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Mittwoch, 6. Mai 2020

Ich bin das Licht der Welt

Christus, der Auferstandene, by Sir Ninian Comper, Grosvenor Chapel, London



Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 12

In jener Zeit

44rief Jesus aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat,

45und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.

46Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.

47Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten.

48Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag.

49Denn was ich gesagt habe, habe ich nicht aus mir selbst, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll.

50Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

(Evangelium vom Mittwoch der 4. Osterwoche)


war im selben Ordner ;-)

Halten wir kurz bei der Erzählung vom Blindgeborenen inne (Joh 9,1-41). Nach der vorherrschenden Meinung der damaligen Zeit halten es die Jünger für selbstverständlich, dass seine Erblindung die Folge einer Sünde von ihm selbst oder von seinen Eltern sei. Jesus hingegen weist dieses Vorurteil zurück und sagt: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9,3).

Welch großen Trost bieten uns diese Worte! Sie lassen uns die lebendige Stimme Gottes hören, der fürsorgliche und weise Liebe ist! Angesichts des Mannes, der von Begrenztheit und Leiden gezeichnet ist, denkt Jesus nicht an mögliche Schuld, sondern an den Willen Gottes, der den Menschen für das Leben geschaffen hat. Und darum erklärt er feierlich: „Wir müssen die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat… Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (Joh 9,4-5). Und sofort schreitet er zur Tat: Mit etwas Erde und Speichel macht er einen Teig, den er dem Blinden auf die Augen schmiert.

Diese Geste stellt eine Anspielung auf die Schöpfung des Menschen dar, die die Bibel mit dem Symbol der von Gott geformten Erde erzählt, der er den Lebensatem einhaucht (vgl. Gen 2,7). „Adam“ bedeutet nämlich „Boden“, und der Leib des Menschen ist tatsächlich aus den Elementen der Erde zusammengesetzt. Indem Jesus den Menschen heilt, wirkt er eine neue Schöpfung. Jene Heilung aber erregt eine heftige Diskussion, da Jesus sie am Sabbat tut und so laut den Pharisäern das Gebot des Festtages bricht. So sind am Ende dieses Berichts Jesus und der Blinde gleichsam gemeinsam die von den  Pharisäern  „Hinausgestoßenen“: der eine, weil er das Gesetz gebrochen hat, und der andere, weil er trotz seiner Heilung als Sünder, der er von Geburt an ist, gebrandmarkt bleibt.

Dem geheilten Blinden offenbart Jesus, dass er in die Welt gekommen sei, um zu richten; um die Blinden, die sich heilen lassen, von denen zu trennen, die sich nicht heilen lassen, da sie davon überzeugt sind, sie wären gesund.

Im Menschen ist nämlich die Versuchung stark, sich ein System ideologischer Sicherheit anzufertigen. Auch die Religion kann zum Element dieses Systems werden, wie auch der Atheismus oder der Laizismus. Tut man das aber, so bleibt man vom eigenen Egoismus verblendet.

Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns von Christus heilen, der uns das Licht Gottes schenken kann und will! Bekennen wir unsere Blindheit, unsere Kurzsichtigkeit und vor allem das, was die Bibel die „schwere Schuld“ nennt (vgl. Ps 19,14): unseren Stolz. Darin stehe uns die allerseligste Maria bei. Sie hat Christus im Fleisch gezeugt und so der Welt das wahre Licht gegeben.

(Papst Benedikt XVI, Angelus, 3.3.2008)


Grosvenor Chapel, Londonau

Freitag, 13. September 2019

Osterpredigt des hl. Johannes Chrysostomus

Basilius und Johannes Chrysostomus neben Christus, Kathedrale von Ely



Unseres Vaters unter den Heiligen, Johannes Chrysostomus, Erzbischof von Konstantinopel, katechetische Rede auf den heiligen und strahlenden Tag der herrlichen und heilbringenden Auferstehung Christi, unseres Gottes

Wenn jemand fromm ist und Gott liebt, erquicke er sich an dieser schönen und glänzenden Feier.
Wenn jemand ein wohlgesinnter Knecht ist, gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn.
Wenn jemand sich beim Fasten abgemüht hat, empfange er jetzt den Denar [Silbermünze].
Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange er heute seinen gerechten Lohn.
Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist, feiere er dankend.
Wenn jemand nach der sechsten Stunde angelangt ist, so zweifle er nicht, denn er wird nichts einbüßen.
Wenn jemand bis in die neunte Stunde säumte, trete er unverzagt herzu, ohne sich zu fürchten.
Wenn jemand erst zur elften Stunde angelangt ist, fürchte er sich nicht ob seiner Saumseligkeit.
Denn der Gebieter ist freigebig und nimmt den Letzten an wie den Ersten.
Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.
Zum später Kommenden ist Er gnädig und zum Ersten freundlich.
Jenem gibt Er und diesen schenkt Er.
Die Werke nimmt Er an und den Entschluss begrüßt Er.
Die Tat ehrt Er und die Absicht lobt Er.
 
Geht also alle ein in die Freude unseres Herrn!
Die Ersten und die Letzten, empfanget den Lohn!
Die Reichen und die Armen, freut euch miteinander!
Die Ausdauernden und die Nachlässigen, ehret den Tag!
Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt, freuet euch heute!
Der Tisch ist reich gedeckt, genießet alle!
Das Kalb ist gemästet, niemand gehe hungrig hinaus!
Alle genießet vom Gastmahl des Glaubens!
Alle genießet vom Reichtum der Güte!
Niemand beklage sich über Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich.
Niemand betrauere Übertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt.
Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit.
Er hat ihn vernichtet, Der von ihm umfangen war.
Er hat gefesselt den Hades, Der zum Hades hinabstieg.
Er ließ Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleisch.
 
Dieses vorausschauend rief Jesaja aus:
„Der Hades“, spricht er, „ward voll Bitterkeit, als er unten mit Dir zusammentraf.“
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft.
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward gestürzt.
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward gefesselt.
Er nahm den Leib und traf auf Gott.
Er nahm Erde und begegnete dem Himmel.
Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.
 
Wo ist, Tod, dein Stachel?
Wo ist, Hades, dein Sieg?
 
Auferstanden ist Christus und du bist gestürzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben herrscht.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grab.
Denn Christus ist von den Toten auferstanden, der Erstling der Entschlafenen geworden.
Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit.
Amen.

Nach seinem Österreichbesuch im September 2007 hat Papst Benedikt XVI. zweimal über den Hl. Johannes Chrysosomus gesprochen: Teil 1, und Teil 2

Am Grab des hl. Johannes Chrysostomus im Petersdom

Buße und Umkehr (Pusey House, Oxford)

oben: Evangelistensymbole, Christus mit den griech. Kirchenvätern, unten Maria mit dem Kind,
lateinische Kirchenväter, Niniam Comper, Kathedrale von Ely

Sonntag, 28. April 2019

Hinabgestiegen in das Reich des Todes

Gang in die Unterwelt, hinabgestiegen in das Reich des Todes, Limburger Dom


17Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte:
Fürchte dich nicht!
Ich bin der Erste und der Letzte 18und der Lebendige.
Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit,
und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.

(Offenbarung 1, aus der 2. Lesung vom Weissen Sonntag)

Limburger Dom