Sonntag, 26. November 2023

Der Weltenrichter (Hans Memling)

 

O mein Jesus, führe alle Seelen in den Himmel,
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 25

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
31Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
und alle Engel mit ihm,
dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
32Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
und er wird sie voneinander scheiden,
wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
33Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen,
die Böcke aber zur Linken.
34Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
empfangt das Reich als Erbe,
das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
35Denn ich war hungrig
und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig
und ihr habt mir zu trinken gegeben;
ich war fremd
und ihr habt mich aufgenommen;
36ich war nackt
und ihr habt mir Kleidung gegeben;
ich war krank
und ihr habt mich besucht;
ich war im Gefängnis
und ihr seid zu mir gekommen.
37Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und dir zu essen gegeben
oder durstig
und dir zu trinken gegeben?
38Und wann haben wir dich fremd gesehen
und aufgenommen
oder nackt
und dir Kleidung gegeben?
39Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
und sind zu dir gekommen?
40Darauf wird der König ihnen antworten:
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.
41Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
in das ewige Feuer,
das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
42Denn ich war hungrig
und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
ich war durstig
und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
43ich war fremd
und ihr habt mich nicht aufgenommen;
ich war nackt
und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
ich war krank und im Gefängnis
und ihr habt mich nicht besucht.
44Dann werden auch sie antworten:
Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
oder fremd oder nackt
oder krank oder im Gefängnis gesehen
und haben dir nicht geholfen?
45Darauf wird er ihnen antworten:
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
das habt ihr auch mir nicht getan.
46Und diese werden weggehen

zur ewigen Strafe,
die Gerechten aber
zum ewigen Leben.

Evangelium des Christkönigsfestes, Lesejahr A

Triptychon (Kopie) v. Hans Memling (bis 1471), Marienkirche, Danzig
Auf der Mitteltafel sieht man Jesus als Weltenrichter sitzend auf einem Regenbogen (Offb 4,3 EU). Lilie und Schwert befinden sich links und rechts seines Mundes und bezeichnen die Seiten der Erlösten und der Verdammten. An seiner rechten Seite kniet Maria, an seiner linken Seite Johannes der Täufer mit einem rotgefütterten schwarzen Mantel über seinem Fellgewand. Im Halbkreis sind die zwölf Apostel angeordnet. Unter Jesus steht der Erzengel Michael, gewappnet in einen Harnisch, als Seelenwäger. Das Schicksal der Verdammten ist auf der rechten Tafel dargestellt. Von Teufeln ergriffen werden sie in die Hölle gezogen. Auf der linken Seite ist die Aufnahme der Glückseligen ins Paradies (Himmlisches Jerusalem) zu sehen; sie werden von Petrus begrüßt und anschließend neu eingekleidet.(wiki)

Das Evangelium, das wir soeben gehört haben, sagt uns, daß Jesus, der Menschensohn, der endgültige Richter über unser Leben, die Gestalt derer annehmen wollte, die Hunger und Durst haben, die fremd, nackt, krank, oder gefangen sind, schließlich all der Menschen, die leiden oder beiseitegeschoben werden; unser Verhalten ihnen gegenüber wird also als das Verhalten angesehen werden, das wir Jesus selbst entgegenbringen. Sehen wir darin nicht eine bloße literarische Formel, ein bloßes Bild! Das ganze Leben Jesu veranschaulicht es. Er, der Sohn Gottes, ist Mensch geworden, hat unser Leben bis in die konkretesten Einzelheiten hinein geteilt, indem er sich zum Diener des Geringsten seiner Brüder gemacht hat. Er, der keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, sollte später dazu verurteilt werden, am Kreuz zu sterben. Das ist der König, den wir feiern!

Zweifellos kann uns das befremdend erscheinen! Noch heute wie vor 2000 Jahren haben wir, die wir gewöhnlich die Zeichen des Königtums in Erfolg, Macht, Geld oder Herrschaft sehen,  unsere Schwierigkeiten damit, einen solchen König zu akzeptieren, einen König, der sich zum Diener der Geringsten, der Niedrigsten macht, einen König, dessen Thron das Kreuz ist. Und dennoch, so sagt uns die Schrift, geschieht es in dieser Weise, daß sich die Herrlichkeit Christi offenbart; in der Niedrigkeit seines Erdenlebens findet er seine Macht, die Welt zu richten. Herrschen bedeutet für ihn dienen! Und was er von uns verlangt, ist, ihm auf diesem Weg zu folgen, zu dienen, aufmerksam zu sein für den Schrei des Armen, des Schwachen, des Ausgegrenzten. Der Getaufte weiß, daß die Entscheidung, Christus nachzufolgen, ihm große Opfer abverlangen kann, manchmal sogar das des eigenen Lebens. Aber – wie uns der heilige Paulus in Erinnerung gerufen hat – Christus hat den Tod besiegt, und er zieht uns hinter sich her in seine Auferstehung hinein. Er führt uns in eine neue Welt ein, in eine Welt der Freiheit und des Glücks. Noch heute halten uns so viele Bindungen an die alte Welt, so viele Ängste gefangen und hindern uns daran, frei und glücklich zu leben. Lassen wir uns durch Christus von dieser alten Welt befreien! Unser Glaube an ihn, der Sieger über all unsere Ängste und all unser Elend ist, schenkt uns den Zugang zu einer neuen Welt, zu einer Welt, in der Gerechtigkeit und Wahrheit keine Farce sind, zu einer Welt der inneren Freiheit und des Friedens mit uns selbst, mit den anderen und mit Gott. Das ist das Geschenk, das Gott uns in unserer Taufe gemacht hat!

„Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist“ (Mt 25,34). Nehmen wir dieses Segenswort, das der Menschensohn am Tag des Gerichts an diejenigen richten wird, die seine Gegenwart unter den Niedrigsten seiner Brüder erkannt haben, in ein freies und von Liebe zum Herrn erfülltes Herz auf! Brüder und Schwestern, dieser Abschnitt aus dem Evangelium ist wirklich ein Wort der Hoffnung, denn der König des Universums ist uns ganz nahe gekommen, hat sich zum Diener der Geringsten und der Niedrigsten gemacht. Und ich möchte mich mit großer  Zuneigung an alle Leidenden wenden, an die Kranken, an die mit AIDS oder anderen Krankheiten infizierten, an alle, die von der Gesellschaft vergessen werden. Faßt Mut! Der Papst ist euch nahe im Gebet und mit seinen Gedanken. Faßt Mut! Jesus hat sich mit dem Geringen, mit dem Kranken identifizieren wollen; er wollte euer Leiden teilen und hat in euch Brüder und Schwestern gesehen, um euch von allem Übel, von allem Leiden zu befreien! Jeder Kranke, jeder Arme verdient unsere Achtung und unsere Liebe, denn durch ihn zeigt Gott uns den Weg zum Himmel.

(Papst Benedikt XVI, aus einer Predigt am 20.11.2011)

Donnerstag, 23. November 2023

Glaube an die Wiederkunft des Herrn (Klemens von Rom)

 

Martyrium des hl. Klemens, S. Clemente, Rom

1, Der in allem barmherzige und gütige Vater hat ein Herz für die, die ihn fürchten, gerne und freudig gibt er seine Gnadenerweisungen denen, die einfältigen Herzens zu ihm kommen.
2. Deshalb sollen wir nicht zweifeln, und unsere Seele soll sich nicht aufblähen ob seiner überreichen und herrlichen Gnadengaben.
3. Nimmer passe auf uns dieser Schrifttext, wo es heißt: „Unglücklich sind die Zweifler, die geteilten Herzens sind und sagen: Dies haben wir gehört auch schon zur Zeit unserer Väter, und siehe, wir sind alt geworden, und nichts davon ist uns zugekommen. 4. O ihr Toren, vergleichet euch mit einem Baum; nehmet einen Weinstock: zuerst verliert er die (alten) Blätter, dann wächst eine Knospe, dann ein Blatt, dann eine Blüte, hernach eine saure Traube, und dann erst ist die reife Traube da".
Ihr sehet, dass in kurzer Zeit die Frucht des Baumes zur Reife gelangt.
5. Wahrhaftig, schnell und plötzlich wird sein Wille Vollendung finden, da ja auch die Schrift selbst hierfür Zeugnis gibt: „Schnell wird er kommen und nicht zögern, und plötzlich wird einziehen der Herr in seinen Tempel und der Heilige, den ihr erwartet".

(Brief des Klemens von Rom an die Korinther, 23. Kapitel

Apsismosaik, S. Clemente, Rom

Mittwoch, 22. November 2023

Warum ist Cäcilia Patronin der Kirchenmusik?

 

Blick über die Stadt Linz vom Linzer Dom

Fenster der hl. Cäcilia hinter der Orgel

 

In der Passio Sanctae Caeciliae aus dem 5. Jahrhundert heißt es: „Während Instrumente spielten sang Cäcilia dem Herrn mit den Worten: Möge mein Herz unbefleckt sein, damit ich nicht verderbe.“ Da der lateinische Ablativ „cantantibus organis – zum Spiel der Instrumente“ auch „Instrumente spielend“ gedeutet werden kann, wurde Cäcilia immer mehr selbst als Musikerin dargestellt und mit der Verbreitung der Orgel dann auch als Organistin.

Heilige Cäcilia, bitte für uns!

Sonntag, 19. November 2023

Gott ist verreist, Parabel von den Talenten (H. U. v. Balthasar)

Heute gedenkt die Kirche der heiligen Elisabeth von Thüringen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus 25

In jener Zeit
erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
14Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.
Er rief seine Diener
und vertraute ihnen sein Vermögen an.
15Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld,
einem anderen zwei,
wieder einem anderen eines,
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste er ab.
16Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte, hin,
wirtschaftete mit ihnen
und gewann noch fünf weitere dazu.
17Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte,
noch zwei weitere dazu.
18Der aber, der das eine Talent erhalten hatte,
ging und grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn.
19Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück
und hielt Abrechnung mit ihnen.
20Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte,
brachte fünf weitere
und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben;
sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.
21Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.
Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
22Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte,
und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben;
sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.
23Sein Herr sagte zu ihm:
Sehr gut,
du tüchtiger und treuer Diener.Über Weniges warst du treu,
über Vieles werde ich dich setzen.
Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!
24Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte,
und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist;
du erntest, wo du nicht gesät hast,
und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
25weil ich Angst hatte,
habe ich dein Geld in der Erde versteckt.
Sieh her, hier hast du das Deine.
26Sein Herr antwortete und sprach zu ihm:
Du bist ein schlechter und fauler Diener!
Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
27Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen,
dann hätte ich es bei meiner Rückkehr
mit Zinsen zurückerhalten.
28Nehmt ihm also das Talent weg
und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
29Denn wer hat,
dem wird gegeben werden
und er wird im Überfluss haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
30Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus
in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

(Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A) 

Gleichnis von den Talenten, St. Mary Abbots, London

"Den ganzen Tag muß ich hören: Wo ist dein Gott?" (Ps 42,4). Er ist verreist. "Ein vornehmer Mann begab sich in ein fernes Land, um dort die Königswürde zu empfangen und nachher zurückzukehren" (Lk 19,12).
Jesus, der die Parabel von diesem Mann erzählt, ist im Begriff, in Kreuz und Tod zu verreisen, den Tag seiner Wiederkunft kann er nicht angeben, weil nicht einmal er, sondern nur der Vater ihn kennt (Mk 13,32). Es hat keinen Sinn, dem Verschwundenen nachzustarren: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" (Apg 1,11).

Vor der Abreise hatte der "vornehme Mann" seine Knechte herbeigerufen und "ihnen sein Vermögen anvertraut" (Mt 25,14) - das ganze offenbar, denn es ist von keiner Beschränkung die Rede, und es wird gesagt, daß er ihnen die "exousia", die "Voll-Macht" darüber überließ (Mk 13,42) -, was er aber dem einzelnen zumaß, bestimmte er nach dessen "Fähigkeiten". "Dann verreist er" (ebd. 15).

Was Gott besitzt, vertraut er den Menschen an, darin liegt ein unbegreiflicher Akt  des Vertrauens; indem er ihnen alles, was er hat, in die Hände legt - mehr kann er ihnen nicht geben -, haben sie mit der Fülle des Seinigen ihn selbst, zugleich als das ihnen wirklich Gegebene und dennoch als das Seine, das Ihnen zur Verwaltung anvertraut ist. Und da sie von ihm nichts Höheres erwarten können, verschwindet er hinter der Gabe.

Wer in der Gabe den Geber erkennt, weiß unmittelbar, daß sie nur im Geist des Gebers zu verwalten ist: im ursprünglichen Schenkungsakt liegt eine Großmut und Fruchtbarkeit, die nur durch entsprechende großmütige und fruchtbare Verwaltung beantwortet werden kann. Es ist wichtig, daß die Knechte die vollkommene Einheit sehen zwischen der Gabe und der in ihr liegenden Forderung, die Forderung des Fruchtbarmachens liegt unmittelbar in der Großmut des Geschenks. Keinesfalls werden die Knechte unterscheiden dürfen zwischen "wirklich übergeben" und "bloß geliehen". Das wird vollends evident, wenn wir vom Gleichnis auf die darin gemeinte Wahrheit hindurchblicken: Was uns von Gott anvertraut ist: unser Dasein mit all seinen Möglichkeiten, ist uns wirklich anvertraut, so endgültig, daß es uns gar nicht mehr genommen werden kann, und dennoch ist dieses Geschenk eine Leihgabe aus dem Schatz Gottes (der alles Sein ist), worin liegt, daß das Geschenk entsprechend seinem Gabe-Charakter zu behandeln ist.

Wer verstanden hat, daß sein Dasein untrennbar echtes Geschenk und Leihgabe ist, der wird darin die Artung des "verreisten" Gebers erkennen, der sich darum unsichtbar macht, damit wir ihn am Gabe-Charakter unseres Daseins erkennen - denn darin ist er gegenwärtig, "denn keinem von uns ist er fern" (Apg 17,27), "seine Unsichtbarkeit wird, am Gewirkten erkennbar, geschaut" (Röm 1,20). Andere, denen diese Schau des Unsichtbaren am Gewirkten nicht gelingt, schreien freilich den ganzen Tag: "Wo ist dein Gott?" Und da sie ihn (weil sie so schreien) nicht finden, werden sie sich im Bereich dessen, was sie zu erkennen vermögen, einen Gott-Ersatz bilden: "Nichtigkeiten" (Röm 1,21).

Der Mann in der Parabel, der nur ein Talent erhalten hat, hat die Einheit von Geschenk und Leihgabe nicht verstanden. Er erkennt im Geschenk die Güte nicht, sondern nur die Forderung, und verstrickt sich deshalb in  offenen Widerspruch. Da er zur Rechenschaft gezogen wird, bekennt er: "Ich wußte, daß du ein strenger Mann bist: du erntest, was du nicht gesät hast und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast", und "weil ich Angst hatte" - nun meint man, hätte er sich im Schweiß seines Angesichts angestrengt, diesem unerbittlichen Hernn zu genügen, aber nein: "weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde vergraben. Da hast du es wieder."
Sein Dasein hat er im Zeichen der Angst empfangen, einer lähmenden Angst, daraus etwas dem Sinn des Geschenkes Entsprechendes zu wirken. Was er vergrub, war der Sinn für Gabe und Fruchtbarkeit , und so wurde die Gabe selbst für ihn sinnlos. Er gibt das Empfangene nicht mit der darin liegenden Fruchtbarkeit zurück, sondern wirft es dem Geber hin, ähnlich wie Judas die Silberlinge im Tempel hinwirft, da weder er noch die Hohenpriester mehr Verwendung dafür haben (Mt 27,5). Dem "faulen Knecht" wird weggenommen, was er hatte , ohne es zu verwerten, und dem gegeben, der das Wesen der Gabe erkannt hat. "Wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat" (Mt 25,29), heißt also: Wer im "verreisten Gott" den in seiner Gabe gegenwärtigen nicht erkennt - obwohl er es könnte (denn er widerspricht sich damit selbst) -, für den wird sein Dasein (das "er hat") so wertlos, daß er an ihm nichts mehr hat.
(Hans Urs von Balthasar, Du hast Worte ewigen Lebens, 17ff.)

St. Mary Abbots, London