Sonntag, 12. Januar 2020

Gib, dass auch wir in deinem Wohlgefallen stehen

Taufe des Herrn, Saint Trophime, Arles

Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, dass auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Taufe Jesu in der Kathedrale von Arles

Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Das ist mein geliebter Sohn
an dem ich mein Gefallen gefunden habe
(Mt, 3,17)

Taufe des Herrn, Chorgestühl in der Klosterkirche von Heiligenkreuz


Liebe Brüder und Schwestern!
Wir feiern heute das Fest der Taufe des Herrn. Heute vormittag habe ich 16 Kindern das Sakrament der Taufe gespendet, und daher möchte ich eine kurze Betrachtung zu unserer Gotteskindschaft darlegen. Dabei wollen wir zunächst von unserem natürlichen Kindsein ausgehen: es ist die Grundverfassung, die uns allen gemein ist. Nicht alle sind wir Eltern, doch alle sind wir gewiß Kinder. Auf die Welt zu kommen ist nie eine Wahl, wir werden vorher nicht gefragt, ob wir geboren werden wollen. Doch während des Lebens können wir eine freie Haltung gegenüber dem Leben selbst heranreifen lassen: wir können es als Geschenk annehmen und in einem gewissen Sinn »werden«, was wir schon sind: Kinder. Dieser Schritt markiert einen Reifesprung in unserem Sein und in der Beziehung zu unseren Eltern, die von Dankbarkeit erfüllt wird. Es handelt sich um einen Schritt, der uns auch fähig macht, unsererseits Eltern zu sein – nicht im biologischen, sondern im moralischen Sinn.

Auch vor Gott sind wir alle Kinder. Gott steht am Ursprung des Daseins eines jeden Geschöpfs, und er ist auf besondere Weise Vater eines jeden Menschen: er steht mit ihm oder mit ihr in einer einzigartigen, persönlichen Beziehung. Jeder von uns ist gewollt, ist von Gott geliebt. Und auch in dieser Beziehung mit Gott können wir sozusagen »neu geboren werden«, das heißt das werden, was wir sind. Dies geschieht durch den Glauben, durch ein tiefes und persönliches »Ja« zu Gott als Ursprung und Fundament unseres Daseins. Mit diesem »Ja« nehme ich das Leben als Geschenk des Vaters im Himmel an, eines Vaters, den ich nicht sehe, aber an den ich glaube und den ich in der Tiefe des Herzens als meinen Vater und den Vater all meiner Brüder und Schwestern im Menschsein verspüre, einen unendlich guten und treuen Vater.

Worauf gründet der Glaube an Gott, den Vater? Er gründet auf Jesus Christus: seine Person und seine Geschichte offenbaren den Vater, sie lassen ihn uns erkennen, so weit dies in dieser Welt möglich ist. Glauben, daß Jesus der Christus und Sohn Gottes ist, gestattet es, »aus der Höhe von neuem geboren zu werden«, das heißt aus Gott, der Liebe ist (vgl. Joh 3,3). Und nochmals vergegenwärtigen wir uns, daß niemand aus sich heraus zum Menschen wird: wir werden ohne unser Zutun geboren, der »Passiv« des Geborenwerdens geht dem »Aktiv« unseres Tuns voraus. Dasselbe gilt auch auf der Ebene des Christseins: keiner kann nur aus dem eigenen Willen heraus Christ werden, auch das Christsein ist ein Geschenk, das unserem Tun vorausgeht: wir müssen von neuem in einer neuen Geburt geboren werden. Der hl. Johannes sagt: »Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden» (Joh 1,12). Das ist der Sinn des Sakraments der Taufe, die Taufe ist diese neue Geburt, die unserem Tun vorausgeht. Mit unserem Glauben können wir Christus entgegengehen, doch allein er kann uns zu Christen machen und diesem unserem Willen, diesem unserem Verlangen die Antwort geben, die Würde, die Macht, Kinder Gottes zu werden, die wir nicht von uns aus haben.

Liebe Freunde, der heutige Sonntag der Taufe des Herrn beschließt die Weihnachtszeit. Wir wollen Gott für dieses große Geheimnis danken, das Quell der Erneuerung für die Kirche und die ganze Welt ist. Gott ist zum Menschensohn geworden, damit der Mensch Kind Gottes wird. Wir wollen daher die Freude erneuern, Kinder zu sein: als Menschen und als Christen. Geboren und von neuem geboren zu einem neuen göttlichen Leben. Geboren aus der Liebe eines Vaters und einer Mutter, und von neuem geboren aus der Liebe Gottes durch die Taufe. Die Jungfrau Maria, Mutter Christi und aller, die an ihn glauben, wollen wir bitten, daß sie uns beistehe, wahrhaft als Kinder Gottes zu leben, nicht in Worten, oder nicht nur den Worten nach, sondern mit Taten. Wieder ist es der hl. Johannes, der schreibt: »Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht« (1 Joh 3,23).
(Papst Benedikt XVI., 8. Januar 2012, Angelus)


Stift Heiligenkreuz

Donnerstag, 9. Januar 2020

Raus in die Natur













Heinrich von Blois

Grab von Heinrich von Blois im Chor der Kathedrale von Winchester



Heinrich von Blois, Abt von Glastonbury seit 1126, Bischof von Winchester seit 1129 (durch seinen Oheim König Heinrich I.), * wohl um 1095, + 117, Sohn Graf Stephans von Blois und einer Tochter Wilhelms des Eroberers.
Cluny, wo er erzogen wurde, blieb Heinrich von Blois zeitlebens eng verbunden. Er war 1135 maßgeblich an der Erhebung seines  Bruders Stephan von Blois auf den englischen Thron beteiligt, nahm fortan vielfach Einfluß auf die Regierung und trat dabei entschieden für die Freiheit der englischen Kirche ein. Ambitionen auf den Erzstuhl von Canterbury wurden enttäuscht, doch ernannte Innozenz II. 1139 Heinrich von Blois zum Legaten für England (bis 1143). Sein Plan, Winchester zum Erzbistum erheben zu lassen, scheiterte. Während des Thronstreits zwischen König Stephan und Kaiserin Mathilde schloß sich Heinrich von Blois 1141 vorübergehend der angevinischen Partei an. Seine legatinischen Synoden befaßten sich mit politischen Problemen und dem Schutz der Kirche. Die (nepotistische) Personalpolitik Heinrichs von Blois rief bei den Zisterziensern Opposition hervor (Wilhelm, Erzbischof von York; Heinrich Murdac). Er wirkte am Ausgleich zwischen König Stephan und Heinrich von Anjou (Heinrich II.) 1153 mit und versuchte im Streit mit Thomas Becket zu vermitteln. Sein Gedenktag ist der 9. Jänner.
(vgl. Lexikon des Mittelalters, Bad IV)











Winchester Cathedral

Mittwoch, 8. Januar 2020

Severin von Noricum

Severinrelief am Portal des Doms von St. Pölten, Jakob Kopp, anläßlich des Jubeljahres 2000

Mönch, Glaubensbote
Namensdeutung: der Strenge, der Ernste (lat.)
Namenstage: Severin, Severus, weibl.: Séverine
Gedenktag: 8. Januar
Lebensdaten: geboren um 400 in Italien, gestorben am 8. Januar 482 in Mautern, Österreich
Lebensgeschichte: Der vornehme Römer Severin hatte als Mönch im Orient gelebt und erschien 454 an der Grenze von Pannonien (Ungarn) und Ufernoricum, wo er vom heutigen Wien bis Passau und bis nach Salzburg hinein wirkte.
In dieser Zeit der Völkerwanderung war zwischen den zurückweichenden Römern, den eingefallenen Hunnen und den vielen eindringenden Volksgruppen ein für die Bevölkerung gefährliches Machtvakuum entstanden. Severin, der in strengster Askese lebte, sorgte nicht nur durch Lebensmittel- und Kleiderlieferungen tatkräftig für die Menschen, sondern vermittelte zwischen den verschiedensten Stämmen und Glaubensrichtungen, die immer wieder in Konflikte gerieten. Sein entschiedenes Auftreten lokalen Herrschern gegenüber zeugt von außergewöhnlicher persönlicher Autorität.
Als Zentren für seinen Einsatz gründete er Klöster, etwa in Passau, Lorch/Enns und Mautern, und versuchte, die noch vorhandenen Strukturen zu nutzen und auszubauen. Am 8. Januar 482 starb er in Mautern. Seinen Leichnam nahmen seine Schüler mit, als sie dem germanisch-römischen Rückzug über die Alpen folgten und einen Konvent bei Neapel gründeten. Severin liegt heute bei Neapel in Frattamaggiore begraben.
Legende: Als Severin nach Künzing bei Passau kam und sich über die Kirche auf Pfählen wunderte, erklärten die Einwohner das mit dem häufigen Hochwasser der Donau. Daraufhin ließ Severin die Kirche auf den Boden stellen und richtete ein Kreuz am Fluss auf, dem er befahl: „Nie mehr soll unser Herr Jesus Christus dir gestatten, dieses Zeichen zu übertreten!“ An diesem Ort trat die Donau nicht wieder so über das Ufer, dass sie das Kreuz erreichte.
Verehrung: An den Stätten seines Wirkens zeugen zahlreiche Statuen und Bilder von dem Heiligen, der bis heute als Schutzpatron dieser Gegend verehrt wird.
Darstellung: als Pilger mit Stab oder in Szenen aus seinem Leben wie auf dem Bronzetor der Basilika in Lorch
Patron: von Bayern, Linz, der Leinweber, Winzer und Gefangenen

Severin von Lorch:
Die Reliefs von St. Severin im 18. Bezirk
Das Severintor in Lorch / Lauriacum (und Glasfenster im Linzer Dom)
im Stephansdom 

Heute gedenkt die Kirche auch der Heiligen:
Erhard von Regensburg

Gudula von Brüssel

St. Pöltner Dom

Dienstag, 7. Januar 2020

Füllt die Krüge mit Wasser


Hochzeit von Kana, Christopher Webb, St Albans Cathedral, England



Evangelium vom 7. Jänner (Joh 2,1-11)

Aus dem Evangelium nach Johannes
Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder faßte ungefähr hundert Liter.
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.
Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wußte nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es. Da ließ er den Bräutigam rufen
und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.


Hochzeit von Kana
in Chartres
auf dem Weg nach Kana
die lateinische Kirche in Kana
bei der Johannesgemeinschaft
in der Heimsuchungskirche in Ain Karim 


Liebe Brüder und Schwestern!
Heute legt uns die Liturgie das Evangelium von der Hochzeit zu Kana vor, eine von Johannes berichtete Episode, der Augenzeuge des Geschehnisses war. Diese Begebenheit ist auf den Sonntag gelegt worden, der unmittelbar auf die Weihnachtszeit folgt, da sie zusammen mit dem Besuch der Sterndeuter aus dem Osten und der Taufe Jesu die Trilogie der Epiphanie bildet, das heißt der Erscheinung Christi.
Bei der Hochzeit zu Kana wirkt Jesus nämlich »sein erstes Zeichen« (Joh 2,11), das heißt das erste der von ihm vollbrachten Wunder, mit dem er in der Öffentlichkeit seine Herrlichkeit offenbarte und den Glauben seiner Jünger weckte. Rufen wir uns kurz in Erinnerung, was sich während jenes Hochzeitsfestes zu Kana in Galiläa zutrug.
Es geschah, daß der Wein ausging, und Maria, die Mutter Jesu, machte ihren Sohn darauf aufmerksam. Er erwiderte ihr, daß seine Stunde noch nicht gekommen sei; doch dann folgte er dem Drängen Mariens und verwandelte, nachdem er sechs steinerne Krüge hatte mit Wasser füllen lassen, das Wasser in Wein, in einen hervorragenden Wein, der besser war als der vorherige.
Mit diesem »Zeichen« offenbart sich Jesus als der messianische Bräutigam, der gekommen ist, um mit seinem Volk den neuen und ewigen Bund zu schließen, gemäß dem Wort der Propheten: »Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich« (Jes 62,5).
Und der Wein ist Symbol dieser Freude der Liebe; doch er spielt auch auf das Blut an, das Christus am Ende vergießen wird, um seinen Hochzeitsbund mit der Menschheit zu besiegeln.
(Benedikt XVI., Angelus, 20.1.2013)

St Alban´s Cathedral


Heute gedenkt die Kirche des hl. Raimund von Penyafort
Am Grab des hl. Raimund in Barcelona
in St Dominic´s Prior Church, London

und des hl. Valentin.

Montag, 6. Januar 2020

Hochzeit von Kana (Ain Karim)

Hochzeit von Kana, Ain Karim, Heimsuchungsbasilika

Das "Zeichen von Kana" gehört nach dem Evangelium (Joh 2,1-11) zum Geheimnis der Offenbarung des Herrn. Daher erinnert die Römische Liturgie jedes Jahr am Hochfest der Erscheinung des Herrn daran:
"Drei Wunder heiligen diesen Tag:
Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe.
Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit.
Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil. Halleluja"
 (Erscheinung des Herrn, 2. Vesper, Magnificat-Antiphon).

Hochzeit von Kana
in Chartres
auf dem Weg nach Kana
die lateinische Kirche in Kana
bei der Johannesgemeinschaft

Heimsuchungsbasilika in Ain Karim