Donnerstag, 27. Dezember 2018

Der Evangelist Johannes (2)

Johannes der Evangelist, Corpus Christi Brixton, London

Das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt.
Und wir haben seine Herrlichkeit geschaut.
Halleluja.
(Benediktusantiphon)

Der Evangelist Johannes (1)

Kreuzigungsgruppe, Maria, Maria Magdalena und Johannes,
St Matthew´s Westminster, London



Dies ist Johannes.
Ihm hat der Herr am Kreuz seine Mutter anvertraut,
die Jungfrau dem Jungfräulichen.
(2. Antiphon der Laudes)

Apostel, Evangelist
Namensdeutung: Gott ist gnädig (hebr.)
Namenstage: Johannes, Jan, Janis, Juan, Jean, John, Hans, Hannes, Johann, Yannik, weibl.: Johanna, Juana, Jeanne
Gedenktag: 27. Dezember
Lebensdaten: geboren in Betsaida, heute Syrien, gestorben um 100 in Ephesus, heute Türkei
Lebensgeschichte: Johannes war zunächst ein Jünger des Täufers Johannes und begab sich als einer der ersten in die Nachfolge Jesu. Er war Zeuge besonderer Momente im Leben und Wirken des Herrn: seiner Verklärung auf dem Berg Tabor und seiner Todesangst im Garten Gethsemane. Beim Letzten Abendmahl ruhte er als „Jünger, den Jesus liebte“, an der Brust des Herrn. Als einziger der Apostel war er bei der Kreuzigung anwesend, und unter dem Kreuz gab Jesus ihm Maria zur Mutter. Sie wohnte bei ihm bis zu ihrem Tod.
Johannes war Zeuge des leeren Grabes und des Auferstandenen. Er wirkte mindestens bis zum Apostelkonzil im Jahr 48 zusammen mit Petrus in Jerusalem und Samaria. Um 66 begab sich Johannes nach Ephesus, bis er von Kaiser Domitian auf die Insel Patmos verbannt wurde. Dort verfasste er seine Geheime Offenbarung. Zurück in Ephesus schrieb der Apostel sein Evangelium sowie die drei Briefe, die auf ihn zurückgehen. Im hohen Alter starb er um das Jahr 100 in Ephesus eines natürlichen Todes.
Verehrung, Legende und Brauchtum: Der Brauch der Johannesweinsegnung („Johannesminne“) geht neben dem Ruhen an der Brust des Herrn vermutlich auf die Legende vom Giftbecher zurück: Als Johannes den Götzendienst in einem Diana-Tempel störte und deswegen vergiftet werden sollte, machte er über dem Becher das Kreuzzeichen, und das Gift entwich in Form einer Schlange. Das Symbol des Adlers, das ihn als Evangelisten auszeichnet, kommt vom theologischen „Höhenflug“ des sogenannten Johannesprologs am Anfang seines Evangeliums.
Darstellung: im Westen als junger, im Osten als alter Apostel mit Kelch, Schlange, Schreibfeder, Buch und Adler
Patron: der Theologen, der Winzer, Notare, Beamten, Bildhauer, Buchhändler und Buchdrucker, der Glaser, Graveure, Kerzenzieher, Korbmacher, Maler, Metzger, Papierfabrikanten, Sattler, Spiegelmacher; der Freundschaft; Helfer gegen Brandwunden, Fußleiden, Epilepsie und Vergiftungen, bei Hagel und für eine gute Ernte
(Bistum Augsburg)

St Matthew´s Westminster, London

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Stephanus

Ich sehe den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes, Stephanusfenster in St. Eienne, Toulouse

Lesung aus der Apostelgeschichte (Kap 6 und 7)
In jenen Tagen 8tat Stephanus, voll Gnade und Kraft, Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
9Doch einige von der so genannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;
10aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
54Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen.
55Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
56und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
57Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los,
58trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
59So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
60Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.




Stephanus und Pauls - Katechese Kardinal Schönborn (Relief beim Eingangstor von St. Paul vor den Mauern)

Grab des hl. Stephanus (S. Lorenzo fuori le Mura in Rom)

Steinigung des Stephanus (Chorfenster des Wiener Stephansdoms)

Papst Benedikt über Stephanus (Glasfenster der Steinigung im Kölner Dom)

Hochaltargruppe im Passauer Dom St. Stephan (hier und hier)

Der Stephanusaltar im Stephansdom

Stephanusfenster in All Saints, Cambridge

Stephanus, Saint Etienne, Toulouse


Saint Etienne, Kathedrale von Toulouse

Dienstag, 25. Dezember 2018

Frohe Weihnachten!

Geburt Christi, Saint Jean au Marche, Troyes

zum Hirtenfeld in Bethlehem

zur Geburtskirche in Bethlehem

Von dort, wo die Sonne aufgeht,
bis wo das Land grenzt ans Meer
sei besungen Christus, das Haupt,
aus der Jungfrau Maria gebor´n.

Der selige Schöpfer der Welt
zieht an den knechtlichen Leib,
daß im Fleisch das Fleisch er befreit,
nicht zerstört, was selber er schuf.

In der Mutter verschlossenen Schoß
tritt die himmlische Gnade ein,
ein Mädchen trägt in seinem Leib 
Geheimnis, niemals gekannt.

Das Haus eines Herzens voll Scham
wird plötzlich zum Tempel des Herrn,
die unberührt, mannunbekannt,
durchs Wort erschafft sie den Sohn.

Sie brachte ein Kind zur Welt,
wie Gabriel es ihr gesagt,
das hüpfend im Mutterschoß
Johannes, Verborgen, erkannt.

Zu liegen auf Stroh hielt er aus,
die Krippe schreckte ihn nicht,
es stillte ein Tropfen Milch
den der jeden Vogel ernährt.

Es freut sich der himmlische Chor,
die Engel singen Gott Lob,
der Hirtenschar wird offenbar
der Hirt, der Schöpfer der Welt.

(Hymnus A solis ortus cardine,
A. Stock, Lateinische Hymnen, 71f)

Die Hirten

Verkündigung der Engel an die Hirten, Notre Dame de Chartres


Euch ist der Heiland geboren: Was der Engel den Hirten verkündete, ruft uns Gott durch das Evangelium und durch seine Boten jetzt zu. Dies ist eine Nachricht, die uns nicht gleichgültig lassen kann. Wenn sie wahr ist, ist alles anders. Wenn sie wahr ist, betrifft sie auch mich. Dann muß auch ich wie die Hirten sagen: Auf, ich will hingehen nach Bethlehem und das Wort sehen, das da geschehen ist. Das Evangelium erzählt uns nicht umsonst die Geschichte von den Hirten. Sie zeigen uns, wie wir recht auf die Botschaft antworten, die auch an uns ergeht. Was also sagen sie uns, diese ersten Zeugen der Menschwerdung Gottes?

Von den Hirten wird zunächst gesagt, daß sie Wachende waren und daß die Botschaft sie eben deshalb erreichen konnte, weil sie wach waren. Wir müssen aufwachen, damit die Botschaft zu uns kommt. Wir müssen wirklich Wachende werden. Was heißt das? Der Unterschied zwischen einem Träumenden und einem Wachenden besteht zunächst darin, daß der Träumer sich in einer Sonderwelt befindet. Er ist mit seinem Ich eingeschlossen in diese Welt des Traums, die eben nur seine ist und ihn nicht mit den anderen verbindet. Wachwerden bedeutet, Heraustreten aus der Sonderwelt des Ich in die gemeinsame Wirklichkeit, in die Wahrheit, die allein uns alle eint. Der Streit in der Welt, die Unversöhnlichkeit miteinander rührt davon her, daß wir eingeschlossen sind in die eigenen Interessen und Meinungen, in unsere eigene winzige Sonderwelt. Der Egoismus, der Gruppenegoismus wie der Egoismus des einzelnen hält uns in unseren Interessen und Wünschen gefangen, die gegen die Wahrheit stehen und uns voneinander trennen. Wacht auf – sagt uns das Evangelium. Tretet heraus in die gemeinsame große Wahrheit, in die Gemeinsamkeit des einen Gottes. Wachwerden bedeutet so, den Sinn für Gott entwickeln. Für seine leisen Winke, mit denen er uns führen will. Für die vielfältigen Zeichen seiner Gegenwart. Manche Menschen sagen von sich, daß sie „religiös unmusikalisch“ seien. Die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott scheint wie eine Begabung, die einigen vorenthalten ist. Und in der Tat – die Art unseres Denkens und Handelns, der Denkstil der heutigen Welt, unsere ganzen Erlebnisfelder sind geeignet, den Sinn für Gott abzustumpfen, uns für ihn „unmusikalisch“ zu machen. Und doch ist in jeder Seele verborgen oder offen das Warten auf Gott da, die Fähigkeit, ihm zu begegnen. Um diese Wachheit, dieses Erwachen für das Eigentliche wollen wir beten, für uns selbst und für die anderen, für die scheinbar „Unmusikalischen“, in denen doch die Sehnsucht lebt, Gott möge sich zeigen. Der große Theologe Origenes hat einmal gesagt: Wenn ich die Gnade hätte zu sehen, wie Paulus sah, könnte ich jetzt (während der Liturgie) eine große Schar von Engeln schauen (vgl. in Lk 23, 9). In der Tat – in der heiligen Liturgie stehen Gottes Engel und Heilige um uns. Der Herr selbst ist in unserer Mitte da. Herr, öffne die Augen unserer Herzen, damit wir wachend und sehend werden und so auch anderen deine Nähe zu bringen vermögen.

Kehren wir zum Weihnachtsevangelium zurück. Es erzählt uns, daß die Hirten, nachdem sie die Botschaft des Engels vernommen hatten, zueinander sagten: „'Kommt, wir gehen nach Betlehem' … So eilten sie hin“ (Lk 2, 15f). Ja, sie eilten. Was ihnen da verkündet worden war, war so wichtig, daß sie sofort gehen mußten. In der Tat, was ihnen da gesagt wurde, ging über alles Gewöhnliche hinaus. Es veränderte die Welt. Der Erlöser ist geboren. Der erwartete Sohn Davids ist in seiner Stadt zur Welt gekommen. Was konnte es Wichtigeres geben? Gewiß, auch die Neugier trieb sie, aber doch vor allem die Erregung über das Große, das gerade ihnen, den Kleinen und scheinbar unwichtigen Menschen, gesagt worden war. Sie eilten – ohne Aufschub. In unserem durchschnittlichen Leben ist es nicht so. Die Dinge Gottes erscheinen den meisten Menschen nicht vordringlich, sie bedrängen uns nicht unmittelbar. Und so sind wir, die Allermeisten, gern bereit, sie zu verschieben. Zuerst tut man das jetzt und hier Vordringliche. In der Liste der Prioritäten steht Gott häufig so ziemlich an letzter Stelle. Das kann man immer noch tun, so meint man. Das Evangelium sagt uns: Gott hat höchste Priorität. Wenn irgend etwas in unserem Leben Eile ohne Aufschub verdient, dann allein die Sache Gottes. Ein Grundsatz der Regel des heiligen Benedikt lautet: „Dem Werk Gottes (das heißt dem Gottesdienst) darf nichts vorgezogen werden.“ Der Gottesdienst ist für die Mönche die erste Priorität. Alles andere kommt danach. In seinem Kern gilt dieser Satz aber für jeden Menschen. Gott ist wichtig, das Wichtigste in unserem Leben überhaupt. Diese Priorität lehren uns die Hirten. Von ihnen wollen wir lernen, uns von all den bedrängenden Dingen des Alltags nicht erdrücken zu lassen. Von ihnen wollen wir die innere Freiheit lernen, anderes noch so Wichtiges zurückzustellen, um uns aufzumachen zu Gott, ihn einzulassen in unser Leben und in unsere Zeit. Zeit, die wir für Gott und von ihm her für den Nächsten verwenden, ist nie verlorene Zeit. Es ist die Zeit, in der wir eigentlich leben, in der wir das Menschsein selbst leben.
(Benedikt XVI., Christmette 2009)

Montag, 24. Dezember 2018

Mein Sohn bist du

Geburt Jesu, Chartres



Das Kindlein in der Krippe ist wirklich Gottes Sohn. Gott ist nicht ewige Einsamkeit, sondern ein Kreis der Liebe in Hingabe und Zurückschenken: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Mehr noch: In Jesus Christus ist Gottes Sohn, Gott selbst ein Mensch geworden. Zu ihm sagt der Vater: „Mein Sohn bist du.” Das ewige Heute Gottes ist in das vergängliche Heute dieser Welt herabgestiegen und zieht unser vergehendes Heute in Gottes immerwährendes Heute hinein.

Gott ist so groß, daß er klein werden kann.
Gott ist so mächtig, daß er sich wehrlos machen kann und als wehrloses Kindlein auf uns zugeht, damit wir ihn lieben können.
Gott ist so gut, daß er auf seinen göttlichen Glanz verzichtet und in den Stall herabsteigt, damit wir ihn finden können und so seine Güte auch uns berührt, uns ansteckt, durch uns weiterwirkt.

Das ist Weihnachten: „Mein Sohn bist du; heute habe ich dich gezeugt.“ Gott ist einer von uns geworden, damit wir mit ihm sein, ihm ähnlich werden können. Er hat das Kind in der Krippe zu seinem Zeichen gewählt: So ist er. So lernen wir ihn kennen. Und über jedem Kind steht etwas vom Strahl dieses Heute, von der göttlichen Nähe, die wir lieben und der wir uns beugen sollen – über jedem Kind, auch über dem ungeborenen.
(Benedikt XVI., Christmette 2005)