Dienstag, 3. März 2026

Bin bereit den letzten Blutstropfen hinzugeben für das Heil der Seelen - Liberat Weiss OFM

 

Detail, Steinigung der franziskanischen Märtyrer

Liberat Weiss Gedenkstätte in der Franziskanerkirche Graz

Glasfenster in der Grazer Franziskanerkirche


Lasset uns beten: 
Allmächtiger Gott,
Du hast den seligen Priestern und Märtyrern Liberat, Samuel und Michael Pius die Gnade geschenkt,
mit ihrem Blut Zeugnis abzulegen für den katholischen Glauben.
Auf ihre Fürbitte und Kraft ihrer Verdienste gewähre,
dass alle Christen ihren Glauben mutig bekennen
und alle Völker zum Licht des Evangeliums gelangen.
Darum bitten wir durch unsern Herrn Jesus Christus,
deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Liberat Weiss, Franziskanerkloster Maria Lankowitz

Seliger P. Liberat Weiß OFM und Gefährten (1675-1716), Märtyrer (Quelle)

P. Liberat wurde am 4. Jan. 1675 in Konnersreuth in der nördlichen Oberpfalz geboren und auf den Namen „Johannes Laurentius“ getauft. Mit 18 Jahren bat er um Aufnahme in die österreichische Franziskanerprovinz. Am 13. Oktober 1693 wurde er in Graz als ´“Frater Liberat“ eingekleidet
und empfing nach Ablegung der feierlichen Gelübde und theologischer Ausbildung am 14. September
1698 in Wien durch Erzbischof Leopold Kardinal Kolonitz die Priesterweihe. Zunächst als Prediger und
Beichtvater in Langenlois/Niederösterreich und Graz tätig, hörte er, dass König Yasu von Äthiopien Papst
Clemens XI. um Franziskaner-Missionare gebeten habe. Sie sollten die Union der äthiopischen Kirche
mit Rom vorbereiten, um die sich bereits Jesuiten und französische Kapuziner ohne bleibenden Erfolg bemüht hatten.
Als Missionar in Ägypten und Äthiopien In Nachfolge seines Ordensvater Franz von Assisi, der den Missionsgedanken in seine Regel aufgenommen hatte, meldete sich P. Liberat für Äthiopien. Er reiste nach Rom, wo er am 4. April 1704 von der Kongregation für die Glaubensverbreitung als Missionar
angenommen wurde. Nach kurzer Ausbildung, die auch die Vermittlung medizinischer Kenntnisse in sich schloss, begab er sich zusammen mit anderen Mitbrüdern nach Ägypten. Am 1. Januar 1705 brachen die Missionare von Kairo aus auf, um zunächst das Missionshospiz der Franziskaner in Ahmim/Oberägypten zu erreichen. Unter Leitung des Apostolischen Präfekten P. Joseph von Jerusalem reisten die neun Missionare, darunter auch P. Liberat, durch die Wüste weiter und kamen unter großen Strapazen bis nach
Sennar im heutigen Sudan. Der dort herrschende König Bade hinderte sie an der Weiterreise, hielt sie jahrelang fest und bedrohte die Franziskaner mit dem Tode. Einige Mitbrüder, auch P. Joseph, der P. Liberat zum Vizepräfekten ernannt hatte, starben an Entkräftung. Die Überlebenden wurden schließlich von König Bade ausgeraubt und völlig mittellos nach Ägypten zurückgeschickt.
Nach dem Scheitern der ersten Missionsreise berichtete P. Liberat am 28. Dezember 1710 nach Rom, schilderte den Tod des Präfekten und die trostlose Situation. Nur er und P. Michael Pio hätten „hungernd, von allen verachtet und misshandelt, in tausend Nöten und Verfolgungen“ überlebt. Aber er fügte auch hinzu: „Als Untergebener bin ich bereit, auch meinen letzten Blutstropfen hinzugeben, im Dienste Gottes, unserer hl. Mutter der Kirche, für das Heil der Seelen in Äthiopien.“ – 

Gegen seinen Willen am 20. April 1711 von der Kongregation für die Glaubensverbreitung zum Apostolischen Präfekten ernannt, unternahm P. Liberat am 3. November 1711 die zweite Missionsreise nach Äthiopien, diesmal über das Rote Meer. Er wurde begleitet von seinen Mitbrüdern P. Michele
Pio Fasoli (* 3. Mai 1676 in Zerbo/Diözese Pavia) und P. Samuele Marzorato (* 10. Sept. 1670 in Varese/Diözese Mailand). Die Missionare erreichten am 18. April 1712 die äthiopische Hafenstadt Massaua und schließlich die Hauptstadt Gondar. Kaiser Justos, schon der zweite Nachfolger Yasus, empfing die Franziskaner mit allen Ehren und erlaubte ihnen, sich niederzulassen. Sie durften zwar nicht öffentlich predigen, „damit das Volk nicht in Aufruhr gerate“, aber durch gutes Beispiel, unentgeltliche ärztliche Dienste und künstlerische Arbeiten gewannen sie zunehmend an Ansehen. Mit dem Kaiser, aber auch
mit den Mönchen des Landes führten sie immer wieder fruchtbare religiöse Gespräche.

Bald hatte es den Anschein, als könne es P. Liberat und seinen Gefährten gelingen, die von Rom getrennten Christen Äthiopiens durch eine Union mit der Mutterkirche zu vereinen. Als aber die Gegner einer solchen Union, besorgt um Macht und politischen Einfluss, diese Entwicklung erkannten, verbreiteten sie Gerüchte über die katholischen Missionare und es gelang ihnen, das Volk aufzuwiegeln. Um die Situation zu entschärfen, sandte Kaiser Justos die Franziskaner in die noch sichere Provinz Tigre. Doch nun richtete sich der Hass der fanatischen Gegner der Union mit Rom und mit ihnen das aufgehetz-
te Volk gegen den Kaiser, den sie durch eine Revolution zur Abdankung zwangen. Nachdem am 26. Januar 1726 David III. den Thron bestiegen hatte, ließ er die drei Missionare nach Gondar zurückholen und vor ein Gericht stellen. Am 2. März kam es zum Prozess.
Weil sich P. Liberat und seine Gefährten treu und furchtlos zu Kirche und Papst bekannten, weil sie König, Richter und Volk der Äthiopier von der Richtigkeit ihres Auftrages im Dienste einer Union zu überzeugen suchten, wurden sie zum Tode durch Steinigung verurteilt. Nach erfolgtem Richterspruch bot ihnen König David die Begnadigung an, wenn sie sich beschneiden ließen und an der äthiopischen Eucharistie teilnehmen würden. Die drei Missionare wiesen das Angebot entschlossen zurück. Sie zogen das Marty-
rium für den katholischen Glauben vor. In Ketten gelegt und ihrer Kleider beraubt wurden sie am 3. März 1716 zum Hinrichtungsplatz Abbo, unweit der Hauptstadt, geschleppt und dort von der aufgebrachten Volksmenge gesteinigt. Standhaft im Glauben und gottergeben bis zuletzt erlitten P. Liberat und seine Gefährten den Martyrertod. Das Andenken an die drei Blutzeugen (Märtyrer) ist im Franziskanerorden, in Bayern, Österreich und Italien, aber auch in Äthiopien niemals erloschen.

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