 |
Jüngstes Gericht, unten links Totenerweckung, rechts der Höllenschlund, links oben: himmelwärts
|
Mit Offb 19,11 beginnt der Schlussakt des endzeitlichen Dramas. Christus
erscheint, um die Welt in Gerechtigkeit zu richten (19,11; vgl. Jes 11,4). In
20,1-10 wird das Gericht über den Satan (= Drache = alte Schlange = Teufel)
geschildert, in 20, 11-15 das Weltgericht, in 21,1-8 die neue Schöpfung. - Die
Deutung von 20,1-10 war in der alten Kirche heftig umstritten. Es ist die
Schriftstelle, auf die sich die Lehre vom tausendjährigen Reich gegründet hat.
Der Satan wird gefesselt und in den Abgrund geworfen. Hier ist er „für 1000
Jahre“ eingesperrt; die Märtyrer werden auferweckt und üben zusammen mit
Christus 1000 Jahre lang die Herrschaft aus (20,4). Zum Verständnis dieser
Stelle ist zunächst wichtig, dass die 1000 Jahre nicht als mathematische
Zeitangabe verstanden werden können. Statt 1000 Jahre könnte es auch heißen:
ein Tag (vgl. 2 Petr 3,8). Gemeint ist vermutlich die für uns nicht messbare
Zeit des Reiches Christi. Für die Märtyrer, die treuen Zeugen Christi, ist es
bereits Zeit des Sieges, der endgültigen Rettung. Für die Übrigen findet das
Gericht nach Ablauf der „1000 Jahre“ statt (20,11-15). Alle Menschen („die
Großen und die Kleinen“) werden auferweckt und erscheinen vor dem Thron Gottes.
Das Urteil richtet sich nach den Taten, die alle bei Gott in Erinnerung sind
(das ist der Sinn des himmlischen Buches). Alles Vergängliche wird dann
vergangen sein (21,1); die neue Schöpfung, das neue Jerusalem geht in
strahlender Klarheit und heiliger Sammlung dem Herrn entgegen. - Zu 20,1-4:
Gen 3,1; Jes 24,22; Lk 8,31; Joh 12,31; 1 Joh 5,18; 1 Kor 15,24-28. - Zu
20,11-15: Jes 6,1; Ps 114,3.7; Jes 25,8; 21,6; Dan 7,9-10; Röm 14,10; 2
Kor 5,10. - Zu 21,1-2: Jes 65,17; 66,22; 52,1; 61,10; Gal 4,26-27.
| ERSTE
Lesung |
Offb
20, 1-4.11 - 21, 2 |
Die Toten wurden gerichtet, jeder nach seinen
Werken
Ich sah das neue Jerusalem aus dem Himmel
herabkommen
Lesung
aus der Offenbarung des Johannes
1Ich,
Johannes, sah einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den
Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette.
2Er
überwältigte den Drachen, die alte Schlange - das ist der Teufel oder der Satan
-, und er fesselte ihn für tausend Jahre.
3Er
warf ihn in den Abgrund, verschloss diesen und drückte ein Siegel darauf, damit
der Drache die Völker nicht mehr verführen konnte, bis die tausend Jahre
vollendet sind. Danach muss er für kurze Zeit freigelassen werden.
4Dann
sah ich Throne; und denen, die darauf Platz nahmen, wurde das Gericht
übertragen. Ich sah die Seelen aller, die enthauptet worden waren, weil sie an
dem Zeugnis Jesu und am Wort Gottes festgehalten hatten. Sie hatten das Tier
und sein Standbild nicht angebetet, und sie hatten das Kennzeichen nicht auf
ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen lassen. Sie gelangten zum Leben und
zur Herrschaft mit Christus für tausend Jahre.
11Dann
sah ich einen großen weißen Thron und den, der auf ihm saß; vor seinem Anblick
flohen Erde und Himmel, und es gab keinen Platz mehr für sie.
12Ich
sah die Toten vor dem Thron stehen, die Großen und die Kleinen. Und Bücher wurden
aufgeschlagen; auch das Buch des Lebens wurde aufgeschlagen. Die Toten wurden
nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war.
13Und
das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren; und der Tod und die Unterwelt
gaben ihre Toten heraus, die in ihnen waren. Sie wurden gerichtet, jeder nach
seinen Werken.
14Der
Tod und die Unterwelt aber wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite
Tod: der Feuersee.
15Wer
nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.
1Dann
sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die
erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.
2Ich
sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel
herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt
hat.
 |
Grab von Ines de Castro, Kloster Alcobaca, Portugal
|