere Dir alles auf, was ich heute tun und leiden werde, ich vereinige es mit allem, was Jesus und Maria getan und gelitten haben, und mache zugleich die Meinung, alle Ablässe zu gewinnen, die ich gewinnen kann.

3. Ich nehme mir vor, o Herr, mich vor aller Sünde zu hüten, und bitte Dich, Deine schützende Hand über mich zu halten, damit ich Dich nicht neuerdings beleidige und verrate.
Mutter meines Herrn und meine Mutter Maria, bewahre mich unter deinem Schutzmantel.
Mein heiliger Schutzengel und meine heiligen Schutzpatrone, steht mir bei.
 

Zum Schluß ein Vater unser, ein Ave Maria und den Glauben, und sodann noch drei Ave Maria zu Ehren der unbefleckten Reinheit der allerseligsten Jungfrau. 

(Hl. Alfons Maria von Liguori, Lebensordnung eines Christen, Hrsg. Priesterseminar St. Petrus, Wigratzbad, 9) 

Verherrlichung von Alfons v. Liguori, Basilika des hl. Alfons, Pagani


Heiliger Alfons, bitte für uns!

 

Altar des hl. Alfons in Maria am Gestade, Wien, B16 Generalaudienz vom 1. August 2012 über das Gebet

Totenmaske des hl. Alfons, Leiden und Tod des Heiligen

 

Eucharistie am Grab des hl. Alfons, Bild Sakristei (Brot des Lebens)

Am Grab des hl. Alfons von Liguori in Pagani

Wie der Heiland geliebt zu werden verdient (Bild des Gekreuzigten von Alfons gemalt), Glasfenster des hl. Alfons in Pagani

Bild des hl. Alfons in Maria am Gestade 

Jesus, lass mich Dich inniger lieben (Gebet) 

Belebe mich durch Deine Gnade (Gebet)

 

 

Freitag, 31. Juli 2026

Mitfühlen mit dem leidenden Herrn (Ignatius von Loyola)

 

Ignatius und seine Gefährten schauen auf den leidenden Herrn,
Pfarrkirche Posen zur Muttergottes, des Bischofs Stanislaus

In der dritten Woche der geistlichen Übungen steht die Passion im Mittelpunkt. Ignatius empfiehlt, die einzelnen Szenen – Abendmahl, Garten Getsemani, Verhör, Kreuzweg und Kreuzigung – meditativ zu betrachten.

Ignatius fragt:

Was tut Christus?
Was leidet Christus für mich?
Wie antworte ich auf diese Liebe?

Bitten um das, was ich begehre: um das also, was als Bitte für die Leidenwoche eigentümlich ist: 
Schmerz mit dem schmerzerfüllten Christus,
Zerschlagenheit mit dem zerschlagenen Christus,
Tränen, innerliche Pein über die große Pein, die Christus für mich gelitten hat.


(aus der zweiten Betrachtung der dritten Woche der geistlichen Übungen, Geistliche Übungen, Hrsg. Adolf Haas, 70) 

Hinweis auf Apg 9,15: ut portet nomen meum coram gentibus et regibus et filiis Israel.
(Damit er meinen Namen) vor die Völker, die Könige (und Kinder Israels trägt)



Pfarrkirche von der Mutter der immerwährenden Hilfe und der hl. Maria Magdalena, Posen,
Kirche zum hl. Bischof Stanislaus, frühere Jesuitenkirche

Donnerstag, 30. Juli 2026

Petrus Chrysologus - Geh beim Samenkorn in die Schule

Altarbild des Todes von Bischof Petrus Chrysologus in der Kathedrale von Ravenna

Am Grab des hl. Petrus Chrysologus in Imola 

 

Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Leopold Mandic

Leopold Mandic Denkmal vor dem Kapuzinerkloster in Padua als Beichtvater 

Glasfenster im Kapuzinerkloster in Padua, Relief des hl. Leopold

Leopold Mandic, Apostel der Barmherzigkeit

Leopold Mandic unter den kroatischen Heiligen im Krka Nationalpark

Leopold als Apostel der Barmherzigkeit 2

Am Grab des hl. Leopold Mandic in Padua

 

und der hl. Erentrudis von Salzburg.

Kathedrale des hl. Cassian von Imola 

Abgang zum Grab des hl. Petrus Chrysologus und des hl. Cassian von Imola

Geboren in Forum Cornelii bei Ímola um 380, wurde er Kleriker und vor 431 Bischof von Ravenna, das unter ihm als Residenzstadt zur kirchlichen Metropole aufrückte. Er verlangte von Eutyches, der sich an ihn wandte, die Unterordnung unter den römischen Bischof. Seine gedankentiefen und originellen Predigten erweisen ihn als einen bedeutenden Redner und Schriftsteller, was den Beinamen „Goldredner“, den er wohl als Gegenstück zum hl. Johannes Chrysostomus erhielt, rechtfertigt. Gestorben am 31. Juli 450 in Forum Cornelii, das Grab wird in Ímola verehrt.

Erhabener Gott, du hast den Bischof Petrus Chrysologus
zu einem begnadeten Verkünder deines ewigen Wortes gemacht,
das unsere Menschennatur angenommen hat.
Gewähre uns auf seine Fürsprache,
dass wir die Geheimnisse der Erlösung
allezeit im Herzen erwägen
und in unseren Werken davon Zeugnis geben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Heiliger Petrus Chrysologus, bitte für uns

 

Es hat nicht nur vergebens geglaubt, sondern auch vergebens gelebt, wer sich nur dafür geboren glaubt, daß er untergehe.
Mensch, was geht dir auf, das nicht auch wieder untergeht?
Und was erhebt sich nicht für dich, das dir untergegangen ist?

Der Tag steigt am Morgen auf, und wird am Abend in die Nacht begraben, und am Morgen erhebt er sich wieder.
Die Sonne wird täglich neu geboren, täglich stirbt sie und täglich ersteht sie wieder.
Die Zeiten gehen unter, indem sie vorüberziehen, und leben wieder auf, indem sie wiederkehren.

Wenn du, Mensch, Gott nicht glauben, dem Gesetz nicht zustimmen, dieser Botschaft nicht trauen willst, dann glaube doch deinen Augen, pflichte doch den Elementen bei, die dir ständig die Auferstehung predigen!
Gewiß, wenn auch dies alles, was vor dir liegt, weit unter dir steht, und doch durch deine Tat vom Tode gleichsam auferweckt wird, so soll dich das alles lehren, daß auch du durch das Werk Gottes auferweckt werden kannst. Geh beim Samenkorn in die Schule, wie der Apostel dich lehrt! (1 Kor 15,36f.)

Betrachte das Weizenkorn, das ohne Empfindung, ohne Bewegung ganz vertrocknet ist: ziehe eine Furche, grabe die Erde auf, bilde eine Grube, begrabe darin das Weizenkorn und dann sieh, wie es im Tode untergeht, wie es durch die Feuchtigkeit anschwillt, wie es in Fäulnis übergeht. Ist es nun so weit gekommen, daß Verzweiflung und Unglauben es dir als Verwesung einzureden versuchen, dann lebt es plötzlich im Keim wieder auf, wächst im Kraut heran, erstarkt im Halm, reift in der Frucht und erhebt sich zu jener vollen Schönheit und Gestalt, die du schon als untergegangen beklagtest.
So will das Weizenkorn dich, Mensch, nicht so sehr zum Essen als zur Erkenntnis führen, nicht so sehr zur Arbeit dich anhalten als zum Glauben.

(Petrus Chrysologus, Vorträge über die Paulusbriefe 51, in: Texte der Kirchenväter 4, 491f) 

Mittwoch, 29. Juli 2026

Christus im Haus von Martha und Maria

 

Jesus mit Martha und Maria im Haus des Lazarus,
Johannes Vermeer,Nationalgallerie Schottland

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 10

In jener Zeit
38 kam Jesus in ein Dorf.
Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf.
39 Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.
Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen
und hörte seinen Worten zu.
40 Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen
zu dienen.
Sie kam zu ihm
und sagte: Herr, kümmert es dich nicht,
dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt?
Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
41 Der Herr antwortete:
Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
42 Aber nur eines ist notwendig.
Maria hat den guten Teil gewählt,
der wird ihr nicht genommen werden.

Der Herr verbietet also nicht die Gastfreundschaft, sondern dass wir uns mit zu vielen Dingen beschäftigen, die uns durcheinanderbringen und von ihm wegziehen.
Und sieh den Entschluß des Herrn: zunächst sagte er Marta nichts, sondern erst als sie ihre Schwester vom Zuhören abzubringen suchte, da ergriff der Herr die Gelegenheit und wies sie zurecht.

Gastfreundschaft nämlich ist ehrenvoll, insofern sie uns zum Notwendigen hinzieht. Wenn sie aber anfängt, uns von Nützlicherem abzuhalten, ist offenkundig, dass es ehrenvoller ist, göttlichen Lehren zuzuhören.
(Theophylactus, Thomas von Aquin, Catena Aurea, Hrsg. Schlosser, Kolbinger, 674)

National Galleries of Scotland, Edinburgh


Dienstag, 28. Juli 2026

Heulen und Zähneknirschen oder leuchten wie die Sonne

 

Jüngstes Gericht, Hans Holbein der Ältere/Gumpolt Giltlinger, um 1502,
Mortuarium des Eichstätter Doms
 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13

In jener Zeit
36 verließ Jesus die Menge
und ging in das Haus.
Und seine Jünger kamen zu ihm
und sagten:
Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!
37 Er antwortete: Der den guten Samen sät,
ist der Menschensohn;
38 der Acker ist die Welt;
der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches;
das Unkraut sind die Kinder des Bösen;
39 der Feind, der es gesät hat,
ist der Teufel;
die Ernte ist das Ende der Welt;
die Schnitter sind die Engel.
40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird,
so wird es auch bei dem Ende der Welt sein:
41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden
und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen,
die andere verführt und Gesetzloses getan haben,
42 und werden sie in den Feuerofen werfen.
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
43 Dann werden die Gerechten
im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten.
Wer Ohren hat, der höre!
(Evangelium vom Dienstag der 17. Woche im Jahreskreis, Lesejahr A)

Die seit 1968 wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzte fensterfüllende Darstellung des Jüngsten Gerichts zeigt in der unteren Zone die Auferstehung der Toten und die Trennung der Auserwählten von den Verdammten.
Die Auferstehung aus den Gräbern wird nur durch drei nackte, mit Leichentuch oder Schurz verhüllte Figuren angedeutet, von denen ein jüngerer und ein älterer Mann bereits von Teufeln ergriffen und fortgetragen, das junge Mädchen dagegen von einem Engel in Empfang genommen wird.
Alle übrigen Figuren, die geistliche und weltliche Obrigkeit, Bürgersleute, Mönche und Bettler, sind standesgemäß gekleidet und offenbaren, wie unterschiedslos die verschiedenen Stände auf beiden Seiten zu finden sind. Besonders Kaiser und Könige, Päpste, Kardinäle und Bischöfe scheinen streng paritätisch auf Paradies und Hölle verteilt.
Links sieht man unter der Fahne des Christentums den friedlichen Zug der Seligen durch die Paradiespforte, wo Petrus einen Kaiser begrüßt.
Auf der rechten Seite werden die mit Verzweiflung geschlagenen Sünder von Teufeln ergriffen und unter dem Banner des Bösen (einer Kröte) in den fürchterlich aufgerissenen Höllenrachen getrieben. Im Hintergrund tobt noch der Kampf um die Seelen der Auferstandenen, die in langer Schlange herangetreten sind, während das Gewicht ihrer guten und bösen Taten im Kampf des Erzengels Michael mit den Mächten des Satans zum Ausdruck kommt.
(wikipedia)

Jüngstes Gericht, Mortuarium im Eichstätter Dom

Montag, 27. Juli 2026

Das kleinste von allen Samenkörnern

 

Senfkornfenster, Charles Crodel, um 1954, St. Katharinen, Frankfurt

Das Fenster mit dem Gleichnis vom Senfkorn in der Katharinenkirche gehört zu einem Glasfensterzyklus des Künstlers Charles Crodel. Crodel gestaltete die biblischen Szenen nicht als große Einzelbilder, sondern in sechseckigen Medaillons. Die kräftigen Farben – vor allem Rot, Gelb und Blau – lassen viel Licht in den Kirchenraum und verleihen den Fenstern eine lebendige Wirkung.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 13

In jener Zeit
31 legte Jesus der Menge ein weiteres Gleichnis vor
und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn,
das ein Mann auf seinen Acker säte.
32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern;
sobald es aber hochgewachsen ist,
ist es größer als die anderen Gewächse
und wird zu einem Baum,
sodass die Vögel des Himmels kommen
und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig,
den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg,
bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen
und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen,
35 damit sich erfülle,
was durch den Propheten gesagt worden ist:
Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen,
ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.
(Evangelium vom Montag der 17. Woche im Jahreskreis, Lesejahr A)


Katharinenkirche in Frankfurt/Main

Sonntag, 26. Juli 2026

Der Schatz ist die Sehnsucht nach dem Himmel

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:
44 Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn
und grub ihn wieder ein.Und in seiner Freude ging er hin,
verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte den Acker. (Mt 13,44)
(aus dem Evangelium vom Sonntag der 17. Woche im Jahreskreis, Lesejahr A)

Detail aus einem Bild mit Gleichnissen Jesu, Schatz der im Acker vergraben wird, 
im Kreuzgang des Franziskanerklosters Maria Lankowitz,

Der im Acker verborgene Schatz ist die Sehnsucht nach dem Himmel;
der Acker aber, in dem der Schatz verborgen liegt, ist das zuchtvolle Leben, das diesem Eifer für das Himmlische entspricht.

Wenn ein Mensch diesen Schatz findet, verbirgt er ihn, um ihn zu bewahren.
.... Im gegenwärtigen Leben sind wir nämlich gleichsam auf dem Pilgerweg in die Heimat. Die bösen Geister lauern wie Räuber am Weg in der Absicht, diejenigen auszurauben, die den Schatz auf dem Weg vor sich hertragen.

Ich meine damit nicht, dass unsere Mitmenschen unsere Werke nicht sehen sollten, sondern dass wir keinerlei menschliches Lob für unsere Taten suchen sollen. (Gregor der Große)

(Thomas von Aquin, Catena Aurea, Hrsg Schlosser, Kolbinger; 253)

Schatz im Acker

Glasfenster in St Mary Abbots, London

Heute gedenkt die Kirche der heiligen Großeltern Jesu Joachim und Anna:
 
Joachim und Anna in der Linzer Minoritenkirche

Glasfenster der hl. Großeltern Jesu in Notre Dame du Sablon, Brüssel

Die Geburt Mariens nach dem apokryphen Jakobusevangelium (St. Quen, Rouen)

Freitag, 24. Juli 2026

Christus in uns tragen

Bonner Münster

Erzengel Michael, Barbara und Christopher, Fresken im Bonner Münster

Dem Märtyrer, der nach Zeit und Ort nicht eingeordnet werden kann, wurde schon 452 in Chalkedon eine Kirche geweiht. Seine Verehrung verbreitete sich nicht nur im Osten, sondern auch im Abendland, wo er zu den Vierzehn Nothelfern zählt. Aus den zahlreichen Legendenmotiven ist das an den Namen anknüpfende des Christusträgers, der das göttliche Kind über den Fluss bringt, heute das bekannteste.
(erzabteibeuron)

Allmächtiger Gott, auf unserem Lebensweg
bedrohen uns viele Gefahren.
Höre auf die Fürsprache
des heiligen Märtyrers Christophorus.
Gib, dass wir Christus in uns tragen
und mit unseren Weggefährten
sicher zu dem Ziel gelangen,
für das wir geschaffen sind.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.



 

Samstag, 11. Juli 2026

Benedikt, Placidus und Maurus

 

Benedikt in der Mitte, den Giftbecher segnend, mit Maurus und Placidus
 

Eines Tages war der Knabe Placidus hinausgegangen, um Wasser zu schöpfen. Als er das Gefäß in den See tauchte, wurde er von der Strömung erfasst und weit hinausgetragen.

Der Mann Gottes Benedikt erkannte dies sogleich, obwohl er sich in seiner Zelle befand, und rief den Maurus: 

»Bruder Maurus, lauf! Der Knabe, der Wasser schöpfen ging, ist in den See gefallen; schon trägt ihn das Wasser fort.«Maurus erbat den Segen, eilte auf den Befehl des Vaters davon und lief über das Wasser, als wäre es festes Land. 

Er ergriff den Knaben bei den Haaren und brachte ihn rasch ans Ufer.Erst als er wieder festen Boden erreicht hatte, blickte er zurück und bemerkte, dass er über das Wasser gegangen war. Darüber erschrak er selbst und wunderte sich über das, was geschehen war.

Als er zum Mann Gottes zurückkehrte, schrieb er das Wunder dessen Befehl zu. Benedikt aber sprach:»Nicht mein Verdienst, sondern dein Gehorsam hat dies bewirkt.«

Placidus hingegen sagte: »Als ich aus dem Wasser gezogen wurde, sah ich über eurem Haupt den Mantel des Abtes schweben; ich meinte, er selbst ziehe mich aus dem Wasser.«

Buch II, Kapitel 7 der Dialoge Gregors des Großen (De vita et miraculis Patrum Italicorum et de aeternitate animarum).

Benediktaltar in St. Godehard in Hildesheim

Freitag, 3. Juli 2026

Der Nutzen für unseren Glauben

 „Der Unglaube des Thomas hat unserem Glauben mehr genützt als der Glaube der glaubenden Jünger.
Denn während er durch Berührung zum Glauben zurückgeführt wird, wird unser Geist von jedem Zweifel befreit und im Glauben gefestigt.“

Gregor der Große, Homilien zu den Evangelien, Homilie 26

Jesus erscheint dem Thomas, Kathedrale von Bordeaux

Donnerstag, 2. Juli 2026

Heimsuchung (Federico Barocci)

Deckengemälde in der Chiesa Nuova, Rom

Alle Posts mit Heimsuchung Mariens

Der tiefe Eindruck, den der Besuch Mariä bei Elisabet auf den mittelalterlichen Gläubigen machte, führte zur Einführung des Festes durch den hl. Bonaventura für den Franziskanerorden 1263 am ersten Tag nach der Oktav des Johannesfestes, dessen marianische Seite es darstellt. Im Generalkalender steht das Fest am 31. Mai. Mit Rücksicht auf die tiefe Verwurzelung in der Volksfrömmigkeit (Wallfahrten, Kirchentitel) wird jedoch im deutschen Sprachgebiet der alte Termin beibehalten. (erzabteibeuron)


Allmächtiger, ewiger Gott,vom Heiligen Geist geführt,
eilte Maria, die deinen Sohn in ihrem Schoß trug,
zu ihrer Verwandten Elisabet.
Hilf auch uns,
den Eingebungen deines Geistes zu folgen,
damit wir vereint mit Maria deine Größe preisen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Heimsuchung Mariens, Federico Barocci (1583-1586), Chiesa Nuova

24 Posts mit Heimsuchung Mariens 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Das Blutwunder von Walldürn

Der Monat Juli ist in besonderer Weise dem Kostbaren Blut Christi geweiht. Es erinnert uns an die unendliche Liebe, mit der Christus sein Blut zur Erlösung der Welt vergossen hat.

Ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Verehrung ist das Blutwunder von Walldürn: Im Jahr 1330 wurde während der Feier der Heiligen Messe konsekrierter Wein auf das Korporale verschüttet. Dabei erschien das Bild des gekreuzigten Christus, umgeben von zahlreichen Häuptern – ein Ereignis, das bis heute Pilger aus nah und fern nach Walldürn führt.

St. Georg, Walldürn

St. Georg, Walldürn

Das Blutwunder von Walldürn ist eines der bekanntesten eucharistischen Wunder der katholischen Kirche und begründet die bis heute bestehende Wallfahrt nach Walldürn.

Der Überlieferung nach ereignete sich das Wunder um das Jahr 1330. Während einer Heiligen Messe soll der Priester Heinrich Otto nach der Wandlung versehentlich den bereits konsekrierten Kelch umgestoßen haben. Der geweihte Wein ergoss sich auf das unter dem Kelch liegende Leinentuch (Korporale). Auf diesem Tuch soll sich daraufhin das Bild des gekreuzigten Christus sowie elf Christus-Häupter („Veronicae“) gebildet haben.

Der Legende zufolge versteckte der Priester das Korporale aus Angst im Altar. Erst viele Jahre später, auf seinem Sterbebett, offenbarte er das Versteck. Das Tuch wurde gefunden und entwickelte sich zum Mittelpunkt einer wachsenden Verehrung. Bereits im 15. Jahrhundert wurde die Wallfahrt kirchlich gefördert und zog im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Pilger an.

Heute wird das sogenannte Blutkorporale in der Wallfahrtsbasilika St. Georg aufbewahrt. Jährlich besuchen während der Hauptwallfahrtszeit Zehntausende Pilger den Wallfahrtsort.

Fahne mit der Darstellung des Blutwunders

Altar des Blutwunders, in der Wallfahrtszeit geöffnet

Der Heilig-Blut-Altar besitzt einen mehrteiligen Schrein:

  • Geschlossen sind die auf Kupfer gemalten Außenflügel sichtbar. Sie erzählen zusammen mit den Alabasterreliefs die Geschichte des Walldürner Blutwunders.
  • Während der Hauptwallfahrtszeit werden die äußeren Flügel geöffnet. Dann ist der innere Schrein mit den Gemälden der Passion Christi und – im Zentrum – der Silberschrein mit dem Blutkorporale zu sehen. Der äußere Schrein wird „nur zu den Wallfahrtstagen“ geöffnet.

Im Ablauf des Kirchenjahres bedeutet das:

  • Von dem Ende der Wallfahrtszeit bis zum Beginn der nächsten Wallfahrtszeit (also den größten Teil des Jahres) sind die Außenflügel mit den Blutwunder-Gemälden sichtbar.
  • Während der vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit, die am Sonntag nach Pfingsten beginnt, werden die Außenflügel geöffnet; dann sind stattdessen die Innenflügel mit den Passionsszenen sowie der Blutschrein zu sehen.








Altar mit geöffnetem Blutschrein

Heilig Blut! Heilig Blut!
Schütze unser Glaubensgut!
Stärke unseren Hoffnungsmut!
Mehre unsere Liebesglut!

Heilig Blut! Heilig Blut!
Wende Not und tröste Leid!
Gib uns Kraft im guten Streit!
Und nach allem Kampf der Zeit
schenk uns Himmels Seligkeit!
Wallfahrtsgebet

Montag, 29. Juni 2026

Peter und Paul, im Dienst des Glaubens

Nicht der Todestag der beiden Apostel wird heute gefeiert, sondern die vermutliche Übertragung ihrer Reliquien in die Katakombe an der Via Appia, nahe bei der heutigen Kirche San Sebastiano. Das heutige Fest wird zum ersten Mal im römischen Staatskalender von 354 erwähnt. Simon, Bruder des Andreas, stammte aus Betsaida in Galiläa, war verheiratet, von Beruf Fischer. Jesus gab ihm den Namen Kephas = „Fels“ (woraus lat. Petrus wurde). Petrus wird in allen Apostelverzeichnissen als Erster genannt. Nach dem Weggang Jesu übernahm er die Führung der Gemeinde in Jerusalem. Er nahm auch den ersten Heiden in die Kirche auf (Apg 10, 11). Sein Aufenthalt in Rom und sein Märtyrertod unter Kaiser Nero (zw. 64 und 67) können als historisch gesichert gelten.
Als Todesjahr des Paulus wird 67 genannt. Früher gab es am 30. Juni noch einen besonderen Gedenktag des heiligen Paulus; er steht seit 1970 nicht mehr im römischen Kalender; stattdessen hat das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus (25. Januar) einen höheren Rang erhalten. (erzabteibeuron)

 

Flucht des Paulus aus Damaskus, Apg 9,23ff
Glasfenster des hl. Paulus in Corbigny la Seine

Die Begebenheit wird an zwei Stellen im Neuen Testament erwähnt:

  1. Apostelgeschichte 9,23–25

    „Als aber viele Tage vergangen waren, beschlossen die Juden, ihn zu töten. Doch ihr Anschlag wurde dem Saulus bekannt. Sie bewachten sogar Tag und Nacht die Tore, um ihn umzubringen. Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb durch eine Öffnung in der Mauer hinab.“

  2. 2. Korinther 11,32–33

    „In Damaskus ließ der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener bewachen, um mich festzunehmen. Und ich wurde in einem Korb durch ein Fenster in der Mauer hinabgelassen und entkam seinen Händen.“ 

    In Apostelgeschichte 9 schildert Lukas die Flucht des damals noch Saulus genannten Paulus aus Damaskus.In 2. Korinther 11 erwähnt Paulus dieselbe Flucht selbst als Beispiel für seine Schwachheit und dafür, wie Gott ihn bewahrt hat. Dort erfahren wir zusätzlich, dass die Stadt unter der Bewachung eines Statthalters des Königs Aretas IV stand.

    Heilung eines Gelähmten durch Petrus an der schönen Pforte
    Corbigny la Seine

In Apostelgeschichte 3,6ff begegnen Petrus und Johannes einem Mann, der von Geburt an gelähmt ist und an der Tempelpforte sitzt, die „die Schöne“ genannt wird.

„Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest; er sprang auf, konnte stehen und ging umher und trat mit ihnen in den Tempel, ging umher, sprang und lobte Gott.“

Diese Heilung führte anschließend zu einer Predigt des Petrus im Tempel (Apostelgeschichte 3,11–26) und trug wesentlich zur Ausbreitung der jungen Gemeinde bei.

Corbigny la Seine, Frankreich

Herr, unser Gott,
durch die Apostel Petrus und Paulus
hast du in der Kirche den Grund des Glaubens gelegt.
Auf ihre Fürsprache hin
erhalte und vollende diesen Glauben,
der uns zum ewigen Heil führt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Samstag, 27. Juni 2026

Hemma von Gurk, Gründungsmutter von Admont

 

Stiftskirche Admont

Stifterin
Namensdeutung: von Wilhelma: Helm und Schutz (althochdeutsch)
Namenstage: Hemma, Emma, Emmi, Wilhelma, Helma
Gedenktag: 27. Juni

Lebensdaten: geboren um 995 in Kärnten, gestorben am 29. Juni 1045 in Gurk

Lebensgeschichte: Hemma stammte von den bayerischen Luitpoldingern ab, einer der führenden und reichsten Adelsfamilien, und kam in Kärnten zur Welt, wo ihre Familie ausgedehnte Ländereien besaß. Um 1010 wurde sie mit Wilhelm, Graf von Friesach und Markgraf im Sanntal, verheiratet.

1036 wurde ihr Mann als Konkurrent des Kärntner Herzogs ermordet, und auch ihre Söhne soll sie auf gewaltsame Weise verloren haben. Der Legende nach wurden ihre Söhne bei einem Aufstand von Knappen erschlagen, und ihr Mann hatte die Aufständischen so hart bestrafen lassen, dass Hemma ihn zur Buße auf Pilgerfahrt nach Rom schickte, von der er nicht mehr lebend zurückkehrte.

Hemma gründete auf ihren Besitztümern in Kärnten, der Steiermark, im heutigen Slowenien und in der Krain etliche Kirchen, legte mit der Übertragung reicher Güter den Grundstein für das spätere Stift Admont und errichtete 1043 in Gurk ein Frauenkloster, in dem sie bis zu ihrem Tod am 29. Juni 1045 auch lebte.

Legende: Als die Bauarbeiter des Klosters Gurk sich über zu wenig Lohn beschwerten, ließ Hemma jeden aus einem Geldbeutel greifen, so viel er mochte. Die Arbeiter konnten genau so viel fassen, wie sie auch vorher schon bekommen hatten, alles andere entglitt ihren Fingern.

Verehrung: 1174 wurden Hemmas Gebeine in die Krypta des Gurker Doms erhoben, 1287 wurde ihr Grab feierlich geöffnet – damit war sie als Selige anerkannt. Besonders verehrt wurde Hemma von den Krainern und Slowenen, die große Wallfahrten zu ihrem Grab veranstalteten. Ab 1745 wurde ihr Gedenktag am 27. Juni begangen, bis 1938 endlich ihre Verehrung als Heilige von Papst Pius XI. bestätigt wurde.

Darstellung: als vornehme Dame mit Urkunde, Rose oder Kirchenmodell

Patronin: von Kärnten, des Bistums Gurk-Klagenfurt, Helferin bei Augenleiden, Krankheit, für eine glückliche Geburt und bei Kinderwunsch

Altar der hl. Hemma in der Stiftskirche Admont


auf dem Weg dorthin