Montag, 17. März 2025

Patrick von Irland

 

Hl. Patrick, St Patrick RC - Glasgow

Mit 16 Jahren von Seeräubern aus seiner römisch-britannischen Heimat nach Irland verschleppt, widmete er sein Leben der Bekehrung dieser Insel. Nach Studien auf dem Festland wurde er Nachfolger des ersten Irenbischofs Palladius und wirkte in Nord- und Westirland, wo noch niemand den Glauben verkündet hatte. Monastisch organisierte Landkirchen als Bischofssitze kennzeichnen durch Jahrhunderte die irische Kirche. Gestorben am 17. März 461 bei Dunum (Down).

Ewiger Gott,
du hast den heiligen Bischof Patrick gesandt,

den Bewohnern Irlands
deine Allmacht und Größe zu verkünden.
Höre auf seine Fürsprache
und hilf allen, die sich Christen nennen,
deine großen Werke zu bezeugen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Heute gedenkt die Kirche auch der hl. Gertrud von Nivelles.

Sonntag, 16. März 2025

Die Verklärung Jesu ist eine Gebetserfahrung

 

Verklärung des Herrn, San Marco Museum, Fra Angelico, 1439-1443
 

Die Liturgie legt uns diesen berühmten Abschnitt gerade heute, am zweiten Fastensonntag, vor (vgl. Mk 9,2-10). Jesus wollte, dass seine Jünger – insbesondere jene, denen die Verantwortung zukommen würde, die entstehende Kirche zu leiten – die direkte Erfahrung seiner göttlichen Herrlichkeit machen sollten, um dem Ärgernis des Kreuzes begegnen zu können. In der Tat: Wenn die Stunde des Verrats kommt und Jesus sich in Getsemani zum Gebet zurückzieht, wird er Petrus, Jakobus und Johannes mit sich nehmen und sie darum bitten, zusammen mit ihm zu wachen und zu beten (vgl. Mt 26,38). Sie werden es nicht schaffen, aber die Gnade Christi wird sie stützen und ihnen helfen, an die Auferstehung zu glauben.

Es liegt mit sehr daran hervorzuheben, dass die Verklärung Jesus im Grunde eine Gebetserfahrung gewesen ist (vgl. Lk 9,28-29). Das Gebet gelangt nämlich zu seinem Höhepunkt und wird gerade dann zur Quelle inneren Lichts, wenn sich der Geist des Menschen mit dem Geist Gottes verbindet und beide Willen miteinander verschmelzen, um gleichsam eine Einheit zu bilden. Als Jesus auf den Berg stieg, tauchte er in die Betrachtung des Planes der Liebe des Vaters ein, der ihn in die Welt gesandt hatte, um die Menschheit zu retten. Neben Jesus erschienen Elija und Moses, um uns zu verstehen zu geben, dass die Heiligen Schriften einhellig das Geheimnis seines Paschas ankündigen, das heißt, dass der Christus leiden und sterben muss, um in seine Herrlichkeit einzutreten (vgl. Lk 24,26.46). In jenem Augenblick sah Jesus, wie sich das Kreuz vor ihm abzeichnete, das äußerste Opfer, das notwendig ist, um uns von der Herrschaft der Sünde und des Todes zu befreien. Und in seinem Herzen wiederholte er erneut sein „Amen“. Er sagte: Ja, ich bin bereit, Vater, dein Liebeswille geschehe. Und genauso wie es nach der Taufe im Jordan geschehen war, kamen vom Himmel her die Zeichen des Wohlgefallens von Gott Vater: das Licht, das Christus verwandelte, und die Stimme, die ihn „mein geliebter Sohn“ (Mk 9,7) nannte.

Zusammen mit dem Fasten und den Werken der Barmherzigkeit bildet das Gebet das tragende Gerüst unseres geistlichen Lebens. Liebe Brüder und Schwestern, ich ermahne euch, in dieser Fastenzeit längere Zeiten der Stille und wenn möglich der Einkehr zu finden, um das eigene Leben im Licht des Planes der Liebe des himmlischen Vaters zu sehen. Lasst euch bei diesem intensiveren Hören des Wortes Gottes von der Jungfrau Maria leiten, Lehrerin und Vorbild des Gebets. Auch im tiefen Dunkel des Leidens Christi verlor sie das Licht des göttlichen Sohnes nicht, sondern bewahrte es in ihrer Seele. Aus diesem Grund rufen wir sie als Mutter des Vertrauens und der Hoffnung an!
(Benedikt XV., 9.3.2009, Angelus)


Zellen der Dominikaner in Florenz, Fresken von Fra Angelico

 

Verklärung des Herrn

Glasfenster in der St Paul´s Cathedral in Dundee, B16, 2. Fastensonntag 2006

Glasfenster in Salisbury Cathedral, Einführung ins Jesusbuch von B16

Glasfenster in St Chad´s Church - The Manchester Oratory (Präfation)

Gemälde in den Uffizien

Mosaik, Rosenkranzstation in Medjugorje (B16. 6 August 2006)

Hochaltarbild im Stift Kremsmünster

Glasfenster in St Etheldreda´s Church, London

Berg Tabor im Heiligen Land 1 (B16, 24.2.2013)

Glasfenster in La Salette

Mosaik im Petersdom

Malerei in S. Maria degli Angeli e dei Martiri in Rom

Kloster Sucevita in Rumänien

Berg Tabor - neue Impressionen 2 (B16, 18.2.2008)

Glasfenster im Magdalene College in Cambridge

Glasfenster im Straßburger Münster

Glasfenster in der Basilika Sacre Coeur, Paray Le Monial (B16. 5.3.2007)

Samstag, 15. März 2025

upcoming tomorrow 2

 


upcoming tomorrow 1

 


Klemens Maria Hofbauer, Stadtpatron Wiens, bitte für uns!

 

Klemens Maria v. Hofbauer, Servatiuskirche, Wien 23
 

Gütiger Gott, in der Sorge für dein Volk
hast du den heiligen Klemens Maria Hofbauer
mit besonderem Eifer für die Seelen erfüllt
und durch ihn den Reichtum deiner Gnade verkündet.
Hilf uns auf seine Fürsprache,
den Glauben zu bewahren, den er gelehrt,
und den Weg zu gehen,
den er uns durch sein Leben gewiesen hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gemälde im Klemensmuseum

Gebet des hl. Klemens um Erhaltung des Glaubens, Kreuz am Hochaltar in Maria am Gestade

Kelch bei den Wiener Redemptoristen

Redemptoristenkirche in Amsterdam

Der Klemensaltar in der Wiener Marienkirche, Brief an den Wiener Nuntius (Lesehore)

Klemens-Denkmal vor der Wiener Marienkirche

Klemens als Beichtvater bei den Wiener Ursulinen

Die Ruhestätte des hl. Klemens Maria Hofbauer in Maria am Gestade

Das Grab des hl. Klemens im Weitwinkel 

Das Klemens-Museum in Maria am Gestade

Maria am Gestade

Tasswitz - am Geburtsort des hl. Klemens Maria Hofbauer

Das Leben des hl. Klemens Maria Hofbauer dargestellt auf den Fenstern der Geburtskirche in Tasswitz

Freitag, 14. März 2025

Nach Recht und Gerechtigkeit handeln

 

links Gerechtigkeit: das Urteil Gottes entspricht der Wahrheit
Harris Manchester College, Oxford


Lesung aus dem Buch Ezéchiel 18

So spricht Gott, der Herr:
21Wenn der Schuldige
sich von allen Sünden, die er getan hat, abwendet,
alle meine Satzungen bewahrt
und nach Recht und Gerechtigkeit handelt,
wird er bestimmt am Leben bleiben,
er wird nicht sterben.
22Keines seiner Vergehen, die er begangen hat,
wird ihm angerechnet.
Wegen seiner Gerechtigkeit, die er geübt hat,
wird er am Leben bleiben.
23Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen
– Spruch Gottes, des Herrn –
und nicht vielmehr daran,
dass er umkehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?
24Wenn jedoch ein Gerechter sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit
und Unrecht tut,
all die Gräueltat, die auch der Schuldige verübt,
sollte er dann etwa am Leben bleiben?
Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet.
Wegen seiner Treulosigkeit, die er verübt,
und wegen der Sünde, die er begangen hat,
ihretwegen muss er sterben.
25Ihr aber sagt: Der Weg des Herrn ist nicht richtig.
Hört doch, ihr vom Haus Israel:
Mein Weg soll nicht richtig sein?
Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind?
26Wenn ein Gerechter
sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut,
muss er dafür sterben.
Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
27Wenn ein Schuldiger
von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat,
und nach Recht und Gerechtigkeit handelt,
wird er sein Leben bewahren.
28Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat,
einsieht und umkehrt,
wird er bestimmt am Leben bleiben.
Er wird nicht sterben.

(Lesung vom Freitag der 1. Fastenwoche)

Donnerstag, 13. März 2025

Bittet und es wird euch gegeben

 

Königin Esther, St Nicholas Cathedral, Newcastl

Lesung aus dem Buch Ester 4

In jenen Tagen
17k wurde Königin Ester von Todesangst ergriffen
und suchte Zuflucht beim Herrn.
Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels:
17l Mein Herr, unser König, du bist der Alleinzige.
Hilf mir!
Denn ich bin hier einzig und allein
und habe keinen Helfer außer dir;
die Gefahr steht greifbar vor mir.
17m  Von Kindheit an
habe ich in meiner Familie und meinem Stamm gehört,
dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast;
du hast dir unsere Väter
aus allen ihren Vorfahren
als deinen ewigen Erbbesitz ausgesucht
und hast an ihnen gehandelt, wie du es versprochen hattest.
17r Denk an uns, Herr!
Offenbare dich in der Zeit unserer Not
und gib mir Mut,
König der Götter und Herrscher über alle Mächte!
17s Leg mir in Gegenwart des Löwen
die passenden Worte in den Mund
und stimm sein Herz um,
damit er unseren Feind hasst
und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet!
17t Uns aber rette mit deiner Hand!
Hilf mir, denn ich bin allein und habe niemand außer dir, o Herr!

(Lesung vom Donnerstag der 1. Fastenwoche)


Newcastl Cathedral

Mittwoch, 12. März 2025

Das Zeichen des Jona

 

Jona, St Edmundsbury Cathedral


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 11

In jener Zeit,
29 als immer mehr Menschen zu Jesus kamen,
begann er zu sprechen:
Diese Generation ist eine böse Generation.
Sie fordert ein Zeichen;
aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden
außer das Zeichen des Jona.
30 Denn wie Jona für die Einwohner von Nínive ein Zeichen war,
so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein.
31 Die Königin des Südens
wird beim Gericht mit den Männern dieser Generation auftreten
und sie verurteilen;
denn sie kam von den Enden der Erde,
um die Weisheit Sálomos zu hören.
Und siehe, hier ist mehr als Sálomo.
32 Die Männer von Nínive
werden beim Gericht mit dieser Generation auftreten
und sie verurteilen;
denn sie sind auf die Botschaft des Jona hin umgekehrt.
Und siehe, hier ist mehr als Jona.
(Evangelium vom Mittwoch der 1. Fastenwoche)


Jona:

Umkehrpredigt des Jona - Glasfenster in St. Pierre, Chartres 

Jona betet und fastet für Ninive, Glasfenster in der Christ Church, Oxford

Bodenmosaik in der Basilika Aquileia

Jona wird an Land gespieen - Glasfenster im Lincoln College, Oxford, Predigt Sterzinsky 2008

Montag, 10. März 2025

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt

 


Jüngstes Gericht, um 1500, Kathedrale von Sens

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 25

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
und alle Engel mit ihm,
dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
und er wird sie voneinander scheiden,
wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen,
die Böcke aber zur Linken.
34 Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
empfangt das Reich als Erbe,
das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
35 Denn ich war hungrig
und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig
und ihr habt mir zu trinken gegeben;
ich war fremd
und ihr habt mich aufgenommen;
36 ich war nackt
und ihr habt mir Kleidung gegeben;
ich war krank
und ihr habt mich besucht;
ich war im Gefängnis
und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und dir zu essen gegeben
oder durstig
und dir zu trinken gegeben?
38 Und wann haben wir dich fremd gesehen
und aufgenommen
oder nackt
und dir Kleidung gegeben?
39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
und sind zu dir gekommen?
40 Darauf wird der König ihnen antworten:
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.
41 Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
in das ewige Feuer,
das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
42 Denn ich war hungrig
und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
ich war durstig
und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
43 ich war fremd
und ihr habt mich nicht aufgenommen;
ich war nackt
und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
ich war krank und im Gefängnis
und ihr habt mich nicht besucht.
44 Dann werden auch sie antworten:
Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
oder fremd oder nackt
oder krank oder im Gefängnis gesehen
und haben dir nicht geholfen?
45 Darauf wird er ihnen antworten:
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
das habt ihr auch mir nicht getan.
46 Und diese werden weggehen
zur ewigen Strafe,
die Gerechten aber
zum ewigen Leben.
(Evangelium vom Montag der 1. Fastenwoche)


Jüngstes Gericht

Grabrelief im Kloster Alcobaca, Portugal 

Glasfenster in St Patrick RC, Glasgow

Glasfenster in der Kathedrale von Coutances

Glasfenster in der Chester Cathedral 

Triptychon von Hans Memling in der Danziger Marienkirche

Fresko im Wiener Neustädter Liebfrauendom 

Gerichtsengel auf schwarzer Kasel

Relief am Portal der Kathedrale von Chartres 

Gerichtsgleichnis vom Unkraut im Weizen, Glasfenster Ely Cathedral

Weltgericht am Tympanon des Bamberger Doms

Glasfenster in der Basilika Koekelberg 

Altarretabel und Glasfenster in der All Souls Chapel in Oxford

Außenmosaik am Prager Veitsdom 

in der Sylvesterkapelle in Santi Quattro Coronati

Tympanon der Kathedrale von Metz

Fresko in der Luegerkirche am Wiener Zentralfriedhof

 


 

Samstag, 8. März 2025

In den Versuchungen wird Gott zweitrangig, auf ein Mittel reduziert (Benedikt XVI.)

 

dreimalige Versuchung Jesu durch den Teufel, Unsere Liebe Frau von Straßburg

Glasfenster in Kings College B16, 1. Fastensonntag 2008

Glasfenster im Exeter College, Cambridge, B16, 1. Fastensonntag 2010

Glasfenster in der Ely Cathedral, B16, 1. Fastensonntag 2011

Der Berg der Versuchung im Heiligen Land (inkl. Versuchung Christi in Mariazell, Fresko)

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Am vergangenen Mittwoch sind wir mit dem traditionellen Ritus der Aschenauflegung in die Fastenzeit eingetreten, Zeit der Umkehr und der Buße in Vorbereitung auf Ostern. Die Kirche, Mutter und Lehrerin, ruft alle ihre Glieder auf, sich im Geist zu erneuern, sich entschlossen wieder auf Gott auszurichten und dem Hochmut und Egoismus zu widersagen, um in der Liebe zu leben. In diesem Jahr des Glaubens ist die Fastenzeit eine günstige Zeit, um den Glauben an Gott als Grundkriterium unseres Lebens und des Lebens der Kirche neu zu entdecken. Dies bringt immer einen Kampf mit sich, ein geistliches Gefecht, da sich der Geist des Bösen natürlich unserer Heiligung widersetzt und versucht, uns vom Weg Gottes abweichen zu lassen. Aus diesem Grund wird jedes Jahr am ersten Fastensonntag das Evangelium von den Versuchungen Jesu in der Wüste verkündet.

Denn nachdem Jesus bei der Taufe am Jordan die »Investitur« als Messias – als der mit Heiligem Geist »Gesalbte« – empfangen hatte, wurde er vom selben Geist in die Wüste gebracht, um dort vom Teufel in Versuchung geführt zu werden. Im Augenblick des Beginns seines öffentlichen Wirkens mußte Jesus die falschen Vorstellungen vom Messias, vor die ihn der Versucher stellte, enttarnen und zurückweisen. Doch diese Versuchungen sind auch falsche Vorstellungen vom Menschen, die zu jeder Zeit das Gewissen bedrängen, indem sie sich als vorteilhafte und wirksame, ja sogar gute Vorschläge verkleiden. Die Evangelisten Matthäus und Lukas präsentieren drei Versuchungen Jesu und unterscheiden sich dabei teilweise nur in der Anordnung.
Ihr zentraler Kern besteht immer in der Instrumentalisierung Gottes aus eigenen Interessen, insofern dem Erfolg oder den materiellen Gütern größere Bedeutung zugemessen wird. Der Versucher ist hinterhältig: er drängt nicht direkt zum Bösen, sondern über das Gute, das falsch ist, indem er glauben macht, daß die wahren Wirklichkeiten die Macht und das die Grundbedürfnisse Befriedigende sind. So wird Gott zweitrangig, er wird auf ein Mittel reduziert, letztendlich wird er unwirklich, zählt nicht mehr, verschwindet. Letztlich steht in den Versuchungen der Glaube auf dem Spiel, da Gott auf dem Spiel steht. In den entscheidenden Augenblicken des Lebens, doch bei näherem Hinsehen in jedem Augenblick, stehen wir vor einem Scheideweg: wollen wir dem Ich folgen oder Gott? Dem individuellen Interesse oder dem wahren Gut, dem, was wahrhaft gut ist?

Wie die Kirchenväter lehren, sind die Versuchungen Teil des »Abstiegs« Jesu in unser Menschsein, in den Abgrund der Sünde und ihrer Folgen. Ein »Abstieg«, den Jesus bis zum Ende getan hat, bis zum Tod am Kreuz und zur Hölle der äußersten Gottesferne. Auf diese Weise ist er die Hand, die Gott dem Menschen ausgestreckt hat, dem verlorenen Schaf, um es wieder in Sicherheit zu bringen. Wie der hl. Augustinus lehrt, hat Jesus unsere Versuchungen angenommen, um uns seinen Sieg zu schenken (vgl. Enarr. in Psalmos, 60,3: PL 36, 724).
Wir wollen also keine Furcht haben, auch unsererseits den Kampf gegen den Geist des Bösen aufzunehmen: das Wichtige ist, daß wir es mit ihm tun, mit Christus, dem Sieger. Und um bei ihm zu sein, wenden wir uns an die Mutter, Maria: in der Stunde der Prüfung wollen wir sie mit kindhaftem Vertrauen anrufen, und sie wird uns die mächtige Gegenwart ihres göttlichen Sohnes verspüren lassen, um die Versuchungen mit dem Wort Christi zurückzuweisen und so erneut Gott in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen.

(B16, Angelus 17.2.2013, 1. Fastensonntag)