Montag, 26. September 2016

Kosmas und Damian

Heute gedenkt die Kirche der hll. Kosmas und Damian.

Santi Cosma e Damiano, Rom

Apsismosaik, Paulus führt Cosmas (links), Petrus Damian zu Christus



Cosmas und Damianus waren leibliche Brüder und wurden in der Stadt Aegea geboren von einer heiligen Mutter, die hieß Theodora. Sie lernten die Kunst der Ärzte und empfingen so große Gnade in der Kunst von dem heiligen Geist, dass sie alles Siechtum von Menschen und von Tieren vertrieben. Dafür nahmen sie kein Gut.

Es war eine Frau, Palladia mit Namen, die hatte alles ihr Gut an Ärzte gelegt; zujüngst kam sie zu den Heiligen, die machten sie gänzlich gesund. Da bot sie Sanct Damiano heimlich eine Gabe, die wollte er nicht nehmen. Da beschwur sie ihn mit also schweren Eiden, dass er es endlich nahm, nicht aus Geiz zu der Gabe, sondern dass er ihre Andacht nicht irre und den Namen des Herrn nicht verschmähe, bei dem sie ihn also beschworen hatte. Als das Sanct Cosmas erfuhr, gebot er, dass man den Leib seines Bruders dereinst nicht bei seinem Leichnam sollte begraben. Aber in der Nacht darnach erschien der Herr Sanct Cosmas und entschuldigte den Bruder bei ihm wegen der Gabe, die er empfangen hatte.

Dieser Heiligen Leben kam vor den Landpfleger Lysias, der ließ sie vor sich bringen und fragte sie, wes Landes sie wären, wie ihre Namen und Gewerbe wären. Da antworteten die Heiligen "Wir sind genannt Cosmas und Damianus; drei anderer Brüder haben wir, die sind genannt Antimus, Leontius und Eupreprius, Arabia ist unser Land; aber wir werben nicht nach irdischem Gut, denn wir sind Christen". Da hieß der Landpfleger ihre Brüder auch herbei bringen, dass sie miteinander den Göttern opferten. Da sie dies Gebot verschmähten, ließ er sie gar schwerlich peinigen an Händen und Füßen; aber sie spotteten seiner Strafen. Da ließ er sie mit einer Kette binden und ins Meer werfen. Aber ein Engel führte sie alsbald unversehrt aus dem Meer und stellte sie wieder vor den Richter. Als das der Richter ansah, sprach er zu ihnen "Bei den großen Göttern, ihr sieget mit Zauberei, dass ihr den Martern entrinnet und das Meer stillet: darum so lehret mich diese eure Kunst, so will ich euch nachfolgen im Namen meines Gottes Adriani". Als er das gesagt hatte, waren zwei Teufel gegenwärtig, die schlugen ihn mit Macht in sein Angesicht. Da schrie er auf und sprach "O ihr guten Herren, bittet euern Gott für mich!" Das taten sie, und die Teufel wichen alsbald von ihm. Da sprach der Richter "Sehet ihr nun, wie meine Götter wider mich erzürnt sind, dass ich sie verlassen wollte; darum so will ich nicht länger leiden, dass ihr meine Götter schmähet". Also ließ er sie in ein großes Feuer werfen, davon blieben sie doch unversehrt, und die Flamme schlug aus von ihnen und verbrannte der Heiden viel, die dabei stunden. Darauf gebot er, dass sie auf die Folter würden gespannt; aber ein Engel hütete ihrer; und da die Knechte sie vor Müdigkeit nicht mehr mochten schlagen, wurden sie wieder vor den Richter gestellt unversehrt. Der ließ nun die drei Brüder in den Kerker schließen; Cosmas und Damianus aber hieß er kreuzigen, und hieß das Volk mit Steinen auf sie werfen. Da sprangen die Steine auf die zurück, die sie warfen, und verwundeten ihrer viele. Da ließ der Praefect voll Zorns die drei Brüder aus dem Gefängnis führen und neben das Kreuz stellen, und hieß vier Ritter auf Cosmas und Damianus, die an dem Kreuze hingen, mit Pfeilen schießen. Doch sprangen die Pfeile zurück und verwundeten viel andere Menschen, die heiligen Märtyrer aber blieben unversehrt. Da der Praefect sah, dass er in allem war überwunden, ward er geängstigt bis in den Tod, und hieß die fünf Brüder des andern Morgens zusammen enthaupten. Die Christen gedachten dessen, was Sanct Cosmas hatte gesagt, dass man sie nicht zusammen sollte begraben, und betrachteten, wie oder wo die Märtyrer wollten begraben sein. Siehe, da kam unversehens ein Kamel des Weges und rief mit menschlicher Stimme, dass man die Heiligen bei einander sollte begraben. Sie litten aber unter Diocletianus, welcher um das Jahr 287 zur Herrschaft kam.

Es entschlief ein Bauer nach vollbrachter Arbeit der Ernte auf dem Felde mit offenem Munde; da kroch eine Schlange in seinen Leib. Da er erwachte, empfand er nichts und kehrte heim. Aber da es Abend war, litt er großes Grimmen in seinem Leib und schrie gar jämmerlich und rief Sanct Cosmas und Damianus um Hilfe an. Und da der Schmerz immer größer ward, floh er zu der Kirche der heiligen Märtyrer. Da entschlief er unversehens, und die Schlange ging wieder aus seinem Mund, wie sie gekommen war.

Ein Mann reiste weit hinweg, und befahl sein Weib den heiligen Märtyrern Cosmas und Damianus. Und gab ihr ein Zeichen. wer ihr das brächte, mit dem sollte sie fahren, wenn er sie etwan ließe rufen. Der Teufel aber wußte das Zeichen, das ihr der Mann gegeben hatte, und verwandelte sich in eines Menschen Gestalt, brachte ihr das Zeichen und sprach "Dein Mann schickt mich zu dir von jener Stadt, dass ich dich zu ihm führe". Dennoch war ihr angst, mit ihm zu gehn, und sie sprach "Dies ist das Zeichen wol; doch so bin ich den heiligen Märtyrern Cosmas und Damianus befohlen, darum sollst du mir über ihrem Altar einen Eid schwören, dass du mich sicher führen willst; so gehe ich alsbald mit dir". Da schwur ihr der Teufel, wie sie es hatte begehrt, und die Frau fuhr mit ihm. Aber da sie zu einem heimlichen Orte kamen, wollte der Teufel sie von dem Reittier werfen, dass er sie töte. Als sie das empfand, da schrie sie "O du Gott der Heiligen Cosmas und Damianus, steh mir bei: denn ich habe euch geglaubt und bin mit diesem Menschen gefahren". Alsbald waren die Heiligen da mit einer großen Schar Männer in weißen Kleidern, und kamen ihr zu Hilf, und der Teufel verschwand zustund. Sie aber sprachen zu ihr "Wir sind Cosmas und Damianus, deren Schwur du geglaubt hast, darum kamen wir dir zu Hilfe".

Der Papst Felix, der der achte war vor Sanct Gregorio, baute in der Ehre der Heiligen Cosmas und Damianus zu Rom eine gar edle Kirche. In dieser Kirche diente ein Mann den heiligen Märtyrern, dem hatte der Krebs ein ganzes Bein gefressen. Und siehe, als er schlief, erschienen einst Sanct Cosmas und Damianus ihrem Diener und trugen Salben und ärztlich Werkzeug mit sich. Sprach der Eine zum Andern "Wo sollen wir frisch Fleisch hernehmen, das Loch zu füllen, da wir das faule Fleisch müssen ausschneiden?" Sprach der Andere "Auf dem Friedhof zu Sanct Peter ist heute ein Mohr begraben, der ist noch frisch: von dem hole, was wir für diesen brauchen". Also lief der Eine wol bald zu dem Friedhof und brachte des Mohren Bein; darnach schnitten sie dem Kranken den Schenkel ab und setzten des Mohren Schenkel an die Stelle, und salbten die Wunde mit Sorgfalt; das Bein des Kranken aber taten sie an des Mohren Leib. Als der Mann erwachte und keinen Schmerz empfand, griff er mit der Hand an die Hüfte und fand sie ohne Fehl. Da zündete er ein Licht an und sah, dass nichts Böses mehr an dem Beine war; und hub an zu zweifeln, ob er es selber wäre oder ein anderer. Aber da er wieder zu sich kam, da sprang er in Freuden aus seinem Bett und erzählte den Menschen, was er im Traum hatte gesehen, und wie er wäre geheilt worden. Die sandten eilends zu dem Grab des Mohren und fanden den Schenkel des Mohren abgeschnitten, und den des Geheilten in sein Grab gelegt.
(Legenda aurea, Quelle


Paulus und Cosmas

Petrus und Damian

Verherrlichung von Kosmas und Damian, Deckengemälde

Freitag, 23. September 2016

Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen, als ohne das hl. Meßopfer (P. Pio)

alte Kirche hl. Maria der Gnaden, im Chorgewölbe ein Rundbild mit einer
Darstellung der Heimsuchung, "Magnificat anima mea dominum" - Hochpreist
meine Seele den Herrn, links der Beichtstuhl hinter Glas, wo P. Pio über fünfzig
Jahre die Beichte der Frauen hörte, hier feierte er viele Jahre das hl. Meßopfer

Am Tag der Heiligsprechung von P. Pio, am 16. Juni 2002, hat Kardinal Christoph Schönborn in einer Katechese über die Berufung zur Heiligkeit gesprochen und P. Pio als Beispiel angeführt:


Heute ist ein ganz besonderer Tag. Es ist der Tag der Heiligsprechung von Padre Pio. Ich glaube, es fügt sich gut, dass das letzte Thema unserer Katechesen dieses Jahres das ist, was P. Pio so einzigartig darstellt: die Heiligkeit. "Gerecht gemacht durch Gott" - Berufung zur Heiligkeit. Beides: "Gerecht gemacht durch Gott" (vgl. Röm 8,30), die so genannte Frage der Rechtfertigung, und die Berufung zur Heiligkeit, wird in besonderer Weise durch P. Pio sichtbar gemacht. Ich darf deshalb mit besonderer Freude zuerst etwas über P. Pio sagen. - Nicht, dass Sie nicht besser Bescheid wüssten über ihn! - Ich schließe mich einfach den vielen Hunderttausenden an, die heute in Rom bei der Heiligsprechung von P. Pio durch Papst Johannes Paul II. dabei waren, oder den vielen Millionen, die es über das Fernsehen miterlebt haben. Es ist schon faszinierend, welche Popularität dieser nun heilig gesprochene Kapuzinerpater aus Pietrelcina, der den Großteil seines Lebens in dem kleinen Kapuzinerkloster in S. Giovanni Rotondo bei Foggia verbrachte, heute hat. Mehr Pilger gehen heute an das Grab des P. Pio als nach Lourdes, 7 Millionen schätzt man im Jahr. Überall in Italien, besonders in Italien aber auch weltweit, begegnet man einer großen Liebe zu P. Pio.

Ich hatte selber das Glück, P. Pio zu sehen, zu erleben bei einer Wallfahrt mit unserer Heimatpfarre im Jahr 1961. Ich war damals sechzehnjährig und eher kritisch allen diesen Phänomenen gegenüber, wie man halt mit sechzehn eher zurückhaltend ist, wenn es um so begeisterte süditalienische Frauen geht, die an der Tür der Kirche sich streiten, wer den ersten Platz haben kann und hinein stürmen in die Kirche unter Hintanstellung jeglicher Formen der Nächstenliebe, wenn man das sieht und dann die vielen Devotionalien, die rund um dieses Kloster damals schon zu finden waren, P. Pio mit Schnee und P. Pio auf dem Thermometer und P. Pio überall. Als wir dann aber in der Kirche waren sehr früh am Morgen und die Messe begonnen hat - ja, ich glaube ich kann sagen, ich habe nie in meinem Leben mehr so eine Messe erlebt, so zelebrieren gesehen wie P. Pio dieses eine Mal, wo ich dabei sein konnte. Das war wohl für zahllose Menschen der unvergessliche Eindruck dieses einfachen Kapuzinerpaters, wie er die hl. Messe gefeiert hat. Wenn man ihn gesehen hat, beim Offertorium, der Darbringung der Gaben, bei der Wandlung, bei der Kommunion, hatte man den unwiderstehlichen Eindruck: Das ist absolut wirklich, was da geschieht, das ist nicht ein äußerer Ritus, an dem jemand äußerlich teilnimmt, sondern das Geschehen. Was das Sakrament bezeichnet, das geschieht: das Opfer Christi, das er in den Stigmaten, den Wundmalen, an seinem eigenen Leib mit gelebt hat und das er in der Feier der Messe so deutlich sichtbar gemacht hat.
Beichten gehen konnte ich nicht bei ihm, denn man musste italienisch können, und das konnte ich damals nicht. Aber ich habe von vielen Berichte gehört, die bei ihm beichten waren, und auch da das Unvergleichliche seiner Aufmerksamkeit, seines Humors aber auch seiner unerbittlichen Strenge, wenn es um die Bekehrung ging, um die Reue, und seine grenzenlose Barmherzigkeit, wenn er auch nur eine Spur von Reue gespürt hat.
Die Stigmaten, die Wundmale, hat er fünfzig Jahre lang an seinem Leib getragen hat. Er ist zwei Tage nach dem fünfzigsten Jahrestag seiner Stigmatisierung gestorben, im Jahr 1968. Sicher war das ein Grund, warum Menschen neugierig waren, nach S. Giovanni Rotondo zu gehen. Aber es war noch etwas anderes: die erschütternde, bewegende und zur Umkehr aufrüttelnde Begegnung mit der Liebe Christi.
Dann seine intensive Liebe zu den Armen und zu den kleinen, die Ströme an Spendengeldern, die zu ihm kamen, hat er verwendet, um ein riesiges Spital zu bauen, "Casa sollievo della sofferenza", das "Haus zur Erleichterung der Leiden", ein prachtvolles Spital, das immer noch vergrößert wird, mit den besten Ärzten, eines der besten Italiens. Er wollte, dass die Armen dort behandelt würden wie Christus selber, mit der größten Zuvorkommenheit und mit der besten medizinischen Pflege.
Dann die vielen Zeichen seiner Nähe, die so viele Menschen erfahren haben, die Erfahrung, dass der Himmel nahe ist, dass die Heiligen bei uns sind, außerordentliche Phänomene immer wieder erlebt, der Duft, der seine Gegenwart angezeigt hat, seine Erscheinungen, seine vielfach bezeugten Bilokationen aber auch vor allem die vielen, vielen Erfahrungen konkreter, einfacher, täglicher Hilfe des Himmels. Alles das ist Grund zu großer Freude und zu Dankbarkeit, dass Gott uns auch heute Zeichen seiner Nähe schenkt. (....)


Wie sieht der Weg zur Heiligkeit aus? Ich danke dem Internet, das es mir möglich gemacht hat, die Predigt, die der Heilige Vater heute in Rom zur Heiligsprechung von Padre Pio gehalten hat, schon zu kennen. Und so darf ich ihn befragen. Was hat der Heilige Vater heute am Petersplatz zur Heiligkeit des P. Pio gesagt? Er hat vier Elemente genannt, und ich glaube, sie haben universale Gültigkeit, auch wenn sie unterschiedlich in den verschiedenen Lebensständen zu leben sind.

Erstens: "Nehmt mein Joch auf euch und folgt mir nach, denn mein Joch ist sanft und meine Last, meine Bürde ist leicht" (Mt 11,30). Mit diesen Worten des Evangeliums von der heutigen Heiligsprechung hat der Heilige Vater begonnen. Und er sagt: P. Pio zeigt durch sein Leben, dass Jesu Joch tatsächlich "dolce", süß ist, sanft, leicht. Jesu Joch ist "dolce". P. Pio hat das in seinem Leben gezeigt: Nehmt mein Joch auf euch, es ist leicht. Verglichen mit vielen anderen Jochen, die Menschen, die wir auf uns nehmen, ist Jesu Joch leicht. Und er erklärt weiter: Aber dieses Joch ist das Kreuz, das Kreuz Jesu. P. Pio habe in seinem Leben eine immer größere Gleichförmigkeit mit dem Gekreuzigten gesucht und verwirklicht, und das nicht aus Liebe zum Leiden, sondern aus Leidenschaft für das Erlösungswerk Christi, um teilzunehmen am Erlösungswerk Jesu Christi. Das hat P. Pio motiviert, das war seine Leidenschaft, dafür hat er gelitten und gelebt, um Menschen die Gnade Christi zu schenken, zu erwerben, zu verdienen. Im Plan Gottes ist das Kreuz das wahre Instrument des Heils für alle Menschen. Es ist der Weg, den Jesus ausdrücklich seinen Nachfolgern vorgeschlagen hat. Nur auf diesem Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes können wir Christus ähnlich werden, sagt der Papst heute Vormittag in Rom. Wenn man ihn anschaut, dann wird das alles gleich sehr konkret und sichtbar, wie sehr er selber das lebt.

Das zweite Kennzeichen von P. Pio gilt zweifellos für alle, die den Weg der Heiligkeit suchen: Gottes Barmherzigkeit. Ich glaube, es gehört zu den großen Kennzeichen der Heiligkeit im 20. Jahrhundert, dass wie kaum zuvor Gottes Barmherzigkeit verkündet und gelebt wird: die kleine hl. Theresia, noch im 19. Jahrhundert, die hl. Sr. Faustina und ganz besonders P. Pio. Eine geradezu Maßlosigkeit der Barmherzigkeit Gottes, sie kommt aus der Gleichförmigkeit mit dem Kreuz Christi. Je mehr er sich Christus, dem Gekreuzigten, genähert hat, desto größer ist sein Erbarmen geworden. Ich könnte manche Anekdote aus dem Leben des P. Pio erzählen, die mir berichtet würde über diese grenzenlose Barmherzigkeit. Vor allem, wenn er das Messopfer gefeiert hat, hat man das gespürt, für alle Menschen. Wenn er die Patene hochgehalten hat bei dem Offertorium, das oft lange gedauert hat, hat man gewusst, für wie viele Menschen er jetzt da ist und ihnen die Barmherzigkeit Gottes erfleht. Dann vor allem in der Beichte.
Freilich, P. Pio konnte auch sehr streng sein. Mir hat jemand erzählt, der das selber erlebt hat, dass er sich während der Messe, die noch zum Altar zelebriert wurde, plötzlich umgedreht, jemand in der Kirche gesucht und ganz laut gerufen hat: "Via! Via!" - "Raus! Raus!" Er ist mit hochrotem Kopf aus der Kirche hinausgegangen. P. Pio hat ihn mit den Finger hinausgewiesen und sich erst umgedreht, als er draußen war - Barmherzigkeit Gottes. Offensichtlich wusste P. Pio in seinem Innersten: Dieser Mensch braucht einen Anstoß, den muss man schütteln, dass er sich bekehrt. Er ist auch tatsächlich nach drei Tagen zu P. Pio beichten gegangen, wie mir ein lieber Freund, Priester, Italiener erzählt hat, der die Szene selber erlebt hat - Barmherzigkeit, die Leidenschaft für das Heil, für die Bekehrung, für die Liebe Gottes zu den Menschen.

Drittens, sagt der Heilige Vater heute in seiner Predigt: Der tiefste Grund für den apostolischen Erfolg des P. Pio war seine innigste Verbindung mit Gott im Gebet. Lange Stunden des Gebets, und er pflegte zu sagen: "Io sono un povero frate, qui prega." - "Ich bin ein armer Ordensbruder, der betet." Er hat gesagt: Das Gebet ist die beste Waffe, die wir haben, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.

Als viertes nennt der Heilige Vater, dass bei ihm das Gebet immer verbunden war mit der Caritas, mit der caritativen Tätigkeit, vor allem mit seiner leidenschaftlichen Liebe für die Armen, die Kleinen, die Notleidenden, konkretisiert in dem großartigen Spital in S. Giovanni Rotondo. Gebet und Nächstenliebe, sagt der Heilige Vater, sind die Synthese des Lebens der Heiligkeit von P. Pio.

Vier Schritte zur Heiligkeit: Kreuzesnachfolge, Barmherzigkeit, Gebet, Nächstenliebe. Das hat der Heilige Vater heute Vormittag am Petersplatz gesagt. Ich möchte schließen mit dem Gebet, mit dem er heute Vormittag seine Predigt beendet hat:

"Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du diese Dinge ... den kleinen geoffenbart hast" (Mt 11,25). Wie geeignet scheinen diese Worte Jesu, wenn wir sie auf dich beziehen, du demütiger und geliebter P. Pio. Lehre auch uns, so bitten wir dich, die Demut des Herzens, damit auch wir zu den Kleinen des Evangeliums gezählt werden, denen der Vater versprochen hat, ihnen die Geheimnisse seines Reiches zu offenbaren. Hilf uns zu beten, ohne jemals müde zu werden, gewiss, dass Gott weiß, wessen wir bedürfen, auch noch bevor wir es ihn gebeten haben. Erbitte uns einen Blick des Glaubens, der fähig ist, in den Armen und Leidenden sofort das Antlitz Jesu Christi selbst zu erkennen. Stütze uns in der Stunde des Kampfes und der Prüfung. Und wenn wir fallen, hilf uns, dass wir die Freude des Sakraments der Versöhnung erfahren. Vermittle uns deine zarte Verehrung für Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter. Begleite uns auf unserer irdischen Pilgerschaft zur ewigen Heimat, wo wir hoffen, auch selber einmal hinzugelangen, um in Ewigkeit die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu betrachten.




Jesus allein kann begreifen, welche Pein es für mich bedeutet, wenn ich die qualvolle Szene des Kalvarienbergs vor mir sehe.
Genauso schwer zu verstehen ist es, welchen Trost es für Jesus bedeutet, wenn man wegen Seiner Schmerzen nicht nur Mitleid mit Ihm verspürt, sondern wenn Er eine Seele findet, die aus Liebe zu Ihm nichts für sich selbst um Hilfe bittet, sondern darum, Seine Schmerzen mit Ihm teilen zu können.
(132, dieser und die folgenden Texte sind dem Buch "Guten Tag", Gedanke von P. Pio für jeden Tag des Jahres entnommen)

Kelch und Patene von P. Pio, die er bei seiner letzten hl. Messe am 22. September 1968 verwendete

In der heiligen Messe erneuere deinen Glauben und bedenke, wer das Opferlamm ist, das sich für dich der göttlichen Gerechtigkeit darbietet, um sie zu versöhnen uns uns wieder gewogen zu machen.
Wenn es dir gut geht, hörst du die Messe. Wenn es dir schlecht geht und du nicht an ihr teilnehmen kannst, bist du es, der die Messe feiert. (133)

P. Pio werden 1931 alle Amtsbefugnisse entzogen, zwei Jahre lang durfte er die
hl. Messe nur privat ohne Teilnahme von Gläubigen feiern.

Während der Feier der hl. Messe hänge ich mit Jesus am Kreuz und erleide alles, was Jesus auf dem Golgota erlitten hat, so weit das einer menschlichen Natur möglich ist. (Derobert, P. Pio, 720f)




Albe, Zingulum und Stola von P. Pio

In diesen so traurigen Zeiten, in denen der Glaube erloschen ist, in denen die Gottlosigkeit ihren Triumpf feiert, ist die eucharistische Speise das sicherste Mittel, um sich von dieser tückischen Krankheit, die uns umgibt, frei zu halten.
Und das wird denen schwerlich gelingen, die monatelang dahinleben, ohne sich von dem Unbefleckten Fleisch des Gotteslammes zu sättigen. (135)


In Erinnerung an seine Priesterweihe

Aber mein Vater, wohin eilen meine Gedanken, während ich dies schreibe? Zu dem schönen Tag meiner Priesterweihe! Morgen, am Fest des hl. Laurentius, ist auch mein Festtag. Ich spüre aufs neue die Freude jenes für mich so heiligen Tages. Seit heute morgen schon erlebe ich den Vorgeschmack des Paradieses...
Wie wird es erst sein, wenn wir es auf ewig genießen werden!? Ich vergleiche die Ruhe des Herzens, die ich an jenem Tag empfunden habe, mit der Ruhe des Herzens, die ich heute am Vortag des Festes verspüre, und ich kann keinen Unterschied feststellen.
Der Tag des hl. Laurentius war der Tag, wo ich mein Herz am meisten von der Liebe zu Jesus entbrannt fühlte. Wie glücklich war ich, wie habe ich jenen Tag genossen!

(P. Pio an P. Augustino,  am 9. August 1912, in: P. Pio v. Pietrelcina, Briefe I, 355)


Grabeskapelle von P. Pio von Pietrelcina

Mein Jesus, rette alle;
ich biete mich für alle zum Opfer an:
gib mir Kraft;
nimm mein Herz,
erfülle es mit Deiner Liebe
und befiehl mir dann,
was Du willst. (137) 

Donnerstag, 22. September 2016

Die Wallfahrtskirche Maria Himmelskönigin und Pfarrkirche zum hl. Mauritius

hl. Mauritius, Pfarrkirche Oberleis

Mitten im Weinviertel liegt eingebettet in die Leiser Berge die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Oberleis. Sie ist dem hl. Mauritius und der Himmelskönigin geweiht. Die ursprüngliche Marienkirche wurde auf Anordnung von Kaiser Joseph II. abgerissen, das Patronat auf die bestehende Pfarrkirche übertragen. Die Gnadenstatue Maria mit dem Kind auf der Säule ist aus der ursprünglichen Wallfahrtskirche.
Am 22. September gedenkt die Kirche des hl. Märtyrers Mauritius, ein römischer Offizier, der mit seiner ganzen Legion umgebracht wurde, weil er sich weigerte, die Christen zu verfolgen und den falschen Göttern zu opfern.



vlnr: hl. Mauritius, Gnadenstatue, hl. Leopold

Mauritius, Pfarrkirche Oberleis

Gnadenstatue Maria mit dem Kind, Oberleis

Mittwoch, 21. September 2016

Heute feiert die Kirche nicht nur den Apostel Matthäus

Ninive, Seesturm, Jona wird ins Meer geworfen und von einem großen Fisch verschlungen

sondern gedenkt auch des alttestamentlichen Propheten
Jona. Über den historischen Propheten Jona lesen wir im 2. Buch der Könige: Er war Prophet im 8. vorchristlichen Jahrhundert und prophezeite König Jerobeam II. die Rückeroberung der Gebiete bis zum Toten Meer (2 Kön 14,25). Der Name des Jona wurde dann für den fiktiven Helden der Lehrerzählung aus dem 4. Jahrhundert verwendet, die ein eigenes Buch im Alten Testament bildet. Demnach wurde Jona von Gott beauftragt, der Stadt Ninive den Untergang vorauszusagen. Die Ruinen Ninives sind bei Mosul im Irak erhalten.
Jonas will seiner unangenehmen Berufung als Unheilsprophet zunächst entkommen, wird auf der Flucht vor Gott von einem Seeungeheuer verschluckt und letztlich doch von Gott gerettet; als sich schließlich Ninive tatsächlich bekehrt, ist er damit wieder nicht zufrieden und hadert gegen die Barmherzigkeit Gottes. Im Neuen Testament wird Jona, der drei Tage im Bauch des Seeungeheuers war, zum Vorausbild für Christus, der drei Tage in der Finsternis des Grabes war.
(Martyrologium Sancrucense)

Jona wird ans Land gespien, Lincoln College, Oxford

Die Gestalt des biblischen Jona hat viele Menschen immer wieder interessiert, unter ihnen die Theologen, insbesondere die Bibliker und Ethiker, auch die Künstler. Nach dem altbundlichen Prophetenbuch weigert sich Jona, die heidnische sündige Stadt Ninive zur Umkehr zu rufen. Er will nicht, dass Gott vergibt und verschont. Können wir das nachempfinden?

An der Vergebungsbereitschaft Gottes zweifeln wir nicht. Uns ist bewusst, dass sie allein unsere Hoffnung begründet. Und aus langer christlicher Gewöhnung ist uns der Heilsuniversalismus, der auch die Nichtchristen einschließt, vertraut. „Gott will, dass alle Menschen selig werden“ (1 Tim 2,4).

Vielleicht ist uns dies schon so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir kaum noch spüren, wie unfassbar und staunenswert die unaufhörliche und grenzenlose Vergebungsbereitschaft Gottes ist.
Verborgen gibt es womöglich auch die Versuchung, Grenzen zu ziehen: „Das Heil kann doch nicht billig sein“. Und im Namen der Gerechtigkeit erwarten wir, dass über die schweren Verbrechen Gericht gehalten wird. Es kann doch nicht sein, dass es am Ende gleichgültig ist, ob ganze Völker, vielleicht über Generationen, unter der Bosheit von Menschen gelitten haben. Dann kommt uns der Gedanke zu Hilfe, dass die Vergebung doch auch Reue und Umkehrwillen verlangt, wenigstens das. Hoffentlich aber setzen wir unser Vertrauen auf Jesu Sühnetod.

Nein, an Gottes Vergebungsbereitschaft und Heilswillen wollen wir nicht zweifeln. Aber zur Umkehr rufen, wie Jona es – mehr von Gott genötigt als aus Neigung – tat, oder mit Strafe drohen, wie der Prophet es tat, wagen wir kaum. Weniger, weil wir Bekehrung und Vergebung nicht wünschten, sondern weil wir Bußpredigt und Drohung für wirkungslos halten, vielleicht sogar für kontraproduktiv.

Wir haben unsere Erfahrungen, meinen wir. Im Erleben unseres eigenen Umfeldes und über Jahre und Jahrzehnte. Es gibt Menschen, die können sich offensichtlich nicht mehr bekehren. Dann stellen wir resignierend alle Bemühungen, sie zur Einsicht und Reue zu bewegen, ein. Das kann Einzelne betreffen.

Oder wir haben geschichtliche Erinnerungen. Wie war es, als große Mehrheiten in einer Gesellschaft mit ihren ideologisch begründeten Absichten über Völker herfielen und vernichten, wenigstens unterwerfen wollten, wie in einem Rausch wüteten und nicht mehr zu belehren waren? Kollektive Irrtümer, die Furien entfesselten? Müssen da erst die große Katastrophe und der völlige Zusammenbruch kommen? Aber auch dann wachsen ja nur langsam die Einsicht und der Wille zur Umkehr.

Dabei ist es schwer zu verstehen, dass jemand Böses will auch in der Erkenntnis, dass das Gewollte böse ist. Ja, dass einer Böses verursacht, weil er einen größeren Wert drangibt, um einen kleineren zu gewinnen (eine vorübergehende Lust, einen persönlichen Vorteil), kennen wir aus eigenem Erleben. Auch dass einer im Irrtum befangen bleibt. Aber dass einer am Bösen festhält, auch wenn er es erkennt? Dass einer an seiner Gottferne festhält, an seiner eigenen Hölle, erscheint uns unbegreiflich. Mysterium iniquitatis!

Gerade, weil es so unbegreiflich ist, wünschen wir vielleicht, dass es trotz allem irgendwann am Ende doch eine Apokatastasis gäbe, eine allgemeine Versöhnung und Erlösung. Die Kirche hat in ihrem Lehramt aber verbindlich entschieden, dass nicht geglaubt werden kann und darf, dass die Hölle zeitlich, nicht ewig sei.
So bleibt zu fragen: Gibt es eine so schwere Schuld, eine solche Verstrickung in Sünde und eine solche Verstockung im Bösen, dass eine Bekehrung ausgeschlossen ist? Fehlhaltungen, die gar nicht mehr zu beheben sind?

Bei Dante heißt es einmal: „Das ist die Strafe deiner Sünde, dass du sie nicht mehr als Sünde erkennst“. Bedeutet dies Aussichtslosigkeit? Oder mildernder Umstand?

Auch wenn wir an der kirchlichen Lehrentscheidung festhalten, dass die Hölle ewig ist, dürfen wir doch hoffen, dass auch der schlimmste Sünder sich von der Liebe Gottes bewegen lässt, sich Gott anzuvertrauen. Können wir das auch hoffen?

Hier ist unser Glaube an die Vergebungsbereitschaft und unser Vertrauen darauf gefragt: die Vergebungsbereitschaft, die den Propheten Jona nach Ninive sandte (und wenn das Buch Jona auch keine geschichtliche Erzählung ist, ist sie doch Verkündigung!), Vergebungsbereitschaft, die in ihrem Grund und Maß in Jesus von Nazareth offenbart worden ist.

In Wort und Tat Jesu begegnet doch auf Schritt und Tritt die Botschaft von Gottes grundloser Vergebungsbereitschaft. „Grundlos“ darf im doppelten Sinn verstanden werden; einmal: Gott will verzeihen, ohne dass der Sünder etwas anderes tut, als dass er im Glauben Verzeihung und Vergebung annimmt; und im anderen Sinn: die Vergebungsbereitschaft Gottes reicht so tief, dass sie nie auf einen Grund kommt und erschöpft sein könnte.

Jesus selbst hat als Gottes Sohn Sünden vergeben und Sünder mit Gott versöhnt. „Deine Sünden sind dir vergeben“, sagt er, auch wenn ihm das den Vorwurf der Lästerung einbringt. Am Kreuz noch möchte er Vergebung: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun“. (Unsere Neugier mag fragen: Und wenn sie es wüssten? Wäre das dann die unvergebbare „Sünde wider den Heiligen Geist“? Aber so fragen wir. Der Evangelist zielt auf eine andere Botschaft.)

Ich wage noch in Kürze anzufügen, was Hans Urs von Balthasar immer wieder vorgetragen hat: ist der Höllenabstieg Jesu, den wir im Credo bekennen, nicht die Botschaft, dass Jesus den Verlorenen in der tiefsten Gottesferne begegnet und ihnen dort die unergründliche Liebe Gottes erlebbar macht, dass sie sich dem Barmherzigen zuwenden und gerettet werden können? Sollten wir nicht darauf hoffen dürfen, dass der Verstockteste aufsteckt und sich dem Barmherzigen anvertraut, wenn neben ihm der einzig Schuldlose noch schmerzlicher unter der Gottesferne leidet als er selbst?

Aber mit diesen Fragen bewegen wir uns auf dem Feld theologischer Überlegungen und nicht mehr in der Interpretation kirchlich verbindlicher Glaubenslehre. In der Heiligen Schrift gibt uns aber kein Wort so viel Vertrauen wie das Wort, das der Apostel an die Gemeinde von Rom schreibt: „... wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20).

Liebe Mitbrüder, Jona wurde nach Ninive gesandt, um die heidnische sündige Stadt zur Umkehr zu rufen. Ihm behagte dies nicht. Auf dem Hintergrund dieser Vorstellung wird es gerade zur großen Überraschung, dass Ninive sich zum Gott Israels bekehrt und Gott verschont und verzeiht.

Wenn wir im Glauben daran festhalten, dass Gottes Vergebungsbereitschaft nie endet, werden wir zur Umkehr rufen, auch wenn die Früchte ausbleiben. Dann werden wir den vergebungsbereiten Christus so verkünden, dass er für alle Generationen „zum Zeichen des Jona“ werden kann, das Jesus angekündigt hat. Amen.

(Sterzinsky, Predigt  bei der Frühjahrsvollversammlung der DBK, 13.2.22008)


Jesus erwiderte: "Ihr seid ein schlimmes, verdorbenes Pack! Ihr fordert eindeutige Zeichen: jemand,
der Umkehr predigt, wie der Prophet Jona es getan hat. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte
im Bauch des großen Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im
Herzen der Erde sein. (Mt 12,40)
Übersetzung: Berger/Nord