Donnerstag, 17. September 2026

Hildegard schaut Gott in der Gestalt eines Mannes

 

links Hildegard von Bingen, rechts Birgitta von Schweden, Aachener Dom

"Ich sah einen Mann von solch hohem Wuchs, daß er von der obersten Höhe der Himmelswolken bis hinunter in die Abgründe reichte. So stand er da:
Von seinen Schultern ragte er über die Wolken hinaus in den strahlenden Äther. Von den Schultern abwärts bis zu den Hüften umschwebte ihn, unterhalb der erwähnten Wolkenschicht eine andere blendend weiße Wolke. Von den Hüften bis zu seinen Knien umspielte ihn die irdische Luft. Von den Knien bis zu seinen Waden befand er scih in der Region der Erde. Seine Füße schließlich tuachten in die Wasser des Abgrunds, jedoch so, daß er dabei noch über dem Abgrund stand.
So stand er, dem Osten zugewandt, und schaute nach Osten und Süden. Sein Antlitz aber strahlte von solcher Herrlichkeit, daß ich es nicht voll und ganz anzuschauen vermochte. Vor seinem Munde ballte sich eine blendend weiße Wolke zu einer Art Posaune zusammen; sie war erfüllt vom Klang einer geschwind aufbrausenden Musik. Jedesmal, wenn dieser Mann dort hineinblies, sandte sie drei Winde aus: Der eine trug eine Feuerwolke über sich, der andere eine Sturmwolke, der dritte eine Lichtwolke."


In der Feuerwolke schweben die allen Gotteswillen vollführenden "feurigen Lebewesen", die Engelsgeister. In der Sturmwolke warten die schon Seligen, drängend und fragend, auf den Anbruch der neuen Schöpfung, in welcher sie ihre endgültige Wohnung beziehen können. In der Lichtwolke kündigt sich der Sieg des Lichtes durch den Weibgeborenen, den Inkarnierten an. Zorn und Gericht über alle Bereiche des Bösen geht von diesem Mann aus:
"Und ich sah, wie der erwähnte Mann ein gezücktes Schwert mit drei Schneiden trug, das mit seinem Griff am hals des Mannes befestigt war und das wie zum Dreinschlagen hin und her geschwungen wurde. Und dieses Schwert sprach: Zorn des Zornes gegen den Norden (Bereich der Finsternis) trage ich in mir und gegen alles, was in ihm hauset. Wer könnte mich im Streit überwinden? Niemand!" 
(Eduard Gronau, Hildegard von Bingen, 317f) 
 
Marktbrunnen in Bingen, Litanei zur hl. Hildegard, 2025
 
Heute gedenkt die Kirche auch des hl. Robert Bellarmin (hier an seinem Grab in Rom) 
 

 Dom St. Marien zu Aachen

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