Samstag, 24. Januar 2026

Anlässlich der heutigen Weihe des neuen Erzbischofs von Wien (Franz von Sales)

 

Heiliger Franz von Sales, bitte für ihn

Der Kalvarienberg ist die wahre Hochschule der Liebe

1. Und nun zum Schluß: Der Tod und das bittere Leiden unseres Erlösers ist der anziehendste und zugleich gewaltigste Beweggrund, der unsere Herzen in diesem sterblichen Leben beseelen kann. Und es ist in Wahrheit so, daß die mystischen Seelen gleich Bienen ihren besten Honig aus den Wunden dieses "Löwen aus dem Stamm Juda" (Offb 5,5) bereiten, der auf dem Kalvarienberg gemordet, zerschlagen und zerrissen wurde. Die Kinder des Kreuzes rühmen sich ihres wunderbaren Rätsels, das die Welt nicht versteht: "Aus dem Tod, der alles verschlingt, ist die Speise unseres Trostes hervorgegangen."
Und dem Tod, der stärker ist als alles, ist die Süße des Honigs unserer Liebe entflossen (Ri 14,8.14).
O Jesus, mein Erlöser, wie liebenswert ist Dein Tod, weil er die erhabene Wirkung Deiner Liebe ist!

2. Darum wird auch dort oben in der himmlischen Glorie nach der in ihrem Wesen erkannten und erwogenen göttlichen Güte der Tod des Erlösers der mächtigste Beweggrund sein, um die seligen Geister in die Gottesliebe zu entrücken. Deshalb "sprachen Mose und Elija" bei der Verklärung, die ein Strahl der Glorie war, mit dem Herrn "von dem Äußersten," das er in Jerusalem erfüllen sollte (Lk 9,31). Aber von welchem Äußersten, wenn nicht von diesem Äußersten der Liebe, durch welches dem Liebenden das Leben genommen wurde, um seiner Vielgeliebten gegeben zu werden. 
Darum stelle ich mir vor, daß man beim ewigen Lobgesang jeden Augenblick den freudigen Ausruf wiederholen wird: "Es lebe Jesus, dessen Tod geoffenbart, wie stark die Liebe ist."

3. Theotimus, der Kalvarienberg ist der Berg der Liebenden. Alle Liebe, die ihren Ursprung nicht in dem bitteren Leiden des Erlösers hat, ist leichtfertig und gefährlich. Unglückselig ist der Tod ohne die Liebe des Erlösers; unglückselig die Liebe ohne den Tod des Erlösers. Liebe und Tod sind im Leiden unseres Herrn dermaßen vermengt, daß man nicht eines ohne das andere im Herzen tragen kann. Auf dem Kalvarienberg kann man das Leben nicht ohne die Liebe und nicht die Liebe ohne den Tod des Erlösers haben. Im übrigen ist alles entweder ewiger Tod oder ewige Liebe und die ganze christliche Weisheit besteht darin, gut zwischen diesen beiden zu wählen. Um es dir, mein Theotimus, zu erleichtern, habe ich diese Zeilen geschrieben:

In diesem Leben, o Sterblicher,
mußt du wählen zwischen der ewigen Liebe
und dem ewigen Tod.
Gottes ewiger Ratschluß
läßt dir keinen Mittelweg.

4. O ewige Liebe, meine Seele verlangt nach dir und erwählt dich auf ewig! Ach, "komm Heiliger Geist und entzünde unseren Herzen mit Deiner Liebe!" (Pfingstmesse). Entweder lieben oder sterben! Sterben und lieben! Jeder anderen Liebe sterben, um nur der Liebe Jesu zu leben, auf daß wir nicht ewig sterben, sondern in Deiner ewigen Liebe lebend, o Erlöser unser Seelen, ewig singen mögen:
Es lebe Jesus! Ich liebe Jesus! Es lebe Jesus, den ich liebe! Ich liebe Jesus, der lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
(Schlußkapitel aus der Gottesliebe)

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