Freitag, 18. November 2016

Das Paulusmartyrium auf Filaretes Bronzetür von St. Peter in Rom

Bei diesem Portal handelt es sich um das mittlere von fünf Eingangsportalen in den Petersdom. Der Florentiner Bildhauer Antonio Avelino, genannt Filarete, schuf das zweiflügelige Bronzetor etwa zwischen 1433 und 1445. Die untersten Felder zeigen die Martyrien der Apostelfürsten.

In mehreren Szenen werden die Ereignisse von Verurteilung, Verhaftung, Hinrichtung und die Erscheinung des hl. Paulus erzählt.
Auf der linken Bildseite gibt Kaiser Nero, der in einer Ädikula thront, den Befehl zu Verhaftung und Hinrichtung des Apostels. In der Mitte erfolgt die Verhaftung durch Reiter. Daneben rechts enthauptet der Henker den bereits durch einen Streich am Hals verwundeten Paulus.
Im oberen Bildteil öffnet sich der Himmel und Paulus überreicht Plantilla einen mit seinem Blut getränkten Schleier. Nach der legenda aurea war Plantilla Zeugin der Enthauptung des Paulus, dem sie den Schleier zum Verbinden seiner Augen gegeben hatte.
(vgl. Wikipedia)


Als man ihn nun zur Stelle seines Leidens führte, begegnete ihm am Tor nach Ostia eine Matrone namens Plantilla, die seine Jüngerin war; nach Dionysius hieß sie Lemobia - aber vielleicht hatte sie zwei Namen. Sie brach in Tränen aus und empfahl sich seinem Gebet.
Paulus sprach zu ihr: "Plantilla, Tochter des ewigen Heils, gib mir deinen Schleier, mit dem du dein Haupt bedeckst! Ich werde damit meine Augen bedecken und ihn dir nachher zurückerstatten."
Als Plantilla ihn Paulus gab, lachten sie die Henker aus und sagten: "Was gibst du da diesem Betrüger und Zauberer deinen kostbaren Schleier, um ihn zu verlieren?"
So kam nun Paulus an den Ort seines Leidens. Da wandte er sich nach Osten, hob seine Hände zum Himmel und betete lange unter Tränen in seiner Muttersprache und sagte Gott Dank. Dann stärkte er seine Brüder, verband sich die Augen mit dem Schleider Plantillas, kniete mit beiden Knien nieder und reichte seinen Nacken hin, und so wurde er enthauptet. Da sprang sein Haupt von seinem Leib, und da konnte man hören, wie er mit deutlicher Stimme auf hebräisch "Jesus Christus" rief, den Namen, der ihm im Leben so lieb gewesen war und den er so oft genannt hatte.
Es heißt, Paulus habe in seinen Briefen "Christus" oder "Jesus" oder beide Namen zugleich fünfhundertmal genannt.
Von seiner Wunde aber sprang Milch bis zum Kleid seines Henkers, und darauf floß Blut heraus. In der Luft erstrahlte ein gewaltiges Licht, und von seinem Leib strömte süßester Duft.

Dionysius aber sagt in seinem Brief an Timotheus folgendes über den Tod des hl. Paulus: "Mein geliebter Bruder, als in jener trauervollen Stunde der Henker zu Paulus sagte: Reiche deinen Nacken hin, da schaute der Apostel zum Himmel, bezeichnete Stirn und Brust mit dem Zeichen des Kreuzes und sagte: Herr Jesus Christus, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.
Dann reichte er ohne jede Trauer, und ohne daß man ihn hätte zwingen müssen, seinen Nacken dar und empfing die Krone des Martyriums. Als der Henker zuschlug und sein Haupt vom Leib trennte, nahm Paulus noch während des Schlages den Schleier, sammelte darin sein eigenes Blut, band ihn, wickelte ihn zusammen und übergab ihn wieder jener Frau.
Lemobia fragte aber den zurückkehrenden Henker: Wo hast du meinen Meister Paulus gelassen?
Der Soldat antwortete: Er liegt mit seinen Gefährten außerhalb der Stadt im Tal der Faustkämpfer, und sein Gesicht ist mit deinem Schleier bedeckt;
aber Lemobia antwortete: Siehe, eben sind hier Petrus und Paulus hereingekommen, beide in hellen Kleidern und mit Kronen auf ihren Häuptern, die von glänzendem Licht strahlen, und dabei nahm sie den mit Blut durchtränkten Schleider hervor und zeigte ihn.
Wegen dieses Ereignisses glaubten viele an den Herrn und wurden Christen. Soweit Dionysius.
(Jacobus de Voragine, Legenda aurea, Manasse, 211f)

Donnerstag, 17. November 2016

Am Grab der sel. Salome von Krakau

Sel. Salome, Franziskanerkirche, Krakau

Salomea von Krakau, Königin und Klarissin. Salomea wurde um 1210 geboren und war die Tochter von Leszko V., dem Herzog von Krakau. 1238 wurde sie mit dem ungarischen Prinzen Koloman vermählt, der später König von Kroatien wurde. Doch ihr Gatte fiel schon drei Jahre nach der Hochzeit in der Schlacht gegen die Mongolen. Nun lebte Salomea als Klarissin im Kloster Zawichost, seit 1260 im Kloster Grodzisko, wo sie am 17. Novem-ber 1268 starb. Das Grab Salomeas ist in der Kapelle der sel. Salome in der Franziskanerkirche OFMConv. zu Krakau erhalten.
(vgl. Martyrologium Sancrucense)

Salome von Krakau wurde 1211 zu Krakau geboren und dem Fürsten Koloman von Ungarn vermählt. Nach dessen Tod trat sie 1245 in den Klarissenorden ein. Sie starb 1268, ihre Reliquien werden in der Salomekapelle der Franziskaner-Minoritenkirche Krakau verehrt.
(vgl. Franziskanisches Proprium zum Stundenbuch

Gedenktag katholisch: 17. November
bei den Franziskaner-Klarissen: 18. November
in Polen: 19. November




Die Franziskanerkirche (kosciol franciszkanow) gehört zu den ältesten gotischen Kirchen Krakaus, Glasmalereien von Wyspianski im Altarraum, sel. Salome und hl. Franziskus

Kaplica bl. Salomei, Kapelle der sel. Salome

Statue und Reliquien des sel. Salome, Franziskanerkirche, Krakau




vermutlich: in der Nische steht der Sarg mit den Gebeinen des Herzogs Boleslaw V. (der Keusche),
dem Gründer der Kirche, Weihe der Kirche 1249.

OSSA B. SALOMEA, Gebeine der sel. Salomea

Gott und Vater,
du hast die selige Salome von Krakau gelehrt,
statt irdischer Herrschaft die vollkommene Liebe deines Reiches zu suchen.
Ihre Fürsprache erwirke uns,
dir mit reinem und demütigem Herzen zu dienen,
damit unser Leben sich in dir vollendet.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Dienstag, 15. November 2016

Die Wehinger-Kapelle im Stift Klosterneuburg

hl. Leopold III., neugotischer Altar, Kreuzgang Stift Klosterneuburg

Im Kreuzgang des Chorherrenstiftes zu Klosterneuburg wurde 1394 die Wehinger-Kapelle von den Brüdern Berthold und Reinhard von Wehingen als Grabkapelle errichtet. Im 19. Jh. wurde die Kapelle neugotisch ausgestattet. Berthold von Wehingen, dessen Hochgrab frei in der Kapelle steht, war Bischof von Freising.



Wehinger Kapelle, Kreuzgang im Stift Klosterneuburg

Montag, 14. November 2016

Der verläßliche Zeuge über den Wolken (Ps 89,38)

Nikolaus Tavelic, Märtyrerpriester


Nikolaus, OFMCap, OFMConv., wurde 1340 in Sibenik in Kroatien geboren. Zusammen mit Bruder Deodat wirkte er zuerst als Prediger in Bosnien. 1384 reisten beide nach Palästina. Dort verfaßten sie gemeinsam mit zwei weiteren Mitbrüdern unter inständigem Gebet eine Dichtung zur Verteidigung des christlichen Glaubens. Diese trugen sie 1391 dem Kadi in Jerusalem vor, wurden deshalb in Fesseln gelegt und zum Tode verurteilt. Nach einem grausamen Martyrium wurden sie verbrannt.
Nikolaus wurde 1970 heiliggesprochen.
(Franziskanisches Proprium zum Stundengebet, 372ff)



Aus einem zeitgenössischen Bericht vom Martertod des heiligen Nikolaus und seiner Gefährten:

Nachdem Nikolaus und seine Mitbrüder sich längere Zeit beraten hatten, wie sie für Gott Seelen gewinnen könnten, die der Teufel für sich holen wollte, suchten sie auf dem heiligen Boden Jerusalems für den Allerhöchsten eine reiche Ernte einzubringen. Sie wiesen jede Furcht zurück, ließen sich von Theologen und anderen gediegenen Mitbrüdern daselbst wertvolle Ratschläge geben und suchten zu ihrer Stütze Argumente der Heiligen Schrift und der anerkannten Exegeten, die sie an verschiedenen Stellen gelesen hatten. So wurden sie im Herrn bestärkt in der Auffassung, jeder vollkommene Christ könne auf irdisch gesinnte Menschen mit großem Erfolg einwirken. Am 11. November 1391, am Fest des heiligen Martin, um die dritte Stunde begannen sie, was sie schon lange geplant hatten auszuführen. Jeder hatte ein Heft oder eine kleine Papierrolle in Italienisch oder Arabisch bei sich. Sie gingen gemeinsam zunächst zum Tempel Salamos, wurden aber am Eintreten gehindert.

neubarocker Altar aus dem Jahr 1876, gewidmet dem hl. Rochus (rechts), dem hl. Hieronymus (links)
und dem hl. Nikola Tavelic (Mitte)

Zum Haus des Richters geführt, holten sie ihre Papierrollen hervor und begannen ihm vorzulesen.

Darauf redete der Richter die vier Brüder an: "Was ihr da vorgebracht habt, habt ihr das als vernünftige, ihrer selbst mächtige Menschen gesagt oder als einfältige, unvernünftige und verrückte? Seid ihr durch euren Papst geschickt oder von irgendeinem christlichen König?"

Darauf antworteten die Brüder mit großer Klugheit, Bestimmtheit, mit Glaubenseifer und mit brennendem Heilsverlangen: "Wir wurden nicht von irgendeinem Menschen geschickt, sondern von Gott allein, der sich gewürdigt hat, uns zu begeistern, euch die Wahrheit und euer Heil zu verkünden, denn Christus sagt in seiner Frohbotschaft: "Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet: wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden."

Darauf fragte sie der Richter: "Wollt ihr all das widerrufen und Sarazenen werden, um so dem Tod zu entgehen? Denn sonst müßt ihr sterben!"

Sie antworteten mit fester Stimme: "Auf keinen Fall nehmen wir das zurück, wir sind bereit, für diese Wahrheit und die standhafte Verteidigung des katholischen Glaubens eher zu sterben und alle Marter zu ertragen, weil alles, was wir sagten, heilig ist, katholisch und wahr."
Als der Richter dies hörte, verhängte er mit seinem Rat das Todesurteil.


Kaum war der Wortlaut des Todesurteils verhallt, da stürzten alle umherstehenden Sarazenen mit lautem Geschrei heran und riefen: Nieder mit ihnen, nieder mit ihnen!"
Und sie schlugen mit aller Gegenständen so lange auf die Märtyrer ein, bis diese wie tot zu Boden stürzten. Das geschah um die neunte Stunde. Wegen des Geschrei des Pöbels verblieben sie dort bis Mitternacht. Um Mitternacht ließ der Richter sie entkleiden, an Pfähle festbinden und derart grausam geißeln, daß ihre Leiber völlig zerfetzt waren, so daß sie sich selbst nicht mehr aufrecht halten konnten. Schließlich stieß man sie in einen Kerker schlimmster Art. Dort band man sie auf spitze Pfähle fest, so daß sie ohne Unterlaß durch schreckliche Foltern gequält wurden.
Am dritten Tag wurden sie zum dem Platze geführt, wo Verbrecher gewöhnlich bestraft wurden. Vor dem Befehlshaber, dem Richter und einer Menge Soldaten mit gezogenen Schwertern und einem lodernden Scheiterhaufen fragte man sie nochmals, ob sie ihre Behauptung zurücknehmen und Sarazenen werden wollten, um so dem Tod zu entgehen.

Sie aber sagten: "Wir stehen zu unserer Aussage und predigen euch, bekehrt euch und laßt euch taufen. Wißt, daß wir um Christi willen und unseres Glaubens an ihn weder das irdische Feuer noch den zeitlichen Tod fürchten."

Als dies die Schar der umstehenden Sarazenen hörte, stürzten sich alle wie besinnungslos vor Wut auf die Märtyrer, hackten sie grausam in Stücke, s0 daß sie kein menschlichen Aussehen mehr hatten. Dann warfen sie die zerstückelten Leiber ins Feuer, die aber trotzdem nicht verbrannten. Die Menge bleib den ganzen Tag dabei stehen, um zu gaffen, und schleppte immer neues Holz herbei bis in die Nacht hinein. Sie verstreuten die Asche und versteckten die Gebeine, damit die Christen sie nicht finden konnten.

(Franziskanisches Stundenbuch, ebd)

Kathedrale des hl. Jakobus, Sibenik

Freitag, 11. November 2016

Gar nicht bekannt: Martin als bischöflicher Exorzist (3/3)

Martin befreit von unreinen Geistern, St. Gatien, Tours
 
Zur selben Zeit wurde ein Knecht des Prokonsuls Tetradius vom Teufel ergriffen und zum Erbarmen gequält. Martinus wurde gebeten, er möge ihm die Hand auflegen. Er gab den Auftrag, den Unglücklichen zu ihm zu führen.

Allein der böse Geist war auf keine Weise aus dem Zimmer zu bringen, das der Besessene bewohnte. Gegen alle, die ihm nahen wollten, fletschte er so wütend die Zähne. Da warf sich Tetradius dem Heiligen zu Füßen und drang in ihn, er möge doch ins Haus kommen, wo der Besessene war. Martinus erklärte, er könne das Haus eines Heiden nicht betreten. Tetradius lebte nämlich damals noch im Irrwahne des Heidentums; aber jetzt versprach er, Christ zu werden, wenn sein Knecht vom Teufel befreit würde. 

Martinus legte nun dem Knecht die Hand auf und trieb den unreinen Geist aus. Als Tetradius das sah, glaubte er an den Herrn Jesus, ließ sich sogleich unter die Katechumenen aufnehmen und wurde bald darnach getauft. Er brachte von da an Martinus, dem er sein Heil verdankte, grenzenlose Verehrung entgegen.

Martin exorziert einen Besessenen, St. Gatien, Tours

In der gleichen Stadt besuchte Martinus zur selben Zeit das Haus eines Mannes. Er blieb schon an der Türschwelle stehen und sagte, er sehe im Vorraum des Hauses einen abscheulichen Teufel.

Als Martinus diesem befahl zu weichen, fuhr er in den Koch jenes Herrn , während er gerade in einem Gemach im Innern des Hauses weilte. Der Arme biß um sich und zerfleischte alle, die in seine Nähe kamen. Das ganze Haus geriet in Bestürzung, das Gesinde ward ganz verstört, das Volk stob auseinander. Da trat Martinus dem Wütenden entgegen und hieß ihn zunächst stille stehen, Dieser knirschte mit den Zähnen, riß den Rachen weit auf und drohte zu beißen.

Martinus legte ihm seine Finger in den Mund. "Vermagst du etwas", sprach er, "so verschlinge sie," Da war's, als wäre ihm ein glühend Eisen in den Rachen gesteckt worden — er sperrte die Kiefer weit auseinander und hütete sich, die Finger des Heiligen zu berühren.
Durch diese qualvolle Strafe wurde der Teufel gezwungen, den Besessenen zu verlassen. Da er aber durch den Mund den Ausweg nicht nehmen konnte, fuhr er im Unrat des Leibes aus und ließ schmutzige Spuren zurück.
(Vita sancti Martini, 17)

Weniger bekannt: Martin als Zerstörer heidnischer Kulte (2/3))

links: der Baum wird gefällt, die Kraft seines Gebetes rettet den hl. Martin, rechts: viele bekehren sich und bitten um
um die Taufe, als sie dieses Wunder sehen, Saint Gatien, Tours, um 1300

oder: Wege der Neuevangelisierung:

Ein andermal hatte er in einem Dorf einen uralten Tempel zerstört. Er war eben im Begriff, eine Föhre, die ganz nahe beim Heiligtum stand, umzuhauen. Da widersetzen sich die dortigen Oberpriester mit der ganzen Schar der Heiden. Während der Zerstörung des Tempels hatten sie sich auf Gottes Geheiß ruhig verhalten. Den Baum wollten sie jedoch nicht auch noch fällen lassen. Martinus redete ihnen eindringlich zu, der Baum berge nichts Heiliges in sich; sie sollten sich lieber dem Gott anschließen, dem er selbst diene; der Baum müsse gefällt werden, weil er dem bösen Geist geweiht sei.
Da sprach einer aus ihrem Kreise, der verwegener war als die andern: "Wenn du etwas Vertrauen hast zu dem Gott, den du zu verehren vorgibst, so laß uns den Baum umhauen und du mußt ihn im Sturz aufhalten. Ist dein Gott, wie du sagst, mit dir, so wirst du unverletzt bleiben". Martinus sagte das zu; denn er kannte keine Furcht und vertraute fest auf Gott. Die ganze Heidenschar war jetzt mit dieser Bedingung einverstanden; gern wollten sie ihren Baum fallen sehen, wenn sie nur durch seinen Sturz auch den Feind ihrer Heiligtümer erschlagen sähen. Die Föhre stand nach einer Seite geneigt. Es war klar, nach welcher Seite sie beim Umhauen fallen mußte. Martinus ließ sich fesseln und nach dem Willen der Heiden gerade dorthin stellen, wohin nach jedermanns Überzeugung der Baum stürzen mußte. Alsbald begannen sie in unbändiger Freude damit, die Föhre umzuhauen. Eine neugierige Schar schaute von ferne zu. Schon fing die Föhre an zu wanken und drohte umzustürzen. Die Mönche standen schreckensbleich in einiger Entfernung und waren voll Entsetzen, da die Gefahr näher kam; sie hatten alle Hoffnung und alles Vertrauen aufgegeben und warteten nur mehr auf den Tod des Martinus. Der aber harrte voll Gottvertrauen furchtlos aus.
Schon krachte die Föhre, sie neigte sich, sie sank, sie fiel schon auf ihn, da erhob Martinus seine Hand gegen sie und setzte ihr das Zeichen des Heiles entgegen. Wie von einem Wirbelsturm erfaßt, wurde sie da zurückgeworfen und stürzte nach der entgegengesetzten Richtung. Beinahe hätte sie dabei die Heiden, die sich dort sicher glaubten, zu Boden geschlagen. Durch lautes Schreien gaben die Heiden ihrem Staunen über das Wunder Ausdruck. Die Mönche aber weinten vor Freude. Alle priesen zusammen den Namen Christi. Es zeigte sich klar, daß dieser Tag jener Gegend Heil gebracht habe. Denn kaum einer war unter dieser großen Heidenschar, der nicht um die Handauflegung gebeten, den Irrwahn des Heidentums aufgegeben und an den Herrn Jesus geglaubt hätte. Bevor Martinus gekommen war, hatten in diesen Gegenden nur wenige, fast niemand, das Christentum angenommen.
Durch die Wundermacht und das Beispiel des Heiligen erstarkte das Christentum so sehr, daß sich jetzt dort kein Gau findet, der nicht mit vielbesuchten Kirchen oder stark bevölkerten Klöstern ganz besät wäre. Martinus hatte nämlich die Gewohnheit, überall dort, wo er Heidentempel zerstörte, sofort Kirchen oder Klöster zu bauen.
(Vita sancti Martini, 13)

Der hl. Martin, wie ihn jeder kennt (1/3)

Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler, Glasmalerei um 1300, Saint Gatien, Tours



Einmal, er besaß schon nichts mehr als seine Waffen und ein einziges Soldatengewand, da begegnete ihm im Winter, der ungewöhnlich rauh war, so daß viele der eisigen Kälte erlagen, am Stadttor von Amiens ein notdürftig bekleideter Armer. Der flehte die Vorübergehenden um Erbarmen an. Aber alle gingen an dem Unglücklichen vorbei. Da erkannte der Mann voll des Geistes Gottes, daß jener für ihn vorbehalten sei, weil die andern kein Erbarmen übten. Doch was tun? Er trug nichts als den Soldatenmantel, den er umgeworfen, alles Übrige hatte er ja für ähnliche Zwecke verwendet.

Er zog also das Schwert, mit dem er umgürtet war, schnitt den Mantel mitten durch und gab die eine Hälfte dem Armen, die andere legte er sich selbst wieder um. Da fingen manche der Umstehenden an zu lachen, weil er im halben Mantel ihnen verunstaltet vorkam. Viele aber, die mehr Einsicht besaßen, seufzten tief, daß sie es ihm nicht gleich getan und den Armen nicht bekleidet hatten, zumal sie bei ihrem Reichtum keine Blöße befürchten mußten.
In der folgenden Nacht nun erschien Christus mit jenem Mantelstück, womit der Heilige den Armen bekleidet hatte, dem Martinus im Schlafe. Er wurde aufgefordert, den Herrn genau zu betrachten und das Gewand, das er verschenkt hatte, wieder zu erkennen. Dann hörte er Jesus laut zu der Engelschar, die ihn umgab, sagen: "Martinus, obwohl erst Katechumen, hat mich mit diesem Mantel bekleidet". Eingedenk der Worte, die er einst gesprochen: "Was immer ihr einem meiner Geringsten getan, habt ihr mir getan", erklärte der Herr, daß er im Armen das Gewand bekommen habe. Um das Zeugnis eines so guten Werkes zu bekräftigen, würdigte er sich in dem Gewände, das der Arme empfangen hatte, zu erscheinen.
Trotz dieser Erscheinung verfiel der selige Mann doch nicht menschlicher Ruhmsucht, vielmehr erkannte er in seiner Tat das gütige Walten Gottes und beeilte sich, achtzehnjährig, die Taufe zu empfangen. Er entsagte jedoch dem Heeresdienst noch nicht sogleich, da er den Bitten seines Tribuns nachgab, mit dem er in vertrauter Kameradschaft zusammenlebte. Denn jener versprach, nach Ablauf seiner Dienstzeit als Tribun der Welt den Rücken zu kehren. Durch diese Zusage ließ sich Martinus bestimmen, noch ungefähr zwei Jahre lang nach seiner Taufe, freilich nur dem Namen nach, zu dienen
(Vita sancti Martini, 3)

Donnerstag, 10. November 2016

Päpstlicher Gruß und Segen aus der Benediktionsloggia des Lateran






Die Heiligen Apostel Petrus und Paulus, auf deren Machtfülle und Autorität wir vertrauen, sie selbst mögen beim Herrn für uns Fürsprache halten.

Amen.

Aufgrund der Fürsprache und der Verdienste der seligen allzeit jungfräulichen Mutter Maria, des heiligen Erzengels Michael, des heiligen Johannes des Täufers und der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, erbarme sich euer der allmächtige Gott und nachdem er alle eure Sünden vergeben hat, führe euch Jesus Christus zum ewigen Leben.

Amen.

Der allmächtige und barmherzige Herr gewähre Euch Nachlass, Vergebung und Verzeihung all eurer Sünden, einen Zeitraum echter und fruchtbarer Reue, ein allzeit bußfertiges Herz und Besserung des Lebens, die Gnade und die Tröstung des Heiligen Geistes und die endgültige Ausdauer in den guten Werken.

Amen.