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Freitag, 8. August 2025

Augenblicke finden, um in Ruhe zu beten

 

Dominikanerkirche zu den Heiligen Paulus und Franz Xaver, Bordeaux

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Priesters Dominikus de Guzmán, Gründer des Predigerordens, genannt Dominikaner. In einer vorhergehenden Katechese habe ich bereits seine hervorragende Gestalt und den grundlegenden Beitrag, den er zur Erneuerung der Kirche seiner Zeit geleistet hat, erläutert. Heute möchte ich einen wesentlichen Aspekt seiner Spiritualität beleuchten: sein Gebetsleben. Der hl. Dominikus war ein Mann des Gebets. Er war verliebt in Gott und hatte kein anderes Bestreben als das Heil der Seelen, besonders jener, die in die Fänge der Irrlehren seiner Zeit geraten waren; in der Nachfolge Christi verkörperte er radikal die drei evangelischen Räte, indem er die Verkündigung des Wortes mit dem Zeugnis eines armen Lebens verband; unter der Führung des Heiligen Geistes schritt er auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voran. In jedem Augenblick war das Gebet die Kraft, die seine apostolischen Werke erneuerte und immer fruchtbarer machte.

Der sel. Jordan von Sachsen, der 1237 starb, sein Nachfolger in der Ordensleitung, schreibt: »Bei Tag zeigte sich niemand geselliger als er… Bei Nacht hingegen wachte niemand eifriger als er im Gebet. Den Tag widmete er dem Nächsten, die Nacht aber schenkte er Gott« (vgl. P. Filippini, San Domenico visto dai suoi contemporanei, Bologna 1982, S. 133). Im hl. Dominikus erblicken wir ein Beispiel der harmonischen Ergänzung der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse und der apostolischen Tätigkeit. Den Zeugnissen der Personen zufolge, die ihm am nächsten standen, »sprach er immer mit Gott oder von Gott«. Diese Beobachtung verweist auf seine tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn und gleichzeitig das ständige Bemühen, die anderen zu dieser Gemeinschaft mit Gott zu führen. Er hat keine Schriften über das Gebet hinterlassen, aber die dominikanische Überlieferung hat seine lebendige Erfahrung gesammelt und weitergegeben in einem Werk mit dem Titel Die neun Gebetsweisen des Dominikus. Dieses Buch wurde zwischen 1260 und 1288 von einem Dominikanerbruder verfaßt; es hilft uns, etwas vom Innenleben des Heiligen zu verstehen, und es hilft auch uns, mit allen Unterschieden, etwas darüber zu lernen, wie man beten soll.

Dem hl. Dominikus zufolge gibt es also neun Gebetsweisen, und jede von ihnen, die er stets vor dem gekreuzigten Christus pflegte, bringt eine körperliche und eine geistliche Haltung zum Ausdruck, die einander tief durchdringen und die Sammlung und den Eifer fördern. Die ersten sieben Weisen folgen einer aufsteigenden Linie, wie Schritte eines Weges, zur Gemeinschaft mit Gott, mit der Dreifaltigkeit: Der hl. Dominikus betet stehend mit gesenktem Haupt, um die Demut zum Ausdruck zu bringen, auf die Erde hingestreckt, um die Vergebung seiner Sünden zu erbitten, auf Knien, um in Teilhabe an den Leiden des Herrn Buße zu tun, mit offenen Armen auf den Gekreuzigten hinschauend, um die höchste Liebe zu betrachten, mit dem Blick zum Himmel gerichtet, wo er sich von der Welt Gottes angezogen fühlt. Es gibt also drei Formen: stehend, kniend, auf die Erde hingestreckt; aber stets auf den gekreuzigten Herrn hinschauend. Die letzten beiden Weisen jedoch, bei denen ich kurz verweilen möchte, entsprechen zwei Frömmigkeitsübungen, die der Heilige gewöhnlich lebte. Vor allem die persönliche Betrachtung, wo das Gebet eine noch innigere, leidenschaftlichere und Zuversicht schenkende Dimension annimmt. Am Ende des Stundengebets und nach der Feier der Messe verlängerte der hl. Dominikus das Gespräch mit Gott, ohne sich zeitliche Grenzen zu setzen. Er saß ruhig da und sammelte sich innerlich in einer hörenden Haltung, las ein Buch oder heftete den Blick auf den Gekreuzigten.

Er lebte diese Augenblicke der Beziehung zu Gott so intensiv, daß man seine freudigen oder traurigen Reaktionen auch äußerlich wahrnehmen konnte. Er hat also in der Betrachtung die Wirklichkeit des Glaubens in sich aufgenommen. Die Zeugen berichten, daß er manchmal in eine Art Verzückung eintrat, mit verklärtem Gesicht, aber sofort darauf demütig seine täglichen Tätigkeiten wiederaufnahm, mit neuer Energie aus der Kraft, die aus der Höhe kommt. Dann das Gebet auf den Reisen von einem Kloster zum anderen; er betete die Laudes, die Mittagshore, die Vesper mit den Gefährten, und während er die Täler und Hügel durchquerte, betrachtete er die Schönheit der Schöpfung. Dann ging aus seinem Herzen ein Gesang des Lobes und des Dankes an Gott hervor für die vielen Gaben, vor allem für das größte Wunder: die von Christus gewirkte Erlösung.

Liebe Freunde, der hl. Dominikus erinnert uns daran, daß am Ursprung des Glaubenszeugnisses, das jeder Christ in der Familie, am Arbeitsplatz, im sozialen Einsatz und auch in Augenblicken der Entspannung geben muß, das Gebet, der persönliche Kontakt mit Gott steht; nur diese echte Beziehung zu Gott gibt uns die Kraft, jedes Ereignis tiefer zu leben, besonders die Augenblicke des größten Leidens. Dieser Heilige ruft uns auch die Bedeutung der äußeren Haltungen bei unserem Beten in Erinnerung. Knien, vor dem Herrn stehen, auf den Gekreuzigten hinschauen, schweigend innehalten und sich sammeln sind nicht nebensächlich, sondern helfen uns, uns innerlich, mit der ganzen Person in Beziehung zu Gott zu stellen. Ich möchte noch einmal die Notwendigkeit für unser geistliches Leben in Erinnerung rufen, täglich Augenblicke zu finden, um in Ruhe zu beten; wir müssen uns diese Zeit besonders in den Ferien nehmen, etwas Zeit haben, um mit Gott zu sprechen. Es wird ein Weg sein, um denen, die uns nahe sind, zu helfen, in den leuchtenden Strahl der Gegenwart Gottes einzutreten, der den Frieden und die Liebe bringt, derer wir alle bedürfen. Danke.
(B16, 8. August 2012, Generalaudienz)


Maria überreicht Dominikus den Rosenkranz
Dominikanerkirche in Bordeaux

Montag, 8. August 2022

Auf allen Wegen singst du froh und heiter das Lob der Jungfrau

Maria übergibt Dominikus den Rosenkranz, Pfarrkirche Aigen

Als unser Meister,
Führer und Gefährte
gingst du voran uns
auf dem Weg zu Christus,
weil du erfülltest,
was dein Name sagte:
dem Herrn gehörend.

Was lange reifte
in Gebet und Stille,
was du erkanntest
dank der Geistesmühe,
brach in der Stunde,
als der Irrtum drohte,
leuchtend durchs Dunkel.

Mit Leib und Seele
widmest du dein Leiben
dem Dienst der Predigt,
arm wie die Apostel.
Du sprichst mit Gott nur
oder von ihm kündend,
Worte des Segens.

Nächste durchwachst du,
unablässig flehend;
Tränen vergießt du
für das Heil der Sünder,
sehnst dich voll Liebe,
deinen Gott zu schauen
im Brot des Himmels.

Auf allen Wegen
singst du froh und heiter
das Lob der Jungfrau
und dem Geiste Hymnen.
Eins blieb dir übrig,
ganz im Tod zu werden
Weizenkorn Gottes.

Ehre dem Vater,
Schöpfer aller Dinge,
Ehre dem Sohne,
der die Welt errettet,
Ehre dem Geiste,
der den Herzen einhaucht
Liebe und Wahrheit. Amen.

(Hymnus zur Vesper, Proprium des Predigerordens, 501f)


Pfarrkirche Aigen zum hl. Johannes dem Täufer

 

Mittwoch, 29. April 2020

Sich durch das Gebet in Gott verankern

Maria übergibt Dominikus im Beisein v. Katharina den Rosenkranz, Chapelle de la Sagesse

Daher ist es gut, wenn wir in den Zeiten des Kampfes froh sind und uns nicht verwirren lassen. Denn nachdem uns der Feind mit der Waffe der Eigenliebe nicht täuschen kann, versucht er es mit der Waffe der Verwirrung: Er zeigt uns, daß diese Kämpfe Prüfungen Gottes sind, aber das Gebet und die anderen heiligenÜbungnen nicht gelingen, und so flüstert er uns ein: "Das, was du tust, tut dir nicht gut. Du müßtest dein Gebet und die anderen Dinge mit einem reinen Herzen und einem ruhigen Geist und nicht mit soviel unreinen und herumschweifenden Gedanken verrichten. Es ist also besser, du läßt es bleiben."
Das alles macht der Teufel nur, damit wir von den heiligen Übungen und vom demütigen Gebet ablassen, das ja die Waffe sein soll, mit der wir uns verteidigen, und das Mittel ist, wodurch unser Wille in Gott hinverbunden und gestärkt wird und unsere Beständigkeit in dem Maße wächst, wir wir den Schlägen in der Kraft der Liebe Widerstand leisten. Der Teufel hat nur ein Ziel: Er möchte, daß wir aufgeben. Denn wenn wir mit dem Gebet nachlassen, kann er mit uns machen, was er will.
(Caterina von Siena, Sämtliche Briefe, an die Männer der Kirche I, Brief 169B, 95f)

Katharina von Siena, Mitpatronin Europas (Johannes Paul II., 1999)
Die Vermählung der hl. Katharina (S. Maria sopra Minerva, Rom)
Am Grab der hl. Katharina in Rom
Das Haupt der hl. Katharina in Siena

Chapelle de la Sagesse, Saint Laurent sur Sevre

Donnerstag, 8. August 2019

Das Gebet des hl. Dominikus (Papst Benedikt XVI.)

Hl. Dominikus, Dominikanerkirche Lissabon

Die neun Gebetsweisen des hl. Dominikus

Am Grab des hl. Dominikus (1 und 2 und 3)

Übertragung der Gebeine des hl. Dominikus


Liebe Brüder und Schwestern!
Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Priesters Dominikus de Guzmán, Gründer des Predigerordens, genannt Dominikaner. In einer vorhergehenden Katechese habe ich bereits seine hervorragende Gestalt und den grundlegenden Beitrag, den er zur Erneuerung der Kirche seiner Zeit geleistet hat, erläutert. Heute möchte ich einen wesentlichen Aspekt seiner Spiritualität beleuchten: sein Gebetsleben. Der hl. Dominikus war ein Mann des Gebets. Er war verliebt in Gott und hatte kein anderes Bestreben als das Heil der Seelen, besonders jener, die in die Fänge der Irrlehren seiner Zeit geraten waren; in der Nachfolge Christi verkörperte er radikal die drei evangelischen Räte, indem er die Verkündigung des Wortes mit dem Zeugnis eines armen Lebens verband; unter der Führung des Heiligen Geistes schritt er auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voran. In jedem Augenblick war das Gebet die Kraft, die seine apostolischen Werke erneuerte und immer fruchtbarer machte.
Der sel. Jordan von Sachsen, der 1237 starb, sein Nachfolger in der Ordensleitung, schreibt: »Bei Tag zeigte sich niemand geselliger als er… Bei Nacht hingegen wachte niemand eifriger als er im Gebet. Den Tag widmete er dem Nächsten, die Nacht aber schenkte er Gott« (vgl. P. Filippini, San Domenico visto dai suoi contemporanei, Bologna 1982, S. 133).

Im hl. Dominikus erblicken wir ein Beispiel der harmonischen Ergänzung der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse und der apostolischen Tätigkeit. Den Zeugnissen der Personen zufolge, die ihm am nächsten standen, »sprach er immer mit Gott oder von Gott«. Diese Beobachtung verweist auf seine tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn und gleichzeitig das ständige Bemühen, die anderen zu dieser Gemeinschaft mit Gott zu führen. Er hat keine Schriften über das Gebet hinterlassen, aber die dominikanische Überlieferung hat seine lebendige Erfahrung gesammelt und weitergegeben in einem Werk mit dem Titel Die neun Gebetsweisen des Dominikus. Dieses Buch wurde zwischen 1260 und 1288 von einem Dominikanerbruder verfaßt; es hilft uns, etwas vom Innenleben des Heiligen zu verstehen, und es hilft auch uns, mit allen Unterschieden, etwas darüber zu lernen, wie man beten soll.
Dem hl. Dominikus zufolge gibt es also neun Gebetsweisen, und jede von ihnen, die er stets vor dem gekreuzigten Christus pflegte, bringt eine körperliche und eine geistliche Haltung zum Ausdruck, die einander tief durchdringen und die Sammlung und den Eifer fördern. Die ersten sieben Weisen folgen einer aufsteigenden Linie, wie Schritte eines Weges, zur Gemeinschaft mit Gott, mit der Dreifaltigkeit: Der hl. Dominikus betet stehend mit gesenktem Haupt, um die Demut zum Ausdruck zu bringen, auf die Erde hingestreckt, um die Vergebung seiner Sünden zu erbitten, auf Knien, um in Teilhabe an den Leiden des Herrn Buße zu tun, mit offenen Armen auf den Gekreuzigten hinschauend, um die höchste Liebe zu betrachten, mit dem Blick zum Himmel gerichtet, wo er sich von der Welt Gottes angezogen fühlt. Es gibt also drei Formen: stehend, kniend, auf die Erde hingestreckt; aber stets auf den gekreuzigten Herrn hinschauend. Die letzten beiden Weisen jedoch, bei denen ich kurz verweilen möchte, entsprechen zwei Frömmigkeitsübungen, die der Heilige gewöhnlich lebte. Vor allem die persönliche Betrachtung, wo das Gebet eine noch innigere, leidenschaftlichere und Zuversicht schenkende Dimension annimmt. Am Ende des Stundengebets und nach der Feier der Messe verlängerte der hl. Dominikus das Gespräch mit Gott, ohne sich zeitliche Grenzen zu setzen. Er saß ruhig da und sammelte sich innerlich in einer hörenden Haltung, las ein Buch oder heftete den Blick auf den Gekreuzigten.

Er lebte diese Augenblicke der Beziehung zu Gott so intensiv, daß man seine freudigen oder traurigen Reaktionen auch äußerlich wahrnehmen konnte. Er hat also in der Betrachtung die Wirklichkeit des Glaubens in sich aufgenommen. Die Zeugen berichten, daß er manchmal in eine Art Verzückung eintrat, mit verklärtem Gesicht, aber sofort darauf demütig seine täglichen Tätigkeiten wiederaufnahm, mit neuer Energie aus der Kraft, die aus der Höhe kommt. Dann das Gebet auf den Reisen von einem Kloster zum anderen; er betete die Laudes, die Mittagshore, die Vesper mit den Gefährten, und während er die Täler und Hügel durchquerte, betrachtete er die Schönheit der Schöpfung. Dann ging aus seinem Herzen ein Gesang des Lobes und des Dankes an Gott hervor für die vielen Gaben, vor allem für das größte Wunder: die von Christus gewirkte Erlösung.

Liebe Freunde, der hl. Dominikus erinnert uns daran, daß am Ursprung des Glaubenszeugnisses, das jeder Christ in der Familie, am Arbeitsplatz, im sozialen Einsatz und auch in Augenblicken der Entspannung geben muß, das Gebet, der persönliche Kontakt mit Gott steht; nur diese echte Beziehung zu Gott gibt uns die Kraft, jedes Ereignis tiefer zu leben, besonders die Augenblicke des größten Leidens. Dieser Heilige ruft uns auch die Bedeutung der äußeren Haltungen bei unserem Beten in Erinnerung. Knien, vor dem Herrn stehen, auf den Gekreuzigten hinschauen, schweigend innehalten und sich sammeln sind nicht nebensächlich, sondern helfen uns, uns innerlich, mit der ganzen Person in Beziehung zu Gott zu stellen. Ich möchte noch einmal die Notwendigkeit für unser geistliches Leben in Erinnerung rufen, täglich Augenblicke zu finden, um in Ruhe zu beten; wir müssen uns diese Zeit besonders in den Ferien nehmen, etwas Zeit haben, um mit Gott zu sprechen. Es wird ein Weg sein, um denen, die uns nahe sind, zu helfen, in den leuchtenden Strahl der Gegenwart Gottes einzutreten, der den Frieden und die Liebe bringt, derer wir alle bedürfen. Danke.
(Papst Benedikt XVI. Generalaudienz 8. August 2012)

Dominikanerkirche Lissabon

Freitag, 2. August 2019

Sel. Johanna von Aza, die Mutter des hl. Dominikus


Johanna von Aza mit ihren Söhnen Mannes und Dominikus, Caleruega


Johanna von Aza, in der Nähe von Aranda de Duero (Altkastilien) geboren, heiratete Felix de Guzman. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor: Antonius, Mannes und Dominikus, die beiden älteren wohl aus einer früheren Ehe. Wie die Chronisten bezeugen, war Johanna von Aza "voll des Mitleids mit den Armen und den Kranken", ein Wesenszug, den ihr jüngster Sohn Dominikus geerbt hat.

Die mittelalterliche Legende erzählt, dass die außerordentliche Berufung des Dominikus ihr vor seiner Geburt in einem Traum gezeigt wurde: Sie schaute einen Hund, der eine brennende Fackel im Maul trug und damit die ganze Erde entzündete. Dieses Bild sollte bedeuten, dass ihr Sohn eine Leuchte des Volkes Gottes sein werde, und dass er auf der ganzen Erde die Menschen zur Gottes- und Nächstenliebe entzündet.

Johanna starb um 1205 in Caleruega. Papst Leo XII. bestätigte am 1. Oktober 1828 ihre Verehrung. Ihre Gebeine ruhen heute in Penyafiel in der Provinz Valladolid.
(Dominikanisches Proprium)

auf Besuch

Der Traum der sel. Johanna von Aza: ein Hund mit einer Fackel entzündet den Erdkreis

Sel. Johanna von Aza mit deinen Söhnen, bitte für uns
Dominikanerinnenkonvent in Caleruega


Blick zum Friedhof von Caleruega

Mittwoch, 8. August 2018

Dominikus



Alle Menschen nahm er auf in den reichen Schoß seiner Liebe, und da er allen mit Liebe begegnete, wurde er von allen geliebt. Sich zu freuen mit den Fröhlichen und zu weinen mit den Weinenden, das machte er sich zur Eigenart; überreich an Güte und ganz hingegeben an die Sorge für den Nächsten und an das Mitleid mit den Elenden. Eines auch machte ihn allen besonders liebenswert: daß er geraden Weges ging und niemals in Wort und Werk irgendeine Spur von Falschheit oder Täuschung zeigte.
(Jordan von Sachsen, aus dem Buch von den Anfängen des Predigerordens, in: Proprium des Predigerordens, 489)

ehemalige Dominikanerkirche Santa Corona in Vicenza, Italien

Sonntag, 28. Januar 2018

Thomas von Aquin - Znaim

Dominikanerkirche Kreuzerhöhung in Znaim



Seit der Liturgiereform wird das Fest des heiligen Thomas von Aquin am 28. Januar gefeiert. An diesem Tag wurden 1369 seine Gebeine in die Kirche „Les Jacobins“ in Toulouse übertragen. Von dort kamen sie während der Französischen Revolution (1792) in die Kirche St. Sernin. Seit 1974 sind sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort in der Dominikanerkirche ("Les Jacobins"). Thomas wurde 1225 auf der Burg Roccasecca in der Nähe der Stadt Aquino geboren. Als er fünf Jahre alt war, übergaben ihn seine Eltern den Benediktinern von Montecassino zur Erziehung. Vierzehnjährig schickten sie ihn zum Studium nach Neapel. Dort lernte er den Orden des heiligen Dominikus kennen. Trotz heftigen Widerstandes seiner Familie entschied sich Thomas 1244, in Neapel in den Orden der Predigerbrüder einzutreten.

In Köln war Thomas Schüler des heiligen Albert des Großen, der seine außergewöhnliche Begabung erkannte. Auf dessen Veranlassung wurde er 1252 mit kaum 27 Jahren für den Magisterstuhl der Universität Paris präsentiert.

Thomas war vor allem ein Sohn des heiligen Dominikus und lebte immer streng nach den Satzungen des Ordens. Die Aufgabe des Ordens, der Dienst am Wort Gottes in freiwilliger Armut, bestand für ihn in der täglichen theologischen Arbeit: eifrig die Wahrheit zu suchen, sie beständig zu betrachten und das Erkannte mitzuteilen. Er stellte alle seine Kräfte in den Dienst der Wahrheit. Thomas formulierte die Idee des Predigerordens so: Contemplari et contemplata aliis tradere - In der Kontemplation leben und anderen die Früchte der Kontemplation weitergeben.

Demütig und leutselig trat er als ein ausgezeichneter Lehrer des Glaubens und begnadeter Verkünder des Evangeliums hervor. Seine große Gelehrsamkeit fand ihren Niederschlag in der Vielzahl seiner philosophischen und theologischen Werke, besonders in seiner Theologischen Summa.

Groß wie seine Geisteskraft aber war auch seine Frömmigkeit. Zeugnis davon geben die von ihm verfassten liturgischen Texte über das Leiden des Erlösers und das Geheimnis der Eucharistie wie auch die tiefe Verehrung der Gottesmutter.

Auf der Reise zum Konzil von Lyon starb Thomas am 7. März 1274 im Zisterzienserkloster von Fossanova. Papst Johannes XXII. sprach ihn am 18. Juli 1323 heilig. Papst Pius V. erhob ihn am 11. April 1567 zum Kirchenlehrer. Papst Leo XIII. ernannte ihn am 4. August 1880 zum Patron aller katholischen Universitäten und Schulen.
(Proprium der Dominikaner) 



Gedenktag:

Biographie:

Stand:

Kanonisation:


Attribute:

Patronat:
28. Januar - Fest

* um 1225, † 7. März 1274

Ordenspriester, Kirchenlehrer

Heiliggesprochen durch Papst Johannes XXII. am 18. Juli 1323

Sonne, Stern, Edelstein, Taube

der katholischen Wissenschaft und der katholischen Schulen und Hochschulen, der Theologen, Philosophen, Studenten, Buchhändler und Bleistiftfabrikanten, gegen Blitz, Unwetter und Sturm, für Keuschheit und Reinheit



Dominikus und Thomas v. Aquin, Grödner Werkstatt, Anfang 20. Jh, Dominikanerkirche Znaim

Thomas von Aquin in Wien

Thomas von Aquin und die hl. Eucharistie - Bologna

Thomas von Aquin - Bologna

Thomas von Aquin - betend Theologie betreiben


Schon am frühen Morgen wachte sein Herz beim Herrn, seinem Schöpfer.
Vor dem Angesicht des Höchsten brachte er seine Gebete dar.
(Antiphon, Dominikanisches Proprium)

Hochaltar: Dreifaltigkeit, Altarbild zeigt Kreuzigung: Vision des hl. Norbert,
Maulbertsch, 1765

Dienstag, 8. August 2017

Eine kleine Geschichte des Rosenkranzes

Königin des hochheiligen Rosenkranzes, bitte für uns!

In der Dominikanerkirche von Cinguli in den italienischen Marken gibt es ein berühmtes Gemälde von Lorenzo Lotto (1480-1556). Das Bild zeigt den heiligen Dominikus, begleitet vom heiligen Thomas von Aquin und der heiligen Maria Magdalena; überragt wird die ganze Gruppe von einer riesigen Rosette mit fünfzehn Medaillons, deren jedes ein Geheimnis des Lebens Christi und Mariens enthält, das im Rosenkranz vorkommt. In diesem Rosenkranz ist das Endergebnis - nicht der Ursprung - einer Andachtsform zu sehen, die derjenigen ähnelt, welche im christlichen Volk lebendig geblieben ist.

Bestimmt haben die ersten Brüder und Dominikus selbst Gefallen daran gefunden, kniend das Ave Maria zu beten. Der Brauch geht ins 11. Jahrhundert zurück. Damals wiederholte man nur den Englischen Gruß, die Worte des Engels bei der Verkündigung (Lk 1,28). Im folgenden Jahrhundert kommt der Ausruf Elisabeths bei der Heimsuchung (Lk 1,42) hinzu. Man umkränzt diese Verse mit Frömmigkeitsübungen. Jordan von Sachsen betete hintereinander das Magnifikat und vier Psalmen, deren Anfangsbuchstaben den Namen Maria ergaben. Jeweils am Ende der biblischen Gebete schloß er das Ave Maria an und machte eine Kniebeuge, wie man es den Engel auf den alten Bildern der Verkündigung tun sieht. Wenig später wird von König Ludwig dem Heiligen dasselbe berichtet.

Die Bestimmungen der Generalkapitel schreiben ab 1266 den Laienbrüdern vor, jedem der Pater noster, die für sie das Chorgebet ersetzten, den Mariengruß beizufügen. So kam allenthalben der Gebrauch von Rosenkränzen auf, damals Paternosterschnüre genannt. Mit ihnen ließ sich die Zahl der heiligen Formeln, an die man gehalten war, bequem abzählen. Die Mehrzahl der großen Religionen kennt solche Zählschnüre als Hilfsmittel für fromme Übungen. In Angleichung an die hundertfünfzig Psalmen Davids schrieb man drei Vater-unser-Fünfziger vor. Sie sollten denen, die nicht lesen konnten, den Zugang zum Gebet Jesu Christi selber auftun.


Madonna del Rosario, um 1539, Lorenzo Lotto, S. Domenico, Cingoli

Daran angelehnt entwickelt sich im dreizehnten Jahrhundert der sogenannte "Marienpsalter". Er setzt sich aus hundertfünfzig "Gegrüßet seist du, Maria" zusammen. Da diese Andachtsform häufig wiederholt wird, nimmt sie schließlich den Rhythmus des Ein- und Ausatmens an und erinnert an das ostkirchliche Jesusgebet, das später den Grund für die hesychastische Tradition abgegeben hat. Tatsächlich wird nach dem mittelalterlichen Chronisten Bernhard Gui folgendes vom seligen Romaeus von Livia, einem der Gefährten des heiligen Dominikus, der 1223 Prior von Lyon und danach Provinzial der Provence war, berichtet: Er habe bei seinem Tod die Knotenschnur, mit der er täglich tausend Ave Maria betete und zählte, fest mir den Fingern umklammert. Die Historiker haben darin eines der frühesten schriftlichen Zeugnisse für eine Vorform unseres heutigen Rosenkranzes erblickt.

Die Nonnenviten aus dem Umkreis der Deutschen Mystik im vierzehnten Jahrhundert belegen, daß man sich am häufigsten an die goldene Zahl von drei Fünfzigern hielt. Jeder Fünfziger bildete einen Kranz von Rosen oder eine kleine Haube, mit denen man die Marienstatue bekrönte. Da die Brüder bei ihrem Beten spontan die Tugenden der Jungfrau Maria aneinanderreihten (..), kam man darauf, die Geheimnisse des Lebens Unserer Lieben Frau methodischer und auch theologischer aufzuzählen.

Unter dem Einfluß der Kartäuser, insbesondere des Dominikus von Preußen, wird der Weg zu einer durchdachteren und ausgefeilteren Ordnung des Gebetes im Geist der devotio moderna eingeschlagen. Dominikus von Preußen führte am Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts von seinem Kloser in Trier aus Klauseln ein, die man mitten im Ave Maria beifügte. Dadurch sollten Geist und Herz des Beters auf die Betrachtung des göttlichen Heilsplanes hingelenkt werden. Entsprechend dem Geschmack jener spätmittelalterlichen Frömmigkeit, die gerne zählt und am Buchstaben hängt, bezieht man die fünfzehn Freuden und die von Simeon geweissagten sieben Schmerzen der Jungfrau Maria ein (Lk 2,35). (...)
Alanus von Rupe (1428-1475), ein bretonischer Dominikaner im Ruf der Heiligkeit, hat den Rosenkranz unter das Volk gebracht. Er verbreitete die Andacht des Marienpsalters in Nordfrankreich und Flandern. Überall errichtete er Rosenkranzbruderschaften. Sie waren für alle jene Menschen gedacht, die in einer Zeit der Kriege, Hungersnöte und Spaltungen Ablässe begehrten, um "sich vor dem jähen Tod und den bösen Angriffen des höllischen Feindes zu schützen".
Was hat der heilige Dominkus damit zu schaffen. Allem Anschein nach war es gerade der selige Alanus von Rupe, der in seinem Eifer, den Rosenkranz zu verbreiten, dessen Erfindung dem Erzvater seines Ordens zuschreiben wollte. Dabei bezog er sich auf - zugegebenermaßen etwas ungenaue - Erzählungen. (...)
Die Quelle dieser Legenden scheint ziemlich sicher im Rosarium zu liegen, einem langen Mariengedicht, das ein Dominikaner um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts verfaßt hat. Möglicherweise hat man Dominikus von Guzman und den schon erwähnten Dominikus Helion von Preußen verwechselt. Es mangelt daher völlig an Belegen, um dem Stifter des Predigerordens die Erfindung der frommen in ihrer Schlichtheit genialen marianischen Gebetsweise zuzuschreiben.



Die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes

Dennoch wird niemand die besondere Beziehung zwischen dem Orden des heiligen Dominikus und dem Rosenkranz leugnen, die im Verlauf der Jahrhunderte gewachsen ist. Ein Dominikaner ist es, noch dazu ein Inquisitor, auf den man die Einteilung in die freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse zurückführt: Jakob Sprenger (1436-1496), der angebliche Mitverfasser des Hexenhammers, aber auch der Gründer der Rosenkranzbruderschaft von Köln.

Die Frömmigkeit ganzer Generationen war von diesem Rhythmus der fünfzehn Gesätze getragen. In weiser Einsicht machte man aus dem Rosenkranz keine Sonderandacht, vielmehr ein echtes Gebet der Kirche. Papst Pius V., ein asketischer und frommer Dominikaner, schrieb den Sieg von Lepanto, wo Don Juan d´Austria 1571 dem Vordringen der Türken nach Europa Einhalt geboten hatte, dem Rosenkranzgebet zu. Es waren, wie der Senat von Venedig schriftlich festhielt, nicht die Tapferkeit noch die Waffen und Heerführer, due uns den Sieg verschafften, sondern "Maria vom Rosenkranz". Sie wurde nun unter dem Namen "Unsere Frau vom Siege" gefeiert.

Denken wir daran, daß die Dominikaner den Rosenkranz wie die Kartäusermänche am Gürtel ihres Habits tragen und daß Generationen von Predigerbrüdern sich einem volkstümlichen Apostolat inmitten der als "Volk Gottes" verstandenen Kirche gewidmet haben, lange bevor man diese Sicht in ihrem Wert erkannte. In Anbetracht dessen kann man sich ausmalen, was die Menschen des Mittelalters sagen wollten, als sie die Erfindung des Rosenkranzes vom heiligen Dominikus herleiteten. In ihrer poetischen Weise wollten sie damit die Macht des Gebetes, auf die der Gründer der Prediger so sehr vertraute, und die Rolle Mariens in der Heilsgeschichte betonen.

(aus. Guy Bedouelle, Dominikus, übersetzt von Hilarius M. Barth O.P, 256ff)

Als unser Meister,
Führer und Gefährte
gingst du voran uns
auf dem Weg zu Christus,
weil du erfülltest,
was dein Name sagte: 
dem Herrn gehörend.

Was lange reifte
in Gebet und Stille,
was du erkanntest
dank der Geistesmühe,
brach in der Stunde,
als der Irrtum drohte,
leuchtend durchs Dunkel.

Mit Leib und Seele
widmest du dein Leben
dem Dienst der Predigt,
arm wie die Apostel.
Du sprichst mit Gott nur
oder von ihm kündend,
Worte des Segens.

Nächte durchwachst du,
unablässig flehend;
Tränen vergißt du
für das Heil der Sünder,
sehnst dich voll Liebe,
deinen Gott zu schauen
im Brot des Himmels.

Auf allen Wegen
singst du froh und heiter
das Lob der Jungfrau
und dem Geiste Hymnen.
Eins blieb dir übrig,
ganz im Tod zu werden
Weizenkorn Gottes.

Ehre dem Vater,
Schöpfer aller Dinge,
Ehre dem Sohne,
der die Welt errettet,
Ehre dem Geiste,
der den Herzen einhaucht
Liebe und Wahrheit. Amen.

(Hymnus zur Vesper vom hl. Dominikus,
Proprium des Predigerordens, 501f)

Madonna vom Rosenkranz, Dominikanerkirche, Cingoli