Montag, 4. Mai 2020

In der Kirche (unsere lieben Bischöfe)





 



Rahmenordnung
der Österreichischen Bischofskonferenz
zur stufenweisen Wiederaufnahme der Feier öffentlicher Gottesdienste
ab 15. Mai 2020



Dankbar nehmen wir zur Kenntnis, dass die von der österreichischen Bundesregierung angeordneten Maßnahmen und die in diesem Zusammenhang geschaffene Rechtslage zur Eindämmung der Corona-Pandemie positive Wirkung zeigen. Der Schutz der Mitmenschen ist eine Form konkret gelebter Nächstenliebe, die zum Herzstück des Evangeliums gehört. Am erfreulichen Rückgang der Infektionszahlen zeigt sich auch, dass die Menschen in unserem Land gelernt haben, mit diesen Einschränkungen umzugehen, auch wenn diese als Belastung empfunden werden.
Deshalb sind wir davon überzeugt, dass die (Pfarr-)Gemeinden und ihre Verantwortlichen vor Ort eine erste Ermöglichung von gottesdienstlichen Versammlungen mit Umsicht umsetzen werden. Ausgehend von einer ersten, sehr eingeschränkten Stufe für gottesdienstliche Feiern (in den unterschiedlichen Formen: Messfeier, Wort-Gottes-Feier, Stundengebet, Andachten usw., sowie die Feier der Sakramente der Taufe und der Trauung) wird eine Anpassung gemäß der weiteren Entwicklung der Pandemie erfolgen.
Für diese erste Stufe sind die Gläubigen weiterhin von der Sonntagspflicht entbunden. Es ist weiterhin vor allem die Zeit der Hauskirche. Vieles hat sich hier neu und positiv entwickelt. Erfreulicherweise gibt es hierzu eine Fülle von Hilfen und viele Möglichkeiten, an Gottesdiensten über verschiedenste Medien teilzunehmen.


Für die erste Stufe öffentlicher Gottesdienste ab 15. Mai 2020 gelten - vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Rechtslage – nun folgende Regelungen:

-       Die maximale Anzahl der Mitfeiernden ergibt sich aus der Größe des Kirchenraums im Verhältnis 1 Person pro 10 m2 der Gesamtfläche. Eine bestmögliche Verteilung der Personen im Kirchenraum ist anzustreben. In jedem Fall ist in der Kirche ein Abstand von mindestens 2 Metern von anderen Personen, mit denen nicht im gemeinsamen Haushalt gelebt wird, einzuhalten.

-       Für das Betreten von Kirchenräumen ist es Pflicht, Mund-Nasen-Schutz (Maske, Schal, Tuch) zu tragen (dies gilt nicht für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr).

-       Große Menschenansammlungen vor und nach den Gottesdiensten vor den Ein- und Ausgängen sind zu vermeiden.

-       Beim Kircheneingang sind nach Möglichkeit Desinfektionsmittelspender bereitzustellen.

-       Die Weihwasserbecken sind entleert und gereinigt.

-       Flächen oder Gegenstände (z.B. Türgriffe), die wiederholt berührt werden, müssen häufig gereinigt und desinfiziert werden.

-       Ein Willkommensdienst aus der (Pfarr-)Gemeinde ist als Service am Kircheneingang vorzusehen. Dieser soll auf das Einhalten der Bestimmungen und eine angemessene Platzwahl hinweisen und achten, kann aber nicht für ein Zuwiderhandeln verantwortlich gemacht werden.

-       Der in dieser Rahmenordnung festgelegte Mindestabstand darf für den Zeitraum notwendiger und kurz andauernder liturgischer Handlungen unterschritten werden.

-       Soweit für das Wahrnehmen der liturgischen Dienste (Priester, Lektor bzw. Lektorin, Kantor bzw. Kantorin etc.) das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Feier nicht möglich ist, sind diese für den unbedingt notwendigen Zeitraum davon befreit, müssen aber zur Kompensation größere Sicherheitsabstände bzw. die im Folgenden ausgeführten Konkretisierungen für Handlungen im rituellen Vollzug einhalten. Da ein häufiges An- und Ablegen des Mund-Nasen-Schutzes problematisch ist, wird der Vorsteherdienst in der Regel diesen Schutz nicht tragen. Der Dienst von Ministranten und Ministrantinnen ist möglich. Der vorgesehene Abstand von zwei Metern ist aber einzuhalten.

-       Die Körbchen für die Kollekte werden nicht durch die Reihen gereicht, sondern z.B. am Ausgang aufgestellt.

-       Ein grundsätzlicher gesundheitlicher Hinweis: Soweit bisher bekannt, verbreitet sich das Virus vor allem über die Atemluft. Faktoren, welche die Verbreitung verstärken, sind: längerer gemeinsamer Aufenthalt in geschlossenen Räumen; gemeinsames Sprechen; gemeinsames Singen. Daher ist es leider notwendig, die in den Gottes-diensten vorgesehenen Gelegenheiten, gemeinsam zu beten und zu singen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Kirchen sollen vor und nach den Gottesdiensten bestmöglich durchlüftet werden.

-       Für den Notfall: Sollte es unbeabsichtigt bei der Wahrnehmung eines liturgischen Dienstes doch zu einem direkten Handkontakt gekommen sein (z.B. wenn sich bei der Kommunionspendung die Hände berührt haben), so ist die liturgische Handlung zu unterbrechen. Die Betroffenen waschen bzw. desinfizieren ihre Hände. Dann kann die Feier fortgesetzt werden.
Konkretisierungen für die einzelnen Feierformen

Messfeier
-       Auch an Werktagen wird die Messe in der großen Kirche (im Unterschied zur Werk-tagskapelle) gefeiert.
-       Als Friedenszeichen sind das gegenseitige Anblicken und Zuneigen und die Zusage des Friedens möglich.
-       Die Hostien werden in der Sakristei vom Zelebranten nach Reinigen und Desinfizieren der Hände in die Hostienschale gelegt. Auf einer separaten Patene bereitet er eine eigene (große) Hostie, die er dann bei den Einsetzungsworten erheben, beim Agnus Dei brechen und schließlich konsumieren wird.
-       Während des Hochgebetes bleibt die Schale mit den Hostien für die Mitfeiernden zur Minimierung der Übertragungsgefahr durch den Sprechakt bedeckt.
-       Vor dem Agnus Dei erläutert der Zelebrant den besonderen Modus des Kommunion-empfanges für die Gläubigen.
-       Unmittelbar nach dem Agnus Dei kommuniziert der Zelebrant in der vorgesehenen Weise. Danach geht er zur Kredenz und legt den Mund-Nasen-Schutz an. Die Hände werden anschließend gründlich gewaschen (mit Warmwasser und Seife) oder desinfiziert. Dann nimmt der Zelebrant am Altar den Deckel von der Hostienschale[1].
-       Bei der Kommunionspendung sind aus hygienischen Gründen folgende Regeln einzuhalten. Die Worte „Der Leib Christi“ – „Amen“ entfallen. Es ist nur Handkommunion möglich. Zwischen dem Kommunionspender und dem Kommunionempfänger ist der größtmögliche Abstand einzuhalten. Es ist darauf zu achten, dass sich die Hände der Kommunionempfänger und Kommunionspender keinesfalls berühren dürfen.
-       Mit der heiligen Kommunion in den Händen treten die Gläubigen wenigstens zwei Meter zur Seite, um in genügendem Abstand und in Ruhe und Würde die Kommunion zu empfangen, was mit einem leichten Anheben der Mundmaske möglich ist.
-       Nach dem Kommunionempfang schließt die Messe unmittelbar mit dem Schlussgebet und dem Segen. Das Danklied und eventuelle Ankündigungen entfallen[2].


Feier der Tagzeiten und Wort-Gottes-Feier
-       Auch an Werktagen wird in der großen Kirche (im Unterschied zur Werktagskapelle) gefeiert.
-       Dem Wesen der Wort-Gottes-Feier entsprechend ist aufgrund der besonderen Umstände auf die Kommunionfeier zu verzichten.
-       Als Friedenszeichen sind das gegenseitige Anblicken und Zuneigen und die Zusage des Friedens möglich.
Feier der Taufe
-       Aufgrund der behördlichen Vorgaben und der Sorge vor einer überregionalen Aus-breitung des Virus ist die Teilnehmerzahl bei der Taufe, unabhängig von der Fläche der Kirche, vorerst weiterhin auf den engsten Familienkreis beschränkt (10 Personen)[3].
-       Das Kind wird von einer Person getragen, die mit ihm im selben Haushalt lebt.
-       Es ist angeraten, die im Rituale vorgesehenen Stationen im gesamten Kirchenraum (Eingang, Verkündigungsort, Taufort, Altar) tatsächlich zu nutzen.
-       Die Bezeichnung mit dem Kreuz wird außer durch den Vorsteher nur durch jene Personen vorgenommen, die mit dem Kind im selben Haushalt leben.
-       Beim Gebet zur Bewahrung vor dem Bösen streckt der Priester/Diakon die Hand aus, ohne das Kind zu berühren.
-       Als Adaptierung zu den Praenotanda generalia 21* in „Feier der Kindertaufe“ ist es bis auf weiteres notwendig, das Wasser für jede Tauffeier eigens zu segnen – auch in der Osterzeit!
-       Beim Übergießen mit Wasser und der anschließenden Salbung ist ein Mund-Nasen-Schutz für den Priester/Diakon verpflichtend, um besonders auch beim Sprechen die Gefahr einer Tröpfcheninfektion zu reduzieren.
-       Bei der Salbung mit Chrisam und beim Anlegen des Taufkleides werden zunächst im gebotenen Sicherheitsabstand die Begleitworte gesprochen und anschließend die rituelle Handlung vollzogen.
-       Der Effataritus ist gemäß Feier der Kindertaufe fakultativ und soll während der Zeit der Pandemie unterlassen werden.


Die gemeinsamen Feiern von Erstkommunion und Firmung
-       werden gemäß diözesanen Regelungen verschoben.


Feier der Trauung
-       Aufgrund der behördlichen Vorgaben und der Sorge vor einer überregionalen Ausbreitung des Virus ist die Teilnehmerzahl bei der Trauung, unabhängig von der Fläche der Kirche, vorerst weiterhin auf den engsten Familienkreis beschränkt (10 Personen)[4].
-       Für kirchliche Trauungen empfiehlt sich derzeit die Form innerhalb einer Wort-Gottes-Feier. Wird unbedingt eine Eucharistiefeier gewünscht, erfolgt der Kommunionempfang wie oben beschrieben.
-       Bestätigung der Vermählung
Variante A: Umwickeln der Hände mit einer Stola in Stille; die Begleitworte werden anschließend im gebotenen Abstand gesprochen.
Variante B: Die Worte der Bestätigung werden ohne die Zeichenhandlung gesprochen.

Da gerade Taufen und kirchliche Trauungen Feiern sind, die von der Freude einer festlichen Gemeinschaft getragen sind, mögen die Seelsorger mit den Betroffenen abklären, ob eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt möglich ist. Entscheiden sich die Angehörigen für eine Feier unter den eingeschränkten Bedingungen, wird ihnen im Vorfeld ein Informationsschreiben (vgl. Muster im Anhang) ausgehändigt. Mit der Unterschrift bestätigen sie die Kenntnisnahme und eigenverantwortliche Einhaltung der entsprechenden Bestimmungen.


Feier des Beichtsakramentes
-       Die Beichte kann weiterhin nur außerhalb des Beichtstuhles stattfinden, bevorzugt in einem ausreichend großen und gut durchlüfteten Raum, in dem die gebotenen Abstände (mindestens zwei Meter) gewahrt bleiben können. Hilfreich kann das Aufstellen einer Plexiglasscheibe auf einem Tisch in der Mitte sein.


Krankenkommunion, Viaticum und Feier der Krankensalbung
-       Bei der Krankenkommunion (und beim Viaticum) außerhalb von Krankenhäusern ist im Vorfeld der Besuch mit den Angehörigen gut zu besprechen und vorzubereiten.
-       Der Spender hat den Mund-Nasen-Schutz zu verwenden und bei den Gebeten den Mindestabstand von 2 Metern einzuhalten.
-       Da es sich in der Regel um die Mundkommunion handelt, ist für die Kommunion-spendung ein Einweghandschuh zu verwenden.
-       Die Verwendung eines Einweghandschuhs gilt auch für die Spendung der Kranken-salbung.


Begräbnisse
-       Für die Begräbnisse am Friedhof ist die vorgegebene Teilnehmerzahl (zur Zeit max. 30 Personen) einzuhalten.
-       Für Gottesdienste davor oder danach in einer Aufbahrungshalle oder in der Kirche gelten die Regeln dieser Rahmenordnung.


Gottesdienste im Freien werden durch diese Rahmenordnung nicht geregelt.


Anhang:
Hygienebestimmungen für Personen, die mit der Wahrnehmung liturgischer Dienste beauftragt sind:

Wer krank ist, sich krank fühlt oder bei wem der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, muss auf die Teilnahme an Gottesdiensten verzichten und darf keine liturgischen Ämter und Dienste ausüben;

Alle, die einen liturgischen Dienst ausüben, waschen sich unmittelbar vor dem Beginn der Feier in der Sakristei gründlich (mit Warmwasser und Seife) die Hände oder sie desinfizieren diese;

Die Tücher zur Reinigung von Kelchen und Schalen, sowie die Tücher für die Händewaschung werden nach jedem Gottesdienst gewaschen.


Wien, am 1. Mai 2020


[1] Dies gilt sinngemäß auch für andere Kommunionspender mit folgender Abweichung: sie empfangen selber die Kommunion erst nach dem Kommuniongang der Gemeinde. Dadurch soll vermieden werden, dass durch das für den eigenen Kommunionempfang nötige Anheben des Mund-Nasen-Schutzes Viren verbreitet werden und auf die Hostien gelangen.
[2] Dies hat virologische Gründe. Beim Kommunionempfang wird der Mund-Nasen-Schutz leicht angehoben und daher die Gefahr der Verbreitung von Viren erhöht. Aus diesem Grund sollte die Messfeier danach zügig beendet werden.
[3] Siehe Trauung. Obwohl sich die feiernde Taufgemeinde in vielem von der zu einer Trauung versammelten Gemeinde unterscheidet, verbindet sie im Allgemeinen die Tatsache, dass Menschen, die üblicherweise nicht miteinander Gottesdienst feiern, in diesem Fall zusammenkommen und damit die Gefahr der Ausbreitung des Virus im Unterschied zu den regelmäßigen Gemeindegottesdiensten erhöht wird.
[4] Auch standesamtliche Eheschließungen bleiben auf diese Personenzahl beschränkt. Dahinter steht die mit der Tatsache, dass an diesen Gottesdiensten oft auch Personen aus unterschiedlichen Gegenden des Landes teilnehmen, verbundene Gefahr, dass im Fall einer Infektion das Virus überregional gestreut wird und Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. 



Sonntag, 3. Mai 2020

zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz (wie Zagreb)




ob die jetzt eingeschlafen sind

Durch Jesus in den Hirtendienst eintreten

ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben
Kurzifix vor der Kirche St Giles, Cambridge


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. (Joh 10)
In jener Zeit sprach Jesus:
1 Amen, amen, ich sage euch:
Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht,
sondern anderswo einsteigt,
der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht,
ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter
und die Schafe hören auf seine Stimme;
er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen
und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat,
geht er ihnen voraus
und die Schafe folgen ihm;
denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen,
sondern sie werden vor ihm fliehen,
weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus;
aber sie verstanden nicht den Sinn
dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen,
sind Diebe und Räuber;
aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür;
wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden;
er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb
kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten;
ich bin gekommen,
damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
(Evangelium vom 4. Sonntag der Osterzeit, Weltgebetstag für geistliche Berufe)




Der Gute Hirt
Tabernakel in der Seitenkapelle der Seitenkapelle
Wandmalerei über dem Sarkphag der Apostel Jakobus und Philippus, Rom
Glasfenster in Stokenchurch, England
Statue in der Mathiaskirche, Budapest
Glasfenster in der Rochester Cathedral
Statue in S. Maria della Pace, Rom
Mosaik in der Kathedrale von Aquileia
Mosaik im Mausoleum Galla Placidia, Ravenna
Glasfenster von Christopher Webb in der St Alban´s Cathedral 
Glasfenster im Kapuzinerkloster in Padua

 



Das Evangelium dieses Sonntags, das wir gehört haben, ist nur ein Ausschnitt aus der großen Hirtenrede Jesu; darin sagt uns der Herr dreierlei über den wahren Hirten: Er gibt sein Leben für die Schafe. Er kennt die Seinen und sie ihn. Er steht im Dienst der Einheit.

Bevor wir über diese drei Kernbestimmungen des Hirteseins nachdenken, tut es vielleicht gut, einen Augenblick an das vorhergehende Stück der Hirtenrede zu erinnern, in dem Jesus – bevor er sich Hirte nennt – zu unserer Überraschung sagt: »Ich bin die Tür« (Joh 10,7). Durch ihn muß man in den Hirtendienst eintreten. Diese Grundbedingung verdeutlicht er sehr nachdrücklich, indem er erklärt: »Wer … anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber« (Joh 10,1). Dieses Wort »einsteigt« – griechisch »anabaínei« – schließt die Vorstellung ein von jemandem, der den Zaun hochklettert, um so – den Zaun übersteigend – dorthin zu gelangen, wo er rechtmäßig nicht hinkommen kann. Aufsteigen – das ist aber auch das Bild des Karrierismus, für den Versuch, nach oben zu kommen, sich durch die Kirche eine Stellung zu verschaffen – sich zu bedienen und nicht zu dienen. Es ist das Bild des Menschen, der durch das Priestertum etwas werden und jemand sein möchte, dem es um die eigene Erhöhung geht und nicht um den demütigen Dienst Jesu Christi.

Aber der einzig rechtmäßige Aufstieg zum Hirtenamt in der Kirche ist das Kreuz. Das ist der wahre Aufstieg, das ist die wahre Tür. Nicht selber jemand werden wollen, sondern für den anderen da sein – für Christus und so, durch ihn und mit ihm für die Menschen, die der Herr sucht, die er auf den Weg des Lebens führen will.
Man tritt zum Priestertum ein durch das Sakrament – das bedeutet eben: durch die Freigabe seiner selbst an Christus, daß er über mich verfüge; daß ich ihm zu Diensten sei und seinem Ruf folge, auch wenn er meinen Wünschen nach Selbstverwirklichung und Ansehen entgegenläuft. Durch Christus, die Tür, eintreten, heißt: ihn immer mehr kennen und lieben, damit unser Wille eins werde mit dem Seinen und unser Handeln eins mit dem Seinen. Liebe Freunde, darum wollen wir immer von neuem beten, darum uns mühen, daß Christus in uns wächst; daß unsere Einheit mit ihm immer tiefer werde, so daß durch uns wirklich Christus weidet.
(aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. anläßlich der Priesterweihe in Rom am 7. Mai 2006)



Heute gedenkt die Kirche der Apostel Philippus und Jakobus, die HIER begraben sind.

Christus als Priester-Hirte in St Giles, Cambridge (Anglican Church)

Samstag, 2. Mai 2020

Maria, dich lieben ist allzeit mein Sinn

Der auferstandene Christus macht das Leben der Menschen zu einem ununterbrochenen Fest (Athanasius)

Athanasius der Große, by Sir Ninian Comper,
St Cyprian´s Clarence Gate, London


Liebe Brüder und Schwestern!

Wir fahren mit unserem Gang durch die großen Meister der Alten Kirche fort und richten heute unsere Aufmerksamkeit auf den heiligen Athanasius von Alexandrien. Diese echte Hauptfigur der christlichen Tradition wurde schon wenige Jahre nach seinem Tod vom großen Theologen und Bischof von Konstantinopel, Gregor von Nazianz, als „die Säule der Kirche“ gefeiert (Reden 21,26), und immer wurde er als Vorbild der Orthodoxie angesehen, sowohl im Osten als auch im Westen. Es ist also kein Zufall, dass Gian Lorenzo Bernini seine Statue unter jene der vier heiligen Kirchenlehrer aus dem Osten und dem Westen stellen wollte – zusammen mit Ambrosius, Johannes Chrysostomus und Augustinus –, die in der wunderbaren Apsis der vatikanischen Basilika die Kathedra des heiligen Petrus umgeben.

Athanasius ist zweifellos einer der bedeutendsten und am meisten verehrten alten Kirchenväter gewesen. Vor allem aber ist dieser große Heilige der leidenschaftliche Theologe der Menschwerdung des Logos, des Wortes Gottes, das – wie es im Prolog des Johannesevangeliums heißt – „Fleisch geworden (ist) und unter uns gewohnt (hat)“ (Joh 1,14). Gerade aus diesem Grund war Athanasius auch der bedeutendste und hartnäckigste Gegner der arianischen Häresie, die damals den Glauben an Christus bedrohte, der zu einem „Zwischen“-Geschöpf zwischen Gott und dem Menschen herabgemindert wurde – ganz wie es einem Trend entspricht, der im Lauf der Geschichte immer wieder aufgetreten ist und den wir in verschiedenen Formen auch heute wahrnehmen können. Athanasius wurde wahrscheinlich um das Jahr 300 herum in Alexandrien in Ägypten geboren. Ihm wurde eine gute Erziehung zuteil, ehe er Diakon und Sekretär des Alexander wurde, dem Bischof der ägyptischen Metropole. Als enger Mitarbeiter seines Bischofs nahm der junge Kirchenmann mit ihm am Konzil von Nizäa teil, dem ersten Konzil, das einen ökumenischen Charakter hatte und von Kaiser Konstantin im Mai des Jahres 325 einberufen worden war, um die Einheit der Kirche sicherzustellen. Die Väter von Nizäa konnten sich so mit verschiedenen Fragestellungen auseinandersetzen, und dabei in erster Linie mit dem ernsten Problem, das einige Jahre früher durch die Predigt des alexandrinischen Priesters Arius verursacht worden war.

Mit seiner Theorie bedrohte Arius den wahren Glauben an Christus, denn er erklärte, dass der logos nicht der wahre Gott wäre, sondern ein geschaffener Gott, ein „Zwischenwesen“ zwischen Gott und dem Menschen, und so wäre für uns der wahre Gott stets unzugänglich geblieben. Die in Nizäa versammelten Bischöfe antworteten, indem sie das „Symbolon des Glaubens“ erstellten und festlegten, das später vom I. Konzil von Konstantinopel vervollständigt wurde und dann in der Tradition der verschiedenen christlichen Konfessionen und in der Liturgie als das Nizänisch-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis erhalten geblieben ist. In diesem grundlegenden Text, der den Glauben der ungeteilten Kirche zum Ausdruck bringt und den wir auch heute jeden Sonntag in der Eucharistiefeier aufsagen, kommt der griechische Ausdruck homoousios vor, der auf Latein consubstantialis lautet. Er will sagen, dass der Sohn, der logos, „gleichwesentlich“ mit dem Vater ist; dass er Gott von Gott ist, dass er sein Wesen ist. Und auf diese Weise wird die volle Göttlichkeit des Sohnes ins Licht gehoben, die die Arianer geleugnet hatten.

Nach dem Tod des Bischofs Alexander wurde Athanasius im Jahr 328 dessen Nachfolger als Bischof von Alexandrien, und sofort zeigte er sich entschlossen, jeden Kompromiss mit der vom Konzil von Nizäa verurteilten arianischen Theorien zurückzuweisen. Seine hartnäckige und manchmal harte, wenn auch notwendige Unnachgiebigkeit gegenüber allen, die sich seiner Wahl zum Bischof widersetzt hatten, und vor allem gegen die Widersacher des Symbolons von Nizäa, brachte ihm die unerbittliche Feindseligkeit der Arianer und ihrer Anhänger ein. Trotz des unzweideutigen Ergebnisses des Konzils, das klar ausgesagt hatte, dass der Sohn eines Wesens mit dem Vater ist, gewannen kurz darauf wieder diese falschen Ideen die Oberhand – in dieser Situation wurde sogar Arius rehabilitiert! –, und aus politischen Gründen wurden sie von Kaiser Konstantin selbst und dann von seinem Sohn Constantius II. vertreten. Er, der sich allerdings nicht so sehr für die theologische Wahrheit als vielmehr für die Einheit des Reiches und seine politischen Probleme interessierte, wollte den Glauben politisieren, indem er ihn – nach seinem Gutdünken – allen seinen Untertanen im Reich zugänglicher machte.

Die arianische Krise, die man in Nizäa bewältigt zu haben glaubte, dauerte so Jahrzehnte fort, was mit schwierigen Wechselfällen und schmerzhaften Spaltungen in der Kirche verbunden war. Und gut fünf Mal – während der drei Jahrzehnte zwischen 336 und 366 – war Athanasius gezwungen, seine Stadt zu verlassen. So verbrachte er 17 Jahre im Exil und litt für den Glauben. Während der Zeiten seiner zwangsmäßigen Abwesenheit von Alexandrien aber bekam der Bischof die Gelegenheit, im Westen – zuerst in Trier und dann in Rom – den nizänischen Glauben und auch die Ideale des Mönchtums zu vertreten und zu verbreiten. Letztere hatte in Ägypten der große Eremit Antonius angenommen, was mit einer Lebensentscheidung verbunden war, der Athanasius immer nahe stand. Der heilige Antonius war mit seiner geistlichen Kraft die wichtigste Person, die den Glauben des heiligen Athanasius stützte. Nach seiner endgültigen Rückkehr zu seinem Sitz konnte sich der Bischof von Alexandrien der religiösen Befriedung und der Neuorganisierung der christlichen Gemeinden widmen. Er starb am 2. Mai des Jahres 373, dem Tag, an dem wir sein liturgisches Gedächtnis begehen.

Das berühmteste Lehrwerk des heiligen Bischofs von Alexandrien ist die Abhandlung Über die Menschwerdung des Wortes (De incarnatione Verbi), des göttlichen Logos, der Fleisch angenommen hat und so geworden ist wie wir, zu unserem Heil. In diesem Werk sagt Athanasius mit einem zu Recht berühmt gewordenen Ausdruck, dass das Wort Gottes „Mensch wurde, damit wir vergöttlicht würden; er offenbarte sich im Leibe, damit wir zur Erkenntnis des unsichtbaren Vaters gelangten, und er selbst hat die Gewalt der Menschen ertragen, damit wir die Unsterblichkeit erbten“ (54,3). Denn mit der Auferstehung hat der Herr den Tod verschwinden lassen, als sei er „Stroh im Feuer“ (8,4). Die grundlegende Idee des gesamten theologischen Kampfes des heiligen Athanasius bestand gerade darin, dass Gott zugänglich ist: Er ist kein zweitrangiger Gott; er ist der wahre Gott, und durch unsere Gemeinschaft mit Christus können wird uns wirklich mit Gott vereinen. Er ist wirklich „Gott mit uns“ geworden.

Unter den anderen Werken dieses großen Kirchenvaters – die zum Großteil mit der Angelegenheit der arianischen Krise verbunden sind – erinnern wir dann an die vier Briefe, die er an den Freund Serapion, Bischof von Thmuis, über die Gottheit des Heiligen Geistes richtete, die dort eindeutig bekräftigt wird, sowie an rund 30 „Fest“-Briefe, die er zu Beginn eines jeden Jahres an die Kirchen und Klöster Ägyptens richtete, um das Datum des Osterfestes anzugeben, vor allem aber um die Bande mit den Gläubigen zu sichern und so ihren Glauben zu festigen und sie auf dieses große Hochfest vorzubereiten.

Schließlich ist Athanasius auch der Verfasser von Betrachtungstexten zu den Psalmen, die dann weite Verbreitung fanden, und vor allem eines Werkes, das zum Bestseller der alten christlichen Literatur geworden ist: das Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii), das heißt die Biographie des heiligen Abtes Antonius, die er kurz nach dem Tod dieses Heiligen schrieb, nämlich während der exilierte Bischof von Alexandrien zusammen mit den Mönchen in der Wüste Ägyptens lebte. Athanasius war ein Freund des großen Eremiten, was soweit ging, dass er eines der beiden Schafsfelle entgegennahm, die ihm von Antonius als Erbe hinterlassen worden waren, zusammen mit dem Mantel, den der Bischof von Alexandrien selbst ihm geschenkt hatte. Die beispielhafte Biographie dieser der christlichen Tradition teuren Gestalt wurde bald sehr populär. Fast sofort wurde sie gleich zweimal auf Latein und dann in verschiedene orientalische Sprachen übersetzt. Sie trug im Osten wie im Westen sehr zur Verbreitung des Mönchtums bei. Nicht zufällig steht die Lektüre dieses Textes in Trier im Mittelpunkt eines bewegenden Bekehrungsberichts von zwei kaiserlichen Beamten, den Augustinus in den Bekenntnissen (VIII 6,15) als Ausgangspunkt seiner eigenen Bekehrung hernimmt.

Im Übrigen zeigt Athanasius selbst, dass er ein klares Bewusstsein vom Einfluss hat, den die beispielhafte Gestalt des Antonius auf das christliche Volk haben konnte. Er schreibt deshalb am Schluss dieses Werkes: „Ein Kennzeichen seiner Tugend und mit Gott befreundeten Seele ist dies, dass er überall berühmt war und von allen bewundert wurde, und dass sich auch die nach ihm sehnten, die ihn nicht gesehen hatten. Denn Antonius ist bekannt weder durch seine Schriften noch durch weltliche Weisheit oder durch irgendeine besondere Fähigkeit, sondern allein durch seine Frömmigkeit Gott gegenüber. Und niemand könnte leugnen, dass dies eine Gabe Gottes ist. Wie hätte man sonst von diesem Mann, der ein zurückgezogenes Leben in den Bergen führte, in Spanien, Gallien, in Rom und Afrika gehört, wäre es nicht Gott selbst gewesen, der ihn überall bekannt gemacht hätte, wie er es mit denen tut, die ihm angehören und wie er es dem Antonius auch von Anfang an verkündet hatte? Und auch wenn diese im Verborgenen wirken und wünschen, verborgen zu bleiben, so zeigt sie der Herr doch allen wie eine Leuchte, damit auf diese Weise alle, die von ihnen sprechen hören, wissen, dass es möglich ist, den Geboten zu folgen, und damit sie mutig den Weg der Tugend beschreiten“ (Vita Antonii 93,5-6).

Ja, Brüder und Schwestern! Wir haben viele Gründe, dem heiligen Athanasius dankbar zu sein. Sein Leben, wie jenes des Antonius und unzähliger anderer Heiliger, zeigt uns: „Wer zu Gott geht, geht nicht weg von den Menschen, sondern wird ihnen erst wirklich nahe“ (Deus caritas est, 42).

(Generalaudienz von Papst Benedikt XVI., 20. Juni 2007)
 
Statue des hl. Athanasius in der Kathedrale von Oviedo
 


St Cyprian´s Clarence Gate - London

Freitag, 1. Mai 2020

Maria, Maienkönigin!



Maria, Maienkönigin!
   Dich will der Mai begrüßen,
O segne seinen Anbeginn,
   Und uns zu Deinen Füßen.

Maria! Dir befehlen wir,
   Was grünt und blüht auf Erden,
O laß es eine Himmelszier
   In Gottes Garten werden.

Behüte uns mit treuem Fleiß,
   O Königin der Frauen!
Die Herzenblüthen lilienweiß
   Auf grünen Maiesauen.

Vor allen sind’s der Blümlein drei,
   Die laß kein Sturm entlauben:
Die Hoffnung grün und sorgenfrei,
   Die Liebe und den Glauben.

O laß die Blumen um und um
   In allen Herzen sprossen,
Und mache sie zum Heiligthum,
   Drinn sich der Mai erschlossen.

Die Seelen kalt und glaubensarm,
   Die mit Verzweiflung ringen,
Die stummen mache liebeswarm,
   Damit sie freudig singen.

Damit sie gleich der Nachtigall
   Im Liede sich erschwingen,
Und mit der Freude hellstem Schall
   Dir Maienlieder singen.

Auch Arbeit für Josef

Rückkehr aus Ägypten,  zw. 1635-40, Giovanni Francesco Romanelli, Museum National Art de Calalunya, Barcelona



Herodes fühlte sich in seiner Macht bedroht und befahl nach der Abreise der Magier, alle Kinder unter zwei Jahren in Betlehem und Umgebung zu töten. Jesus entging den Fängen des Herodes dank eines besonderen göttlichen Eingreifens und dank der väterlichen Sorge Josefs, der ihn zusammen mit seiner Mutter nach Ägypten brachte, wo sie bis zum Tod des Herodes blieben.
Dann kehrten sie in ihre Geburtsstadt Nazaret zurück, wo für die Heilige Familie ein langer, von getreuer und grobherziger Erfüllung der Alltagspflichten gekennzeichneter verborgener Lebensabschnitt begann (vgl. Mt 2,1–23; Lk 2,39–52).
(Johannes Paul II., Brief an die Familie, 21)

Zusammenarbeit