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Sonntag, 4. Oktober 2026

Heimgang des hl. Franziskus

 

Tod des hl. Franziskus und Überprüfung seiner Stigmata, Giotto, 1320/1328, Santa Croce, Florenz


Als die Brüder bitterlichst weinten und untröstlich klagten, ließ sich der heilige Vater Brot bringen. Er segnete es, brach es und reichte jedem ein Stücklein zum Essen. Er ließ auch das Evangelienbuch bringen und bat, man möge ihm das Evangelium nach Johannes vorlesen von der Stelle an, wo es heißt: "Vor dem Osterfeste usw. Er erinnerte sich jenes allerheiligsten Abendmahles, das der herr mit seinen Jüngern zuletzt feierte. Denn zum ehrenden Andenken daran und zum Erweis, welch innige Liebe er zu seinen Brüdern hatte, tat er dies alles.
Darauf benützte er die wenigen Tage, die bis zu seinen Heimgang noch übrig waren, zum Lobe Gottes und forderte seine geliebten Gefährten auf, mit ihm Christus zu loben. Er selbst aber brach, so gut er konnte, in diesen Psalm aus: Mit meiner Stimme rufe ich zum Herrn, mit meiner Stimme flehe ich zum Herrn. Er lud auch alle Geschöpfe zum Lobpreis Gottes ein und durch Worte, die er einst gedichtet hatte, forderte er sie auf zur Liebe Gottes.
Ja, sogar den Tod persönlich, allen schrecklich und verhasst, forderte er auf zum Lobpreis. Fröhlich ging er ihm entgegen und lud ihn ein zu Gast: "Sei willkommen, meine Schwester Tod!"
Zum Arzt aber sagte er: "Mut, Bruder Arzt, sag es mir nur, dass der Tod sehr nahe ist; er wird mir die Pforte zum Leben sein!"
Und zu den Brüdern sprach er: "Wenn ihr seht, dass es mit mir zu Ende geht, so legt mich nackt, wie ihr mich vorgestern gesehen habt, auf den Boden und lasst mich, wenn ich verschieden bin, so lange so liegen, wie man braucht, um gemächlich eine Meile weit gehen zu können."

 - So kam seine Stunde und, da sich Christi Geheimnisse alle an ihm erfüllt hatten, entschwebte er glückselig zu Gott.

(...).... Es klagten die Söhne, die ihren großen Vater verloren hatten, und taten die kindliche Liebe ihres Herzens kund durch Tränen und Seufzer. Doch die Neuheit des Wunders verwandelte ihr Wehklagen in Jubel, ihre Trauer in Lobgesang. 
Sie sahen den Leib des seligen Vaters mit Christi Wundmalen geschmückt: mitten in seinen Händen und Füßen nicht bloß die Male der Nägel, sondern die Nägel selber, aus seinem Fleisch gebildet,ja, aus dem Fleische selbst natürlich entstanden, in der Schwärze des Eisens gehalten, und die rechte Seite vom Blut gerötet. Sein Leib, von Natur aus dunkel, erstrahlte in blendendem Glanz und verhieß den Lohn der seligen Auferstehung.

Thomas von Celano, zweite Lebensbeschreibung, in: Franziskus-Quellen, 416f