Glasfenster des geflügelten Johannes in der Johanneskathedrale in Przemysl
Glasfenster in der Kathedrale von Brüssel, B16, 13.1.2008
Chorumgang in der Notre Dame de Paris
Fresko in der Kathedrale von Arles (diese Bilder siehst du hier😁)
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| Taufe des Herrn, Kathedrale von Reims |
Romano Guardini (+ 1968)
Aus dem Buch "Der Herr".
Die Fülle des Geistes kommt über Jesus
Wie Jesus zum Jordan kommt, liegt hinter ihm das tiefe Erfahren
der Kindheit und der langen Jahre des „Zunehmens an Alter, Weisheit und
Gnade" (1). Das Bewußtsein der ungeheuren Aufgabe und aus
unergründlichen Tiefen aufsteigende Kräfte leben in ihm - die erste
Gebärde aber, die wir von ihm sehen, und das erste Wort, das er spricht,
sind Demut. Nirgendwo der Anspruch der Ungewöhnlichkeit, der sagt: ,Das
gilt für andere, nicht für mich!" Er kommt zu Johannes und verlangt die
Taufe. Sie verlangen heißt das Wort des Täufers annehmen und sich als
Sünder bekennen; Buße tun und sich dem öffnen, was von Gott her kommen
will. So verstehen wir, wie Johannes erschrocken abwehrt. Jesus aber
tritt in die Reihe. Er beansprucht keine Ausnahme, sondern stellt sich
unter die „Gerechtigkeit", die für alle gilt. Auf dieses Hinabsteigen in
die Menschentiefe antwortet der Ausbruch aus der Höhe. Die Himmel
öffnen sich. Die Schranke, die den allgegenwärtigen Gott in seinem
Himmel, seinem seligen Bei-sich-Sein, von uns absperrt — nämlich der
Mensch selbst in seiner gefallenen Geschöpflichkeit, und daß er die Welt
mit sich gerissen hat, und sie nun „der Vergänglichkeit unterworfen
ist" (2) -, diese Schranke tut sich auf. Ein unendliches Begegnen
geschieht. Dem Menschenherzen Jesu strömt die offene Fülle des Vaters
entgegen. „Während er betet", geschieht es, sagt Lukas, und scheint
damit anzudeuten, daß es ein innerer Vorgang ist (3). Wohl wirklich;
wirklicher als alle greifbaren Dinge ringsumher; aber innerlich, „im
Geiste". Der Heilige Geist hebt den Menschen über sich selbst hinaus,
daß er Gott, den Heiligen, erfährt und seiner Liebe inne wird. Die Fülle
dieses Geistes kommt über Jesus. Der Vater ist „allezeit bei ihm"; ja
„in ihm, so wie er im Vater ist" (4). Was er tut, ist ein Handeln aus
dem Walten des Vaters heraus; dieses Walten liegt offen vor ihm, er
„sieht" es. Zugleich wird aber auch gesagt, daß er vom Vater her in die
Zeit „kommt" und wieder zu ihm „zurückkehrt" — bis zu dem
undurchdringlichen Wort am Kreuz vom Verlassenwerden durch Gott (5). So
ist auch der Geist immer in ihm, denn der Geist ist ja die Liebe, kraft
deren er und der Vater einander inne sind, und die Macht, durch welche
er Mensch geworden ist. Trotzdem „kommt" hier der Geist über ihn, so wie
er ihn einst vom Vater her über die Seinen „senden" wird. Hier versagt
unser Denken - obwohl es die Wirklichkeit über aller Wirklichkeit und
die Wahrheit über aller Wahrheit ahnt. Dadurch darf es sich aber nicht
in ein Scheinbegreifen, in Gefühle und Worte führen lassen, hinter denen
kein Kern steht. Das alles ist Geheimnis, das Geheimnis des dreieinigen
Gottes in seiner Beziehung zum Mensch gewordenen Gottessohn. Wir können
es nicht durchdringen, und das Bekenntnis dieser Ohnmacht muß über
allem stehen, was vom Dasein Jesu gesagt werden mag.
Die Macht des Geistes kommt über Jesus, und in das überschwengliche
Begegnen, in die Gottesfülle des Augenblicks tönt das Wort der
väterlichen Liebe, das bei Lukas in der Form der Anrede steht: "Du bist
mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen." (6)
1.Vgl.Lk.2,52. 2.Vgl.Röm.8,20. 3.Vgl.Lk.3,21. 4.Vgl.Joh.14,10-12. 5.Vgl.Mt.27,46. 6.Vgl.Lk.3,22.
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| Kathedrale von Reims |



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