Dienstag, 21. September 2021

Folge mir nach!

Matthäus, Deckenmalerei in S. Maria sopra Minerva, Rom


Matthäus saß nachlässig am Zoll, belästigte die Reisenden und erhob übermäßige Gebühren, wie es damals zu geschehen pflegte. Die Überforderung war die Rache für die allgemeine Verachtung, die man den Zöllnern entgegenbrachte. Da kam Jesus des Weges, stand still, schaute Matthäus an, hielt dem Manne keine lange Moralpredigt über das Unrechtmäßige seines Tuns, sprach aber die drei schicksalsschweren Worte zu ihm: "Folge mir nach!"

Es bleibt zunächst unbegreiflich, daß Matthäus alles verließ und ihm nachfolgte, er, der dumpf in seinem Zollhaus saß und an den Einnahmen interessiert war. Matthäus hatte die Schwelle seines Daseins überschritten; eine neue Linie zeichnete sich in seinem Leben ab. Noch eine Stunde zuvor hatte er nicht entfernt daran gedacht, etwas anderes zu tun als das, was er immer getan hatte. 

Aber nun war es geschehen, man hatte ihn gerufen. Wir wissen nicht, in welcher Tonlage Jesus seine Worte gesprochen hatte - war es ein Zuruf oder eine Forderung? -, jedenfalls hörte Matthäus auf ihn und gehorchte. (....) Die Aufforderung zur Nachfolge klang Matthäus zeitlebens in den Ohren nach. Er besaß innerlich gar keine Möglichkeit, sie zu unterdrücken, er mußte die Begebenheit aufschreiben und in seinem Evangelium weitergeben.
Das matthäische Evangeliumsverständnis ist Nachfolge-Christentum; man begreift es bald, wenn man auf seine Worte achtet.
(W. Nigg, Botschafter des Glaubens, 88f)

 

die Matthäus-Bilder von Caravaggio

Matthäus in der Grabeskirche

Holzrelief an der Kanzel von St. Brigitta, Wien 

Heute gedenkt die Kirche auch des Propheten Jona.

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