Donnerstag, 14. August 2025

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt

 


 
PREDIGT VON PAPST PAUL VI. (Sonntag, 17. Oktober 1971)
zur Seligsprechung von Maximilian Maria Kolbe

Maximilian Maria Kolbe ein Seliger. Was bedeutet dies? Es will heißen, daß die Kirche in ihm einen ganz besonderen Menschen sieht, einen, in dem die Gnade Gottes und seine Seele in solcher Weise aufeinander getroffen sind, daß daraus ein wundervolles Leben hervorging, in dem der gute Beobachter die Symbiose eines doppelten Wirkungsprinzips entdeckt, des göttlichen und des menschlichen - geheimnisvoll das eine, experimentell das andere, übernatürlich und doch im Inneren das eine, natürlich und doch komplex wie ausgedehnt das andere, bis zum Erreichen jenes einzigartigen Profils moralischer und geistlicher Größe, die wir Heiligkeit nennen, das heißt die nach religiösen Kriterien erreichte Vollkommenheit, die - wie man weiß - zu den unendlichen Höhen des Absoluten strebt. Selig will also heißen, jener Verehrung würdig zu sein, das heißt jenes gestatteten und entsprechenden lokalen Kultes, welcher die Bewunderung dessen einschließt, der wegen mancher außergewöhnlicher und prachtvoller Wirkung des heiligenden Geistes Objekt derselben Verehrung ist. Selig will heißen gerettet und siegreich. Will heißen Bürger des Himmels mit allen Eigenheiten des Erdenbürgers; will heißen Bruder und Freund, um den wir noch als den unsrigen wissen, sogar mehr denn je als den unsrigen, weil er identifiziert ist als fruchtbares Glied der Gemeinschaft der Heiligen, die jener mystische Leib Christi ist, die Kirche, die sowohl in der Zeit als auch in der Ewigkeit lebt; will heißen Fürsprecher und deshalb Protektor im Reich der Liebe, und gemeinsam mit Christus «lebt er allezeit, um für uns einzutreten» (Hebr 7,25; vgl. Röm 8,34); will schließlich heißen exemplarischer Champion, die Sorte Mensch, an dem wir unsere Lebensform ausrichten können, weil beim Seligen das Privileg des Apostels Paulus anerkannt ist, dem christlichen Volk sagen zu können: «Haltet euch an mein Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme» (1 Kor 4,16; 11,1; Phil 3, 17; vgl. 1 Thess 3,7).

LEBEN UND WERKE DES NEUEN SELIGEN

So können wir von heute an Maximilian Kolbe als neuen Seligen betrachten. Aber wer ist Maximilian Kolbe?

Ihr wißt es, ihr kennt ihn. Steht er doch unserer Generation so nahe, ist er doch so durchtränkt von der gelebten Erfahrung dieser unserer Zeit, alles weiß man von ihm. Wenig andere Prozesse sind wahrscheinlich so gut dokumentiert wie dieser. Nur wegen unserer modernen Leidenschaft für die historische Wahrheit lesen Wir - einer Inschrift ähnlich - das biographische Profil von Pater Kolbe, das wir einem seiner unermüdlichsten Erforscher verdanken:

«P. Maximilian Kolbe wurde am 8. Januar 1894 in Zdusnka Wola, in der Nähe von Lodz, geboren. Nachdem er im Jahr 1907 ins Seminar der Minoriten-Konventualen eingetreten war, wurde er nach Rom gesendet, um die kirchlichen Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana und am "Seraphicum" seines Ordens fortzusetzen.

Noch als Student ersann er eine Institution, die Miliz der Unbefleckten. Zum Priester ausgeweiht am 28. April 1918 und nach Polen heimgekehrt, begann er sein marianisches Apostolat, insbesondere mit der Monatspublikation Rycerz Niepokalanej (der Ritter der Unbefleckten), welche im Jahr 1938 eine Million Exemplare erreichte.

1927 gründete er die Niepokalanów (Stadt der Unbefleckten), Zentrum des religiösen Lebens und diverser Formen des Apostolates. 1930 brach er nach Japan auf, wo er eine weitere ähnliche Institution gründete.

Nach seiner definitiven Rückkehr nach Polen widmete er sich ganz seinem Werk, mit verschiedenen religiösen Publikationen. Der Zweite Weltkrieg überraschte ihn an der Spitze des eindrucksvollsten polnischen Verlagskomplexes.

Am 19. September 1939 wurde er von der Gestapo festgenommen, die ihn zuerst nach Lamsdorf (Deutschland) deportierte, später ins provisorische Konzentrationslager Amtitz. Nach seiner Freilassung am 8. Dezember 1939 kehrte er nach Niepokalanów zurück und nahm die unterbrochene Tätigkeit wieder auf. Wieder festgenommen im Jahr 1941, wurde er ins Pawiak-Gefängnis in Warschau eingesperrt und dann ins Konzentrationslager von Oswiecim (Auschwitz) deportiert.

Nachdem er das Leben als Ersatz für einen zum Tode verurteilten Unbekannten - es handelte sich um eine Repressalie für die Flucht eines Häftlings - angeboten hatte, wurde er in einen Bunker gesperrt, um darin den Hungertod zu erleiden. Am 14. August, Vigil der in den Himmel Aufgenommenen, durch eine Phenolininjektion verstorben, gab er seine gute Seele Gott zurück, nachdem er zuvor noch seinen Leidensgenossen beigestanden war und sie getröstet hatte. Sein Leib wurde verbrannt» (Pater Ernesto Piacentini, O.F.M. Conv.)

DIE VEREHRUNG DER
UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS

Aber bei einer Zeremonie wie dieser entschwindet der biographische Anhaltspunkt im Lichte der großen Hauptlinien der zusammengeschauten Gestalt des neuen Seligen; und wir richten unseren Blick für einen Moment auf diese Linien, die ihn charakterisieren und ihn unserem Gedenken anvertrauen.

Maximilian Kolbe war ein Apostel der Verehrung der Madonna, und sie wurde von ihm in ihrem ersten, ursprünglichen und vorzüglichen Glanz, jenem ihrer Bezeichnung von Lourdes betrachtet: als die Unbefleckte Empfängnis. Es ist unmöglich, den Namen, die Aktivität, die Mission des seligen Kolbe vom Namen der unbefleckten Maria abzutrennen. Er war es, der die Miliz der Unbefleckten hier in Rom am 16. Oktober 1917 gründete, noch bevor er zum Priester geweiht wurde. Wir können heute diesen Jahrestag begehen. Er ist bekannt als der demütige und milde Franziskaner, und mit unglaublicher Kühnheit sowie außerordentlichem Organisationstalent entfaltete er die Initiative. Und die fromme Verehrung der Mutter Christi, geschaut in ihrem Sonnenkleid (vgl. Offb 12,1), wurde der Brennpunkt seiner Spiritualität, seines Apostolates, seiner Theologie. Kein Zweifel möge unsere Bewunderung und unsere Zustimmung zu diesem Auftrag beeinträchtigen, den uns der neue Selige als Erbe und Vorbild hinterlassen hat, als ob auch Wir Mißtrauen hegten gegenüber einer ähnlichen marianischen Lobpreisung und als ob sich zwei andere theologische und geistliche Strömungen, die heute im religiösen Denken und Leben vorherrschen - jene christologische und jene ekklesiologische - im Wettstreit mit jener mariologischen befänden. Kein Wettstreit. Im Denken Kolbes behält Christus nicht nur den ersten Platz, sondern - absolut gesprochen - den einzig notwendigen und ausreichenden Platz in der Heilsökonomie; und auch die Liebe zur Kirche und zu ihrer Sendung ist in der Konzeption der Lehre oder in der apostolischen Zielsetzung des neuen Seligen nicht vergessen. Im Gegenteil, gerade aus der untergeordneten Komplementarität der Gottesmutter - im Hinblick auf den kosmologischen, anthropologischen und soteriologischen Plan Christi - entspringt jedes ihrer Vorrechte und ihre ganze Größe.

Das wissen Wir genau. Und Kolbe sieht Maria so wie die ganze katholische Lehre, die ganze katholische Liturgie und die ganze katholische Spiritualität eingefügt in den göttlichen Plan als «Fixpunkt des ewigen Ratschlusses», als die voll der Gnade, als den Sitz der Weisheit, als die zur Mutterschaft Christi Vorherbestimmte, als die Königin des messianischen Reiches (Lk 1,33), und gleichzeitig als die Magd des Herrn, als die dazu Erwählte, der Inkarnation des Wortes ihre unersetzliche Kooperation darzubieten, als die Mutter des Gottmenschen, unseres Erlösers: «Maria ist diejenige, durch welche die Menschen bei Jesus ankommen, und diejenige, durch welche Jesus bei den Menschen ankommt» (L. BOUYER, Le trône de la Sagesse, S. 69).

Unserem Seligen sind daher keine Vorwürfe zu machen - auch nicht der Kirche mit ihm gemeinsam - wegen seines Enthusiasmus, der der Verehrung der Jungfrau gewidmet ist; die Verehrung ist nie dem Zentralen gleichgestellt noch gibt es einen Vorrang einer solchen Verehrung, eben wegen des Geheimnisses der Gemeinschaft, die Maria mit Christus vereint und die im Neuen Testament so überzeugend dokumentiert ist; aus der Verehrung erwächst nie eine «Mariolatrie». So wie die Sonne nie vom Mond verdunkelt wird; ebensowenig wird jemals die dem Dienst der Kirche im eigentlichen Sinne anvertraute Rettungsmission beeinträchtigt, wenn diese versteht, Maria als ihre eine herausragende Tochter und als ihre geistliche Mutter zu verehren. Wenn man so will, ist der charakteristische Aspekt, ja sogar aus sich heraus der Ausgangspunkt der Frömmigkeit, der Mehrverehrung Mariens, von Seiten des seligen Kolbe die Bedeutung, die er ihr zuschreibt im Hinblick auf die gegenwärtigen Bedürfnisse der Kirche, auf die Wirksamkeit ihrer Weissagung über die Herrlichkeit des Herrn und auf die Erhöhung der Niedrigen, auf die Mächtigkeit ihrer Fürsprache, auf den Glanz ihrer Vorbildlichkeit, auf die Präsenz ihrer mütterlichen Liebe. Das
Konzil hat uns in diesen Gewißheiten bestätigt, und nun belehrt und hilft uns vom Himmel her Pater Kolbe, diese zu meditieren und zu leben.

Dieses marianische Profil des neuen Seligen qualifiziert ihn und ordnet ihn den großen Heiligen und den vorausblickenden Denkern zu, die das Geheimnis Mariens verstanden, verehrt und besungen haben.

TRAGISCHER UND HERAUSRAGENDER EPILOG

Und dann sind wir beim tragischen und herausragenden Epilog des unschuldigen apostolischen Lebens von Maximilian Kolbe. Von diesem Epilog her rührt hauptsächlich die Verherrlichung, welche die Kirche heute in bezug auf den demütigen, milden und fruchtbringenden Ordensmann, auf den mustergültigen Schüler des heiligen Franziskus, auf den in Maria, die Unbefleckte, verliebten Ritter feiert. Die Szene seines zeitlichen Endes ist so schrecklich und erschütternd, daß Wir vorzögen, darüber nicht zu sprechen und sie nie mehr zu betrachten, um nicht zu sehen, bis wohin die unmenschliche Erniedrigung durch die Präpotenz gehen kann, die sich aus ungerührter Grausamkeit gegenüber Menschenwesen, die auf wehrlose Sklaven reduziert und zur Ausrottung bestimmt sind, das Podest der Größe und Herrlichkeit verschafft; und es waren Millionen solcher, die dem Stolz der Gewalt und dem Wahn des Rassismus geopfert wurden. Und doch bedarf es des Nachdenkens über diese finstere Szene, um darin manchen Funken verbliebener Menschlichkeit zu erblicken. O weh, die Geschichte darf diese ihre fürchterliche Seite nicht vergessen. Und so kann sie nicht anders als den bestürzten Blick auf die hellen Punkte richten, die sich aus ihr ergeben, aber gemeinsam besiegen sie so die unbegreifliche Finsternis. Einer dieser Punkte, ja vielleicht der leuchtendste und funkelndste, ist die zermürbte, gelassene Figur des Maximilian Kolbe. Der stille und immer fromme Held, der getragen ist von einem paradoxen und doch vernünftig durchdachten Vertrauen. Sein Name wird unter den Großen verbleiben und wird enthüllen, welche Rücklagen an moralischen Werten bei jenen unglücklichen Massen brachliegen, die vor Angst und Verzweiflung erstarrt sind. Und nun umhüllen Wir diesen immensen Vorhof des Todes mit einem göttlichen und unvergänglichen Wort des Lebens, mit jenem von Jesus, welches das Geheimnis des schuldlosen Leidens offenbart - Sühne zu sein, Opfer zu sein und schließlich Liebe zu sein: «Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt» (Joh 15,13). Jesus sprach von Sich angesichts Seiner bevorstehenden Hinopferung für die Rettung der Menschen. Die Menschen sind alle Freunde Jesu, wenn sie wenigstens Sein Wort hören. Pater Kolbe verwirklichte im verhängnisvollen Lager von Auschwitz den Spruch der befreienden Liebe auf zweifache Weise (unter doppeltem Titel):

DER PRIESTER, «ALTER CHRISTUS»

(1.) Wer erinnert sich nicht an die unvergleichliche Episode? «Ich bin ein katholischer Priester», sagte er, als er sein Leben dem Tod darbot - und welchem Tod! - um einen unbekannten Schicksalsgefährten das Überleben zu ermöglichen, der nämlich schon für die blinde Blutrache bestimmt war. Und das war ein gewaltiger Moment: das Angebot wurde angenommen. Es ging hervor aus dem Herzen, das eingeübt war, sich selbst zu schenken, als natürliche, spontane und sozusagen logische Konsequenz des eigenen Priestertums. Ist nicht ein Priester ein «zweiter Christus»? War nicht Christus als Priester das Erlösungsopfer des Menschengeschlechtes? Welcher Ruhm, welches Beispiel für uns Priester, in diesem neuen Seligen einen Interpreten dieser unserer Weihe und unserer Sendung zu erkennen! Welche Ermahnung in dieser Stunde der Unsicherheit, in der die menschliche Natur bisweilen gerne ihre Rechte dominieren lassen möchte gegenüber der übernatürlichen Berufung zur totalen Hingabe an Christus in demjenigen, der in Seine Nachfolge berufen ist! Und welcher Trost für die so geliebte und so edle, dichte und treue Schar der guten Priester und Ordensmänner, die ihre Sendung - auch in der legitimen und lobenswerten Intention, ihre Berufung von der persönlichen Mittelmäßigkeit und von der gesellschaftlichen Frustration abzuheben - so verstehen: ich bin ein katholischer Priester, und deshalb opfere ich mein Leben, um jenes der anderen zu retten! Dies scheint der Auftrag zu sein, den der Selige besonders an uns richtet, die Diener der Kirche Gottes, und in analoger Weise an alle, die den Geist dieses Auftrags annehmen.

SOHN DES EDLEN UND KATHOLISCHEN POLEN

(2.) Und diesem Titel des Priesters fügt sich noch ein anderer hinzu; ein weiterer Nachweis, daß das Opfer des Seligen seine Motivation in einer Freundschaft hatte: er war Pole. Als Pole wurde er zu jenem unglückseligen «Lager» verurteilt, und als Pole tauschte er sein Schicksal mit jenem, für das sein Landsmann Franciszek Gajowniczek vorgesehen war; das heißt, er erlitt die grausame Todesstrafe stellvertretend für ihn. Wie viele Dinge kommen einem in den Sinn in Erinnerung an diesen menschlichen, sozialen und ethnischen Aspekt des freiwilligen Sterbens von Maximilian Kolbe, der auch Sohn des edlen und katholischen Polen ist! Das historische Schicksal des Leidens dieser Nation scheint in diesem charakteristischen und heroischen Fall die säkulare Berufung des polnischen Volkes zu belegen, in der gemeinsamen Leidensgeschichte sein Bewußtsein der Einigkeit zu finden, seine ritterliche Mission hin zu der in der Würde des spontanen Opfers seiner Söhne erreichten Freiheit, und deren Bereitschaft, füreinander einzutreten zur Bewältigung der Lebhaftigkeit hin zu einer unbesiegbaren Eintracht, sein unzerstörbar katholischer Charakter, der das polnische Volk als ein lebendiges und geduldiges Glied der universalen Kirche auszeichnet, seine feste Überzeugung, daß im wunderbar-außergewöhnlichen, aber doch tief empfundenen Schutz der Madonna das Geheimnis seiner wieder aufkommenden Blüte liegt - das alles sind in Regenbogenfarben schillernde Strahlen, die vom frischgebackenen Märtyrer Polens ausgehen und das authentische, schicksalschwere Antlitz dieses Landes erstrahlen lassen, und sie regen uns an, den Seligen, seinen exemplarischen Helden, anzurufen für die Festigkeit im Glauben, für den Eifer in den Werken der Liebe, um Eintracht, Wohlfahrt und Frieden seines ganzen Volkes. Die Kirche und die Welt werden davon gemeinsam profitieren. Und so sei es. 
 

Altar des hl. Maximilian M. Kolbe in der Franziskanerkirche in Przemysl

Glasfenster in der St Mary´s Cathedral in Inverness (Hingabe an die Immaculata) 

Glasfenster im Heiligtum der Barmherzigkeit in Bialystok (Lesehore, durch Leiden zur Herrlichkeit) 

Altar in der Minoritenkirche in Venedig

Statue in der Franziskanerkirche Vicenza

Gebet zur Mutter Gottes um Rettung (Loretokapelle Brünn)
Über das Leiden (Minoritenkirche Wien)
Durch die Hände der Unbefleckten kannst du alles (Katharinakirche Krakau) 
Die Macht des Gebetes (Chiesa dei Santi Apostoli, Rom)

Priesterweihe in Rom
Die Primizkirche des M. Kolbe, (S. Andrea delle Fratte, Rom)
Die Todeszelle des hl. Maximilian Kolbe


Franziskanerkirche zur Aufnahme Mariens in Przemysl

Mittwoch, 13. August 2025

Santo subito - man kann es nicht oft genug wiederholen

 

Wiener Kapuzinerkirche

Die zwei Denkmäler vom sel. Marco innerhalb und außerhalb der Wiener Kapuzinerkirche
(Die Befreiung Wiens) 

Die Feier der hl. Messe auf dem Kahlenberg vor dem Angriff der Entsatztruppen

Die Rettung Wiens durch die Hilfe von Marco von Aviano und der Gottesmutter, auf dem Kahlenberg
Hoeß SJ, Lebensbeschreibung, Walter Lang

2013: Der Retter Wiens, Grab in der Kapuzinerkirche (Br. Erhard Mayerl, Kardinal Schönborn anlässlich der Seligsprechung von P. Marco 2003)

Dem Schutzgeist Wiens und Österreichs in der Türkennoth 1683

 

Marco d'Aviano, Kapuziner-Prediger aus der Provinz Venedig, war eine der bedeutendsten religiösen Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts. Als überzeugender Verkünder von Umkehr und Versöhnung, als Mahner zu einem erneuerten christlichen Lebens, als Apostel der Liebesreue durchzog er die Straßen Europas, verkündete das Wort Gottes und rief die Menschen seiner Zeit zum Glauben und zur Buße, wobei seine Botschaft durch die Gabe wunderbarer Bekehrungen und Heilungen beglaubigt und verstärkt wurde. 

Geboren in Aviano-Friaul am 17. November 1631 als Sohn von Pasquale Cristofori und Rosa geb. Zanoni, die zur wohlhabenden Bürgerschaft des Ortes gehörten und deren Ehe noch weitere zehn Kinder entsprossen, wurde er noch am selben Tag auf den Namen Carlo Domenico getauft. In seinem Heimatort erfuhr er die erste religiöse und kulturelle Formung, die 1643-1647 am Jesuitenkolleg von Görz vertieft wurde. 

Der Kampf um Candia, der zwischen der Republik Venedig und dem ottomanischen Heer tobte, erweckte in jenen Jahren eine gewisse Heldenstimmung, die auch das Leben des jungen Mannes aus Aviano entscheidend prägte. Beseelt vom Verlangen, den Kriegsschauplatz zu erreichen und dort für die Verteidigung des Glaubens selbst sein Blut zu vergießen, verließ er das Kolleg von Görz und erreichte nach Tagen Capodistria, wo er, erschöpft von Hunger und den Strapazen der Reise, an der Pforte des Kapuzinerklosters anklopfte. Der Obere des Klosters bot ihm nicht nur Speise und Rast, sondern gab ihm auch den guten Rat zu seinen Eltern heimzukehren. 

Während seines kurzen Aufenthalts bei den Kapuzinern von Capodistria entdeckte er im Licht der Gnade die Möglichkeit, seine Berufung zum Apostel und Märtyrer auf eine andere Weise zu verwirklichen. Schließlich fasste er den festen Entschluss, die Welt zu verlassen und das strenge Leben der Kapuziner auf sich zu nehmen. Im September 1648 wurde er in das Noviziat in Conegliano aufgenommen. Ein Jahr später, am 21. November 1649, legte er unter dem Namen Marco d'Aviano (Markus aus Aviano) seine Ordensgelübde ab. Anschließend absolvierte er das reguläre Studium und wurde am 18. September 1655 zum Priester geweiht.

Marco zeichnete sich aus durch ein tiefes Gebetsleben, durch Liebe zur Gemeinschaft, durch Demut und Bescheidenheit sowie durch Eifer in der Beobachtung der Regel und der Satzungen des Ordens. Im September 1664 erhielt er das ”Predigerpatent“. Von diesem Zeitpunkt an lebte er mit voller Energie dem Apostolat des Wortes Gottes, das er in ganz Italien verkündete, besonders in den ”starken Zeiten“ des Advents und der Fasten.

Am 18. September 1676 fand ein Ereignis statt, das den demütigen Kapuziner aus der Verborgenheit seiner Klosterzelle heraus in das helle Licht der allgemeinen Aufmerksamkeit holte: Er war ins Kloster San Prosdocimo in Padua zum Predigen eingeladen. Dort wurde durch sein Gebet und seinen Segen die Nonne Vincenza Francesconi, die seit etwa 13 Jahren krank und ans Bett gefesselt war, von einem Augenblick zum anderen geheilt. Bald gab es weitere ähnliche außergewöhnliche Ereignisse, durch die große Volksmengen angezogen wurden.

Unbeeindruckt von dem Aufsehen, dass sich immer stärker um ihn verbreitete und das zur Folge hatte, dass man sein Auftreten bald auch außerhalb Italiens wünschte, setzte der Diener Gottes sein apostolisches Wirken fort, besonders seine markante, immer auf das Wesentliche bezogene Predigt. Vor allem ermahnte er seine Zuhörer zur Vertiefung des Glaubens und zu einer christlichen Lebenspraxis, zum Bereuen ihrer Sünden und zur notwendigen Buße. Alle gemeinsam ließ er ein Reuegebet sprechen und erteilte dann seinen Segen, der stets reiche geistliche Früchte brachte und nicht selten wunderbare Ereignisse und außergewöhnliche Heilungen bewirkte. 

Gerade wegen dieser wunderbaren Ereignisse verlangte man überall das Kommen des Dieners Gottes, und so unternahm er in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens seine aufreibenden apostolischen Reisen durch große Teile Europas.

Zu den hohen Persönlichkeiten, die inständig nach seinem Besuch verlangten und ihm ihre Freundschaft boten, zählen der Landesherr von Tirol, Herzog Karl von Lothringen und seine Gattin Eleonora, Philipp Wilhelm, der Herzog von Neuburg, und sein Sohn Johann Wilhelm, der Kurfürst von Bayern Maximilian Emanuel und dessen Onkel Maximilian Philipp, die Prinzessin von Vaudemont Anna Elisabeth, die Dauphine von Frankreich Maria Anna Christina Victoria, der König von Spanien Karl II. und seine zweite Gattin Marianne von Neuburg, und ganz besonders König Jan Sobjeski von Polen, Kaiser Leopold I. und verschiedene Vertreter des kaiserlichen Hofes. Ziele seiner Reisen in diesen Jahren waren Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, die Schweiz, Böhmen und Österreich. 

Besondere Beachtung verdient die enge Beziehung zwischen Padre Marco und Kaiser Leopold I. Angefangen von der ersten Begegnung, die im September 1680 in Linz stattfand, bis zu seinem Tod, war der Diener Gottes für Leopold Freund, Ratgeber, Seelsorger und Vertrauter in allen Belangen und bei allen Problemen, ob sie nun familiärer, politischer, wirtschaftlicher, militärischer oder religiöser Natur waren. Beide Charaktere ergänzten sich auf umfassende Weise: Es war providenziell, dass der unsichere, unentschlossene Leopold der starken und entschlossenen Persönlichkeit von Padre Marco begegnete, der seinem Zeitgenossen nicht nur als Freund aufrichtig zugetan war, sondern ihm auch Mut, Stärke, Entschiedenheit, Sicherheit im Urteilen und Handeln, Hilfe und Wegweisung in geistlichen Fragen, Zuversicht und Rat in seinen Gewissensnöten und bei seinen Regierungspflichten vermittelte. 

Gedrängt vom Kaiser und von Rom beauftragt, musste sich Marco d'Aviano mindestens vierzehn mal zum kaiserlichen Hof begeben und aktiv am Feldzug gegen die Türken teilnehmen und zwar in zweifacher Eigenschaft als Päpstlicher Legat und als Apostolischer Missionar. Es war sein großes Verdienst, dass er in entscheidender Weise zur der Befreiung Wiens von der türkischen Belagerung am 12. September 1683 beigetragen hat. Von 1683 bis 1689 nahm er persönlich an den Verteidigungs- und Befreiungsfeldzügen teil. Dabei war es sein Ziel, innerhalb des kaiserlichen Heeres positive und freundschaftliche Beziehungen zu stiften und zu stärken, alle zu einem wahrhaft christlichen Verhalten zu ermahnen und die Soldaten seelsorglich zu betreuen. Es gab große militärische Erfolge, wie die Befreiung von Buda am 2. September 1686 und die Befreiung von Belgrad am 6. September 1688. In den folgenden Jahren entfaltete er eine rege Tätigkeit, um innerhalb Europas Frieden zu stiften, vor allem zwischen Frankreich und dem Kaiserreich, und um die Einheit der katholischen Mächte zur Verteidigung des Glaubens zu fördern, der ja immer noch durch die Macht der Ottomanen bedroht war. 

Im Mai 1699 unternahm Marco d'Aviano seine letzte Reise in die Hauptstadt des Reiches. Sein schon angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, so dass er schließlich jede Aktivität abbrechen musste. Am 2. August empfing er im Kapuzinerkloster den Besuch der kaiserlichen Familie und dann nach und nach Besuche der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt. Am 12. August überbrachte der Päpstliche Nuntius Andrea Santa Croce dem Kranken persönlich den Apostolischen Segen des Papstes Innozenz XII. Er empfing auch die Sakramente und erneuerte seine Ordensprofess. Am 13. August 1699 ist Padre Marco d'Aviano in Gegenwart seines kaiserlichen Freundes Leopold I. und der Kaiserin Eleonora, mit den Händen das Kreuz fest umfassend sanft im Herrn entschlafen. Um es der großen Volksmenge, die von überall herbeiströmte, zu ermöglichen, ein letztes Mal die sterblichen Überreste des Kapuziners aus Aviano zu sehen und zu verehren, setzte der Kaiser die Begräbnisfeierlichkeiten für den 17. August an und bestimmte schließlich, dass er in der Gruft der Kapuziner beigesetzt würde, jedoch an einem besonderen Platz in der Nähe der kaiserlichen Ruhestätte. Schon Kaiser Leopold gedachte, den Seligsprechungsprozess einleiten zu lassen. Aus diesem Grund verfügte er nach vier Jahren die Übertragung der sterblichen Überreste von Marco d'Aviano in eine Kapelle der Kapuzinerkirche, wo sie noch heute ruhen. 

Wenn die persönliche Botschaft von Marco d'Aviano sich an jeden Christen wendet um ihn nachdrücklich einzuladen, treu den Weg der Umkehr und des Glaubens zu gehen, so beschwört und betont er in einem weiterem Horizont die christliche Identität Europas, die wir durch Apostolat und Gebet retten und erhalten können. In diesem Sinn gab er sich selber den Beinamen, der sein Lebensprogramm ausdrückte und der heute noch aktuell ist: ”Geistlicher Arzt Europas“.
Biographie Vatikan


Großer, barmherziger Gott, du hast den seligen Markus von Aviano gesandt, den Völkern den unergründlichen Reichtum Christi zu verkünden. Durch seine Fürsprache verleihe uns, dass auch wir dich immer tiefer erkennen, vor dir im Geist des Evangeliums leben und durch unser Tun reiche Frucht bringen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Seliger Marco, an deinem Grab bitten wir dich, hilf uns, hilf Europa
in allen Bedrängnissen und Nöten.

Heute gedenkt die Kirche auch des Papstes Pontianus und des hl. Hippolyt von Rom.

Dienstag, 12. August 2025

Heiland unseres Herzens

 

Franz von Sales spendet die Eucharistie (Frau von Chantal?), Annecy

Ach, sagte ich, Heiland unseres Herzens,
da wir nun alle Tage an Deinen Tisch treten werden,
um nicht nur Dein Brot zu essen, sondern Dich selbst,
der Du unser lebendiges (Jo 6,51) uns übernatürliches (Joh 6,11) Brot bist,
bewirke,
daß wir jeden Tag diese ganz vollkommene Speise
in der richtigen und vollkommenen Weise in uns aufnehmen
und so ewiglich leben,
erfüllt von Deiner heiligen Gnade, Güte und Liebe.

(aus dem Brief an Frau Chantal vom 5. Dezember 1610)

 

 Die Fenster der Heimsuchungsbasilika in Annecy zeigen die Lebensstationen der Heiligen:


Sonntag, 10. August 2025

Darum wurde er aufgenommen in die Freude des Herrn

 

Hofkirche, Dresden

Er erlitt am 10. August, wahrscheinlich 258 unter Kaiser Valerian, den Martertod als der berühmteste römische Märtyrer, dessen Gedenktag am 10. August schon der Staatskalender von 354  mit der Beisetzung an der Via Tiburtina anführt. Die Verehrung breitete sich sehr bald über die ganze abendländische Kirche aus. Reliquien in S. Lorenzo, das zu den sieben Hauptkirchen von Rom zählt. Die Darstellung mit dem Rost erinnert an die Art seines Martyriums.
(ErzabteiBeuron)

Der heilige Laurentius hat im Dienst der Kirche
sein Leben für die Armen hingegeben.
Darum wurde er aufgenommen in die Freude seines Herrn.

Heiliger Laurentius, bitte für uns!



Samstag, 9. August 2025

Das Kreuz ist unser einziger Ruhmestitel

Das Leiden ist der sicherste Weg zur Vereinigung mit dem Herrn
Edith Stein, Elternhaus in Breslau

 

Edith Stein "Kreuzeswissenschaft":

Glaube an den Gekreuzigten - Weg zum Leben
Christus hat das Joch des Gesetzes auf sich genommen, indem er es vollkommen erfüllte und für und durch das Gesetz starb. Eben damit hat er die vom Gesetz befreit, die von ihm das Leben empfangen wollen. Aber sie können es nur empfangen, wenn sie ihr eigenes Leben preisgeben. Denn die auf Christus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft1 Sie tauchen unter in sein Leben, um Glieder seines Leibes zu werden und als solche mit ihm zu leiden und mit ihm zu sterben, aber auch mit ihm aufzuerstehen zum ewigen, göttlichen Leben. Dieses Leben wird in seiner Fülle für uns erst kommen am Tage der Herrlichkeit.
Wir haben aber jetzt schon - "im Fleisch" - Anteil daran, indem wir glauben: glauben, daß Christus für uns gestorben ist, um uns das Leben zu geben. Dieser Glaube ist es, der uns mit ihm eins werden läßt wie die Glieder mit dem Haupt und uns öffnet für das Zuströmen seines Lebens. So ist der Glaube an den Gekreuzigten - der lebendige Glaube, der mit liebender Hingabe gepaart ist - für uns der Zugang zum Leben und der Anfang der künftigen Herrlichkeit; darum das Kreuz unser einziger Ruhmestitel: ,,Ferne sei es von mir, mich zu rühmen, außer im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt"2.
Wer sich für Christus entschieden hat, der ist für die Welt tot, und sie für ihn. Er trägt die Wundmale des Herrn an seinem Leibe3, ist schwach und verachtet vor den Menschen, aber gerade darum stark, weil in den Schwachen Gottes Kraft mächtig ist. In dieser Erkenntnis nimmt der Jünger Jesu nicht nur das Kreuz an, das auf ihn gelegt ist, sondern kreuzigt sich selbst: "Die Christus angehören, haben ihr Fleisch gekreuzigt mit seinen Lastern und Begierden."5 Sie haben einen unerbittlichen Kampf geführt gegen ihre Natur, damit das Leben der Sünde in ihnen ersterbe und Raum werde für das Leben des Geistes. Auf das letzte kommt es an. Das Kreuz ist nicht Selbstzweck. Es ragt empor und weist nach oben. Doch es ist nicht nur Zeichen - es ist die starke Waffe Christi; der Hirtenstab, mit dem der göttliche David gegen den höllischen Goliat auszieht; womit er machtvoll an das Himmelstor pocht und es aufstößt. Dann fluten die Ströme des göttlichen Lichtes heraus und umfangen alle, die im Gefolge des Gekreuzigten sind.

1Vgl. Röm 6,1. 2Gal 6,14. 3Vgl Gal 6,17. 4Vgl. 2Kor!2,9. 5Gal 5,24.

Freitag, 8. August 2025

Augenblicke finden, um in Ruhe zu beten

 

Dominikanerkirche zu den Heiligen Paulus und Franz Xaver, Bordeaux

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Priesters Dominikus de Guzmán, Gründer des Predigerordens, genannt Dominikaner. In einer vorhergehenden Katechese habe ich bereits seine hervorragende Gestalt und den grundlegenden Beitrag, den er zur Erneuerung der Kirche seiner Zeit geleistet hat, erläutert. Heute möchte ich einen wesentlichen Aspekt seiner Spiritualität beleuchten: sein Gebetsleben. Der hl. Dominikus war ein Mann des Gebets. Er war verliebt in Gott und hatte kein anderes Bestreben als das Heil der Seelen, besonders jener, die in die Fänge der Irrlehren seiner Zeit geraten waren; in der Nachfolge Christi verkörperte er radikal die drei evangelischen Räte, indem er die Verkündigung des Wortes mit dem Zeugnis eines armen Lebens verband; unter der Führung des Heiligen Geistes schritt er auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voran. In jedem Augenblick war das Gebet die Kraft, die seine apostolischen Werke erneuerte und immer fruchtbarer machte.

Der sel. Jordan von Sachsen, der 1237 starb, sein Nachfolger in der Ordensleitung, schreibt: »Bei Tag zeigte sich niemand geselliger als er… Bei Nacht hingegen wachte niemand eifriger als er im Gebet. Den Tag widmete er dem Nächsten, die Nacht aber schenkte er Gott« (vgl. P. Filippini, San Domenico visto dai suoi contemporanei, Bologna 1982, S. 133). Im hl. Dominikus erblicken wir ein Beispiel der harmonischen Ergänzung der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse und der apostolischen Tätigkeit. Den Zeugnissen der Personen zufolge, die ihm am nächsten standen, »sprach er immer mit Gott oder von Gott«. Diese Beobachtung verweist auf seine tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn und gleichzeitig das ständige Bemühen, die anderen zu dieser Gemeinschaft mit Gott zu führen. Er hat keine Schriften über das Gebet hinterlassen, aber die dominikanische Überlieferung hat seine lebendige Erfahrung gesammelt und weitergegeben in einem Werk mit dem Titel Die neun Gebetsweisen des Dominikus. Dieses Buch wurde zwischen 1260 und 1288 von einem Dominikanerbruder verfaßt; es hilft uns, etwas vom Innenleben des Heiligen zu verstehen, und es hilft auch uns, mit allen Unterschieden, etwas darüber zu lernen, wie man beten soll.

Dem hl. Dominikus zufolge gibt es also neun Gebetsweisen, und jede von ihnen, die er stets vor dem gekreuzigten Christus pflegte, bringt eine körperliche und eine geistliche Haltung zum Ausdruck, die einander tief durchdringen und die Sammlung und den Eifer fördern. Die ersten sieben Weisen folgen einer aufsteigenden Linie, wie Schritte eines Weges, zur Gemeinschaft mit Gott, mit der Dreifaltigkeit: Der hl. Dominikus betet stehend mit gesenktem Haupt, um die Demut zum Ausdruck zu bringen, auf die Erde hingestreckt, um die Vergebung seiner Sünden zu erbitten, auf Knien, um in Teilhabe an den Leiden des Herrn Buße zu tun, mit offenen Armen auf den Gekreuzigten hinschauend, um die höchste Liebe zu betrachten, mit dem Blick zum Himmel gerichtet, wo er sich von der Welt Gottes angezogen fühlt. Es gibt also drei Formen: stehend, kniend, auf die Erde hingestreckt; aber stets auf den gekreuzigten Herrn hinschauend. Die letzten beiden Weisen jedoch, bei denen ich kurz verweilen möchte, entsprechen zwei Frömmigkeitsübungen, die der Heilige gewöhnlich lebte. Vor allem die persönliche Betrachtung, wo das Gebet eine noch innigere, leidenschaftlichere und Zuversicht schenkende Dimension annimmt. Am Ende des Stundengebets und nach der Feier der Messe verlängerte der hl. Dominikus das Gespräch mit Gott, ohne sich zeitliche Grenzen zu setzen. Er saß ruhig da und sammelte sich innerlich in einer hörenden Haltung, las ein Buch oder heftete den Blick auf den Gekreuzigten.

Er lebte diese Augenblicke der Beziehung zu Gott so intensiv, daß man seine freudigen oder traurigen Reaktionen auch äußerlich wahrnehmen konnte. Er hat also in der Betrachtung die Wirklichkeit des Glaubens in sich aufgenommen. Die Zeugen berichten, daß er manchmal in eine Art Verzückung eintrat, mit verklärtem Gesicht, aber sofort darauf demütig seine täglichen Tätigkeiten wiederaufnahm, mit neuer Energie aus der Kraft, die aus der Höhe kommt. Dann das Gebet auf den Reisen von einem Kloster zum anderen; er betete die Laudes, die Mittagshore, die Vesper mit den Gefährten, und während er die Täler und Hügel durchquerte, betrachtete er die Schönheit der Schöpfung. Dann ging aus seinem Herzen ein Gesang des Lobes und des Dankes an Gott hervor für die vielen Gaben, vor allem für das größte Wunder: die von Christus gewirkte Erlösung.

Liebe Freunde, der hl. Dominikus erinnert uns daran, daß am Ursprung des Glaubenszeugnisses, das jeder Christ in der Familie, am Arbeitsplatz, im sozialen Einsatz und auch in Augenblicken der Entspannung geben muß, das Gebet, der persönliche Kontakt mit Gott steht; nur diese echte Beziehung zu Gott gibt uns die Kraft, jedes Ereignis tiefer zu leben, besonders die Augenblicke des größten Leidens. Dieser Heilige ruft uns auch die Bedeutung der äußeren Haltungen bei unserem Beten in Erinnerung. Knien, vor dem Herrn stehen, auf den Gekreuzigten hinschauen, schweigend innehalten und sich sammeln sind nicht nebensächlich, sondern helfen uns, uns innerlich, mit der ganzen Person in Beziehung zu Gott zu stellen. Ich möchte noch einmal die Notwendigkeit für unser geistliches Leben in Erinnerung rufen, täglich Augenblicke zu finden, um in Ruhe zu beten; wir müssen uns diese Zeit besonders in den Ferien nehmen, etwas Zeit haben, um mit Gott zu sprechen. Es wird ein Weg sein, um denen, die uns nahe sind, zu helfen, in den leuchtenden Strahl der Gegenwart Gottes einzutreten, der den Frieden und die Liebe bringt, derer wir alle bedürfen. Danke.
(B16, 8. August 2012, Generalaudienz)


Maria überreicht Dominikus den Rosenkranz
Dominikanerkirche in Bordeaux

Donnerstag, 7. August 2025

Donatus von Arezzo

Donatus von Arezzo, Meißner Dom

 

Der heilige Donatus von Arezzo war ein frühchristlicher Märtyrer und Bischof, der im 4. Jahrhundert lebte. Er stammte vermutlich aus Rom oder Nikomedia (heutige Türkei) und wirkte als Bischof in Arezzo in der Toskana, Italien.

Donatus war für seine Glaubensfestigkeit, Wundertaten und seine Rolle bei der Bekehrung vieler Menschen bekannt. Einer Legende nach heilte er einen Blinden durch Gebet und zerschlug einen vergifteten Kelch, ohne selbst Schaden zu nehmen – ein Wunder, das ihn später zum Patron der Kelter und Winzer machte.

Er erlitt unter der Christenverfolgung des Kaisers Julian Apostata um das Jahr 362 n. Chr. das Martyrium, vermutlich durch Enthauptung. Seine Reliquien werden in der Kathedrale von Arezzo verehrt. Donatus ist mit Johannes dem Evangelisten Patron des Meißner Doms. Sein Gedenktag ist der 7. August. 

Meißner Dom

links Stifterfiguren Otto I. und seine Gemahlin Adelheid von Burgund (um 1260)
rechts Johannes d. Evanglist, davor Donatus von Arezzo

Chorraum

die Patrone des Doms zu Meißen Johannes und Donatus


Heute gedenkt die Kirche auch der Heiligen

Kajetan von Thiene (an seinem Grab) 

Afra von Augsburg (an ihrem Grab) 

 

Mittwoch, 6. August 2025

Ankündigung des endgültigen Sieges über den Tod

 

Chorumgang in der Kathedrale von Chartres

 

Die Magier beteten das Kind von Betlehem an, weil sie in ihm den verheißenen Messias erkannten, den eingeborenen Sohn des Vaters; »in ihm allein«, schreibt der hl. Paulus, »wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes« (Kol 2,9). Eine ähnliche Erfahrung machten in gewisser Weise die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, wie uns das Fest der Verklärung in Erinnerung ruft, das wir gestern gefeiert haben: Ihnen hat Jesus auf dem Berg Tabor seine göttliche Herrlichkeit offenbart und den endgültigen Sieg über den Tod angekündigt. Durch das Ostergeschehen wird der gekreuzigte und auferstandene Christus später seine Gottheit vollends kundtun und allen Menschen das Geschenk seiner erlösenden Liebe anbieten.

Die Heiligen sind diejenigen, die dieses Geschenk angenommen haben und zu echten Anbetern des lebendigen Gottes geworden sind, indem sie ihn jeden Augenblick ihres Lebens vorbehaltlos geliebt haben. (...)

Wer könnte uns besser als Maria auf diesem anspruchsvollen Weg der Heiligkeit begleiten? Wer könnte uns besser als sie lehren, Christus anzubeten? Sie helfe besonders den jungen Generationen, in Christus das wahre Antlitz Gottes zu erkennen, ihn anzubeten und zu lieben und ihm mit ganzer Hingabe zu dienen.
(B16, Angelus 7. August 2005)


Verklärung des Herrn, Notre Dame de Chartres

Spender des Lichtes, Ehre sei Dir!

 

Verklärung des Herrn, Dominikanerkirche Lublin
Schriftband: Filius hic meus est. Audiat orbus eum.
Das ist mein Sohn. Auf ihn sollt ihr (der Erdkreis) hören.


Christus, unser Gott,
auf dem Berg hast Du Dich verklärt,
und Deinen Jüngern von Deiner Herrlichkeit gezeigt,
was sie sehen konnten.

Laß Dein ewiges Licht
auf die Fürbitte der Gottesmutter 
auch über uns Sündern erstrahlen.

Spender des Lichtes,
Ehre sei Dir!
 

(Er ist wahrhaft auferstanden, Gebete der Ostkirche, 124)

Dominikanerkirche in Lublin

 

Verklärung des Herrn

San Marco Museum, Florenz, Fra Angelico, B16 Angelus, 9.3.2009

Glasfenster in der St Paul´s Cathedral in Dundee, B16, 2. Fastensonntag 2006

Glasfenster in Salisbury Cathedral, Einführung ins Jesusbuch von B16

Glasfenster in St Chad´s Church - The Manchester Oratory (Präfation)

Gemälde in den Uffizien

Mosaik, Rosenkranzstation in Medjugorje (B16. 6 August 2006)

Hochaltarbild im Stift Kremsmünster

Glasfenster in St Etheldreda´s Church, London

Berg Tabor im Heiligen Land 1 (B16, 24.2.2013)

Glasfenster in La Salette

Mosaik im Petersdom

Malerei in S. Maria degli Angeli e dei Martiri in Rom

Kloster Sucevita in Rumänien

Berg Tabor - neue Impressionen 2 (B16, 18.2.2008)

Glasfenster im Magdalene College in Cambridge

Glasfenster im Straßburger Münster

Glasfenster in der Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial (B16. 5.3.2007)


Dienstag, 5. August 2025

Das Schneewunder

 

Maria Maggiore

Seit 16 Jahrhunderten dominiert die Päpstliche Basilika von Santa Maria Maggiore das Stadtbild Roms: sie ist nicht nur die Marienkirche par excellence, sondern auch eine Wiege der Kunst. Sie erhebt sich auf dem Gipfel des Esquilin und ist eine der vier Papstbasiliken der Ewigen Stadt. Die Überlieferung besagt, dass die Jungfrau Maria den Bau ihrer Kirche auf dem Esquilinhügel angeregt hat. Sie erschien dem Patrizier Johannes und Papst Liberius im Traum und bat um den Bau einer Kirche zu ihren Ehren an einem Ort, den sie auf wundersame Weise zu erkennen geben würde.

Gründungsgeschichte der Basilika: In der Nacht des 5. August 358 erschien die Jungfrau Maria dem römischen Patrizier Johannes und seiner Frau im Traum. Die Jungfrau versprach ihnen, dass sie durch ein Wunder ihren Kinderwunsch erfüllen würde. Daraufhin suchte das Paar Papst Liberius auf, der ihnen offenbarte, denselben Traum gehabt zu haben. Am nächsten Morgen war die höchste Erhebung des Esquilin-Hügels schneebedeckt. Der Papst zeichnete mit seinem Hirtenstab die Umrisse nach, nach denen das Paar eine von der Muttergottes gewollte Kirche errichten sollte. Das ursprüngliche Aussehen der liberianischen Kirche ist bis heute unbekannt; die Weihe der heutigen Basilika, die Papst Sixtus III. nach dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 errichten ließ, fand am Jahrestag des Schneewunders statt: dem 5. August.

In der Basilika befindet sich die bedeutendste Marienikone Roms, die Salus Populi Romani. Die Tradition schreibt das Bild dem Evangelisten Lukas zu, Schutzpatron der Maler.
(Homepage von S. Maria Maggiore)


Paulinische Kapelle mit der Ikone Salus Populi Romani
und dem darüber dargestellten Schneewunder