Sonntag, 8. Januar 2017

Taufe, Tod und Auferstehung des Herrn


Taufe des Herrn, Exeter College, Oxford

Das eigentlich Neue ist, dass er - Jesus - sich taufen lassen will, dass er in die graue Menge der Sünder eintritt, die da an den Ufern des Jordans warten. Zur Taufe gehört ein Sündenbekenntnis. Sie war selbst ein Sündenbekenntnis und der Versuch, ein altes, missratenes Leben abzulegen und ein neues zu empfangen.
Konnte Jesus das? Wie konnte er Sünden bekennen? Wie sich vom bisherigen Leben trennen auf ein neues hin?

Diese Frage mussten sich die die Christen stellen. Das Streitgespräch zwischen dem Täufer und Jesus, vom dem uns Matthäus erzäühlt, drückt auch ihre eigene Frage an Jesus aus: "Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?" (Mt 3,13). Matthäus berichtet uns dazu: "Jesus antwortete ihm: Lass es jetzt zu: Denn so geziemt es sich, dass die ganze Gerechtigkeit erfüllt werde. Da gab Johannes nach" (3,15).

Der Sinn dieser rätselhaft klingenden Antwort ist nicht leicht zu entschlüsseln. Jedenfalls steckt in dem Wörtchen arti - für jetzt - ein gewisser Vorbehalt: In einer bestimmten, vorläufigen Situation gilt eine bestimmte Weise des Handelns. Entscheidend für die Deutung der Antwort Jesu ist die Sinngebung des Wortes "Gerechtigkeit": Die ganze "Gerechtigkeit" muss erfüllt werden. Gerechtigkeit ist in der Welt, in der Jesus steht, die Antwort des Menschen auf die Tore, das Annehmen von Gottes ganzem Willen, das Tragen des "Joches von Gottes Reich", wie formuliert wurde. Die Johannes-Taufe ist von der Tora nicht vorgesehen, aber jesus anerkennt sie mit deisem Wort als Ausdruck für das uneingeschränkte Ja zu Gottes Willen, als gehorsame Aufnahme seines Jochs.
Weil im Hinabsteigen in diese Taufe ein Bekenntnis der Schuld und Bitte um Vergebung zu neuem Anfang enthalten ist, liegt in diesem ja zum ganzen Willen Gottes in einer von der Sünde gezeichneten Welt auch ein Ausdruck der Solidarität mit den Menschen, die schuldig geworden sind, sich aber nach der Gerechtigkeit ausstrecken. Erst von Kreuz und Auferstehung her ist die ganze Bedeutung dieses Vorgangs erkennbar gewordne. Die Täuflinge bekennen im Hinabsteigen in das Wasser ihre Sünde und suchen dieser Last ihrer Schuldverfallenheit ledig zu werden.

Was hat Jesus da getan? Lukas, der in seinem ganzen Evangelium ein waches Augenmerk auf das Beten Jesu richtet, ihn immer wieder als den Betenden - im Gespräch mit dem Vater - darstellt, sagt uns, dass Jesus betend die Taufe empfangen habe (3,21). Von Kreuz und Auferstehung her wurde der Christenheit klar, was geschehen war: Jesus hatte die Last der Schuld der ganzen Menschheit auf seine Schultern geladen; er trug sie den Jordan hinunter. Er eröffnet sein Wirken damit, dass er an den Platz der Sünder tritt. Er eröffnet es mit der Antizipation des Kreuzes. Er ist sozusagen der wahre Jona, der zu den Schiffleuten gesagt hatte: "Nehmt mich und werft mich ins Meer" (Jona 1,12).

(Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, 43ff)

Kreuzigung Jesu, Exeter College, Oxford


Die ganze Bedeutung der Taufe Jesu wird erst im Kreuz offenbar: Die Taufe ist Todesannahme für die Sünden der Menschheit, und die Taufstimme - "Dies ist mein geliebter Sohn" - ist Vorverweis auf die Auferstehung. So versteht es sich auch, dass in Jesu eigenen Reden das Wort Taufe Bezeichnung für seinen Tod ist (Mk 10,38; Lk 12,50).

Auferstehung Jesu, Exeter College, Oxford

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